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Nacht, von Sommer und Winter, den Zwist zweier feindlicherverwandter Götter, in welchem der lichtäugige Sommergott vomSperwurs des blinden Wintergottes zur Unterwelt gesandtwird. Da aber die Luft- und Lichtgötter, wie Luft und Lichtselbst, unverwundbar sind, so mußte man irgend ein Auskunftsmittelersinnen, das die Wirkung des Todesgeschosses möglich machte.
Aus dem Verhältniß der Sommerwärme zur Erdvegetationergab sich ein anderer Jahresmythus. Die Erdgöttin, vomkahlen Dorn des Winters gestochen, schläft todesähnlichen Schlafbei den Todten. Da die Germanen ihre Leichen verbrannten,so dachten sie sich die Unterwelt von einem Flammenwall um-schlossen. Der Geliebte der Göttin aber, der lichte Himmelsgott,reitet durch die Lohe und erweckt die jungfräuliche Schläferin.Doch nur kurze Sommerzeit dauert ihr Liebesbund. Sobaldder Brautschmuck der Göttin verwelkt, scheidet der Geliebte vonihr und überläßt sie wieder den winterlichen Mächten.
Ursprünglich wiederholten sich also diese mythischen Vorgängewie die ihnen zu Grunde liegenden Naturerscheinungen. Alsaber ihre symbolische Bedeutung in den Hintergrund trat, wur-den sie als einmal geschehene Ereignisse äufgefaßt. Der lichteSommergott, der den Wolkendrachen erschlug und ihm denSonnenhort abgewann, der die vom Leichenfeuer umloderte Erd-göttin erweckt und daraus wieder verlassen hat, fällt durch denSperwurs eines finstern, winterlichen Gegners.
Mit dieser Auffassung des Mythus als eines geschichtlichenEreignisses ist der erste Schritt zur Heldensage hin gethan. Dieseentkleidet nicht nur die Handlungen, sondern auch die handeln-den Personen ihres mythischen Ranges, zieht andere menschge-gewordene Götter und geschichtliche Helden herzu, gruppiert undgestaltet das Ganze nach einer einheitlichen poetischen Idee undmotiviert das Einzelne nach den ethischen Anschauungen ihrer Zeit.
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