Druckschrift 
Byron im Lichte unserer Zeit : ein Vortrag zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Lord Byrons im Verein für das Studium neuerer Sprachen zu Berlin
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

freilich nicht bestimmen läßt, da er es liebte, mit seinem Welt-schmerz zu kokettiren. Wir können auf den Dichter selbst dieWorte imManfred" (III. 1) anwenden:

Zum edlen Wesen war der Mau» bestimmt:

Er hat die Thatkraft, die in schönem BanHerrliche Stoff' und Theile wohl vereint.

Wenn weise sie gemengt sind. Wie er ist.

Entsetzt er als ein Chaos Licht und Dunkel,

Geist, Staub, des Denkens Reinheit, Leidenschaft,

Sie mischen sich in Kämpfen ohne Ziel,

Schlummernd und unheilvoll er geht zu Grunde.

Wenn wir Byron nun als Dichter zu würdigen versuchen,müssen wir von der Zwiespältigkeit seines Wesens, von denin seinem Geist vorhandenen Antithesen ausgehcn (bis spiritantitbotieail;' mixt). Nicht nur Ormuzd und Ahriman kämpftenum seine Seele, sondern Phantasie und Reflexion machten denDichter einander streitig. Daß Phantasie und Reflexion alszwei unvermittelte Seiten wie in einem Januskopfe nebenein-ander standen, wird allgemein anerkannt; nur über die Trag-weite des Denkens herrschen verschiedene Ansichten. Jedenfallswaren die beiden Elemente nicht so vereint, daß man sagen könnte:Ihm gaben die Götter das reine Gemüth,

Wo die Welt sich, die ewige spiegelt.

Die mit der Phantasie nicht harmonisch verschmolzeneReflexion verleitete Byron zur Rhetorik; aber gerade diese, wieschon gesagt ist, gewann ihm die meisten Bewunderer. Unfrucht-bares Brüten führte zum Pessimismus, der echter Poesie geradeso gut widerstrebt als echter Philosophie. Ob es ihm mitseinem Pessimismus und Weltschmerz wirklich Ernst war, oderob er nur das Interesse an seiner Dichtung dadurch steigernwollte, mag für die Beurtheilung derselben dahingestellt bleiben;jedenfalls tritt durch das Herauskehren einer solchen Weltan-schauung ein nnpoetisches Element ein.Des Lebens Gifthauch,wo: