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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
Entstehung
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WUNDT.

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Urtheil irgend welchen Denkact voraussetzt. Löse ichnun ein Urtheil in einfachere auf, diese in wieder ein-fachere und so fort, so gelange ich schliesslich zu denprimitiven Empfindungen. Jeder Gegenstand ist mirgegeben mit bestimmter Farbe, bestimmter Form, be-stimmten Veränderungen u. s. w.; kurz die letzten Merk-male, diejenigen, über welche wir nicht hinaus können,sind überall und immer Wahrnehmungen unserer Sinne.

Jede sinnliche Wahrnehmung ist aber wieder einErfahrungsurtheil, das einfachste, das es giebt. DasGesehene ist weiss, roth, glänzend, körperlich, — dassind Erfahrungsurtheile, die unmittelbar in der sinnlichenAnschauung gelegen sind. Sind nun diese Erfahrungs-urtheile der Wahrnehmung die ersten Denkacte, odergehen am Ende auch ihnen noch andere vorher?

Wenn ich mir zum Bewusstsein bringe, dass das,was ich sehe, die Farbe Roth hat, so unterscheide ich esvon Gelb, Grün, Blau u. s. w., zugleich aber auch voneiner Ton- oder Tast- oder Geruchsempfindung. Woranunterscheide ich es? Offenbar an bestimmten Merkmalen,die es für meine Empfindung besitzt. Diese Merkmalesind wieder theils übereinstimmende, theils unterschei-dende. Grün, Gelb, Roth u. s. w. haben bestimmteMerkmale überein und unterscheiden sich in bestimmtenMerkmalen vom Ton, vom Geruch, vom Geschmack. Nunhaben wir aber gesehen, dass jedes Merkmal nichtsanderes ist, als ein Urtheil. Jede sinnliche Wahr-nehmung entsteht also schon aus einer Menge theilsbejahender, theils verneinender Urtheile und die Wahr-nehmung selber ist nichts anderes, als der Schluss, deraus diesen Urtheilen gefolgert wird.

Wir sind also noch um eine Stufe weiter zurück-gewiesen. Nicht das Urtheil, das in der unmittelbaren