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Geschichte des ersten Kreuzzuges
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hatten erwarten wollen. Hier an der Seeküste, an der Grenze desheimathlichen Bodens mochten sie zaudern oder durch äußere Um-stände aufgehalten werden: mit ihnen begann Boemund zu unter-handeln und wußte manche zu seiner Heeresfolge zu bewegen?)

Dies war der erste Schritt; zu einem zweiten bot sich gleichnachher der günstigste Anlaß. In jenen Tagen nahm das KreuzTancred, Sohn Odo's und Emma's, der Schwester Robert Guis-card's, demnach Boemund's Vetters, eine der merkwürdigsten undam schärfsten ausgeprägten Naturen dieses Krenzzuges. Auf denersten Blick erkennt man, daß er kriegerisch war, wie diese Fürstensämmtlich, listig wie alle seine Landsleute und habsüchtig wie nurirgend ein Mensch. Näher aber bezeichnet ihn eine brennende Ehr-begier, die er nicht zur Schau trägt, die aber jeden seiner Schrittebeseelt. Er dürstet, sagt Radulf, nicht von sich zu reden, aber vonsich reden zu machen, er verlangt nach Hunger und Anstrengung,wie andere Menschen nach Ueberfluß, Wohlleben und Ruhe. DieserEhrgeiz ist von der bestimmtesten Art, nicht gerade auf Feldherrn-ruhm und Macht, sondern aus die Auszeichnung seines Selbst, aufeinen höchst persönlichen Ruhm gerichtet. Nicht die Schlacht, sonderndas Abenteuer ist sein Feld, er sucht sich das ganz Besondere, Selt-same, von niemand Geahnte. Da ist denn sein Eifer, seine Rast-losigkeit unendlich, stets ist er im Vortrab, an der ausgesetztestenStelle, die große Straße vermeidend wo er kann, unermüdlich weißer den Feind aus Nacht und Einöden herauszufinden. Nachher,wenn er die Waffen abgelegt hat, sieht man ihn bescheiden, freigebigund leutselig, aber immer voll von Nachdenken, in tiefem Ernste,bedeutende Gespräche anfsuchend. Dann etwa ein kleiner Anstoß, dasleiseste Gefühl einer Kränkung, und Leidenschaften aller Art brechenin wildem, ungezügeltem Gusse hervor: dann hält ihn nichts, erschrecktihn nichts, bringt ihn nichts zur Besinnung. Sonderbar und dochganz begreiflich ist es, wie er religiöse Dinge verarbeitet; die Bibelin der Hand, wirft er sich ängstliche Fragen über die Rechtmäßigkeitdes Waffenhandwerks aus: lange beunruhigen ihn die Friedensgebotedes Evangeliums, bis er in dem Kreuzzug die volle Versöhnung seiner

1) Llautrsä. Nalat. IV, 29.

2) Nach Radulf's Angabe. Die anderen Quellen nennen ihn dessen Neffen.Schlosser sagt ganz richtig, der Punkt sei nicht weiter zu bringen.