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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
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WUNDT.

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Zeiten des Menschengeschlechts zurückzugehen, zu Ratheziehen; die Untersuchung seiner Sitten und seiner Orga-nisation wird uns dann auf den Ursprung der moralischenGefühle leiten, welche wir jetzt fertig gebildet in unsermGewissen vorfinden.

Das sittliche Leben der Völker spricht sich in denSitten aus; aus dem Zustande der Sitten schliessen wirauf den sittlichen Zustand. Da nun auch die niedrigsteGesellschaft Lebensart, d. h. ihre Sitten hat, so erforschtman indirect mit diesen die Gefühle, welche aus ihnenhervorgehen. Im primitivsten Zustande hat ein Volknur Sitten, und erst mit dem Beginn seines geschicht-lichen Lebens bekommt es Gesetze, durch welche in denmeisten Fällen alles geregelt und vorhergesehen wird.Dann verengt sich der Kreis der Gesetze; die Gesetz-gebung strebt nach einem Zustande, wo die durch dieSchrift auferlegte Moral auf ein Minimum reducirt undwo ein grosser Theil der Handlungen dem Einfluss derSitten überlassen wird, wie dies z. B. in England der Fallist. Folglich ist uns in den Sitten die gesammte ursprüng-liche Moral gegeben. Uebrigens üiessen sie nicht auseinem ausdrücklichen oder stillschweigenden Vertrage:sie bestehen in einer Art von instinctivem Tact, dem derEinzelne blind gehorcht. Bei den im Naturzuständelebenden Völkern sind sie zum grossen Theil durchKlima und Umgebung bestimmt, und man darf im All-gemeinen sagen, dass die äussersten Temperaturen dermoralischen Cultur nicht günstig sind. Indess findenauch hier Ausnahmen statt. Während z. B. in derarktischen Zone die Kamtschadalen und die Bewohnerder Aleuten sittenlos sind, haben die Grönländer einegewisse zarte Moral. Und unter den Tropen finden wirfast in derselben Breite Buschmänner, Hottentotten,