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DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
nachdem die poetische Phantasie oder die philosophischeReflexion das Uebergewicht hat.
„Kurz, zwei Quellen sind es, aus denen das religiöseGefühl schöpft: die Anschauung der Natur und die Be-trachtung des eigenen Schicksals. Die Anschauung derNatur führt zur Anbetung der ruhenden oder bewegtenNaturmächte. Die Ungewissheit des Schicksals lässt inden Gegenständen der unmittelbaren Umgebung wunder-thätige Wesen erkennen. Die aufgeregte Phantasie giebtdann den Göttern der Natur wie des Schicksals ihre Ge-stalten. Aber während sie das Gebiet, dem sie sich zu-gewandt hat, mit immer reicheren Formen bevölkert,kommt gleichzeitig das Denken und sucht das Mannig-faltige zu vereinfachen. Die Naturgötter ordnet es einereinzigen weltlenkenden Gottheit unter, die Schicksals-geister verwandelt es in ein abstractes Fatum, und endlich,indem es sich zu dem Begriffe einer höchsten Ursacheerhebt, verschmilzt es jene beiden Mächte in eine einzigeUrkraft.“
Wie man das Gefühl den Pionier der Erkenntnissnennen kann, so bahnt auch das religiöse Gefühl derErkenntniss den Weg und zwar der höchsten Erkennt-niss, die sich der Mensch als Ziel setzen kann, der Ein-sicht in die Ursache und den Zweck des Weltganzen unddes Einzelwesens, insofern es im Weltganzen seine Stelleeinnimmt. Aber es kann nur dann festen Grund haben,wenn es sich auf die Wissenschaft stützt. Allein bleibtes unsicher, denn erst die bewusste Erkenntniss giebtdem Gefühl ein Recht und weist der Vorstellung ihreGrenze an.
10. Von den übrigen Formen der thierischen odermenschlichen Thätigkeit wollen wir nur noch den Willen