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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
Entstehung
Seite
157
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EECHNEB UND DIE PSYCHOPHYSIK. 157

die concave Seite unter der convexen Decke. BeideSeiten gehören ebenso untrennbar zusammen, als die gei-stige und körperliche Seite des Menschen, und es ist inbeiden Fällen ganz unmöglich, von einem Standpunktebeide Seiten zu erkennen. Ebenso bietet das Sonnen-system von der Sonne aus einen ganz andern Anblickdar, als von der Erde aus. Dort ist es die copernikani-sche, hier die ptolemäische Welt. Für denselben Beob-achter wird es aber stets unmöglich bleiben, beide Welt-systeme zusammen zu beobachten, obwohl beide ganzuntrennbar zusammengehören.Die ganze Welt bestehtaus solchen Beispielen, die uns beweisen, dass das, wasin der Sache eins ist, von zweierlei Standpunkten alsZweierlei erscheint, und man nicht vom einen Stand-punkte dasselbe als vom andern haben kann. Das grössteund durchschlagendste Beispiel hierfür bietet uns aberdas Verhältniss der geistigen und körperlichen Welt.Was Dir auf innerm Standpunkte als Dein Geist erscheint,der Du selber dieser Geist bist, erscheint auf äussermStandpunkte als dieses Geistes körperliche Grundlage. . . .Uebrigens ist es nicht meine Absicht, in tiefere Erörte-rungen über die Grundfrage der Beziehung von Leibund Seele einzugehen. Suche jeder sich das Bäthsel,insofern es ihm als solches erscheint, auf seine Weise zulösen; es wird auf die folgende Arbeit von keinem Ein-fluss sein. Allerdings begreift Fechner unter demNameninnere Psychophysik eine Reihe von Unter-suchungen über den Sitz der Seele, Wachen und Schlaf,Aufmerksamkeit, Erinnerung u. s. w., doch sind dieseUntersuchungen bei weitem nicht so exact, wie diePsychophysik es erfordert. Auch kann man sagen, dassFechner alle seine Bestrebungen auf eine einzige Frage,nämlich auf die Messung der Empfindungen, beschränkt