27
belungeulied getrennt, zeigt der Norden noch in ihrem uraltenZusammenhang.
Im Nibelungenlied sind die feindlichen Brüder Fafnir undRegin zu den um die Theiluug ihres Vatererbes streitendenSöhnen Nibeluugs geworden. Die Erzählung, wie der zumSchiedsrichter aufgerufeue Fremdling sich selbst die strittigenKleinode aneignet, stammt aus einem weitgewanderten indi-schen Märchen. Fast immer handelt es sich hiebei um dieTarnkappe und um einen wunderbaren Degen oder Stab. Sofindet z. B. Hassan in einem Märchen von 1001 Nacht im Dä-monenland ein Paar Zwillingsbrüder, die sich um ihre väterlicheErbschaft streiten; darunter ist auch eine unsichtbar machendeMütze. Er wirft einen Stein und läßt sie darnach Wett-laufen, setzt dann die Mütze auf und verschwindet so ausihren Augen. In deutschen Märchen sind es Riesen oder Räu-ber, die sich um die Tarnkappe zanken. Aehnlich lautet dasMärchen in Wälschtirol und in Norwegen, in Ungarn und inEstland, in China und der Mongolei.
Zeigt so einerseits die Trennung von Drachenkampf undHort die deutsche Sage im Zustand beginnender Zerbröckelung, underweist sich die Erzählung von der Erwerbung des Hortes alseine aus der Fremde entlehnte Zuthat, so ist dagegen die selt-same Geschichte von dem in Ottergestalt fischenden Sohn Hreid-mars und von den drei wandernden Göttern, die im Bauernhofeine so hilflose Rolle spielen, ein entschieden nordischer Anwuchs.Unentbehrlich für das Verständniß der ganzen Sage ist aber diein dieser nordischen Form bewahrte Erinnerung an den erstenEigeuthümer des Hortes und au den von ihm darüber aus-gesprochenen Fluch.
Der Zwerg Andvari, von dem Loki den Hort erpreßt, isteiner der Schwarzelben, der Unterirdischen, welche die Schätze
(6SSj