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Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
Entstehung
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DIE ENTSTEHUNG DER RAUMANSCHAUUNG. 145

es, sich Kant anschliessend, für unabhängig von der Er-fahrung, weil es diese erklärt 1 ). Er stellt also einaprioristisches Princip als Bedingung der empiristischenTheorie auf, denn wie wir gesehen haben, ist das Causa-litätsgesetz die Grundlage für jene unaufhörlich wieder-holten Schlüsse, welche unsere Bestimmungen der Objectehinsichtlich ihrer Ausdehnung ausmachen.

Nachdem wir so die Helmholtz’sche Theorie ingrossen Zügen dargelegt haben, wollen wir noch einigeEinzelheiten andeuten. Helmholtz stellt weder überdie Natur noch über die anatomische Anordnung derLocalzeichen eine Hypothese auf. Seihst wenn dieseZeichen ganz willkürlich über die Netzhaut ausgewürfeltwären, so würde dadurch an seiner Theorie nichts geän-dert, sondern nur die Einübung schwieriger gemachtwerden. Mittels der Bewegung lernt das Auge die Ord-nung der Punkte im Gesichtsfelde, d. h. welche Local-zeichen unmittelbar benachbarten Punkten angehören.Was die dritte Dimension betrifft, so haben wir gesehen,wie Helmholtz die Wahrnehmung der Entfernung undder Aeusserlichkeit erklärt. Die binoculare Tiefen-wahrnehmung beruht lediglich darauf, dass wir uns gleich-zeitig zweier verschiedener Bilder bewusst werden. DieEmpfindungen der beiden Netzhäute gelangen jedefür sich, ohne verschmolzen zu werden, zum Bewusstsein.Sie combiniren sich zu einer einfachen Vorstellung,weil infolge wiederholter Associationen sie für uns die

b Vergl. Won dt, Vorlesungen über die Menschen- und Thier-seele. Die einfachsten Schlüsse (Denkacte) haben zu Propositioneneine positive resp. negative Reihe von primitiven Empfindungen.Liegen diese vor, ganz gleich in welcher Anzahl, so muss derSchluss nothwendig vollzogen werden. Dies ist die Quellea priori des Causalitätsgesetzes, „das einzige a priori psj’chische.“Ribot, Psychologie.