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Seitdem nämlich Heinicke im Jahre 1778 seine Unterrichts-methode der Taubstummen in Leipzig zuerst eingeführt hat, werdenauch diese unglückliche Wesen nicht nach der Franc. Methodein der Mimik allein, sondern in der Lautsprache unterrichtet, unddie Kunst, mit welcher diese Methode namentlich in Deutsch-land von vortrefflichen Lehrern ausgebildet und geübt wird, feiertdie schönsten Triumphe über die Ungunst der Natur. Ganz be-sonders aber glückt der Unterricht bei solchen Kindern, die nochetwas Gehör haben, namentlich noch den Vokal a zu hören imStande sind, und gar nicht selten geschieht es, daß in verhält-nißmäßig kurzer Zeit der Lehrer dann mit Hülfe eines gutenSprachrohres seine Zöglinge dem Ideale des deutschen Taub-stummen - Unterrichtes nahe bringt, nämlich mit den Augen dieWorte von den Lippen zu lesen und mit vernehmlicher Stimmezu antworten. Die Methode beruht darauf, daß der Schülerdie Stellung der Sprachwerkzeuge für jeden einzelnen Buchstabenkennen und nachbilden lernt und durch Uebung die oft kompli-zirten Bewegungen sich geläufig macht. Diese eigenthümlichenBewegungen nun der Natur abzulauschen ist durchaus nicht soleicht, als man vielleicht von vorn herein annehmen möchte; eshaben sich wenigstens in verschiedenen Zeiten und Ländern scharf-sinnige und eifrige Männer diesem Studium gewidmet, ohneüberall in ihren Resultaten übereinzustimmen.
Einer der merkwürdigsten unter ihnen war ohnstreitigder Professor Wolsgang von Kempelen in Wien, desseneingehende Arbeiten ihn gegen Ende des vorigen Jahrhun-derts aus die vielleicht seltsame Idee einer künstlichen Sprach-maschine führten. Nach jahrelanger Arbeit und tausend Miß-erfolgen gelang es ihm zuerst mittels eines zufällig aufge-fundenen Flötenmundstückes einige Vokale und dann später aucheinige Konsonanten künstlich hervorzubringen. Vervollständigt
(SöS)