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Byron im Lichte unserer Zeit : ein Vortrag zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Lord Byrons im Verein für das Studium neuerer Sprachen zu Berlin
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Denkens Flnch" war nicht nur, wie der Dichter will,* derFeind, der ihn stets verfolgte; sondern wir können die Wortefür den vorliegenden Fall wenden, der Gifthauch für seinePoesie war der Fluch des Gedankens.

Welchen Rang werden wir hiernach Byron in der englischenLiteratur anweisen? Elze (S. 386) sagt:Die englische Literaturhat in den vier Hauptgattungen der Poesie vier unerreichteGenien hervorgebracht: Shakespeare in der dramatischen, Miltvuin der reflektirenden, soweit diese als eine eigene Gattung an-gesehen werden kann, Scott in der epischen und Byron in derlyrischen die Lyrik im weitesten Sinne als subjektive Poesieaufgefaßt." So sehr es uns auffüllt, daß Chaneer nicht erwähntist, so wenig wir mit der Aufstellung Miltons als Vertreter derreflektirenden Gattung der Poesie oder damit einverstanden sind,daß Milton, Scott und Byron, wie es wenigstens den Anscheinhat, mit Shakespeare auf eine Stufe erhoben werden, wollenwir den Kanon, ohne ihn anzunehmen, insofern gelten lassen,als er etwa den Vorstellungen der meisten allgemein Gebildetenin Deutschland entspricht. Er giebt uns außerdem GelegenheitByron als Verfasser von Gedichten erzählender Art durch eineParallele mit den Epikern Milton und Scott zu charakterisiren.

Es lassen sich kaum zwei schärfere Gegensätze denken alsMilton und Byron. Auf diesen paßt der Vers imGiaonr":

ES kocht sein Blut gleich LavafluthJu Aetuas Flammenbrust;

jener ist, um auch sein eigenes Wort (P. L. XII. 193) zugebrauchen,

stets kalt wie Eis,

Nach Thauwiud nur gehärtet.

Milton's Poesie erscheint gleichsam als ein zu Eis erstarrtes,eben so reines als gewaltiges Element, überwältigend durch die

" 'lim bligüt ot' lila, tim clsmoii tliouligt. Ob. Ilar. 1. v. 860.

2* <8I)