herbart’s schule.
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Neben die gewöhnliche Psychologie, deren Gegen-stand der individuelle Mensch ist, stellt sich als Völ-kerpsychologie eine andere Wissenschaft, welche sichmit dem socialen Menschen, oder genauer, den verschie-denen Menschengruppen, beschäftigt. Soll sie einen wirk-lichen Gegenstand haben und nicht ein Wort ohne Sinn,eine Redensart sein, so bedarf es des Nachweises, dassdas Studium des Individuums allein nicht ausreicht. Dajede Gesellschaft aus individuellen Elementen zusammen-gesetzt ist, so hegt die Annahme nahe, dass durch dasStudium dieser Elemente, welches ja die Aufgabe derPsychologie ist, auch das Ganze sich erklären lasse.Aber trotz ihrer scheinbaren Klarheit ist diese Annahmefalsch. Wenn wirklich das sociale Ganze etwas anderesist, als eine blosse Juxtaposition von Individuen, wenndie Bildung der Menschengruppen neue Beziehungen undneue Entwicklungsformen schafft; mit einem Worte, wenndas Ganze weniger eine arithmetische Summe von Ein-heiten ist, als eine chemische Verbindung, welche vonihren Elementen verschieden ist, so muss man auch zu-geben, dass die Völkerpsychologie einen Gegenstand hat,der ausschliesslich ihr angehört. Und in der That unter-scheidet das sociale Ganze von seinen Theilen sich ebenso,wie die Gesetze der Nationalökonomie von denen ver-schieden sind, welche ein Vater seinem Sohne oder einLehrer seinem Schüler für das häusliche Leben mitgiebt.Ein einzelner Baum, sagt Lazarus, ist ein Gegenstanddes Studiums für den Botaniker; man pflanze aber50 000 solcher Bäume auf einige Quadratmeilen Landes,und es entsteht ein Wald, welcher als Ganzes der Gegen-stand einer andern Wissenschaft, der Forstwissenschaft,ist, die sich zwar auf die Pflanzenphysiologie stützt, aber