DIE ENTSTEHUNG DER RAUMANSCHAUUNG. 123
Hände gegen alle Berührung, Schmerz und Temperaturunempfindlich waren, war das Muskelgefühl noch erhal-ten. Liess ich ihn die Augen schliessen und legte ihmdann einen ziemlich grossen Gegenstand in die Hand,so wunderte er sich zwar, dass er sie nicht schliessenkonnte, dachte sich jedoch nichts weiter dabei, als dasssich der Bewegung seiner Finger ein Hinderniss ent-gegenstellte. Als ich, ohne ihn etwas davon merken zulassen, ihm ein Kilogramm an seinem Handgelenk be-festigte, meinte er, er würde am Arm gezogen.“ Dereinzige noch vorhandene Bewusstseinszustand war alsoder einer Anstrengung unter der Form des Widerstandesund Zuges. — Seltener fehlt das Muskelgefühl, währenddie Tastempfindungen erhalten sind. Indess sprichtLandry von Individuen, „hei denen das Gefühl des Ge-wichtes, des Widerstandes, der verschiedenen Muskel-thätigkeiten, verloren gegangen, während die Empfind-lichkeit der Haut normal ist.“
Wir haben damit kurz die Elemente aufgezählt,welche zur Bildung unserer Kenntniss vom tastbarenRaume beitragen, an einigen Beispielen ihre Bedeutungzu zeigen gesucht, und durch dieses analytische Vor-gehen uns den Weg für die Untersuchung der Entwick-lung der Raumanschauung gebahnt.
Auf den ersten Anblick scheint die unzweifelhaftnachgewiesene Thatsache, dass jede Empfindung in Wirk-lichkeit in den Nervencentren statthat und nicht in demgereizten Theile, sich zu Gunsten der empiristischenTheorie auslegen zu lassen. Denn dieses Gesetz derexcentrischen Erscheinungen, welches die ge-sammte Physiologie der Empfindungen beherrscht undbesagt, dass das, was in Wirklichkeit im Centrum vor-gelit, nach aussen projicirt wird, steht ganz im Einklänge