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Byron im Lichte unserer Zeit : ein Vortrag zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Lord Byrons im Verein für das Studium neuerer Sprachen zu Berlin
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lnnghi ein Fieber am 18. April 1824 im Alter von 36 Jahrenhinweggcrafft hätte, ohne daß er die Krönung des Werkes, demer sich gewidmet, die Freiheit Griechenlands, erlebte. Einer Be-erdigung in der Westminster-Abtei hielt man ihn nicht fürwürdig; sein Staub ruht auf dem Kirchhof von Hucknall in derNähe von Newstead.

Byrons Biographie muß uns unbefriedigt lassen, nicht nurweil er eigentlich sein Lebensziel verfehlt hat, sondern weil esseinem ganzen Wesen an harmonischer Durchbildung mangelt.Die Dissonanzen seines Charakters müssen wir schon deshalbnäher betrachten, weil sie sich seinen Dichtungen mitgctheilthaben. Byron hatte die heiße und unbändige Leidenschaftlichkeitseiner Mutter geerbt; aber, obgleich er nicht durch strenge Zucht inder Jugend gewöhnt war, sein Temperament zu müßigen, kamcs doch seltener zu gewaltsamen Ausbrüchen, als man erwartensollte. Die Zuchtlosigkeit trat dagegen besonders in dem Un-vermögen hervor, sich etwas zu versagen, zumal da er von denFrauen verhätschelt war. Er wandte mit Recht auf sich dieWorte Ovids an. in denen derselbe Medea sich schildern läßt:viäeo ineliora i>rodogne; cleteriora seguor. Seine Haltlosigkeitzeigte sich besonders im häufigen Uebergang von himmel-hohem Jauchzen zum Trübsinn bis zum Tode. Mannhaft undkühn, königlich durch den Schwung seines Geistes, vereinte erdamit wieder eine weibliche Weichheit, und, augenblicklichenEindrücken sich hingebend, schwankte er ewig zwischen diesenExtremen. Die Züge des Gesichts bestätigen eine solche Ver-schmelzung zwei verschiedener Charaktere. Der obere Theil warmännlich und gebieterisch, die unteren Partien/ von einer weib-lichen Anmnth mit schwellenden Formen.

Finlay, der Geschichtschreiber Griechenlands, bestätigt auspersönlicher Beobachtung Byrons launenhafte Wandelbarkeit undBestimmung durch Eindrücke des Augenblicks, sein Schwanken

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