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DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
Jedermann ist der Ueberzeugung, dass die gesell-schaftlichen Thatsaclien als Gesammtsumme der Hand-lungen der einzelnen Menschen, gute, wie schlechte ■—Eheschliessungen, Scheidungen, Selbstmorde, Morde, Dieb-stähle — Ausflüsse des individuellen Willens sind. DieStatistik, welche diese Thatsachen sammelt, classificirtund erklärt, hat aber nachgewiesen, dass sie mit erstaun-licher Regelmässigkeit eintreten: Diebstähle, Verbrechenund Vergehen aller Art, die Eheschliessungen u. s. w.erreichen in einem Lande jedes Jahr nahezu dieselbeZahl 1 ). Und seihst die Abweichungen von diesem Mittellassen sich auf bestimmte Ursachen zurückführen. Notliund Mangel vermehren die Zahl der Verbrechen, ver-mindern die der Heirathen. Während einer grösserenEpidemie, wie der Cholera, vermindert sich die Zahl derEheschliessungen, um nach ihrem Erlöschen in demselbenVerhältniss wieder zu wachsen. Offenbar sind also diesocialen Thatsachen und folglich auch die individuellenHandlungen bestimmenden Ursachen unterworfen.” Aberman muss darauf achten, dass der Statistiker, indem ernur die grossen Massen in Betracht zieht, die individuellenUrsachen eliminirt, gerade wie der Physiker, welcherdurch eine grosse Zahl von Versuchen gelegentliche Ein-flüsse, die für ihn ohne Interesse sind, ausschaltet. DerStatistiker darf sie sogar vollständig vergessen. Wennaber der Psychologe untersucht, ob ausser den natürlichenund socialen Ursachen für den Willen noch eine indivi-
3 ) So belief sich in Belgien während einer Periode von fünfJahren (1841 bis 1845) das Mittel der Eheschliessungen auf 2642;die äussersten Abweichungen betrugen -f- 46 und— 136; in Frank-reich schwankte von 1826 bis 1844 die jährliche Zahl der Ver-brecher zwischen 8237 und 6299 ; in London von 1846 bis 1850die jährliche Zahl der Selbstmörder zwischen 266 bis 213.