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Byron im Lichte unserer Zeit : ein Vortrag zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Lord Byrons im Verein für das Studium neuerer Sprachen zu Berlin
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Festigkeit seines Charakters, die er in den Rebellen Satanhineingelegt hat. Byron ist ohne festen Halt, ein Spielball desaugenblicklichen Impulses, daher vor allem Dichter der Leiden-schaft, wie er ja selbst das Wesen der Poesie in die Leiden-schaft gesetzt hat. Milton hat eine klassische Ruhe, Byron istdurch und durch modern, auch in seiner Ruhelosigkeit. Jenenstaunen wir mit kalter Bewunderung an; dieser reißt uns fort,bis wir uns kritisch dagegen auflehnen, fortgerisscn zu werden.Wesentlich verschieden sind Milton und Byron zumal in derKomposition. Der strenge alte Dichter, geschult von den Griechen,die in sein eigenes Wesen übergegangen sind, aber auch mitShakespeare vertraut, während Byron nur neuere Muster kannte,hat seine Fabel festgefugt wie ein architektonisches Kunstwerkaufgebaut und zugleich die Charaktere mit Folgerichtigkeit ent-wickelt. Byrons Charaktere sind nur schattenhaft angedcutet,und seine schwächste Seite ist die Komposition.Childe Harold"sowohl alsDon Juan" sind ckisjeeta iusml>ra poetne.

Scott hat den unverkennbaren Vortheil vor Byron voraus,daß er sich auf die eigentlich epische Kunst der schlichten Erzählungbeschränkt, in der er als Muster gelten kann; aber im Vergleichmit seinem gewaltigeren Landsmann läßt er uns gleichfalls kalt,denn es fehlt ihm dessen großartiger Schwung. Er hat dieVergangenheit, welche der Erinnerung längst entrückt war, wiederzu beleben versucht; allein dies ist ihm nicht in vollem Maßegeglückt, seine Stoffe bleiben uns fremd. Byron ist zwar vielzu stürmisch, um einfach zu erzählen; dafür aber besitzt er dieMacht, das räumlich Ferne zum geistig Gegenwärtigen zu machen;er schildert es, als ständen wir mitten darin, weil er ja stetsunter dem Einfluß des augenblicklich ihn überwältigenden Ein-drucks dichtete. Scott weiß uns blos in Spannung zu erhalten;Byron haucht uns die Gluth seiner eigenen Empfindung ein, sodaß die Menge der Leser in seinen Personen, wie unbestimmtcs2)