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historische Erinnerungen; unter die wirklichen Helden des Volkesmischen sich Göttergestalten, deren mythische Bedeutung dem all-gemeinen Bewußtsein entschwunden ist. Wie wir sahen, beruht derganze zweite Theil des Nibelungenliedes auf geschichtlichen Erin-nerungen. Günther, Giselher, Etzel und Dietrich von Bern sindNamen historischer Personen. Das Charakterbild Kriemhilds ver-einigt Züge der letzten Gattin Ättilas und der Gattin Chlodwigs.Wir werden also, was die Entstehung dieses zweiten Theils be-trifft, auf das Ende der Völkerwanderung hingewiesen.
Rein idealer Natur dagegen sind die Hauptgestalten desersten Theils, Siegfried und Brunhild. Mythisch ist SiegfriedsDrachenkampf und Drachenhort, sein Kampf mit Zwergen undRiesen, seine Uuverwundbarkeit und sein sonnenhaft leuchtenderBlick; mythisch ist Brunhilds Walkürenthum, mythisch die Wa-berlohe, mit der Odin sie umschließt und aus der Siegfried sieerlöst. Mythisch ist auch Hagen als Mörder Siegfrieds.
Die Urweisheit des Menschengeschlechts ist Poesie. MitDichteraugen schaut der erwachende Geist in die Welt und glaubtin Allem, was er sieht, nur sich selber wiederzufinden. Alles lebtund empfindet nach Menschenart. In allen Erscheinungen derNatur begegnen sich menschenähnliche Wesen, unter sich in men-schenähnlichen Beziehungen, dem Menschen selbst bald freundlich,bald feindlich gesinnt, dort milde Götter, hier wilde Riesen undDämonen.
So sahen z. B. unsere ältesten indogermanischen Vorfahrenim Gewitter einen Kampf des menschenfreundlichen lichten Him-melsgottes mit einem bösen Dämon, dem feuerschnaubenden Wol-kendrachen, der sich als Räuber auf den Schatz des Sonnengol-des gelagert hat.
Unsere germanischen Väter sahen im Wechsel von Tag und
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