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Sogar die Horneffer haben schales Wasser „spießbürgerlicher“Moralbegriffe in die Maienbowle ihrer Jugendblüte gegossen.
Von einer tiefgehenden Einwirkung seiner Ideen auf dieKunst kann erst recht nicht die Rede sein. Daß Dichter seineSprache willkürlich oder unwillkürlich nachahinten, daß dasEigenartige, scheinbar nie Dagewesene an ihm für künstle-rische Originalität gehalten wurde, daß der und jener (wie dieOssip Schubin) Gedankenmotive aus dem „Zarathustra“ ineigene Dichtungen einströmen ließen, ist nicht zu bestreiten.Doch das wird niemals ein unverfälschter Kult des Ueber-menschen; Ossip Schubin z. B. legt Nachdruck auf die innereSelbstheiligung des künftigen Herrenmenschen, die sie indesbei Nietzsche selbst gefordert sieht. Die anerkanntestendeutschen Dichter von heute haben mit Nietzsche wenig zutun. GerhartHauptmann, den Adepten einer naturalistischen Ver-erbungslehre, wird man nach seinen „Webern“ und nach seinerletzten Leistung vor dem Krieg nicht noch besonders alsgeistigen Antipoden des „Aristokraten“ Nietzsche kennzeichnenmüssen. Rieh. Dehme! steht dem spinozistischen Pantheis-mus sehr nahe. Die Hugo von Hoffmannsthal, St. Zweig,Rainer Maria Rilke (ein intimer Freund des französischenBildhauers Rodin), Max Dauthendey, G. Frenssen, ThomasMann und hundert andere wiederum sind teils Gesinnungs-freunde Dehmels, teils müde, resignierte Charaktere. Pantheis-mus, mit stärkerer oder geringerer sozialistischer Färbung,war tonangebend in unserer poetischen Literatur. Die posi-tiv-gläubigen Dichter — und deren zählen wir bekanntlicheine Reihe vielgelesener Romanciers wie die Handel-Mazzettiund Federer — werden die Herren P. Vaughan und Nothombselbst bei nur einiger Besinnung nicht als Nietzsche-Verehrereinordnen. Das bemerkenswerteste Zeugnis gegen den un-deutschen Nietzsche aber legt Otto Ernst ab, dem man gewißnicht streitig machen kann, daß er etwas von der Seeleunseres Volkes weiß 24 ).
So bliebe denn nur noch die deutsche Wissenschaft alsDomäne jener Philosophie übrig. Aber die zünftige Philolo-gie — und nicht nur Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff —wie die Geschichtswissenschaft will weder von dem Philologenund Historiker noch von dem Dichter noch von dem „origi-nalen“ Philosophen viel wissen. Seine Annexion durch diePsychiater — P. J. Möbius (1912), Pelman (1909) 2B ) — kommtkeineswegs einer Anerkennung gleich. Die Juristen wissen