Druckschrift 
Die experimentelle Psychologie der Gegenwart in Deutschland
Entstehung
Seite
143
Einzelbild herunterladen
 

DIE ENTSTEHUNG DER RAUMANSCHAUUNG. 143

trotzdem mit derselben Art von geistiger Thätigkeit zuthun, die in den gewöhnlich so genannten Schlüssenwirksam ist. Der Unterschied zwischen den Schlüssender Logiker und den Inductionsschlüssen, deren Resul-tat in den durch die Sinnesempfindungen gewonnenenAnschauungen der Aussenwelt zu Tage kommt, scheintmir in der That nur ein äusserlicher zu sein und haupt-sächlich darin zu bestehen, dass jene ersteren des Aus-drucks in Worten fähig sind, letztei’e nicht, weil heiihnen statt der Worte nur die Empfindungen und dieErinnerungsbilder der Empfindungen ein treten.“ Wir

haben also in diesen Schlüssen Inductionsschlüsse zusehen, da ihnen erfahrungsgemäss nachgewiesene Sätzezu Grunde liegen, oder, wie Stuart Mill sagt, eineSumme von Thatsachen, in eine einfache Formel zusam-mengefasst, welche zwar unsere Kenntnisse nicht ver-mehrt, aber doch insofern von grossem praktischenWerthe ist, als sie für jeden Fall, der dieselben Bedin-gungen zeigt, einen Schluss gestattet. Wenn wir z. B.Erregung in denjenigen Nervenapparaten gefühlt haben,deren peripherische Enden an der rechten Seite beiderNetzhäute liegen, so haben wir in millionenfach wieder-holten Erfahrungen unseres ganzen Lebens gefunden,dass ein leuchtender Gegenstand nach unserer linkenSeite hin vor uns lag. Wir mussten die Hand nach linkshin erheben, um das Licht zu verdecken oder das leuch-tende Object zu ergreifen oder uns nach links hin be-wegen, um uns ihm zu nähern. Wenn also in diesen Fäl-len kein eigentlicher bewusster Schluss vorliegt, so istdoch die wesentliche und ursprüngliche Arbeit eines sol-chen vollzogen und das Resultat desselben erreicht, aberfreilich nur durch die unbewussten Vorgänge der Asso-ciation von Vorstellungen, die im dunkeln Hintergründe