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Geschichte des ersten Kreuzzuges
Entstehung
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schaft, aber das erste leitende Gefühl ist doch stets der Gedanke, daßder Kaiser der Herr des Erdkreises und der Wächter des echtenGlaubens auf Erden sei.

Entsprechende Stimmungen gingen damals durch den Klerusund durch alle Schichten des Volkes hindurch. Uns Modernen istes geläufig, in der Religion vor Allem eine Sache der innersten,persönlichsten Gesinnung zu sehen, das tiefste und deshalb auch freiesteBüudniß der einzelnen Seele mit Gott, eine eigene Ueberzeugung desHerzens, die nur Werth hat, so weit sie innerlich erzeugt und erlebtworden ist. In jener alten Zeit strebte man freilich auch nach solcherGesinnung, aber man war überzeugt, daß sie nur auf dem Wegeder äußeren Kirchlichkeit zu erreichen sei, und auf diesem sicher er-reicht werde. So wirkte man für diese mit zwingenden Gesetzen, mitWaffen und Heereszügen; die Religion wurde für's Erste als Ge-bot, als Herrschaft Gottes gefaßt, und wer nicht die rechte Religionhatte, als Rebell gegen die Majestät des Herrn verfolgt.

Es geschah nun, daß bald nach dem Tode Karl's das Kaiser-thum zerfiel, die Staatsordnung sich auflöste, eine wilde Anarchieüber den ganzen Länderkreis Karl's, über Deutschland, FrankreichItalien hereinbrach. Zwar erhob sich aus der zweiten Zerrüttungunser Deutschland noch einmal zur Macht und Einheit unter demedelen Kaiserhause der Sachsen, unter Heinrich I. und Otto demGroßen. Es wurde für einen Augenblick die Macht der Karolingererneuert, halb Europa zollte unserem Kaiser seine Anerkennung, undunter dessen starkem Schutze setzte die deutsche Dichtung und dasStudium der Antike reiche Blüthen an. Aber auch dieser Schöpfungwar kein längerer Bestand als der Karolingischen bestimmt. Gleichnachdem Otto der Große seine thatenreiche Laufbahn beschlossen, rißsich ein Land Europas nach dem anderen von der kaiserlichen Ober-hoheit los, Frankreich und Burgund, Italien und Polen, Wendenund Dänen. Einstweilen gelang keinem derselben die eigene Aus-bildung eines gedeihlichen Staatswesens; die Monarchien sanken intiefe Ohnmacht, unbändige kleine Machthaber traten die bürgerlicheOrdnung mit Füßen, die Bestrebungen auf wissenschaftliche Bildungund künstlerischen Genuß gingen in der allgemeinen Rechtsunsicherheitebenso zu Grunde wie der äußerliche Wohlstand und das materielleGedeihen der Völker. Eine düstere und rauhe Zeit, gewaltthätig,