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S. 318 flg. Anna ist hier mit Unrecht getadelt »norden, siegebe die Länge der Belagerung von Antiochien nur auf drei Monatean. Sie hat dergleichen gar nicht im Sinne, die drei Monate be-ziehen sich nur ans die Zeit bis zu der Flucht des Tatikios, unddiese erfolgte, hiermit ganz übereinstimmend, im Januar 1098?) Eineklare Vorstellung von der Länge und den Ereignissen des dann nochfolgenden Kampfes hat sie allerdings schwerlich gehabt, da sie sowohlKerbnga als Firuz an viel zu frühem Orte anfführt. Es folgt nacheiner weitläufigen Darstellung des griechischen Feldzuges von 1098,auf S. 327 die kürzeste Erwähnung der letzten fränkischen Eroberungen:in drei Worten wird bemerkt: die Franken besetzten das Land, er-oberten Jerusalem, machten Gottfried zum König. Daran schließtsich endlich die Notiz über die Schlacht bei Askalon, welche durch-aus fabelhaft, nur durch Ducange's Bemerkung halbes Licht erhält,hier sei eine Verwechselung mit den Gefechten bei Ramla und Joppevon 1102 vorgegangen.
Alle diese Angaben aber, kurz oder ausführlich, glaubwürdigoder verwirrt, scheinen mir bezeichnend für Wesen und Entstehn»,gder Alexiade. Genau bis zur Flucht des Tatikios aus dem frän-kischen Lager hat sie brauchbare wenn auch nicht vollkommene Kunde,von da ab schrumpft der Kern der Dinge zusammen und lösen sichalle Formen in nebelhafte Unbestimmtheit auf. Es ist ganz dasselbe,was wir oben bei Berkjarok's erster Erwähnung und dem TodeMelekschah's bemerkten: diese entlegenen Ereignisse des Ostens liegenebenso außerhalb ihrer zuverlässigen Sehweite, als etwa die S. 31erzählten Grausamkeiten Papst Gregor VII. gegen die deutschen Ge-sandten. Höchst ungenau bei solchen Vorgängen wird ihre Erzählungstets nur insoweit wahrhaft lehrreich, als Griechen oder griechischeInteressen von dein Gang der Ereignisse berührt werden. In diesemUmstande, daß ihre Jrrthümer so bestimmt gleichartiger Natur sind,daß sie nach einem deutlich erkennbaren und überall durchgehendenGesetze verschwinden oder anwachsen, darin sehe ich zugleich einesichere Bürgschaft für Anna's Wahrheitsliebe und unsere Belehrungaus ihrem Werke.
Dies Verhältniß versuche ich um so eher noch an einigen spä-
1) Mit derselben Rücksicht ist der Brief S. 332 zu lesen.