270 DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
2. Wir müssen zunächst hervorheben, dass die Zeit,welche zwischen dem Reize und der Reaction verstreicht,sich auf mehrere verschiedenartige Vorgänge vertheilt.Exner zerlegt sie auf Grund einer sehr sorgfältigenUntersuchung in folgende Momente:
1) Die Zeit, welche nöthig ist, damit die Kraft desReizes sich in Nervenkraft umsetzt; sie ist bei directerReizung des Nerven — 0. 2) Die Zeit, welche der Reiz
gebraucht, um sich von dem Nerven zu einem Nerven-centrum fortzupflanzen. 3) Die Zeit, welche der Reizgebraucht, das Rückenmark zu durchlaufen, welche fürdie Gehirnnerven = 0 ist. 4) Die Zeit, welche nöthigist, damit der Reiz sich im Centrum in motorische Erre-gung umsetzt. 5) Die Zeit, welche der motorische Reizgebraucht, das Rückenmark zu durchlaufen. 6) Die Zeit,welche verstreicht, damit der Reiz den motorischen Nervdurchläuft. 7) Die Zeit, welche erforderlich ist, dieMuskelcontraction hervorzurufen.
Von diesen Elementen geht uns vor allem das viertean; die anderen sind bekannt, mit Ausnahme des ersten,welches nur bei der Netzhaut, und auch hier ohnebeweiskräftiges Resultat, hat untersucht werden können.
Wundt, welcher ebenfalls eine Analyse der physio-logischen Zeit gegeben hat, zeigt, dass sie sich aus fol-genden Elementen zusammensetzt: 1) aus der Leitung
vom Sinnesorgan bis in das Gehirn; 2) aus dem Eintrittin „das Blickfeld des Bewusstseins“, oder der Perception;3) aus dem Eintritt in den „Blickpunkt der Aufmerk-samkeit“ oder der Apperception; 4) aus der Willenszeit,welche erforderlich ist, um im Centralorgan die registri-rende Bewegung auszulösen; und 5) aus der Leitung derso entstandenen motorischen Erregung bis zu den Muskeln.Der erste und der letzte dieser Vorgänge sind rein