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schmolzen sich in der jnngern Kriemhildsage, wie sie uns dasNibelungenlied darstellt.
Das älteste historische Z eugniß für diese jüngere Sagenformgiebt der dänische Geschichtschreiber Saxo Grammaticus, der inseinem 12. Buch Folgendes erzählt: Kauut Lavard, Herzog vonSchleswig, wegen seiner Vorliebe für deutsche Sitten den Dänenverhaßt, wurde beim Dänenkönig Magnus verdächtigt, daß ernach der Krone strebe. Um ihn aus dem Wege zu räumen, ludihn Magnus zv einer Unterredung ohne Zeugen in einen Waldbei Roeskild.' Der Bote, welcher diese heimtückische Einladungüberbrachte, war ein Sachse Namens Sivard, seines Gewerbesein Sänger. Er wußte von dem Anschlag, war aber durch Eidezum Schweigen gezwungen. Als der Herzog arglos mit ihmnach dem Walde ritt, da drückte den Boten sein Gewissen. Erüberlegte, wie er den Herzog warnen könnte, ohne seinen Eid zubrechen, und da er wußte, daß jener deutsche Sagen und Weisenverstehe, so saug er eine Stelle aus einem alten sächsischen Lied,das von der „allbekannten Treulosigkeit Grimhilds gegen ihreBrüder" handelte. Er sang die Stelle wiederholt; aber der Her-zog verstand des Sängers Warnung nicht und wurde von Kö-nig Magnus im Walde ermordet. Das geschah am 7. Ja-nuar 1131.
Dieses alte sächsische Lied Sivards bezeugt uns, daß die jün-gere Kriemhildsage nicht etwa blos in Süddeutschland, wo dasNibelungenlied entstandeu ist, seineHeimath hatte, sondern über ganzDeutschland bis nach Dänemark hinein verbreitet war, und wiederwaren es niederdeutsche Kaufleute, welche auch diese jüngere Sa-genform in den hohen Norden verpflanzten. Von Männern ausBremen, Soest und Münster lernte sie ein Isländer kennen, derum 1240 — also um dieselbe Zeit, in welcker man die Edda-lieder sammelte, — in einem großen Prosawerk, Thidreksaga
1702 )