DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
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Im zweiten Falle, bei hinzutretendem disparaten Reiz(Gesichtsvor Stellung und ein Scliallreiz) lässt Wundtvor einer kreisförmigen Scala einen Zeiger mit gleich-förmiger und hinreichend langsamer Geschwindigkeit sichbewegen, so dass die Einzelbilder desselben nicht ver-schmelzen, sondern seine Stellung in jedem Augenblickdeutlich aufgefasst werden kann. Dem Uhrwerk, welchesden Zeiger dreht, giebt man eine solche Einrichtung,dass bei jeder Umdrehung ein einmaliger Glockenschlagausgelöst wird, dessen Eintrittszeit beliebig variirt werdenkann, so dass der Beobachter niemals zuvor weiss, wannder Glockenschlag wirklich stattfindet. Es sind nun beidiesen Beobachtungen drei Dinge möglich: entwederkann der Glockenschlag genau im selben Moment apper-cipirt werden, in welchem der Zeiger zur Zeit des Schallessteht; in diesem Falle findet also keine Zeitverschiebungstatt. Oder der Schall kann mit einer späteren Zeiger-stellung combinirt werden; dann werden wir, falls derZeitunterschied so bedeutend ist, dass er nicht bloss aufdie Fortpflanzungsvorgänge bezogen werden kann, eineZeitverschiebung der Vorstellungen annehmen müssen,die wir, wenn der Schall später appercipirt wird, als erwirklich stattfindet, positiv nennen wollen. Endlich kannaber auch der Glockenschlag mit einer Zeigerstellungcombinirt werden, welche früher liegt, als der wirklicheSchall; hier werden wir die Zeitverschiebung eine negativenennen. Das Natürlichste scheint wohl die positiveZeitverschiebung zu sein, da wir vermuthen dürfen,dass zur Apperception immer eine gewisse Zeit erfordertwird. Aber der Erfolg zeigt, dass gerade das Gegentheilrichtig ist. Der weitaus häufigste Fall ist, dass die Zeit-verschiebung negativ wird, dass also der Schall an-scheinend früher gehört wird, als er wirklich stattfindet.