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Speculum vitae humanae : ein Drama ; 1584
Entstehung
Seite
XLV
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Lutheranern angefeindete Lehre von den Werken der gött-lichen Barmherzigkeit. Geflissentlich ist letztlich die sicht-bare Vergegenwärtigung der armen Seele im Fegefeuer unddie Einführung der Jungfrau Maria als Fürbitterin. Es be-durfte gar nicht der wiederholten namentlichen Betonungder heiligen katholischen Wahrheit und der heiligen katho-lischen Kirche, um uns den Standpunkt des Verfassers kennt-lich zu machen.

Erscheint das vorliegende Drama aus allen diesen Ge-sichtspunkten inhaltlich nicht blos von seiner persönlichenSeite, sondern auch durch seine literaturgeschichtliche Stellunginteressant, so verdient es auch von der formellen Seite inmancher Hinsicht Beachtung. Es ist das erste Drama indeutscher Prosa, welches bisher aus dem XVI. Jahrli. vor demAuftreten der englischen Comödianten bekannt geworden ist.Auch hierin erscheint der Verfasser als Vorläufer seines er-lauchten Standesgenossen, des Herzogs Heinrich Julius vonBraunschweig. Die Sprache ist volkstümlicher Weise mitsprichwörtlichen und fabelartigen Elementen durchsetzt undbietet auch durch die lautliche Form und den lexikalischenGehalt manches Interessante.

Erzherzog Ferdinand steht in Tirol nicht vereinzelt da,er fand schon Boden für das Drama als er hinkam (Anz. f.d. Alt. 7, 415). Schon als Knabe konnte er dramatischenAufführungen in Innsbruck beigew'ohnt haben: 1540 spieltenBürger und Inwohner von Innsbruck einenJosef in Egyptenund 1542 einenDavid und Goliath; dass die Hofhaltungder Mutter Ferdinands, der Königin Anna mit ihren Kindern,diesen Belustigungen nicht fern blieb, ergiebt der Umstand,dass denComödipersonen eine Verehrung verabreicht wurde.Zu Pfingsten 1548 wurde ein Job vor denErzherzoginnend.h. den Schwestern Ferdinands gegeben, und in den folgendenJahren fanden wiederholt Vorstellungenvor der gnädigstenFrau statt, unter welcher wohl auch eine der SclnvesternFerdinands verstanden ist; 1549 am Drei Königstage ward einunbekanntes Spiel aufgeführt; 1550 (Gengenbachs?) Spiel vonden 10 Altern, ein Werk jener älteren Richtung der ober-rheinischen Dramatik, an welche uns Speculum humanae vitaewiederholt erinnert hat. Neben denSpielleuten in Ambras