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kirchliche Schriftsteller der christlichen Frühzeit die volle Erweiterungdes Sinnes ein. indem sie von einer „Kultur“ der Götter usw. sprechen.Die Geschichte des Wortes ist höchst wechselreich, auch in seinem Ver-hältnis zu „Natur“ und „Zivilisation“. Die erstarrte und zur Erstarrungdes Gedankens bei vielen beitragende Bedeutung unserer Zeit, die gerneunter Kultur die äußeren zur Materie gewordenen Produkte der Kultur(die Gemälde, Bauwerke, Fabriken) versteht und sich gerne einabgeschlossenes oder doch abschließbares System der Kultur vorstellt,ist dem früher vorwiegenden, natürlich auch nicht ausgestorbenen Gebrauchziemlich entgegen. Dort ist „Kultur“, wie schon die meist hinzugefügtenGenitive (z. B. „der Vernunft“, des „Gedächtnisses“) oder Adjektive (z. B.„ästhetische“) erkennen lassen, stets soviel wie die Tätigkeit derPflege. Für das Mittelalter fehlen mir noch Belege. Nikolaus von Kuesknüpft an agricultura an, wenn er „agri intelleetualis cultura“ bildet, umsofort zu „intelleetualis (adject.) cultura“ überzuspringen. Mendelssohnsetzt Kultur = Technik und in Gegensatz zur Theorie. „Kultur“ ohneGenitiv in fast modernem Sinne fehlt früher nicht; Pädagogen wie Sailerhaben, wohl im Anschluß an J. J. Rousseau, dazu beigetragen. Der Be-griff der „Kulturgeschichte“ muß viel älter sein als Klemms, Kolbs, Dru-manns Bücher; Clemens Brentano scherzt bereits 1808 damit in deutlicherAnspielung auf Bekanntes (Geschichte und Ursprung des ersten Bären-häuters. Werke herausg. von M. Preitz III 341). Das Wort „Kulturwissen-schaft“ vielleicht zuerst bei Friedr. J o d 1, Cie Culturgeschiehtschreibung.Halle 1878, S. 53 als Kennzeichnung dessen, was Buckle erstrebte. Uebercultura bei Bacon s. R. E u c k e n , Geschichte der philosophischen Ter-minologie. Leipzig 1879. Weiteres bei R. Eisler, Wörterbuch derphilosophischen Begriffe und Handwörterbuch der Philosophie s. o. —Wir haben das Merkmal des „Wertvollen“ in die Definition der Kulturaufgenommen, weil man bei dem Worte gewöhnlich nur an die gute Kulturdenkt. Es bleibt jedoch jedem unbenommen, das Merkmal zu streichen,wenn er von „Giftblüten der Kultur“, von „verderblicher Kultur“sprechen will.
S. 4. 4) Die greise Kindheit europäischen Denkens sah die Ky-
klopen nicht nur deshalb für barbarisch an, weil sie, sich der unerschöpf-lichen Gaben der Natur erfreuend, die Erde nicht „pflegten“, sondernauch aus dem Grunde, weil sie gesetzlos, ohne politische Form („öffent-liche Versammlung“) nach Willkür verfuhren und so jeder für sich überKinder und Weiber herrschten (Homers Odyss. 9, 105 ff.). In den Sagenvon Herakles, Theseus, Medea sprechen sich die Kulturwertungen derFrühzeit noch ausführlicher aus, soweit nicht spätere Züge eingewebt sind.
S. 7. 5) Durch unsere Betrachtungsweise sind wir gezwungen,
„Religion“ rein geschichtlich zu nehmen und dem Wort einen sehr weitenSinn zu erteilen, der wesentlich nur de» „Humanismus“ in seiner exklu-siven Form ausschließt. Wenn im Folgenden biblische Worte verwendetwerden, so geschieht es nur unter uuserm nicht-theologischen Gesichts-punkt. Statt „Prophet“, „Apostel“, die ich nicht im ursprünglichen Sinne