254
Par. XXXVI. Cap. XXVI, 42.
all der Mutter voran, denn er (der Sohn) und seine Mutter sinddem Vater Ehre schuldig. Ueberall geht Abraham den Väternvoran, aber hier heisst es: „Und ich gedenke meines Bundes mitJacob,“ um zu zeigen, dass alle drei einander gleich sind.
Oder: „Und ich gedenke meines Bundes mit Jacob.“ In Ver-bindung mit Ps. 80, 9: „Einen Weinstock hobst du aus Aegyptenaus.“ Wie man den Weinstock nicht an einen Ort pflanzt, wogrosse Steine (Felsen) sind, sondern ihn (den Boden) von untenuntersucht und hernach ihn (den Weinstock) pflanzt, so „ver-triebst auch du (zuerst) Volker und (dann) pflanztest du ihn“ (dasisraelitische Volk). Wie der Weinstock, wenn du alles unter ihmwegräumst, desto vorzüglicher wird, so auch Israel, vor dem dujeden König wegräumtest, und hernach „schlug er (es) Wurzeln undfüllte das Land.“ Wie man den Weinstock nicht in Verwirrung(in Unordnung), sondern in Reihen pflanzt, so sind auch die Israe-liten nach Panieren geordnet worden, wie es heisst Num. 2, 2: „Einjeder bei seinem Paniere, bei den Zeichen ihrer Stammhäuser.“ Wieder Weinstock der niedrigste unter allen Bäumen ist und dennochalle Bäume überwältigt (beherrscht), so scheinen auch die Israelitenniedrig in dieser Welt, aber einst werden sie Besitz nehmen voneinem Ende der Welt bis zum andern. Wie aus dem Weinstockein Zweig hervorgeht, welcher alle Bäume bezwingt, so geht auchvon Israel ein Gerechter aus und herrscht von einem Ende derWelt bis zum andern, wie es heisst Gen. 42, 6: „Und Joseph warHerrscher,“ Jos. 6, 27: „Der Ewige war mit Josua,“ 1 Chron. 14, 17:„Und es ging Davids Ruhm aus in alle Länder,“ 1 Reg. 5, 1: „Sa-lomo herrschte über alle Reiche,“ Esth. 2, 4: „Mardachai war gross(angesehen) im Hause des Königs.“ Wie an dem Weinstock dieBlätter die Reben decken, so decken auch die Ungebildeten unterIsrael die Gelehrten. Wie der Weinstock grosse und kleine Rebenhat, und die grosse von der kleinen gedrückt zu werden scheint,so auch Israel, wenn einer von ihnen sich mit der Thora bemühtund grösser (überlegener) in der Thora ist als der andere, soscheint er von demselben gedrückt zu werden. Wie der Wein-stock drei Segnungen (Benedictionen) erfordert*), so erfreuen sichauch die Israeliten täglich dreier Segnungen: nämlich: „Der Ewigesegne dich, der Ewige erleuchte dich, der Ewige erhebe überdich.“ Wie der Weinstock vertrocknete (saure) Beeren hat, sogiebt es auch unter den Israeliten Schrift-, Mischna-, Talmud-,und Haggadagelehrte. Wie an dem Weinstock Wein und auchEssig ist, und man über ein jedes derselben einen besonderenSegen spricht, so sind auch die Israeliten verpflichtet, für das Gute
*) Nämlich über die ganz kleinen Beeren spricht man: Gelobt sei derSchöpfer der Erdfrucht, über die reifen spricht man: Dank sei dir, Schöpferder Baumfrucht, und über den “Wein spricht man: Dank sei dir, Schöpferder Weinfrucht.