lande hängen, gleichviel ob sie auf altererbter Scholle amdeutschen Wesen weiterbauen oder ob sie deutschen Fleißund deutschen Geist in alle Fernen der Welt hinaustragen.Wer gibt uns da, wir wiederholen es, das Recht, über dieVölker abzuurteilen? Wer führt uns auf die hohe Warte, dieuns den freien Blick von oben gewährt? Die Antwort kannnur lauten: Die objektive Vernunft, die ihren Standort jen-seits individueller Willkür, persönlicher Neigungen und Vor-urteile einnimmt, mit andern Worten: Die Wissenschaft.
Wem wäre aber nicht beim Nachdenken sofort voll-kommen klar, daß hier die Naturwissenschaften vollkommenversagen und nur die Kulturwissenschaften mit der Philosophieunter den natürlichen Wissenschaften allein spruchfähig sind?In diesen schweren Tagen verliert auch der philosophiefeind-lichste Naturforscher seine Scheu und ergeht sich in philo-sophischen Sätzen. Aber gerade jene Kulturwissenschaft, vonder man am ehesten eine Unterstützung in unserer Frage er-warten sollte, die Jurisprudenz, zieht sich allzu vornehm voneiner Erledigung unserer Bedenken zurück. Durch die Preis-gabe des Naturrechts, der einzigen Brücke, die von der Moralzum Rechte hinüberführt, des innigen, für sie lebensnot-wendigen Zusammenhangs mit der Ethik beraubt, sieht siesich ratlos gegenüber den Willkürmaßnahmen der Engländerund Franzosen, die jedes schlichte Gemüt als Faustschläge ins Ge-sicht bestimmter Menschenrechte ansieht. Mit Unrecht erwecktman des Hugo Grotius’ Theorie vom freien Meer, wo man seinNaturrecht bis auf den letzten Rest zu den Toten eingesargt hat.
Wie gut ist es da, daß manche Philosophen trotz allerpositivistischen Angriffe an unverbrüchlichen Moralprinzipienfestgehalten haben. Da kann man noch sich rechtfertigen,wenn man den Engländern zuruft: Ihr selbst steckt die Händein die Taschen, aber ihr hetzt die von euch stets verachteten Irenund andere von euch niedrig eingeschätzte Völker in den Kampf—und ihr schämt euch nicht! Jahrhunderte lang begründet ihr eureEinbrüche in außereuropäisches Gebiet mit der Sorge für dasChristentum und die europäische Kultur, jetzt aber schlepptihr einen würdelosen Karneval von halb vertierten Soldknechtenaus der Hefe eures Volkes, von braunen und schwarzenFarbigen aus aller Welt gegen das christliche und europäischeDeutschland heran — und ihr schämt euch nicht! Ihr prahltmit eurem. Kampfe für die Freiheit und gegen den Militaris-mus, aber ihr ruft die Knute und den Kosaken gegen das