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DIE DEUTSCHE PSYCHOLOGIE.
nichtsdestoweniger ihren eigenen Zweck und ihre eigenenMittel hat.
Das Volk als Masse, z. B. in einer Versammlung oderbei einer Festlichkeit, zeigt gewisse Eigenthümlichkeitendes Wesens, welche jedes Individuum als solches nichthat. Woher sie auch rühren mögen, ob sie aus derwechselseitigen Beziehung der Individuen fliessen oderhei dem Einzelnen so unmerklich sind, dass sie sich nurdurch ihre Anhäufung kundgehen, sie sind thatsächlichvorhanden. Ebenso zeigt uns die Geschichte, wie ver-schieden der Charakter eines Volkes von dem der Indi-viduen sein kann, die es bilden. Nehmen wir die Spanier.Die einzelnen sind treu und gutherzig, wie wir aus ihrenRomanen ersehen, edel und sogar gross. Als Nationdagegen haben sie sich ohne Gerechtigkeitsgefühl, wildund grausam gezeigt. Ihr Volk hat Amerika und dieNiederlande verwüstet und entvölkert und sich selbstwegen politischer und religiöser Meinungen zerfleischt.In Pizarro und Herzog Alba ist die spanische Nationalitätverkörpert. Ein Volk ist also etwas ganz anderes, alsdie Gesammtlieit seiner einzelnen Mitglieder. Wie mandiesen Unterschied auch erklären möge, er ist jedenfallsvorhanden und bildet den Stoff der Völkerpsychologie.
Welcher Art ist nun dieser „Volksgeist“, diesegeistige Eigentliümlichkeit eines Volkes, um deren Er-forschung es sich hier handelt? Lazarus und Stein-thal geben auf diese Frage eine etwas dunkle Antwort.Er ist keine Substanz, sondern ein Subject, eine Monade,welche die Individuen durchdringt und verbindet; er istein objoctiver Geist. Mit anderen Worten: jedesmal, wennMenschen zusammentreten und eine Gesellschaft bilden,geht aus dem Consensus aller dieser individuellen (sub-jectiven) Geister ein objectiver Geist hervor, der gleich-