144 DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
unseres Gedächtnisses vor sich geht 1 ). Mit anderenWorten: jede Reizung einer bestimmten Stelle der Netz-haut ruft mit Hülfe der Localzeichen und der Muskel-bewegungen eine bestimmte Modification des Sensoriumshervor, deren Ursache wir vermittels des Tastsinns, derBewegungen des Körpers und verschiedener durch dieErfahrung an die Hand gegebener Kunstgriffe bestimmen.Nach einer genügenden Wiederholung dieser beidenGruppen von Thatsachen associiren sie sich schliesslichso innig, dass, wenn ich z. B. mein Auge rechts drücke,ich unfehlbar links Licht sehe, und dass erst die objec-tive Yerificirung mich belehrt, dass ich mich in einerTäuschung befand und auf die zweite Gruppe von That-sachen mit Unrecht geschlossen habe. Unsere Kennt-niss vom Gesichtsfelde, welche auf einer Summe vonVorstellungen beruht, wird also erst erworben, wennjeder gereizte Punkt der Netzhaut fähig geworden ist,sich mit der correspondirenden Gruppe von Thatsachenzu associiren. Man sieht, Helmholtz’s „unbewussterSchluss“ entspricht genau der „untrennbaren Association“der englischen Schule, und man glaubt auch Bain oderMill zu hören, wenn er sagt: „Die einzige psychischeThätigkeit, die dazu gefordert wird, ist die gesetzmässigwiederkehrende Association zweier Vorstellungen, dieschon oft mit einander verbunden gewesen sind, welcheAssociation desto fester und zwingender wird, je öfterdie Wiederholung stattgefunden hat“ 2 ). Nur in einemPunkte stimmt er nicht mit dem Associationismus über-ein. Er nimmt nicht an, dass das Causalitätsgesetz ausder Erfahrung abgeleitet werden könne, sondern hält
’) Vergl. zu dem Vorigen Helmlioltz, Pliys. Optik, S. 797,443, 447, 444, 452, 453, 41; Popul. wiss. Vortr. II, 92.
2 ) Pliys. Optik, S. 798.