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Die wissenschaftliche Bedeutung der platonischen Liebe
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vorerst nur einen negativen Gebrauch in der Examination desAgatho gemacht hat: beginnt da der ironisch bescheidene Zaudererendlich auch seine eigne, positive Ansicht über Liebe in einerLobrede auf dieselbe darzulegen? Nein, seinem bereits erwähn-ten Verfahren auch hier getreu, nach welchem er, ähnlich seinerMutter, anderen zur Geburt der Wahrheit dialectisch oder wider-legend beistand, referirt er, von Kap. 22, wie er sagt, nachseinem geringen Vermögen die Theorie von Liebe, welche ihmeinst eine prophetische und wunderthätige fremde Frau in einerUnterredung mitgetheilt habe, und zwar, wie er für den ge-demüthigten Wirth begütigend bemerkt, im Anschlüsse an dasErgebniß seiner Disputation mit ihm sowie unter Beibehaltungder Rede-Disposition desselben, denn von dem Inhalte hattedie Kritik des Socrates nichts übrig gelassen.

Den ersten Theil seines angeblichen Referates über dasWesen des Eros von Kap. 2224 beginnt Socrates mit demGeständnisse, von dem Unterrichte der Diotima habe er fast die-selbe irrige Ansicht über die Liebe gehabt, daß sie nämlich eineechte, schöne und große Gottheit wäre. Nach der Diotima aberist sie weder schön und gut, noch häßlich und böse, sondern einMittelding zwischen diesen Gegensätzen, wie die bloß auf glück-lichem Gefühle zufällig richtige Meinung in der Mitte zwischen ^gründlicher Wissenschaft und Unwissenheit steht. Auch keine große 'Gottheit ist sie, zu deren Wesen ja Glückseligkeit gehört, diesebesteht aber im Besitze des Schönen und Guten, welches sie !zugestandenermaßen außer sich sieht, folglich nicht besitzt.Wenn also der Eros kein echter Gott ist, so ist er darum keinSterblicher. Er ist einer der Mittelgottheiten, Dämonen ge-nannt, welche die Botschafter und Dolmetscher zwischen der Gottheitund den Menschen sind. Weil sich dieselbe den Sterblichen nicht

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