122 DIB DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
Schon die Sprache begreift unter dem Ansdruckdes Tastens zugleich die Bewegungen der empfindendenTheile. Auch brauchen wir kaum besonders hervor-zuheben, dass die Möglichkeit, das Tastorgan nach allenRichtungen zu bewegen, es zur Erkennung der Formund der Dimensionen der Gegenstände besonders geeignetmacht, und dass die beweglichsten Theile unseres Kör-pers, wie die Zunge, die Lippen, die Hände, für dasTasten und die Localisation der Tastempfindungen ambesten geeignet sind. Die Bewegungen vermitteln nichtnur die Wahrnehmung der äusseren Gegenstände, son-dern geben uns zunächst von den verschiedenen Theilenunseres Körpers Kenntniss. Sie sind ferner ein werth-volles Mittel, die Berührungen zu variiren und zu ver-vielfältigen, und als Ursache der Muskelgefühle auchan sich selbst eine Erkenntnissquelle. Jode Bewegunghat ihre eigene Modalität, je nach der Natur der insSpiel kommenden Muskeln, ihrem Kraft- oder Ermüdungs-zustande, der Bewegungsrichtung (Beugung, Streckung,Rotation u. s. w.), nach ihrer Dauer, Intensität, dem Gradeder Anstrengung, dem Widerstande; und die Erfahrunglehrt uns, dass alle diese geringen Abweichungen demBewusstsein mitgetheilt werden, oder doch mitgetheiltwerden können. Auch hier hat die Pathologie uns dieMittel zur Würdigung der Muskelgefühle an die Handgegeben, indem sie Fälle untersucht hat, in denen sienicht mehr vorhanden waren. Gewissen Kranken fehltdas Bewusstsein der Lage und selbst der Existenz ihrerGlieder, sobald sie sie nicht mehr sehen; sie wissen nicht,ob dieselben gestreckt oder gebeugt sind; sie meinen,sie hätten kein Gewicht; während in anderen, noch lehr-reicheren Fällen das Muskelgefühl allein besteht. „Beieinem Handwerker,“ sagt Landry, „dessen Finger und