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machen. Nun ist das gothische Hildico die familiäre Koseform einesmit Hild zusammengesetzten Frauennamens wie Grimhild, und sozeigt sich uns als Kern der deutschen Sage von Attilas Tod: Etzelvernichtet den Burgundenkövig Günther und wird dafür von dessenSchwester Hild (Grimhild), die er zum Weibe genommen hat, imSchlafe ermordet. Diese alte deutsche Sage ist uns in der nor-dischen Ueberlieferung erhalten.
Nach ihrer Verpflanzung in den Norden machte aber die Sagein Deutschland eine merkwürdige Wandlung durch. Die ursprüng-liche Beziehung Brunhilds zu Siegfried verdämmerte; man wußtekeinen Grund mehr, warum sie mit ihm sterben sollte. Nun, da derMörder und die Mordstifterin triumphierend am Leben blieben,fiel mit Nothwendigkeit der Wittwe Siegfrieds die Pflicht derRache zu; denn ungerächt durfte doch der treulose Mord an demherrlichsten Helden nicht bleiben. Nun konnte Kriemhild unmög-lich sich mit ihren Brüdern im Ernste versöhnen; sie mußte allDas, was sie in der frühern Epoche der Sage an Attila ge-rächt hat, nun selber begehen. So ward aus der Bruder-rächerin der Edda die Gattenrächerin des Nibelungenlieds.
Auch für diese innerlich nothwendige Wandlung Kriemhildsfand sich ein äußeres Vorbild in der Geschichte. Nach dem Untergangihres Reiches am Rhein waren nämlich die Burgunden südwärtsgezogen und hatten ein neues Reich an der Rhone gegründet.Diesem machten die Merowinger ein Ende im Jahre 532. AlsAnstisterin dieses Vernichtungskrieges galt eine burgundische Kö-nigstochter, welche angeblich den Mord ihrer Eltern an ihrenfürstlichen Verwandten zu rächen hatte: Hrothehild, die dem Fran-ken Chlodwig vermählt war. Das alte Burgundenreich waruntergegangen durch die Huuuen, das neue durch die Racheeiner burgundischen Königstochter: diese beiden Erinnerungen ver-
XII. 2S2. 3 croi)