DIE DAUER DER PSYCHISCHEN ACTE. 269
Reaction des Menschen aufzeiclinen, welche sich in einerplötzlichen Senkung des Schreibhebels ausspricht. BeideSignale sind auf dem berussten Papier durch einen be-stimmten Zwischenraum getrennt, welcher dem Wegeentspricht, den der Cylinder inzwischen zurückgelegt hat,und da die Umlaufszeit des Cylinders genau bekannt ist,so lässt sich die Reactionsdauer auf Zehntausendtheileeiner Secunde berechnen. Exner, dessen Resultate wirunten mittheilen werden, hat auch die zufälligen Bedin-gungen, welche auf die Dauer der physiologischen Zeitvon Einfluss sind, mit grosser Sorgfalt untersucht. Vorallem kommt die Aufmerksamkeit in Betracht; je grösserdiese, um so geringer die physiologische Zeit. Fernerist das Alter von Einfluss. Die geringste Dauer von0,1295" fand Exner bei einem jungen Manne von22 Jahren; die höchste Dauer von 0,9952" bei einemGreise von G6 Jahren. Toxische oder aufregende Sub-stanzen (Morphium, Thee, Kaffee) blieben ohne nach-weislichen Erfolg. Dagegen ist in der Betrunkenheit dieReaction sehr verlangsamt (etwa um 0,1"), obwohl derBetrunkene sich einbildet schneller als im normalen Zu-stande zu reagiren.
Den Experimenten Exner’s schliessen sich dieWundt’s an, und wir wollen uns auch seiner Führungbei dieser Erörterung anvertrauen, weil wir dann einenbei derartigen Materien ziemlich seltenen Vortheil haben,gleichzeitig die Ergebnisse der Physiologie und ihrepsychologische Deutung zu finden.
Endlich wollen wir noch der Untersuchungen vonJ. v. Kries und F. Auerbach gedenken, welche einenbesondern Gegenstand zum Vorwurf haben, die Dauerdes Urtheils, d. h. des intellectuellen Actes allein.