19
untergeordnet werden, die auch sonst allein anwendbar sind, kanndann noch irgendwer an der Berechtigung jener Vorstellungzweifeln? Wir wissen freilich, daß mit der Annahme von Ato-men das Wesen der Materie nicht ergründet ist; der Natur-forscher betrachtet es aber auch gar nicht als seine Aufgabe, dasWesen der Materie zu ergründen: er hält sich an das Gegebeneund erkennt demüthig an, daß dem Menschengeiste Schrankengezogen sind, die er nie überschreiten wird.
Was nun die Anordnung und den Zustand der Molecüleanlangt, so wissen wir zunächst zweierlei: zuerst lehrt uns dieErscheinung der Zusammendrückbarkeit aller Körper, selbst derdichtesten und festesten, daß der Raum, den sie einnehmen, nichtvollständig von Materie erfüllt sein kann, daß die einzelnenkleinsten Theilchen also nicht unmittelbar an einander lagernsondern durch größere oder kleinere Zwischenräume von einandergetrennt sein müssen. Das Zweite — und das haben wir durchdie Erkenntniß der Wärme als einer Bewegungserscheinung ge-lernt — ist die Annahme, daß die Molecüle und Atome in einerdauernden Bewegung sind.
Wir nehmen diese letztere, durch unumstößliche Beweise zurGewißheit erhobene Vorstellung zum Ausgangspunkt unsererweitern Betrachtung, sie wird uns unmittelbar zu der heutigenLehre vom Wesen des Gaszustandes hinleiten.
Bei einem starren Körper ist die Kraft der Molecularbewe-gung nicht groß genug, um die Anziehung je zweier benachbarterTheilchen zu überwinden. Jedes derselben schwingt um einegewisse Gleichgewichtslage hin und her, und von der Weitedieser Schwingungen ist das Volum bedingt, welches die Ge-sammtheit der Molecüle eines Körpers einnimmt. Jede Quan-tität zugeführter Wärme, — gleichgültig, auf welche Weise dieseZuführung geschieht, — vergrößert mit der Schwingungszahl auchdie Schwingungsweite, wie ein in Bewegung gesetztes Pendel
2« (2SS)