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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
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158 DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.

hat. Diese Frage ist aber entschieden die wichtigstevon allen, und es wäre ein schöner Ruhm für Fechner,sie vollständig gelöst zu haben.

Psychophysische Untersuchungen.

2. Fechner hat viele Jahre experimentirt undgerechnet, um sein Ziel, die Messung der Empfindungen,zu erreichen. Er hat zunächst aus verschiedenen mathe-matischen, astronomischen, physikalischen und physiolo-gischen Abhandlungen von Euler, Bernouilli, Laplace,Bouvier, Arago, Poisson, Steinheil u. A. zerstreuteund zu einem andern Zwecke angestellte, oder bisher ohnepsychologische Erklärung gebliebene Beobachtungen ge-sammelt und für sich zu verwerthen gesucht. Vornehm-lich aber waren es die berühmten UntersuchungenE. H. Webers 1 ), welche ihm den Weg geöffnet haben.Dieser Forscher hatte gefunden, dass zwei Linien nochals verschieden erkannt werden, wenn sie um Vso derLänge der kürzern Linie von einander abweichen,welches auch die Länge der verglichenen Linien seinmöge. Ebenso, soll ein Gewicht schwerer als ein anderesempfunden werden, so muss es dieses, wie schwer auchdas Anfangsgewicht sein möge, um i/ so bis y 50 , je nachden Beobachtern, übertreffen. Weber verglich dieseResultate mit einer ganz analogen Thatsache aus derAkustik: zwischen zwei Tönen von verschiedener Höhebleibt der eben merkliche Unterschied immer derselbeBruchtheil des tiefem Tones, welches auch sonst die

1 )Tastsinn und Gemeingefiilil, in Wagners Handwörter-