|\ S * (*»> I“, ■?*’ a 'La Ai ihbar ULB Düsseldorf +1082 984 01 yNiVERsnsii>- BtSUQJHCR 1SBUR0^ / l ~ t &2 vf MIDRASCH WAJ1KRA RABBA. DER MIDRASCH WAJIKRA RABBA DAS IST DIE HAG-G-AD IS CHE AUSLEGUNG DES DRITTEN BUCHES MOSE. ZUM ERSTEN MALE INS DEUTSCHE ÜBERTRAGEN VON LIC. DR. AUG. (WÜNSCHE. MIT NOTEN UND VERBESSERUNGEN VON RABBINER DR. J. FÜRST. LEIPZIG OTTO SCHULZE ii. Quer-Str. u. 1884. Ht gg^ Ol OH Aß NIVERSITÄTS ^BülSBU UV /■ Xti>us^ SV HERRN PROF. DR. M. LAZARUS DEM WISSENSCHAFTLICHEN BEGRÜNDER DER VÖLKERPSYCHOLOGIE IN AUFRICHTIGER VEREHRUNG DER VERFASSER. EINLEITUNG. Der Midrasch Wajikra rabba, aus 37 Abschnitten (Paraschas) bestehend, verbreitet sich der Art über das dritte Buch Mose, dass sein Text nicht in fortlaufendem Zusammenhänge, sondern nur in einzelnen herausgehobenen kleineren Abschnitten und Versen er- * läutert wird. Dadurch unterscheidet sich dieser Midrasch grundwesentlich sowohl von dem Midrasch Bereschit r., wie von den kleineren Midraschim zu den fünf Megilloth, welche insgesammt den Text Schritt für Schritt verfolgen und in freier Weise paraphrasiren. An der Spitze jeder Parascha unseres Midrasch steht somit ein bestimmter Vers des dritten Buches Mose, der für die durchzuführende Betrachtung sowohl den Text wie das Grundthema bildet. Dadurch, dass der Inhalt dieser Verse auf einen anderen aus den Hagio- graphen, vorzugsweise aus den Psalmen, den Proverbien, dem Hohen- liede und dem Prediger entlehnten Vers angewandt wird, entsteht für den Hörer eine Begriffs- und Gedankenverbindung, die seine Aufmerksamkeit fesselt und in Spannung erhält. Nicht selten fragt man, wenn einem Text und Proömium entgegentreten, wie passt eins zum andern, wie lässt sich eine Beziehung und Verbindung zwi- 1 sehen beiden herstellen? Das ist eben das characteristische Merkmal der haggadischen Vorträge (Deraschas) des Midrasch, durch Ideenassociationen zu frappiren, in Spannung zu versetzen, stutzig zu machen und zu überraschen. Nur zwei Abschnitte, nämlich Abschnitt 2 und 24, knüpfen den Text an ein den prophetischen Büchern entnommenes Proömium an, jener an Jerem. 31, 20, dieser an Jes. 5, 16. Im Ganzen sind es 37 Texte, welche im Midrasch » VIII Einleitung. Wajikra r. zur Abhandlung kommen. Auf die einzelnen Proömien selbst, ihre Introducirung, Zahl, Autorschaft, Entlehnung u. s. \v. hier noch des Näheren einzugehen, dürfte schon deshalb unthunlich erscheinen, weil J. Theodor in einem Aufsatz der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums, Jahrg. XXX, Novemberheft, S. 500 —10 so ziemlich alles, was sich darüber sagen lässt, erörtert hat. Hinsichtlich der Veranschaulichung und Ausschmückung, ge- wissermassen der dramatischen Belebung der einzelnen Vorträge durch passende Gleichnisse, Legenden, Erzählungen und proverbiale Redensarten, leistet der Midrasch Wajikra r. fast das Aeusserste. Kein anderer Midrasch der Rabbot kann in dieser Beziehung mit ihm in Concurrenz treten. Aber grade durch diese Häufung der Blustrationsstoffe werden Ausgangs- und Zielpunkt der Betrachtung nicht selten einander näher gerückt und in Verbindung gebracht. Der Gedankengegensatz tritt uns dadurch auch im Bilde vor Augen, das Abstracte wird concret. Da der Redactor in der Regel mehrere Vorträge einem Abschnitt einverleibt hat, so erhält, um mit Zunz (Gottesdienstliche Vorträge, S. 181) zu reden, unser Midrasch „den Charakter eines gleichsam nach Art eines musivischen Kunstwerkes zusammengesetzten Ganzen.“ Von diesem Standorte aus angesehen wird das Textwort zugleich Refrain. Die meisten Abschnitte haben einen ordentlichen Schluss, oder sie endigen wenigstens auf eine solche Art, dass man das Gefühl hat, das Thema sei erschöpft und bedürfe keiner weiteren Erläuterung mehr. 25 Abschnitte schliessen mit einer messianischen Ver- heissung, 3 (nämlich Par. 6, 16, 20) schliessen mit Gebet und Sündenvergebung. Stellt man hinsichtlich der Anlage und Form der Abschnitte des Midrasch Wajikra r. einen Vergleich mit andern Werken der Midraschlitteratur an, so ergiebt sich, dass sie am meisten den Piskas der Pesikta de Rab Kahana ähneln, ja einige Abschnitte, besonders Par. 20, 27, 28, 29, 30 und 31, stimmen mit mehr oder weniger Abänderungen mit der Pesikta überein. Wie nun die Pesikta eine Sammlung von Predigten für die Festtage und hervorragenden Sabbathe ist, so kann auch der Midrasch Wajikra r. eine Predigtsammlung über das dritte Buch Mose genannt werden. Doch es besteht auch wieder ein wesentlicher Unterschied zwischen Einleitung. IX Midrasch Wajikra r. und der Pesikta de Rab Kahana. Während nämlich in der Pesikta die Einzelauslegungen der Versworte in keiner Piska fehlen, stehen in Wajikra r. nicht selten (vergl. Par. 8, 12—15, 18, 19, 23, 31—34, 36, 37) statt der Einzelauslegungen verschiedene aneinander gereihte haggadische Stücke, die auf das Thema des Abschnittes Bezug haben. Sodann sind in der Regel nach Abschluss der Proömien in der Pesikta keine längeren hagga- dischen Einschaltungen oder Excurse mehr anzutreffen, dagegen in Wajikra r. ist das der Fall. Es hat dies seinen Grund in dem thematischen Charakter unseres Midrasch. (Vergl. Theodor 1 . c. S. 508.) Das halachische Element tritt im Midrasch Wajikra r. nur sehr sporadisch auf. Nur wo das Schriftwort Gelegenheit dazu bietet, wie beispielsweise in Par. 3 zu jinx b.s 1 und an einigen andern Abschnitten werden durch die Formel ■'tn einzelne Boraitha zur Erläuterung mit herangezogen. Im Ganzen und Grossen bildet also der Midrasch Wajikra r. ein zusammenhängendes Ganze. Die einzelnen Vorträge sind in sich abgeschlossen und abgerundet. Nur an einzelnen Stellen sind Stücke eingeflochten, die aus dem Nexus herausfallen, oder wenigstens nur sehr lose an das Vorausgehende sich anschliessen. Recht deutlich zeigt sich das bei Abschnitt 1, 2 und 3, wo noch in meiner Venediger Ausgabe von 1545 die betreffenden Zusätze am Ende des Midrasch stehen, und zwar ist das erste Stück von bN Nip^n N"“i 'di aan -rabn ba tmst pa-m irra» mit wanx snoia N NiaPs cpöi N2£73iTU, das zweite reichlich ein und eine halbe Spalte umfassende von pan •jvib Pü B“N a"l mit airoi» tOPPN Q pnana cpD 12, und das dritte aus Tana debe Eljahu entlehnte Stück von mrota ■'rw mit iitrbia Pmna rpoa NfanN Nnoi: überschrieben. Alle späteren Editionen haben diese Zusätze gleich den betreffenden Abschnitten angefügt. Auch in dem Abschnitte 13 erscheint als ein solches Einschiebsel das Stück B-'NatP: bi 'ri pna-aa nvabtjp;, in Abschnitt 32 die ganze zweite Hälfte nach b 7 “i bNia- 1 aa aaD 72 '■'Pn St"“i und in Abschnitt 34 in dem grossen Stücke ^faa Pibp ap nuta "'Pin bN die fortlaufende Auslegung von Jes. c. 58, welche letztere, wie schon Theodor ( 1 . c. S. 508 f.) mit Recht hervorhebt, aus einer Derascha über die Haph- thara des Versöhnungstages entnommen zu sein scheint. Was nun die Quellen anlangt, aus denen der Midrasch Wa- X Einleitung. jikra r. geschöpft hat, so sind als die hauptsächlichsten die beiden Talmude, namentlich der jerusalemische, Bereschit r. und die Pe- sikta de Rab Kahana anzuführen. Daneben haben dem Redactor aber auch noch andere Quellen zu Gebote gestanden, deren Nachweis freilich sich nicht überall mit Sicherheit erbringen lässt. Wegen seines haggadischen Characters ist aber der Midrasch Wajikra r. auch wieder eine Quelle für die jüngeren Midraschim geworden, vorzugsweise haben Midr. Schir haschirim r. und Midr. Kohelet r. reichlich aus ihm geschöpft. Ueber die Entlehnungen des Midr. Schir haschirim vergl. Theodor 1. c. Jahrg. 1880, S. 187 f. und über die des Midr. Kohelet ebend. Jahrg. 187g, S. 457 ff. Als Zeit der Abfassung des Midr. Wajikra r. wird von Zunz die Mitte des siebenten Jahrhunderts angenommen. MIDRASCH WAJIKRA. Parascha I. Cap. I. V. i. Und der Ewige rief Mose. R. Tanchum bar Chanilai begann mit Anknüpfung an Psalm 103, 20: „Preiset den Ewigen, ihr seine Engel, ihr Gewaltigen, Thäter seines Worts“ u. s. w. Wovon spricht da die Schrift? Wenn die Schrift von den höheren Wesen redet, steht da nicht schon: Preiset den Ewigen, alle seine Heerschaaren? Sie kann also nur von den unteren Wesen reden. Von den oberen Wesen, weil sie unter der Aufsicht Gottes stehen können, heisst es: Preiset den Ewigen alle seine Heerschaaren, von den unteren Wesen aber, weil sie nicht unter der Aufsicht Gottes stehen können, heisst es: Preiset den Ewigen, ihr seine Engel, und nicht: alle seine Engel. Oder die Propheten heissen Engel vergl. Num. 20, 16: „Und er sandte einen Engel und führte uns heraus aus Aegypten“ u. s. w. Das war doch nicht ein Engel des Ewigen, war es nicht Mose? Warum heisst er ein Engel? Daraus ist zu ersehen, dass die Propheten Engel genannt werden vergl. Jud. 2, 1: „Es zog ein Engel des Ewigen herauf von Gilgal nach Bochim.“ War es denn ein Engel, war es nicht Pinchas? Warum heisst er ein Engel? Weil es, wie R. Simon bemerkt, in der Zeit war, in welcher der heilige Geist auf ihm ruhte und sein Antlitz wie Feuerfackeln brannte. Die Rabbinen sagen: Das Weib des Manoach sagte zu ihm s. das. 13, 6: „Siehe, ein Mann Gottes kam zu mir und sein Ansehen war wie das Ansehen eines Engels Gottes.“ Sie hatte ihn nämlich für einen Propheten gehalten, es war aber ein Engel. R. Jochanan sagte: Der Plauptbeweis, dass die Propheten Engel heissen, lässt sich aus Hagg. 1,13 entnehmen, wo es heisst: Und es sprach Haggai, der Engel*) des Ewigen, auf Grund der Botschaft des Ewigen.“ Da lernst du wider deinen Willen aus diesem Hauplbeweise, dass die Propheten Engel heissen. Ferner heisst es Ps. 103, 20: „Die Gewaltigen, die sein Wort vollziehen?“ Wovon redet hier die *) So nimmt der Midr. das Wort Wünsche, Midrasch Wajikra. , I 2 Par. I. Cap. I, t. Schrift? Nach R. Jizchak von denen, welche das siebente Jahr beobachten. Gewöhnlich übt der Mensch ein gutes Werk aus an einem Tage, in einer Woche, in einem Monat, vielleicht auch an den übrigen Tagen des Jahres, und dieser sieht sein Feld unbebaut, seinen Weinberg unbebaut und er entrichtet doch die Beisteuer und schweigt dabei, giebt es wohl einen grösseren Helden als diesen? Und solltest du glauben, dass hier von solchen, die das siebente Jahr beobachten, nicht die Rede sei, so führe ich dir als Beweis an, dass hier steht: Die sein Wort thun und dort Deut. 15, 2 (bei der Schemita) heisst es auch: „Dies ist das Wort (‘iS'i) der Sehemita,“ sowie nun dort 1_ n“: auf diejenigen geht, welche das siebente Jahr beobachten, so sind auch hier die gemeint, die das siebente Jahr streng beobachten. „Die sein Wort thun.“ R. Huna im Namen des R. Acha sagte: Hier spricht der Sänger von den Israeliten, als sie vor dem Berge Sinai standen und das Thun dem Hören vorangeschickt und gesagt hatten Ex. 24, 7: „Alles, was der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen.“ „Zu hören die Stimme seines Worts (Ps. 103, 20).“ R. Tanchum bar Chanilai sagte: Gewöhnlich ist eine Last, die einem zu schwer ist, zweien leicht und eine, welche zweien zu schwer ist, vieren leicht. Kann aber einer eine Last tragen, die 60 Myriaden Menschen zu schwer ist? Alle Israeliten, die vor dem Sinai standen, sprachen Deut. 5, 22: „Wenn wir des Ewigen Stimme noch ferner hören, so werden wir sterben,“ und Mose hörte allein die Stimme des Wortes und blieb am Leben. Du kannst es auch daran erkennen, dass es sich so verhält, dass Gott von allen nur Mose gerufen hat. Darum heisst es hier: „Und Gott rief Mose.“ R. Abuhu begann mit Anknüpfung an Hos. 14, 7: „Es kehren einst zurück, die unter seinem Schatten sitzen.“ Das sind die Proselyten (a - ’‘n.“r:), welche kommen, und in dem Schatten Gottes sich bergen. „Sie leben wie Getreide auf“ d. i. sie werden wie Israel zur Plauptsache (sie gelangen zu einer hohen Bedeutung), wie es heisst Sach. 9, 9: „Getreide lässt Jünglinge und Most Jungfrauen sprossen.“ „Und sie blühen wie der Weinstock,“ wie es heisst Ps. 80, 9: „Einen Weinstock hobst du aus Aegypten aus, vertriebst die Völker und pflanztest ihn.“ Oder: „Sie leben wie Korn“ im Talmud, „und sie blühen wie der Weinstock“ in der Haggada, „und sein Duft ist wie der Wein Libanons.“ Gott spricht: Mir sind die Namen der Proselyten so lieb, wie der Wein, der vor mir auf den Altar gegossen wird. Warum heisst es aber Libanon? Wegen Deut. 3, 25: „Dieser gute Berg und der Libanon.“ R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Warum heisst er Libanon? Weil er die Sünden Israels so weiss wie Schnee macht vergl. Jes. 1, 18: „Wenn gleich eure Sünden roth wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiss werden, *) S. Gittin fol. 56. Par. I. Cap. I, i. 3 wenn sie gleich roth sind wie Kermeswurm, wie Wolle sollen sie werden.“ R. Tabjomi sagte: Er heisst darum so, weil alle Herzen sich mit ihm freuen, wie es heisst Ps. 48, 3: „Lieblich erhebt sich die Wonne der ganzen Erde“ u. s. w. Die Rabbineu sagten: Er heisst darum so (weil Gott von ihm sagte) s. Reg. 9, 3: „Mein Auge und mein Herz sollen alle Tage dort sein.“ R. Simon sagte im Namen des R. Josua ben Levi und R. Chama, der Vater des R. Hosaja im Namen Rabs sagte: Die Bücher der Chronica sind nur zur Auslegung gegeben s. 1. Chron. 4, 18: „Und sein Weib, die Jehudija, gebar Jered, Abigedor.“ Unter Jehudija ist Jochebed gemeint. War sie denn vom Stamme Jehuda, war sie nicht vom Stamme Levi? Warum heisst sie Jehudija? Weil sie Juden in der Welt gestellt hat. „Sie gebar den Jered“ d. i. Mose. R. Chanina bar Papa und R. Simon. R. Chanina bar Papa sagte: Er heisst darum Jered (“! b v), weil er die Thora von oben nach unten herabgehracht hat (-p^rifrc), oder er hies darum Jered, weil er die Schechina von oben nach unten herabgebracht hat. R. Simon sagt: Das Wort tt< bedeutet nichts anderes als “Dibtt Herrschaft, wie es heisst Ps. 72, 8: „Er herrschte vom Meer bis zum Meer.“ Es heisst 1. Reg. 5, 4: „Denn er herrschte über das ganze Ufer diesseits des Stromes.“ „Abigedor.“ R. Huna bar Acha sagte: Viele Verzäuner (des Gesetzes) standen für Israel auf, er (Mose) aber ist der Vater von allen. „Cheber (inn)“ hiess er, weil er die Kinder mit ihrem Vater im Himmel verbunden hat (itpfrö); oder er hiess Cheber, weil er die Strafgerichte vorübergehen liess (“psyrna), damit sie nicht in die Welt kamen. „Abi Socho“ hiess er (Mose), weil er der Vater der Propheten war, welche im heiligen Geiste schauten (irBiSiS). R. Levi sagte: Im Arabischen nennt man den Propheten toao, Seher. „Jekuthiel.“ R. Levi und R. Sima sagen: (Er hiess darum so,) weil er machte (bewirkte), dass die Kinder auf ihren himmlischen Vater hoffen. Unter „Abi Sanoach (mit •'Btt)“ ist Mose zu verstehen, ■weil er ein Vater derjenigen war, welche veranlassten, den Götzendienst zu verwerfen.*) So heisst es Ex. 32, 20: „Er streute sie (die Asche von dem verbrannten Kalbe) aufs Wasser.“ Dies sind die Kinder Bithjas, der Tochter Pharaos.“ R.Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Gott sprach zu Bithja, der Tochter Pharaos: Du hast Mose, der doch nicht dein Sohn war, deinen Sohn genannt, auch du bist nicht meine Tochter (*ns), und nenne ich dich meine Tochter, wie es heisst: „Dies sind die Kinder der Bithja (rrna ’ia)“ d. i. der Tochter Jahs (Jehovas, !r na). „Welche Mered (Y* 72 ) sich genommen,“ das ist Kaleb. (Warum hiess er so?) R. Abba bar Kahana und R. Jehuda bar Simon. Der eine sagte: Sowie dieser sich dem Rathschluss der Kundschafter widersetzte, so hat auch sie dem Rathschluss ihres Vaters sich widersetzt, daher *) Er hatte die Israeliten gelehrt, den Götzendienst zu verwerfen. x* 4 Par. I. Cap. I, I. komme Mored (TV.r^) und nehme die Moredet (rHTiTSP) (d. i. sie passen beide zusammen). Der andere sagte: Jener (Kaleb) rettete die Schafe und diese (die Tochter Pharaos) rettete den Hirten (den Volksführer). Mose hatte zehn Namen: Jered, Cheber, Jekuthiel, Abigedor, Abi Socho, Abi Sanoach. R. Jehuda bar R. Hai sagte: Auch Tobia war sein Name, sowie es heisst Ex. 2, 2: „Sie sah ihn, dass er gut war (i-ptt EID 'i)‘‘ d. i. Tobia (irtpü). R. Ismael bar Ami sagte: Er hatte auch den Namen Schemaja. Da kam R. Josua bar Nechemja und erklärte diesen Namen 1. Chron. 24, 6: „Und es schrieb sie auf Schemaja, der Sohn Nathaneeis, der Schreiber.“ Schemaja (tr^ttta) hiess er, weil Gott sein Gebet erhörte (fp S'Uibüj); „Sohn Nathaneei (bN:nt ■p)“ d. i. ein Sohn, dem die Thora von Hand zu Hand übergeben wurde (-ib ntrt'ij); „der Schreiber (PEIO),“ weil er der Schreiber (Gesetzgeber) Israels war; „der Levite (■nb),“ weil er vom Stamme Levi war; „vor dem Könige und den Fürsten; “ d. i. vor dem König aller Könige, Gott und seinem Gerichtshöfe. „Und Zadok“ d. i. der Priester Aaron, „und Achimelech (^b^'ns),“ weil er der Bruder des Königs war; „Sohn Abjathars“, weil ihm Gott seinetwegen das Werk (die Fertigung) des Kalbes verziehen (es übersehen) hat ("lrpuB). R. Tanchuma sagte im Namen des R. Josua ben Karcha: Auch Levi hiess er, wegen der Abstammung von seiner Familie, wie es heisst Ex. 4, 14: „Ist nicht dein Bruder Aaron der Levite?“ Endlich hiess er Mose, siehe das sind zehn (Namen). Gott sprach zu Mose: Bei deinem Leben! von allen diesen Namen, mit denen du benannt wirst, rufe ich dich nur mit dem Namen, mit dem Bithja, die Tochter Pharaos, dich genannt hat (wie es heisst): „Sie nannte ihn Mose.“ (Darum heisst es hier): „Er rief Mose.“ R. Abin begann im Namen des R. Berachja des Alten mit Anknüpfung an Ps. 89, 20: „Damals redetest du in einem Gesichte zu deinem Frommen“ d. i. er redete mit Abraham, mit dem in Wort und Gesicht gesprochen wurde vergl. Gen. 15, 1: „Nach dieser Begebenheit geschah das Wort des Ewigen an Abraham in einem Gesichte also;“ „zu deinem Frommen“ s. Micha 7, 20: „Du giebst Wahrheit Jacob, Gnade dem Abraham.“ Ps. 89, 20: „Und du sprachst: „Hilfe habe ich dem Helden gegeben,“ weil er (Abraham) in einer Nacht vier Könige niedergemacht hatte s. Gen. 14, 15: „Er theilte über sie die Nacht.“ R. Jizchalc wandte dagegen ein: Verfolgt den ein Mensch Erschlagene? Es heisst daselbst: „Er schlug sie und verfolgte sie bis Choba.“ Allein daraus geht hervor, dass Gott sie schlug und Abraham sie verfolgte. Es heisst Ps. 89, 20: „Ich habe den Erwählten von dem Volke erhoben“ d. i. Abraham, welcher von Gott erwählt worden war, wie es heisst Neh. 9,7: „Du bist es, der du Abraham erwähltest.“ Oder jene Worte: „Damals sprachst du durch’s Gesicht zu deinem Frommen“ beziehen sich auf David, mit welchem Gott in Par. I. Cap. I, r. 5 Gesicht und Wort gesprochen s. 2. Sam. 7, 17: „Gleich allen diesen Worten und all diesem Gesichte redete Nathan zu David.“ „Zu deinem Frommen,“ wie es heisst Ps. 86, 2: „Behüte meine Seele, denn ein Frommer bin ich“. „Und du sprachst: Hilfe habe ich dem Helden verliehen.“ Nach R. Abba bar Kahana hat David dreizehn Kriege geführt, nach den Rabbinen achtzehn; beide sind aber nicht verschiedener Meinung, derjenige welcher dreizehn annimmt, meint nur die, welche er für die Bedürfnisse (Interessen) Israels geführt, und derjenige, welcher achtzehn annimmt, zählt auch die fünf hinzu, welche er für sein eigenes Bedürfniss (Interesse) geführt hat. Dreizehn für die Bedürfnisse Israels. „Ich erhob Auserwählte aus dem Volke“ d. i. David, wie es heisst das. 78, 70: „Er erwählte David, seinen Knecht.“ Oder: „Damals redetest du im Gesichte,“ das bezieht sich auf Mose, mit dem Gott auch in Wort und Gesicht gesprochen s. Num. 12, 8: „Mund zu Mund rede ich mit ihm.“ „Zu deinem Frommen,“ weil er vom Stamme Levi war, wie es heisst Deut. 33, 8: „Dein Recht und Licht ziemt deinem Frommen.“ „Und du sprachst: Hilfe habe ich dem Helden verliehen,“ sowie oben R. Tanchuma bar Chanilai gesagt hat: Gewöhnlich, wenn einem eine Last zu schwer ist, ist sie für zwei leicht, oder wenn sie zweien zu schwer ist, ist für vier leicht, sollte eine Last, welche 60 Myriaden zu schwer ■war, für einen leicht sein? Alle Israeliten standen am Berge Sinai und sprachen Deut. 5, 25: „Wenn wir die Stimme des Ewigen weiter hören, so werden wir sterben,“ und Mose hörte die Stimme des Wortes selbst und blieb am Leben. Und dass es sich so verhält, das kannst du daraus ersehen, dass von allen das Wort nur an Mose gelangte, wie es heisst: „Und er rief Mose.“ „Ich erhob den Auserwählten aus dem Volke“ s. Ps. 106, 23: „Wenn nicht Mose, sein Auserwählter vor den Riss getreten wäre.“ R. Josua von Sichnin legte im Namen des R. Levi Prov. 25, 7 aus: „Denn besser ist es, man spricht zu dir: komme herauf, als wenn man dicht erniedrigt vor dem Fürsten.“ R. Akiba lehrte im Namen des R. Simeon ben Asai: Plalte dich fern von deinem Platze (der dir gebührt) zwei bis drei Sitze und lass dich nicht eher nieder, als bis man zu dir sagt: Steige herauf, und steige nicht herauf, bis man zu dir sagt: Steige hinab! Besser ist es, man sagt zu dir: steige herauf! steige herauf! als dass man zu dir sagt: steige hinab! steige hinab! So pflegte auch Hillel zu sagen: Meine Erniedrigung war meine Erhebung und meine Erhebung war meine Erniedrigung. Warum? S. Ps. 113, 5. 6: „Der hoch gestellt den Sitz und sich herablässt zu sehen.“ Du findest, in der Stunde, als Gott sich dem Mose aus dem Dornenbusch offenbarte, verbarg er sein Antlitz vor ihm, wie es heisst Ex. 3, 6: „Und Mose wandte sein Gesicht ab.“ Darauf sprach Gott zu ihm das. V. 10: „Gehe, ich will dich zu Pharao senden.“ R. Eleasar sagte: Das n am Ende des Wortes will 6 Par. I. Cap. I, x. sagen: Wenn du sie nicht erlösest, kein anderer soll sie erlösen. Als Gott am Meere ihm erschien, trat er auf die Seite, da sprach Gott zu ihm das. 14, 16: „Und du erhebe deinen Stab und spalte es,“ das will sagen: Wenn du nicht das Meer spaltest, kein anderer soll es spalten. Auch am Sinai trat er auf die Seite. Da sprach Gott zu ihm das. 24,1: „Steige herauf zum Ewigen,“ das will sagen: Wenn du nicht heraufsteigst, kein anderer soll heraufsteigen. Auch im Versammlungszelte trat Mose auf die Seite, da sprach Gott zu ihm: Wie lange noch wirst du dich so erniedrigen? Die Stunde wartet nur auf dich. Du kannst es auch daran erkennen, dass es sich so verhält, denn unter allen wandte sich das Wort nur an Mose, wie es heisst: „Und er rief Mose.“ R. Tanchuma begann mit Anknüpfung an Prov. 20, 15: „Es giebt Gold und Perlen die Menge, aber ein kostbares Gefäss sind kenntnissreiche Lippen.“ Gewöhnlich hat ein Mensch Gold, Silber, Edelsteine, Perlen und alle Kostbarkeiten der Welt und Gutes; hat er aber kein Wissen (keine Kenntnisse), was hat er dann erworben? Das Sprichwort sagt: Hast du Wissen (Kenntniss) erworben, was fehlt dir? Fehlt dir Wissen (Kenntniss), was hast du erworben (besitzest du)? „Es giebt Gold,“ das sehen wir beim Bau der Wohnung, wozu alle Gold als freiwillige Gaben brachten. So heisst es Ex. 25, 3: „Und das sind die Gaben.“ .„Viel Perlen,“ das sind die freiwilligen Spenden der Fürsten, wie es heisst das. 35, 27: „Und die Fürsten brachten“ u. s. w. „Ein kostbares Gefäss sind kenntnissreiche Lippen,“ deshalb, weil die Seele Moses darüber betrübt war. Er dachte nämlich: Alle haben freiwillige Spenden zur Wohnung gebracht, nur ich habe nichts gebracht, da sprach Gott zu ihm: Bei deinem Leben! dein Wort ist mir unter allen am liebsten; denn unter allen wandte sich das Wort nur an Mose, wie es heisst: „Und Gott rief Mose.“ Oder: „Und Gott rief Mose.“ Was steht vorher? Der Bau der Wohnung, wobei es immer heisst: „wie der Ewige dem Mose befohlen hatte.“ Gleich einem Könige, der seinem Diener befahl und zu ihm sprach: Baue mir einen Palast! Auf jedes Stück (Sache), was er baute (fertig stellte), schrieb er den Namen des Königs; er baute die Wände und schrieb darauf den Namen des Königs; er stellte Säulen auf und schrieb darauf den Namen des Königs; er legte Balken und schrieb darauf den Namen des Königs. Nach einiger Zeit kam der König in den Palast und fand auf jeder Sache, die er besah, seinen Namen verzeichnet. Da dachte er: Mein Diener hat mir alle diese Ehre erwiesen, ich bin hier im Innern des Palastes und er soll draussen stehen? Ruft ihn, dass er zu mir hereinkomme. Ebenso als Gott dem Mose befahl: „Mache mir eine Wohnung,“ da schrieb Mose auf jeden Theil, den er fertig stellte, „wie der Ewige dem Mose befohlen hat.“ Da spracli Gott: Alle diese Ehre hat mir Mose erwiesen, und ich soll hier im Innern und er draussen sein? Rufet ihn, dass er zu mir herein- Par. I. Cap. I, 2. 7 komme. Darum heisst es hier: „Und er rief Mose.“ R. Samuel bar Nachman sagte im Namen des R. Nathan: Achtzehnmal steht das Wort „befehlen“ in dem von der Wohnung handelnden Abschnitt, gegenüber den achtzehn Gliedern des menschlichen Rückgrates. Und dementsprechend haben auch die Weisen achtzehn Segnungen im Gebet eingeführt, und ebenso kommt achtzehn Mal der göttliche Name im Schema vor und ebenso vielmal in Ps. 29, 1: „Gebet dem Ewigen, ihr Kinder der Götter“ u. s. w. R. Chija bar Abba machte die Bemerkung, dass achtzehnmal das Wort „befehlen“ auch Ex. 38, 23 von den Worten: „Und mit ihm Oholiab ben Achisamach vom Stamme Dan“ bis Ende des Kapitels vorkomme. Gleich einem König, der in ein Land kam in Begleitung von Herzogen, Eparchen, Kriegsobersten. Das Volk wusste aber nicht, wer der Beliebteste (Angesehenste) von allen sei. Allein wer dem König sein Gesicht zuwendet und mit ihm spricht, der ist der Beliebteste von allen. So heisst es auch Ex. 24,1: „Zu Mose sprach er: Steige herauf, du, Aaron, Nadab, Abihu und die siebenzig Aeltesten.“ Nun wissen wir nicht, wer der Beliebteste (Angesehenste) von allen war, allein es war wohl derjenige, welchen Gott rief und mit ihm redete, darum heisst es hier: „Und er rief Mose.“ Gleich einem Könige, der in ein Land kommt, mit wem spricht er wohl zuerst? Mit dem Marktmeister des Landes. Warum? Weil er mit den Lebensmitteln (dem Unterhalt) des Landes beschäftigt ist. So war auch Mose mit der Belästigung (d. i. mit Dingen, die ihm Belästigung verursachten) Israels beschäftigt, indem er nämlich Befehle hinsichtlich der Nahrungsmittel ertheilte: Diese Thiere dürft ihr essen, jene aber nicht vergl. Lev. 18, 9: „Diese sollt ihr essen von allem, was im Wasser ist“ u. s. w., ferner das.: „Und diese sollt ihr verabscheuen von den Vögeln“ u. s. w., diese sollt ihr Verabscheuen und jene sollt ihr nicht verabscheuen, diese sollen euch als rein, jene als unrein gelten. Darum heisst es: „Und er rief Mose.“ „Und er rief Mose.“ Hat er denn Adam nicht gerufen? Heisst es nicht bereits Gen. 3, 9: „Und der Ewige, Gott, rief Adam?“ Allein ist es keine Schmach für einen König, mit seinem Pächter zu reden. < Und der Ewige redete mit ihm. Hat er nicht mit Noach auch geredet? Heisst es nicht Gen. 8, 15: „Gott redete mit Noach?“ Allein es ist keine Schande für einen König, mit seinem Viehbesitzer (Schäfer) zu sprechen. „Und er rief Mose.“ Plat er nicht auch Abraham gerufen? Es heisst doch daselbst 22, 15: „Ein Engel des Ewigen rief Abraham.“ Allein es ist keine Schande für einen König, mit seinem Gastwirth zu sprechen. „Und er rief Mose.“ So wie er Mose gerufen, hat er nicht Abraham gerufen; denn von diesem heisst es: „Und ein Engel des Ewigen rief den Abraham“ d. i. der Engel rief und das Wort (Gott, “112'““) redete, aber hier rief Gott Mose. Par. I. Cap. I, i. Nach R. Abin sprach Gott: Ich bin es, der ruft und ich bin es, der redet, wie es heisst Jes. 48, 15: „Ich, ich redete, ich rief ihn; ich führte ihn her und sein Weg soll gelingen.“ Aus dem Versammlungszelte. R. Eleasar sagte: Obgleich das Gesetz den Israeliten schon auf dem Sinai ein Zaun wurde, so wurden sie dennoch nicht eher verantwortlich, bis es vom Versammlungszelte wiederholt worden war. Gleich einem geschriebenen und versiegelten Edicte, das in einem Lande bekannt gemacht wird, es ist aber nicht eher für die Unterthanen verbindlich, bis es ihnen im öffentlichen Staatswesen erläutert (publicirt) worden ist. So auch hier. Obgleich den Israeliten die Thora schon auf dem Sinai gegeben worden war, so waren sie doch nicht eher (für die Beobachtung) verantwortlich, bis sie ihnen im Versammlungszelte wiederholt worden war, was auch geschrieben steht Cant. 3, 4: „Bis ich ihn brachte in das Haus meiner Mutter.“ „Das Haus meiner Mutter“ d. i. der Sinai, „bis in das Gemach meiner Gebärerin“ d. i. das Versammlungszelt, weil von da an die Israeliten Unterweisung erhielten. R. Josua ben Levi sagte: Wenn die Völker der Welt gewusst hätten, wie schön das Versammlungszelt für sie wäre, so würden sie es mit Zelten und Lagern umgeben haben. Du findest, ehe die Wohnung aufgestellt war, hörten die Völker der Welt den Laut des Wortes und wurden erschüttert innerhalb ihrer Paläste, wie es heisst Deut. 5,26: „Denn was ist alles Fleisch, dass es die Stimme des lebendigen Gottes hört“ u. s. w. R. Simon sagte: Zweigestaltig (verschieden wirkend) ging das Wort aus: Lebenbringend für Israel und todt- bringend für die Völker der Welt s. das. 4, 33: „Sowie du sie (die Stimme Gottes) gehöret und leben bliebst?“ Du hast es gehört und bist am Leben geblieben, die Völker der Welt aber hörten es und starben. R. Chija hat gelehrt: „Vom Versammlungszelt aus,“ woraus zu lernen ist, dass die Stimme abbrach und nicht ausserhalb des Versammlungszeltes ertönte. R. Jizchak sagte: So lange die Wohnung nicht aufgestellt war, war die Prophetie auch bei den Völkern der Welt zu finden, nachdem die Wohnung aber aufgestellt war, wurde sie von ihnen genommen, wie es heisst Cant. 3, 4: „Ich ergriff ihn und hielt ihn fest.“ Da wandte man ihm ein: Bileam hat doch geweissagt? Er antwortete: Er weissagte zum Besten Israels, denn er sagte doch Num. 23, 10: „Wer zählt den Staub Jacobs,“ das. V. 21: „Er siehet kein Unrecht in Jacob,“ das. V. 23: „Keine Zauberei ist in Jacob, das. 24, 5: „Wie schön sind deine Zelte, Jacob,“ das. V. 17: „Ein Stern tritt aus Jacob hervor,“ das. V. 19: „Und er herrschet von Jacob aus.“ Was ist für ein Unterschied zwischen den Propheten Israels und den Propheten der Völker der Welt? R. Chama bar Chanina und R. Jissaschar vom Dorfe Mendi*). R. Chama bar Chanina sagte: Gott *) 'IM 1E3 Kephar Mendi oder Mandon (jniB) wahrscheinlich identisch mit Kefir Menda, lag in der Nähe von Nazareth. Vergl. Robinson, Palästina IX. S. 243 und Neubauer, la Geographie du Talmud p. 269 f. Par. I. Cap. X, I. 9 offenbart sich den Völkern der Welt nur mit halbem Worte, wie es heisst s. das. 23, 4: „Da verfügte sich der Ewige zu Bileam,“ den Propheten Israels aber mit ganzem Worte, wie es heisst: „Er rief Mose.“ R. Jissaschar vom Dorfe Mendi sagte: So sei auch ihr Lohn. Das Wort Ypii hat keine andere Bedeutung als Unreinheit vergl. Deut. 23, n: „So jemand unter dir ist, der nicht rein ist von einem Begegniss der Nacht;“ aber die Propheten Israels bedienten sich der heiligen, reinen, klaren Sprache, der Sprache, in welcher die Dienstengel Gott preisen, wie es heisst Jes. 6, 3: „Und einer rief dem andern zu und sprach“ u. s. w. R. Hai bar Menachem sagte: Es stehet geschrieben Prov. 15, 29: „Der Ewige ist fern von den Frevlern, das Gebet der Gerechten aber erhört er.“ „Fern von den Frevlern“ d. s. die Propheten der Völker der Welt, „aber das Gebet der Gerechten erhört er“ d. s. die Propheten Israels. Du findest, dass Gott sich den Völkern nur offenbart hat wie ein Mensch, der von einem fernen Lande kommt, wie es heisst Jes. 39, 3: „Aus fernem Lande sind sie zu mir gekommen,“ bei den Propheten Israels dagegen heisst es: „Er erschien“ und „er rief.“ R. Jose sagte: Den Völkern offenbarte sich Gott nur in der Nacht, wenn die Menschen von einander getrennt sind, wie es heisst Hi. 4, 13: „In den Gedanken der Nachtgesichte, wenn tiefer Schlaf die Menschen befällt,“ das. 12: „Zu mir stahl sich ein Wort.“ R. Chanina bar Papa und die Rabbinen. R. Chanina bar Papa sagte: Gleich einem König, welcher mit seinem Freunde im Speisesaal war und ein Vorhang war zwischen ihnen; sowie er mit seinem Freunde sprechen wollte, zog er den Vorhang zurück, dass sie sich von Angesicht zu Angesicht sahen, und so redete er mit ihm, aber bei den anderen (heidnischen Propheten) verfährt Gott nicht so, sondern da spricht er mit ihnen und der Vorhang scheidet sie, so dass sie ihn nicht sehen. Die Rabbinen nehmen dieses Gleichniss an. Ein König hatte eine Gemahlin und ein Kebsweib. Wenn er zu seinem Weibe geht, geht er öffentlich, wenn er aber zu seinem Kebsweibe geht, geht er im Verborgenen. So offenbart sich Gott den Völkern der Welt nur in der Nacht, wie es heisst Gen. 20, 3: „Und Gott kam zu Abimelech im Traume des Nachts,“ und das. 31, 24: „Und Gott kam zu Laban, dem Aramäer im Traume des Nachts,“ Num. 22, 20: „Und Gott kam zu Bileam des Nachts;“ den Propheten Israels aber offenbart er sich am Tage, wie es heisst Gen. 18, 1: „Er (Abraham) sass am Eingänge des Zeltes, als der Tag heiss war,“ ferner Ex. 6, 28: „Es war am Tage, als der Ewige mit Mose sprach,“ sodann Num. 3, 1: „Und das ist das Geschlecht Aarons und Moses, da der Ewige mit Mose redete an dem Tage“ u. s. w. Was ist für ein Unterschied zwischen Mose und den Propheten? R. Je- huda bar R. Ilai und die Rabbinen. R. Jehuda sagt: Die Propheten sahen durch neun Spiegel, wie es heisst Ezech. 43, 3: „Und die Gesichte, wie das Gesicht, das ich geschaut“ u. s. w., Mose aber sah nur durch einen Spiegel, wie es heisst Num. 12, 8: „Im IO Par. II. Cap. I, 2. Gesichte, nicht aber in Räthseln.“ Die Rabbinen sagen: Alle Propheten sahen durch einen trüben Spiegel, wie es heisst Hos. 12, n: „Ich habe die Gesichte vermehrt und durch die Propheten lege ich Gleichnisse vor;“ Mose aber sah durch einen feingeschliffenen Spiegel, wie es heisst Num. 12, 8: „Die Gestalt des Ewigen schaute er.“ R. Pinchas führte im Namen des R. Hosaja dieses Gleichniss an. Ein König offenbarte (zeigte) sich seinem Haussohne in seinem wahren Bilde, denn in dieser Welt erscheint die Schechina den Einzelnen, aber einst wird sich die Herrlichkeit des Ewigen zeigen, „und es siehet alles Fleisch zumal, dass des Ewigen Mund geredet“ s. Jes. 40, 5.*) Oder: „Er rief Mose und der Ewige redete.“ Daher haben die Alten gesagt: Jedem Gelehrten ohne Wissen (Kenntniss) ist ein gutes Aas vorzuziehen. Du kannst es auch daran erkennen, dass es sich so verhält. Geh und lerne von Mose, dem Vater des Weisheit, dem Vater der Propheten, der die Israeliten aus Aegypten geführt hat und durch welchen so viele Wunder in Aegypten geschehen sind und Offenbarungen am Schilfmeere, der sich bis zu den I-Iöhen des Himmels geschwungen und das Gesetz vom Himmel herabgebracht und sich mit dem Bau der Wohnung beschäftigt hat, er ging nicht eher in das Innerste hinein, bis er gerufen worden war, wie es hier heisst, „Gott rief Mose und redete,“ und dort Ex. 3, 4 heisst es: „Und der Ewige sah, dass er zurückwich, um die Erscheinung zu sehen.“ Beim Dornenbusch war eine Unterbrechung zwischen dem Rufen und der Rede, im Versammlungszelte aber nicht. Beim Dornenbusch, womit ist das zu vergleichen? Gleich einem Könige von Fleisch und Blut, der über seinen Diener aufgebracht war und befahl, ihn in’s Gefängniss zu werfen; wenn er dem Boten 'einen Auftrag giebt, geschieht es nicht anders, als von Aussen, aber im Versammlungszelte, wo er sich mit seinen Kindern freut und seine Hausgenossen fröhlich sind, wenn er da dem Boten einen Auftrag ertheilt, so geschieht es im Innern (des Hauses), sowie denjenigen, welche er zwischen seine Kniee setzt und wie die Hand einen Menschen (Vaters) über seinen Sohn, darum heisst es hier: „Gott rief Mose.“ Parascha II. V. 2. Rede zu den Kindern Israels und sprich zu ihnen: Wenn einer von euch dem Ewigen eine Opfergabe bringen will u. s. w. Mit Anknüpfung an Jerem. 31, 20: „Ein theurer Sohn ist mir Ephraim.“ Zehn (Dinge) werden Kostbarkeiten *) Dieses Stück bis zum Schlüsse der Parascha steht in der Venediger Ausgabe am Ende unseres Midrasch und wird als eine andere Textrecen- sion ttnou) bezeichnet. Par. II. Cap. I, 2. II genannt, nämlich: i) Die Thora, 2) die Prophetie, 3) die Vernunft, 4) die Erkenntniss, 5) die Thorheit, 6) der Reichthum, 7) die Tugendhaften, 8) der Tod der Frommen, 9) die Gnade und 10) Israel; die Thora s. Prov. 3, 15: „Sie ist köstlicher als Perlen“-, die Prophetie s. 1. Sam. 3, 1: „Und das Wort des Ewigen war theuer in jenen Tagen,“ die Vernunft s. Prov. 17, 27: „Kostbarkeit des Geistes ist ein Mann von Verstand,“ die Erkenntniss das. 20, 15: „Ein kostbares Gefäss sind kenntnisreiche Lippen,“ die Thorheit s. Koh. 10, 1: „Köstlicher als Weisheit und Ehre ist ein wenig Thorheit,“ der Reichthum s. Prov. 12, 27: „Köstlicher Reichthum des Menschen ist des Fleissigen,“ die Tugendhaften s. Ps. 139, 17: „Wie kostbar sind mir deine Freunde (anstatt: Gedanken), Gott,“ der Tod der Frommen s. Ps. 117, 15: „Kostbar in den Augen des Ewigen ist der Tod seiner Frommen,“ die Gnade s. das. 36, 8: „Wie kostbar ist deine Gnade, Gott,“ Israel s. Jerem. 31, 20: „Ein kostbarer Sohn ist mir Ephraim.“ Und besonders kostbar bleibt mir Israel. Gewöhnlich gehen tausend Menschen hinein (ins Lehrhaus), um die Schrift zu lesen und nur hundert von ihnen geht heraus (und hat etwas davon gewonnen); hundert gehen zur Mischna und nur zehn kommen mit Erfolg davon heraus, zehn gehen zum Talmud und nur einer von ihnen hat etwas erworben. Das steht auch Koh. 7, 28: „Unter Tausenden habe ich nur einen Menschen gefunden.“ Oder die Worte: „Unter Tausenden habe ich nur einen Menschen gefunden,“ beziehen sich auf Abraham, und die Worte: „aber ein Weib habe ich unter, allen diesen nicht gefunden,“ beziehen sich auf Sara. Oder: „Unter Tausenden habe ich nur einen Menschen gefunden,“ beziehen sich auf Amram, und die Worte: „aber ein Weib habe ich unter allen diesen nicht gefunden,“ beziehen sich auf Jochebed. Oder: „Unter Tausenden habe ich nur einen Menschen gefunden,“ beziehen sich auf Mose, und die Worte: „aber, ein Weib habe ich unter allen diesen nicht gefunden,“ beziehen sich auf die Weiber des Wüstengeschlechts. Rabbi sagte: „Die Weiber des Wüstengeschlechts waren fromm (weil ihre Männer das Kalb angebetet hatten, was die Frauen nicht gethan hatten). Als sie hörten, dass sie ihren Männern verboten sein sollten, verschlossen sie sofort ihre Thüren. Da sprach Gott: Die Israeliten bleiben mir theuer. R. Abba bar Kahana und R. Jizchak. R. Abba bar Kahana sagte: Gott sprach: Wenn Pharao soviel für jeden Israeliten verlangt hätte, an Edelsteinen und Perlen zu bekommen, als er Gewicht hatte, hätte er sie ihm nicht gegeben? R. Jizchak dagegen sagte: Nahm er sie nicht mit Blut? Gab es nicht ganze Schwärme von Mücken und Gewilde? Sind diese nicht Blut? Daraus ergiebt sich, dass die Israeliten mir theuer sind. „Ein theurer Sohn ist es mir.“ Ueberall wo das Wort 'b, mir, gesagt ist, weicht es nicht von der Welt, nicht in dieser Welt und nicht in jener Welt. Bei den Priestern heisst es Ex. 40, 15: „Sie sollen mir Priester sein,“ ebenso heisst es bei den Leviten Num. 8, 14: „Sie sollen mir Leviten sein,“ 12 Par. II. Cap. I, 2. sodann bei den Israeliten Lev. 25, 55: „Denn mein sind die Kinder Israels;“ so auch bei der Hebe Ex. 25, 2: „Und ihr sollt mir nehmen,“ bei den Erstgebornen Num. 3, 13: „Denn mein ist alles Erstgeborne,“ beim Sanhedrin das. 11,16: „Versammle mir siebenzig Mann von den Aeltesten Israels,“ beim israelitischen Lande Ex. 19,5: „Denn mein ist das ganze Land,“ bei Jerusalem 1. Reg. 11,32: „Die Stadt, die ich mir erwählt habe,“ bei der Herrschaft des Hauses Davids 1. Sam. 16, 1: „Denn ich habe mir unter seinen Söhnen einen König ersehen,“ beim Heiligthum Ex. 25, 8: „Machet mir ein Heiligthum,“ beim Altar das. 20, 24: „Einen Altar von Erde sollst du mir machen,“ bei den Opfern Num. 28, 2: „Ihr sollt Acht haben, mir darzubringen,“ beim Salböl Ex. 30, 25: „Heiliges Salböl soll das mir sein,“ kurz und gut überall, wo das Wort 'b gebraucht wird, weicht es nicht von dieser und nicht von jener Welt s. Jerem. 31, 20: „Ephraim ist mir.“ R. Josua ben Levi sagte: Sie waren Palatini*), R. Josua bar ■Nachman sagte: Sie waren edelgeboren (von edlem Herkommen). R. Pinchas sagte: Mit dieser Krone ist Ephraim von unserm Vater Jacob geschmückt (gekrönt) worden, als er aus der Welt schied. Er sprach zu ihm: Ephraim, du sollst das Haupt der Stämme, das Haupt der Sitzung und der Schönste und Hervorragendste unter meinen Söhnen soll nach dir genannt werden s. 1. Sam. 1,1: „Ben Thohu, ben Zuph, des Ephratiters,“ ferner 1. Sam. 17, 12: „David, derSohn des Ephratiters von Bethlehem Jehuda. Jerem. 31, 20: „Ein theurer Sohn ist mir Ephraim, ein Kind des Spiels.“ Was ist unter Q' 3 >H!W 2 : -ib' zu verstehen? Ein Kind von zwei oder drei Jahren. Nach R. Acha im Namen des R. Levi bar R. Sisi ist ein Kind von vier oder fünf Jahren gemeint, weil es Jerem. 31, 20 weiter heisst: „Denn so oft ich mit ihm rede (in '"m '“it2 , '3).“ R. Judan im Namen des R. Acha bar Kahana erklärte die W : orte dahin: Genug sind meine Reden, die ich in ihm niedergelegt habe (’nntia m). R. Jehuda bar R. Simon sagte: Selbst in der Stunde, wo ich mit ihm hart rede, kann ich es nicht ertragen (d. i. ich vermag kaum mit ihm hart zu reden). „Denn so oft ich mit ihm rede“ d. i. denn gewiss sind meine Reden in ihm (iS ' 115 '“ 'NTD 'S). „Rede zu den Kindern Israels.“ Gleich einem König, sagte R. Judan im Namen des R. Jsmael bar Nachman, welcher Hemden (indusia) hatte und seinem Knechte mit den Worten befahl: Rolle (lege) dieses zusammen und schüttle es aus und richte dein Augenmerk darauf! Mein Herr König! fragte sein Knecht, von allen Hemden, welche du hast, wie kommt es, dass du gerade bei diesem mir eine solche Vorschrift anbefiehlst? Er antwortete: Weil ich es an meinem Leibe trage (an meinen Körper schliesse). So sprach auch Mose vor Gott: Herr der Welt! von den siebzig starken *) D. i. solche die im königlichen Palaste in hohen Ehren erzogen werden. Par, IT. Cap. I, 2. 13 und mächtigen Völkerschaften, die du in deiner Welt hast, wie kommt es, dass du mir nur grade Befehle an Israel ertheilst? Es heisst Num. 28, 2: „Befiehl den Kindern Israels“ u. s. w.; „rede mit den Kindern Israels“ d. i. befiehl den Kindern Israels und sprich zu ihnen, dass sie sich mir anschliessen, wie es heisst Jerem. 13, n: „Sowie der Gurt an die Lenden eines Mannes sich anschliesst.“ R. Abin führte dieses Gleichniss an. Ein König hatte Purpurkleider und befahl seinem Knechte: Gieb Achtung darauf, rolle sie zusammen, schüttle sie aus. Wie kommt es, mein Herr König! fragte der Knecht, dass du von allen Purpurkleidern, die du hast, nur auf das eine mir einen solchen Befehl giebst? Der König antwortete: Weil ich mit ihm am Tage meines Königthums bekleidet gewesen bin. So sprach auch Mose vor Gott: Herr der Welt! wie kommt es, dass du von den siebenzig mächtigen Völkerschaften, die du in deiner Welt hast, mir nur Befehle an Israel aufträgst, wie es heisst: „Befiehl den Kindern Israels,“ „sprich zu den Kindern Israels!“ Weil sie mich, erwiederte Gott, zuerst am Meere als König anerkannt und zu mir gesprochen haben Ex. 15, 18: „Der Ewige regiere ewiglich und immerdar.“ Gleich einem Saken (Ael- testen, Senator), sagte R. Berachja, der ein Staatskleid hatte und betreffs dessen er seinem Schüler Befehle ertheilte, indem er zu ihm sprach: Lege es sorgfältig in Falten (zusammen) und schüttle es aus! Mein Herr (König)! entgegnete der Schüler, wie kommt es, dass du mir betreffs aller Staatskleider, welche du hast, nicht Befehle ertheilst, sondern nur'betreffs dieses? Das kommt daher, antwortete der König, weil ich es an dem Tage getragen habe, an welchem ich als Saken (Aeltester) eingesetzt wurde.*) Ebenso sprach Mose vor Gott: Herr der Welt! von den siebenzig mächtigen Völkern, welche du in deiner Welt erschaffen, hast du mir nur in Betreff Israels Befehle ertheill. Gott sprach: Weil sie meine Regierung am Sinai auf sich genommen und gesagt haben Ex. 24, 7: „Alles, was der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen.“ R. Judan sagte: Komm und sieh, wie lieb Gott die Israeliten hat, dass er sie fünfmal in einem Verse erwähnt, wie es heisst Num. 8, 18: „Und ich nahm die Leviten anstatt alles Erstgebornen“ u. s. w. Gleich einem Könige, sagte R. Simeon ben Jochai, welcher einen einzigen Sohn hatte; an jedem Tage befahl er seinem Haussohne: Iss, mein Sohn! oder trink, mein Sohn! So wenn er in die Schule ging und wenn er aus der Schule kam. So gab auch Gott dem Mose täglich Befehle an die Israeliten und sprach zu ihm: Sprich zu den Kindern Israels! befiehl den Kindern Israels! R. Jehuda bar Simon führte dieses Beispiel an. Gleich einem ; welcher dasass und eine Krone für den König machte; ein Vorübergehender fragte ihn: Was machst du? Ich mache eine Krone für den König, war die : ) Vergl. Pesikta Schekalim 17a, wo einige Abänderungen sich Andern 14 Par. II. Cap. I, 2 . Antwort. ' Setze so viel Edelsteine, Perlen und Smaragde hinein, so viel du immer kannst. Warum? Weil sie einst auf den Kopf des Königs wird gesetzt werden. Ebenso sprach auch Gott zu Mose: Rühme, erhebe und verherrliche die Israeliten, so viel du immer kannst. Warum? Weil ich einst mit ihnen werde verherrlicht werden, wie es heisst Jes. 49, 3: „Er sprach zu mir: Mein Knecht bist du, Israel, an dem ich mich verherrliche.“ Sogar die Schrift, sagte R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi, erweist den Israeliten Ehre, wie es hier heisst Lev. 1, 2: „Ein Mensch, der von euch opfert“ u. s. w. Wenn aber etwas Nachtheiliges (Schändliches) von ihnen gesagt werden soll, siehe, was steht da geschrieben? Es heisst nicht das. 13, 1: So ein Mensch von euch an der Maut seines Fleisches eine Erhöhung hat, sondern: „so an der Haut seines Fleisches sein wird.“ R. Samuel bar Nachman führt zwei Beweise an: Es heisst Deut. 15, 4: „Jedoch wird kein Armer unter dir sein.“ Wenn die Schrift aber etwas Nachtheiliges (Schändliches) sagt, da heisst es nicht das. V. n: Es soll nicht fehlen an Armen aus eurer Mitte, sondern: „aus der Mitte des Landes.“ R. Samuel bar Nachman führte noch einen andern Beweis an: Es heisst nicht Deut. 27, 13: Und diese sollen stehen, das Volk zu verfluchen, sondern: „und diese sollen über dem Fluche stehen.“ Beim Segen aber heisst es das. V. 12: „Diese sollen stehen, das Volk zu segnen.“ R. Berachja und R. Chelbo und R. Ami im Namen des R. Hai sagten: Und nicht nur das, sondern wenn auch eine Strafe in die Welt kommt, die Frommen bewältigen sie, wie es heisst: „Und diese sollen stehen über dem Fluche.“ R. Berachja sagte: Gott spricht zu dem Menschen d. i. Adam, dein Opfer gleicht dem Opfer des ersten Menschen, welcher alles in seiner Gewalt hatte, und er brachte doch nichts vom Geraubten, Erpressten dar, so bringe auch du nichts vom Geraubten und Erpressten dar. Thust du aber so, so gilt Ps. 69, 32: „Das gefällt dem Ewigen besser als Rind und Farren mit Hörnern und Klauen.“*) Oder: Das Wort E“N, Mensch ist der Ausdruck der Liebe, der Brüderlichkeit und Freundschaftlichkeit. Gott sprach zu Ezechiel: Menschensohn! Sohn frommer Menschen! Sohn Gerechter! Sohn von Menschenfreunden! Sohn solcher, die sich wegen der Ehre Gottes und Israels immer alle Tage der Verachtung aussetzen. Oder der Ausdruck ein ]E, Menschensohn ist zu vergleichen mit einem Könige von Fleisch und Blut, gegen welchen sein Weib und seine Kinder sich aufgelehnt hatten. Er erhob sich und stiess sie aus seinem Hause und liess sie fortziehen, nachher aber Hess er einen Sohn von ihr kommen und sprach: Sohn N. N., komm, ich will dir mein Haus und das Haus meines Glanzes zeigen, was ich habe, ausser deiner *) Dieses Stück bis zum Schlüsse der Parasclia stellt in der Venediger Ausgabe am Ende unseres Midrasch unter der Aufschrift: niD 12 aifiots’ HE3 ntna. Par. II. Cap. I, 2. Mutter, meine Ehre und mein Glanz haben um nichts abgenommen*), obgleich deine Mutter draussen steht. So verhält es sich auch mit Ezechiel ben Busi, dem Priester s. Ezech. i, i: „Es geschah im dreissigsten Jahre, im vierten Monat, am Fünften des Monats,“ das. V. 3: „Da geschah das Wort des Ewigen.“ Das ist der rechte Beweis. In Bezug auf den zweiten heisst es das. V. 4: „Und sieh, es kam ein Sturmwind von Norden,“ und nachdem er dem Propheten die ganze Wagenerscheinung gezeigt hatte, sprach er zu ihm: Menschensohn! das ist meine Herrlichkeit, zu welcher ich euch von allen Völkern der Welt erhoben habe, ohne Beeinträchtigung meiner Herrlichkeit und meines Glanzes, wie es heisst Ezech. 43,11: „Und wenn sie sich schämen alles dessen, was sie gethan, so thue ihnen kund die Gestalt dieses Hauses und seine Einrichtung und seine Ausgänge und seine Eingänge.“ Vielleicht denkst du, es giebt keinen mehr, der mir dient, noch habe ich vor mir 496000 Dienstengel, die dienstergeben hier stehen und meinen grossen Namen täglich immerdar von Sonnenaufgang bis zu ihrem Untergänge heiligen und mit den Worten preisen: Heilig, heilig, heilig! und von Sonnenuntergang bis zu ihrem Aufgange mit den Worten: Gepriesen sei die Herrlichkeit des Ewigen von seinem Orte aus. Und um viel mehr die siebenzig Sprachen (der Menschen) auf Erden! Weil ihr garstige und ungehörige Dinge thut, erzürnen sie euch durch Leiden, die sie über euch bringen, aber was soll ich thun? Siehe, ich thue es wegen meines grossen Namens, der über euch genannt wird, wie es heisst das. 20, 9: „Ich that es um meines Namens willen, dass er nicht entheiligt werde vor den Augen der Völker“ u. s. w. Es heisst Lev. 1, 2: „So jemand von euch dem Ewigen darbringen will.“ Warum heisst es hier nicht: tb'tt, ein Mann, sowie es dort heisst: „Rede zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israels: ein Mann, so er darbringt?“ Auch hier sollte die Schrift sagen: Und sie sollen sich nehmen ein jeder ein Rind oder Schaf. Warum heisst esr tnN, ein Mensch? Um auch den Neuaufgenommenen (Proselyten) darunter zu begreifen. ÜS 72 , von euch d. i. um den Heiden, der ein Ganzopfer bringt, auszuschliessen. R. Simeon ben Gamliel sagte: Sieben Beschlüsse hat der grosse Gerichtshof gefasst, einer davon ist: Wenn ein Heide ein Ganzopfer von einer Stadt am Meere (von weiter Ferne) bringt und mit diesem auch Trankopfer, so bringt man die Trankopfer von dem Seinigen dar, wenn nicht (d. i. sind die Trankopfer nicht mit jenem verbunden), so müssen dieselben auf Kosten der Gesammtheit dargebracht werden. Und ferner ist der Beschluss vom Gerichtshof gefasst worden, dass von einem Hohenpriester, welcher gestorben ist, sein Speisopfer auf Kosten der Gesammtheit dargebracht werde. R. Jehuda sagt: Es *) Sinn: Komm, damit du siehst, dass deine Mutter meiner Ehre und meinem Glanze keinen Eintrag gethan hat. i6 Par. II. Cap. I, 2. ■wird aus den Mitteln der Erben und ungetheilt auf Salz und Holzstücken dargebracht. R. Simeon ben Gamliel sagte: Einmal war ich auf der Reise, da traf mich ein Mann und kam auf mich zu, wie einer, welcher mit aufgehobener Faust gegen seinen Nächsten kommt, er fragte mich: Ihr sagt, sieben Propheten sind unter den Völkern aufgetreten und sie legen Zeugniss gegen sie ab und sie fahren in die Hölle? Ich antwortete ihm: Ja, mein Sohn, so ist es. Von den sieben Zeitaltern an (wo die sieben Propheten aufgehört haben) und weiter können die Völker also sagen: Das Gesetz ist uns nicht gegeben worden und es kann auch nicht gegen uns Zeugniss ablegen, warum fahren wir zur Hölle? Ich antwortete ihm: Mein Sohn, so haben die Weisen in der Mischna gelehrt: Einem Heiden, der zum Judenthum übertreten will, reicht man die Pland, um ihn unter die Fittiche der Schechina zu bringen, von jetzt an und weiter können die Proselyten des Zeitalters gegen ihre Zeitgenossen (ihr Zeitalter) zeugen. vom Vieh, von Rindern, von Schafen? Wenn es heisst: vom Vieh, warum heisst es noch: von Rindern und von Schafen?' Von hier haben die Weisen gesagt: Man nimmt alle Arten von Opfern von den Frevlern Israels an, um sie unter die Fittige der Schechina zu bringen, ausgenommen ist der Abtrünnige und der, welcher den Wein fälscht und die Sabbathe öffentlich entweiht. „Von Rindern und von Schafen.“ Gepriesen sei Gott, dass er sich mit den ersten Frommen zählt. Adam brachte einen Ochsen auf dem Altar dar, wie es heisst Ps. 69, 32: „Es gefällt dem Ewigen besser als Ochs und Farren.“ Noach hat gehalten, was in der Thora geschrieben steht, wie es heisst Gen. 8, 20: „Er baute dem Ewigen einen Altar;“ Abraham*) hat die ganze Thora gehalten, wie es heisst das. 26, 5: „Darum dass Abraham meiner Stimme gehorchte“ u. s. w., denn er veranstaltete ein Opfer und brachte einen Widder dar; Jizchak hat gehalten, was in der Thora geschrieben steht, er warf sich vor seinem Vater wie ein Opferlamm hin; Jacob hat gehalten, was in der Thora geschrieben steht, wie es heisst das. 35, 4: „Sie gaben dem Jacob alle fremden Götter;“ Jehuda hat gehalten, was in der Thora geschrieben steht, wie es heisst das. 38, 8: „Wohne dem Weibe deines Bruders bei;“ Joseph hat gehalten, was in der Thora geschrieben steht Ex. 20, 12 ff.: „Ehre deinen Vater und deine Mutter, du sollst nicht morden, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsch zeugen, lass dich nicht gelüsten;“ ehe ihnen noch die Thora gegeben worden, haben sie diese Vorschriften von selbst gehalten. Darum liebt Gott sie auch mit vollkommener Liebe und er hat ihren Namen seinem grossen Namen gleichgemacht, über sie heisst es Ps. 119, 1: „Heil denen, die den Weg der Vollkommenheit wandeln,“ und er wird genannt Deut. 32,4:. *) S. Joma fol. 28 und Kiddusch, fol. 82. Par. II. Cap. I, 2. 5. 17 „Der Fels, vollkommen ist sein Wirken“ und Ps. 18, 31: „Gott, vollkommen ist sein Weg.“ V. 5. Er schlachte das junge Rind. Und beim Widder heisst es: Gegen die mitternächtliche Seite hin vor dem Ewigen. Sie (die Weisen) sagen: In der Stunde, als unser Vater Abraham seinen Sohn Jizchak band, bestimmte Gott zwei Lämmer, eins am Morgen und eins am Abend, und das alles warum? Weil in der Stunde, wo die Israeliten das tägliche Opfer auf dem Altar darbringen und diesen Vers lesen: „nach der mitternächtlichen Seite vor dem Ewigen,“ Gott der Opferwilligkeit Jizchaks gedenkt. Ich rufe den Himmel und die Erde zu Zeugen über mich an, es mag ein Heide oder ein Israelit, ein Mann oder ein Weib, ein Knecht oder eine Magd diesen Vers lesen: „nach der mitternächtlichen Seite vor dem Ewigen,“ so gedenkt Gott der Opferwilligkeit Jizchaks, denn es heisst: „i"’ ’tsb es ist aufbewahrt vor dem Ewigen.“*) Oder: „Nach Norden vor dem Ewigen,“ entsprechend den Thaten Abrahams, Jizchaks und Jacobs, welche vor ihm aufbewahrt (Ctiss) sind. Und woher lässt sich beweisen, dass das Wort diese Bedeutung hat? Aus Cant. 7, 14: „Neue, auch Alte habe ich, mein Freund, dir aufbewahrt.“ Abraham, Jizchak und Jacob sind die Alten, Amram, Sohn Kehats und alle Frommen, die in Aegypten waren, sind die Neuen, wie es heisst: „Neue, auch Alte.“ Die Genossenschaft Moses, Josuas und Davids, Hiskias sind die Alten, die Genossenschaft Esras, Hilleis, Rabban Jochanan ben Saccais und R. Me'irs und seine Genossen gehören zu den Neuen, über sie werden die obigen Worte: „Neue, auch Alte“ angewendet. Beim Ochs heisst es Lev. 1, 9: „Und die Beine soll er abwaschen mit Wasser, und der Priester soll das Ganze anzünden“ u. s. w., beim Widder heisst es das. V. 13: „Und das Innere (den Bauch) und die Beine soll er abwaschen, und der Priester soll das Ganze darbringen.“ Was ist für ein Unterschied zwischen Widder und Ochs? Beim Ochsen fehlt der Aufzug und der Einschlag, beim Widder dagegen fehlt der Aufzug und der Einschlag nicht. Die Weisen haben gesagt: Wir lernen die Darbringung des Ochsen von der des Widders und die Darbringung des Widders von der des Ochsen. Er sprach zu ihnen: Meine Herren! ich halte mich für Staub unter euren Fuss- ballen, ich will aber etwas vor euch Vorbringen. Trage vor! gaben sie ihm zur Antwort. Meine Herren! sprach er zu ihnen, zwölf Fürsten standen bei der Einweihung des Altars, der eine und der andere brachte ein Ganzopfer, der eine und andere ein Sündopfer, der eine und der andere ein Schuldopfer, der eine und der andere ein Friedensopfer. Dort steht mipn, darbringen beim Ochsen und Widder, hier dagegen steht , darbringen nur beim Widder und nicht *) So nimmt der Midr. die Textworte. Wünsche, Midrasch Wajikra. 2 i8 Par. II. Cap. I, 5. Par. III. Cap. II, I. beim Widder, damit der Mensch nicht bei sich denke, ich will hässliche und ungeziemende Dinge thun, ich will einen Ochsen bringen, an dem viel Fleisch ist, und auf dem Altar darbringen, siehe, ich werde mit ihm Gnade üben, und er wird mich in Busse aufnehmen. Darum wird nur beim Widder und nicht beim Ochsen das Wort: ttn'apii, darbringen gebraucht. Parascha III. Cap. II, V. 1. So jemand will dem Ewigen die Opfergabe eines Speisopfers darbringen. R. Jizchak begann mit Koh. 4, 6: „Besser eine Hand voll Ruhe, als beide Fäuste voll Mühseligkeit und quälende Sorge.“ Besser ist der, welcher nur zwei Ordnungen lernt und sie übt, als der, welcher Halachot lernt und sie nicht übt, er hat nichts weiter davon als „leeren Wind“ d. i. es ist ihm nur darum zu thun, ein Halachotkundiger genannt zu werden (eig. sein Sinnen geht nur darauf, dass er u. s. w.). Besser ist der, welcher Halachot lernt und sie übt, als der, welcher Halachot und Regeln lernt und sie nicht übt, er hat nichts weiter davon als „quälende Sorge“ d. i. es ist ihm nur darum zu thun, ein Mechiltakundiger genannt zu werden. Besser ist der, welcher Halachot und Regeln lernt und sie übt, als der, welcher Halachot und Regeln und Talmud lernt und sie nicht übt, er hat nichts weiter davon als „quälende Sorge“ d. i. es ist ihm nur darum zu .thun, ein Gesetzkundiger zu heissen. Besser ist der, welcher nur zehn Goldstücke besitzt und damit handelt (sie nimmt und giebt) und sich damit ernährt, als der, welcher geht und Geld auf Zinsen leiht. Im Sprichwort heisst es: Wer auf Zinsen geliehen nimmt, bringt sich um das Seinige und um das Nichtseinige (das was andern ist), und er hat nur „quälende Sorge“ davon d. i. einem solchen ist es nur darum zu thun, ein Geschäftsmann zu heissen. Besser ist der, welcher mildthätig mit dem Seinigen ist, als der, welcher geht und raubt und erpresst und Almosen giebt von dem, was andern ist. Im Sprichwort heisst es: Sie buhlt für Aepfel und vertheilt sie unter die Kranken.*) Er hat nur „quälende Sorge“ davon d. i. es ist einem solchen nur darum zu thun, einer genannt zu werden, welcher die Gesetze treu befolgt. Besser ist der, welcher nur einen Garten hat, ihn düngt und pflegt und sich davon ernährt, als der, welcher die Gärten von anderen um die Hälfte nimmt. Im Sprichwort heisst es: Wer einen Garten pachtet, der isst Vögel, pachtet er aber viele Gärten, so fressen ihn die Vögel.**) Er hat nur „quälende Sorge“ davon d. i. sein Sinnen geht nur darauf, ein *) Der Talmud bezeichnet dieses Gebahren mit den Worten: msa ein Gebet, dessen Befolgung durch die Uebertretung eines andern geschieht. Auch das deutsche Sprichwort: Leder stehlen und den Armen Schuhe daraus machen, correspondirt mit dem midraschischen. Vgl. Dukes, Rabbinische Blumenlese S. 139. **) Grund: Weil er viele Gärten nicht beaufsichtigen kann. Par. III. Cap. II, r. 19 Besitzer von Grundstücken (Feldern'' genannt zu werden. R. Be- rachja sagt: Besser war der eine Tritt (mehr Nutzen brachte der eine Tritt), den Gott in Aegypten gethan, wie es heisst Ex. 12, 12: „Ich werde durch das Land Aegypten in dieser Nacht schreiten,“ als die Fäuste voll Russ aus dem Ofen von Mose und Aaron (den sie geworfen hatten). Warum? Weil jener und nicht diese die Erlösung zur Folge hatte. R. Chija bar Abba sagte: „Besser ist eine Hand voll Ruhe“ d. i. der Sabbath, „als beide Fäuste voll Mühe“ d. i. als die sechs Werkeltage, er hat nur „quälende Sorge“ davon d. i. sein Sinnen geht nur darauf, an ihnen seine Arbeit zu verrichten. Du kannst es auch daraus erkennen, dass es so ist, denn die Israeliten wurden nur im Verdienste der Sabbathheiligung erlöst, wie es heisst Jes. 30, 15: „Durch Stille und Ruhe soll euch geholfen werden.“ R. Jacob bar Kurschai sagte: „Besser ist eine Hand voll Ruhe“ d. i. jene Welt, „als Fäuste voll Mühe“ d. i. diese Welt, nur „quälende Sorge“ ist der Lohn d. i. das Sinnen der Frevler geht nur darauf, ihre Arbeit in dieser Welt zu verrichten, aber zur Genüge werden sie (ihren bösen Handlungen entsprechend) in der zukünftigen Welt bestraft, wie es heisst in der Mischna*): Besser ist eine Stunde in dieser Welt mit Busse und guten Thaten vollbracht, als das ganze Leben in jener Welt; und besser ist eine Stunde Gemüthsruhe (eigentl. Kühlung des Gemüths) in jener Welt, als das ganze Leben in dieser Welt. R. Jizchak deutete den Vers auf den Stamm Rüben und den Stamm Gad. Als diese in das Land kamen und seine Fruchtbarkeit sahen (eig. wie viel Samen und wie viel Pflanzung in ihm war), sprachen sie: Besser ist eine Hand voll in diesem Lande, als Fäuste voll jenseits des Jordans. Dann sprachen sie wieder: Dieses wählen wir uns, wie es heisst Num. 32, 5: „Und es werde dieses Land deinen Knechten zum Eigenthum gegeben.“ Das wollen die Worte: nvi riVm sagen d. i. ihr Sinnen und Denken war verderblich. Oder: „Besser ist eine Hand voll Gemüthsruhe“ d. i. diese Hand voll freiwilliger Gaben des Armen, als Fäuste voll Mühe und „quälende Sorge“ d. i. das kleine Räucherwerk einer Gesammtheit, denn dieses erfordert eine Sühne, jene aber nicht. „Wenn jemand will dem Ewigen die Opfergabe eines Speisopfers bringen.“ In Verbindung mit Ps. 22, 24: „Verehrer des Ewigen, rühmet ihn, alle vom Samen Jacobs, ehret ihn.“ „Verehrer des Ewigen.“ R. Josua ben Levi sagte: Darunter sind die Gottesfürchtigen zu verstehen, R. Ismael bar Nachman aber sagte: es sind darunter die Proselyten der Gerechtigkeit gemeint. Wenn die Proselyten der Gerechtigkeit einst in jene Welt kommen, sagten R. Hiskia und R. Abuhu im Namen des R. Eleasar, so kommt unbedingt Antoninus an ihrer Spitze. Was ist nun unter den Worten: „Der ganze Same Jacobs“ zu verstehen? Das sind die elf *) S. Tanchuma, Wajikra, Zeichen 6. 2* 20 Par. III. Cap. II, I. Stämme. Wenn dem so ist, warum heisst es dann noch: „jeglicher Same Israels?“ Das ist nach R. Benjamin ben Levi der Stamm Benjamin, der zuletzt geboren wurde (und somit die Zahl voll machte). Dann heisst es Ps. 22, 25: „Denn er verachtete und verschmähte nicht des Armen Elend.“ Gewöhnlich wenn zwei Menschen, ein Armer und ein Reicher, vor dem Richter erscheinen, wem wendet sich dieser wohl zu? Nicht dem Reichen? Aber hier heisst es: „Er verbarg nicht sein Antlitz vor ihm, und als er zu ihm schrie, hörte er.“ R. Chaggi verordnete ein Fasten und es kam Regen. Da sprach er: Nicht deshalb geschieht da, weil ich es werth bin, sondern deshalb, weil es heisst: „Denn er verachtet und verschmäht nicht des Armen Elend.“ Und sowie er sein Gebet nicht verwirft, so verwirft er auch nicht sein Opfer, wie es hier heisst: „So jemand dem Ewigen die Opfergabe eines Speisopfers darbringt. Es heisst Jes. 55i 7 : „Der Frevler lasse von seinem Wege und der Uebelthäter von seinen Gedanken.“ R. Bibi bar Abaje sagte: Wie soll das Sündenbekenntniss am Vorabend des Versöhnungstages lauten? Man muss sagen: Ich bekenne, dass ich bei all dem Bösen, was ich vor dir gethan habe, auf bösem Weg gestanden, ich will aber alles, was ich gethan habe, nicht wieder thun, möchtest du doch, Ewiger, mein Gott, mir alle meine Sünden verzeihen und alle meine Vergehungen mir vergeben und alle meine Fehltritte mir sühnen, wie es heisst: „Der Frevler lasse von seinem bösen Wege und der Uebelthäter von seinen Gedanken“ u. s. w. R. Jizchak und R. Jose bar Chanina. R. Jizchak sagte: Sowie der Mensch zwei Bretter zusammenfügt und das eine an das andere schliesst (ebenso schliesst Gott die Bussfertigen fest an sich). R. Jose bar Chanina sagte: Wie ein Mensch die zwei Fussstücke des Bettes aneinanderfügt, indem er das eine an das andere bringt (ebenso bringt Gott die Bussfertigen sich nahe, so dass er ihnen angehört, hält sie aber zugleich in einiger Entfernung von sich auf dieselbe Weise, wie die zwei zusammengehörenden Füsse des Bettes von einander abstehen). Es heisst das.: „Und er kehrt um zum Ewigen und er erbarmet sich über ihn.“ Die Rabbinen und R. Simeon ben Jochai. Die Rabbinen sagen: Alle Sühnopfer hat Gott unserem Vater Abraham in dieser Welt gezeigt, ausgenommen das Zehntel Epha. R. Simeon ben Jochai sagte: Auch das Zehntel Epha hat Gott unserem Vater Abraham gezeigt, weil hier n'r.x diese und dort nb.'i steht, und wie hier unter n'rs, so ist auch dort darunter das Zehntel Epha mit inbegriffen. Das. „Zu unserm Gott, denn er vergiebt viel.“ R. Jehuda bar Simon im Namen des R. Sera sagt: Auch Gott hat eine Vergebung für uns von der seinigen übrig gelassen. Welche ist das? Das Zehntel Epha. „Und wenn ein Mensch darbringt.“ Was steht vorher? Das. 3, 4: „Er soll absondern das Netz von der Leber“ u. s. w. R. Tan- chuma bar Chanilai sagte: Dieser Vogel flattert und schwebt in der ganzen Welt umher, er isst überall, wo er nur etwas findet, sowohl Par. III. Cap. II, V. 21 *f -vom Geraubten wie vom Erpressten. Da spricht Gott: Weil nun sein Kropf voll ist mit Geraubtem und Erpresstem, so soll dieser Theil nicht auf den Altar gebracht werden, darum heisst es: „Er soll entfernen das Netz.“ Aber die Thiere, welche an der Krippe mit Blätterwerk ernährt werden und nicht von jeder Seite essen, sowohl vom Geraubten wie vom Erpressten, sie werden ganz dargebracht. Darum heisst es: „Der Priester bringe das Ganze dar auf dem Altar,“ weil diese Seele raubt und mit Gewalt nimmt. Komm und sieh, wie viel Noth und Mühe es ihr kostet, bis die Speise wieder aus ihr herausgeht. Vom Munde geht die Speise in den Schlund, vom Schlund in den Magen, vom Magen in den Dickdarm, vom Dickdarm in die Haube, von der Haube in den Mistdarm, vom Mistdarm in den Bauch, vom Bauche in die Eingeweide, von den Eingeweiden in den Dünndarm, vom Dünndarm in den Dickdarm, vom Dickdarm in das Schleimsieb, vom Schleimsiebe in den Mastdarm, vom Mastdarme nach Aussen. Komm und sieh, wie viel Noth und Mühe es macht, bis die Speise wieder aus ihr herausgeht. Das. i, 17: „Und er reisse ihn ein an seinen Flügeln, aber breche ihn nicht ab.“ R. Jochanan sagte: Wenn der gemeine Mensch den Duft von verbrannten Flügeln riecht, so ist er ihm zuwider, und hier heisst es: „Der Priester lasse alles auf dem Altar in Rauch aufgehen?“ Das alles warum? Um den Altar mit dem Opfer des Armen zu schmücken. Der König Agrippa wollte an einem Tage tausend Ganzopfer darbringen, er sandte und liess dem Hohenpriester sagen: Lass an diesem Tage niemand anders als mich darbringen. Es kam aber ■ein Armer mit zwei Turteltauben in der Hand und sprach zum Priester: Bringe diese dar! Ich kann nicht, antwortete der Priester, ■der König hat mir befohlen und zu mir gesagt: Lass heute niemand anders als mich opfern. Mein Herr Oberpriester! sagte der Arme, ich fange täglich vier Turteltauben, zwei bringe ich dar und zwei dienen mir zur Nahrung; wenn du sie nicht darbringst (zurückweisest), schneidest du mir meine Nahrung ab. Der Priester nahm sie und brachte sie dar. Des Nachts erschien dem Agrippa im Traum: Das Opfer des Armen ist dir vorangegangen. Er liess den Hohenpriester rufen und stellte ihn mit den Worten zur Rede: Habe ich dir nicht befohlen, dass du an diesem Tage keinen Menschen als mich opfern lassen solltest? Mein Herr König! gab der Hohepriester zur Antwort, ein Armer kam und hatte in seiner Hand zwei Turteltauben und sprach zu mir: Bringe diese dar! Ich sprach zu ihm: Der König hat mir befohlen und zu mir gesagt: Lass niemand als mich heute opfern. Der Arme sagte: Ich fange jeden Tag vier Turteltauben, zwei bringe ich dar und von zweien ernähre ich mich, wenn du sie nicht darbringst, so schneidest du mir meine Nahrung ab. Lag es mir da nicht ob, sie darzubringen? Der König antwortete: Du hast schön (recht) gethan, was du gethan hast. Einst wurde ein Ochs zum Opfer gezogen, aber er wollte nicht 22 Par. III. Cap. II, I. 2. 3. von der Stelle. Da kam ein armer Mann mit einem Gebund Endivien, reichte es dem Ochsen hin und er ass es. Der Ochs nieste, räusperte sich und warf eine Nadel aus seinem Schlunde und nun liess er sich zum Opfer ziehen. Dem Eigenthümer des Ochsen erschien im Traum, als wenn er hörte: Das Opfer des Armen (d. i. das Bündel Endivien) ist dem deinigen vorangegangen. Eine Frau brachte eine Hand voll Mehl, welches aber von dem Priester verächtlich behandelt wurde. Er sprach: Seht, was ist das für eine Darbringung! Was soll davon zum Essen, was zum Opfern sein! Da erschien dem Priester aber im Traum: Schätze sie nicht gering, sondern achte sie, als hätte sie sich selbst zum Opfer dargeboten. Siehe, wenn schon von dem, der nicht sich selbst (11:33 seine Seele, sein Leben) darbringt, es heisst: ffi33 (er habe sich selbst dargebracht), um wie viel mehr von dem, welcher sich selbst als Opfer darbietet! V. 2. Und er bringe es zu den Söhnen Aarons. R. Chija hat gelehrt: Selbst wenn ihrer (der Priester) viele sind. R. Jochanan wies auf Prov. 14, 28 hin, wo es heisst: „In der Menge des Volkes besteht des Königs Majestät.“ Und er nehme davon eine Hand voll von dem Mehle und von dem Oele d. i. von dem Mehle und nicht das ganze Mehl, von dem Oele und nicht das ganze Oel. Sieh, wenn einer sein Mehlopfer aus dem Exil von As- pamea brachte und er sah den Priester, dass er die Hand voll nahm und das andere ass, da sprach er: Weh mir, alle meine Mühe habe ich mir nur für diesen genommen; es reden ihm aber alle zu und sprechen zu ihm: Wenn schon der, welcher es sich nur zwei Schritte hat kosten lassen zwischen der Vorhalle zum Altar, würdig ist zu essen, um wie viel mehr du, der du dir alle diese Mühe (Beschwerlichkeiten) hast kosten lassen! Und nicht nur das, sondern: V. 3. Das Uebrige vom Speisopfer soll Aaron und seinen Söhnen gehören. R. Chanina bar Abba ging an einen Ort (ins Lehrhaus) und fand diesen Vers: „Das Uebrige vom Speisopfer soll Aaron und seinen Söhnen gehören“ an der Spitze der Ordnung und hielt einen Vortrag, er begann mit Ps. 17, 14: „Von den Menschen deiner Hand, Ewiger, von den Menschen dieser Welt.“ „Von den Menschen deiner Hand, Ewiger.“ Wie mächtig sind diese, dass sie ihren Theil von deiner Hand, Ewiger, genommen haben! Wer ist das? Der Stamm Levi. „Von den Leuten dieser Welt“ d. i. die, welche keinen Theil im Lande erhalten hatten; „ihr Theil ist im Leben“ d. i. das Allerheiligste; „mit deinen Schätzen füllest du ihren Bauch“ d. s. die heiligen Grenzen; „satt sind ihre Kinder“ (denn von den Priestern heisst es): „Alles Männliche von den Kindern Aarons soll davon essen.“ „Sie lassen ihren Ueberfluss ihren Kleinen,“ wie es hier heisst; „Das Uebrige von Par. irr. Cap. II, 3. 23 dem Speisopfer soll Aaron und seinen Söhnen gehören.“ Aaron verdiente es; „und seinen Söhnen,“ sie mögen fromm oder nicht fromm sein, denn es heisst Mal. 2, 5: „Mein Bund war mit ihm, das Leben und der Friede,“ denn er (Aaron) suchte den Frieden in Israel herzustellen; „und ich gebe ihm Furcht und er fürchte mich,“ denn er nahm die Worte der Thora mit Schrecken und Furcht, mit Zittern und Beben hin. Wozu braucht zu stehen: '“£73 rn: ■'»a? Sie (die Weisen) sagen: In der Stunde, als Mose das Salböl auf Aarons Haupt goss, erbebte er und fiel rückwärts. Wehe mir! sprach er, vielleicht habe ich mit dem Salböl treulos gehandelt (einen Missbrauch getrieben). Da gab ihm der heilige Geist zur Antwort Ps. 133, 1—3: „Siehe, wie schön, wie lieblich ists, wenn Brüder in Eintracht beisammen wohnen, wie das liebliche Oel auf dem Haupte u. s. w., wie der Thau des Hermon, welcher herabfällt.“ Sowie es mit dem Thau keine Veruntreuung giebt, so giebt es auch mit dem Oel keine Veruntreuung. Es heisst: „Wie das gute Oel auf dem I-Iaupte herabfliesst auf den Bart, auf den Bart Aarons.“ Hat denn Aaron zwei Bärte gehabt, dass du sagst: jpTi-j -,pt? Allein da Mose das Oel auf den Bart Aarons herabfliessen sah, freute er sich so, als flösse es auf seinen Bart herab. Ferner heisst es Mal. 2, 6: „Das Gesetz der Wahrheit war in seinem Munde,“ weil er nämlich das Erlaubte nicht verbot und das Verbotene nicht erlaubte. „In Frieden und Gradheit wandelt er mit mir,“ weil er sich nicht über die Wege Gottes Gedanken machte, ebenso wie unser Vater Abraham sich nicht Gedanken machte. Das.: „Viele hielt er von der Sünde zurück,“ weil er die Sünder zum Lernen (Studium) der Thora führte vgl. Cant. 1, 4: „In Gradheit lieben sie dich.“ Und was steht am Ende? „Denn die Lippen des Priesters sollen Kenntniss bewahren und Gesetz soll man suchen aus seinem Munde.“*) „Zwei Mehlopfer giebt es, eins in einem Napfe und eins in einer Pfanne, und bei beiden heisst es: „Er soll das Mehlopfer darbringen.“ Was ist für ein Unterschied zwischen ran 73 und ricrHTs?**) In jenem wird das Mehl mit Oel gemischt und in diesem wird alles in Oel gemacht. Die Weisen haben in der Mischna erklärt: rizimu ist ein tiefes Gefäss, in welchem das Gebäck (weil das Oel darin bleibt) siedet; rcn 73 hingegen ist eine flache Pfanne, in welcher das darin zubereitete Gebäck fest (trocken) ist, damit der Mensch nicht zu dir sage: Ich thue hässliche und nicht geziemende Dinge, ich bringe dann ein Speisopfer auf der Pfanne und bin damit wieder vor Gott beliebt. Mein Sohn, spricht Gott zu ihm: Warum hast du deine Thaten nicht in die Worte der Thora gemischt; denn *) Dieses Stück bis zum Schlüsse der Parasclia steht in der Venediger Ausgabe am Ende unseres Midrasch und wird als eine zweite Textrecension (tO'inN NnDIJ) bezeichnet. **) S. Menach. fol. 63a. 24 Par. irr. Cap. II, 3. Par. IV. Cap. IV, I. unter Oel ist nichts anderes als die Thora und gute Werke zu verstehen vgl. Cant. 1, 3: „Beim Dufte deiner wohlriechenden Oele, ausgegossenes Oel ist dein Name.“ Unser Lohn ist, dass wir gekommen sind, deine Thora zu lernen. Du hast uns die Thora ausgegossen wie Oel, was aus einem Gefäss ins andere rinnt, ohne dass ein Laut dabei gehört wird. Darum heisst es: „Wie ausgegossenes Oel ist dein Name.“ Und selbst die Völker der Welt erkennen sie (die Israeliten) an der Weisheit, Einsicht, Kenntniss und dem Verstand, sie (die Israeliten) dringen bis in das Wesen deines Gesetzes, lieben dich mit vollkommener Liebe, es mag ihnen gut oder übel gehen. Darum heisst es auch: Sie lieben dich mit Rüstigkeit (m 7 oby). Hat ein Mensch nur die heilige Schrift und nicht die Mischna gelesen, so steht er noch draussen, ist er in der Mischna und nicht in der Schrift bewandert, so steht er auch draussen; hat er die Schrift und die Mischna erlernt, aber keinen Umgang mit Gelehrten gehabt, so gleicht er dem, welchem die Geheimnisse der Thora verborgen geblieben sind, wie es heisst Jerem. 31, 19: „Nach meiner Rückkehr bereue ich es.“ Hat aber ein Mensch die Thora, Propheten, Hagiographen, Mischna, Midrasch, Halachot, Haggadot kennen gelernt und Umgang mit Gelehrten gehabt, selbst wenn es ihm das Leben kostet, so ist er doch in ewiger Freude. Darum heisst es: „Darum lieben sie dich mit Rüstigkeit.“ rri:m73 ist ein tiefes Gefäss, in welchem das Gebäck brodelt. Wie so? Wenn ein Mensch auch die Thora inne hat, so muss er sich doch in Acht nehmen, dass er nicht in Schuld und Sünde geräth. Gott spricht zu ihm: Du bist gesegnet, dir wird Gemüthsruhe werden und die Worte der Thora werden für immer in deinem Munde verwahrt bleiben. Heil dem, in dem die Worte der Thora sind und mit seiner Hand beobachtet werden, und der da weiss zu jeder Zeit durch sie Rede und Antwort zu stehen. Auf ihn sagt die Schrift Prov. 20, 5: „Tiefes Wasser ist der Rath in dem Herzen des Menschen;“ ferner Ps. 130, 1: „Aus der Tiefe rufe ich dich, Ewiger,“ und das. 102, 1: „Gebet den Armen, wenn er in tiefen Gram sich hüllt.“ Gelobt sei der, welcher sprach und die Welt ward! Amen, Amen, Amen ! Parascha IV. Cap. IV. V. 1. Wenn eine Person aus Versehen sündigt gegen irgend eines der Verbote des Ewigen. In Verbindung mit Koh. 3, 16: „Und dann sah ich noch unter der Sonne, an dem Orte des Gerichts, da war Frevel.“ R. Elieser und R. Josua. R. Elieser sagt: „Der Ort des Gerichts ist auch der Ort des Frevels, nämlich der Ort, wo das grosse Synedrium sitzt und die Rechte der Israeliten bestimmt, „da ist Frevel,“ „denn dahin kamen alle Fürsten des Königs von Babylon und setzten sich am Mittelthore nieder“ s. Jerem. 39, 3, denn da entschied man die Gesetzlehre (Halacha). Im Sprichwort heisst es: Wohin der Herr die Waffen hängt, da hängt der Hirt seine Tasche. Par. IV. Cap. IV, i. 25 Und der heilige Geist ruft und spricht: An der Stätte der Gerechtigkeit da ist Frevel, an dem Orte nämlich, von dem es heisst Jes. 1, 21: „Das Recht wohnte in ihr,“ da werden Menschen todtgeschlagen, dort erschlug man den Sacharja und Urija. R. Josua erklärte die Worte: „An dem Orte des Gerichts ist Frevel“ dahin: An dem Orte, wo wegen des gefertigten goldenen Kalbes das Strafmaass geübt ward, wie es heisst Ex. 32, 27: „Geht hin und her, von einem Thor an’s andere,“ dort war Frevel. V. 35: „Da schlug der Ewige das Volk.“ Und der heilige Geist ruft und spricht jene Worte (in dem Sinne): An dem Orte der Gerechtigkeit, da ist Frevel d. i. an dem Orte, wo ich sie (die Israeliten) für Gerechte erklärt und göttliche Wesen genannt habe, wie es heisst Ps. 82, 6: „Ich sprach: Götter seid ihr,“ da ist Frevel d. i. da haben sie gefrevelt und das Kalb gefertigt und angebetet. Oder: „An dem Orte des Gerichts, da ist Frevel.“ Die erste Stelle redet von dem Geschlechte der Fluth. An dem Orte des Gerichts, da ist Frevel, nämlich an dem Orte, wo die Strafgerechtigkeit an dem Geschlechte der Fluth geübt ward, wie gelehrt worden ist (Mischna Sanh.): Das Geschlecht der Fluth hat keinen Antheil an der künftigen Welt und steht auch nicht im Gericht, da ist Frevel s. Gen. 7, 23: „da ward vertilgt jegliches Wesen.“ Und der heilige Geist ruft und spricht: An dem Orte, wo ich sie als Gerechte behandelt habe s. Hi. 21, 9: „Ihre Häuser in Frieden, frei von Furcht,“ dort war Frevel, „und sie sprachen zu Gott: Weiche von uns“ (s. Hi. das. V. 14). Oder: „An dem Orte des Gerichts, da ist Frevel.“ Der Vers redet von den Sodomiten. An dem Orte, wo strenges Recht an den Sodo- miten geübt ward, wie es heisst in der Mischna (Sanhedr.): die Sodomiten haben keinen Antheil an dem künftigen Leben, stehen aber im Gericht, „da ist Frevel“ s. Gen. 19, 24: „Und es Hess der Ewige auf Sodom regnen“ u. s. w. Und der heilige Geist ruft und spricht: An dem Orte, wo ich sie als Gerechte behandelt und aufgeschrieben habe in ihrem Lande s. Hi. 28, 5: „Die Erde, aus welcher das Brot hervorgeht,“ das.: „Der Ort des Sapphirs ist ihr Gestein und Goldstaub.“ Sie (die Weisen) sagen: Es heisst: Wenn einer von ihnen zum Gärtner ging und zu ihm sprach: Gieb mir für einen Assar etwas Gemüse, so fand sich, wenn es ihm gereicht wurde und er es abspülte, Goldstaub darin, um zu erfüllen, was geschrieben steht das.: „Goldstaub hat es;“ „da ist Frevel.“ Dort sprach man: Auf, wir wollen die Thora des Durchreisenden unter uns in Vergessenheit bringen (d. i. war wollen Einrichtungen treffen, so dass kein Fremder bei uns sich niederlässt), so dass sie die Hand des Elenden und Dürftigen nicht ergriffen. R. Jehuda bar Simon deutete den Vers auf (den Vorfall in) Schittim. „An dem Orte des Gerichts, da ist Frevel“ d. i. an dem Orte, wo das Strafmaass in Schittim geübt wurde, wie es heisst Num. 25,4: „Nimm alle Häupter des Volkes,“ „da ist Frevel,“ da starben noch viele durch die Pest;, und der heilige Geist ruft und spricht: An dem Orte der Gerechtig- 2Ö Par. IV. Cap. IV, i. keit, da ist Frevel d. i. an dem Orte, wo ich Bileams Fluch in Segen verwandelt s. Deut. 23, 5: „Und der Ewige verwandelte dir den Fluch in Segen,“ da ist Frevel s. Num. 25, 1: „Und es wohnte Israel in Schittim.“ R. Levi und R. Jizchak haben gesagt: Zwei Dinge befinden sich in der rechten (Hand) und zwei in der Hand Gottes. Die zwei Dinge in der rechten Hand sind: die Thora und die Gerechtigkeit, die Thora s. Deut. 33, 2: „Aus seiner Rechten kommt Feuer,“ die Gerechtigkeit s. Ps. 48, 11: „Von Gerechtigkeit voll ist deine Rechte,“ und die zwei Dinge in der Hand Gottes sind die Seele und das Recht (ü 3 -,axn), die Seele s. Hi. 12, 10: „In seiner Hand ist die Seele alles Lebenden,“ und das Recht s. Deut. 32, 41: „Es greift zum Recht meine Hand.“ Folglich befindet sich die Seele am Orte des Rechts, aber die Seele tritt heraus aus dem Ort des Rechts und sündigt. R. Jizchak sagte: Gott spricht zur Seele: Ich habe auf dich geschrieben das. 12, 23: „Sei stark, dass du kein Blut issest,“ und du verlassest deinen Platz und sündigst. Oder: „So eine Seele sündigt aus Versehen.“ In Verbindung mit Koh. 6, 4: „Alle Mühe des Menschen ist für seinen Mund.“ R. Samuel bar Ami sagte: Alles, was der Mensch an religiösen Pflichten und guten Werken hier auf Erden schafft, wiegt das Athmen nicht auf, was aus seinem Munde geht. Das.: „Und doch wird die Seele nicht voll.“ R. Berachja und R. Kerizpa (Chrysippos) im Namen des R. Jochanan sagten: Die Seele geht so schwer aus dem Körper, wie ein knotiger Strick durch ein kleines Loch gezogen wird. R. Chanina sagte: Es geschieht so, wie das Durchziehen des Schiffstaues ( anelQa ) durch die Höhlung des Mastbaums.*) R. Samuel sagte: Wie ein feuchter, verdrehter Dorn aus dem Schlunde. R. Samuel bar Jizchak erklärte jenen Vers so: Alles was der Mensch an religiösen Pflichten und guten Werken wirkt, kommt nur seinem Munde zu statten, nicht aber dem Munde seines Sohns oder seiner- Tochter. Die Rabbinen sagen: Alle Mühe ist für seinen Mund (die Erwähnung seines Namens), aber nicht für den üblen Geruch (üblen Namen); denn die Seele weiss, dass alle Mühe nur ihretwegen geschah, darum ist sie auch immer so eifrig (begierig) nach religiösen Pflichten und guten Werken. R. Levi sagte: Gleich einem Städter, welcher eine Königstochter zur Frau hatte, obgleich er ihr alle möglichen Genüsse der Welt bietet, so glaubt er doch noch nicht genug gethan zu haben. Warum ? Weil sie eine Königstochter ist. So auch der Mensch, was er nur immer für seine Seele thut, so glaubt er doch nicht genug gethan zu haben. Warum? Weil sie von oben stammt. Drei sind unzufrieden (undankbar): die Erde, das Weib und die Seele, die Erde s. Prov. 30, 16: „Die Erde wird nicht satt des Wassers;“ das Weib s. das. 30, 20: „Sie isst und wischt sich den Mund und spricht: ich habe kein Unrecht gethan;“ die Seele s. Koh. 6, 7: „Und doch wird die Seele nicht *) Vergl. Levij Neuhebr. WWB. s. v. m Par. IY. Cap. IV, I. 27 voll.“ Drei nehmen masslos und geben auch masslos: die Erde, das Meer und die Regierung. R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Sechsmal steht hier (in diesem Capitel) das Wort gegenüber den sechs Schöpfungstagen. Gott spricht nämlich zu der Seele: Alles, was ich in den sechs Tagen erschaffen, habe ich nur deinetwegen erschaffen, und du gehst und sündigst? * Oder: „Eine Seele, die sündigt.“ In Verbindung mit Prov. 19, 2: „Auch ohne Kenntniss ist die Seele nicht gut.“ Gleich einem Wanderer, sagte R. Rabina bar Abina, der gewöhnlich mit Sonnenaufgang den Beischlaf vollzog. Einmal hatte er es vergessen und hatte den Beischlaf vor Sonnenaufgang geübt (eig. sein Lager bedient), ohne es zu wissen, was nicht gut war und nun erst, wenn er es gewusst hätte! „Und nicht nur das, sondern: „Wer mit den Füssen eilt, sündigt.“ R. Jizchak bar Samuel bar Martha im Namen Rabs nahm folgendes Beispiel an. Ein Fleischhändler hatte zwei Läden, in einem verkaufte er Geschlachtetes, in dem andern Gefallenes, aber einmal vergass er es und nahm von dem, was er als Gefallenes verkaufte (d. i. er vertauschte beides), obwohl er es nicht wusste, so war es doch nicht -gut, wenn er es erst gewusst hätte und davon genommen hätte, um wie viel schlimmer wäre es gewesen! Und nicht nur das, sondern wer mit den Füssen eilt, ist ' ein Sünder. R. Jochanan erklärte den Vers mit Bezug auf den Sabbath. Es hatte jemand zwei Wege vor sich; der eine war eben und glatt (frei von Dornen und Disteln), der andere voll von Dornen und Erdschollen; er vergass es aber und schlug den Weg ein, der voll von Dornen und Erdschollen war. Obwohl er es nicht wusste, so war es nicht gut, wenn er es aber gewusst hätte und wäre diesen Weg gegangen (so wäre er mit Recht ein Sünder zu nennen). Oder: „Auch ohne Kenntniss ist die Seele nicht gut.“ R. Jochanan und R. Simeon ben Levi. R. Jochanan sagte: Sünd- und Schuldopfer sind verboten (Gott nicht wohlgefällig), gelobte und freiwillig gebrachte Gaben sind erlaubt. R. Simeon ben Levi sagte: Auch gelobte und freiwillige Gaben sind verboten (Gott nicht wohlgefällig). Oder: „Auch ohne Kenntniss“ u. s. w. Das sind die aus Irrthum (Versehen) begangenen Sünden, und „wer mit den Füssen eilt, ist ein Sünder,“ dass sind die vorsätzlichen Vergehungen. Du kannst es daraus erkennen, dass es ein Irrthum ist, und wer ihn thut, begeht eine Sünde. 1 „So eine Seele aus Versehen sündigt.“ Zehn Dinge dienen der Seele: Der Schlund für die Nahrung, die Röhre für die Stimme, die Leber für den Zorn, die Lunge für das Trinken, die Haube zum Zermalen, die Milz zum Lachen, der Magen zum Schlaf, die Galle zur Eifersucht, die Nieren zum Denken, das Herz beschliesst und die Seele steht über allen. Dich habe ich über alle gesetzt, spricht Gott zur Seele, und du ziehst aus, raubst, übst Gewalt und sündigst? „Sprich zu den Kindern Israels: So eine Seele sündigt“ u. s. w. R. Ismael hat gelehrt: Gleich einem König, welcher einen Lustgarten r .28 Par. IV. Cap. IV, i. hatte, in dem schöne Frühfrüchte standen, er setzte Wächter hinein einen Lahmen und einen Blinden. Er sprach zu ihnen: Habt Acht auf diese schönen Frühfrüchte! Nach einiger Zeit sprach der Lahme zu dem Blinden: Ich sehe ' schöne Frühfrüchte im Garten. Der Blinde antwortete: Komm, wir wollen essen! Kann ich denn gehen? entgegnete der Lahme. Der Blinde sagte: Kann ich denn sehen? Kurz, der Lahme setzte sich auf den Blinden (sie pflückten die Frühfrüchte), sie assen und jeder begab sich wieder an seinen Ort. Nach einiger Zeit kam der König in den Lustgarten. Wo sind ■denn die schönen Frühfrüchte? fragte er die Wächter. Der Blinde antwortete: Mein Herr König! kann ich denn sehen? Und der Lahme sagte: Mein Herr König! kann ich denn gehen? Der König war aber klug, was machte er mit ihnen? Er setzte den Lahmen auf den Blinden und sie fingen an zu gehen. Also habt auch ihr ■es gemacht und habt die Frühfrüchte gegessen. So spricht auch Gott einst zur Seele: Warum hast du vor mir gesündigt? Herr der Welten! spricht sie vor ihm, ich habe nicht gesündigt, sondern •der Körper ist es, welcher gesündigt hat. Von der Stunde an, dass ich von ihm getrennt lebe, fliege ich in der Luft wie ein reiner Vogel, wie kann ich vor dir gesündigt haben? Warum hast du wor mir gesündigt, fragt Gott nun den Körper. Herr der Welten! •entgegnet er vor ihm, ich habe nicht gesündigt, sondern die Seele ist es, welche gesündigt hat, denn von der Stunde an, dass sie aus mir herausgegangen ist (mich verlassen hat), liege ich da (eig. bin ich hingeworfen), wie ein auf den Boden hingeworfner Stein. Kann ich also vor dir gesündigt haben? Was macht Gott mit ihnen? Er bringt die Seele, wirft (versetzt) sie in den Körper und richtet nun beide zusammen. Das sagt auch Ps. 50: „Er (Gott) ruft dem Himmel zu oben“ u. s. w., d. i. er ruft nach dem Himmel oben, die Seele zu bringen und zur Erde, den Körper zu bringen, um mit ihm zu rechten. R. Chija hat gelehrt: Gleich einem Priester, welcher zwei Weiber hatte, eine war die Tochter eines Priesters, die andere die Tochter eines Israeliten. Er übergab ihnen einen Teig aus der Hebe bereitet und sie (beide Weiber) verunreinigten ihn. Wer hat den Teig verunreinigt? fragte er sie. Diese sprach: Jene hat ihn verunreinigt und jene sprach: Diese hat ihn verunreinigt Jeine schob es auf die andere). Was machte der Priester. Er liess die Tochter des Israeliten und rechtete mit der Priesterstochter. Sie sprach zu ihm: Mein Herr Priester! warum lässt du die Tochter des Israeliten und rechtest mit mir? Hast du nicht den Teig uns beiden zugleich übergeben? Er antwortete: Diese ist die Tochter eines Israeliten und ist nicht unterrichtet aus dem Hause ihres Vaters, du bist aber die Tochter eines Priesters und bist aus dem Hause deines Vaters unterrichtet. Deshalb lasse ich die Tochter des Israeliten und rechte mit dir. So verhält es sich auch mit der Seele und dem Leibe, wenn sie einst vor Gericht stehen. Was thut Gott? Er lässt den Körper und rechtet nur mit der Seele. Sie antwortet vor ihm: Herr der Welten! wir beide haben zugleich gesündigt, warum lässt du den Körper und rechtest mit mir? Gott spricht zu ihr: Der Leib ist von den Unteren, also von einem Orte, wo man sündigt; du aber bist von den Oberen, also von einem Orte, wo man nicht vor mir sündigt; darum lasse ich den Körper und rechte mit dir (fordere dich vor Gericht). Chiskia hat gelehrt: Es heisst Jerem. 50, 17: „Ein verstreutes Lamm ist Israel.“ Warum werden die Israeliten mit einem Lamm verglichen? Sowie du das Lamm auf seinen Kopf oder auf eins seiner Glieder schlägst, empfinden es alle Glieder, so auch die Israeliten, wenn einer von ihnen sündigt, empfinden es alle s. Num. 15, 27: „So ein Mann sündigt“ u. s. w. Gleich zwei Menschen, wurde von R. Simeon ben Jochai gelehrt, die in einem Schiffe sassen, von welchen einer einen Bohrer nahm und unter sich zu bohren anfing. Da sprachen seine Genossen: Was machst du da? Was geht das euch an, entgegnete er, ich bohre unter mir. Sie sprachen: Die Wasser steigen in die Höhe und überschwemmen über uns das Schiff. So sprach auch Gott Hi. 19, 4: „Führwahr, hab ich auch geirrt, so bleibet mein Irrthum bei mir.“ Da entgegneten ihm seine Freunde das. 34,37: „Denn er fügt zu seiner Sünde Frevel, klatscht unter uns“ d. i. du bringst deine Sünden zwischen uns. R. Ilascha hat gesagt: Ein Heide fragte den R. Josua ben Karcha: Es steht in eurem Gesetze Ex. 23, 2: „Du sollst nicht nach der Menge sündigen.“ Wir sind in der Mehrheit euch gegenüber, warum macht ihr euch nicht uns gleich in der Gottesverehrung (d. i. warum schliesst ihr euch nicht uns an)? Hast du Kinder? fragte der Rabbi. Der Heide versetzte: Da hast du mich an meine Noth erinnert. Warum? Ich habe viele Kinder, fuhr der Heide fort, wenn sie an meinem Tische sitzen, da ruft dieser diesen Gott an, jener jenen, und sie stehen nicht eher von da auf, bis der eine dem andern das Gehirn gespalten. Suchst du denn sie nicht miteinander auszugleichen? Nein! Da solltest du, ehe du uns gleichmachen willst (zum Anschlüsse aufforderst), deine Kinder mit einander ausgleichen. Und so beeilte er sich (drängte) und ging fort. Als er hinausgegangen war, sprachen seine Schüler zu ihm: Rabbi, den hast du mit einem schwachen Röhrchen abgefertigt (fortgestossen), was giebst du uns für eine Antwort? Der Rabbi sprach. Bei Esau steht sechsmal das Wort m'JSEi im Plural s. Gen. 36, 6: „Und Esau nahm seine Weiber und seine Söhne und seine Töchter und alle Seelen (miDEt) seines Hauses,“ und bei Jacob, der doch aus siebzig Seelen bestand, steht uis: im Singular s. Ex. 1, 5: „Und es waren "alle Seelen, die aus den Lenden Jacobs hervorgegangen waren.“ Allein der Sinn ist: Weil Esau vielen Göttern diente, so heisst es rrüBi im Plural, bei Jacob aber, der nur einem Gott diente, steht es im Singular: 'w ©d: bD 'rrn, es waren alle Seelen.“ R. Jochanan und R. Josua ben Levi. R. Jochanan sagte: Fünfmal hat David gesagt: „Meine Seele preise den Ewigen,“ gegenüber den fünf 30 Par. IV. Cap. IV, I. Büchern der Thora. R. Josua ben Levi sagte: Gegenüber den fünf Welten, welche der Mensch sieht, i) Ps. 103, 1: „Es preise meine Seele den Ewigen und all mein Inneres seinen heiligen Namen,“ das lässt sich anwenden auf die Stunde, wo der Mensch sich noch im Mutterleibe befindet. 2) Das.: „Preise meine Seele den Ewigen und vergiss nicht all seine Wohlthaten,“ das lässt sich anwenden auf die Stunde, wo der Mensch aus dem Mutterleibe heraustritt. Da spricht er zu ihr (der Seele): Vergiss nicht die Wohlthaten, welche ich dir erwiesen habe. 3) Das. V. 22: „Preiset den Ewigen alle seine Werke an allen Orten seiner Herrschaft“ vergl. das. 104,1: „Preise, meine Seele, den Ewigen,“ das lässt sich anwenden auf die Stunde, wo der Mensch auf seiner Hohe steht und auszieht, Geschäfte zu machen. 4) Das.: „Preise meine Seele den Ewigen! Ewiger, mein Gott, du bist sehr gross,“ das lässt sich anwenden auf die Stunde, wo der Mensch aus der Welt scheidet und einst für die späte Zukunft. 5) Das. V. 35: „Möchten doch die Sünder von der Erde schwinden.“ Das.: „Preise meine Seele den Ewigen, Halleluja!“ R. Samuel bar Nachman sagte im Namen des R. Jo- chanan: David hat hundertundzwanzig Psalmen gedichtet und keinen mit Halleluja geschlossen, bis er den Fall der Frevler gesehen hatte, wie es heisst: „Möchten doch die Sünder von der Erde schwinden.“ Wie kam denn aber David auf den Gedanken, mit seiner Seele Gott zu preisen? Weil er dachte: Die Seele füllt den Körper und ■Gott füllt seine Welt, wie es heisst Jerem. 23, 24: „Erfülle ich nicht Himmel und die Erde? spricht der Ewige,“ so komme die Seele, welche den Körper füllt und preise Gott, welcher die ganze Welt füllt. Die Seele trägt den Körper und Gott trägt seine Welt, wie es heisst Jes. 46, 4: „Ich that es und werde tragen, ich will tragen,“ so komme die Seele, welche den Körper trägt und preise Gott, der seine Welt trägt. Die Seele überdauert den Körper und Gott überdauert seine Welt, so komme die Seele, die den Körper überdauert und preise Gott, der seine Welt überdauert, wie es heisst Ps. 102, 27: „Sie gehen zu Grunde, du aber bleibst, sie alle veralten wie ein Kleid.“ Die Seele ist einzig im Körper und Gott ist einzig in seiner Welt, so komme die Seele, die einzig im Körper ist und preise Gott, der einzig in seiner Welt ist, wie es heisst Deut. 6, 4: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist einzig.“ Die Seele isst nicht im Körper und vor Gott giebt es kein Essen, so komme die Seele, welche nicht isst im Körper und preise Gott, vor dem es kein Essen giebt, wie es heisst Ps. 50, 13: „Esse ich denn Fleisch der Stiere?“ Die Seele sieht und wird nicht gesehen, auch Gott sieht und wird nicht gesehen, so komme die Seele, die sieht und nicht gesehen wird und preise Gott, der auch sieht und nicht gesehen wird, wie es heisst Sach. 4, 10: „Die Augen des Ewigen schweifen über die ganze Erde.“ Die Seele ist rein im Körper, und Gott ist rein in seiner Welt, so komme die Seele, welche rein im Körper ist und preise Gott, der rein in seiner Welt ist, wie es Par. V Cap. V, 3. 3t heisst Hab. 1, 13: „Reine sind deine Augen, um Böses zu sehen“. Der Seele schläft nicht im Körper und vor Gott giebt es auch keinen Schlaf, so komme die Seele, die im Körper nicht schläft und preise Gott, vor dem es auch keinen Schlaf giebt, wie es heisst Ps. 121, 4: „Siehe, es schlummert nicht, es schläft nicht der Hüter Israels.“ Parascha V. Cap. V, 3. Wenn der gesalbte Priester sündigt zur Schuld des Volkes, ln Verbindung mit Hiob. 34, 29: „Er ruht, wer will verdammen?“ R. Me'ir legte diesen Vers so aus: „Er ruhet von seiner Welt und verbirgt das Antlitz“ vor seiner Welt. Gleich dem Richter, welcher den Vorhang von innen ausspannt und nicht sieht, was draussen vorgeht. So dachte das Geschlecht der Sündfluth s. das. 22, 13: „Wird er hinter Dunkel richten?“ Genug! Me'ir, sprach man zu ihm, nein, „er ruht, wer will verdammen?“ d. i. er gewährt dem Geschlecht der Fluth Ruhe, wer kommt und erklärt es für schuldig? Welche Ruhe gab er ihnen? Hiob. 21, 8: „Ihr Same besteht vor ihnen, mit ihnen und ihre Sprösslinge vor ihren Augen.“ R. Levi und die Rabbinen. R. Levi sagte: In drei Tagen wurde schon eine Frau von ihnen schwanger und gebar. Es heisst hier -pot und dort (bei der sinaitischen Gesetzgebung) Ex. 19, 15 heisst es auch: „Seid bereit (n-oio::) auf den dritten Tag.“ So wie das Wort hier von drei Tagen gilt, so gilt es auch dort von drei Tagen. Die Rabbinen sagen: Eine Frau wurde schon an einem Tage schwanger und gebar, denn hier steht das Wort ■pD“ und ebenso heisst es Ex. 34,2: „Sei bereit _ p3D auf Morgen.“ ' Sowie da -pro einen Tag bedeutet, so ist auch hier nur ein Tag zu verstehen. „Und ihre Sprösslinge von ihren Augen,“ so dass sie Kindeskinder sahen, wie es heisst Hi. 21,11: „Sie schicken aus wie Schafe ihre Kinder“ d. i. ihre Säuglinge. Im Arabischen, sagte R. Levi, wird der Säugling nh'is genannt. „Und ihre Kinder hüpfen“ wie jene bösen Geister, sowie es heisst Jes. 13, 21: „Auch Waldteufel tanzen dort.“ Wie so? Wenn eine Frau von ihnen am Tage niedergekommen war, sprach sie zu ihrem (neugebornen) Sohne: Gehe und bringe mir ein scharfes Felsstück, ich will deine Nabelschnur abschneiden. War sie des Nachts niedergekommen, da sagte sie zu ihrem Sohne: Geh und zünde mir das Licht an, ich will dir die Nabelschnur abschneiden. Eine Frau war des Nachts niedergekommen und sprach zu ihrem Sohne: Geh zünde ein Licht an, ich will dir deine Nabelschnur abschneiden. Er ging und zündete ein Licht an, da begegnete ihm der Hauptanführer der bösen Geister und während sie miteinander zu thun hatten, krähte der Hahn. Geh, erzähle es deiner Mutter, sagte der Dämon, und sage ihr, wenn nicht der Hahn gekräht hätte, hätte ich dich umgebracht. Geh erzähle es deiner Grossmutter, sagte die Mutter, Par. V. Cap. V, 3. 32 dass meine Mutter meine Nabelschnur nicht abgeschnitten hat, denn hätte sie es gethan, so hätte es dir das Leben gekostet, um zu erfüllen, was geschrieben steht Hi. 21, 9: „Ihre Häuser Friede, ohne Furcht“ d. i. vor den bösen Geistern. „Und Gottes Ruthe kommt nicht über sie,“ nämlich hinsichtlich der Leiden. Und wenn er sein Antlitz verbirgt, wer spricht zu ihm: Du thust nicht Recht? Und wann hat er sein Antlitz vor ihnen verborgen? Als er die Fluth über sie brachte s. Gen. 7, 23: „Und es ward vertilgt jegliches Wesen.“ „Ueber Volk und über Menschen.“ „Volk (■na)“ geht auf das Geschlecht der Fluth, „Mensch (dntt)“ geht auf Noach,. einer (nrr) d. i. er sollte seine Welt von einem Menschen stellen. Oder “rp will sagen: Er sollte seine Welt von einer Nation stellen. Oder: „Er ruht, wer will verdammen?“ d. i. er gab Ruhe (Glück) den Sodomiten, wer kommt und erklärt sie für schuldig? Und welche Ruhe hat er ihnen gegeben? S. Hi. 28, 5: „Ein Land, aus welchem Brot hervorkommt,“ V. 6: „Einen Ort des Sapphirs“ (d. i. einen Ort, der Saphir enthält); das. V. 7: „Ein Weg, den noch kein Raubvogel kennt.“ R. Levi sagte im Namen des R. Jochanan: Er ist der Wiedehopf, der seine Speise in einer Entfernung von achtzehn Mil sieht. Und wie viel beträgt eine Perusa (Parasange)? Nach R. Me'ir zwei Handbreiten, nach R. Jehuda nur eine Handbreite, nach R. Josse zwei oder drei Finger. Wenn er auf einem der Bäume von Sodom stand, konnte er vor der Stärke der Bäume nicht auf den Boden blicken. „Ort des Sapphirs.“ Wenn einer von ihnen zum Gärtner ging und er gab ihm für einen Assar Gemüse,, fand er Goldstaub darin, wie es heisst das.: „Und Goldstaub ist ihm.“ Als sie (die Menschen) sprachen s. das. 21, 15: „Wer ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollen,“ das. 34, 29: „Verbarg er das Antlitz, wer erblickte ihn?“ d. i. als er sein Antlitz vor ihnen verbarg, wer wollte da sprechen: Du thust nicht recht? Wodurch, verbarg er sein Antlitz vor ihnen? Er liess Schwefel und Feuer auf sie regnen s. Gen. 19, 24: „Und der Ewige liess auf Sodom regnen Schwefel und Feuer.“ Oder: „Er liess ruhen“ d. i. er gab ein ruhiges Loos den zehn Stämmen, wer wollte kommen und sie für schuldig erklären? Und welche Ruhe gab er ihnen? S. Am. 6, 1: „Wehe den Sorglosen in Zion“ d. i. der Stamm Jehuda und Benjamin; „die da vertrauen auf den Berg Samarias“ d. s. die zehn Stämme; „die Vornehmen des Ersten der Völker,“ weil sie von zwei Häuptern der Völker kamen, von Schern und von Eber. Wenn sie in Frieden (ungestört) dasitzen und essen und trinken und sich berauschen und mit unanständigen Dingen sich zu thun machen, was sprechen sie dann? Wer war so klug wie Bileam? wer so reich wie Haman? wer so stark wie Goliath? Dann kommen aber die vom Hause Israels und sprechen zu ihnen: War Achitophel kein Weiser? Korach kein Reicher? Simson kein Held? Das. V. 2: „Zieht hin nach Kalneh und seht“ d. i. Ktesiphon, „und geht von da nach den grossen Par. V. Cap. V, 3. JJ Hemath“ d. i. die warme Quelle (Chemath) von Antiochien, „und geht hinab nach Gath in Philistäa“ d. i. nach jenen Höhlungen Palästinas, welche besser als alle diese Reiche sind, „ob ihr Gebiet grösser als euer Gebiet?“ Das. V. 3: „Fern wähnet ihr den bösen Tag“ d. i. den Tag der Auswanderung, „und ihr zieht herbei das Thronen der Gewaltthätigkeit“ d. i. ihr drängt euch zu sitzen bei der Gewaltthätigkeit d. i. Esau, wie es heisst Obad. V. 10: „Wegen des Frevels gegen deinen Bruder Jacob deckt dich Schande.“ Amos 6, 4: „Sie liegen da auf elfenbeinernen Lagern“ d. i. auf Lagern von den Knochen der Elephanten, das.: „und stinkend machen sie ihre Ruhebetten“ d. i. weil sie ihre Lager durch Ausschweifungen in üblen Geruch bringen. Oder: „Sie strecken sich auf ihren Ruhebetten“ d. s. die aüsgebreiteten Vorhänge, die ein jeder gehabt hat, wie es heisst Ex. 26, 12: „Und das Ueberhangende, was übrig ist“ u. s. w. „Und sie essen Lämmer von der Heerde“ d. i. wenn einer von ihnen ein Böckchen essen wollte, liess er die ganze Heerde vor sich führen, nahm das Fetteste davon heraus und stellte sich darauf und schlachtete es. Und wenn er ein Kalb essen wollte, liess er alle Rinder vor sich führen, stellte sich auf eins derselben und schlachtete es, was der Prophet hier sagt: „Sie essen Lämmer von der Heerde und Kälber aus der Mästung.“ Amos 6, 5: „Sie faseln zum Klang der Harfe“ d. i. weil sie ihren Mund mit schändlichen Reden öffneten. Was sprachen sie? Hat denn David nur auf der Harfe gespielt? wie es heisst das.: „Wie David ersinnen sie Saitenspiele.“ „Sie trinken Wein in Schalen.“ Rab und R. Jochanan und die Rabbinen. Nach Rab sind unter ■p 1 ■'p'vttt Speicher (N'Tibp) zu verstehen, nach R. Jochanan kleine Becher (Pokale), nach den Rabbinen Becher (Pokale), welche Schnäbel haben. Und woher tranken sie den Wein? R. Abuhu im Namen des R. Chanina sagt: Von Nrmns, Paticos (was darum so hiess), weil ihr Wein den Körper zu Buhlerei reizte (überredete nnDto). Die Rabbinen sagten im Namen des R. Chanina: Von NntilbD (welcher Name daher kommt), weil sie durch ihren Wein bethört wurden (man;), weil sie durch ihn zu üblen Dingen verleitet wurden, in Folge dessen die zehn Stämme auswandern mussten. Das.: „Mit dem vorzüglichsten Oele salben sie sich.“ Nach R. Jehuda bar Ezechiel war es Myrrhenöl [gtccattj , stakte), nach R. Janai Olivenöl ( 6 {icpd>uvov sc. IXaiov, omphacinum), welches das Haar ausfallen macht und den Körper glättet. Bei all dieser Vortrefflichkeit „kümmern sie sich nicht um Josephs Verderben.“ Das. V. 7: „Darum sollen sie nun in Gefangenschaft ziehen an der Spitze Gefangener, dann hört das Geschrei der Hingestreckten auf.“ Was heisst das: „Das Geschrei der Hingestreckten?“ R. Eibu sagte: Dreizehn Bäder hatte jeder Stamm, aber als sie sich verschuldet hatten und in Uebertretungen und Uebelthat gerathen waren, wurden ihnen alle genommen und es blieb ihnen nur noch dieses übrig, um zu zeigen, was die Sünde verursacht (für Folgen hat), um zu bestätigen, was Jerem. 5, 25 ge- Wünsche, Midrasch Wajikra. 3 34 Par. V. Cap. V, 3. sagt ist: „Eure Sünden hindern solches“ u. s. w. Es heisst Hi. 34, 29: „Und verbirgt er sein Antlitz, wer erblickt ihn?“ d. i. als Gott sein Antlitz vor ihnen verbarg, sprachen sie: Du hast nicht recht gethan! Aber in Folge dieses Verbergens des göttlichen Antlitzes kam nun Sancherib über sie, wie es heisst Jes. 36, 1: „Und es geschah im vierzehnten Regierungsjahr des Königs Chiskia“ u. s. w. Was heisst: „oizjsm, er eroberte?“ R. Abba bar Kahana sagte im Namen des R. Samuel bar Nachman: Drei (schwere) Gerichtsbeschlüsse waren es, die an diesem Tage besiegelt wurden, 1) es wurde besiegelt der Gerichtsbeschluss über die zehn Stämme, dass sie in die Hand Sancheribs fallen sollten, 2) es wurde besiegelt der Gerichtsbeschluss über Sancherib, dass er in die Hand Chiskias fallen sollte, und 3) es wurde besiegelt der Gerichtsbeschluss über Usia, dass er durch Aussatz bestraft werden sollte. „Und über Volk und Mensch zumal.“ wa geht auf Sancherib, wie es heisst Joel 1, 6: „Denn ein Volk zog über mein Land,“ ü"in, Mensch geht auf Israel, wie es heisst Ezech. 34, 31: „Ihr aber meine Schafe, die Schafe meiner Weide, seid Menschen (Q“N).“ Und unter “fr ist der König Usia zu verstehen, der mit Aussatz geschlagen worden ist, wie es heisst 2. Chron. 26, 21: „Und Usia, der König, war aussätzig bis zum Tage seines Todes.“ Nicht wie die Gerichte von Fleisch und Blut sind die Gerichte Gottes. Ein König von Fleisch und Blut nimmt Partei für eine Gesammtheit, nicht aber für einen einzelnen, aber hier heisst es von Gott: „Wenn der gesalbte Priester sündigt ... so bringe er einen Farren dar.“ Lev. 4,13: „Wenn die ganze Gemeinde Israels ein Versehen begeht ... so bringe das Volk einen jungen Farren dar.“ Es heisst Prov. 18, 16: „Geschenke verschaffen dem Menschen weiten Raum. R. Elieser, R. Josua und R. Akiba gingen einmal nach der Umgegend von Antiochien, um Beiträge für die Gelehrten einzusammeln. Dort war ein Mann, Abba Judan genannt, welcher sehr gern freigebig war. Einmal war er in seinem Vermögen herabgekommen, er sah die Rabbinen daselbst (in seinem Orte) und sein Mitleid -wurde erregt. Er ging zu seinem Weibe, welches ihn fragte: Warum siehst du so kränklich aus? Er antwortete ihr: Die Rabbinen sind hier und ich weiss nicht, was zu thun ist (was ich thun soll). Sein Weib, welches noch wohlthätiger als er war, stellte ihm vor, es ist uns nur noch jenes Feld übrig geblieben, geh und verkaufe die Hälfte davon und gieb ihnen. Der Mann ging und verkaufte die Hälfte und gab ihnen (den Erlös). Da beteten die Rabbinen für ihn: Gott möge dir deinen Mangel ersetzen (d. i. Gott fülle, was dir fehlt). Nach einigen Tagen ging er, um die verbliebene Hälfte seines Feldes zu pflügen. Als er so pflügte, that sich die Erde vor ihm auf, seine Kuh stürzte hinein und brach ein Bein. Als er hinab- stieg, um sie heraufzuholen, da erleuchtete Gott seine Augen und er fand einen Schatz. Da sprach er: Diesen Fund habe ich dem zerbrochenen Fusse meiner Kuh zu danken. Als unsere Rabbinen Par. V. Cap. V, 3. 35 wieder einmal dahin kamen, erkundigten sie sich, was Abba Judan mache. Sie bekamen zur Antwort: Abba Judan hat Knechte, Ziegen, Kamele, Ochsen, wer kann ihn zu sehen bekommen (er ist sehr vornehm geworden)? Als er hörte, dass die Rabbinen da seien, ging er ihnen entgegen und sie fragten ihn: Was macht Abba Judan? Euer Gebet, antwortete er ihnen, hat Früchte über Früchte getragen. Bei deinem Leben! fuhren sie fort, obgleich andere mehr als du gegeben haben, so haben wir dich doch oben angeschrieben. Sie nahmen ihn und wiesen ihm einen Platz neben sich an und wandten auf ihn den Vers an: „Geschenk verschafft dem Menschen weiten Raum.“ R. Simeon ben Lakisch war nach Bozra gegangen, dort war ein Mann, welcher Abba Judan hiess, mit dem Beinamen „der Betrüger“ (i'ö'n Hinterlistiger). Bewahre! dass er ein Betrüger war, sondern er war wirklich nur schlau für das Interesse einer guten Sache (der Mildthätigkeit). Wenn die Steuern oder Abgaben festgesetzt wurden, so überbot er sie, (damit recht viel einkornmen sollte). R. Simeon ben Lakisch nahm ihn, setzte ihn neben sich und wandte auch auf ihn den obigen Vers Salomos an: „Geschenk verschafft dem Menschen weiten Raum.“ R. Chija bar Abba hatte zu Beiträgen für ein Lehrhaus in Tiberias aufgefordert. Da war ein Mann dort von den Nachkommen eines berühmten Silka (rob^D-i), welcher eine Litra Gold dazu bewilligte. R. Chija bar Abba nahm ihn und setzte ihn neben sich und wandte ebenfalls obigen Vers auf ihn an: „Geschenk verschafft dem Menschen weiten Raum.“ R. Abuhu sagte: Es stehet geschrieben Deut. 12,1g: „Hüte dich, dass du den Leviten nicht verlassest.“ Darauf folgt V. 20: „Wenn der Ewige dein Gebiet erweitert.“ Wie passt eins zum andern? Gott spricht: Nach deinen Gaben wird es sich dir erweitern. R. Acha sagte im Namen des R. Hosaja: Wenn der Knecht einen Stier und sein Herr einen Stier bringt, so geht der Stier des Knechtes dem seines Herrn voran, denn es ist dort (Mischna) gelehrt worden. Wenn der Stier eines Gesalbten und der Stier der Gemeinde dastehen, so geht der Stier des Gesalbten dem Stiere der Gemeinde in jeder Hinsicht voran. — „Wenn der gesalbte Priester“ u. s. w. Das ist Schebna, von dem es heisst Jes. 22, 15: „Gehe hin zu dem Schatzmeister Schebna, der über das Haus gesetzt ist.“ R. Eleasar sagte: Es war der Hohepriester. R. Jehuda bar Rabbi sagte: Es war Amarkol. Nach der Meinung des R. Eleasar, welcher sagte, es sei der Hohepriester gewesen, stimmt das mit dem, was weiter V. 21 gesagt wird, überein: „Ich bekleide ihn mit deinem Rocke;“ nach der Meinung des R. Jehuda bar Rabbi, welcher sagte, es sei Amarkol gewesen, passen wieder die Worte das.: „Und deine Herrschaft lege ich in seine Hand.“ R. Chija hat gelehrt: Warum hiess er Amarkol? Weil er Herr über Alles (gesetzt) war *173 R. Berachja sagte, er war von der Rotte Sichnin, ging nach Jerusalem und wurde da zum obersten Spatelträger erhoben ( Y.6f.irjQ OTVtt&doLoq), worüber nun der Prophet ihn zur Rede 3 * Par. V. Cap. V, 3. 06 stellt (mit ihm zankt) und sagt das. V. 16: „Was hast du hier und wen hast du hier, dass du dir hier ein Grab aushauest?“ Er sprach zu ihm: Du Exulant, Sohn der Exulanten! welche Mauer hast du hier gebaut? welche Säule hast du hier aufgeführt? welchen Nagel hast du hier eingeschlagen? Daraus zieht R. Eleasar den Schluss, dass der Mensch einen Nagel oder Pflock in den Friedhof schlagen soll, damit er würdig sei, daselbst begraben zu werden. „Dass du dir hier ein Grab aushauest?“ Er machte wie eine Art Taubenschlag und bereitete sein Grab darauf. „Auf der Höhe aushauend sein Grab.“ R. Samuel sagte im Namen des Mar Ukban: Von oben wurde über ihn beschlossen, dass er einst sein Grab nicht im israelitischen Lande finden sollte. „In dem Felsen sich eine Wohnung höhlend“ d. i. der Sarg. Das. V. 17: „Siehe, der Ewige stösst dich mit männlichem Stosse“ d. i. mit einem Stossen nach dem andern. R. Samuel bar Nachman sagte: Wie ein Hahn, der unstät von einem Orte zum andern wandert. Das. V. 18: „Er verhüllt dich verhüllend,“ weil er mit Aussatz geschlagen wurde, vergl. Lev. 13, 45: „Und sein Kinn verhüllet.“ „Er wickelt dich zusammen als Knäuel“ d. i. ein Auswandern nach dem andern; „wie einen Ball“ d. i. wie den Ball, der mit den Händen aufgefangen wird, dass er nicht zur Erde fällt; „in ein geräumiges Land“ d. i. Kaspia (s. Esra 8, 17); „und dort sollst du sterben, daselbst deine prächtigen Wagen.“ Nach der Meinung des R. Eleasar, der gesagt hat, dass es der Hohepriester war, ist der Grund, weil er als solcher Genuss an den Opfern hatte; nach der Meinung des R. Jehuda bar Rabbi aber, der gesagt hat, dass es Amarkol war, ist der Grund, weil er Genuss von den Heiligthümern hatte. „Eine Schmach des Hauses deines Herrn.“ Nach der Meinung des R. Eleasar, nach dem es der Hohepriester war, ist der Grund, weil er die Opfer geringschätzig behandelte, nach der Meinung des R. Jehuda bar Rabbi, nach dem es Amarkol war, ist der Grund, weil er seine zwei Herren verachtete. Welche sind es? Jesaia und Chiskia. R. Berachja sagte im Namen des R. Abba bar Kahana: Was hatten denn Schebna und Joach gethan? Sie hatten einen Brief genommen, ihn geschrieben, ihn auf einen Pfeil gesteckt, ihn durchs Fenster hinabgelangt, dass er in die Hände Sancheribs kam. Was hatten sie darin geschrieben? Wir und alle Israeliten wollen mit dir Frieden schliessen, Jesaia und Chiskia aber wollen nicht mit dir Frieden schliessen. Das hat David im heiligen Geiste vorausgesehen, wenn er spricht Ps. 11, 2: „Denn siehe, die Frevler spannen den Bogen“ d. i. Schebna und Joach, „richten ihre Pfeile auf der Sehne“ d. i. auf den Sehnen des Wurfgeschosses, „im Finstern zu schiessen auf die Herzensgraden“ d. i. auf die zwei Herzensgraden. Wer sind diese? Jesaia und Chiskia. — Oder: „Wenn der gesalbte Priester sündigt.“ Der gesalbte Priester sühnt und braucht eine Sühne. R. Chija hat ge- Par. V. Cap. V, 3. 4. 37 lehrt*): Da der Gesalbte sühnt und die Versammlung gesühnt wird, so ist es gut, dass der Sühnende dem, welcher gesühnt wird, vorangehe, wie gelehrt worden ist Lev. 16, 17: „Und er versöhne sich und sein Haus.“ Unter m'2, sein Haus ist sein Weib zu verstehen. Oder: „Wenn der gesalbte Priester sündigt.“ Ein gesalbter Priester soll sündigen? R. Levi sagt: Schande der Stadt, deren Arzt selbst das Podagra hat und deren Augenarzt nur ein Auge hat und deren Fürsprecher (Anwalt) den Ankläger in peinlichen Rechtssachen macht. Zur Schuld des Volks d. i. zum Feuer, welches das Volk tödtet. Gleich einem Bärenführer, welcher das Futter des Bären ass. Da sprach der König: Weil er das Futter des Bären isst, so möge ihn der Bär fressen. So spricht auch Gott: Weil er Genuss von den Heiligthümern hat, so möge er vom Feuer verzehrt werden. R. Eibu sagte: Ein Fleischer in Sepphoris hatte gefallene und zerrissene Thiere den Israeliten zu essen gegeben, einmal am Vorabende des Versöhnungstages, nachdem er gegessen, getrunken und sich berauscht hatte, stieg er aufs Dach, fiel herab und starb, und die Hunde fingen an sein Blut zu lecken. Man fragte den R. Chanina, ob man ihn von den Hunden wegnehmen sollte, er antwortete ihnen: es steht geschrieben Ex. 22, 31: „Heilige Männer sollt ihr mir sein, und Fleisch, das auf dem Felde zerrissen worden ist, sollt ihr nicht essen, dem Hunde sollt ihr es vorwerfen.“ Dieser hat die Hunde beraubt und den Israeliten Gefallenes und Zerrissenes zu essen gegeben, lasset ihnen (den Hunden) das ihrige, sie mögen ihn fressen. V. 4. Und er bringe den Stier an die Thür des Versammlungszeltes. Gleich dem Freunde eines Königs, sagte R. Jizchak, welchen der König durch Geschenke und Lobesbezeigungen geehrt (ausgezeichnet) hatte. Lasset ihn, sprach der König, an der Thür des Palastes stehen, damit jeder, der hier aus- und eingeht, ihn sehe. V. 14. So bringe den Stier an die Thür des Versammlungszeltes. V. 15. Und die Aeltesten der Gemeinde sollen ihre Hände darauf legen. Die Völker der Welt, bemerkte R. Jizchak, haben keine, welche die Hand auflegen (j’DBia), wie es heisst Ezech. 30, 6: „Es fallen die Handauflegenden Aegyptens“ (o-it;: ■’Dte'ß), aber die Israeliten haben solche, welche die Hand auflegen, wie es hier Lev. 4,15 heisst: „Die Aeltesten der Gemeinde sollen die Hand auflegen.“ Die Völker der Welt werden tiu, Gemeinde genannt s. Hi. 15,34: „Die Gemeinde (Rotte) der Ruchlosen ist unfruchtbar,“ auch Israel wird irw, Gemeinde genannt, wie es hier heisst: „Die Aeltesten der Gemeinde sollen die Hand auflegen.“ Die Völker der Welt werden D'tok, Starke genannt, s. Ps. 68,31: „Die Gemeinde der Starken mit den Kälbern der Völker,“ auch die Israeliten werden Starke genannt s. Jes. 46, *) S. Jerusch. Horiot c. III. 38 Par. V. Cap. V, 4. 12: „Hört auf mich, ihr Starken des Herzens,“ die Völker der Welt werden D - ' U P“!N, Edle genannt s. Ezech. 32,18: „Sie und die Töchter der edlen Völker,“ auch die Israeliten werden a‘'T''iN genannt s. Ps. 16, 3: „Und die Edlen, all meine Lust an ihnen;“ die Völker der Welt werden Weise genannt s. Obadj. V. 8: „Da tilg ich die Weisen von Edom,“ auch die Israeliten werden Weise genannt s. Spr. 10, 14: „Die Weisen halten Erkenntniss (Wissen) zurück;“ die Völker der Welt werden Fromme (o'W'Wn) genannt s. Prov. 1, 12: „Und Fromme gleich denen, die in die Gruft steigen,“ auch die Israeliten werden Fromme genannt s. Prov. 28, 10: „Die Frommen aber werden Gutes erben;“ die Völker der Welt werden Dipi-js, Gerechte genannt s. Ezech. 23, 45: „Aber gerechte Männer sollen sie richten,“ auch die Israeliten werden Gerechte genannt s. Jes. 60, 21: „Dein Volk sind lauter Gerechte;“ die Völker der Welt werden tnr'8 Männer genannt s. Ps. 141, 4: „Männer, die Uebles thun,“ auch die Israeliten werden Männer genannt s. Prov. 8, 4: „Euch, ihr Männer, rufe ich an;“ die Völker der Welt werden D'TOa, Helden genannt s. Ps. 52, 3: „Was rühmst du dich der Bosheit, o Held,“ auch die Israeliten werden Helden genannt s. Ps. 103,20: „Ihr Helden der Kraft, Thäter seines Wortes.“ R. Simeon hat gelehrt: Wie geschickt (welche Meister) sind die Israeliten, dass sie ihren Schöpfer zu besänftigen verstehen. R. Judan sagt: So wie jene Chutäer, welche (an den Thüren) zu betteln verstehen. Ein Chutäer kam zu einem Weibe und sprach ihr: Wenn du eine Zwiebel hast, gieb sie mir. Als sie ihm dieselbe gegeben hatte, sprach er zu ihr: Kann man denn eine Zwiebel ohne Brot essen? Als sie ihm auch Brot gegeben hatte, sprach er zu ihr: Kann man wohl essen, ohne zu trinken? Auf diese Weise bekam er zu essen und zu trinken. R. Acha sagte: Manches Weib versteht zu verlangen , manches Weib aber versteht nicht zu verlangen. Es kommt eine zu ihrer Nachbarin, findet die Thür offen, klopft an und begrüsst sie mit den Worten: Befindest du dich wohl, meine Nachbarin? was machst du? was macht dein Mann? was machen deine Kinder? Siehst du wohl gern, wenn ich eintrete (ists wohl erlaubt einzutreten)? Sie antwortet ihr: Tritt nur ein! Was ist dein Begehr? Hast du vielleicht' jene Werthsachen und möchtest du mir sie wohl leihen (geben)? Nein! lautet die Antwort. Ein anderes Weib, die nicht zu verlangen versteht, geht zu ihrer Nachbarin; obgleich sie die Thür geschlossen findet, so macht sie dieselbe doch gleich auf und fragt: Hast du wohl jene Werthsachen? Nein! lautet die Antwort. So geht es auch, sagte R. Chanina, dem Pächter; mancher weiss zu verlangen, mancher aber nicht. Derjenige, welcher zu verlangen versteht, wenn er sieht, dass er mit seiner Gärtnerei herabkommt, fasst guten Muth (nimmt sich das Herz), putzt sich das Haar recht schön, wäscht seine Kleider weiss, nimmt eine heitere Miene an und geht mit dem Stock in der Hand und mit Ringen an den Fingern zum Gutsherrn, welcher ihn Par. Y. Cap. V, 4. Par. VI. Cap. V, 1. 39 freundlich aufnimmt und fragt: Machst du gute Geschäfte? Ja! Wie steht es mit den Feldern? wirst du so glücklich sein und von der Frucht essen und dich sättigen können? Was machen die Ochsen? Wirst du so glücklich sein und dich von ihrem Fette sättigen? Was machen die Ziegen? Wirst du so glücklich sein und dich von ihren Zicklein sättigen? Was ist dein Begehr? Ist , dir es möglich, dass du mir zehn Denare borgst? Er antwortete: Wenn du zwanzig wünschest, so bekommst du sie (nimm sie dir). Derjenige aber, welcher nicht verlangen kann, geht mit ungekämmtem (struppigem) Haar (als wenn Dornen darin wären), in schmutzigen Kleidern, mit verdriesslichem Gesicht zu seinem Gutsherrn. Was macht das Feld? wird er gefragt. Ach da wäre wohl zu wünschen, dass es so viel trüge, als wir hineingesteckt haben. Was machen die Ochsen? Sie sind mager (schwach). Was willst du denn? Möchtest du mir wohl zehn Denare borgen? Geh, bezahle mir erst, was ich von dir zu fordern habe. R. Choni sagte: David war einer von den guten (geschickten) Pächtern. Erst pries er den Schöpfer und sprach s. Ps. 19, 2: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes.“ Gott sprach: Brauchst du vielleicht etwas? Er: „Und das Werk seiner Hände verkündigt die Feste.“ Gott: Brauchst du vielleicht etwas? Darauf erwähnt er: „Ein Tag strömt dem andern zu.“ Darauf fragte ihn Gott: Was willst du? Er sprach: Ach möchtest du nicht achten auf die Versehen, die ich vor dir gethan habe (das ist mein Anliegen). Gott: Diese sind dir schon vergeben und erlassen. Er: Sprich mich aber auch frei von den verborgenen Sünden, die ich vor dir begangen habe. Gott: Auch diese sind dir schon verziehen und erlassen. V. 14: „Auch von den Uebermüthigen bewahre deinen Knecht“ d. s. die frevelhaften Gedanken, „nicht mögen sie über mich herrschen, dann bin ich schuldlos“ d. s. die starken (grossen) Vergehungen. „Rein von grosser Missethat.“ David sprach nämlich vor Gott: Herr der Welt! du bist ein grosser Gott und meine Schulden sind gross, es ziemt wohl dem grossen Gott die grossen Schulden zu erlassen. Das wird nun mit den Worten gesagt Ps. 25, 11: „Wegen deines Namens, Ewiger, verzeihe meine Sünde; denn sie ist gross.“ Parascha VI. Cap. V, 1. Und wenn eine Seele sündigt und hört den Schwur und sie ist Zeuge, sei es, dass sie es gesehen oder es weiss u. s. w. Das steht auch geschrieben Prov. 24, 28: „Sei nicht ohne Ursache ein Zeuge gegen deinen Nächsten.“ „Sei nicht ohne Ursache ein Zeuge“ d. i. Israel, von dem es heisst Jes. 43, 10: „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige,“ „gegen deinen Freund“ d. i. Gott, wie es heisst Prov. 27, 10: „Verlass nicht deinen Freund und den Freund deines Vaters;“ „den du mit deinen Lippen beredet“ d. i. nachdem ihr ihn beredet und am Sinai gesprochen habt 40 Par. VI. Cap. V, i. Ex, 24, 7: „Alles was der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen.“ Allein nach Verlauf von vierzig Tagen habt ihr zum Kalbe gesagt das. 32,4: „Dies ist dein Gott, Israel.“ R. Acha sagte: Hier macht der heilige Geist sogar den Fürsprecher, er bringt Verdienstliches von dieser und jener Seite vor. Er spricht zu Israel: . „Sei nicht ohne Ursache ein Zeuge gegen deinen Nächsten,“ dann spricht er aber zu Gott Prov. 24,29: „Sprich nicht, wie er mir gethan, so will ich ihm wieder thun.“ R. Jizchak sagte: Es heisst Hos. 6, 7: „Wie Adam übertreten sie den Bund,“ aber hier heisst es das. 11, 9: „Ich bin ein Gott und kein Mensch.“ Rüben weiss ein Zeugniss für Simeon, dieser spricht zu ihm: Willst du das Zeugniss für mich ab- legen? Ja, antwortet er, allein wenn er zu dem Richter kommt, wird er rückgängig. Da spricht der heilige Geist zu ihm: „Du hast ihn mit deinen Lippen überredet“ d. i. nachdem du mit deinen Lippen ihn überredet (gewonnen) und ihn zum Richter gebracht hast, so wirst du nun rückgängig. Wenn nun morgen (an einem anderen Tage) Rüben ein Zeugniss auf Simeon ablegen soll, was wird er thun? Er wird handeln, wie Simeon gegen ihn gehandelt hat. Du sollst aber nicht sprechen: „Wie er mir gethan hat, so will ich ihm wieder thun, ich will dem Manne vergelten nach seinem Handeln.“ Hat nicht schon das Gesetz darüber ein Urtheil gefällt mit den Worten: „Und er ist Zeuge, sei es, dass er es gesehen, oder weiss, wenn er es nicht anzeigt und trägt seine Schuld?“ „Und er hört die Stimme des Eides.“ Das steht auch geschrieben Spr. 29, 24: „Wer mit einem Diebe theilt, der hasst sich selbst, er hört den Eid und zeigt nichts an.“ Ein Machthaber tödtete die Aufbewahrer (Hehler), und Hess die Diebe laufen, darüber hielten sich alle Leute auf, weil ihnen das Verfahren nicht recht erschien (eig. alle verbreiteten üble Nachrede über ihn, dass er nicht geziemend verfahren wäre). Was that er? Er Hess im ganzen Lande durch einen Herold bekannt machen, dass das ganze Volk sich auf einem freien Platze (campus) einfinden sollte. Was machte er ferner? Er Hess Wiesel kommen und legte ihnen verschiedene Gaben (msa) vor; die Wiesel nahmen sie und schleppten sie in Schlupflöcher. Am andern Tage Hess er das ganze Volk ebenfalls durch einen Herold auf einen freien Platz entbieten. Er brachte Wiesel und legte ihnen Gaben vor, verstopfte aber die Löcher. Die Wiesel nahmen die Gaben und wollten sie in die Löcher schleppen, da sie aber dieselben verstopft fanden, brachten sie dieselben zurück an Ort und Stelle. Damit wollte er sagen, dass alle Aufbewahrer (Hehler) wären.*) Das ist vom Machthaber. Was beweist diese Geschichte? Rüben hat den Simeon bestohlen und Levi weiss davon. Zeige mich nicht an, spricht er zu demselben, ich gebe dir die Hälfte davon. Am andern Tage gehen sie in die Synagoge und hören da den Aufseher bekannt machen: Wer hat den Simeon bestohlen? *) Er wollte damit sagen: Wenn es keine Heiller gäbe, so würde es auch keine Diebe geben. Par. VI. Cap. V, I. 41 Levi stand dort. Hat nicht für diesen Fall schon das^Gesetz das Ur- theil abgegeben: „Er ist Zeuge, sei es, dass er es gesehen oder es weiss.“ Ueberhaupt (eine Hauptlehre ist es) sei ein falscher Eid nicht gering in deinen Augen, denn Sacharja hat in Bezug darauf geschaut s. Sach. 5, 23: „Ich hob meine Augen auf und sah eine fliegende Rolle.“ Was heisst nsy? fliegend vgl. Jes. 6, 6: „Es flog zu mir einer der Seraphim. Und er sprach zu mir: Was siehst du? Ich sprach: Ich sehe eine fliegende Rolle.“ R. Abuhu sagte: Selbst die Haut eines Elephanten und eines Kamels ist nicht so lang als diese (eig. ist nicht in diesem Masse), und du sagst: Diese (Rolle) breitete sich aus über die ganze Erde? Woher ist sie denn gekommen? Von der Thür der Halle (Vorhof), denn es ist gelehrt worden: Die Höhe des Eingangs der Halle war 40 Ellen und die Breite 20 Ellen. R. Eibu sagte: Warum lässt man den Menschen beim Gesetzbuche schwören und bringt vor ihn aufgeblasene Schläuche? Um damit anzudeuten: Gestern war dieser Schlauch voll mit Sehnen und Beinen und jetzt ist er leer davon. So auch geht der, welcher seinen Nächsten zum falschen Schwur verleitet, zuletzt ganz leer von allem Vermögen aus. Nach R. Asi ist das nur bei einem falschen Eide der Fall, nach R. Jona aber auch bei einem wahrhaftigen Eide. R. Janai hielt einen Vortrag über das, was R. Jona hier gesagt hat. R. Simeon sagte: Man überträgt nicht einen Eid auf denjenigen, welcher eines falschen verdächtigt ist und man überträgt ihn auch nicht auf denjenigen, welcher nach dem Eid läuft. Es wird ein Fall mit Bar Telamjon (Bartholomäus) erzählt, welcher für R. Asis Meinung eine Stütze ist. Ein Mann hatte einem, Namens Bar Telamjon, hundert Denare zur Aufbewahrung gegeben; als er dieselben zurückverlangte, sprach er: Was du mir zur Aufbewahrung gegeben hast, hast du schon zurückerhalten. Er sprach zu ihm: Beschwöre es mir! Was that Bar Telamjon? Er nahm ein Rohr, höhlte es aus, that die Denare hinein und stützte sich auf das Rohr und ging so zu dem Eigen- thümer und sprach: Hier nimm das Rohr in deine Hand, ich will dir es beschwören. Als er zur Versammlung kam, sprach er: Ich schwöre bei dem Herrn dieses Hauses (d. i. Gott), was du in meine Hand mir übergeben hattest, das habe ich in deine Hand dir zurückgegeben. Er nahm dann das Rohr wieder aus seiner Hand und es fiel auf die Erde. Da fielen jene Denare heraus und verstreuten sich und er lass sie auf. Nun sagte jener (der Schuldner zu seinem Gläubiger): Lies auf! lies auf! denn das, was du aufliest, ist das deinige. — Es heisst Ex. 22, 11: „Der Schwur beim Ewigen soll zwischen ihnen beiden entscheiden“ d. i. dass er nicht von beiden weiche; denn wenn einer einen falschen Schwur thut, so geht es zuletzt über ihn aus (in Erfüllung) und so auch, wenn der Beschworene falsch beschworen wird, so geht es über ihn aus. Eine Frau ging zu ihrer Nachbarin, um einen Teig zu kneten und es waren in ihren Mantel drei Denare eingewickelt. Sie nahm 42 Par. VI. Cap. V, i. sie und legte sie auf das Schweisstuch und sie wurden mit dem Teig zusammengerührt und so in das Brot gebacken. Sie ging nun ihres Wegs. Ihr Mann sprach zu ihr: Gieb mir drei Denare. Sie ging und verlangte sie von ihrer Nachbarin. Sie sprach zu ihr: Hast du vielleicht jene drei Denare gesehen? Die Nachbarin, welche drei Kinder hatte, sprach: Möge mir mein Sohn begraben werden! wenn ich (eig. wenn sie) etwas von ihnen weiss. Sie verursachte, dass eins von ihren Kindern begraben wurde. Da dachte die Frau: Wenn das Weib nicht damit verdächtigt wäre, so hätte sie ihren Sohn nicht begraben. Sie ging daher und fragte dieselbe noch einmal: Hast du vielleicht jene Denare gesehen? Möge mir mein anderer Sohn begraben werden! antwortete das Weib, wenn ich etwas von ihnen weiss. Sie verschuldete sich abermals, und es starb ihr anderer Sohn. Nach einiger Zeit ging die Frau nochmals zu ihr mit der Frage: Hast du vielleicht jene Denare gesehen? Das Weib sprach zu ihr: Möge mir mein dritter Sohn begraben werden, wenn ich etwas von ihnen weiss. Sie verschuldete sich wiederum und sie begrub ihr drittes Kind. Gehst du denn nicht zu deiner Nachbarin? sprach ihr Mann zu ihr, um sie zu trösten? Sie nahm zwei Brotkuchen und ging zu ihr, um sie zu trösten. Als sie einen Brotkucken durchschnitt, da fielen jene drei Denare heraus. Das sagen nun die Leute: Du magst unschuldig oder schuldig sein, gehe nur nicht auf einen Eid ein. Sach. 5, 4: „Dass er komme in das Haus des Diebes und in das Haus dessen, der falsch schwört in meinem Namen, dass er bleibe in seinem Hause und es vertilge sammt Holz und Steinen.“ R. Simeon bar Nachm an sagte: Die Würgengel haben keinen Gang (keine Bewegung wie die Menschen), denn es heisst Hi. 2,2: (Der Satan antwortete): „Ich komme vom Durchstreifen der Erde und vom Umherwandeln auf ihr;“ aber hier heisst es: „dass er bleibe in seinem Hause.“ R. Abba bar Kabana sagte: Dinge, die das Feuer nicht verbrennt, vernichtet ein falscher Schwur. Das Feuer pflegt nur Holz, nicht aber Steine zu verzehren, aber hier heisst es: „und er verzehre es (das Haus) sammt Holz und Steinen.“ R. Jose bar Chanina erklärte den Vers mit Bezug auf ein untreues Weib. „So eine Seele sündigt“ d. i. wenn sie (ein untreues Weib) sich gegen ihren Mann vergeht, der sie ernährt und versorgt, und geht und sich besudelt und den Eid hört s. Num. 5, 21: „Und der Priester beschwöre das Weib mit dem Schwure.“ „Und es ist ein Zeuge da,“ Num. 5,13: „Und es ist kein Zeuge da;“ „sei es, dass er es gesehen,“ Num. 5,13: „und es ist verborgen vor den Augen ihres Mannes,“ aber nicht vor den Augen ihres Schwagers, „sei es, dass er es weiss,“ Num. 5,13: „Und sie ist verborgen und ist verunreinigt,“ „wenn er es nicht anzeigt und seine Schuld trägt,“ wenn sie es nicht dem Priester anzeigt, „so schwillt ihr Leib an und ihre Hüfte schwindet.“ *) R. Pin- *) Die Stelle ist verstümmelt. Par. VI. Cap. V, i. 43 chas deutete den Vers auf die Israeliten, als sie vor dem Berge Sinai standen. „So eine Seele sündigt,“ „und ich sehe, und siehe, ihre Sünde;“ „und sie hört die Stimme des Eides“ s. Deut. 5,24: „Und wir hörten seine Stimme aus dem Feuer.“ Damals, sagte R. Jochanan, wurde eine Uebereinkunft (ein Compromiss) zwischen ihnen geschlossen, dass er (Gott) sie nicht verleugnen wolle und sie ihn nicht verleugnen wollten. R. Jizchak sagte: Ein König lässt seine Legionen nur beim Schwerte schwören, womit gesagt sein soll, wer den Vertrag Übertritt, dem wird dieses Schwert an seinen Hals gehen. So heisst es Ex. 24, 6: „Und Mose nahm die Hälfte des Blutes.“ Woher wusste Mose, dass es gerade die Hälfte des Blutes war? R. Jehuda bar R. Hai sagte: Das Blut hat sich von selbst getheilt, R. Nathan sagte: Sein Aussehen (seine Farbe) wurde verändert, die eine Hälfte wurde schwarz, die andere roth, bar Kapra sagte: Ein Engel kam in Mose Gestalt herab und theilte es. Nach R. Jizchak erscholl eine Himmelsstimme vom Berge Horeb her und rief: Bis hier geht die Hälfte des Blutes. R. Ismael hat gelehrt: Mose war mit den Regeln (Halachot) des Blutes vertraut und theilte es. „Er that es in Becken.“ R. Huna im Namen des R. Abin sagte: Es steht ntaNS geschrieben, womit angedeutet werden soll, dass der eine Theil nicht grösser war als der andere. Da sprach Mose vor Gott: Was soll mit deinem Theile werden? Gott sprach zu ihm: Sprenge ihn auf das Volk. Und was soll mit ihrem Theile geschehen? Er antwortete: Sprenge ihn auf den Altar! „Und die Hälfte des Blutes sprenge auf den Altar.“ R. Berachja und R. Chija sagten im Namen des R. Jose bar Chanina: Er schwur ihnen und sie schwuren ihm zu, er schwur ihnen zu s. Ezech. 16, 8: „Ich schwur dir und ging mit dir ein Bündniss ein;“ und sie schwuren ihm zu s. Deut. 29, 12: „Um dich zu verpflichten zu dem Bund des Ewigen, deines Gottes, und zu seinem Fluche.“ Und woher lässt sich beweisen, dass unter nbN nichts anderes als njnaia, Schwur zu verstehen ist? R. Nechemja und R. Nachman von Jappo im Namen des R. Jacob von Cäsarea weisen auf Num. 5, 21 hin, wo es heisst: „Und der Priester beschwöre das Weib mit dem Schwure des Fluches.“ Und als sie (die Israeliten) die Bedingungen vom Berge Sinai übertreten hatten, sprach Gott zu ihnen Lev. 26, 16: „Auch ich werde gegen euch so thun.“ R. Pinchas sagte: Es heisst Hos. 6,7: „Sie haben den Bund wie Adam übertreten,“ aber hier steht: „Denn ich bin Gott und kein Mensch.“ R. Ahaba bar Sera sagte: Es steht geschrieben Thren. 2,17: „Der Ewige hat gethan was er gedacht,“ wie in der Thora Lev. 26, 18 geschrieben steht: „Ich züchtige euch noch siebenmal mehr wegen eurer Sünden.“ Und so soll er gethan haben? Gott behüte! sondern er hat sein Wort getheilt. Was heisst 5>lta, er hat sein Wort getheilt. Er hat einen Ausgleich gemacht. R. Jacob vom Dorfe Chanin erklärt j'Sta im Sinne von er zerriss den 44 Par. VI. Cap. V. I. Purpur (wie ein Trauernder). *) R. Berachja beweist es aus dem Satze das.: „Ich werde über euch bringen das rächende Schwert, welches den Bund rächt.“ R. Chija hat gelehrt: Es giebt eine Rache wegen des Bundes und auch eine, die nicht des Bundes wegen ist. Welches ist die Rache, die nicht des Bundes wegen ist? R. Asarja und R. Acha sagten im Namen des R. Jochanan: Es ist hier die Blendung der Augen des Königs von Jehuda zu verstehen, wie es heisst Ezech. 17, 19: „So sprach der Ewige, Gott: So wahr ich lebe, ich will meinen Eid, den er verachtet, auf sein Haupt bringen!“ „Ich will meinen Eid“ d. i. den Schwur, welchen er dem Nebucadnezar geschworen, „und meinen Bund, den er gebrochen“ d. i. meinen Bund auf dem Berge Sinai, „auf sein Haupt bringen.“ Und den ganzen übrigen Körper hat er nicht geschlagen? R. Samuel bar Nachman im Namen des R. Jonathan bemerkte: Darunter ist die Blendung der Augen zu verstehen, die sich am Kopfe befinden. Und als sie nun nach Babylon wanderten, sprachen sie zu Nebucadnezar Dan. 3, 16: „Nebucadnezar: Wir haben nicht nöthig, dir auf diese Sache zu antworten.“ V. 17: „Siehe, unser Gott, dem wir dienen, vermag uns zu retten.“ V. 18: „Wenn aber nicht, so sollst du wissen, o König, dass wir deinen Göttern nicht dienen.“ Gott sprach aber zu ihnen Sach. 9, n: „Und wegen des Blutes deines Bundes“ d. i. ich erinnere mich des Blutes am Sinai und darum „lasse ich deine Gefangenen los aus der Grube, in der kein Wasser ist.“ R. Pinchas sagte: Es ist nicht mehr hier s. Ps.79, 3: „Sie vergossen ihr Blut wie Wasser, rings um Jerusalem.“ „Und es ist ein Zeuge da“ d. i. Israel s. Jes. 43, 8: „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige, giebt es einen Gott ausser mir?“ „Sei es, dass er es gesehen hat“ s. Deut. 4,35: „Du hast es gesehen, um zu erkennen, dass der Ewige Gott ist;“ „sei es, dass er es weiss“ s. das. V. 39: „So erkenne heute und nimm es zu Herzen, dass der Ewige Gott ist.“ Es heisst Lev. 5, 4: „Wenn er es nicht anzeigt und seine Schuld trägt“ d. i. wenn ihr meine Gottheit nicht den Völkern der Welt verkündet, so bestrafe ich euch. Wann ? S. Jes. 8,19 ; „Und wenn sie zu euch sprechen: Befraget die Todtenbeschwörer.“ R. Simon sagte: Beri hat nur zwei Verse prophezeit und da es an Zahl so wenig waren, so sind sie den Weissagungen des Jesaia einverleibt worden. Es sind diese: „Wenn sie zu euch sprechen“ u. s. w. R. Jochanan sagt: Jeder Prophet, dessen Name sowohl wie der Name seines Vaters deutlich angegeben wird, war ein Prophet und der Sohn eines Propheten; jeder Prophet aber, dessen Name nicht deutlich angegeben ist und auch nicht der seines \ aters, — da war er wohl ein Prophet, aber nicht sein Vater. R. Eleasar im Namen des R. Jose bar Simra beweist es aus Folgendem. Es heisst Esra 5, 1: „Es weissagten Ilaggai, der Prophet und Sacharja, Sohn Iddos, die Propheten.“ Da war er sowohl ein *) D. i. er liess durch Titus den Tempelvorhang zerschneiden. Par. V. Cap. V, i. 45 Prophet, als auch der Sohn eines Propheten. Die Rabbinen sagen aber: Sein Name mag angegeben sein oder nicht, er sowohl wie sein Vater war ein Prophet. So hat Amos zu Amazia gesagt s. Am. 7, 13: „Ich bin nicht ein Prophet und auch nicht der Sohn eines Propheten.“ Sowie dieser ein Prophet war und doch sagt: Ich bin kein Prophet, so war auch sein Vater ein Prophet, obwohl er sagt: und ich bin nicht der Sohn eines Propheten. So heisst es einmal: „Jesaia, Sohn Amoz, der Prophet spricht,“ und einmal heisst es wieder: „Jesaia, der Prophet, Sohn Amoz spricht,“ das zeigt an, dass er ein Prophet und der Sohn eines Propheten war. Es heisst Jes. 8, 19: „Soll nicht ein Volk seinen Gott befragen?“ d. i. bückt sich nicht jede Nation und jede Zunge vor ihrem Gott? „Die wie Vögel zwitschern“ d. s. die Streitsüchtigen (Häretiker), „die wie Thiere brummen“ d. s. die Todtenbeschwörer. „Soll nicht jedes Volk seinen Gott befragen?“ d. i. jedes Volk und jede Zunge erwähnt ihres Gottes, die Lebenden bei den Todten. R. Levi sagte: Gleich einem Vater, der seinen Sohn verloren hatte und ging, um ihn zwischen den Gräbern zu suchen. Es war aber daselbst ein Kluger, der ihn sah und ihn fragte: Ist dein Sohn, welchen du verloren, lebendig oder todt? Er lebt, antwortete er. Du Thor, versetzte der Kluge, werden denn die Todten bei den Lebenden oder die Lebenden bei den Todten gesucht? Ueberall können die Lebenden für die Bedürfnisse der Todten etwas thun, können aber diese für die Bedürfnisse der Lebenden etwas thun? So auch unser Gott, er lebt, besteht in Ewigkeit, wie es heisst Jerem. 10,10: „Und der Ewige ist ein Gott der “Wahrheit.“ Was heisst dmn? R. Abin sagte: Er ist Gott des Lebens und König der Welt, aber die Götter der Völker der Welt sind todte Wesen, wie es heisst Ps. 115, 5. 6: „Sie haben einen Mund und reden nicht, Augen und sehen nicht, Ohren und hören nicht,“ kurz, sie sind todt, und wir sollten den ewig Lebenden lassen und Todten huldigen? Jes. 8, 20: „Zum Gesetz und zum Zeugniss.“ Die Thora zeugt doch gegen uns: „Wahrlich gleich diesem Worte werden sie sprechen, in welchem keine Morgenröthe (kein Sinn) ist.“ R. Jochanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Gott sprach zu den Israeliten: Meine Kinder! saget den Völkern der Welt, es ist keine Morgenröthe (kein Sinn) in dieser Sache, ich lasse euch auch kein Licht aufgehen. R. Simeon ben Lakisch sagte: Gott sprach zu den Israeliten: Saget den Völkern der Welt: Er (ihr Gott) hat keine Morgenröthe, denn wenn er sich selbst nicht leuchten kann, wie will er denn andern leuchten? R. Abba bar Kahana sagte: Finsterniss und Dunkel währte im Lande Aegypten drei Tage lang, wie es heisst Ex. 10,22: „Da ward Finsterniss und Dunkelheit im ganzen Lande Aegypten; “ Verwüstung und Verödung aber finden in dieser Welt nicht mehr statt. Wo denn? Sie werden erst einst sein in der grossen Stadt Rom, wie es heisst Jes. 34, n: „Er legt an die Messschnur der Verwüstung und das Senkblei der Verödung.“ Die Rabbinen sagen: Von den 46 Par. VII. Cap. VI, 9. Völkern der Welt, welche die Thora nicht angenommen, die aus der Finsterniss gegeben worden ist, heisst es das. Jes. 60, 2: „Und siehe, Finsterniss deckt die Erde,“ aber von den Israeliten, welche die aus der Finsterniss gegebene Thora angenommen haben, heisst es Deut. 5, 23: „Es geschah, als sie hörten die Stimme aus der Finsterniss.“ Auf sie sagt Jes. 60, 2: „Ueber dir geht der Ewige auf und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ ■p!"IN ns "l2£ TlD Parascha 7. C. VI, 9. Befiehl Aaron und seinen Söhnen und sprich: das ist das Gesetz des Brandopfers. In Verbindung mit Prov. 10, 12: „Hass erregt Zank“ u. s. w. Der Hass, der bei Gelegenheit der Fertigung des Kalbes zwischen den Israeliten und ihrem Vater im Himmel erweckt wurde, hat vielerlei Rechtsvorschriften hervorgerufen. Denn R. Samuel bar Nachman hat gesagt: Beinahe neunhundert Jahre bestand der Hass zwischen den Israeliten und ihrem himmlischen Vater, nämlich von dem Tage ihres Auszugs aus Aegypten bis zu dem Jahre, wo sie in den Tagen Ezechiels aufgeweckt worden sind. So heisst es Ezech. 20, 7: „Ich sprach zu ihnen: „Ein jeder werfe von sich die Gräuel seiner Augen.“ Sie haben aber nicht so gethan, sondern das. V. 8: „Sie waren widerspenstig gegen mich und wollten nicht auf mich hören.“ Allein ich verfuhr mit ihnen (gnädig), um meines grossen Namens willen, damit er nicht entheiligt werde,“ wie es heisst das.: „Aber ich verfuhr um meines grossen Namens willen“ u. s. w. Es heisst Prov. 10, 12: „Alle Vergehungen aber deckt die Liebe,“ mit welcher Gott die Israeliten geliebt hat, wie es heisst Male. 1, 2: „Ich liebte euch, spricht der Ewige.“ Oder: „Hass erregt Zank“ d. i. der Hass, den Aaron zwischen den Israeliten und ihrem himmlischen Vater erregte, rief vielerlei Rechtsvorschriften hervor. R. Asi sagte: Daraus geht hervor, dass Aaron ihr Opfer (was sie dem Kalbe dargebracht) nahm und vor sie stellte und zu ihnen sprach: Wisset, dass gar nichts Wesentliches an ihm ist. Das ist es, was auch Mose zu Aaron gesagt hat s. Ex. 32, 21: ? ,Was hat dir dieses Volk gethan?“ Darauf antwortete Aaron: Es ist ihnen besser, dass sie als Irrende, als dass sie als vorsätzliche Sünder gerichtet werden. Das sagte auch Gott zu Mose s. das. V. 33: „Wer sich gegen mich vergangen hat, den will ich aus meinem Buche löschen,“ was auch Deut. 9, 20 gesagt ist: „Und über Aaron zürnte der Ewige sehr und wollte ihn vertilgen.“ R. Josiia von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Unter mnilin ist hier nichts anderes als ■nb'O das Aufreiben (Vernichten) der Söhne und Töchter zu verstehen, sowie es heisst Am. 2, 9: „Ich vertilge ihre Frucht von oben und ihre Wurzel von unten.“ „Alle Vergehungen deckt die Liebe“ d. i. das Gebet, was Mose für ihn Par. VII. Cap. VI, 9. 47 gethan hat. Was betete Mose für ihn? R. Mana von Schaab und R. Josua von Sichnin sagten im Namen des R. Levi. Vom Anfänge des Buches bis hierher steht Lev. 1, 7: „Und die Söhne Aarons sollen anrichten,“ das. V. 5: „Die Söhne Aarons sollen sprengen,“ das. V. 8: „Die Söhne Aarons sollen geben.“ Mose sprach nämlich vor Gott: Die Grube ist verhasst (hässlich), ihr Wasser aber ist lieblich, du hast dem Holze wegen ihrer Kinder Ehre erwiesen. Es ist nämlich gelehrt worden: Alle Holzarten von dort sind tauglich für den Altardienst, nur nicht das Holz vom Olivenbaume und Weinstock, und dem Aaron willst du nur -wegen seiner Söhne Ehre erweisen? Darauf antwortete Gott: Bei deinem Leben! um deinetwillen will ich ihn nähern, und nicht nur das, ich will ihn zur Hauptsache und seine Söhne zur Nebensache machen. Darum heisst es hier: „Befiehl dem Aaron und (dann) seinen Söhnen also.“ Es heisst Ps. 51, 19: „Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist“ u. s. w. Hierüber sind Sabdai ben Levi, R. Jose ben Partas und die Rabbinen verschiedener Meinung. Der Eine sagte: David sprach vor Gott: Ich habe meine Leidenschaft bezwungen und Busse vor dir gethan, nimmst du mich in der Busse an, siehe, so erkenne ich, dass mein Sohn Salomo erstehen, das Heiligthum bauen, den Altar errichten und darauf die in der Thora vorgeschriebenen Opfer darbringen wird. Und das wird aus diesem Verse bewiesen: „Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist.“ Der andere sagte: Woher lässt sich beweisen, dass derjenige, welcher Busse thut, so angesehen wird, als wenn er nach Jerusalem hinaufgegangen wäre und daselbst den Tempel erbaut, den Altar errichtet und die in der Thora vorgeschriebenen Opfer dargebracht hätte? Aus jenem Verse: „Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist.“ Die Rabbinen sagen: Woher lässt sich beweisen, dass der Vorbeter (wenn er vor das Betpult tritt) des Tempeldienstes und der Opfer erwähnen und sich dabei verbeugen muss? Aus dieser Beracha: Möge es dir gefallen, unser Gott, bald in Zion zu thronen, dass deine Kinder dir dort dienen! Das findet auch eine Stütze in jenem Verse: „Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist.“ R. Abba bar Judan sagte: Alles was Gott am Thiere verworfen hat, hat er am Menschen für tauglich erklärt. Am Thiere hat er die Felle, das Zerbrochene, Zerrissene und mit Blattern Behaftete verworfen und am Menschen hat er das gebrochene und zerstossene Herz für tauglich erklärt. R. Alexandri sagte: Wenn der gemeine Mensch sich zerbrochener Gefasse (Ge- räthe) bedient, so gereicht es ihm zur Schande, aber Gott liebt das Bedienen mit zerbrochenen Gefässen, wie es-heisst Ps. 34, 19: „Nahe ist der Ewige den gebrochenen Herzen“ vergl. Ps. 147, 3: „Er heilt die gebrochenen Herzen,“ desgl. Jes, 57, 15. „Hoch throne ich und bin auch bei dem zerschlagenen und gebeugten Gemüthe,“ und obigen Vers: „Die Opfer Gottes sind ein zerbrochenes Herz.“ R. Abba bar Judan im Namen des R. Juda bar Rab Simon sagte: 4 8 Par. VII. Cap. VI, 9. Gleich einem König, welcher durch die Wüste reiste, da kam sein Freund und verehrte ihm einen Korb mit Feigen und ein Fass mit Wein. Das ist eine grosse Ehre, sprach der König zu ihm. Mein Herr König! erwiederte der Freund, ich habe dich für die Stunde (diesen Augenblick) geehrt. Wenn du wirst in deinem Palaste sein, dann sollst du erst sehen, womit ich dich ehre. So sprach auch Gott zu den Israeliten: „Dies ist die Thora, das Brandopfer betreffend.“ Da sprachen die Israeliten vor ihm: Herr der Welten! wir bringen dir nur für den Augenblick Opfer dar, „wenn du aber Zion wohlthun wirst nach deiner Gnade und bauen wirst die Mauern Jerusalems, dann wirst du an Opfern der Gerechtigkeit Gefallen finden, an Brandopfern und Ganzopfern“ s. Ps. 51, 20, 21. R. Simeon ben Jochai hat gesagt: Ein Brandopfer wird nur wegen sündhafter Gedanken gebracht. Hierzu dient nach R. Levi als Beweis Ezech. 20, 32. Von wem kannst du das lernen? Von Hiobs Söhnen. Erst heisst es Hi. 1, 4: „Seine Söhne gingen und machten ein Gastmahl.“ R. Me'ir sagte: So pflegen Königssöhne ihre Brüder und Schwestern mit sich zu einem Mahle zu laden. R. Tanchum bar R. Chija sagte: Um sich mit ihnen zu gesellen, gingen sie, dass sie sich verheirathen sollten. Da steht auch das. V. 5: „Als die Tage des Mahles um waren, da sandte Hiob hin und verheirathete sie.“ Nach der Meinung des R. Tanchum bar R. Chija, welcher gesagt hat, dass sie sich verheirathen sollten, gesellten sie sich zu ihnen, und sie gingen. Nach der Meinung des R. Me'ir, welcher gesagt hat, dass Königssöhne ihre Brüder und Schwestern zum Festmahl einzuladen pflegen, wie es heisst Ex. 19: „Und zum Volke sollst du sagen: Heiligt euch!“ „machte er sich früh auf und opferte Brandopfer“. R. Judan bar Chilphai sagte: Es ist die Frage, ob die Zahl sich auf die Tage bezieht, oder auf seine (Hiobs) Söhne und Töchter, oder auf die Zahl aller Opfer, welche in der Thora verzeichnet sind, sowie es (in letzterer Beziehung) heisst Hi. 1, 5: „Hiob dachte: Vielleicht haben meine Söhne gesündigt und Gott in ihrem Herzen den Abschied gegeben,“ denn ein Brandopfer wird doch nur wegen sündhafter Gedanken dargebracht. R. Acha im Namen des R. Chanina bar Papa sagte: Damit die Israeliten nicht sprechen: Früher haben wir Opfer gebracht und sind damit beschäftigt gewesen, jetzt, wo die Opfer in Wegfall gekommen, womit sollen wir uns nun beschäftigen? Darauf antwortete Gott: Da ihr euch damit beschäftigt habt, so gilt mir das so, als hättet ihr die Opfer dargebracht. R. Huna sagte zwei Dinge: Die Zerstreuten werden nur im Verdienste der Mischnajot versammelt (weil sie sich mit den die Opfer behandelnden Mischnas beschäftigen). Warum? S. Hos. 8, 10: „Selbst wenn sie dingen unter den Völkern, werde ich sie versammeln.“ R. Huna sagte aber noch ein anderes: Es heisst Mal. 1, 11: „Denn vom Sonnenaufgang bis zum Untergang ist mein Name gross unter den Völkern.“ Ueberall wird geräuchert und dargebracht. Gab es denn in Babylon ein reines Speisopfer und eine Hand voll und Räuchern? Par. VII. Cap. VI, 9. 49 Was ist das (was ist darunter zu verstehen)? Die Mischna. Gott sprach: Da ihr euch mit der Mischna beschäftigt, so sehe ich das so an, als brächtet ihr thatsächlich Opfer. Samuel sagte: Es heisst Ezech. 43, 11: „Wenn sie sich schämen alles dessen, was sie gethan haben.“ Giebt es denn eine Darstellung (Form) des Hauses bis jetzt? Allein Gott sprach: Wenn ihr euch nur (in den Gedanken) damit beschäftigt, so gilt das mir, als wenn ihr es (das Haus) bautet. R. Asi sagte: Warum fängt man den Schriftunterricht für die Kinder mit der Priesterthora (Leviticus) an und nicht mit Bereschit (dem ersten Buche Mose)? Weil die Kinder rein sind und die Opfer rein sind, so mögen die Reinen kommen und sich mit den Reinen beschäftigen. R. Abba bar Kahana und R. Chanan sagten beide im Namen des R. Asarja vom Dorfe Chittaja (Weizendorf): Gleich einem Könige, welcher zwei Köche hatte, der eine von ihnen bereitete ihm eine Speise, er ass sie und sie war ihm angenehm, auch der zweite bereitete ihm eine Speise, er ass sie und sie war ihm angenehm. Nun wissen wir nicht, welche von beiden ihm angenehmer war. Da er aber dem zweiten Koche auftrug: Bereite mir auch ferner eine Speise wie diese, so wissen wir, dass die Speise des zweiten Kochs ihm besser geschmeckt hat. Ebenso brachte Noach ein Opfer dar, welches Gott angenehm war, wie es heisst Gen. 8, 21: „Und Gott roch den angenehmen Duft;“ auch die Israeliten brachten ein Opfer dar, welches Gott angenehm war (s. Ex. 24, 5), nun wissen wir nicht, welches-von beiden ihm angenehmer gewesen ist. Da er aber den Israeliten befahl und zu ihnen sprach Num. 28, 2: „Einen lieblichen Geruch bewahret, mir zu opfern,“ so wissen wir, dass das Opfer der Israeliten ihm angenehmer war. Das sagt auch Mal. 3, 4: „Angenehm ist dem Ewigen die Gabe Judas und Jerusalems wie in den Tagen des Alterthums und wie in den Jahren der Vorzeit.“ „Wie in den Tagen des Alterthums“ d. i. in den Tagen Moses, „und wie in den Jahren der Vorzeit“ d. i. wie in den Jahren Salomos. Rabbi sagte: „Wie in den Tagen des Alterthums“ d. i. wie in den Tagen Noachs, „und wie in Jahren der Vorzeit“ d. i. wie in den Tagen Abels, weil es in seinen Tagen noch keinen Götzendienst gab. R. Abin sagte zweierlei. Gleich einem Könige, führte R. Abin zuerst als Beispiel an, welcher auf dem Sopha (Throne) lehnte und welchem man eine Speise brachte, die er ass und die ihm so wohl schmeckte, dass er die Schüssel auskratzte. So heisst es Ps. 66, 15: „Brandopfer der Auskratzenden (tmc)*) opfere ich dir“ d. i. wie der, welcher die Schüssel auskratzt. R. Abin sagte ferner: Gleich einem Könige, welcher in einer Wüste reiste. Als er den ersten Stationsort erreicht hatte, ass und trank er daselbst, am zweiten Stationsorte, den er erreichte, ass er und trank er und brachte auch die Nacht daselbst zu.**) So ver- *) So deutet der Midr. die Stelle. **) Mithin gefiel es ihm hier besser. Wünsche, Midrasch "Wajikra, 4 5 ° Par. VII. Cap. VI, io. hält es sich auch mit dem Brandopfer: „Das ist das Gesetz des Brandopfers. Das Brandopfer soll auf dem Altar die ganze Nacht bis zum Morgen bleiben.“ Daraus geht hervor, dass das Brandopfer völlig in Feuer aufging. Und das Feuer des Altars soll in ihm (m) brennen. R. Pinchas sagte: Weil es nicht heisst: das Feuer des Altars soll auf ihm (vby) brennen, sondern: „es soll in ihm (is) brennen,“ so geht daraus hervor, dass das Feuer von ihm (dem Altar) verzehrt wurde (dass der Altar über das Feuer herrschte). Im Namen des R. Nechemja ist gelehrt worden: Beinahe 116 Jahre wurde das Feuer in ihm (dem Altar) verzehrt, sein Holz verbrannte nicht und das Kupfer schmolz nicht. Wenn du denken solltest, es sei darum nicht geschmolzen, weil er (der Altar) mit einer dicken Platte belegt war, so ist im Namen des R. Hosaja gelehrt worden: Es war so dünn, wie ein gordinischer Denar. Ebenso verhält es sich nach R. Simeon ben Lakisch mit dem Altar des Räucherwerks, wie es heisst Ex. 30, 1: „Und mache mir einen Rauchaltar.“ Es heisst nicht: nvnapa "lüpnü, einen Altar, womit Räucherwerk geräuchert wird, sondern: rvnüp ‘nup73, der Räucherwerk räuchert d. i. der Altar zündete das Räucherwerk (von selbst) an. Rab sagte: Es heisst nicht 1. Reg 19, 21: "liEbn bunns ‘ipan ■'bbin, und in den Gefässen der Rinder wurde das Fleisch gekocht, sondern: abujn iboin, durch die Gefässe der Rinder kochte er das Fleisch“ d. i. das Fleisch kochte die Geräthe. R. Levi sagte: Damit wird uns eine schöne Lehre gegeben, dass jeder Stolze nur durch Feuer gerichtet wird, wie es heisst: „Das Ganzopfer bleibe auf der Brandstelle.“ So wurde das Geschlecht der Fluth, welches sich brüstete und sprach Hi. 21, 11: „Wer ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollten?“ nur durch Feuer gerichtet, wie es heisst Hi. 6, 17: „Zur Zeit, wo sie von der Glut getroffen wurden (wo sie sotten) verschwanden sie. R. Josua ben Levi sagte: „Ihr (der siedenden) Fluthen) Aufwallen geschah zu völliger Vernichtung vergl. Lev. 25, 30: „Zur Vernichtung (für immer) dem Käufer.“ Es heisst Hi. 6, 17: „In der Hitze versiegen sie von ihrer Stelle.“ Was heisst iaini? Im Süden. R. Jochanan sagt: Jeder Tropfen, welchen Gott über das Geschlecht der Fluth brachte, sott in der Hölle, wie es heisst: „In der Hitze versiegen sie von ihrer Stelle.“ Die Sodo- miten wurden, weil sie sich stolz erhoben und sprachen: Wir haben die Feste aus unsrer Mitte vergessen, wie es heisst das. 28, 4: „Es bricht ein Strom hervor von dem Orte, wo man wohnet,“ nur mit Feuer gerichtet s. Gen. 19, 24: „Und der Ewige liess Schwefel und Feuer regnen über Sodom.“ Ebenso wurde Pharao, der Frevler, weil er sich brüstete und sprach Ex. 5, 2: „Wer ist der Ewige, dessen Stimme ich gehorchen soll?“ nur mit Feuer gerichtet s. das. 9, 24: „Und es fiel Hagel und Feuer mitten im Hagel.“ Ebenso war es mit Sissera, dem Frevler, der Fall. Weil er sich erhob und die Israeliten bedrängte, wie es heisst Jud. 4, 3: „Er bedrückte die Par. VIII. Cap. VI, 18. 51 Kinder Israels mit Gewalt?“ — Was heisst npinn? R. Jizchack sagte: Mit Schmähungen und Lästerungen — so wurde er auch nur mit Feuer gerichtet s. das. 5, 20: „Und die Sterne aus ihren Bahnen stritten mit Sissera.“ Ebenso wurde Sancherib, weil er sich erhob und sagte Jos. 36, 20: „Wer ist unter allen Göttern dieser Länder?“ nur mit Feuer gerichtet s. das. 10, 24: „Unter seiner Ehre brennt ein Brand.“ Auch Nebucadnezar wurde dadurch, dass er sich erhob und sagte Dan. 3, 15: „Wer ist der Gott, der euch retten wird aus meiner Hand?“ nur mit Feuer gerichtet. Das. V. 22: „Sie (die Männer) wurden von der Flamme des Feuers ge- tödtet.“ Die frevelhafte Herrschaft, dadurch dass sie schmäht und lästert und spricht Ps. 73,25: „Wen hab ich im Himmel?“ wird nur mit Feuer gerichtet werden s. Dan. 7, 11: „Ich schaute, bis dass das Thier getödtet und sein Leib umgebracht und in den Brand des Feuers geworfen ward.“ Allein die Israeliten, wenn sie auch in dieser Welt verachtet und herabgewürdigt sind, werden einst nur mit Feuer getröstet werden, wie es heisst Sach. 2, 5: „Ich werde ihr sein, spricht der Ewige, eine Feuermauer ringsum.“ Parascha VIII. Cap. VI, 18. Das ist das Opfer Aarons und seiner Söhne. R. Levi begann mit Anknüpfung an Ps. 75,8: „Ja, Gott ist Richter.“ Eine Matrone fragte den R. Jose bar Chalaphtha: „In wieviel Tagen hat Gott seine Welt erschaffen? Er antwortete: In sechs Tagen, denn so heisst es Ex. 31, 17: „Denn in sechs Tagen hat der Ewige den Himmel und die Erde erschaffen.“ Sie sprach: Was macht er von jener Stunde bis jetzt? Er sprach: Er stiftet Ehen, er bestimmt, das Weib des und des kommt an den und den, die Tochter des und des kommt an den und den, das Vermögen von dem und dem kommt an den und den. Das also ist es, fuhr sie fort, auch ich kann so thun. Wie viele Knechte, wie viele Mägde habe ich nicht? Ich kann sie alle in einer Stunde mit einander verbinden. Der Rabbi erwiederte: Wenn es auch in deinen Augen etwas Geringes ist, vor Gott ist es aber so schwer (wichtig), wie das Spalten des Schilfmeeres. Er Hess sie gehen und ging seines Wegs. Was machte sie? Sie liess ihre tausend Knechte und tausend Mägde kommen, stellte sie in Reihen und sprach: Dieser hier heirathe jene und jener diese, kurz, sie verband sie in einer Nacht. Am Morgen kamen sie zu ihr, der eine hatte eine Wunde, dem andern war sein Auge ausgeschlagen, dem dritten die Achseln zerschmettert, dem vierten war das Knie zerbrochen und dieser sprach: Ich will jene nicht und jener sprach: Ich will diese nicht. Die Matrone liess sofort den R. Jose bar Chalaphtha kommen und sprach zu ihm: „Rabbi, eure Lehre (Thora) ist wahr, schön und vortrefflich und alles, was du gesagt hast, hast 4 * 52 Par. VIII. Cap. VI, 18. du schon gesagt (bewährt sich). Habe ich dir nicht gesagt, entgegnete er, wenn es auch in deinen Augen etwas Leichtes ist, vor Gott ist es so schwer (wichtig) wie das Spalten des Schilfmeeres, wie es heisst Jos. 68, 7: „Gott bevölkert der Einsamen Haus, er führt Gefangene in Gradheit (m'YJi'ßa).“ Was heisst m“nzj-D3? niYffii '33, weinend und singend. Derjenige, welcher zufrieden (glücklich) ist, singt und derjenige, welcher nicht zufrieden (unglücklich) ist, weint. Und was macht Gott? Er verbindet sie mit Zwang wider ihren Willen. Nach R. Berachja hat R. Jose bar Chalaphtha diese Antwort gegeben: Gott sitzt und macht Leitern, den einen erhebt er und den anderen lässt er sinken, wie es heisst Ps. 75: „Denn Gott richtet,“ den einen lässt er sinken, den andern erhebt er. R. Jona von Bozra wandte den Vers auf die Israeliten an: Mit dem Worte rr? sind sie erniedrigt und mit dem Worte !Tt auch erhöht worden. Mit dem Worte “1 sind sie erniedrigt worden s. Ex. 32, 1: „Denn dieser (rv?) Mann Mose,“ und mit dem Worte “T sind sie erhört worden s. das. 30, 1. 3: „Das (fn) sollen sie geben, jeder der vorüberzieht.“ Die Rabbinen wandten den Vers auf Aaron an. Mit dem Worte iiT ist er erniedrigt worden s. Ex. 31, 24: „Ich warf es ins Feuer und es ging dieses (IiTm) Kalb hervor,“ und mit demselben Worte 3 :t ist er auch wieder erhöht worden, denn es heisst hier: „Dieses ist das Opfer Aarons und seiner Söhne.“ Oder: „Dies ist das Opfer Aarons.“ Das sagt auch die Schrift Jud. 14, 14: „Er (Simson) sprach zu ihnen (den Gästen): „Vom Fresser ging Speise hervor.“ R. Samuel bar Nachman sagte: Der heilige Geist fing an in Simson zu pochen (ihn anzutreiben). An drei Orten geschah das, wie es das. 13, 25 heisst: „Es fing der Geist des Ewigen an in ihm zu pochen, im Lager Dans zwischen Zarea und Eschthaol.“ Was heisst das: „Zwischen Zarea und Eschthaol?“ R. Samuel bar Nachman sagt: Daraus geht hervor, dass Simson zwei Berge nahm und sie aneinander klopfte, wie ein Mensch, der zwei Bündel nimmt und sie aneinanderklopft. R. Jehuda sagte: In der Stunde, wo der heilige Geist auf ihm ruhte, machte er einen so weiten Schritt wie von Zarea nach Eschthaol (soweit diese Orte von einander entfernt sind). R. Nachman sagte: In der Stunde, wo der heilige Geist auf ihm ruhte, standen seine Haare und klopften aneinander wie eine Schelle, und ihr Laut ging so weit wie von Zarea bis Eschthaol. Als er nach Thimnath hinabkam, heisst es Jud. 14, 5: Und es stieg Simson und sein Vater nach Thimnath hinab . . . V. 19: und es gerieth über ihn der Geist des Ewigen, und er ging hinab nach Askalon ... 15, 14: „Er kam bis Lechi.“ Und als er von Timnath zurückkehrte, sprach er: Ich will doch gehen und ein Löwenaas sehen, wie es heisst das. 14, 8. 9: „Und als er zurückkehrte nach einigen Tagen, um zu nehmen . . . und er nahm es aus in seine Hände.“ Simson wunderte sich in seinem Herzen und sprach: Der Löwe verzehrt alle Thiere und jetzt kommt Speise von ihm: So verzehrte auch Aaron alle Opfer und jetzt geht ein Opfer von Par. VIII. Cap. VI, 18. 53 ihm aus. Welches? „Das ist das Opfer Aarons und seiner Söhne.“ R. Idi sagte: David sehnte sich nach den Opfern der Fürsten, das steht auch Ps. 66, 15: „Brandopfer von Mastvieh“ u. s. w. Welches Opfer wird von Stieren, Widdern und Lämmern dargebracht? Das ist das Opfer der Fürsten, wie es heisst Num. 7, 17: „Und zum Friedensopfer“ u. s. w. R. Jehuda und R. Nachman und die Rabbinen. R. Jehuda sagt: Das Opfer der Fürsten ist vor Gott so beliebt wie das Lied, was die Israeliten am Meere gesungen haben. Das Lied, welches die Israeliten am Meere gesungen s. Ex. 15, 2: „Dieser ist mein Gott, ihn will ich verherrlichen,“ und so heisst es auch (bei dem Opfer der Fürsten) Num. 7, 17: „Das (ht) ist das Opfer Nachschons, des Sohnes Amminadabs.“ R. Nachman sagte: Das Opfer der Fürsten ist vor Gott so beliebt, wie die beiden Bundestafeln. Von den beiden Bundestafeln heisst es Ex. 32, 15: „Von dieser und von jener Seite (mm MT 72 ) waren sie beschrieben,“ und hier bei dem Opfer der Fürsten heisst es auch: „Dies (~t) ist das Opfer Nachschons, des Sohnes Amminadabs.“ Die Rabbinen sagten: Aarons Opfer war vor Gott so beliebt wie das Opfer der Fürsten. Bei den Opfern der Fürsten heisst es: „Das (m) ist das Opfer Nachschons, des Sohnes Amminadabs,“ und hier heisst es auch: „Das (m) ist das Opfer Aarons.“ R. Berachja sagte: Aarons Opfer war vor Gott so beliebt, wie die zwölf Stämme. Warum? Weil das Wort nt in der Zahl 12 hat, denn t ist 7 und rt ist 5. das Zehntel eines Epha. An dem Tage, wo er gesalbt wird, bringt er ein Zehntel eines Epha. Daraus geht hervor, sagte R. Jo- chanan im Namen des Simeon ben Jehozadok, dass ein Zehntel eines Epha die Priesterweihe Aarons und seiner Söhne aufhalten kann. feines Mehl als beständiges Speisopfer. Komm und sieh, sagte R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi, wie sehr Gott das Geld der Israeliten schont; er sprach zu ihnen: Wer sich verschuldet hat und ein Opfer bringen soll, bringe es vom Rindvieh: „wenn sein Opfer ein Brandopfer ist,“ und wenn er nichts vom Rindvieh findet, so bringe er ein Schaf: „wenn von den Schafen,“ und wenn er von Schafen nichts findet, so bringe er von den Ziegen: „und wenn von Ziegen,“ und wenn er von den Ziegen nichts findet, so bringe er von den Vögeln: „und wenn von Vögeln seine Opfergabe ist,“ und wenn er auch von Vögeln nichts findet, so bringe er „feines Mehl zu einem beständigen Speisopfer,“ und nicht nur das allein, sondern alle Opfer können nicht zur Hälfte gebracht werden (d. h. früh und abends eine Hälfte), dieses Opfer aber konnte zur Hälfte dargebracht werden (wie es heisst): die Hälfte desselben am Morgen und die andere Hälfte am Abend, und nicht nur das, sondern wer ein solches bringt, den sieht die Schrift so an, als hätte er ein Opfer von einem Ende der Welt bis zum andern gebracht, wie es Mal. 1, 11 heisst: „Denn von Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang ist mein Name gross unter den Völkern, allerorten wird geräuchert, dargebracht meinem Namen“ u. s. w. 54 Par. IX. Cap. VH, u. Parascha IX. Cap. VII, ii. Und das ist die Verordnung in Betreff des Friedensopfers, das man dem Ewigen darbringt. Das sagt auch die Schrift Ps. 50, 23: „Wer Dank opfert, ehrt mich.“ Es steht hier nicht: Wer ein Sünd- oder Schuidopfer darbringt, sondern: „wer Dank opfert.“ Warum? Ein Sündopfer sowohl wie ein Schuldopfer bringt man wegen einer begangenen Sünde, das Dankopfer aber wird nicht wegen einer Sünde, sondern wegen des Dankes dargebracht. Oder: „Wer Dank opfert, ehrt mich.“ Das geht auf Achan, welcher seine Begierde mit einem Bekenntniss (rnins) opferte (sich durch ein Bekenntniss überwand) s. Jos. 7, 19. 20: „Und Josua sprach zu Achan: Mein Sohn! gieb doch dem Ewigen die Ehre . . . und Achan bekannte gegen Josua.“ „Und wer auf seinen Wandel aufmerksam ist,“ er hat nämlich dem Bussfertigen den Weg gezeigt s. 1. Chron. 2, 6: „Und die Söhne Serachs: Simri und Ethan und Heman und Kalkol und Dara, alle zusammen fünf.“ „Simri.“ R. Josua ben Levi sagte: Das ist Achan. Und warum hiess er Simri? Weil er sich wie Simri betragen hat. Die Rab- binen sagen: Achan hiess darum, weil die Israeliten durch ihn hingerafft wurden. „Ethan“ d. i. unser Vater Abraham vergl. Ps. 89, 1: „Gedicht Ethans, des Esrachiters.“ „Heman“ d. i. Mose, wie es heisst Num. 13, 7: „Er ist treu in meinem ganzen Hause.“ R. Samuel bar Nachman sagte: Es ist Achan und zwar darum, weil er gesagt hat Jos. 7,20: „Fürwahr (fwen), ich habe gesündigt.“ Unter Kalkol ist Joseph zu verstehen, weil es heisst Gen. 47, 12: „Joseph versorgte seinen Vater und seine Brüder.“ Und „Darda“ d. i. das Geschlecht der Wüste, weil es ganz voll von Erkenntniss (nyH) war. „Zusammen fünf.“ Wissen wir nicht schon, dass alle zusammen fünf waren? „Allein daraus erhellt, dass auch Achan mit ihnen (den genannten) Antheil an der künftigen Welt hat. So hat auch Josua gesagt Jos. 7, 25: „Der Ewige betrübe dich heute“ d. i. heute sei betrübt, aber nicht in Zukunft. Oder Ps. 50, 23: „Wer Dank opfert, ehrt mich.“ R. Huna im Namen des R. Acha sagte: Es heisst hier nicht: ■'tliS - ', sondern: d. i. Ehre über Ehre. Oder: „Wer Dank opfert, ehrt mich.“ R. Berachja im Namen des R. Abba bar Kahana sagte: Es heisst hier nicht: ■'tTäs, sondern: '"■nt' d. i. er hat mich in dieser Welt geehrt, er wird mich auch in jener Welt ehren. „Wer auf seinen Wandel aufmerksam ist.“ Das geht auf die Wegebahner. Oder: „Wer auf seinen Wandel aufmerksam ist,“ darunter sind die Schriftgelehrten und redlichen Schullehrer zu verstehen, weil sie die Kinder mit Redlichkeit unterrichten. Oder: „Wer auf seinen Wandel aufmerksam ist.“ R. Jose bar R. Jehuda im Namen des R. Menachem bar R. Jose denkt dabei an die Krämer (Verkäufer), welche verzehntete Früchte öffentlich ver- Par. IX. Cap. VII, II. 55 kaufen. Oder: „Wer auf seinen Wandel aufmerksam ist,“ Das sind diejenigen, welche Lichter anzünden, um mit ihnen vielen (öffentlich) zu leuchten. Denn R. Simeon ben Lakisch hat gesagt: Saul war nur darum so glücklich, zur Herrschaft zu gelangen, weil sein Alter (Kisch) für die öffentliche Beleuchtung gesorgt hatte. Man erzählt, dass nämlich die Wege von seinem Hause zum Lehrhaus finster waren, und er hatte Lichter zur öffentlichen Beleuchtung auf ihnen angezündet. Einmal heisst es i. Chron. 8, 33: „Ner (“i“i) zeugte den Kisch“ und einmal heisst es „Kisch, der Sohn Abiels.“ Wie lässt sich das vereinigen? Auf diese Weise. Abiel war sein Name. Weil er aber die öffentliche Beleuchtung veranstaltet hatte, war er so glücklich, dass er den Namen Ner bekam. Oder: „Wer auf seinen Wandel aufmerksam ist.“ R. Janai sagte: Es heisst: derjenige, welcher seinen Weg abschätzt, ist viel werth. R. Janai ging einmal auf dem Wege (befand sich auf der Reise) und sah da einen Mann, welcher ihm durch sein schönes Aeussere auffiel. Derselbe sprach zu ihm: Rabbi, würdige mich der Aufmerksamkeit, mich als Gast aufzunehmen. Er antwortete: Ja wohl! Er nahm ihn mit nach Hause, speiste und tränkte ihn, prüfte ihn erst in der Schrift, fand aber nichts, dann in der Mischna, fand aber nichts, ferner in der Haggada, fand aber nichts, endlich im Talmud und fand nichts. Dann sprach er zu ihm: Nimm den Becher und sprich den Segen. Er entgegnete ihm: Janai soll in seinem Hause den Segen sprechen. Darauf sagte Janai zu ihm: Wirst du wohl das nachsagen, was du von mir hörst? Er antwortete: Ja wohl! Er sprach zu ihm: Sprich: Ein Hund hat von Janais Brot gegessen. Der Mann erhob sich und griff nach Janai mit den Worten: Mein Erb- theil befindet sich bei dir und du verweigerst es mir (läugnest mir es ab)? Er sprach zu ihm: Was hast du für' ein Erbtheil bei mir? Er versetzte: Einmal ging ich vor einer Schule vorbei, da hörte ich von den Kindern sagen: Es steht geschrieben Deut. 33, 4: „Die Lehre, die uns Mose befohlen hat, ist ein Erbtheil der Versammlung Jacobs“. Es heisst nicht: Ein Erbtheil der Versammlung Janais, sondern: der Versammlung Jacobs. Welchem Verdienste hast du die Ehre zu danken, an meiner Tafel zu speisen (eig. wodurch hast du das Glück gehabt, an meiner Tafel zu speisen)? Nie habe ich ein übles Wort gehört und habe es seinem Herrn zurückgegeben und nicht sah ich zwei mit einander zanken, ohne den Frieden zwischen ihnen herzustellen. Du besitzest so viel Lebensart, versetzte Janai, und ich habe dich einen Hund genannt? Da wandte er auf ihn an Ps. 50, 23: „Wer auf seinen Wandel aufmerksam ist, lasse ich Gottes Hilfe erblicken“ d. i. wer seinen Weg abschätzt, ist viel werth, denn R. Ismael bar R. Nachman hat gesagt: Die Lebensart ist der Thora um 26 Geschlechter vorangegangen, was sich aus Gen. 3, 24 erweisen lässt. „Zu bewachen den Weg zum Baume des Lebens.“ Unter '■pi, Weg ist nichts anderes als: yiN ^Ti, Lebensart, unter yi', Baum des Lebens 56 Par. IX. Cap. VII, 12. nichts anderes als ii^vin, die Thora zu verstehen. „Ihn lasse ich Gottes Hilfe erblicken.“ R. Abuhu sagte: Das ist einer von den Versen, welche zeigen, dass die Hilfe Gottes die Hilfe Israels ist, wie es auch heisst Ps. 80, 3: „Komm uns zur Hilfe.“ Gleich einem Könige, sagte R. Pinchas, zu welchem sein Pächter und seine Hausgenossen kamen, um ihm ihre Ehrerbietung zu erweisen. Es kam der eine, und er sprach: Wer ist dieser? Das ist dein Pächter, war die Antwort. Weiset ihm seinen Platz an. Darauf kam ein anderer, um ihn seine Ehrerbietung zu erweisen. Er fragte: Wer ist jener? Dein Haussohn, war die Antwort. Weiset ihm seinen Platz an. Endlich kam ein dritter, er fragte: Wer ist dieser? Er ist weder dein Pächter, noch dein Haussohn, war die Antwort, er ist nur gekommen, um dir Ehrerbietung zu erweisen. Gebet ihm einen Stuhl (sella), und er setze sich darauf. So wird auch das Sühnopfer wie das Schuldopfer wegen einer begangenen Sünde gebracht, aber das Dankopfer wird nicht wegen einer Sünde gebracht, sondern nur wegen des Dankes. V. 12. Wenn man es zum Lobe darbringt. In Verbindung mit Spr. 14, 9: „Die Thoren treiben Spott mit Schuld“ d. i. nach R. Judan: Dieser Thor giebt mit seinem Munde seine Schuld zu erkennen, indem er spricht: Bin ich nicht ein Sühn- oder Schuldopfer schuldig? R. Judan sagte im Namen des R. Levi: Es sind diejenigen Menschen darunter gemeint’, welche sich gegen ihre Mägde in dieser Welt mancherlei erlauben. Diese hängt Gott einst an den Scheiteln ihrer Häupter auf, wie es heisst Ps. 68, 22: „Ja, Gott zerschmettert das Haupt seiner Feinde, die Haarscheitel dessen, der da wandelt in seiner Schuld.“ Alle Leute sprechen: Dieser Mann hier muss nun 1 für seine Schuld büssen (eig. es gehe dieser Mann mit seiner Schuld zu Grunde). Oder: „Die Thoren treiben Spott mit Schuld.“ Das ist derjenige, der sein Opfer gebracht und keine Sühne erlangt hat. Was soll er thun? Er gehe zum Stamm Levi, von dem geschrieben steht Mal. 3, 3: „Und er sitzt schmelzend und reinigend das Silber und reinigt die Kinder Levis.“ „Aber zwischen den Redlichen ist Wohlgefallen“ d. i. der, welcher wegen seiner Sünde ein Opfer mit Bekenntniss verbunden dargebracht hat. Zwischen R. Eleasar und R. Jose bar Chanina besteht eine Meinungsverschiedenheit (was es nämlich für Opfer gewesen seien, welche von den Kindern Noachs dargebracht worden). Nach R. Eleasar brachten die Noachiden (Kinder Noachs) Friedensopfer dar, nach R. Jose bar Chanina dagegen brachten sie Ganzopfer dar. Dagegen wandte aber R. Eleasar dem R. Jose bar Chanina ein: Es heisst doch Gen. 4, 4: „Abel brachte auch von den Erstlingen seiner Schafe und von ihren Fetten“ d. i. so etwas, was dem Fett verwandt ist. Was versteht R. Jose bar Chanina darunter? R. Jose bar Chanina versteht darunter: ‘piTsniött, von ihren Fetten. Dagegen aber macht R. Par. IX. Cap. VII, 12. 57 Eleasar dem R. Jose bar Chanina wieder den Einwurf: Es heisst Ex. 24, 5: „Und er schickte die Jünglinge der Kinder Israels und sie brachten Ganzopfer und schlachteten Dankopfer.“ Was versteht nun R. Jose bar Chanina darunter? Er sagt: Was R. Jose bar Chanina sagt, gleicht dem, welcher sagt (indem C'Tqbp für tpttbü gelesen wird), sie waren vollständig (ganz) mit ihren Fellen ohne Hauptabziehung und Zerstückung. Nun wandte wieder R. Eleasar dem R. Jose bar Chanina ein: Es heisst doch das. 18, 12: „Jethro, Mose Schwiegervater, nahm Ganzopfer und Schlachtopfer für Gott.“ Was versteht nun R. Jose bar Chanina darunter? R. Jose sagte: Es gleicht dem, welcher sagt, dass Jethro erst nach der Gesetzgebung ein Jude geworden sei (sich zum jüdischen Glauben bekehrt hätte). Es ist eine Meinungsverschiedenheit zwischen R. Chija bar Abba und R. Janai. Nach dem einen ist Jethro nach der Gesetzgebung, nach dem andern ist er vor der Gesetzgebung zum jüdischen Glauben übergetreten. R. Huna bemerkte: Es besteht keine Meinungsverschiedenheit zwischen beiden. Derjenige, welcher annimmt, Jethro sei vor der Gesetzgebung zum jüdischen Glauben übergetreten, gleicht dem, welcher sagt: die Kinder Noachs brachten Dankopfer, und derjenige, welcher sagt, Jethro sei nach der Gesetzgebung zum jüdischen Glauben übergetreten, gleicht dem, welcher sagt: die Kinder Noachs brachten Ganzopfer. Das ist eine Stütze für Jose bar Chanina. Es heisst Cant. 4, 16: „Auf! Nord komme Süd.“ ‘i 323 "Hi’ d. i. das Ganzopfer, welehes an der Nordseite geschlachtet wurde. Warum heisst es ■‘‘my? Es ist etwas, was schläft und zum Erwachen gebracht wird, ■p^n 'Nisi d. i. das Dankopfer, welches an der Südseite geschlachtet wurde. Warum heisst es: ■'N’ßl? Es ist etwas, was neu ist. Auch diese Stelle ist eine Stütze für R. Jose bar Chanina. Es heisst Lev. 6, 2: „Dies ist die Verordnung betreffs des Ganzopfers.“ Das ist das Ganzopfer, welches die Kinder Noachs darbrachten. Und wie hier, so heisst es auch bei den Friedensopfern: „Dies ist die Verordnung betreffs der Friedensopfer.“ Es heisst hier nicht: ■«"■'b TCIS, welches sie dem Ewigen dargebracht haben, sondern ‘ros i"ib, welches sie dem Ewigen darbringen werden d. i. von jetzt ab und weiter. Wie hält R. Eleasar nun die Worte: ■p 3 £ •ms» des R. Jose bar Chanina aufrecht? Sowie die Exilirten, welche im Norden sich befanden, erweckt wurden, so sollen sie kommen und sich im Süden lagern, wie es heisst Jerem. 31, 8: „Siehe, ich bringe sie aus dem Lande des Nordens.“ Oder wie Gog, welcher im Norden sich befindet, erweckt wird und kommen und im Süden fallen wird, wie es heisst Ezech. 39, 2: „Ich wende dich und führe dich her und führe dich herauf aus dem äussersten Norden.“ Oder es geht auf den König Messias, der im Norden sich befindet, er wird kommen und den Tempel erbauen, der im Süden ist. So heisst es Jes. 41, 25: „Ich erweckte ihn von Mitternacht her und er kam, vom Aufgang der Sonne her ruft er meinen Namen.“ R. Jose 58 Par. IX. Cap. VII, 12. sagte im Namen des R. Benjamin bar Levi: In dieser Welt weht zur Zeit, wenn der Südwind weht, nicht der Nordwind und so auch umgekehrt, wenn der Nordwind weht, weht nicht der Südwind, allein einst wird Gott den Agrestes (aygeort] g, ein reissender, schneller Wind) in die Welt bringen, in welchem beide Winde wehen (ihre Funktionen verrichten) werden. Das steht auch geschrieben Jes. 43, 6: „Ich spreche zur Mitternacht: Gieb her! und zum Mittag: Wehre > nicht! Bringe her meine Söhne von der Ferne und meine Töchter von der Erde Ende.“ R. Jochanan sagt: Hier will dir die Thora eine Lebensregel lehren, nämlich, dass der Bräutigam nur mit Erlaubnis der Braut ins Brautgemach gehen darf vergl. Cant. 4, 16: „Mein Freund komme in seinen Garten und esse seine köstliche Frucht.“ Darauf folgt C. 5, 1: „Ich komme in meinen Garten, meine Schwester, Braut!“ R. Pinchas, R. Levi und R. Jochanan sagten im Namen des R. Menachem von Galiläa: Einst werden alle Opfer in Wegfall kommen (aufhören), nur das Dankkopfer wird nicht aufhören; alle Gebete werden aufhören, das Dankgebet aber wird nicht aufhören. So heisst es Jerem. 33, 11: „Stimme der Wonne, Stimme der Freude, Stimme des Bräutigams, Stimme der Braut, die Stimme derer, die da sprechen, danket dem Ewigen, Zebaoth“ d. i. das Dankgebet; „und die da bringen Dank im Hause des Ewigen“ d. i. das Dankopfer. Und so sagt auch David Ps. 56, 13: „Mir liegen ob, Gott, deine Gelübde, ich bezahle dir Dankopfer.“ Es heisst: nicht ünn, sondern: mm (das Wort steht nicht im Sing., sondern im Plur.) d. i. das Dankgebet und das Dankopfer. R. Acha sagte: Gleich einem Machthaber, welcher in ein Land einzog und mit ihm viele Räuberschaaren. Da sprach einer zum andern: Wie furchtbar ist dieser Machthaber. Wenn du dich gut aufführst, brauchst du dich nicht vor ihm zu fürchten. Ebenso geriethen die Israeliten in Furcht, als sie den - Abschnitt hörten, welcher von den Opfern handelte. Da sprach Mose zu ihnen: Fürchtet euch nicht, wenn ihr euch mit dem Gesetze beschäftigt, so braucht ihr euch vor allen diesen (Vorschriften) nicht zu fürchten. Das steht auch geschrieben: „Dies ist die Verordnung, das Brandopfer, das Speisopfer betreffend.“ Warum werden die Friedensopfer zuletzt genannt? Weil in ihm viele Arten enthalten sind. R. Simon sagte: Weil gewöhnlich der Garonbrei blos als Nachtisch vorkommt. Warum? Weil er aus vielerlei Dingen zubereitet ist. So verhält es sich auch mit den Friedensopfern, warum werden sie zuletzt aufgeführt? Weil vielerlei Arten darin sind: Blut und Emurim (Fettstücke) für den Altar, Brust und Schenkel für die Priester, Fell und Fleisch für den Opfernden. R. Simeon sagte: Der, welcher im Glück ist, bringt Friedensopfer, der Trauernde aber bringt keine Friedensopfer. R. Simeon ben Jochai sagte: Gross ist der Friede, denn er befasst alle Segnungen in sich s. Ps. 29, n: „Der Ewige verleiht Sieg seinem Volke, der Ewige segnet sein Volk mit Frieden.“ Chiskia sagte zweierlei, zu- Par. IX. Cap. VII, 12. 59 nächst sagte er: Gross ist der Friede, denn alle Gebote sind mit ihm geschrieben, wie Ex. 23, 5: „Wenn du siehst den Esel deines Feindes“ u. s. w., das. V. 4: „So du den Ochsen deines Feindes triffst“ u. s. w. Diese Gebote hast du nur zu erfüllen, wenn sich dir eine Gelegenheit dazu darbietet, wenn sich dir aber keine Gelegenheit dazu bietet, so brauchst du sie nicht zu erfüllen, aber hier (vom Frieden) heisst es Ps. 34, 15: „Suche den Frieden und strebe ihm nach“ d. i. suche ihn an deinem Orte und laufe ihm nach an einem andern Orte (wo du ihn herstellen kannst). Chiskia hat ferner gesagt: Gross ist der Friede, denn bei allen Zügen (in der Wüste) heisst es immer s. Num. 33, 6: „Sie brachen auf und lagerten“ d. i. sie brachen auf mit Streitigkeiten und lagerten mit Streitigkeiten.*) Als sie aber vor den Berg Sinai kamen, da bildeten sie nur ein Lager, wie es heisst Ex. 19, 2: „Und es lagerte daselbst Israel.“ Es heisst nicht: i:m, es lagerten daselbst die Kinder Israels, sondern: „'m es lagerte daselbst Israel.“ Nun ist die Zeit gekommen, sprach Gott, dass ich meinen Kindern das Gesetz gebe. Bar Kapra sagte dreierlei. Zuerst sagte er: Gross ist der Friede, denn zu seiner Erhaltung spricht die Schrift Erdichtetes (Lügenhaftes). Um den Frieden zwischen Abraham und Sara zu erhalten, heisst es Gen. 18, 12: (Sara sagte:) „Nun ich alt bin, soll ich der Wollust pflegen und mein Herr ist alt,“ aber zu Abraham hat er nicht so gesagt, sondern: „Und ich bin alt?“ Bar Kapra hat ferner gesagt: Gross ist der Friede, denn die Schrift redet sogar Erdichtetes in den Propheten. Um den Frieden zwischen dem Mann und seinem Weib herzustellen, wie es heisst Jud. 13, 3: (Der Engel sagte zu Manoas Weibe): „Siehe du bist unfruchtbar und hast nicht geboren, aber du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären;“ aber zum Manne hat er nicht so gesagt, sondern das. V. 13: „Von allem, was ich dem Weibe gesagt, soll sie sich hüten“ d. i. jedenfalls muss sie Zeichen haben. Bar Kapra hat endlich noch gesagt: Gross ist der Friede! Wenn schon die Oberen (Geister), unter denen es weder Neid, noch Hass, noch Zorn, noch Streitigkeiten, noch Zwistigkeiten, noch Missgunst giebt, des Friedens bedürfen, wie es heisst Hi. 25, 2: „Er stiftet Frieden in seinen Höhen,“ um wie viel mehr bedürfen die Unteren (Geister) desselben, unter denen alle diese (schlechten) Eigenschaften vorhanden sind! R. Simeon ben Gamliel hat gesagt: Gross ist der Friede, denn die Schrift bedient sich Erdichtungen in der Thora, um den Frieden zwischen Joseph und seinen Brüdern herzustellen, wie es heisst Gen. 50, 17: „(Die Brüder sprachen: unser Vater hat uns befohlen:) So sollt ihr zu Joseph sprechen: Ach, vergieb doch das Vergehen deiner Brüder,“ und wir finden nicht, dass es Jacob ihnen befohlen hätte. R. Jose der Galiläer sagte: Gross ist der Friede, denn selbst der Krieg *) Wegen des Plurals: Sie brachen auf und sie lagerten, es hatte jeder seine Meinung. 6o Par. IX. Cap. VI, 12. wird nur mit dem Frieden eröffnet, wie es heisst Deut. 20, 10: „Wenn du dich einer Stadt nahst.so biete ihr zuerst den Frieden an.“ R. Judan bar R. Jose sagte: Gross ist der Friede, denn der Name Gottes heisst Friede s. Jud. 6, 24: „Er nannte ihn Ewiger, Friede.“ Daher ist es auch verboten, sagte R. Tanchum bar Judan, jemanden an einem schmutzigen Orte zu grüssen. R. Ismael hat gelehrt: Gross ist der Friede, denn in Bezug auf den grossen Namen, der mit Heiligkeit geschrieben worden ist, hat Gott geboten, dass er im Wasser ausgelöscht werde, um den Frieden zwischen dem Mann und seinem Weibe wieder herzustellen. R. Me'ir hielt einmal am Sabbathabend einen Vortrag.*) Ein Weib stand dort, horchte auf ihn und wartete so lange im Lehrhause, bis er den Vortrag beendigt batte. Als sie aus dem Lehrhause nach Hause kam, fand sie das Licht ausgelöscht. Wo bist du gewesen? fragte sie der Mann. Ich sass, antwortete sie, und hörte die Stimme des Darschan (Vortragenden). Komme mir nicht wieder hierher, mag es so oder so sein, versetzte der Mann, bis du dein Darschan (Vortragenden) ins Gesicht gespieen hast. Sie sass einen Sabbath, einen zweiten, einen dritten, endlich fragten sie ihre Nachbarinnen, warum sie so missgestimmt sei. Wir wollen mit dir zu dem Darschan gehen, was auch geschah. Als R. Me'ir sie im heiligen Geiste voraussah, fragte er: Ist wohl ein Weib unter euch, welche versteht, einen Geheimspruch gegen Augenschmerzen zu flüstern? Da sagten ihre Nachbarinnen zu ihr: Wenn du hingehst und ihm ins Gesicht speist, so kannst du wieder bei deinem Manne wohnen. Als sie sich nun vor ihn hinsetzte (um das Heilmittel anzuwenden), fürchtete sie sich vor ihm. Sie sprach: Rabbi, ich verstehe nicht, einen Geheimspruch gegen das Auge zu flüstern. Er sprach zu ihr: So speie mir wenigstens siebenmal ins Gesicht und ich werde schon geheilt werden. Sie that es und er sagte darauf zu ihr: Gehe nun (nach Hause) und sage deinem Manne: Du hast mir aufgetragen, ich sollte dem Darschan einmal ins Gesicht speien, ich habe es siebenmal gethan. Da sprachen seine Schüler zu ihm: Rabbi, verachtet man die Thora (Gelehrsamkeit) so? Hättest du nicht einem von uns befehlen können, dir einen Spruch zu flüstern? Er antwortete: Ist es nicht genug für Me'ir, dass er seinem Schöpfer gleicht? Denn R. Ismael hat gelehrt: Gross ist der Friede, dass Gott in Bezug auf seinen grossen Namen, der mit Heiligkeit geschrieben ist, befohlen, dass er zur Erhaltung des Friedens zwischen dem Manne und seinem Weibe im Wasser ausgelöscht werde. R. Simeon bar Chalaphtha sagte: Gross ist der Friede, denn als Gott seine Welt erschuf, machte er Frieden zwischen den Oberen und Unteren (Wesen). Am ersten Tage erschuf er etwas von den Oberen und von den Unteren (Dingen), wie es heisst Gen. 1, 1: „Im Anfang schuf Gott den Himmel und. *) Zu dieser Erzählung vgl. Jerusch. Sota I, l 6 ä unten. Par. IX. Cap. VH, 12. Par. X. Cap. VIII, I. 6l die Erde;“ am zweiten Tage schuf er von den Oberen s. das. V. 6: „Und Gott sprach: es werde eine Veste;“ am dritten Tage schuf er von den Unteren s. das. V. 9: „Und Gott sprach: es sammeln sich die Gewässer;“ am vierten Tage schuf er von den Oberen s. das. V. 14: „Es seien Lichter an der Veste des Himmels;“ am fünften Tage schuf er von den Unteren s. das. V. 20: „Und es sprach Gott: die Wasser sollen wimmeln;“ am sechsten Tage kam er zur Erschaffung des Menschen. Da sprach er: Erschaffe ich ihn von den Oberen, siehe, so bilden diese die Mehrzahl, sie sind vor den Unteren um ein Geschöpf mehr; erschaffe ich ihn dagegen von den Unteren, siehe, so sind diese wieder in der Mehrzahl und gegen die Oberen um ein Geschöpf mehr. Was that er? Er schuf ihn von den Oberen und von den Unteren, wie es heisst das. 2,7: „Und es bildete der Ewige Gott den Menschen aus Staub von dem Lande“ d. i. von den Unteren, „und blies in seine JSfase Lebensodem“ d. i. von den Oberen. R. Mani von Schaab und R. Josua von Sichnin sagten im Namen des R. Levi: Gross ist der Friede, denn alle Segnungen, Güter, Tröstungen, die Gott über die Israeliten bringt, schliessen mit Frieden, das Krischma schliesst mit Frieden*), das tägliche Gebet schliesst mit Frieden**), im Priestersegen heisst es Num. 6, 26: „Er gebe dir Frieden.“ Aber das ist nur bei den Segnungen der Fall, woher lässt es sich auch bei den Opfern beweisen? Weil bei ihnen immer das Wort: mm angewandt ist, wie es heisst: Das ist die Thora für das Ganz-, Speis-, Sünd-, Schuld-, Amtantritts- und Friedensopfer. Doch das gilt nur im Allgemeinen von der Gesammtheit der Opfer; woher lässt sich beweisen, dass es auch im Einzelnen (bei dem einzelnen Opfer) der Fall ist? Weil es heisst: Das ist die Thora (Verordnung) für das Ganz-, Speis-, Sünd-, Schuld- und Friedensopfer. Doch das ist nur bei den Opfern eines Einzelnen der Fall, woher lässt sich beweisen, dass es auch von den Opfern der Gesammtheit gilt? Weil es heisst das. 29,39: „Diese Opfer sollt ihr dem Ewigen opfern an euren Festen“ und es schliesst mit Friedensopfern. Doch das gilt nur in dieser Welt: woher lässt sich beweisen, dass es auch in jener Welt so sein wird? Aus Jes. 66, 12: „Siehe, ich leite zu ihr wie einen Strom den Frieden.“ Die Rabbinen sagen: Gross ist der Friede, denn der König Messias wird nur mit dem Frieden beginnen, wie es heisst Jes. 52, 7: „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füsse des Heilsboten, der Frieden verkündigt.“ Parascha X. Cap. VIII, V. 1. Nimm Aaron und seine Söhne u. s. w. In Verbindung mit Ps. 45, 8: „Du liebest Gerechtigkeit, hassest *) Der du ausbreitest die Friedenshiitte. **) Er macht Frieden in seinen Höhen, er erhalte auch uns den-Frieden. 62 Par. X. Cap. VIII, x. Unrecht.“ Diesen Vers legte R. Judan im Namen des R. Asarja auf unsern Vater Abraham aus, als er für die Sodomiten um Erbarmen betete. Er sprach nämlich vor Gott: Herr der Welt! du hast geschworen, dass du nie wieder eine Fluth in die Welt bringen willst, wie es heisst Jes. 54, 9: „Wie bei den Gewässern Noachs soll es jetzt sein“ u. s. w. Denkst du vielleicht, eine Wasserfluth willst du nicht bringen, aber eine Feuerfluth willst du bringen und willst du so den Schwur umgehen? Nein, du kommst aus dem Schwur nicht heraus. So heisst es Gen. 18,25: „Fern sei dir, so etwas zu thun.“ Er sprach vor ihm: Fern sei dir, dass der Richter der ganzen Erde nicht das Recht ausüben sollte. Wenn du das Recht suchst, so kann die Welt nicht bestehen, wenn du aber die Welt suchst (sie erhalten willst), so kann das Recht nicht bestehen. Du willst den Strick an beiden Enden erfassen; du willst deine Welt und du willst auch das wahre Recht; wenn du nicht ein wenig von dem Rechte fahren lässest, so kann deine Welt nicht bestehen. Darauf sagte Gott zu Abraham Ps. 45, 8: „Du liebest Gerechtigkeit, hassest Unrecht“ d. i. du liebst meine Geschöpfe zu rechtfertigen und hassest es, sie für schuldig erklären zu lassen. „Darum hat Gott, dein Gott dich gesalbt mit Wonneöl vor deinen Genossen.“ Was heisst das: „Vor deinen Genossen?“ Er sprach: Bei deinem Leben! von den zehn Geschlechtern von Noach bis auf dich habe ich mit keinem von ihnen als nur mit dir gesprochen, wie es heisst Gen. 12, 1: „Und der Ewige sprach zu Abram: Gehe aus deinem Lande und aus deiner Pleimath.“ R. Asarja im Namen des R. Jehuda bar Simon legte den obigen Vers auf Jesaia aus. Dieser sprach: Ich lustwandelte in meinem Lehrhause und hörte da die Stimme Gottes rufen mit den Worten Jes. 6, 8: „Wen soll ich senden? wer wird unser Bote sein?“ Ich sandte Micha und sie gaben ihm Backenstreiche s. Mich. 4, 14: „Mit der Ruthe schlagen sie den Backen des Richters von Israel;“ ich sandte Amos und sie nannten ihn einen ipellog, Stammler; denn R. Pinchas hat gesagt: Warum hiess er: 01731 '? Weil er schwerfällig mit seiner Zunge war (eig. weil er mit seiner Zunge gedrückt war). Wen soll ich nun schicken und wer soll uns gehen? Jesaia sprach: Hier bin ich, sende mich. Jesaia, sprach Gott, meine Kinder belästigen, sie sind widerspenstig. Wenn du es auf dich nimmst, dich von meinen Kindern schmähen und misshandeln zu lassen, so gehe in meiner Sendung, wo nicht, unterlasse es (eig. so gehe nicht in meiner Sendung). Und Jesaia sprach: Auf diese Bedingung hin gehe ich s. Jes. 50, 6: „Ich bot .meinen Rücken dem Schlagenden dar und meine Wange dem Raufenden“ und ich verdiene es nicht, in der Sendung zu deinen Kindern zu gehen. Darauf sprach Gott: Jesaia! „du liebest Gerechtigkeit,“ d. i. du liebest meine Kinder zu rechtfertigen „und hassest das Unrecht“ d. i. denn du hassest es, sie für schuldig zu erklären; „darum salbt dich Gott, dein Gott vor deinen Genossen.“ Was heisst das: Par. X. Cap. VIII, r. 63 Vor deinen Genossen? Er sprach: Bei deinem Leben! alle Propheten haben ihre Prophetien, ein Prophet vom andern, empfangen s. Num. -11, 25: „Und er nahm von dem Geiste, der auf ihm war“ und 2. Reg. 2, 16: „Und sie sprachen: Der Geist Elias ruht auf Elisa;“ du erhältst aber die Prophetie aus dem Munde Gottes s. Jes. 61, 1: „Der Geist des Ewigen ruht auf mir, denn mich salbte der Ewige.“ Bei deinem Leben! alle Propheten haben nur einfache Prophetien gebraucht, du wirst aber die Tröstungen verdoppeln z. B. das. 51, 9: „Wache auf, wache auf!“ Das. V. 17: „Ermuntre dich! ermuntre dich!“ Das. 61, 10: „Freuend freue ich mich im Ewigen (iS'icN iaite).“ Das. 51, 12: „Ich, ich bins, der euch tröstet;“ das. 40, 1: „Tröstet, tröstet mein Volk.“ R. Be- rachja im Namen des R. Abba bar Kahana legte den Psalmvers auf Aaron aus. Als nämlich die Kinder Israels jene (schändliche) That begangen hatten, gingen sie zuerst zu Chur und sprachen zu ihm Ex. 32, 1: „Auf! mache uns einen Gott.“ Und als er ihnen nicht Folge leistete, machten sie sich über ihn her und erschlugen ihn. So heisst es Jerem. 2, 34: „Selbst an deinen Flügeln (den Zipfeln deiner Kleider) wird Blut gefunden.“ Das ist das Blut Churs s. das.: „Nicht beim Einbrüche hast du sie betroffen, aber demungeachtet.“ Dann gingen sie zu Aaron mit derselben Aufforderung Ex. 32, 1: „Auf! sprachen sie, mache uns einen Gott.“ Als Aaron den Vorfall in Erfahrung brachte, gerieth er in Furcht s. Ex. 32, 5: „Aaron fürchtete sich sehr*) und baute einen Altar vor ihm“ d. i. er fürchtete sich vor dem Geschlachteten (vor Chur) vor ihm. Was soll ich thun, dachte Aaron, siehe, sie haben den Chur, der doch ein Prophet war, erschlagen, wenn sie jetzt mich erschlagen, der ich Priester bin, so kann leicht in Erfüllung gehen, was über sie geschrieben steht Thren. 2, 20: „Wenn im Heilig- thume des Ewigen Priester und Prophet erschlagen werden;“ da werden sie sogleich auswandern. Oder: „Aaron sah.“ Was sah er? Er sah: Wenn sie ihn (den Altar) bauen, so bringt der eine ein Bündel, der andere einen Stein und so wird ihr Werk mit einem Male fertig; wenn ich ihn aber baue, so werde ich ganz lässig in meiner Arbeit sein, unterdessen kommt unser Lehrer Mose herab und beseitigt den Götzendienst und ausserdem, wenn ich ihn baue, so baue ich ihn im Namen Gottes (Gott zur Ehre). Das steht auch geschrieben Ex. 32,5: „Aaron rief und sprach: Ein Fest des Ewigen ist morgen.“ Es heisst nicht: ein Fest des Kalbes ist morgen, sondern: ein Fest des Ewigen ist morgen. Oder: „Aaron sah.“ Was sah er? Aaron sprach: Wenn sie ihn bauen, so kommt die Sünde (Schuld) auf sie, ich will lieber, dass die Sünde (Schuld) mich, als dass sie Israel trifft (eig. so wird die Sünde an sie gehängt, ich will lieber, dass die Sünde an mich und nicht an Israel gehängt wird). Gleich einem Königssohne, führt R. Abba bar Judan im *) So liest der Midrasch. 64 Par. X. Cap Vlir, i. Namen des R. Abba als Beispiel an, der sich überhob, nach dem Schwerte griff, um seinen Vater zu durchbohren. Bemühe dich nicht selbst, sprach sein Erzieher zu ihm, gieb mir das Schwert, ich will ihn (den König) durchbohren. Der König blickte auf ihn herab und sprach zu dem Erzieher: Ich weiss, wohin deine Absicht ging, du dachtest, die Schuld sollte lieber dich als meinen Sohn treffen (an dich, als an meinen Sohn gehängt werden). Bei deinem Leben! du sollst aus meinem Palaste nicht weichen und das Uebrige von meinem Tische essen. Vierundzwanzig Gaben sollst du nehmen, aus meinem Palaste sollst du nicht weichen und aus dem Heiligthume nicht herausgehen und das Uebrige sollst du von meinem Tische essen, und die Ueberreste der Speisopfer. Vierundzwanzig Gaben sollst du nehmen d. s. die vierundzwanzig Priestergaben, welche dem Aaron und seinen Söhnen entrichtet wurden. Gott sprach zu Aaron: „Du liebst Gerechtigkeit“ d. i. du liebst meine Kinder zu rechtfertigen und hassest (vermeidest) es, sie für schuldig zu erklären, „darum salbt dich Gott, dein Gott.“ Gott sprach zu ihm: Bei deinem Leben! von allen im Stamme Levi sollst du nur für die Hohepriesterwürde erwählt werden s. Lev. 8, 2: „Nimm Aaron und seine Söhne mit dir.“ Oder: „Nimm Aaron und seine Söhne mit dir.“ Das steht auch Spr. 24, 11: „Rette die, welche genommen sind zum Tode,, und denen, die zum Würgen hinwanken, entziehe dich nicht.“ An- toninus kam einmal zu unserm Rabbi und fand ihn sitzend und seine Schüler vor ihm. Sind das diejenigen, sprach er zu ihm, von denen du so rühmend sprichst (mit denen du dich gross machst)? Ja,, antwortete Rabbi, der kleinste von ihnen kann Todte ins Leben rufen. Nach einiger Zeit war ein Diener von Antoninus dem Tode nahe. Er liess dem Rabbi sagen: Sende mir einen von deinen Schülern, welcher mir diesen Todten (Todtkranken) belebt. Er sandte ihm einen von seinen Schülern, wie manche sagen, war es R. Simeon bar Chalaphtha, er ging dahin und fand den Kranken liegend. Was liegst du da? sprach er zu ihm, und dein Herr steht auf seinen Füssen? Er ermannte sich (eig. er wurde erschüttert) und stand auf. Oder: „Rette die, welche genommen sind zum Tode.“ Darunter sind die Söhne Aarons zu verstehen; „und denen, die zum Würgen hinwanken, entziehe dich nicht“ d. s. die Söhne Aarons, welche schon dem Tode nahe (eig. an der Seite des Todes) waren. R. Chanin sagte: Es steht geschrieben Ex. 32, 4: „Er (Aaron) nahm sie aus ihren Händen und bildete es mit einem Meisel.“ So komme dieses Nehmen (nrppb) hier und sühne das Nehmen, was dort steht. Es starben (ihm) zwei Söhne und zwei blieben übrig. „Nimm Aaron und seine Söhne.“ R. Jehuda und R. Josua ben Levi. R. Jehuda sagte: Die Busse bewirkt nur die Hälfte, das Gebet aber bewirkt alles. R. Josua ben Levi sagte dagegen:. Par. X. Cap. VIII, I. 65 Die Busse bewirkt alles, das Gebet aber bewirkt nur die Hälfte. Das, was R. Jehuda bar Rabbi gesagt hat, nämlich dass die Busse die Hälfte bewirke, von wem kannst das lernen? Von Kain, über welchen ein schweres Verhängniss verhängt war, als er aber Busse that, wurde das Verhängniss bis auf die Hälfte von ihm genommen. Und woher lässt sich beweisen, dass Kain Busse gethan? Weil es heisst Gen. 4, 13: „Und Kain sprach zum Ewigen: Meine Sünde ist zu gross, um sie zu ertragen.“ Und woher lässt sich beweisen, dass die Hälfte des Verhängnisses ihm erlassen wurde? Weil es heisst das. V. 16: „Und Kain ging vom Ewigen hinweg und wohnte im Lande Nod (“nt) östlich von Eden. Es heisst hier nicht: Du sollst sein unstät und flüchtig, sondern: ■ps 1 nnip m: ypisa, ’ m Lande Nod östlich von Eden (das war also in Wegfall gekommen). Oder: „Kain ging hinweg.“ Wohin ging er? R. Judan im Namen des R. Eibu sagte: Er warf seine Kleider hinter sich und ging hinweg wie einer, welcher das höhere Wissen stiehlt (täuscht). R. Berachja im Namen des R. Hai bar Simeon sagte: Er ging hinweg wie ein Listiger und Betrüger gegen seinen Schöpfer. R. Huna im Namen des R. Chanina bar Jizchak sagte: Er ging fröhlich hinweg, wie es heisst Ex. 4, 14: „Und siehe, auch er geht dir entgegen und wenn er dich sieht, wird er sich freuen.“*) Als er hinwegging, da begegnete ihm Adam (der erste Mensch). Dieser fragte ihn: Was wirst du mit deinem (über dich gesprochenen) Urtheile machen? Er antwortete: Ich habe Busse gethan und meine Sache ist erledigt. Als Adam das hörte, schlug er sich ins Gesicht (vor Verwunderung) und sprach: Das habe ich nicht gewusst, dass die Kraft der Busse so gross ist. In diesem Augenblicke sprach Adam Ps. 92, 1: „Psalm auf den Tag der Ruhe.“ R. Levi sagte: Diesen Psalm hat Adam verfasst (gesagt). Nach der Meinung des R. Jehuda bar Rabbi, welcher gesagt hat: Das Gebet vermag alles — von wem kannst du das lernen? Von Chiskia. Seine Regierung sollte eigentlich nur vierzehn Jahre dauern, wie es heisst Jes. 36, 1: „Und es geschah im vierzehnten Jahre des Königs Chiskia;“ allein als er betete, wurden ihm noch fünfzehn Jahre zugesetzt, wie es heisst das. 38, 5: „Siehe, ich setze zu deinen Tagen noch fünfzehn Jahre hinzu.“ Nach der Meinung des R. Josua ben Levi, welcher gesagt hat: Die Busse vermag alles — von wem kannst du das lernen? Von den Leuten von Anathoth, wie es heisst Jerem. 11,22: „So spricht der Ewige: Die Jünglinge sollen durchs Schwert sterben.“ Und als sie Busse gethan hatten, waren sie so glücklich, berühmt zu werden, wie es heisst Nechem. 7, 27: „Die Leute von Anathot, hundertundachtundzwanzig.“ Sind dir die Leute von Anathoth noch nicht Beweis genug (eig. kannst du es von den *) Der Midrasch folgert das fröhliche Weggehen Kains vom Ewigen aus dem Worte NX’, was bei ihm und bei Aaron steht. Wünsche, Midrasch Wajikra. 5 66 Par. X. Cap. VIII, i. Leuten von Anathoth noch nicht lernen), so kannst du es von Je- chonja lernen s. Jerem. 22, 28: „Ist denn ein verachtet, zerbrochen Gefäss dieser Mann Chonja?“ R. Abba bar Kahana sagte: Wie dieses Bein (aSti'S für aisj'M lesend) des Gehirns, wenn es zerbrochen ist (oder das Mark entleert), so ist nichts mehr darin. R. Chelbo sagte: Wie dieser Korb mit Datteln, wenn du ihn ausschüttest, so ist nichts mehr darin. „Ist er ein Geräth, an dem kein Wohlgefallen ist?“ R. Chama bar Chanina sagte: Gleich dem Nachtgeschirr (Krug des Fusswassers), R. Samuel bar Nechemja sagte: Gleich dem Becken der Aderlasser. R. Sera sagte: Ich habe ein Wort von R. Samuel bar R. Jizchak gehört, welcher es erklärt hat, aber ich verstehe es nicht (ich weiss nicht, was es ist). Darauf sagte R. Acha: Vielleicht ist es dies: Es heisst das. 22, 30: „So spricht der Ewige: Schreibet diesen Mann für einen kinderlosen Mann auf, für einen Mann, dem es sein Lebenlang nicht gelingt.“ Er sprach zu ihm: Ja wohl! (er hat so erklärt), in seinen Tagen wird es ihm zwar nicht glücken, aber in den Tagen seines Sohnes wird es ihm glücken. R. Acha und R. Abin bar Benjamin sagten im Namen des R. Abba: Gross ist die Kraft der Busse, denn sie hebt Verhängniss und Schwur auf; in Bezug auf den Schwur heisst es Jerem. 22, 24: „Sowahr ich lebe, spricht der Ewige, wäre auch Chonja, der Sohn Jehojachims“ u. s. w., und in Bezug auf das Verhängniss s. das. V. 30: „So spricht der Ewige: Schreibt diesen Mann als kinderlos auf.“ 1. Chron. 3, 17 heisst es: „Die Kinder Jechonjas sind Assir und Schealthiel, sein Sohn.“ Assir (“von) hiess er, weil er eingesperrt war (*Pön) im Gefängniss und Schealthiel (btmbNU:), weil von ihm die Königswürde des davidischen Hauses fortgepflanzt wurde (nbrizhii). R. Tanchum bar R. Jeremja sagte: Assir ist Gott, weil er sich durch einen Schwur gebunden hat (“löNC) und Schealthiel, weil er sich selbst das Gelübde von dem ■höheren Gerichtshöfe lösen liess (b? fibi'M bili 15 '" M'Sb btt bsiöia i'nt). Nach der Meinung des R. Josua ben Levi aber, welcher gesagt hat, dass das Gebet nur die Hälfte bewirke, — von wem kannst du das lernen? Von Aaron, über welchen im Anfänge ein schweres Verhängniss beschlossen war, wie es heisst 9, 20: „Und über Aaron zürnte der Ewige sehr, um ihn zu vertilgen.“ R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagte: Es giebt keine Vertilgung ausser das Vernichten (Aufreiben) der Kinder, wie es heisst Am. 2, 9: „Und ich tilge seine Frucht von oben und seine Wurzel von unten.“ Als aber Mose betete, wurde die Hälfte des Verhängnisses von ihm genommen, denn es starben nur zwei und zwei blieben übrig (blieben am Leben). Das wird nun hier gesagt Lev. 8, 2: „Nimm Aaron und seine Söhne mit ihm.“ Und die Kleider. R. Simon sagte: Sowie die Opfer versöhnen, so versöhnen auch die Kleider, denn es ist gelehrt worden: Der Hohepriester amtirt in acht Kleidern und der gewöhnliche Priester in vier, nämlich in Unterkleid, Beinkleidern, Turban und t £ Par. X. Cap. VIII, i. 67 Gurt. Aber der Hohepriester hat noch Brustschild, Ephod, Oberkleid und Stirnblech. Das Unterkleid dient zur Sühne derer, welche Gemischtes (Zwirn und Wolle) tragen, wie es heisst Gen. 37, 3: „Und er machte ihm einen Aermelrock;“ die Beinkleider dienen zur Sühne der Ausschweifung, wie es heisst Ex. 28, 42: „Mache ihm Beinkleider von Linnen, um die Scham zu bedecken;“ der Turban dient zur Sühne des Ho'chmuthes, wie es heisst das. 29, 6: „Und setze den Kopfbund auf sein Haupt;“ der Gurt dient nach dem einem zur Sühne des Tückischen (Hinterlistigen), nach dem anderen zur Sühne der Diebe. Dieser Gurt hatte nach R. Levi 32 Ellen Länge und hatte vorn und hinten einen Knoten. Das passt für den, welcher sagt, dass der Gurt zur Sühne für die Tückischen dient. Wer aber sagt, dass der Gurt zur Sühne der Diebe dient (hat das für sich), weil der Gurt hohl war, entsprechend den Dieben, die ihr Werk im Verborgenen ausüben. Das Brustschild dient zur Sühne der Rechtsverdreher (der parteiischen Richter), wie es heisst Ex. 28, 30: „Du sollst auf das Schild des Ur- theils geben“ u. s. w. Der Ephod dient zur Sühne der Götzendiener, wie es heisst Hos. 3, 4: „Ohne Schulterkleid und Teraphim.“ R. Simon sagte im Namen des R. Nathan: Zwei Dinge haben keine Sühne, das Gesetz hat ihnen aber eine gegeben, 1) die Verleumdung und 2) unvorsätzlicher Todtschlag. Die Verleumdung hat keine Sühne, das Gesetz hat ihr aber eine gegeben. Wodurch wird sie gesühnt? Durch die Schellen am Oberkleide, wie es heisst Ex. 28, 34: „Eine Schelle von Gold und ein Granatapfel, eine Schelle von Gold und ein Granatapfel . . . und Aaron soll es an- haben beim Dienste, dass sein Schall gehört werde.“ So komme nun diese Stimme (der Laut) und sühne jene Stimme. Und der unvorsätzliche Todtschlag hat auch keine Sühne, das Gesetz hat ihm aber eine gegeben. Wodurch wird er gesühnt? Durch den Tod des Hohenpriesters, wie es heisst Num. 35,28: „Nach dem Tode des Hohenpriesters mag der Todschläger zurückkehren in das Land seines Eigenthums.“ Das Stirnblech sühnte nach der Ansicht des einen die Frechen, nach der Ansicht des anderen die Lästerer. Wer da sagt, dass es die Frechen sühne, kann es entnehmen von den Töchtern Zions, denn Ex. 28, 38 heisst es: „Es soll auf der Stirn Aarons sein,“ und Jerem. 3, 3 heisst es: „Du hast die Stirn einer Buhlerin und willst dich nicht schämen.“ Der aber, welcher sagt, es sühne die Lästerer, kann es an Goliath sehen. Vom Stirnblech heisst es das.: „Es soll stets an seiner Stirn sein,“ und 1. Sam. 16, 49 heisst es: „Der Stein (den David nach Goliath geworfen) fuhr in seine Stirn und er fiel auf sein Angesicht zur Erde.“ Warum fiel er auf sein Gesicht? Zuerst lässt sich annehmen, damit der Gerechte (David) nicht sechs Ellen und eine Spanne bemüht werde. Oder: Warum fiel er auf sein Gesicht? Wegen seines Gottes Dagon, der sich auf seinem Herzen befand, wie es heisst Lev. 26, 30: „Und ich werfe eure Leichname auf die Trümmer 5 * ..Ml 1 68 Par. X. Cap. VIII, 3. eurer Götzen.“ Oder: Warum fiel er auf sein Gesicht? Weil der Mund, der gelästert und geschmäht hatte, Staub lecken sollte vergl. Hi. 40, 8: „Versenke sie in Staub allzumal, ihr Angesicht verschliess in Dunkel.“ Oder: Warum fiel er auf sein Gesicht? Weil es heisst Deut. 33, 29: „Deine Feinde werden dir schmeicheln und du wirst auf ihren Höhen einhertreten.“ Und das Salböl. Das Salböl, das Mose in der Wüste gemacht hat, erklärt R. Jehuda bar Ilai, ist gleich von Anfang bis zu Ende ein Wunderwerk gewesen. Es waren dazu anfangs nicht mehr als 12 Log*) genommen, wie es heisst: „Heiliges Salböl soll das (n"t = 12) sein.“ Sollte das Holz damit erweicht werden? Dazu reichte es doch nicht aus, denn wieviel verzehrte nicht das Feuer, wieviel verschlang nicht das Holz, wieviel verschlang der Kessel? Und davon sollten doch auch Aaron und seine Söhne an den sieben Weihetagen gesalbt werden, und ebenso sollte auch der goldene Altar und alle seine Geräthschaften (und sein Zubehör) gesalbt werden, nicht minder der kupferne Altar und alle seine Geräthschaften und der Tisch und alle seine Geräthschaften und der Leuchter und alle seine Geräthschaften, das Becken und sein Gestelle und davon sind auch später noch die Hohenpriester und die Könige bis in das zehnte Geschlecht gesalbt worden, nur Königssöhne wurden nicht gesalbt. Warum ist denn Salomo gesalbt worden? Wegen Adonia. Und Joasch? Wegen Athalja. Und Jehoachas? Wegen seines Bruders Jehojachim, der zwei Jahre älter war' als er, und das übrige ist für die Zukunft geblieben, wie es heisst Ex. 30, 25: „Heiliges Salböl soll das mir sein.“ Die Könige wurden nur an einer Quelle gesalbt, wie es heisst 1. Reg. 1, 33: „Der König sprach zu ihnen: Nehmt mit euch die Knechte eures Herrn und lasset meinen Sohn Salomo auf meinem Maulthier reiten und führt ihn hinab zum Gichon.“ Und dann wurden die Könige nur (mit dem Oel) aus dem Horn gesalbt, Saul und Jehu aber wurden mit dem Oel aus einem Kruge gesalbt, um damit anzuzeigen, dass ihre Regierung eine vorübergehende sein werde, dagegen David und Salomo wurden mit dem Oel aus dem Horn gesalbt, weil ihre Herrschaft eine dauernde (ewige) sein sollte. Und den Stier des Sündopfers und die zwei Widder. R. Huna im Namen des R. Abba bar Kahana sagte: Er machte wie eine Art Hügel (d. i. er ordnete die Opferthiere hügelartig), den einen Widder von der einen und den andern Widder von der andern Seite und den Stier in der Mitte. V. 3. Und es versammle die ganze Gemeinde sich vor dem Eingang des Versammlungszeltes. (Wie ist das möglich?) R. Eleasar sagte: Die Israeliten zählten damals 600,000 und du sagst, (sie^ sollen) an der Thür des Versammlungszeltes (zusammen- *) Ein kleines Mass, der zwölfte Theil eines Hin. Par. X. Cap. VIII, 3. 69 kommen)? Allein es war das einer von den Oertern, wo das Wenige viel fasste. So heisst es auch in Bezug auf die Schöpfungsgeschichte Gen. 1, 9: „Die Gewässer unter dem Himmel sollen sich an einem Orte sammeln.“ Gewöhnlich leert der Mensch ein volles Gefäss in ein leeres aus, oder vielleicht etwa ein volles in ein volles? Die ganze Welt ist mit Wasser gefüllt (eig. Wasser in Wasser) und du sagst: Die Wasser sollen sich an einem Orte versammeln? Allein es war das einer von den Oertern, wo das Wenige viel fasste. So heisst es Ex. 9, 8: „Nehmt euch eure Fäuste voll Ofenruss.“ Nicht gleicht der, sagte R. Huna, welcher die Manipulation der flö’Sn vollzieht, demjenigen, der die der vollzieht, denn jener muss es zweimal, dieser muss es viermal thun. Seine Fäuste fassten acht volle Hände (■p 5 £ 73 lp). Wir finden, dass die eine Faust des Mose soviel wie acht volle Hände fasste. Allein daraus geht hervor, dass Gott darreichte, Aaron es mit seiner Faust nahm und Mose es streute. Und du sagst das. V. 10: „Mose streute ihn gen Himmel auf einmal.“ Allein das ist auch einer von den Oertern, von wo das Wenige viel gefasst hat. So auch Ex. 27, 9: „Die Länge des Vorhofes soll hundert Ellen lang und die Breite fünfzig Ellen sein.“ R. Jose bar Chalaphtha sagte: Die Länge des Vorhofes betrug nur hundert Ellen und alle Israeliten sollten in seiner Mitte stehen? Allein das war auch einer von den Oertern, wo das Wenige viel fasste. Es heisst Num. 20, 10: „Und es versammelte Mose und Aaron die Gemeinde vor dem Felsen.“ R. Chanin sagte: Der Boden war wie eine Art Sieb und alle Israeliten sollten darauf stehen können? Allein das war auch einer von den Oertern, wo das Wenige viel fasste. Es heisst Jos. 3, 9: „Josua sprach zu den Kindern Israels: Tretet herzu!“ R. Huna sagte: Er stellte sie zwischen den beiden Stangen der Bundeslade auf. R. Chama bar Chanina sagte: Er stellte sie zwischen die beiden Stangen der Bundeslade. Rabba sagte: Er drängte (presste) sie zwischen die beiden Stangen der Bundeslade, wie es heisst das. V. 10: „Josua sprach: Daran sollt ihr erkennen, dass ein lebendiger Gott in eurer Mitte ist.“ Er sprach nämlich zu ihnen: Daraus, dass euch der Raum zwischen den beiden Stangen der Bundeslade gefasst hat, erkenne ich, dass seine Schechina unter euch ist. Auch im Tempel hat es sich so verhalten, denn es ist gelehrt worden: Die Leute standen aufrecht und bückten sich bequem. (Wie ist das möglich?) R. Samuel bar lbo im Namen des R. Acha sagte: Zwischen jedem Einzelnen musste doch ein Zwischenraum von vier Ellen nach jeder Seite hin sein, damit nicht einer von ihnen das hörte, was der andere betete. Und so wird es auch einst wieder sein, wie Jerem. .3, 17 sagt: „In jener Zeit wird man Jerusalem den Thron Gottes nennen und alle Völker werden sich zu ihr versammeln.“ R. Jo- chanan ging zur Begrüssung des R. Chanina hinauf und fand ihn beschäftigt mit jenem Verse: „In jener Zeit wird man Jerusalem •den Thron Gottes nennen und alle Völker werden sich zu ihr ver- 70 Par. XI. Cap. IX, I. sammeln.“ Er fragte ihn: Kann denn die Stadt so viele fassen? Er erhielt zur Antwort: Lass nur nicht das ausser Acht, was Jes. 54, 2 sagt: „Erweitere den Raum deines Zeltes;“ ferner das. 4, 3: „Denn zur Rechten und zur Linken sollst du dich ausbreiten.“ ■’S-'Mia no Parascha XI. Cap. IX, V. 1. Es war am achten Tage. R. Ahaba bar Kahana begann mit Anknüpfung an Prov. 9, 1: ,,Die Weisheit hat sich ihr Haus gebaut;“ das. V. 2: „Sie schlachtet ihr Schlachtvieh;“ das. V. 3: „Und sendet ihre Dirnen aus, ausrufend: Wer ein Thor, der kehre hier ein!“ R. Jeremja bar Hai legte diesen Vers auf die Weltschöpfung aus: „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut“ d. i. Gott, von dem es heisst das. 3, 19: „Mit Weisheit hat der Ewige die Erde gegründet.“ „Sie hat ihre sieben Säulen errichtet,“ das sind die sieben Schöpfungstage, wie es heisst Ex. 20, 11: „Denn in sechs Tagen hat der Ewige Himmel und Erde gemacht“ vergl. Gen. 2, 3: „Und es segnete Gott den siebenten Tag.“ „Sie schlachtet Schlachtvieh.“ „Und Gott sprach: die Erde lasse sprossen“ (Gen. i, 11). „Mischt ihren Wein,“ und Gott sprach: Die Gewässer sollen sich versammeln (Gen. I, 9). „Hat auch ihren Tisch angerichtet.“ Und Gott sprach: „Die Erde lasse grünen — grünes Kraut, das Samen trägt“ (Gen. 1,11). „Sie sendet ihre Dirnen aus.“ Das ist Adam und Eva. „Auf den Rücken der Höhen der Stadt,“ weil sie Gott fliegen liess (sie erhob) und sie göttliche Wesen nannte, wie es heisst: „Ihr werdet wie Götter sein.“ Nach diesem Lobe spricht die Weisheit: „Wer ein Thor ist, der kehre hier ein,“ d. i. sie gaben Gottes Rath (Meinung) auf und folgten (gingen hinter) dem Rathe (der Meinung) der Schlange. Darum spricht auch die Weisheit zu dem Verstandlosen das. 3, 19: „Von Staub bist du und zum Staub wirst du zurückkehren.“ R. Jona deutete im Namen des R. Abba bar Jeremja obigen Vers auf Gog in der Zukunft. „Die Weisheit baut auf ihr Haus“ d. i. der Tempel, wie es heisst Prov. 24, 3: „Mit Weisheit wird das Haus gebaut!“ „und hat ihre sieben Säulen errichtet“ d. s. die sieben Jahre Gogs, denn R. Jona hat im Namen des R. Abba bar Kahana gesagt: Während dieser sieben Jahre schleifen sie die Griffe der Schwerter, der Lanzen und Messer s. Ezech. 39, 9: „Und es ziehen aus die Bewohner der Städte Israels und verbrennen und zünden an Waffen und Schilde und Tartschen und Bogen und Pfeile, Fauststangen und Speere und sie werden sie verbrennen mit Feuer sieben Jahre.“ Und jene sieben Jahre sind die Hochzeitsgeschenke (Schätzungen) der Frommen in der Zukunft und das Zeichen ist: Wer die Hochzeitsgeschenke macht, der nimmt auch mit an dem Par. XI. Cap. IX, 1. 71 Hochzeitsmahle Theil.*) „Sie schlachtet ihr Schlachtvieh“ s. Ezech. 39, 18: „Das Fleisch der Helden sollt ihr essen;“ „mischt ihren Wein“ s. Ezech. das.: „Das Blut der Fürsten des Landes sollt ihr trinken; „richtet ihren Tisch an“ s. Ezech. 39, 20: „Ihr werdet euch an meinem Tische sättigen mit Rossen und Reitern.“ „Sie sendet ihre Dirnen aus“ d. i. Ezechiel, denn es heisst Ezech. 39, 17: „So spricht der Ewige, Gott: Sage den Vögeln, allem Geflügel und zu allen Thieren des Feldes.“ Bar Kapra legte den Vers auf die Thora aus.“ Die Weisheit hat ihr Haus gebaut“ d. i. die Thora, wie es heisst Prov. 2, 6: „Denn der Ewige giebt Weisheit,“ und das. 8: „Der Ewige hat mich eingesetzt als das Erste seines Werkes;“ „und sie hat ihre sieben Säulen errichtet“ d. s. die sieben Bücher der Thora. Sind es denn aber nicht nur fünf? Allein Bar Kapra macht von 'Hn-pi bis Num. 10, 35: „Und es geschah, wenn die Lade aufbrach“ ein besonderes Buch, und von ‘’m bis das, V. 36 nrWi, und wenn sie ruhte, auch ein besonderes Buch, und von da bis zu Ende auch ein besonderes Buch, siehe das sind sieben. „Sie schlachtet ihr Schlachtvieh“ d. s. die Strafbestimmungen; „mischt ihren Wein“ d. s. die Schlüsse vom Leichteren auf das Schwerere (de minore ad majus); „hat auch den Tisch angerichtet“ d. s. die Schatzungen; „sendet ihre Dirnen aus“ d. s. die Israeliten, „auf den Rücken der Höhen der Stadt,“ weil sie Gott fliegen Hess (erhoben) und sie Götter genannt hat, wie es heisst Ps. 82, 6: „Ich sprach: ihr seid Götter.“ Nach all diesem Lobe spricht sie Prov. 9, 4: „Wer ein Thor ist, kehre hier ein.“ Das sind diejenigen, die ihre Meinung an Gott aufgaben und zum Kalbe sprachen, Ex. 32, 4: „Das ist dein Gott, Israel!“ Darum spricht die Weisheit zum Verstandlosen Ps. 82, 7: „Doch wie Menschen sollt ihr sterben.“ R. Abba bar Kahana legte den Vers auf das Versammlungszelt aus. „Die Weisheit baut sich ihr Haus“ d. i. Bezaleel, von dem es heisst Ex. 31,3: „Ich fülle ihn mit dem Geiste Gottes;“ „und sie hat ihre sieben Säulen errichtet“ d. s. die sieben Weihetage, wie es heisst Lev. 8, 33: „Denn sieben Tage sollt ihr eingeweiht werden;“ „sie schlachtet ihr Schlachtvieh“ d. s. die Opfer; „mischt ihren Wein“ d. s. die Trankopfer; „richtet auch ihren Tisch an“ d. i. die Anordnung der Schaubrote; „schickt ihre Dirnen aus“ d. i. Mose, wie es heisst Lev. 9, 1: „Es war am achten Tage, da berief Mose Aaron und seine Söhne.“ Das sagt auch der heilige Sänger Ps. 18, 26: „Mit dem Gläubigen bist du gütig, gegen den redlichen Mann bist du redlich, gegen den Reinen bist du rein und gegen den Falschen bist du treulos.“ R. Jehuda und Rab Nachman. R. Jehuda legte den Vers auf unsern Vater Abraham aus. Wenn dieser mit seiner Frömmigkeit auftrat, kann ihm Gott auch mit Frömmigkeit entgegen, trat er mit Unschuld auf, dann kam ihm *) Vergl. Jerusch. Schebuot IV, 11. 72 Par. XI. Cap. IX, I. Gott auch mit Unschuld entgegen, trat er mit Hinterlist (Tücke) auf, so kam ihm Gott auch mit Hinterlist entgegen. Wenn er über seine Angelegenheiten Gewissheit haben wollte, so gab sie ihm Gott. Wann trat er mit Frömmigkeit auf? Als er (zu den Fremden) sprach Gen. 18, 3: „Gehe doch nicht vor deinem Knecht vorüber.“ Was steht noch da? V. 22: „Abraham stand noch vor dem Ewigen.“ R. Simon sagte: Eigentlich ist das nur eine Verbesserung der Schriftgelehrten; (es sollte eigentlich heissen): die Schechina wartete auf ihn. Wann trat er mit Unschuld (Menschenliebe) auf? Als er (für die Sodomiter betete und) sprach das. V. 28: „Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf.“ Und was war die Erwiederung? „Und Gott sprach: ich werde nicht verderben, wenn ich daselbst fünfundvierzig finde.“ Wann kam er aber mit Hinterlist? Als er sagte das. 15, 2: „Ich wandle doch kinderlos.“ Was steht daselbst? V. 4: „Dieser soll dich nicht beerben.“ Wann wurde ihm Klarheit über seine Angelegenheiten? Als er sprach das. V. 8: „Woran soll ich erkennen, dass ich es (das Land) in Besitz nehmen werde?“ Und was steht noch dort? V. 13: „Wissen sollst du, dass deine Nachkommen Fremdlinge sein werden.“ R. Nechemja legte den Vers auf Mose aus. Trat dieser mit Frömmigkeit auf, so kam ihm auch Gott mit Frömmigkeit entgegen, trat er mit Unschuld auf, so kam ihm Gott auch mit Unschuld entgegen, kam er mit Hinterlist, so kam ihm Gott auch mit Hinterlist entgegen, wenn er über seine Geschicke Gewissheit (Aufklärung) haben wollte, so gab ihm Gott Gewissheit. Wann trat er mit Frömmigkeit auf? Als er sprach Ex. 33, 18: „Lass mich doch deine Herrlichkeit sehen.“ Was steht noch dort? V. 19: „Ich werde meine Schöne vorüberziehen lassen.“ Wann kam er in Unschuld? Als er sagte das. 3, 3: „Warum verbrennt der Dornbusch nicht? Da erhielt er die Antwort: Weil meine Herrlichkeit sich darin befindet. Wann kam er mit Hinterlist? Als er sprach V. 13: „Und sie zu mir sprechen, welches ist sein Name? was soll ich ihnen da sagen?“ Da sagte Gott zu ihm: „Das ist mein Name, dass ich sein werde, der ich sein werde.“ Wann wollte er über seine Angelegenheiten Aufschluss haben? Als Gott zu ihm sagte das. V. 10: „Und nun wohlan, ich werde dich zu Pharao senden.“ Da antwortete er: „Sende doch, wen du senden willst.“ (Und er sagte:) „und seitdem ich zu Pharao gekommen, geht es dem Volke noch schlimmer,“ erhielt er die Antwort das. 6, 1: „Nun wirst du sehen.“ R. Judan sagte im Namen des R. Jose bar Jehuda und R. Berachja im Namen des R. Josua ben Karcha: Während der vierzig Jahre, in welchen die Israeliten in der Wüste waren, hat Mose sich nicht geweigert, das Hohepriesteramt zu versehen, wie es heisst Ps. 99, 6: „Mose und Aaron in seinen Priestern.“ R. Berachja im Namen des R. Simon beweist es aus 1. Chron. 23, 13, wo es heisst: „Die Söhne Am- rams, Aaron und Mose, und Aaron ward ausgesondert, um das Hochheilige zu heiligen,“ „zu stehen und zu dienen im Namen des Par. XI. Cap. IX, r. 73 Ewigen;“ das. V. 14: „Und Moses, des Mannes Gottes Söhne, wurden nach dem Stamme Levi genannt.“ R. Eleasar bar Jose sagte: Erkläre uns, dass Mose in einem weissen Gewände an den sieben Weihetagen den Dienst verrichtete. R. Tanchum im Namen des R. Judan hat gelehrt: Während dieser sieben Weihetage, wo Mose das Hohepriesteramt verrichtete, ruhte die Schechina nicht auf ihm. Das steht Lev. 9, 24: „Das ganze Volk sah es und sie fielen auf ihr Angesicht.“ R. Samuel bar Nachman sagte: Während der sieben Tage am Dornbüsche redete Gott Mose zu, dass er in seiner Sendung nach Aegypten gehen sollte, denn so heisst es Ex. 4, 10: „Ich bin kein Mann von Worten, weder seit gestern noch seit vorgestern, auch seitdem du mit deinem Knechte gesprochen hast.“ Siehe das sind sechs Tage. Und am siebenten Tage sprach er zu ihm: „Sende doch, wen du senden willst.“ Du sagst, sprach Gott zu Mose, sende, wen du senden willst, bei deinem Leben! ich werde dich in deine eigenen Flügel verwickeln (einbinden). Wenn widerfuhr ihm das? Nach R. Berachja haben R. Levi und R. Chelbo etwas gesagt. R. Levi sagte: An allen sieben Weihetagen des Monats Adar betete Mose und flehte, dass er in das Land Israel komme, und am siebenten Tage ward ihm der Bescheid Deut. 3, 27: „Du sollst nicht über diesen Jordan gehen.“ R. Chelbo sagte: An allen sieben Weihetagen versah Mose das Hohepriesteramt in der Meinung, es gehöre ihm; am siebenten Tage wurde ihm aber eröffnet: es ist nicht dein, sondern das Eigenthum deines Bruders Aaron, wie es heisst: „Und es geschah am achten Tage.“ R. Tanchuma und R. Chija und R. Berachja im Namen des R. Eleasar von Modin sagten: Dieser Midrasch ist mit uns aus der Gefangenschaft heraufgekommen, überall wo 'fm, es war in den Tagen, steht, gab es eine Noth. R. Samuel bar Nachman sagte: Fünfmal steht dieser Ausdruck Gen. 14, 1: „Es war in den Tagen Amraphels.“ Was gab es da für eine Noth? „Esau führte Krieg.“ Gleich dem Freunde eines Königs, welcher in ein ‘Land zog, seinetwegen befasste sich der König mit dem Lande, da kamen die Barbaren und machten sich an ihn. In Folge dessen sprachen alle: in Wehe, der König wird sich nicht mehr mit dem Lande befassen, wie bisher geschehen. Ebenso war auch Abraham der Freund Gottes und es heisst von ihm: „Und durch dich sollen gesegnet werden“ u. s. w. Seinetwegen befasste sich Gott mit der ganzen Welt, da kamen aber die Chaldäer und machten sich an ihn. Da erscholl ein Weheruf, weil Gott sich nicht mehr mit seiner Welt befassen werde, wie es bisher geschehen. So heisst es auch das. 14, 7: „Sie kehrten um und kamen zur Quelle des Rechts (tizw:), das ist Kadesch (iznp).“ R. Chija sagte: Sie überfielen ihn nur, weil er der Augapfel der Welt war d. i. das Auge, was die Strafgerechtigkeit in der Welt übt, suchten sie zu blenden, „das ist Kadesch.“ R. Acha sagte: Es heisst darum Nitl, weil er den Namen Gottes geheiligt hatte, als er in den Gluthofen hinabstieg. Als nun die Könige 74 Par. XI. Cap. IX, i. kamen und ihn überfielen, da fingen sie an zu schreien: 'n, 'n Wehe! wehe! wie es heisst: „■'rni, Wehe in den Tagen Amraphels.“ Es heisst Jes. 7, 1: „Und es war in den Tagen Achas, des Sohnes Jothams.“ Was gab es denn da für eine Noth? Es heisst das. 9, 11 : „Der Aram griff vorn an und die Philister von hinten.“ Gleich einem Könige, welcher seinen Sohn einem Pädagogen übergab. Der Pädagog hasste denselben, er dachte aber bei sich: Tödte ich ihn jetzt, so verwirke ich meinen Kopf bei dem Könige, ich will ihn lieber seiner Amme entziehen, so stirbt er von selbst. Ebenso dachte Achas. Giebt es keine Böckchen, so giebt es auch keine Böcke, giebt es keine Böcke, so giebt es keine Schafe, giebt es keine Schafe, so giebt es auch keine Hirten, giebt es keine Hirten, so giebt es auch keine Welt. Demgemäss dachte Achas: Giebt es keine Kleinen, so giebt es auch keine Schüler, giebt es keine Schüler, so giebt es auch keine Weisen (Gelehrten), giebt es keine Weisen, so giebt es auch keine Thora und giebt es keine Thora, so giebt es auch keine Versammlungs- und Lehrhäuser; giebt es keine Versammlungs- und Lehrhäuser, so ruht auch Gottes Sche- china nicht auf der Welt. Was machte er? Er erhob sich und verschloss die Versammlungs- und Lehrhäuser, wie es heisst das. 8, 16: „Wickle ein die Kundmachung, versiegle die Offenbarung auf meinen Schülern.“ R. Huna im Namen des R. Eleasar sagte: Warum hiess er Achas? Weil er sich an den Versammlungs- und Lehrhäusern vergriff. R. Jacob im Namen des R. Acha sagte: (Dass es so war,) kannst du entnehmen aus das. V. 17: „Und ich harre auf den Ewigen, welcher sein Antlitz verbirgt“ u. s. w. Es giebt keine schwerere Stunde als diese, von der es heisst Deut. 31, 18: „Und ich will verbergen mein Antlitz an jenem Tage.“ Von dieser Stunde heisst es Jes. 8, 17: „Und ich harrte auf den Ewigen;“ s. Deut. 31, 21: „Denn es soll nicht vergessen werden aus dem Munde seines Samens.“ Was nützte es ihih? S. Jes. 8, 18: „Siehe, ich und die Knaben, welche mir der Ewige gegeben.“ Waren es denn seine Kinder, waren es nicht seine Schüler? Allein daraus geht hervor, dass der Schüler eines Menschen sein Sohn heisst. Als alle sahen, dass er sich an den Versammlungs- und Lehrhäusern vergriff, fingen sie an zu schreien: ’n, ’n Wehe! ■’n( , 'i) Wehe, Wehe war in den Tagen des Achas. Es heisst Jerem. 1, 3: „Es war in den Tagen Jehojachims des Sohnes Josia’s.“ Was gab es denn da für eine Noth? Es heisst das. 4, 23: „Ich sah das Land und siehe, wüst und leer ist es.“ Gleich den Briefen eines Königs, welche in eine Provinz gelangten, in jeder Provinz, in welcher die Briefe eintrafen, da standen die Bewohner auf ihren Füssen und entblössten ihre Häupter und lasen sie mit Schrecken und Furcht, mit Zittern und Beben, als sie aber in die Provinz des Königs gelangten, da standen die Leute auf, zerrissen sie und verbrannten sie und sprachen: Wehe uns, wenn der König es merken wird! So heisst es Jerem. 36, 23: „Als Jehudi drei oder Par. XI. Cap. IX, i. 75 vier Verse gelesen hatte“ u. s. w. und als sie an den fünften Vers kamen Threni i, 5: „Ihre Widersacher sind obenauf,“ „da zerschnitt er sie sofort mit dem Schreibermesser und warf sie ins Feuer in der Kohlenpfanne“ (s. Jerem. 36, 23). Als sie das sahen, fingen sie an ■>vi, ’n Wehe, Wehe! zu schreien, wie es heisst: Wehe war in den Tagen Jehojachims.“ Es heisst ferner Esth. 1, 1: „Und es war in den Tagen Achaschverosch.“ Was gab es da für eine Noth? Es war verhängt worden die Juden zu vertilgen, zu erwürgen und zu vernichten. Gleich einem Könige, welcher einen Weinberg hatte. Es machten sich drei Feinde über ihn her, der eine begann die Beeren abzureissen, der andere begann die Traubenkämme abzuschneiden, der dritte entwurzelte die Weinstöcke. Pharao fing an, die Beeren abzureissen, wie es heisst Ex. 1, 22: „Jeder neu- geborne Sohn soll ins Wasser geworfen werden;“ Nebucadnezar begann die Traubenkämme abzuschneiden, wie es heisst 2. Reg. 24,16: „Und die Zimmerleute und die Schlosser Tausend.“ R. Berachja im Namen des R. Jehuda und die Rabbinen sind darüber verschiedener Meinung. R. Berachja im Namen des R. Jehuda sagte: Die Zimmerleute waren Tausend und die Schlosser waren Tausend. Die Rabbinen dagegen sagen: Beide zusammen waren Tausend. R. Jehuda bar R. Simon sagte: Es sind darunter die Gelehrten zu verstehen; R. Samuel bar R. Jizchak dagegen sagte: Es sind darunter die Rathsherren gemeint; die Rabbinen endlich sagen: Es sind die Rathgeber gemeint. Der ruchlose Haman endlich fing an, die Weinstöcke zu entwurzeln und er wollte das Ei Israels ausmerzen, er wollte es mit dem ganzen Neste zerfliessen machen. So heisst es Esth. 3, 13: „Um die Juden zu vertilgen, zu erwürgen und zu vernichten.“ Als alle sahen, dass Achaschverosch verkaufte und Iiaman kaufte, fingen alle an ’n, ■'n Wehe, Wehe! zu schreien, wie es heisst: „■'irn Wehe war in den Tagen des Achaschverosch.“ Es heisst endlich Ruth 1, 1: „Es war in den Tagen, wo man die Richter richtete.“ Was gab es denn da für eine Noth? „Es war Hungersnoth im Lande.“ Gleich einem Lande, welches dem König Steuerreste (lomäg) schuldig war und es sandte der König einen Steuereinnehmer ab, um sie einzutreiben. Was machten die Bewohner? Sie erhoben sich, hängten ihn und brandschatzten ihn. Dann sprachen sie: Wehe, wenn es der König merken (in Erfahrung bringen) wird. Was der Bote des Königs uns thun wollte, das haben wir ihm gethan. So war es auch zur Zeit der Richter. Sowie ein Israelit etwas that, was sich nicht geziemte, führten sie ihn zum Richter, sowie aber der Richter Strafe über ihn verhängen wollte, vollzog er die Strafe an dem Richter. Da sprach Gott zu ihnen: Ihr verachtet eure Richter, siehe, ich bringe über euch etwas, worin ihr nicht werdet bestehen können. Und was war das? Hungersnoth, wie es heisst: „■'rm Wehe, Hunger war im Lande!“ Simeon bar Abba sagte im Namen des R. Jochanan: Ueberall, wo es heisst: ■’JTI, da trat Noth und Freude ein, war Noth, so war 76 Par. XI. Cap. IX, i. es eine Noth ohne ihresgleichen, war es Freude, so war es eine Freude ohne ihresgleichen, da kam R. Ismael und machte eine Trennung (einen Unterschied zwischen 'i-Pl und IvlTi): Ueberall wo es ■'fl 1 ' heisst, da gab es weder eine Freude noch eine Noth. Da wurde ihm eingewandt Gen. i, 3: „Und Gott sprach: es werde Licht und es ward Licht?“ Er antwortete: Auch das war keine Freude, weil die Welt nicht würdig war, sich jenes Lichtes zu bedienen, denn R. Juda bar Simon hat gesagt: Mit dem Lichte, welches Gott am ersten Tage erschaffen, hätte der Mensch sehen und schauen können von einem Ende der Welt bis zum andern. Als aber Gott das Werk des Geschlechtes Enosch und das Werk des Geschlechtes der Fluth sah, dass sie verderbt waren, erhob er sich und verbarg es vor ihnen, wie es heisst Hi. 38, 15: „Und er verbarg vor den Frevlern ihr Licht.“ Und wohin verbarg er dasselbe? In den Garten Eden, wie es heisst Ps. 97, 11: „Licht geht auf dem Gerechten und den Herzensgraden Freude.“ Man hielt ihm sodann ein: Es heisst doch Gen. 1, 5: „Es ward Abend und es ward Morgen ein Tag?“ Er antwortete: Auch das ist keine Freude, denn alles, was am ersten Tage erschaffen worden ist, wird einst untergehen, wie es heisst Jes. 51, 6: „Denn die Himmel werden vergehen wie Rauch und die Erde“ u. s. w. Ferner warf man ihm ein: Es heisst doch: Es ward Abend und es ward Morgen, ein zweiter, dritter, vierter, fünfter, sechster Tag (d. i. es heisst so: Es ward Abend u. s. w. am zweiten u. s. w. Tag)? Er antwortete: Auch das ist keine Freude, denn alles, was in den sechs Schöpfungstagen erschaffen worden ist, bedarf erst der Zubereitung, der Weizen muss gemahlen, der Senf muss süss gemacht werden, die Feigbohnen müssen süss gemacht werden. Sodann hielt man ihm ein: Es heisst Gen. 39, 21: „Und der Ewige war mit Joseph und er war ein Mann, dem alles glückte?“ Er antwortete: Auch da war die Freude nicht vollkommen, weil jene Frevlerin sich an ihn machte. Man hielt ihm ein: Es heisst: „Es war am achten Tage?“ Er antwortete ihnen: Auch da gab es keine Freude, denn an jenem Tage starben Nadab und Abihu. Man hielt ihm ein: Es heisst Num. 7, 1: „Und es geschah am Tage, da Mose vollendet hatte?“ Er antwortete ihnen: Auch da war keine Freude, weil in ihm an dem Tage der Bau des Hauses verborgen wurde. Man warf ihm ein: Es heisst Jos. 6, 27: „Und der Ewige war mit Josua?“ Er antwortete ihnen: Auch da gab es keine Freude, weil Jair getödtet worden war, welcher soviel wog wie die Mehrzahl des Synedriums, wie es heisst das. 7, 5: „Und es schlugen von ihnen die Männer von Ai bei 36 Mann.“ Es heisst nicht 36 Mann, sondern bei 36 Mann. R. Judan sagte: Das ist Jair ben Manasse, welcher soviel wie die Mehrzahl des Synedriums wog. Man hielt ihm wieder ein: Es heisst 1. Sam. 18, 14: „Und David hatte Glück auf allen seinen Wegen und der Ewige v'ar mit ihm?“ Er antwortete: Auch da war keine Freude, denn es steht von ihm geschrieben das. V, 9: Par. XI. Cap. IX, i. 77 „Und Saul sah David mit scheelen Augen an.“ Man hielt ihm endlich ein: Es heisst 2. Sam. 7, 1: „Und es geschah, als der König in seinem Hause sass und der Ewige ihm Ruhe geschafft?“ Auch da war keine Freude, denn an jenem Tage kam der Prophet Nathan und sprach zu ihm 1. Reg. 8, 19: „Du sollst das Haus nicht bauen.“ Man sprach zu ihm: Jetzt hast du das Unsrige (unsre Einwendungen) gehört, bringe nun das Deinige vor. Er sprach zu ihnen: Es heisst Joel 4, 18: „Und an jenem Tage werden die Berge Most träufeln;“ Jes. 7, 21: „Und es geschieht zu derselben Zeit, wenn jemand eine junge Kuh und ein paar Schafe hält;“ Sach. 14, 8: „Und an jenem Tage wird lebendiges Wasser von Jerusalem ausgehen;“ Ps. I, 3: „Und er wird sein wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen;“ Micha 5, 6: „Und Jacobs Rest ist in der Mitte vieler Völker.“ Sie hielten ihm wieder ein: Es heisst doch Jerem. 38, 38: „Und es geschah, da Jerusalem eingenommen ward.“ Er gab ihnen zur Antwort: Auch da gab es keine Noth, denn an jenem Tage empfingen die Israeliten eine Erlassurkunde über ihre Sünden; denn R. Ismael bar Rab Nachman hat gesagt: Eine vollständige Erlassurkunde erhielten die Israeliten über ihre Sünden erst am Tage, wo der Tempel zerstört wurde. So heisst es Thren. 4, 22: „Es ist abgethan deine Schuld, Tochter Zions, nicht mehr wird er dich wegführen.“ Und die Aeltesten Israels. R. Akiba sagte: Die Israeliten werden mit einem Vogel verglichen. Wie der Vogel nicht ohne Flügel fliegen kann, so können auch die Israeliten nicht etwas ohne ihre Alten thun. R. Jose bar Chalaphtha hat gesagt: Das Greisen- alter hat einen grossen Werth (wenn mit demselben Erfahrung oder Erkenntniss verbunden ist), sind sie alt, so sind sie beliebt (verehrungswürdig); sind sie aber jung, so ist die Jugend ihnen eine schöne Zugabe. Denn R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Nicht an einem Orte, nicht an zwei Orten, sondern an vielen Orten finden wir, dass Gott den Alten Ehre erwiesen hat. Beim Dornbüsche Ex. 3, 16 heisst es: „Geh und versammle die Aeltesten Israels;“ in Aegypten das. V. 18: „Du und die Aeltesten Israels sollen gehen;“ am Sinai das. 24, 1: „Steige herauf zum Ewigen, du und Aaron, Nadab, Abihu und die siebenzig von den Aeltesten Israels;“ in der Wüste Num. n, 16: „Versammle mir siebenzig Männer von den Aeltesten Israels;“ beim Stiftszelt: „und für die Aeltesten Israels,“ und auch in Zukunft erweist Gott den Aeltesten Ehre, wie es heisst Jes. 24, 23: „Der Mond wird erblassen und die Sonne wird beschämt sein,“ von den Aeltesten aber heisst es das.: „Vor seinen Aeltesten in der Plerrlichkeit.“ R. Ismael bar Bibi, R. Simeon und R. Rüben sagten im Namen des R. Chanina: Einst wird Gott sich eine Sitzung von seinen Aeltesten bilden s. das. 24, 23: „Denn der Ewige Zebaoth regiert auf dem Berge Zion und in Jerusalem und vor seinen Aeltesten in Herrlichkeit.“ Es steht hier nicht: in Gegenwart der Alten (n^pT 15 :), sondern in Gegenwart seiner 78 Par. XII. Cap. X, 9. Alten {vi'pl “na). R. Abin sagte im Namen des R. Ismael bar R. Josua: Einst wird Gott sitzen wie auf einer Tenne und die Gerechten sitzen vor ihm, wie es heisst 1. Reg. 22, 10: „Und der König von Israel und Josaphat, der König von Juda sassen ein jeglicher auf seinem Throne, angethan mit Kleidern auf der Tenne?“ Allein es ist gelehrt worden:*) Der Sitz des Synedriums hatte die Form einer halbrunden Tenne, damit sie sich einander sehen konnten. Salomo sagte: Ich habe ihn (sitzen) gesehen gedrängt zwischen ihnen. So heisst es Prov. 31, 23: „Gekannt ist in den Thoren ihr Mann, wenn er sitzt mit den Aeltesten des Landes.“ R. Berachja und R. Chelbo und Ula Bera und R. Eleasar sagten im Namen des R. Chanina: Einst wird Gott an der Spitze des Reigens der Gerechten stehen. Das ist auch Ps. 48, 14 gesagt: „Wendet euer Herz (Aufmerksamkeit) iibTib.“ Es heisst iibinb, auf den Reigen und die Gerechten erheben sich mit Jugendkraft und deuten wie mit dem Finger auf ihn hin und sprechen das. V. 15: „Dieser Gott ist unser Gott immer und ewig“ d. i. mit Jugendkraft (n‘i73 , 'b3 > s), mit Plurtigkeit. Oder mTabl' bedeutet: Nn 72 bi 3 * DbN 3 , wie diese Jungfrauen (die einen kräftigen Gang haben), wie es heisst Ps. 48, 15: „Er führt uns wie Jungfrauen.“ Aquilas übersetzt das Wort mab3* mit ä&avaala (= ni 73 ~bN) d. i. in der Welt, in welcher kein Tod ist. Oder m7obs> bedeutet so viel wie m73bi3> d. i. in zwei Welten, er wird uns leiten in diese und in jene Welt. Parascha XII. Cap. X, 9. Wein und berauschendes Getränk sollst du nicht trinken. Das steht auch Prov. 23, 31: „Siehe nicht auf den Wein, wenn er so roth ist.“ Was heisst STttrp Wenn er Lust erregt nach dem Blut des Menstruum und nach dem Blute des Schleimflusses. „Wenn er Perlen im Becher (öiii) wirft.“ Es heisst: 0"O2i, im Beutel. Das ist ein reiner Ausdruck (für die weibliche Scham), wie es heisst Prov. 1, 14: „Ein Beutel soll für uns alle sein.“ „Und sanft hinabschleicht,“ zuletzt spricht sein Weib zu ihm: ich habe wie eine rothe Rose gesehen, und er entfernt sich nicht von ihr. Ist derselbe ein Gelehrter, sagte R. Asi, so ist das Ende, dass er das Reine für unrein und das Unreine für rein erklärt. Oder: „Sieh nicht auf den Wein, wenn er roth ist“ d. i. wenn er wirklich roth macht (d. i. berauscht); Dias ]rv> "O d. i. wenn er in den Becher sein Auge wirft (ö-OS 7f'3> jm“) und der Verkäufer sein Auge auf den Beutel lenkt (D3D2 33 - '3 > im:, dass er sein Geld bekommt); „und er sanft (Qi'ita^S) hinabschleicht,“ zuletzt macht er sein Haus zur Ebene (tOtt^Ta). (Er fragt dann:) Wozu der kupferne Topf, eine Scherbe (ein irdener) verrichtet dasselbe, er verkauft ihn und trinkt für dessen Werth Wein. R. Jizchak bar Redipha im ‘) Sanhedr. fol. 3ö b . Par. XII. Cap. X, 9. 79 Namen Rabbis sagte: Zuletzt verkauft er alle Geräthschaften seines Hauses und trinkt dafür (für den Erlös) Wein. Es verkaufte einer, erzählte R. Acha, alle Geräthe seines Hauses und trank dafür (für den Erlös) Wein. Unser Vater lässt uns gar nichts, sprachen seine Söhne. Wir gaben ihm zu trinken und berauschten ihn, brachten ihn hinaus und setzten in das Haus der Ewigkeit (d. i. in eine Höhle des Friedhofes).*) Am Eingänge des Friedhofes zogen Weinhändler vorüber, welche einen Lärm in der Stadt hörten; sie luden ihre Vorräthe auf dem Friedhofe ab und gingen, um zu sehen, was in der Stadt vorgehe. Unterdessen erwachte der Trunkenbold von seinem Schlafe und sah einen Weinschlauch zu seinem Kopfe, er nahm ihn und legte ihn in seinen Mund. Nach drei Tagen sprachen seine Söhne: Wollen wir nicht gehen und sehen, was unser Vater macht? Sie gingen dahin und fanden ihn mit einem Schlauch in seinem Munde. Auch hier verlässt dich dein Schöpfer nicht, sprachen sie, und giebt dir (zu trinken), nun wissen wir nicht, was wir mit dir thun sollen. Da fassten sie den Beschluss, dass jeder von ihnen einen Tag ihm zu trinken gebe. Es heisst Prov. 23, 34: „Du bist wie einer, der mitten im Meere liegt und wie einer, der auf der Spitze des Mastbaumes liegt“ d. i. wie jenes Schiff, was in der Tiefe (s'a^ D'.ib^cn) des Meeres taumelt d. i. auf- und niedersteigt; „wie einer, der auf der Spitze des Mastbaumes liegt“ d. i. wie jener Hahn, welcher auf der Spitze eines Seiles sitzt und dieses hin- und herschwebt (eig. geht und kommt), wie der Steuermann (gubernator), der am Ruder sitzt und dieses sich hin- und herbewegt. Das. V. 35: „Man schlägt mich, ich fühle es nicht“ d. i. man schlägt ihn und er merkt es nicht, „man stösst mich und ich weiss es nicht“ d. i. man stösst ihn und er weiss es nicht. Er hat fünf Kisten**) getrunken, der Verkäufer aber sagt zu ihm: Du hast zehn Kisten getrunken und wenn du denkst, dass er, wenn er von seinem Schlafe erwacht, die Gewohnheit etwa lassen werde, so folgt gleich: „Er spricht: Wenn ich erwache, dann fahre ich fort und suche ihn (den Wein) wieder.“ Das. V. 29: „Wem ist Weh? Wer hat Trauer? Wer hat Zank? Wer hat Geschwätz (Gerede)?“ Derjenige, sagte R. Huna, der sich nicht mit den Worten des Gesetzes beschäftigt. „Wer hat Wunden ohne Ursachen? d. i. wer erleidet vergeblich Wunden; „wer hat Zank?“ d. i. wer hat Rechtshändel; „wer hat Geschwätz?“ d. i. wer hat unnützes Gerede; „wer hat Wunden umsonst?“ d. i. wer hat Wunden unverschuldet? V. 30: „Die beim Wein verweilen.“ Ein Mann pflegte täglich zwölf Kisten Wein zu trinken, eines Tages hatte er nur elf getrunken, er legte sich in’s Bett und konnte *) Damit er nicht wisse, wer ihn ausgesetzt (dahin gebracht) habe, er wird in sich gehen und die üble Gewohnheit aufgeben. In einem alten Manuscript habe ich gefunden, dass die Kinder ihn dort begraben haben. M, lv. **) Ein Maas. So Par. XII. Cap. X, 9. nicht einschlafen (eig. der Schlaf kam nicht), er stand in der Finsterniss auf, ging zum Krämer und sprach zu ihm: Verkaufe mir eine Kiste Wein. Ich kann dir nicht öffnen, denn es ist finster und ich habe Angst vor den Wächtern. Der Trunkenbold erhob seine Augen und wurde eine Oeffnung am Thore (an der Ladenthür) gewahr. Reiche mir durch dieses Loch die Labung, ich trinke draussen. Der Weinschenk that es, der Käufer trank und schlief vor dem Thore ein. Die Wächter gingen vorbei (sahen ihn liegen) und hielten ihn für einen Dieb. Sie schlugen und verwundeten ihn und wandten auf ihn an: „Wer erhält Wunden unschuldiger Weise?“ d. i. wer erhält ohne Verschulden Wunden? „Wer hat trübe Augen?“ d. i. wer hat rothe Augen? Alle diejenigen, „welche beim Wein verweilen“ d. i. der, welcher zuerst zum Weinschenk hineingeht und zuletzt wieder herauskommt. „Die kommen, um gewürzten Wein zu kosten“ d. i. die da horchen, wo guter Wein zu haben ist. Was folgt aber dann? V. 32: „Am Ende sticht er wie eine Schlange“ d. i. wie die Otter zwischen Tod und Leben trennt, so hat auch der Wein zwischen Adam und Eva Trennung (Unheil) bewirkt (angerichtet); denn R. Jehuda bar Ilai hat gesagt: Jener Baum, von dem Adam gegessen hat, war ein Weinstock (eig. waren Trauben) s. Deut. 32, 32: „Ihre Trauben sind Trauben von Gift“ d. i. diese haben Bitterkeit in die Welt gebracht. Oder: „Wie eine Otter scheidet er“ d. i. wie die Otter zwischen Leben und Tod scheidet, so hat auch der Wein zwischen Noach und seinen Kindern geschieden (Zerwürfniss angerichtet), indem er die Knechtschaft bewirkte s. Gen. g, 21: „Und er trank von dem Wein und berauschte sich und entblösste sich.“ In Folge dessen sprach er: „Verflucht sei Kanaan.“ Oder: „Wie eine Otter scheidet er“ d. i. wie die Otter scheidet, so hat auch der Wein geschieden zwischen Lot und seinen Töchtern, indem er Bastarde bewirkte s. das. 19, 32: „Und sie gaben ihrem Vater Wein zu trinken,“ in Folge dessen wurden zwei Töchter Lots von ihrem Vater schwanger. Oder: „Wie eine Otter scheidet er“ d. i. wie die Otter zwischen Leben und Tod scheidet, so schied auch der Wein zwischen Aaron und seinen Söhnen, so dass sie starben; denn R. Simeon hat gelehrt: Die Söhne Aarons sind nur darum gestorben, weil sie vom Wein berauscht waren und in das Versammlungszelt gegangen sind. Gleich einem König, sagte R. Pin- chas im Namen des R. Levi, der einen treuen Haussohn (Hausgenossen) hatte, den er an der Thür (des Ladens) stehend fand. Er enthauptete ihn in aller Stille und setzte einen anderen an seine- Stelle. Nun wissen wir allerdings nicht, warum er den ersten erschlagen hat, allein dadurch, dass er dem zweiten befahl, nicht an die Thür des Ladens zu treten, wissen wir, dass er aus diesem Grunde den ersten erschlagen hat. So auch hier Lev. 10, 2: „Es ging Feuer aus von dem Ewigen und verzehrte sie.“ Nun wissen wir nicht, warum sie gestorben sind, allein da Aaron das Verbot (den Befehl) erhielt s. 10, 9: „Wein und berauschende Getränke- Par. XII. Cap. X, 9. 8l sollst du nicht trinken“, so wissen wir, dass sie nur wegen des Weines gestorben sind. Darum erweist die Schrift dem Aaron die Liebe, dass er an ihn direct (ohne Vermittelung des Mose) den Ausspruch richtete: „Wein und berauschendes Getränk sollst du nicht trinken“ u. s. w. R. Jizchak begann mit Anknüpfung an Jerem. 15, 16: „Es sind gefunden worden deine Worte, und ich verzehrte sie, und dein Wort diene mir zur Wonne und Freude meines Herzens, denn ich bin genannt nach deinem Namen Ewiger, Gott der Heerschaaren.“ R. Samuel bar Nachman sagte: Dieses Wort (Gebot) ist dem Mose schon auf dem Sinai gesagt worden, es wurde aber erst bekannt, als eine Veranlassung dazu eingetreten war. Da sprach Mose zu Aaron: Mein Bruder! auf dem Sinai ist zu mir gesagt worden, dass ich einst dieses Haus weihen werde, und zwar durch einen grossen Mann werde ich es weihen; ich wusste aber nicht, ob durch mich oder durch dich dieses Haus geweiht werden sollte, jetzt sehe ich, dass deine beiden Sohne grösser sind als ich und du. Als Aaron hörte, dass seine Söhne gottesfürchtig waren, schwieg er und empfing für sein Schweigen Lohn. Woher lässt sich beweisen, dass er schwieg? Weil es heisst Lev. 10, 3: „Und Aaron schwieg.“ Und woher lässt sich beweisen, dass er für sein Schweigen Lohn empfangen hat? Weil er so glücklich war, dass sich der Ausspruch unmittelbar an ihn richtete, denn es heisst: „Der Ewige redete zu Aaron.“ Das sagt auch Ps. ig, 9: „Die Verordnungen des Ewigen sind grade, erfreuend für das Herz.“ Chiskia hat gelehrt: Die Worte des Gesetzes (die Gesetzlehre) sind geworden „eine Krone für das Haupt“ (Prov. 1, 9), „ein goldenes Band für den Hals“ (das.), „eine Erquickung für das Herz“ (Ps. 19, 9), „eine (wohlthätige) Salbe (Labung) für die Augen und ein Becher der Unfruchtbaren (ein heilsames Getränk)*) für die Eingeweide.“ Eine Krone für das Haupt, woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Prov. 1, 9: „Denn ein anmuthiger Kranz sind sie für dein Haupt;“ ein goldenes Band für den Hals, wie es heisst das.: „Und Geschmeide für deinen Hals,“ „eine Labung für das Herz,“ wie es heisst Ps. 19, 9: „Die Verordnungen des Ewigen sind grade, erfreuend das Herz,“ eine Salbe für die Augen, wie es heisst das.: „Des Ewigen Gebot ist heiter, erleuchtend die Augen,“ ein Becher der Unfruchtbaren für die Eingeweide, wie es heisst Prov. 3, 8: „Heilung wird es sein deinem Nabel.“ Woher lässt sich beweisen, dass sie für die 248 Glieder dienen, welche der Mensch hat? Aus Prov. 4, 22: „Sie sind Leben für die, die sie finden und ihrem ganzen Leibe Heilung.“ Oder: „Die Verordnungen des Ewigen sind grade, erfreuend das Herz.“ Das zeigte Aaron, dessen Herz wegen des Todes seiner *) Eigentlich ein Becher, der mit dem Safte verschiedener Kräuter gefüllt ist und neben Heilung auch Impotenz bewirkte s. Schabb. fol. 109^ und I IO“. Wünsche, Midrasch Wajikra. 6 82 Par. XII. Cap. X, 9. Söhne betrübt war, als aber das Wort sich direct an ihn richtete, freute er sich. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst: „Und es redete der Ewige zu Aaron.“ R. Tanchuma sagte: Die Mutter (der Weinstock) kann es nicht aushalten und du willst es aushalten? Die Weintraube wird gestützt durch so und so viele Röhren (Stangen) und so und so viele’ Spitzpfähle und sie können es dennoch nicht aushalten (denn die Trauben ziehen herunter durch ihre Lasten) und du willst es aushalten? R. Pinchas sagte: Gott sprach: Für die Opfer habe ich ein Mass bestimmt, dir aber habe ich keins gegeben, in Bezug auf die Opfer heisst es Num. 28, 14: „Und Trankopfer dazu, ein halbes Hin für jeden Stier,“ aber dir habe ich kein Mass bestimmt. Alle Bäume werden nach ihrer Frucht genannt, der Apfelbaum wird nach dem Apfel genannt, so auch der Granatbaum, der Dattelbaum, der Weinstock hat aber drei Namen, er heisst nämlich tCD” und von ihm kommen Trauben und von den Trauben kommt Wein (“nnn),*) um dir zu sagen: Wie du von diesen Trauben, wenn du sie pressest, alles herausbringst, was sich darin befindet, so speit auch der, welcher viel Wein trinkt, zuletzt alles aus, was sich in seinem Leibe befindet. R. Judan sagte: Salomo hat alle jene sieben Jahre, in welchen er den Tempel erbaute, keinen Wein getrunken, als dieser aber vollendet war und er die Bithija, die Tochter Pharaos, geheirathet hatte, da trank er in jener Nacht Wein, und es wurden damals zwei Bälle (Tänze) veranstaltet, nämlich eine Freude über den vollendeten Tempelbau und eine Freude über die Vermählungsfeier mit der Tochter Pharaos. Da sprach Gott: Welche soll ich aufnehmen, diese oder jene? In jener Stunde kam ihm der Gedanke, Jerusalem zu zerstören, wie es heisst Jerem. 32, 31: „Zu meinem Zorne und zu meinem Grimme ist mir diese Stadt geworden.“ So wie einer, der vor einem schmutzigen Orte vorübergeht, sagte R. Hillel bar Helena, und sich seine Nase zuhält. R. Hunja sagte: Achtzig verschiedene Tänze hat die Tochter Pharaos in jener Nacht getanzt, und Salomo schlief bis vier Stunden am Tage (d. i. bis 10 Uhr) und die Schlüssel des Heiligthums lagen unter seinem Haupte. Das ist nun auch gelehrt worden: Wegen dieses um vier Stunden verzögerten Morgenopfers ging seine Mutter zu ihm und gab ihm einen Verweis. Manche sagen: Jerobeam, Sohn Nebats, wäre zu ihm gegangen und hätte ihm einen Verweis gegeben. Konnte er das aber? R. Chaggi sagte im Namen des R. Jizchak: Er versammelte nämlich tausend Männer aus seinem Stamme und trat mit ihnen vor Salomo hin und stellte ihn zur Rede. So heisst es Hos. 13, 1: „Wenn Ephraim redete, war Schrecken“ d. i. wenn Jerobeam redete, so war ein Schrecken für Salomo. Da sprach Gott *) Somit heisst der Weinstock jubu, D'ajf, Trauben, die an ihm wachsen und lan, Wein, der ausgepresst wird. i I J ar. XII. Cap. X, 9. 83 zu ihm: Warum giebst du ihm einen Verweis? Er ist ein Fürst über Israel; bei deinem Leben! ich werde dir von seiner Herrschait zu kosten geben, du wirst aber nicht darin bestehen (es aushalten) können. Als er nun zur Herrschaft gekommen war, da heisst es gleich Hos. 13, 1: „Er verschuldete sich mit Baal und starb.“ Nach den Rabbinen aber hat ihm seine Mutter wirklich einen Verweis gegeben. Sie nahm nämlich ihre Schuhe und schaukelte sie hin und her und sprach zu ihm Prov. 31, 2: „Was mein Sohn, was, Sohn meines Leibes?“ Es steht hier nicht, bemerkte R. Hosaja, ■os nn, was, mein Sohn, sondern ■’SS “ 72 , das sind die Gebote und Ermahnungen der Thora, welche “O, lauter genannt werden, so wie es heisst Ps. 2, 12: „Küsset den Auserwählten (is),“ weil alle ihre Worte klar (E^s) sind. Dann sprach sie noch zu ihm: „Sohn meiner Gelübde.“ Sie sprach nämlich: Mein Sohn, dein Vater hat viele Weiber genommen, als aber der Prophet Nathan kam und zu ihm sagte 1. Chron. 22, 9: „Siehe, dir ist ein Sohn geboren, denn Salomo soll sein Name sein,“ da sprach eine jede (seiner Frauen): Wenn ich den Salomo stelle, so bringe ich alle die in der Thora vorgeschriebenen Opfer dar, jetzt aber habe ich ihn gestellt und ich bringe die gelobten Opfer und du schläfst? Prov. 31, 3: „Gieb nicht den Weibern deine Kraft hin und deine Wege den Königs- verderberinnen.“ Sie sprach nämlich zu ihm: Mein Sohn, dadurch, dass das Geschlecht der Fluth ausschweifend war, ist es von der Welt vertilgt worden. Das. V. 4: „Nicht Lemuel, den Königen“ R. Jochanan sagte: (Sie sprach zu ihm:) Herrschaft wird nicht demjenigen verliehen, welcher gegen die Worte Gottes sich auflehnt, sondern demjenigen, welcher die Worte Gottes bethätigt. „Nicht den Königen ziemt es, Wein zu trinken, denn sie könnten vielleicht vergessen und sprechen,“ wie jener (Pharao) gesprochen Ex. 5, 2: „Wer ist der Ewige, dessen Stimme ich gehorchen soll.“ Prov. 31: „Und nicht Fürsten berauschende Getränke.“ Es steht IN (gelesen aber wird) iin, Wehe vor dem Weine! Das. V. 5: „Damit er nicht trinke und den Gesetzgeber vergesse.“ Jeder, der viel Wein trinkt, vergisst zuletzt die 248 Glieder, die in ihm sind. Oder es heisst: „damit er nicht trinke und den Gesetzgeber vergesse.“ Es heisst ppnü (was 248 in der Zahl hat), das sind die 248 Glieder. R. Cha- nina bar Papa sagte: Gott sprach: Ich habe ein grosses Haus gehabt und habe mir es wegen des Weingenusses zerstört. Die Rabbinen sprachen: (Gott sprach:) Ich habe zwei Fürsten gehabt, die • nur in Folge des Weines (Weinrausches) gestorben sind; denn R. Ismael hat gelehrt: Aaron’s zwei Söhne sind nur deshalb gestorben, weil sie weintrunken in das Heiligthum gegangen sind. Gott sprach: Weil in dieser Welt der Wein Unglück anrichtet, so soll er einst Freude hervorbringen, wie es heisst Joel 4, 18: „Einst werden die Berge Most träufeln.“ r>* 8 4 Par. XIII. Cap. XI, i. Parascha XIIL Cap. XI, i. Und der Ewige redete zu Mose und zu Aaron und sprach zu ihnen. R. Pinchas und R. Jeremja er- öffneten ihren Vortrag mit Prov. 16,31: „Ein Ohr, das auf Zurechtweisung des Lebens hört, wird in der Mitte der Weisen herbergen.“ „Ein Ohr, das auf Zurechtweisung des Lebens hört“ d. s. die Söhne Aarons, „wird in der Mitte der Weisen herbergen“ d. i. obschon sie dem Tode anheimgefallen waren (eig. obschon sie an der Seite des Todes waren), so waren sie doch noch so glücklich, dass sich das Wort Gottes an sie und ihren Vater und den Bruder ihres Vaters bei ihren Lebzeiten unmittelbar richtete, wie es heisst Lev. 10, 16: „Und Mose suchte den Bock des Sündopfers.“ Was bedeutet tETi tzi^n? Er hat zwei Fragen an sie gerichtet, er sprach nämlich zu ihnen: Wenn ihr es geschlachtet habt, warum habt ihr nicht gegessen und wolltet ihr es nicht essen, warum habt ihr es geschlachtet? „Sogleich zürnte er auf Eleasar und Ithamar“ (das. V. 16). Als er zürnte, verbarg sich vor ihm (entzog sich ihm) eine Halacha (Ordnung). R. Huna sagte: Bei drei Gelegenheiten (eig. an drei Orten) gerieth Mose in Zorn und es entzog sich ihm in Folge dessen eine Halacha, nämlich in Bezug auf den Sabbath, auf gegossene Geräthe und auf die Trauer. In Bezug auf den Sabbath heisst es Ex. 16, 22: „Und die Leute Hessen davon übrig.“ Im Zorn vergass er ihnen die Halachot des Sabbaths zu sagen. Er sprach zu ihnen das. V. 23: „Das ist es, was der Ewige geredet.“ V. 25: „Esset es heute, denn heule ist Sabbath des Ewigen.“ In Bezug auf die gegossenen Geräthe heisst es Num. 31, 14: „Und Mose zürnte über die Hauptleute des Heeres.“ Als er zürnte, kam ihm die Halacha abhanden. Er vergass ihnen die Halachot betreffs der gegossenen Geräthe zu sagen. Als sie Mose nicht sagte, sagte sie der Priester Eleasar für ihn mit den Worten das. V. 21: „Und es sprach der Priester Eleasar zu den Kriegsleuten.“ Er sprach zu ihnen: Meinem Lehrer Mose hat er es befohlen, mir aber hat er es nicht befohlen. In Bezug auf die Trauer heisst es: „Er zürnte über Eleasar und über Ithamar.“ Als er zürnte, entzog sich ihm die Halacha, dass es nämlich einem Leidtragenden verboten sei, heilige Speisen (Gaben) zu geniessen. „Und die Ueberreste also.“ R. Pinchas und R. Jehuda bar R. Simon sagten: Seid ihr denn nicht auch vom Tode übrig geblieben (entgangen)? Lev. 10, 19: „Und Aaron sprach zu Mose“ d. i. er sprach hart gegen ihn (Mose) (■mis !"ij» “naiia) vergl. Gen. 42, 30: „Der Mann, der Herr des Landes, redete hart mit uns.“ Das. V. 19: „Siehe, heute haben sie ihr Sündopfer und ihr Ganzopfer dem Ewigen dargebracht.“ Er sprach nämlich zu ihnen: Heute sind meine Söhne gestorben und heute bringe ich ein Opfer, heute sind sie gestorben und heute ge- niesse ich die heiligen Opferspeisen. Sogleich trug Aaron den Schluss (die Folgerung) a minore ad majus dem Mose vor: Wenn Par. XIII. Cap. XI, I. 85 schon die Zehnten, was doch etwas geringes ist, dem Trauernden verboten sind, um wie viel mehr ist das Sündopfer, das doch viel gewichtiger ist, dem Trauernden verboten! Diese Folgerung hörte Mose und sie gefiel ihm (eig. sie war angenehm in seinen Augen), er Hess im ganzen Lager bekannt machen: Ich habe mich in der Halacha geirrt, mein Bruder Aaron ist gekommen und hat mich belehrt. Eleasar wusste die Halacha und schwieg, ebenso Ithamar, darum waren sie auch so glücklich, dass sich das Wort Gottes an sie und ihren Vater und den Bruder ihres Vaters bei ihren Lebzeiten noch unmittelbar gewendet hat. So heisst es: „Und es redete der Ewige zu Mose und Aaron und sprach zu ihnen.“ R. Chija hat gelehrt: „Er sprach zu ihnen,“ nämlich zu den Kindern, dem Eleasar und Ithamar. R. Simeon ben Jochai begann mit Anknüpfung an Hab. 3, 6: „Er stand und mass die Erde.“ Gott mass (musterte) alle Nationen und fand keine (Nation) so würdig, dass Gesetz zu empfangen als das Geschlecht in der Wüste. Gott mass alle Berge und fand keinen Berg, auf dem er das Gesetz geben konnte, als den Sinai. Gott mass alle Städte und fand keine Stadt, in welcher der Tempel gebaut werden konnte, als Jerusalem. Gott mass alle Länder und fand keines geeignet, es Israel zu geben, als das Land Israel. Das will die Schrift sagen: „Er stand, mass die Erde und siehe“ u. s. w. Rab erklärt den Satz so: Gott hat das Blut und das Gut (Vermögen) der Völker erlaubt, das Blut s. Deut. 20, 16: „Du sollst keine Seele leben lassen“, das Gut s. das. V. 14: „Du sollst die Beute deiner Feinde essen.“ R. Huna sagte: Gott hat ihre Gürtel gelöst, wie es heisst Hi. 12, 8: „Die Fessel der Könige löst er.“ Ula Berah im Namen des R. Simeon ben Jochai sagte: Gleich einem, welcher aus der Scheune heraus kam und seinen Hund und seinen Esel bei sich hatte. Auf den Esel lud er fünf Sea (Mass) und auf den Hund nur zwei; der Esel ging seines Wegs, der Hund aber kauerte (streckte sich hin). Da nahm der Herr ein Sea von ihm und legte es auf den Esel, trotzdem aber kauerte der Hund immer noch. Da sprach der Herr zu ihm: Schwer beladen kauerst du dich, nicht schwer beladen kauerst du dich ebenfalls.*) Ebenso gab Gott den Völkern nur sieben Gebote, welche die Söhne Noachs angenommen, allein sie konnten nicht in ihnen bestehen, sondern luden sie noch den Israeliten auf. R. Tan- chum bar R. Chanilai führte dieses Beispiel an. Gleich einem Arzte, welcher zwei Kranke besuchte, den einem zum Leben, den anderen aber zum Tode (d. i. den einen hoffte er am Leben zu ■erhalten, den anderen aber gab er auf). Zu jenem sagte er: Du kannst das essen, jenes aber darfst du nicht essen. Zu demjenigen aber, welchen er aufgab, sprach er (zu den Leuten): Alles, was er verlangt, gebt ihm. So heisst es auch von den Völkern *) Du magst beladen sein oder nicht, immer kauerst du dich. Dasselbe Verhältniss fand hinsichtlich der Gesetze der heidnischen Völker statt. 86 Par. XIII. Cap. XI, i. der Welt, die nicht für das Leben der künftigen Welt bestimmt sind Gen. 9, 3: „Wie das Kraut auf dem Felde habe ich euch alles gegeben,“ allein von den Israeliten, die für das Leben der künftigen Welt bestimmt sind, heisst es: „Diese Thier dürft ihr essen.“ Oder: „Dieses Thier“ u. s. w. Das steht auch Prov. 30, 5: „Jedes Wort Gottes ist geläutert.“ Rab sagte: Die Vorschriften sind den Israeliten nur gegeben worden, um durch sie die Geschöpfe zu läutern. Warum? Weil es heisst das.: „Ein Schild ist es denen, die Schutz bei ihm suchen.“ R. Judan bar R. Simeon sagte: Alle Behemot und Leviathan sind zur Jagd für die Gerechten in der Zukunft bestimmt, und jeder, der die Jagden der Völker der Welt in dieser Welt (in diesem Leben) nicht gesehen hat, ist so glücklich, dieselben in der künftigen Welt zu sehen. Wie werden sie aber geschlachtet? Der Behemot stösst den Leviathan mit seinen Hörnern und zerreisst ihn und der Leviathan stösst den Behemot mit seinen Flossen und durchbohrt ihn. Die Weisen sagen: Ist aber diese Schlachtweise rituell? Ist nicht so gelehrt worden: Mit allem (mit jedem Schneidewerkzeug) darf geschlachtet werden, ausgenommen mit einer Erntesichel und mit einer Säge, weil beide (mehr) würgen (als schneiden, weil sie die Arterien aufritzen)? R. Abin bar Kahana aber sagte: Gott sprach: Von mir wird eine neue Lehre ausgehen, die Erneuerung des Gesetzes wird von mir ausgehen. R. Berachja sagte im Namen des R. Jizchak: Gott wird einst eine Mahlzeit ( aqiariov ) für seine- Knechte, die Frommen, veranstalten, welche auch jeder, der gefallene Thiere in dieser Welt nicht gegessen hat, so glücklich ist, in jener Welt zu sehen. So heisst es Lev. 7, 24: „Fett von gefallenen und zerrissenen Thieren kann verwendet werden zu allerlei. Werk, aber essen sollt ihr es nicht.“ Weil sie einst davon essen werden, deshalb warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Dieses sind die Thiere, die ihr essen dürft.“ Wie eine Art Schädel (Rad) von Feuer zeigte Gott dem Mose von dem Throne seiner Herrlichkeit und sprach zu ihm: Wenn die Haut (Kruste) des Gehirns durchlöchert ist (es mag noch so klein sein), so ist das Thier zum Genüsse verboten. Die Rabbinen sagen: „Dieses sind die Thiere, die ihr essen dürft,“ d. i. das Lebende von dem Zerrissenen (Schadhaften) dürft ihr essen, dagegen das Nichtlebende von dem Zerrissenen dürft ihr nicht essen. Resch Lakisch sagte: Seid ihr es würdig, so könnt ihr es essen, wo nicht, so werdet ihr von den Regierungen gegessen (verzehrt werden'. R. Acha sagte: Es heisst Jes. 1, 19: „Wenn ihr willig seid und gehorchet, sollt ihr das Beste des Landes essen, wenn ihr euch aber weigert und nicht gehorcht, lass ich das Schwert (i'in) euch verzehren“ d. i. so sollt ihr Johannisbrot (T^Vin) essen, denn R. Acha hat gesagt: Wenn der Jude Johannisbrot essen muss, dann thut er Busse. Oder es putzt die Armuth den Juden so schön, wie der rothe Riemen (Zügel) auf dem Herzen eines Schimmels. R. Chija hat gelehrt: Par. XIII. Cap. XI, i. 87 Daraus geht hervor, dass Mose die Thiere ergriff und den Israeliten zeigte und zu ihnen sprach: Dieses ist rein, jenes unrein. R. Samuel bar Nachman sagte: Alle Propheten haben die Reiche in ihrer Beschäftigung gesehen. Das steht auch Gen. 2, 10: „Ein Strom ging aus von Eden, den Garten zu bewässern.“ R. Tanchuma und, wie manche sagen, R. Menachma sagte im Namen des R. Josua ben Levi: Gott wird einst den Taumelbecher den Völkern der Welt zu trinken geben. So heisst es: „Ein Strom ging aus von Eden“ d. i. von dem Ort, von welchem das Recht ausgeht, „und von da theilt er sich und wird zu vier Hauptströmen“ d. s. die vier Reiche. „Der Name des einen ist Pischon“ d. i. Babylon vergl. Hab. 1, 8: „Seine Reiter sprengen daher;“ „er umringt das ganze Land Cha- vila“ d. i. der ruchlose Nebucadnezar, welcher heraufzog und das ganze Land Israel umzingelte, das auf Gott sein Vertrauen setzte, wie es heisst Ps. 42, 12: „Harr’ auf Gott;“ „woselbst Gold ist“ d. i. wo die Worte der Thora sich befinden, wie es heisst Ps. 19, 11: „Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold.“ „Und das Gold desselbigen Landes ist gut,“ daraus geht hervor, dass kein Gesetz so gut ist, wie das Gesetz des Landes Israel und keine Weisheit so gut ist, wie die Weisheit des Landes Israel. „Dort ist der Bedolach und der Stein Schoam“ d. i. dort findet man Schrift Mischna, Talmud, Halachot und Haggadot. „Der Name des zweiten Flusses ist Gichon,“ dieser repräsentirt das medische Reich, welches den ruchlosen Haman gestellt hat, welcher Gift wie eine Schlange zog (verbreitete). Darum heisst es Gen. 3, 14: „Auf deinem Bauche sollst du gehen.“ „Er umgiebt das ganze Land Cusch,“ wie es heisst Esth. 1, 1: „Er regierte von Hodu bis Cusch.“ „Der Name des dritten Flusses ist Chidekel,“ er stellt Javan (Griechenland) vor, welches scharf und leicht in seinen Edicten über Israel war; es sprach zu ihnen: Schreibet auf das Horn des Ochsen, dass Israel keinen Theil an dem Gotte Israels hat. „Welcher fliesst zur Morgenseite von Assur.“ Alle Reiche, sagte R. Huna, werden deshalb Assur (TiiIiN) genannt, weil sie sich selbst mit Israel gebrüstet haben (’p'UE'NB). So werden auch nach R. Jose bar R. Chanina alle Reiche Mizraim genannt, weil sie Israel bedrängt haben (■pTitB). „Und der vierte Fluss ist der Euphrat“ d. i. Edom, weil er gewachsen und gross geworden ist durch da's Gebet des Alten (durch den Segen Jizchaks). Oder es heisst darum so, weil es fruchtbar war und sich vermehrte und die Welt Israels bedrängte. Oder es heisst darum so, weil es fruchtbar war und gross wurde und seinen Sohn (Israel) bedrängte. Oder es heisst darum so, weil es fruchtbar war und gross wurde und sein Haus bedrängte. Oder es heisst so wegen seines Endes, welches es nehmen wird, wie es heisst Jes. 63, 3: „Die Kelter (tYms) trat ich, ich allein.“ Auch Abraham sah die Reiche in ihrer Thätigkeit s. Gen. 15, 12: „Und siehe, Schrecken“ d. i. Babylon, weil Nebucadnezar voll Zorn geworden war, „und Finsterniss“ d. i. Medien, weil es nämlich durch seine Edicte Israel ver- 88 Par. XIII. Cap. XI, i. finstert (trübe Zeiten herbeigeführt) hat, wie es heisst Esth. 7, 4: „Zu vertilgen, erwürgen und vernichten;“ „grosse“ d. i. Griechenland. R. Nachman sagte: Daraus geht hervor, dass das Reich Griechenland aus 171 Eparchien und 127 Feldherren bestanden hat. Die Rab- binen sagen: (Es hat) aus sechzigmal sechzig (bestanden). R. Berachja und R. Chanin stimmen dem bei, was die Rabbinen in ihrer Erklärung Deut. 8, 15 sagen: „Der dich führte durch die grosse und schreckliche Wüste, wo es Schlangen, Seraphe und Scorpionen gab.“ „Schlangen“ d. i. Babylon, „Seraphe“ d. i. Medien, Scorpionen d. i. Griechenland. Denn wie der Scorpion sich sechzigmal sechzig vermehrt, so stellte auch das griechische Reich sechzigmal sechzig. „Fallende“ d. i. Edom, wie es heisst Jerem. 49, 2t: „Vor dem Schall ihres Sturzes bebet die Erde“ vergl. Dan. 7, 7: „Fürchterlich und schrecklich.“ Oder: „Finsterniss“ d. i. Griechenland, „grosse“ d. i. Medien vergl. Esth. 3, 1: „Der König Achaschverosch hatte den Haman gross gemacht;“ „fallende“ d. i. Babylon vergl. Jes. 21, 9: „Gefallen, gefallen ist Babel.“ Auch Daniel hat die Reiche in ihrer Beschäftigung gesehen, wie es heisst Dan. 7, 2f.: „Und ich schaute in einem Gesichte der Nacht und siehe, die vier Winde des Himmels brachen los auf das grosse Meer und vier grosse Thiere stiegen herauf aus dem Meer“ d. i. verdient ihr es, so kommen sie aus dem Meere, wo nicht, vom Walde. Denn das Thier, das aus dem Meere aufsteigt, ist gebeugt (kraftlos, weil es sich auf dem Lande nicht erhalten kann), dasjenige aber, was aus dem Walde kommt, ist nicht gebeugt (ist wild). So heisst es auch Ps. 80, 14: „Ihn zerwühlt der Eber vom Walde“ d. i. verdient ihr es, so kommt es aus dem Flusse, wenn nicht, so kommt es aus dem Walde. Das Thier, das aus dem Flusse steigt, ist gebeugt, dasjenige aber, das aus dem Walde steigt, ist nicht gebeugt. Das.: „Verschieden eines vor dem andern.“ Lies nicht Zähne, sondern ■pito. Daraus geht hervor, dass jede Nation, welche zur Herrschaft in der Welt gelangt, die Israeliten hasst und knechtet. „Das Erste war wie ein Löwe“ d. i. Babylon. Jeremja hat es als Löwe und auch als Adler gesehen s. Jerem. 4, 7: „Der Löwe kommt aus seinem Dickicht hervor,“ und 49, 22: „Siehe, wie ein Adler kommt er herauf und flieget.“ Man fragte Daniel: Wie hast du es (Babylon) gesehen? Ich habe es gesehen mit dem Gesichte einem Löwen und mit dem Flügel einem Adler ähnlich vergl. Dan. 7, 4: „Das erste war wie ein Löwe und hatte Adlersflügel; ich schaute, bis dass ihm die Flügel ausgerissen wurden und es ward aufgehoben von der Erde.“ R. Eleasar und R. Samuel bar Nachman. R. Eleasar sagt:. Den ganzen Löwen hat er wohl geschlagen, sein Herz hat er aber nicht geschlagen, wie es heisst: „Eines Menschen Herz gab er ihm.“ R. Samuel bar Nachman dagegen sagte: Auch sein Herz hat er geschlagen vergl. das. 4, 13: „Sein Herz soll verändert werden und nicht mehr menschlich sein.“ „(Und ich schaute) und siehe ein anderes Thier, das zweite, gleich einem Bär“ d. i. Medien, Par. XIII. Cap. XI, i. 89 ■welcher Meinung auch R. Jochanan ist, denn dieser hat gesagt: Es heisst Jerem. 5,6: „Darum wird sie der Löwe vom Walde schlagen“ d. i. Babylon, „und der Wolf aus der Wüste sie verderben“ d. i. Medien; „der Parder lauert vor ihren Städten“ d. i. Griechenland; „wer von ihnen herausgeht, wird zerrissen“ d. i. Edom. Warum? „Denn zahlreich sind ihre Vergehungen, stark ihre Uebertretungen.“ „Dann schaute ich und siehe, ein anderes Thier, wie ein Parder“ d. i. Griechenland, weil es grausame Edicte erliess und den Israeliten befahl: Schreibet auf das Horn des Ochsen, dass sie keinen An- theil an der zukünftigen Welt haben. „Nach diesem schaute ich in den nächtlichen Gesichten und siehe, ein viertes Thier, fürchterlich und schrecklich und ausnehmend stark“ d. i. Edom. Jene drei sah Daniel in einer Nacht und dieses in einer Nacht. Warum? R. Jochanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Weil es gegenüber jenen drei die Wage hält. R. Simeon ben Lakisch dagegen sagte: Er übertrifft ihn sogar noch. Darauf antwortete nun R. Jochanan dem R. Simeon ben Lakisch: Es heisst doch Ezech. 21, 14: „Und du Menschensohn, weissage und schlage die Hände zusammen.“ Darauf antwortete ihm R. Simeon ben Lakisch: Es heisst doch: „Denn doppelt kommt das Schwert.“*) Auch Mose hat die Reiche in ihrer Thätigkeit (ihrem Wirken) gesehen. „Das Kamel“ d. i. Babylon, wie es heisst Ps. 137, 8: „Wohl dem, der dir vergilt, was du uns zugefügt;“ „die Bergmaus“ d. i. Medien. Die Rabbinen und R. Jehuda bar R. Simon. Die Rabbinen sagen: Wie die Bergmaus Zeichen von Reinheit und Zeichen von Unreinheit an sich hat, so hat auch das medische Reich einen Gerechten (Mardachai) und einen Frevler (Haman) gestellt. R. Jehuda bar R. Simon denkt an Darius den Andern, der ein Sohn der Esther war und somit rein von seiner Mutter und unrein vom Vater her war. „Den Hasen“ d. i. Griechenland, nämlich die Mutter des Ptolemäus soll so geheissen haben. „Das Schwein“ d. i. Persien. Mose hat jene drei (Thiere) in einem Vers und dieses in einem besonderen behandelt. Warum? R. Jochanan und R. Simeon. R. Jochanan sagte: Weil es jene drei Reiche aufwiegt. R. Simeon ben Lakisch dagegen sagte: Es übertrifft sie sogar noch. Nun wies R. Jochanan den R. Simeon ben Lakisch auf Ezechiel 21, 14 hin: „Menschensohn“ weissage und schlage die Hände zusammen.“ Darauf antwortete Resch Lakisch: Es heisst doch: „Denn doppelt kommt das Schwert.“ R. Pinchas und R. Chiskia sagten im Namen des R. Simon: Von allen Propheten haben nur zwei, Assaph und Mose, es weiter aufgedeckt (bekannt gemacht), Assaph sagte Ps. 80, 14: „Ihn zerwühlt der Eber vom Walde“ und Mose sagte Lev. 11, 7: „Und das Schwein, denn es hat gespaltene Klauen.“ Warum wird aber Edom mit einem Schwein verglichen? Um dir zu sagen: Wie das Schwein, wenn es *) Diese Weissagung geht auf Edom. Daraus wird bewiesen, dass Rom jenen drei Reichen gleich ist und es noch übertrifft. go Par. XIII. Cap. XI, i. sich lagert, seine Klauen ausstreckt (und zeigt), als wollte es sagen: Seht dass ich rein bin, so brüstet sich auch das Reich Edom, erpresst und raubt und scheint dann so fromm, als wenn es die Tribüne (worauf man das Gesetz legt) mit einer Decke überziehe. Ein Machthaber hatte alle Diebe, Ehebrecher und Zauberer (Gaukler) umbringen lassen; derselbe bückte sich, flüsterte seinem Senator ins Ohr: diese drei Dinge habe ich in einer Nacht gethan (begangen). Oder: „Das Kamel“ d. i. Babylon, „es ist wiederkäuend,“ denn es preist Gott. R. Berachja und R. Chelbo sagten im Namen des R. Ismael bar Nacbman: Alles was David specialisirt (an vielen Stellen gesagt) hat, wird auf diesen Frevler (d. i. Nebucadnezar) in einem Verse allgemein gesagt, wie es heisst Dan. 4, 34: „Und so preise und erhebe und verherrliche ich Nebucadnezar den König des Himmels.“ Es preist s. Ps. 147, 12: „Preise, Jerusalem, den Ewigen,“ und es erhebt s. Ps. 30, 2: „Ich erhebe dich, Ewiger!“ und verherrlicht s. das. 104, 1: „Ewiger, mein Gott, du bist sehr gross, mit Glanz und Pracht gekleidet;“ „denn all sein Thun ist Wahrheit“ (Dan. 4 , 34) s. Ps. 138, 2: „Ob deiner Gnade und Wahrheit;“ „und seine Wege Recht“ (Dan. 4, 34) s. Ps. 96, 10: „Er richtet die Nationen in Gerechtigkeit;“ „und die in Hoheit wandeln“ (Dan. 4, 34) s. Ps. 93, 1: „Der Ewige ist König, mit Hoheit angethan,“ „die vermag er zu erniedrigen“ Dan. 4, 34) s. Ps. 75,11: „Und alle Hörner der Frevler will ich beugen.“ „Und das Kaninchen“ d. i. Medien, „denn es ist wiederkäuend,“ denn es preist Gott s. Esra 1, 2: „So spricht Koresch, der König von Persien.“ „Und den Hasen“ d. i. Griechenland, „er ist auch wiederkäuend,“ denn es preist Gott. Als Alexander der Grosse, König von Macedonien, den R. Simeon den Gerechten sah, sprach er: Preis dem Ewigen, dem Gott des Simeon des Gerechten. „Das Schwein“ d. i. Edom, „es ist nicht wiederkäuend,“ denn es preist Gott nicht. Und nicht genug, dass es ihn nicht preist, es schmäht und lästert ihn sogar und spricht Ps. 73, 25: „Wen habe ich im Himmel?“ Oder: „Das Kamel“ stellt Babylon vor, „es ist wiederkäuend,“ denn es erhob den Daniel, wie es heisst Dan. 2,49: „Daniel war am Hofe des Königs;“ „Die Bergmaus“ d. i. Medien, „sie ist wiederkäuend,“ denn es hat Mardachai erhoben, wie es heisst Esth. 2, 21: „Und Mardachai sass im Thore des Königs;“ „den Hasen“ d. i. Griechenland, „er ist wiederkäuend,“ denn es hat die Gerechten erhoben. Als Alexander Simeon den Gerechten sah, stand er vom Platze auf. Wie, vor einem Juden erhebst du dich? fragte man ihn. Als ich, gab er zur Antwort, in den Krieg zog, da pflegte ich, wenn ich sein Bild sah, zu siegen. „Das Schwein“ d. i. Griechenland, „es ist nicht wiederkäuend,“ denn es erhebt die Gerechten nicht, und nicht nur das, es bringt sie sogar ums Leben, wie es heisst Jes. 47, 6: „Ich zürnte über mein Volk, entweihte mein Erbtheil“ u. s. w., was sich auf R. Akiba und seine Genossen an wenden lässt. Oder: „Das Kamel“ d. i. Babylon, „es ist wiederkäuend (ms),“ denn es zieht Par. XIV. Cap. XII, 2. 9 f (iTViÄ'i!) ein anderes Reich nach sich;*) „die Bergmaus“ d. i. Griechenland, „denn sie ist wiederkäuend,“ denn es zieht ein anderes Reich nach sich; „den Hasen“ d. i. Medien, „denn er ist wiederkäuend,“ denn es zieht ein anderes Reich nach sich'; „das Schwein“ d. i. Edom, „es ist nicht wiederkäuend,“ denn es zieht kein anderes Reich nach sich.**) Und warum wird es Schwein (“mn) genannt? Weil es einst die Krone ihrem Herrn (Eigenthümer) zurückgiebt (Tmna'ii), wie es heisst Obadja i, 20: „Es ziehen herauf zum Berge Zion, zu richten das Gebirge Esaus, und dem Ewigen wird das Königthum gehören.“ -o rratt -na Parascha XIV. Cap. XII, 2. So ein Weib besamet wird. In Verbindung mit Ps. 139, 5: „Vorwärts und rückwärts hast du mich umschlossen.“ R. jochanan sagte: Wenn der Mensch es verdient, so nimmt er zwei Welten in Besitz, diese und die künftige, was hier gesagt ist: „Vorwärts und rückwärts hast du mich umschlossen,“ wo nicht, so- wird er zur Rechenschaft gezogen, wie es das. heisst: „Du legst an mich die Hand“ vergl. Hi. 13, 21: „Entferne deine Hand von mir.“ R. Samuel bar Nachman sagte: Als Gott Adam erschaffen hatte, war dieser ein Mannweib {avÖQÖyvvog ).***) Resch Lakisch sagte: Als Adam erschaffen worden war, hatte er zwei Gesichter, er zersägte ihn aber und machte zwei Rücken, einen für den Mann und einen für das Weib. Dagegen wurde ihm aber eingewandt: Es heisst doch Gen. 2, 21: „Er nahm eine von seinen Rippen (■pmybltM)?“ Er antwortete: Es heisst (nicht: von seinen Rippen, sondern:) eine von seinen zwei Seiten s. Ex. 26, 22: „Und an der Seite (rb^bi) der Wohnung.“ R. Berachja und R. Chelbo und R. Samuel bar Nachman sagten: Als Gott den ersten Menschen erschaffen hatte, füllte dieser die ganze Welt von einem Ende bis zum andern, vom Morgen bis zum Abend. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Ps. 139, 5: „Von hinten (“inN) und von vorn (C“p) hast du mich gebildet.“ Von Mitternacht bis zum Mittag, woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Deut. 4, 32: „Von einem Ende des Himmels bis zum andern.“ Und woher lässt sich beweisen, dass er so gross wie die Höhlung der Welt war? Weil es heisst: „Du legest deine Hand an mich.“f) R. Eleasar sagte: -nm ist der erste Schöpfungstag und Dip der letzte. Das ist nach der Meinung des R. Eleasar. Es heisst nämlich Gen. 1, 24: „Die *) Auf Babel folgte Griechenland, das Israel knechtete. **) Weil dann die messianische Zeit unmittelbar folgen wird. ***) S. llidr. Beresch. r. Par. 8. t) Die Hand Gottes ist so gross, dass sie von einem Ende bis zum andern geht. 92 Par. XIV. Cap. XII, 2. Erde bringe hervor beseelte Wesen nach ihrer Art.“ Unter 12sa *-pn ist der Geist des ersten Menschen zu verstehen. Nach Resch Lakisch dagegen geht TinN auf den letzten Tag und a-p auf den ersten Tag. Das ist nach der Meinung des Resch Lakisch, wie es heisst Gen. 1,1: „Und der Geist Gottes schwebte über den Wassern“ d. i. der Geist des Königs Messias. Verdient es der Mensch, so spricht man zu ihm: Du bist allen Schöpfungswerken vorangegangen, wo nicht, so spricht man zu ihm: Die Mücke, die Kräuselschnecke ist dir vorangegangen (sind vor dir erschaffen worden). R. Ismael bar R. Tanchum sagt: Tins bedeutet: nach allen Werken, und dnp, vor allen Strafen. R. Jochanan sagte: Auch sein Vorzug (Lob) kommt erst (in einem Verse) zuletzt vor s. Ps. 148, 10: „Ihr wilden Thiere und alles Vieh, Gewürm und gefiederte Vögel,“ und darauf folgt V. 11: „Ihr Könige der Erde und alle Nationen.“ R. Simlai sagte: Wie die Bildung des Menschen nach der der Haus- und Feldthiere und Vögel geschah, so kommt auch sein Gesetz (seine Verhaltungsweise) nach den Haus- und Feldthieren und Vögeln. So heisst es Lev. 11, 46: „Das ist das Gesetz (die Verordnung) das Vieh betreffend,“ und dann folgt erst das. 12, 2: „So ein Weib besamet wird.“ Oder: „So ein Weib besamet wird.“ In Verbindung mit Hi. 36, 3: „Ich erhebe meine Gedanken zur Ferne und meinem Werkmeister will ich Recht schaffen.“ R. Me'ir sagte: Das Wort trat* hat zweierlei Bedeutung, es bedeutet nämlich Gesang :,: ) und Pest; Gesang über das Lob der Tugendhaften (Gerechten) und Pest (Unheil) über den Fall der Frevler. „Zur Ferne (pin“iMb)“ d. i. auf die Entfernten (a^pimri), die genähert worden sind. „Ich erhebe meine Gedanken zur Ferne und meinem Werkmeister verschaffe ich Recht.“ R. Nathan sagte: Wir beziehen den Ausdruck „von der Ferne“ auf den Namen unseres Vaters Abraham, welcher von Ferne kam, wie es heisst Gen. 22, 4: „Und Abraham hob seine Augen auf und sah den Ort in der Ferne.“ R. Chanina bar Papa sagte: Wir beziehen das Wort auf den Namen Gottes, von dem wir entfernt waren und er hat uns sich näher gerückt. R. Chaggi sagte: Er geht auf Dinge, die von uns einen Weg von fünfhundert Jahren entfernt sind, z. B. die Menschen schlafen auf ihren Lagern und Gott lässt Winde wehen, Wolken aufsteigen, Regen herabfallen, Gewächse sprossen und vertrocknen, er richtet den Tisch vor jedem einzelnen an. R. Samuel bar Idi sagte im Namen des R. Acha: Wenn Elihu diesen Vers von selbst gesagt hat, so ist er ein Lob, wenn er ihn aber im heiligen Geiste gesagt hat, so ist er das höchste Lob. R. Levi hat dreierlei gesagt. Gewöhnlich giebt ein Mensch dem andern einen Beutel mit Geld in aller Stille zur Aufbewahrung und dieser giebt ihm dann eine Litra Gold öffentlich zurück, ist -er ihm dafür nicht verpflichtet (d. i. wird er ihm nicht Dank sagen)? *) Nämlich: die Stimme zum Gesang erheben. Par. XIV. Cap. XII, 2. 93 Ebenso übergeben die Menschen Gott einen Tropfen schmutziger Flüssigkeit im Geheimen und Gott giebt ihnen dann herrliche -und vollkommene Seelen öffentlich wieder, verdient das nicht ein grosses Lob? Es heisst Hi. 36, 3: „Ich erhebe meine Gedanken zur Ferne, meinem Werkmeister verschaffe ich Recht.“ R. Levi sagte ferner: Gewöhnlich liegt ein Mensch im Gefängniss und niemand kümmert sich um ihn (achtet auf ihn); da kommt aber einer, und zündet ihm daselbst ein Licht an, ist er ihm nicht verpflichtet? Ebenso lässt Gott das Kind im Leibe seiner Mutter wohnen und er leuchtet ihm daselbst mit einem Lichte. Das sagt auch Hi. 29, 3: „Als seine Leuchte glänzte über meinem Haupte.“ Ist das nicht ein Lob? Das wollen die Worte sagen: „Und meinem Werkmeister verschaffe ich Recht.“ R. Levi sagte endlich: Gewöhnlich liegt ein Mensch im Gefängnisse und kein Mensch kümmert sich um ihn, da kommt aber einer, welcher seine Fesseln löst und ihn herausführt, ist er ihm nicht verpflichtet? So befindet sich auch das Kind im Leibe seiner Mutter, da kommt Gott und löst ihm seine Fesseln und führt es von da heraus ans Tageslicht. Oder: „So ein Weib besamet wird.“ So heisst es auch Ps. 10, 12: „Leben und Wohlthat hast du an mir gethan und deine Obhut bewahrte meinen Odem.“ R. Abba bar Kahana sagte dreierlei. Gewöhnlich' wenn der Mensch einen Beutel mit Geld mit der Oeffnung herunterwärts kehrt, fällt nicht da das Geld heraus (wird es nicht verstreut)? Das Kind ist im Leibe seiner Mutter und Gott behüte es, dass es nicht herausfällt und stirbt; verdient er deshalb nicht Lob? Das wollen die Worte sagen: „Leben und Wohlthat hast du an mir gethan und deine Obhut bewahrte meinen Odem.“ R. Abba bar Kahana sagte ferner: Gewöhnlich geht das Thier gekrümmt und das Junge befindet sich in seinem Leibe wie in einer Art Sack, das Weib dagegen geht aufrecht und das Kind befindet sich in ihrem Leibe und Gott behütet es, dass es nicht herausfällt und stirbt. Das wollen die Worte sagen: „Leben und Wohlthat hast du an mir gethan.“ R. Abba bar Kahana sagte endlich: Gewöhnlich hat das Thier seine Brüste am Orte des Leibes, so dass das Junge am Orte (in der Nähe) der Scham saugt, das Weib hat aber ihre Brüste an einem herrlichen Orte und das Kind saugt am Orte ihrer Herrlichkeit, ist das nicht Leben und Wohlthat? Das wollen die Worte sagen: „Leben und Wohlthat hast du an mir gethan.“ R. Eleasar sagte: Wenn der Mensch im Heissen auch nur eine Stunde verweilt, wird er nicht um’s Leben kommen? Und das Innere des Weibes ist siedend und das Kind liegt darin und Gott behütet es, dass es nicht in eine Haut, oder in eine leblose Masse, oder in eine Sandale übergehe. Zeigt das nicht von Leben und Wohlthat? Das wollen die Worte sagen: „Leben und Wohlthat hast du an mir gethan.“ R. Tachlipha von Cäsarea sagte: Wenn ein Mensch ein Stück nach dem andern isst, wird nicht das zweite das erste verdrängen? Das Weib aber, wieviel Speise isst sie und wieviele Ge- 94 Par. XIV. Cap. XII, 2. tränke trinkt sie, ohne dass das Kind verdrängt wird. Ist das nicht Leben und Wohithat? R. Simon sagte: Der Leib des Weibes ist aus lauter Zellen, Gemächern und Seilen gemacht und bei der Niederkunft (eig. in der Stunde, wenn sie auf dem Gebährstuhle sitzt) löst sich nicht, alles auf einmal? Im Sprichwort heisst es: Löst sich ein Seil ab, so lösen sich gleich zwei Seile ab (sobald der Knoten zweier zusammengebundener Seile aufgeht). R. Me'ir hat gesagt: Während der neun Monate (der Schwangerschaft) sieht das Weib nicht das Blut, was sie doch der Regel nach monatlich sehen sollte. Was thut Gott damit? Er lässt es in ihre Brüste hinaufsteigen und macht es zu Milch, damit das Kind, wenn es zur Welt kommt, Nahrung finde, und besonders wenn es ein Knabe ist, wie es heisst: „Wenn ein Weib besamet wird und ein männliches Kind gebiert.“ Oder: „Wenn ein Weib besamet wird.“ Das steht auch Hi. 38, 8—11: „Wer umschloss mit Thüren das Meer, als es hervorbrach aus dem Mutterschoss?“ R. Elieser und R. Josua und R. Akiba. R. Elieser sagte zur Erklärung dieser Stelle: Wie das Haus Thüren hat, so hat auch das Weib Thüren s. Hi. 3, 10: „Schloss sie mir nicht die Thüre meines Mutterleibes.“ R. Josua sagte: Wie für das Haus es Schlüssel giebt, so giebt es auch für das Weib Schlüssel vergl. Gen. 30, 22: „Und Gott erhörte sie und that ihren Mutterleib auf.“ R. Akiba sagte: Wie im Hause es Thürangeln (cnTSt) giebt, so hat auch das Weib Thürangeln, so heisst es s. Sam. 4, 29: „Sie krümmte sich und gebar, denn ihre Angeln (rpT'S) hatten sich umgedreht.“ „Als er hervorging (nrvoti) aus dem Mutterschoss“ (s. Hi. 38, 9), weil er sich überhob (ruonüia), herauszutreten. „Als ich ihm Gewölk gab zum Gewand,“ darunter ist die Haut des Embryos zu verstehen; „und Wolkennacht zu seiner Windel“ d. i. die dicke Fleischmasse; „als ich ihm seine Grenzen bestimmte“ d. s. die ersten drei Monate; „und Riegel setzte und Thüren“ d. s. die mittleren drei Monate; „und sprach: Bis hierher sollst du kommen und nicht weiter“ d. s. die letzten drei Monate; „hier sei ein Ziel gesetzt bei deiner Wogen Trotz.“ R. Ibo sagte: In Folge deines Mistes (Unrathes), weil das Kind, so wie es an’s Licht tritt, voll von Unrath (Schmutz) und allen Arten von Gestank ist, und dennoch herzen es alle und küssen es, um so mehr, wenn es ein Knabe ist. Das sagt nun auch die Schrift: „Wenn ein Weib besamet wird und ein männliches Kind gebiert.“ Oder: „Wenn ein Weib besamet wird.“ Es heisst Ps. 51, 7: „Siehe in Schuld bin ich geboren.“ R. Chija bar Abba, sagte: Selbst wenn es der Frömmste ist, so wird er doch eine Seite von Schuld haben. David sprach vor Gott: Herr der Welt! hat denn mein Vater Isai die Absicht gehabt, mich ins Dasein zu rufen (mich zu stellen)? Hat er nicht die Absicht gehabt, sich einen Genuss zu verschaffen? Und dass es so ist, kannst du daraus erkennen: Nachdem sie ihr Bedürfniss befriedigt hatten, wandte dieser sein Par. XIV. Cap. XII, 2. 95 Angesicht dahin und jene ihr Angesicht dorthin und du führtest jeden Tropfen, der in ihm war, hinein. Das ist es, was David mit den Worten Ps. 27, 10 meint: „Denn mein Vater und meine Mutter haben mich verlassen, aber der Ewige wird mich aufnehmen.“ Es heisst Ps. 51, 7: „Und meine Mutter hat mich in Sünde empfangen.“ R. Chija bar Abba sagte: „Das Weib empfängt kurz nach der Menstruation oder kurz vorher. Und das um so mehr, wenn es ein Knabe ist, wie es heisst: „Wenn ein Weib besamet wird und ein Männliches gebiert.“ Oder: „Wenn ein Weib besamet wird.“ Das steht auch Ps. 139, 3: „Mein Wandeln und mein Liegen sichtest du, und mit allen meinen Wegen bist du vertraut.“ R. Jochanan, Resch Lakisch und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Gott bildet den Menschen nur aus einem weissen Tropfen. Resch Lakisch sagte: Du sichtest, wie ein Mensch, welcher das Korn würfelt (sichtet), das Stroh ausscheidet, bis er das reine Korn gewonnen hat. R. Simeon ben Lakisch sagte: Auch verliert er den Tropfen nicht, sondern er wirft etwas davon in’s Gehirn und etwas in die Knochen und etwas in die Adern, und besonders, wenn es ein männliches Kind ist, wie es heisst: „Wenn ein Weib besamet wird und ein Männliches gebiert.“ Oder: „Wenn ein Weib besamet wird.“ In Verbindung mit Koh. 11, 2: „Gieb einen Theil an sieben, auch an acht.“ „Gieb einen Theil an sieben“ d. s. die sieben Tage der Absonderung, „und auch an acht“ d. s. die acht Tage der Beschneidung. Gott sprach: Wenn du die Tage der Absonderung beobachtest, so gebe ich dir einen Sohn und du beschneidest ihn nach acht Tagen. Das wollen die Worten sagen Lev. 12, 3: Und am achten Tage soll das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten werden. Es ist gelehrt worden, wie die Gestalt des Kindes (Embryos) ist. Im Anfänge seiner Entstehung (Schöpfung) gleicht es einer Kammerheuschrecke, seine zwei Augen sind wie zwei Tropfen der Fliege, seine beiden Nasenlöcher sind wie zwei Tropfen der Fliege, und seine beiden Ohren sind wie zwei Tropfen der Fliege, und seine beiden Arme sind wie zwei glänzende Streifen, sein Mund gleicht dem Gerstenkorn, sein Leib ist wie eine Linse, und die andern Glieder sind zusammengerollt (gewickelt) an ihm wie eine ungeformte Masse. Darauf sagt David Ps. 139, 16: „Meinen Klos haben deine Augen gesehen.“ Ist es aber ein weibliches Wesen, so ist es der Länge nach wie ein Gerstenkorn gespalten, Hände und Füsse sind nicht an ihm ausgestreckt. Wie liegt das Kind im Leibe seiner Mutter? Eingewickelt wie ein Buch, sein Kopf liegt zwischen seinen Knieen, seine beiden Hände liegen an seinen beiden Seiten, seine beiden Fersen an seinen beiden Hüften (Dicken der Hüfte), sein Mund ist geschlossen, sein Nabel ist offen und es isst von dem, was seine Mutter isst und trinkt von dem, was seine Mutter trinkt und giebt keinen Koth von sich, denn sonst würde es seine Mutter gö Par. XIV. Cap. XII, 2. umbringen. Tritt es dann an die Luft der Welt, so wird das Geschlossene geöffnet und das Offene geschlossen. Die Schule Schammais und die Schule Hillels. Die Schule Schammais sagt: Nicht wie die Bildung des Kindes in dieser Welt ist auch die Bildung in jener Welt. In dieser Welt beginnt die Bildung mit Haut und Fleisch und endet mit Sehnen und Knochen, aber einst beginnt sie mit Sehnen und Knochen und endet mit der Haut, denn so heisst es von den Todten Ezechiels s. Ezech. 37: „Und ich sah und siehe, Sehnen waren darauf und Fleischwuchs.“ Und es zog sich Haut darüber obenher, aber Geist war nicht in ihnen.“ Allein R. Chija bar Abba will diesen Abschnitt in Ezechiel als Beweis nicht gelten lassen. Mit wem sind wohl die Todten Ezechiels zu vergleichen? Mit dem, welcher in ein Bad geht, das was er zuletzt auszieht, das zieht er zuerst an. Die Schule Hillels sagt: Wie die Bildung des Menschen in dieser Welt ist, so ist die Bildung auch in jener Welt. In dieser Welt beginnt sie mit Haut und Fleisch und endet mit Sehnen und Knochen und so wird es auch einst sein, denn so sagt Hi. 10, 9: „Denke doch, dass wie aus Thon du mich formtest,“ und das. V. 10: „Wirst du mich nicht wie Milch hingiessen?“ Es heisst nicht: i 5 rßn!i, du hast mich hingegossen, sondern: ■'Srnnn, du wirst mich hingiessen. Das.: „und wie Käse wirst du mich gerinnen lassen?“ Es heisst nicht: •'tntf’Dpn, du hast mich gerinnen lassen, sondern: "CtODpn, du wirst mich gerinnen lassen. Das. V. 11: „Mit Haut und Knochen wirst du mich bekleiden.“ Es heisst nicht: ■'arnzjabf'i, du hast mich bekleidet, sondern: "Oia-Obn, du wirst mich bekleiden. Das.: „Mit Knochen und Sehnen wirst du mich weben.“ Es heisst nicht: ■OrDSO, du hast mich gewoben, sondern: ■' 3 iSiDD, du wirst mich weben. Das wollen die Worte sagen: „Leben und Wohlthat hast du an mir gethan.“ Wenn das Weib voll stehenden Blutes ist, so geht davon heraus zum Quell ihres Menstruums und mit Gottes Willen geht der weisse Tropfen und fällt hinein, und es wird dann sofort das Kind gebildet. Gleich, der Milch in einer Schüssel; wenn du den Labmagen hineinthust, so gerinnt sie und steht, wo nicht, so fliesst sie hin und her. Gleich zwei Bildnern, dieser bildet das Ebenbild (die Aehnlichkeit) von jenem und jener bildet das Ebenbild (die Aehnlichkeit) von diesem. Immer kommt das Weibliche vom Mann und das Männliche vom Weiblichen (Samen). Das Männliche kommt vom Weiblichen s. 1. Chron. 4,18: „Und sein Weib Jehudija gebar den Jered“ und Gen. 22, 24 heisst es: „Und sein Kebsweib, ihr Name Reuma, sie gebar auch“ u. s. w. Und so heisst es auch hier: „Wenn ein Weib zuerst Samen giebt, so gebiert sie einen Knaben;“ und das Weibliche kommt vom Manne, wie es heisst das. V. 23: „Und Bethuel zeugte Rebecca,“ und das. 46, 15: „Und Dina, seine Tochter.“ Num. 26, 46: „Und der Name der Tochter Aschers war Serach.“ Es giebt kein Buch, bemerkte R. Abin, welches von sich selbst erzählt. Gleich zweien, die in ein Bad gehen, wer zuerst schwitzt, geht zuerst heraus (und Par. XV. Cap. XIII, 2. 97 überlässt das Bad den Zurückbleibenden).*) R. Abuhu sagte: Eine grosse Wohithat thut Gott dem Weibe in dieser Welt, dass er die Bildung des Kindes nicht gleich mit Sehnen und Knochen beginnen lässt, denn wenn das der Fall wäre, so würde es ihren Leib spalten und an’s Licht treten. Denn in dieser Welt gebiert das Weib mit Schmerzen, aber was steht einst geschrieben? S. Jes. 667: „Bevor sie kreiset, gebiert sie, ehe sie Wehen ankommen, ist sie eines Knaben genesen.“ Parascha XV. Cap. XIII, 2. So ein Mensch an der Haut seines Fleisches eine erhaben scheinende oder angelaufene Stelle oder einen Flecken hat. In Verbindung mit Hi. 28, 25: „Dem Winde ein Gewicht zu machen und die Wasser abwog mit dem Masse.“ R. Huna sagte: An drei Orten brach ein Wind ohne Gewicht los, welcher die Welt hätte zerstören (verwüsten) können, einer war in den Tagen Hiobs, einer in den Tagen Jonas und einer in den Tagen Elias. Von dem Winde in den Tagen Hiobs heisst es Hi. 1, 19: „Und siehe, da kam ein grosser Wind jenseits der Wüste her;“ von dem Winde in den Tagen Jonas heisst es Jona 1, 4: „Und der Ewige warf einen grossen Wind auf das Meer,“ und von dem Winde in den Tagen Elias heisst es I. Reg. 19, II: „Und er sprach: Gehe aus und tritt an den Berg, und siehe, der Ewige ging vorüber, und ein grosser, starker Wind, Berge zerreissend, Felsen zerschmetternd.“ R. Jehuda bar R. Schalum sagte: Jener Wind zur Zeit Hiobs war derselbe wie der zur Zeit Jonas und derselbe wie der zur Zeit Elias, und wegen des Hauses war Wind zu Hiobs Zeit und wegen des Schiffes zu Jonas Zeit und wegen jene* Vorgangs zu Elias Zeit und keiner war so gross, wie der zu Elias Zeit, wie es heisst: „Und er sprach: Gehe und stelle dich an den Berg.“ R. Tanchum bar R. Chija sagte im Namen der Rabbinen: Der König Messias kommt nicht eher, als bis alle Seelen, die nach göttlicher Absicht erschaffen werden sollen, dahin sein werden, und das sind die Worte, welche im Buch des ersten Menschen verzeichnet sind s. Gen. 5, 1: „Das ist das Buch der Geschlechtsfolge Adams.“ R. Josua bar R. Chanina sagte: In der Stunde, wo der Wind vor Gott ausgeht, bricht er an den Bergen (dessen Kraft) und macht ihn unthätig an den Hügeln und er spricht zu ihm: Hüte dich, dass du meinen Geschöpfen nicht Schaden verursachst, wie es heisst Jes. 57, 16: „Wenn der Wind (Geist) sich vor mir verhüllt und die Seelen, die ich gemacht habe“ *) So auch, wenn der Mann zuerst den Samen fliessen lässt, so überlässt er dann seine Kraft (Wirkung) dem weiblichen Theile und diese giebt dann die Vollendung. Wünsche, Midrasch Wajikra. 7 g8 Par. XV. Cap. XIII, 2. d. i. wegen der Seelen, die ich gemacht habe.*) Es heisst Hi. 28, 25: „Und die Wasser abwog mit Mass.“ R. Judan bar R. Simeon sagte: Selbst das Wasser, was von oben herabkommt, wird mit Mass gegeben s. Hi. 36, 27: „Hat er aufgezogen (jniP ■'S) die Wassertropfen“ vergl. Lev. 27, 18: „Und es werde abgezogen ( 5 > l nWi) von deiner Schätzung.“ Oder: „Dem Winde ein Gewicht zu machen.“ R. Acha sagt: Selbst der heilige Geist, welcher auf den Propheten ruht, ruht nur mit einem gewissen Gewichte (Intensivität), denn mancher prophezeit ein Buch und mancher zwei Bücher. Nach R. Simeon hat Beeri nur zwei Worte (Dinge) prophezeit, und da sie nicht genug für ein Buch waren (da es so wenig waren), sind sie dem Jesaia einverleibt worden. Es sind Jes. 8, 19: „Und wenn sie zu euch sprechen: Befraget die Todtenbeschwörer und klugen Leute,“ und das andere ist: „Und du wogst die Wasser mit einem Masse ab.“ „Das Wasser.“ R. Judan bar R. Samuel sagte: Selbst die Worte des Gesetzes, die von oben gegeben worden, sind mit Mass gegeben worden. Welche sind es? Schrift, Mischna, Talmud, Halachot und Haggada. Mancher bringt es weit in der Schrift, ein anderer in der Mischna, ein dritter im Talmud, ein vierter in der Haggada und mancher bringt es weit in ihnen allen. Oder: „Dem Winde ein Mass zu machen.“ Es ist so zu verstehen, wie die Menschen zu sagen pflegen: Dieser Mensch hat einen langen, jener einen kurzen Athem, weil in ihm Kurzathmigkeit gelegt worden ist. „Und die Wasser wogst du mit einem Masse ab.“ Der Mensch hat zu einer Hälfte Wasser und zu einer Hälfte Blut; wenn er tugendhaft ist, so ist das Wasser nicht mehr als das Blut und das Blut nicht mehr als das Wasser (beide Flüssigkeiten sind sich gleich an Mass); wenn er aber sündigt (leichtsinnig lebt), so wird manchmal das Wasser mehr als das Blut und er wird wassersüchtig (vdpwrvtxog), manchmal wird aber auch das Blut mehr als das Wasser und er wird aussätzig. Darum heisst es auch: „(d“n) Mensch oder (m) Blut.“**) Oder: „Wenn ein Mensch an der Haut seines Leibes“ u. s. w. In Verbindung mit Hi. 38, 25: „Wer theilt dem Regenguss Kanäle ab?“ Es giebt Orte, sagte R. Berachja, wo das Haar J-iaüittj! Ueberschwemmung, Fluth genannt wird. Ein Mensch trug einmal vor und sprach: Es giebt kein Haar, dem Gott nicht ein Grübchen für sich erschaffen hätte, damit nicht eins von ihnen Genuss am andern habe (d. i. damit nicht eins die Kraft dem andern entziehe). Da sagte sein Weib zu ihm: Jetzt willst du ausgehen, um deinen Unterhalt herbeizuschaffen, bleibe doch zu Hause, dein Schöpfer wird für dich sorgen. Er folgte ihr, blieb zu Hause und sein Schöpfer stand ihm bei. „Und dem Blitz einen Weg.“ Selbst der *) Der Midrasch fasst die Stelle in dem Sinne: Der Wind wird vor mir schwach, wegen der Seelen, die ich geschaffen habe. **) Der Midrasch theilt das Wort mN in m IN. Par. XV. Cap. XIII, 2. 99 t ,c z i Stimme, die von der Veste ausgeht, giebt Gott einen Weg für sich (ihren eigenen, ihr zugemessenen Weg). Und das alles warum? Damit sie nicht ausziehe und die Welt zerstöre. Oder: „Und dem Blitz einen Weg.“ R. Abin sagte: Gleich einem Gemüsegarten, in welchem sich eine Quelle befindet, so lange diese Quelle darin ist, ist das Kraut schwarz, versiegt aber die Quelle, dann nimmt es eine weisse Farbe an. So auch wenn der Mensch tugendhaft lebt und schwarzes Haar an ihm sprosst, wird der Grind geheilt, und er ist rein, wo nicht, so wird das Haar am Aussatzmaal in weisses verwandelt. So heisst es: „Wenn ein Mensch“ u. s. w. Oder: „Wenn ein Mensch an der Haut seines Fleisches“ u. s. w. In Verbindung mit Prov. 19, 29: „Bereitet sind den Spöttern Gerichte“ d. i. bereitet sind den Spöttern Rechtsstreitigkeiten.“ Gewöhnlich wenn ein Mensch auf einem Esel reitet, so ist er bald über ihn aufgebracht und schlägt ihn, bald lacht er über ihn und schlägt ihn, aber hier für die Spötter sind Gerichte und Schläge bereitet. Gleich einer Matrone, welche in den königlichen Palast eintrat, als sie daselbst Geissein (Knuten) hängen sah, fürchtete sie sich. Fürchte dich nicht, sprach der König zu ihr, diese sind für die Knechte und Mägde bestimmt, du aber bist da, um zu essen, zu trinken und fröhlich zu sein. So geriethen auch die Israeliten in Furcht, als sie den Abschnitt, die Aussatzmaale betreffend, hörten. Da sprach Mose zu ihnen: Fürchtet euch nicht, diese sind für die Völker der Welt, ihr aber seid da, um zu essen, zu trinken und fröhlich zu sein, wie es heisst Ps. 32,10: „Viele Leiden treffen den Frevler, wer aber auf den Ewigen vertraut, ihn umgiebt er mit Gnade.“ Rabbi und R. Ismael bar R. Jose sassen am Vorabend des neunten Ab, der auf den Sabbath gefallen war, und beschäftigten sich bis gegen Abend mit den Klageliedern, sie hatten ein Alphabet (Kapitel) übrig gelassen, sie sagten: Morgen wollen wir es zu Ende bringen. Als Rabbi hinaufging (in seine Wohnung), stiess er sich an seinen kleinen Finger, da wandte er auf sich den Spruch an: „Viele Leiden treffen den Frevler;“ allein R. Ismael sprach zu ihm: Wären wir nicht beschäftigt gewesen mit dem Sinne von Thren. 4, 20: „Der Athem unserer Nase ist der Gesalbte des Ewigen,“ so hätte ich gesagt, um wie viel mehr jetzt, wo wir damit beschäftigt sind. Als er nach Hause kam, legte er trocknen Schwamm darauf und wickelte Bast von aussen darum. Aus den Worten Rabbis haben wir drei Dinge gelernt, sagte R. Ismael bar R. Jose: 1) dass der Schwamm nicht auszieht (aussaugt), sondern nur die Wunde bewahrt; 2) dass man darauf Bast bindet von innen, weil er zubereitet ist, und 3) dass man in den heiligen Schriften nur von der Vesperzeit an und weiter lesen soll, aber wohl darin lernen und sie auslegen kann; wenn es nothwendig ist, für einen Zweck eine Untersuchung anzustellen, nimmt man sie und stellt die Untersuchung an. Samuel sagte: Einen Scherben, es mag sein, was es will, und Bast, es mag sein, was es will (darf man am Sabbath auf 7 * ) i ' \ { c ! 1 $ IOO Par. XV. Cap. XIII, 2. die Wunde legen). R. Judan lehrte im Namen des R. Samuel: Der Spund des Fasses und seine Bruchstücke (Trümmer) dürfen am Sabbath bewegt werden, sind sie aber schon auf den Misthaufen geworfen worden, dann dürfen sie nicht bewegt werden. R. Eleasar und R. Tanchum von Bozra sagten im Namen des R. Jeremja: Selbst den Frevler, wenn er auf Gott vertraut, nimmt Gott auf, wie es heisst Ps. 32, 10: „Wer auf den Ewigen vertraut, den umgiebt er mit Gnade.“ Was steht vorher? „Wenn eine Frau besamet wird und ein Männliches gebiert.“ Und was steht nachher? „Wenn ein Mensch an seiner Haut hat“ u. s. w. Wie passt eins zum andern? Darauf antwortete R. Tanchum bar R. Chanilai: Gleich einer Eselin, der, weil sie erkrankt war, eine Wunde ausgebrannt wurde, in Folge dessen auch ihr Junges gebrannt (mit einem Brandmal geboren) wurde. Was war die Veranlassung, dass das Junge mit einem Brandmal geboren wurde? Weil seine Mutter gebrannt worden war. So auch, wer hat es verschuldet, dass das Kind aussätzig ist? Seine Mutter, weil sie nicht die Tage der Menstruation vorsichtig beobachtet hat. R. Abin sagte: Gleich einem Gemüsegarten, in dessen Mitte eine Quelle ist, so lange die Quelle darin ist, bringt er wuchernde Gräser hervor. Ebenso wer seinem menstruirenden Weibe beiwohnt, erzeugt aussätzige Kinder. R. Abin wandte dagegen ein, hinweisend auf Jerem. 31, 2g: „Die Väter haben Heer- linge gegessen und den Kindern sind die Zähne stumpf geworden.“ Und die Kinder klagen über ihre Väter Thren. 5, 7: „Unsere Väter haben gesündigt und sie sind nicht mehr und wir tragen ihre Schuld.“ R. Abin sagte im Namen des R. Jochanan: Es heisst Lev. 12,8: „Wenn ihr Vermögen nicht reicht zu einem Lamm,“ und was steht nachher? „Wenn ein Mensch an seiner Haut hat“ u. s. w. Wie passt eins zum andern? Gott sprach: Ich habe dir gesagt: Bringe ein Opfer für deine Niederkunft, und du hast es nicht ge- than, bei deinem Leben! ich werde dich zwingen, zum Priester zu gehen, wie es heisst: „So bringe man ihn zu Aaron, dem Priester.“ R. Jochanan sagte: Warum steht der Abschnitt, die Challa (Opfergabe vom Teige) betreffend, in Verbindung mit dem Abschnitte, den Götzendienst betreffend? Um dir zu sagen: Wer die Vorschrift betreffs der Challa achtet, ist so anzusehen, als hätte er den Götzendienst aufgehoben; wer hingegen die Vorschrift betreffs der Challa nicht beachtet, so ist anzusehen, als wenn er es mit dem Götzendienst hielte. R. Eleasar sagte: Es heisst Prov. 6, 26: „Wegen einer Buhlerin kommt man bis zum Laib Brot.“ Was ist wohl Schuld, dass er an einem buhlerischen Weibe strauchelt? Weil er ihr Brot gegessen hat, was sie nicht verzehntet hat. R. Simeon ben Lakisch sagte: Es steht geschrieben Num. 5, 10: „Und wenn jemand seine heiligen Gaben .... ihm soll es gehören.“ Was steht nachher? V. 13: „So einem Manne sein Weib untreu wird.“ Wie passt eins zum andern? Gott sprach: Ich habe dich geheissen, deine Gaben dem Priester zu geben und du hast nicht so gethan, bei deinem Par. XV. Cap. XIII, 2. IOI Leben! ich werde dich zwingen, dein Weib zum Priester zu bringen, wie es dort heisst V. 15: „Der Mann bringe sein Weib zum Priester.“ R. Levi sagte: Die Segnungen segnen ihre Herrn und die Flüche verfluchen ihre Herrn. Es heisst nämlich Deut. 25,15: „Vollen und richtigen Stein sollst du haben.“ Thust du also, so wird es dir auch nicht an Verkehrsmitteln fehlen (eig. so hast du, um zu nehmen und zu geben, zu kaufen und zu verkaufen). Die Flüche verfluchen ihre Herrn s. das. V. 13: „Du sollst nicht in deinem Beutel zweierlei Steine haben, einen grossen und einen kleinen,“ V. 14: „Du sollst nicht in deinem Hause zweierlei Epha haben, ein grosses und ein kleines,“ wenn du so thust, so wird es dir an Verkehrsmitteln fehlen (eig. so wirst du nicht haben, um zu nehmen und zu geben, um zu kaufen und zu verkaufen). Gott sprach: Ich habe dir befohlen, du sollst nicht ein grosses und ein kleines Epha haben und du hast es doch gethan; bei deinem Leben! es wird dir (eig. jenem Manne) selbst einmal an dem kleinen Epha fehlen vergl. Ex. 20, 23: „Silberne und goldene Götter sollt ihr nicht neben mir machen,“ wenn du so gethan hast, bei deinem Leben! so wirst du dir einst nicht einmal selbst eins von Holz und Stein machen können. Wie werden die Aussatzmaale des Mannes besichtigt?*) Er wird in der Stellung eines Gätenden und eines Olivenabpflückenden besichtigt; wie ein Gaten der hinsichtlich der Scham (der verdeckten Stelle), und wie ein Oliven- abpflückender hinsichtlich der Achselhöhlung.**) Und wie ist es betreffs der Aussätze des Weibes? Sie wird in der Stellung einer Webenden und einer, die ihren Sohn unter der Brust säugt, besichtigt. Wie eine Wollweberin, bei der die Achselhöhlung der rechten Hand sichtbar wird. R. Juda sagt: Wie eine, die Flachs mit der linken Hand spinnt. Und sowie die Aussätze besichtigt werden, so wird auch sein Haarscheeren besichtigt. Es ist gelehrt worden: Alle Ausschläge sieht der Mensch, nur seine eigenen nicht. R. Me'ir sagte: Auch die Ausschläge seiner Verwandten sieht er nicht. Wer besichtigte denn den Aussatz der Mirjam? Meinst du etwa Mose, ein Fremder sieht doch die Ausschläge nicht, oder meinst du etwa Aaron, ein Verwandter sieht doch die Ausschläge nicht? Da sprach Gott: Ich bin der Priester, ich schliesse sie ein und ich spreche sie auch rein. Das steht auch Num. 12, 15: „Das Volk brach nicht auf, bis Mirjam wieder aufgenommen war.“ Wenn dem so ist, so war das Volk bei der Schechina und diese wartete *) S. Negaim II, 4. **) Vergl. Siphra Tasria Par. 3, Cap. 4. Sinn.: „Da nur die Aussätze an solchen Körpertheilen, die sichtbar sind, als unrein erklärt werden können, so musste die gedachte Stellung angegeben werden. Beim Güten stellt man gewöhnlich die Füsse in einiger Entfernung von einander, so dass die Ge- schlechtstheile, und beim Abpfiiicken der Oliven hebt man die Hände in die Höhe, so dass die Achselhöhlungen sichtbar tverden (die Olivenbäume sind in der Regel nicht sehr hoch, weshalb man zum Abpfliichen ihrer Früchte den Arm nicht sehr hoch zu heben braucht).“ S. Levy, Neuhebr. u. Chald. WWB, III. S. 175. 102 Par. XVI. Cap. XIV, 2. auf die Mirjam. R. Levi sagte im Namen des R. Chama bar R. Cbanina: Es war ein grosser Gram für Mose bei dieser Sache. Er dachte so: Ist das eine Ehre für meinen Bruder Aaron, Ausschläge zu besichtigen? Hat er nicht Genuss, entgegnete ihm Gott, von dem vierundzwanzig Priestergaben? Im Sprichwort heisst es: Wer die zarten Fasern des Baumes geniesst, wird oft mit der Ruthe desselben geschlagen.*) „Eine erhabene Stelle“ d. i. Babel vergl. Jes. 14, 4: „So erhebst du dieses Lied über den König von Babel und sprichst: Wie hat’s ein Ende mit dem Drängen, ein Ende mit der Bedrückung!“ R. Abba bar Kahana sagte: Unter: risnilo finsta ist eine Regierung zu verstehen, welche befiehlt, Nifn TrtM, miss und bringe (miss und gieb)! R. Samuel bar Nachman sagte: Es ist eine Regierung, welche das Angesicht der Menschen roth (beschämt) macht (mtna tmtc) in der Stunde, wo er zu ihr kommt. Die Rabbinen sagten: Wegen des goldenen Hauptes (“SiriM kommt her von am, Gold) s. Dan. 2, 38: „Du bist das Haupt von Gold.“ nncD d. i. Medien, welches den ruchlosen Haman gestellt hat, welcher wie eine Schlange zischte vergl. Gen. 3, 14: „Auf deinem Bauche sollst du gehen.“ rrtlis d. i. Griechenland, welches durch seine Edicte über die Israeliten glänzte (ififiSa sich hervorthat), indem es zu ihnen sagte: „Schreibet auf das Horn des Ochsen, dass ihr keinen Theil am Gotte Israels habt.“ m:, Aussatzmaal d. i. Edom, welches sogar von der Kraft des Alten (Jizchaks) kam.. „Und es ist an der Haut seines Fleisches ein Aussatzmaal.“ In dieser Welt besichtigt der Priester die Ausschläge, aber einst, sprach Gott, werde ich euch rein erklären, wie es heisst Ezech. 37, 25: „Ich werde auf euch sprengen reines Wasser und ihr sollt rein sein.“ s^-istrin rmn '-no Parascha XVI. Cap. XIV, 2. Das soll sein die Verordnung für den Aussätzigen. Das steht auch Prov. 6, 16: „Sechs sind es, die der Ewige hasst, und sieben sind ein Gräuel seiner Seele.“ R. Mei'r und die Rabbinen. R. Me'ir sagt: Sechs und sieben macht dreizehn. Die Rabbinen sagen: Es sind nur sieben (und nicht mehr) und das siebente ist das schlimmste (schwerste) unter allen. Und welches ist das? S. das. V. 19: „Wer Zwistigkeit (Uneinigkeit) unter Brüdern anstiftet.“ Die sechs sind folgende: hohe (stolze Augen), lügenhafte Zunge und Hände, die unschuldiges Blut vergiessen, ein Herz, was *) Sinn: Wer das Angenehme einer Sache geniesst, muss sich auch das Unangenehme derselben gefallen lassen. Der Aruch erklärt das Sprichwort dahin: Wer die zarte Faser geniesst, wird oft, wenn er sie nicht gehörig beobachtet, mit der Ruthe desselben geschlagen. Vergl. Duschak, Rabbinische Blumenlese S. 142. Par. XVI. Cap. XIV, 2. 103 unheilvolle Gedanken (Anschläge) pflügt (schmiedet), Füsse, die nach dem Bösen eilen, wer Lügen verbreitet als falscher Zeuge und wer Zwistigkeit anstiftet unter Brüdern. Und diese alle, sagte R. Jo- chanan, werden mit Aussatz bestraft. 1) Stolze Augen. Das kannst du an den Töchtern Zions sehen, wie es heisst Jes. 3, 16: „Darum dass hoffärtige Töchter sind die Töchter Zions und einhergehen mit gerecktem Halse und zwinkernden Augen“, desgl. das. V. 17: „So wird der Ewige den Scheitel der Töchter Zions kahl machen.“ (Die Töchter Zions) dehnten sich aus wie die Lanzen und sie gingen hochmüthig einher. „Und sie gehen einher mit gerecktem Halse.“ Wenn eine von ihnen Geschmeide anlegte, so dehnte sie ihren Hals aus, um dasselbe zu zeigen. „Und sie zwinkern mit den Augen.“ R. Mani von Cäsarea sagte: Sie schminkten ihre Augen mit Schminke. Resch Lakisch sagte: Sie schminkten sich mit rother Augensalbe. „Sie gehen trippelnd einher.“ Wenn ein Weib lang war, da Hess sie zwei Kleine (Kurze) neben .sich gehen, eine an dieser und eine an jener Seite, damit ihre Länge gesehen werde (um ihren Wuchs recht hervortreten zu lassen). War sie aber klein, so Hess sie noch zwei kleinere neben sich gehen. Und sie steckte ihre Füsse in dicke Holzschuhe, damit sie recht gross (lang) erscheine. „Und mit ihren Fussspangen klirren sie.“ R. Abba bar Kahana sagte: Sie hatten Drachengestalten auf ihren Schuhen. Die Rabbinen sagen: Sie nahmen eine Eierschale, füllten dieselbe mit Balsam und legten sie dann unter die Ferse in ihren Schuhen, wenn sie dann eine Schaar junger Leute kommen sah, so trat sie darauf und es drang in sie jener Duft wie das Gift einer Viper. Da sprach Gott zu Jesaia: Was thun diese? Wenn sie auch jetzt bestehen, sie werden aber von hier weggetrieben werden. In Folge dessen sprach Jesaia zu ihnen: Thut Busse, ehe Feinde über euch kommen. Er bekam aber zur Antwort: Wenn Feinde über uns kommen, was können sie uns thun? wie es heisst Jes. 5, 19: „Die da sprechen: er beeile, beschleunige sein Werk, dass wir es sehen.“ Nun wenn ein Anführer (dux) mich sieht, so nimmt er mich, wenn ein Kriegsoberster mich sieht, so setzt er mich in seinen Wagen, Das wollen die Worte sagen das.: „Es nehme, es gehe in Erfüllung der Rath des heiligen Israels, dass wirs erfahren“ d. i. wir wollen es erfahren, was Bestand haben wird, dies oder jenes. Als die Sünden gestiegen (gross geworden) waren und die Feinde kamen, da putzten sie sich und zogen ihnen wie öffentliche Buhlerinnen entgegen, der Dux sah sie und nahm sie, ebenso der Eparch und Kriegsoberste und setzte sie (neben sich) in den Wagen. Da sprach Gott: Sollte denn das meinige (mein Wort) keinen Bestand haben, nur das ihrige? Was that er? S. Jes. 3, 17: „Der Ewige machte den Scheitel der Töchter Zions kahl.“ R. Eleasar und R. Jose bar R. Chanina. R. Eleasar sagte: Er schlug sie mit Aussatz, so wie es heisst Lev. 14, 56: „Und über Erhöhung und Schorf (rnsDri).“ R. Jose bar R. Chanina sagte: Er Hess auf ihr Haupt kommen io 4 Par. XVI. Cap. XIV, 2. ganze Familien von Ungeziefer (aV2 ja nnsca mriBisw). R. Chija bar Abba sagte: Er machte sie zu Sclavinnen. Was bedeutet: mS’YOtt, dienstbare Sclavinnen? Es sind Mägde, welche unterwerfen. R. Chija und Chalpha bar Idi im Namen des R. Jose sagten: „Was bedeutet: nach, er machte kahl?“ Er hütete ihre Familien, dass sich nicht heiliger Same mit den Völkern der Länder vermische. Gott sprach: Ich weiss, dass die Völker der Welt vom Aussatz nicht abstehen. Was that er? S. das.: „Und der Ewige wird ihre Scham entblössen.“ Gott winkte ihren Quellen und es floss Blut heraus, von welchem der Wagen voll ward. Da stach sie der Machthaber mit seiner Lanze, warf sie vor den Wagen und er ging über sie hinweg und zermalmte sie. Das sagt auch Jeremia Threni 4, 15: „Weichet aus! unrein! rief man ihnen zu.“ Nach R. Me'ir ist das Wort: -mo das griechische ovqeiv, ziehen, schleppen.*) 2) „Lügenhafte Zunge.“ Das kannst du von Mirjam lernen, wie es heisst Num. 12, 1: „Und Mirjam und Aaron redeten wider Mose.“ Und woher lässt sich beweisen, dass er sie mit Ausschlag geschlagen hat? Weil es heisst das. V. 10: „Und das Gewölk wich vom Versammlungszelt, und siehe, Mirjam war aussätzig wie Schnee.“ Dann heisst es 3) Prov.. 6, 17: „Und Hände, die unschuldiges Blut vergiessen.“ Das kannst du an Joab sehen, wie es heisst 1. Reg. 2, 32: „Und der Ewige wende sein Blut auf sein Haupt.“ Und woher lässt sich beweisen, dass er ihn mit Ausschlag geschlagen hat? Aus 2. Sam. 3, 29: „Es komme auf das Haupt Joabs“ u. s. w., es fehle nie im Hause Joabs an Flüssigen und Aussätzigen.“ 4) Das.: „Ein Herz, was unheilvolle Gedanken pflügt,“ was du an Usia sehen kannst, welcher sich die Hohepriesterwürde anzumassen suchte. Und woher lässt sich beweisen, dass er mit Aussatz geschlagen wurde? Aus 2. Reg. 15, 5: „Und der Ewige schlug den König und er ward aussätzig bis an den Tag seines Todes.“ 5) „Füsse, die sich beeilen nach dem Bösen zu laufen, was du von Gechasi lernen kannst, wie es heisst 2. Reg. 5,20: „Und Gechasi, der Knappe Elisas, dachte“ u. s. w. Und woher lässt sich beweisen, dass er mit Aussatz geschlagen wurde. S. das. V. 27: „Der Aussatz Naemans wird dir anhaften.“ 6) „Und der Zwietracht anstiftet zwischen Brüdern,“ wie es bei Pharao der Fall war, welcher Zwietracht anstiftete zwischen Abraham und Sara. Und woher lässt sich beweisen, dass er mit Aussatz bestraft wurde? Aus Gen. 12, 17: „Und der Ewige schlug den Pharao.“ R. Simeon ben Gamaliel erzählte: Einmal war ich von Tiberias nach Sepphoris gegangen, da fand ich einen alten Mann, der mir sagte: Es giebt vierundzwanzig Arten von Ausschlag, keiner aber ist so schwer (schädlich) für den Beischlaf (Bedienung des Bettes) wie die mit Schleimfluss Behafteten. Nach R. Pedat ist Pharao damit bestraft worden. Darum warnt Mose die Israeliten mit den Worten: *) S. Midr. Echa zu 4, 15, wo sich mehrere Abweichungen finden. Par. XVI. Cap. XIV, 2. l °5 ,,Das soll sein die Verordnung- für den Aussätzigen“ u. s. w. Es ist gelehrt worden, dass R. Jose erzählt habe: Mir hat ein alter Mann unter den Jerusalemiten mitgetheilt, dass es vierundzwanzig Arten von Ausschlag gebe, und es ist, wie die Weisen sagen, der Beischlaf für sie schädlich, am schädlichsten von allen aber sind die mit Schleimfluss Behafteten. Wovon kommt das? Es ist gelehrt worden, dass derjenige, welcher Ader gelassen und den Beischlaf ausgeübt hat, gekrümmte Kinder bekommt. R. Jochanan hat gesagt: Nehmt euch vor den Fliegen solcher mit Schleimfluss Behafteten in Acht. R. Sera setzte sich zu solchen nicht. R. Eleasar ging nicht in ihre Zelte. R. Ami und R. Asi haben ihre Eier nicht gegessen. Und darauf ist gesagt: „Das soll sein die Verordnung“ u. s. w. Oder: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen“ d. i. betreffs desjenigen, der verleumdet. In Verbindung mit Ps. 34, 13: „Wer ist der, welcher das Leben liebt.“ Ein Kaufmann (Krämer) ging in den Städten umher, welche in der Nähe von Sepphoris lagen, ausrufend: Wer will Lebensbalsam kaufen? Sie schauten auf ihn. R. Janai sass gerade in seinem Speisezimmer, mit der Auslegung der Schrift beschäftigt, er hörte diesen Mann ausrufen: Wer will Lebensbalsam? Da sagte er zu ihm: Komm herauf und verkaufe mir. Da antwortete ihm der Krämer: Weder du noch deines Gleichen brauchen ihn. Da er ihn sehr belästigte (sehr bat), ging er hinauf zu ihm und zog das Psalmbuch hervor und zeigte ihm den Vers: „Wer ist der Mann, welcher das Leben liebt?“ Was folgt darauf? V. 14: „Bewahre deine Zunge vor Bösem ... V. 15: Und thue Gutes.“ R. Janai sagte: Auch Salomo rief aus und sprach Prov. 21, 23: „Wer seinen Mund und seine Zunge behütet, bewahrt seine Seele vor Noth.“ So oft ich diesen Vers las, sagte R. Janai, habe ich nicht gewusst, wie ich ihn erklären soll, bis endlich mir dieser Krämer den Sinn erschloss (eig. bis endlich dieser Krämer mir kund that:) „Wer ist der Mann, der Wohlgefallen am Leben hat.“ Darum warnt Mose die Israeliten und befiehlt ihnen: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen,“ nämlich die Verordnung betreffs desjenigen, der verleumdet (üblen Ruf verbreitet). Oder: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen“ u. s. w. In Verbindung mit Hi. 20, 6: „Stieg auch bis zum Himmel seine Höhe, und rührte sein Haupt bis an die Wolken.“ wie ist so viel wie am'ib, seine Höhe und Eyb soviel wie twiy'?, Gewölk. Das. V. 7: „Wie sein Koth vergeht er auf ewig.“ Wie diese Excremente schmutzig sind, so ist auch er schmutzig. „Die ihn gesehen, sprechen: wo ist er?“ d. i. die ihn gesehen, erkennen ihn nicht mehr, wie es bei Hiobs Freunden der Fall war s. Hi. 2, 12: „Als sie ihre Augen erhoben von Ferne, erkannten sie ihn nicht.“ R. Jochanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Man darf nicht an der Morgenseite eines Aussätzigen vier Ellen weit entfernt gehen; R. Simeon sagte: Selbst nicht hundert Ellen, io6 Par. XVI. Cap. XIV, 2. und beide sind nicht verschiedener Meinung. Wer da meint, nicht vier Ellen, versteht darunter die Zeit, wo der Wind nicht weht, wer dagegen sagt, hundert Ellen, denkt an die Zeit, wo der Wind weht. R. Me'ir ass nicht Eier aus dem Gässchen eines Aussätzigen. R. Ami und R. Asi gingen nicht einmal gern in das Gässchen eines Aussätzigen. Wenn Resch Lakisch einen von ihnen (den Aussätzigen) in der Stadt sah, warf er Steine auf ihn mit den Worten: Geh nach deinem Orte und besudle die Menschen nicht, denn R. Chija hat gelehrt: Es heisst Lev. 13, 46: „Ein solcher soll wohnen abgesondert“ d. i. er wohne allein. Wenn R. Eleasar und R. Simeon einen von ihnen sahen, verbargen (versteckten) sie sich vor ihm, weil geschrieben steht: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen“ d. i. betreffs des Verleumders (der seinen Nächsten in üblen Ruf bringt). Oder: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen“ u. s. w. In Verbindung mit Ps. 50, 16: „Zu dem Frevler spricht Gott: was zählst du meine Satzungen und warum trägst du meinen Bund auf deinem Munde?“ Ben Asai sass und predigte und das Feuer flammte um ihn ringsherum (er rief eine grosse Begeisterung hervor, was den Zuhörern auffiel), sie fragten, bist du vielleicht mit den Geheimnissen der Wagenerscheinung im Ezechiel beschäftigt? Nein, antwortete er, sondern ich reihe die Worte des Gesetzes an die Propheten und die Propheten an die Hagiographen und die Worte des Gesetzes erfreuen wie am Tage, da sie auf dem Berge Sinai gegeben wurden, was im Feuer geschah, wie es heisst Deut. 4, 11: „Und der Berg brannte im Feuer.“ R. Levi sagte: Wir finden in der Thora und in den Propheten und in den Hagiographen, dass Gott an dem Lobe eines ruchlosen Menschen keinen Gefallen findet; in der Thora s. 13, 45: „Und sein Kinn soll verhüllt sein, unrein, unrein! soll er rufen;“ in den Propheten s. 2. Reg. 8, 5: „Und es geschah, er erzählte eben dem Könige, dass er den Todten lebendig gemacht habe .... das ist das Weib und das ihr Sohn, den Elisa lebendig gemacht hat.“ Vielleicht stand er (Elisa) hinter der Thür? Die Rabbinen sagen: Wenn der Mensch auch am Ende der Welt steht, so bringt Gott sie (die Strafe) über ihn (den Verleumder), damit nicht jener Ruchlose das Lob Gottes erzähle. In den Hagiographen s. Ps. 50, 16: „Und zum Frevler spricht Gott: was hast du zu erzählen meine Satzungen?“ R. Eleasar sagte im Namen des R. Jose ben Simeon: Der Mensch hat 248 Glieder, von denen einige liegen, einige aufgerichtet sind; die Zunge aber ist zwischen den zwei Kinnladen eingesperrt und unter ihr zieht sich ein Wasserkanal (der Speichel) hin und sie ist von mannigfachen Falten umgeben (eig. sie ist verdoppelt und vielemal verdoppelt). Komm und sieh, wie viele Brände sie anzündet (d. i. auf wie vielerlei Weise sie Brand anstiftet, obgleich sie über Wasser liegt). Wenn das in diesem Zustande schon der Fall ist, was würde erst geschehen, wenn sie aufrecht stände! Darum warnt Mose die Israeliten I'ar. XVI. Cap. XIV, 4. 107 und spricht zu ihnen: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen“ d. i. des Verleumders. Oder: „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen“ u. s. w. Das steht auch Koh. 5, 5: „Gestatte deinem Mund nicht, dass er dein Fleisch in Sünde bringe.“ Diesen Vers deutete R. Josua ben Levi auf diejenigen, welche öffentlich Almosen geloben und nicht geben. R. Chanina bar Papa bezieht den Vers auf diejenigen, welche verleumden. R. Benjamin ben Levi bezieht ihn auf die Heuchler (d. i. auf diejenigen, welche sich stellen, als ob sie des Gesetzes kundig wären und es doch nicht sind). R. Mani deutete ihn auf diejenigen, welche Gelübde geloben vergl. Midr. Kohel. zu 5, 5. Die Rabbinen erklären ihn auf Mirjam, „Gestatte deinem Munde nicht, dass er dein Fleisch in Sünde bringe“ d. i. gieb einem von deinen Gliedern nicht die Gewalt, dass es alle deine Glieder in Sünde bringe. „Und sprich nicht vor dem Boten“ d. i. Moses. Num. 20, 16: „Und er sandte einen Boten und er führte uns hinweg aus Aegyten;“ „es war ein Irrthum,“ wie es Num. 12, 11 heisst: „dass wir so thöricht waren und gesündigt haben.“ „Warum soll Gott über deine Stimme zürnen?“ d. i. über jene Stimme, von der es heisst das. V. 9: „Es entbrannte der Zorn des Ewigen über sie und er ging weg.“ „Und deiner Hände Werk verderbe?“ R. Jo- chanan sagte: Mit ihrem Munde sündigte sie (Mirjam) und alle Glieder mussten darunter leiden (wurden geschlagen), wie es heisst das. V. 10: „Die Wolke wich vom Zelte.“ R. Josua ben Levi sagte: Ist ein Wort einen Sela werth, so ist Schweigen zwei Sela werth; denn es ist gelehrt worden (Aboth): Simeons Sohn sagte: Ich bin alle meine Tage unter den Gelehrten herangewachsen und habe nichts zuträglicher für den Körper gefunden, als Schweigen. R. Josua ben Levi sagte: Fünfmal steht das Wort ii“Tin in dem Abschnitte über den Aussätzigen, nämlich: das ist die Verordnung betreffs des Maales des Aussatzes, das soll sein die Verordnung betreffs des Aussatzes, das ist die Verordnung, worin vom Maale des Aussatzes gehandelt ist, das ist die Verordnung für jegliches Maal des Aussatzes, dies ist die Thora des Aussatzes. „Das soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen“ d. i. des Verleumders, um dir zu lehren, dass jeder, welcher verleumdet, gegen die fünf Bücher Mose verstösst. Darum warnt Mose die Israeliten und spricht: „Dies soll sein die Verordnung betreffs des Aussätzigen.“ V. 4. Und der Priester soll befehlen, dass man nehme für den sich Reinigenden. R. Jehuda bar R. Simon sagte: Diese Vögel zwitschern, darum spricht Gott: So komme diese (seine) Stimme und sühne jene Stimme (des Verleumders). R. Josua ben Levi sagte: Es muss ein schnell fliegender Vogel sein (wie ein Sperling, der sich im Freien wie im Hause aufhält), welcher von seinem Brote isst und sein (des Aussätzigen) Wasser trinkt. Wenn nun schon diese Vögel, welche von seinem Brote essen und von io8 Par. XVI. Cap. XIV, 5. seinem Wasser trinken, ihm als Sühne dienen, um wie viel mehr der Priester, der vierundzwanzig Priesterabgaben von Israel geniesst! Das Sprichwort sagt: Wer die zarten Fasern des Baumes geniesst, wird oft mit der Ruthe derselben geschlagen. R. Acha sagte: Es ist des Menschen Sache, dass keine Krankheiten über ihn kommen. Was ist der Sinn des Ausspruches des R. Acha? Es heisst Deut. 7,15: „Der Ewige wird von dir abwenden alle Krankheiten“ d. i. von dir hängt es ab (es ist deine Sache), dass keine Krankheiten über dich kommen. R. Abin sagte: Es ist hier der böse Trieb gemeint, dessen Anfang süss und dessen Ende bitter ist. R. Tanchum sagte im Namen des R. Eleasar und R. Menachma im Namen Rabs: „Der Ewige wird von dir abwenden alle Krankheiten,“ darunter ist ein missgünstiges Auge zu verstehen. Nach der Meinung des R. Eleasar kommen neunundneunzig Krankheiten durch ein solches Auge und eine nur durch Gottes Fügung. Rab und R. Chanina. Rab schliesst sich der Meinung desjenigen an, welcher gesagt hat: Neunundneunzig Krankheiten kommen durch ein missgünstiges Auge und eine nur durch Gottes Fügung. R. Chanina vertritt eine andere Meinung, denn R. Chanina und R. Nathan sagten: Neunundneunzig Krankheiten kommen durch Erkältung und eine durch Gottes Fügung. Rab sagte so, weil er in Babylon wohnte, wo böse Augen häufig waren, R. Chanina sagte so, weil er in Sepphoris wohnte, wo es kalt war (darum schob er es auf die Kälte). Antoninus liess unserm Lehrer, dem Heiligen sagen: Bete für mich! Er antwortete ihm darauf: Nimm dich vor Erkältung in Acht (eig. werde vor Erkältung geschützt, gerettet). Antoninus liess ihm sagen: Noch eine Decke mehr und die Kälte weicht. Darauf liess er ihm sagen: Nimm dich vor Hitze in Acht (eig. werde vor Hitze geschützt). Was ist das für ein Gebet für mich? wie es heisst Ps. 19, 7: „Nichts bleibt vor ihrer Hitze verborgen.“ R. Is- mael bar R. Nachman sagte im Namen des R. Nathan: Neundund- neunzig sterben durch Hitze und einer nur durch göttliche Fügung. Die Rabbinen dagegen sagten: Neunundneunzig sterben durch Unachtsamkeit und einer nur durch göttliche Fügung. V. 5. Und der Priester befehle, dass er den einen Vogel schlachte. Warum schlachtet er den einen Vogel und lässt den anderen fliegen? Um dir zu sagen: Wie es nicht möglich ist, dass der Geschlachtete nicht wieder ins Leben zurückkehren kann, so ist es auch nicht möglich, dass die mit Aussatzmaalen Behafteten wiederhergestellt werden können. In jener Stunde ruft Gott seine Legionen zusammen und spricht: Nicht umsonst habe ich ihn (den Aussätzigen) geschlagen, sondern wie es Jes. 57, 17 heisst: „Wegen der Schuld seines Eigennutzes zürnte ich und schlug ich ihn.“ R. Abba bar Kahana sagte in Bezug auf diese Worte in Jesaia: Der Auswurf (Unrath) kehrt wieder zum Auswurf zurück, wie es heisst Prov. 26, 11: „Sowie Par. XVII. Cap. XIV, 34. 109 der Hund zurückkehrt zu dem, was er gespieen hat.“ R. Josua ben Levi sagte: Die Thorheit kehrt auf dem Wege der Thorheit wieder zurück, wie es heisst das. 27, 11: „Der Narr wiederholt seine Thorheit.“ Es heisst Jes. 57,18: „Seine Wege sah ich, doch will ich ihn heilen und will ihn leiten und will Tröstung gewähren ihm und seinen Trauernden“ d. s. seine Glieder, die über ihn trauern. Es heisst das.: „Der, welcher Regung der Lippen schafft.“ R. Josua ben Levi sagte: Wenn die Lippen der Menschen im Gebet sich regen, so darf er versichert sein, dass sein Gebet Gehör findet. Was ist der Sinn von den Worten: „Wer das Regen der Lippen schafft: Friede! Friede? R. Josua bar Nechemja sagt: Wenn er sein Gebet mit Andacht verrichtet, so darf er versichert sein, dass sein Gebet erhört wird, denn so heisst es Ps. 10,17: „Du lenkst ihr Herz und dein Ohr vernimmt.“ Seine Verdienste werden ihm schon belohnt (bezahlt) werden. „Zur Ferne.“ R. Huna und R. Judan im Namen des R. Acha sagten: Das ist der Aussätzige, der fern war und wieder genähert worden ist. Von ihm spricht der Ewige: „Ich heile ihn“ d. i. ich allein heile ihn. So hat auch Jerem. 17, 14 gesagt: „Heile du mich, Ewiger, dass ich heil werde! hilf mir und mir ist geholfen.“ Parascha XVII. V. 34. Wenn ihr in das Land Kanaan kommt-und ich bringe die Plage des Aussatzes im Lande eures Eigenthums. In Verbindung mit Ps. 73, 1: „Ja Gott ist gütig gegen Israel, gegen die, welche reines Herzens sind.“ Wirst du vielleicht glauben gegen alle? So folgen darauf die Worte: „Gegen die, welche reines Herzens sind“ d. s. diejenigen, deren Herz rein in den sittlichen Vorschriften ist. Es heisst ferner Ps. 84, 6: „Heil dem Menschen, der eine Stütze an dir findet.“ Wirst du vielleicht glauben allen? So folgen die Worte: „Wer der Strassen denkt“ d. i. diejenigen, welche die Wege des Gesetzes (der Gotteslehre) tief in ihre Herzen eingeprägt haben. Es heisst Ps. 125, 4: „Lass Ewiger, es den Guten Wohlergehen.“ Wirst du vielleicht glauben allen? So folgen die Worte: „Denen, die redlich in ihrem Herzen sind.“ Es heisst Nach. 1, 7: „Gütig ist der Ewige, Zuflucht am Tage der Noth.“ Wirst du glauben gegen alle? So folgen die Worte: „Er kennet die, welche bei ihm Schutz suchen.“ Es heisst Threni 3, 25: „Gütig ist der Ewige gegen die, welche auf ihn hoffen.“ Wirst du glauben gegen alle? So folgen die Worte: „Gegen die Seele, die ihn sucht.“ Es heisst Ps. 145, 18: „Nahe ist der Ewige allen, die ihn anrufen.“ Da könntest du glauben, allen? So folgen die Worte: „Gegen alle, die ihn in der Wahrheit anrufen.“ Es heisst Ps. 73, 2: „Und ich, wenig fehlte, so wären meine Füsse geglitten.“ Darüber sind Rab und Levi verschiedener Meinung. Der eine sagte: Assaph war ein Sohn Korachs, der andere sagte: Es war ein anderer Assaph. Jener, welcher sagte: Assaph war ein HO Par. XVII. Cap. XIV, 34. Sohn Korachs, hat als Grund, weil dieser sagen konnte: ich habe schon beim Vater in der Hölle verweilt. Dieser, welcher einen andern Assaph annimmt, hat als Grund: ich wohnte schon mit den Ruchlosen in der Hölle. Warum? S. das. V. 3: „Weil ich die Uebermüthigen beneidete.“ Im Abendlande versteht man unter mbbin die, deren Herzen voll schlechter Gedanken sind. R. Levi nannte diese Menschen troiiiT, Ganzvolle (Wüstlinge), die Jammer in die Welt bringen. „Wenn ich den Frieden (das Glück) der Ruchlosen sehe.“ Es heisst doch aber: „KeinFriede den Ruchlosen!“ und hier heisst es (eig. sagst du): Friede (tnVlj) der Ruchlosen? Allein der Sinn ist: Wenn ich die Vergeltung (DiElbiSa) der Ruchlosen sehe. „Denn keine Qual bis an ihren Tod, gesund ist ihr Körper“ d. i. ich machte ihnen nicht Sorge durch Krankheiten und ich hatte kein Wohlgefallen an ihren Sünden, sondern: DblN d. i. ich machte sie kräftig wie die Tempelhalle. Wie gelehrt worden ist: Der Eingang (Thür) der Flalle war vierzig Ellen lang, zwanzig Ellen breit und fünf Ellen Gesimse von Eschenholz waren darüber. R. Dusthai bar R. Janai im Namen des R. Me'ir und die Rabbinen. R. Dusthai sagte im Namen des R. Me'ir: Diese Frau spinnt ein Mass Wolle dick (zu dicken Fäden) und ein Mass dünn, ersteres zu Fäden und Fasern, letzteres zu groben Stricken. Die Rabbinen sagten: Sie erfahren nicht die Folgen ihrer Sünden, dass sie durch dieselben sterben, sondern bleiben gesund für den Tag des Weltgerichtes. Es heisst 1. Reg. 7, 7: „Und die Halle des Thrones, wo er richtete, die Halle des Gerichts.“ „Von Mühen der Menschen sind sie frei“ (s. Ps. 73, 5) d. i. sie ackern nicht, säen nicht und schneiden nicht; „und mit den Sterblichen werden sie nicht geschlagen“ d. i. selbst mit denen, von welchen Ezech. 34, 31 spricht: „Ihr aber, meine Heerde, die Heerde meiner Weide, seid Menschen und ich bin euer Gott,“ „sie werden sie nicht schlagen.“ Darum warnt Mose die Israeliten mit den Worten: „Wenn ihr in das Land Kanaan kommt.“ So steht auch geschrieben Hi. 20, 28: „Sein Haus müsse zerfallen, zerfliessen am Tage seines Zornes“ d. i. sie sollen ziehen und übergeben. Wann? Am Tage, an welchem Gott über ihn seinen Zorn gegen jenen Mann reizen wird. Wie so? Einer sagt zu seinem Nächsten.: Borge mir ein Kab Weizen und er erhält die Antwort: ich habe keinen. Ein Kab Gerste? Ich habe keine. Ein Kab Datteln? Ich habe keine. Eine Frau spricht zu ihrer Genossin: Borge mir eine Schwinge und diese antwortet: ich habe keine; borge mir ein Sieb, und sie antwortet: ich habe keins. Was thut Gott? Er schickt Ausschläge in sein Haus, wodurch er alle seine Geräthe räumen muss, die Menschen sehen dieselben und sprechen: Hat er nicht gesagt: ich habe nichts, seht einmal, wie viel Weizen, wie viel Gerste und wie viel Datteln hier liegen! Er verwünschte das Haus mit diesen Verwünschungen. R. Jizchak bar R. Elieser beweist es aus dem Verse Lev. 14, 37: „Tiefe Stellen (rrrtVnypc)“ d. i. das Haus ist eingesunken durch diese Ver- Par. XVII. Cap. XIV, 34. 111 wünschungen. Darum warnt Mose die Israeliten mit den Worten: „Wenn ihr in das Land Kanaan kommt.“ Wegen zehn Dingen kommen Ausschläge: 1) wegen Götzendienst, 2) wegen Unzucht, 3) wegen Blutvergiessen, 4) wegen Entweihung des göttlichen Namens, 5) wegen Gotteslästerung, 6) wegen dessen, der das Oeffent- liche beraubt, 7) wegen dessen, der raubt, was ihm nicht gehört, 8) wegen Hochmuth, 9) wegen Verleumdung und 10) wegen Missgunst. Wegen Götzendienst, das sehen wir an den Israeliten, welche falsches Zeugniss gegen Gott ablegten, indem sie zum Kalbe sprachen Ex. 32, 4: ,,Dieses ist dein Gott, Israel.“ Und woher lässt sich beweisen, dass sie mit Aussatz bestraft worden sind? Weil es heisst das. V. 9: „Mose sah das Volk verwildert“ d. i. denn es blühte an ihnen der Aussatz. Wegen Unzucht, das sieht man an den Töchtern Zions, wie es heisst Jes. 3, 16: „Darum dass hoffärtig sind die Töchter Zions.“ Und woher lässt sich beweisen, dass sie mit Aussatz bestraft worden sind? Weil es heisst das. V. 17: „Und der Ewige wird den Scheitel der Töchter Israels kahl machen“ (d. i. mit Aussatz schlagen). Wegen Blutvergiessen, das beweist Joab s. 2. Sam. 3, 29: „Sie sollen haften auf dem Haupte Joabs.“ Wegen Entweihung des göttlichen Namens, das sehen wir an Gechasi s. 2. Kön. 5, 20: „Und es gedachte Gechasi, der Knabe des Mannes Gottes.“ Was ist nms»? N" 17 : -po, vom Fehler, der an ihm ist. Und woher lässt sich beweisen, dass er mit Aussatz bestraft worden ist? Weil es heisst das. V. 27: „Und der Aussatz Naemans soll dir anhaften.“ Wegen Gotteslästerung, das beweist Goliath s. 1. Sam. 17, 43: „Der Philister fluchte David bei seinem Gott.“ Und woher lässt sich beweisen, dass er mit Aussatz bestraft worden ist? Weil es heisst das. V. 46: „An diesem Tage wird der Ewige dich in meine Hand liefern (^“ßD"').“ Das Wort (eig. Einschliessung) bedeutet hier nichts anderes als Aussatz, wie es heisst: „Und der Priester schliesst ihn ein (iTSDiri).“ Wegen dessen, der das Oeffentliche beraubt, das sehen wir an Schebna, welcher von den Heiligthümern Genuss zog. Und woher lässt sich beweisen, dass er mit Aussatz bestraft worden ist? Weil es heisst Jes. 22, 17: „Und siehe, der Ewige wirft dich hin mit männlichem Wurfe, V. 18: „Zusammen wickelt er dich.“ Unter ist nichts anderes als Aussatz zu verstehen vergl. Lev. 13, 45: „Und sein Kinn verhüllt (mtas 1 ’)“. Wegen dessen, welcher raubt, was nicht sein ist, das sehen wir an Usia (der sich die Priesterwürde anmasste) s. 2. Chron. 26, 21: „Und der König Usia ward aussätzig bis an den Tag seines Todes.“ Wegen Hochmuth s. 2. Chron. das. V. 16: „Und da er mächtig ward, erhob sich sein Herz, so dass er übel that und er verging sich an dem Ewigen, seinem Gotte.“ Wegen Verleumdung, was wir an Mirjam sehen, wie es heisst Num. 12, 1: „Und Mirjam und Aaron redeten übel wider Mose.“ Und woher lässt sich beweisen, dass sie mit Aussatz bestraft worden ist? Weil es heisst das. V. 10: „Das Gewölk I 12 Par. XVII. Cap. XIV, 34. wich vom Zelte (weil eine Aussätzige darunter war). Wegen Missgunst, wie es heisst Lev. 14,35: „So komme der, dess das Haus ist“ d. i. wer nur sein Haus für sich hat und andere nicht geniessen lässt. Das will das Wort des R. Eleasar sagen Lev. 14, 37: „Tiefe Stellen“ d. i. das Haus sinkt durch diese Verwünschungen. Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn ihr in das Land Kanaan kommt.“ R. Hunja sagte im Namen des R. Josua bar Abin und R. Sacharja, der Schwiegersohn des R. Levi im Namen des R. Levi: Der Barmherzige schlägt nicht in seiner Bestrafung das Leben zuerst (sondern das Vermögen). Von wem kannst du das lernen? Von Hiob, wie es heisst Hi. 1, 14: „Die Rinder pflügten.“ Daraus geht hervor, dass Gott ihm schon etwas von der zukünftigen Welt gezeigt hat, wie es heisst Amos 9, 13: „Der Pflüger reichet an den Schnitter.“ Hi. 1, 15: „Da fielen Sabäer ein und nahmen sie hinweg.“ R. Abin bar Kahana sagte: Die Sabäer waren von Kephar Kirjanos ausgegangen und hatten alle Thore durchwandelt, bis sie an den Färberthurm gekommen waren, wo sie starben. „Ich allein nur bin entkommen, damit ich dir es ansage.“ R. Judan sagte: , “ 5 b, ich allein und zwar deshalb nur ich allein, um dir es anzuzeigen. Als er es gehört hatte, starb auch er sofort.*) Es heisst Hi. 1, 17: „Während dieser noch redete, kam ein anderer und sprach: Chaldäer machten drei Haufen.“ R. Samuel bar Nachman sagte: Als Hiob das hörte, begann er seine Truppen zum Kriege zu sammeln, wie es heisst das. 31, 34: „Weil ich schaute die grosse Menge und der Stämme Verachtung mich schreckten.“ Er sprach: Diese Nation ist eine verächtliche, wie es heisst Jes. 22, 13: „Siehe, das Land der Chaldäer ist ein Volk, das noch nicht war (noch keine Vergangenheit hat),“ das nur gekommen war, Schrecken zu erregen. Als Hiob hörte, dass ein Feuer Gottes vom Himmel gefallen war, sprach er: Was vermag ich zu thun, es ist vom Himmel gefallen, wer kann dagegen etwas thun? Es heisst Hi. 31, 34: „Da verstummte ich, ging nicht hinaus vor die Thüre.“ Er nahm sich einen Scherben, um sich damit zu kratzen. Auch bei den Aegyptern war es so s. Ps. 78, 48: „Er überlieferte ihr Vieh dem Hagel und ihre Heerden den Blitzen,“ und nachher heisst es Ps. 105, 33: „Er schlug ihren Weinstock und ihren Feigenbaum -und zerbrach die Bäume ihres Gebietes“ das. V. 36: „Er schlug alle Erstgeburt in ihrem Lande, alle Erstlinge ihrer Kraft.“ Auch den beiden Brüdern Machion und Chiljon ist es auf dieselbe Weise ergangen. Zuerst zeigte sich das Strafgericht an ihrem Gut und dann (an ihrem Leben) s. Ruth 1, 5: „Da starben auch die beiden.“ Auch die Aussätze, die über den Menschen kommen, stellen sich zuerst in seinem Hause ein, es musste das Ablösen der Steine, und wenn das nicht hilft, sogar das Niederreissen eintreten. Siehe, dann kommen die Strafgerichte über *) Wo das Wort ,,nui“ steht, hat es eine exclusive Bedeutung (vermindert es), hier will es sagen, dass auch er zum Falle kam. Par. XVII. Cap. XIV, 34. 113 seine Kleider, die entweder gewaschen, oder wenn das nicht hilft, verbrannt werden müssen. Siehe, dann kommen die Strafgerichte über seinen Körper und wenn er in sich geht, so wird er gereinigt, oder wenn das nicht hilft, so muss er abgesondert wohnen. Oder: „Wenn ihr in das Land Kanaan kommt.“ Sieben Völkerschaften hatten doch das Land inne und hier heisst es: Das Land Kanaan? Die Rabbinen sagen: Das ist so, wie es heisst: Cham hat verschnitten und Kanaan ist dafür bestraft worden. So ist es auch hier: Wenn die Israeliten sündigen, wird das Land verflucht? R. Eleasar ben Jacob und die Rabbinen. R. Eleasar sagte: Das Land wird darum nach Kanaan genannt, weil ihr Vater Kanaan der Stammvater von allen (Völkerschaften) war, wie es heisst Gen. 10, 15: „Und Kanaan zeugte Zidon, seinen Erstgebornen und Cheth.“ Die Rabbinen sagen: Weil alle Völkerschaften Kaufleute waren, wie es heisst Jes. 23, 8: „Dessen Kaufleute Fürsten, dessen Händler die Geehrten der Erde.“ Elieser, Abrahams Diener, sagte R. Jose ben Dosa, war eigentlich ein Kanaaniter, weil er aber jenen Frommen bedient hatte, trat er aus der Gesammtheit des Verfluchten und gelangte in die Gesammtheit des Gesegneten, wie es heisst Gen. 9, 25: „Und er sprach: Verflucht sei Kanaan,“ und das. 24, 31: „Er (Laban) sprach: Komm herein, Gesegneter des Ewigen.“ R. Jacob im Namen des R. Je- huda im Namen des R. Nathan von Beth Gobrin sagte beim Abschiednehmen: Wenn schon Elieser aus der Gesammtheit des Verfluchten in die Gesammtheit des Gesegneten trat, weil er jenen Frommen bedient hatte, um wie viel mehr verdienten eine solche Auszeichnung unsere Brüder, die Israeliten, welche ihre Grossen zu ehren wissen. Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn ihr kommt in das Land Kanaan,“ und darauf folgt: „und es giebt die Plage des Aussatzes.“ R. Chija hat gelehrt: Ist denn das aber eine frohe Botschaft, dass Plagen über sie kommen? R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Als die Kanaaniter hörten, dass die Israeliten über sie kämen, da verbargen sie ihr Gut in die Häuser und Felder. Gott sprach: Ich habe ihren Vätern (den Vorfahren der Israeliten) versprochen (die Versicherung gegeben), dass ich ihre Kinder (Nachkommen) in ein Land bringen will, dass voll von jeglichem Gut ist, wie es heisst Deut. 6, n: „Und Häuser voll von jeglichem Gut,“ was thut Gott? Er schickt Plagen in sein Haus und er muss es räumen und der Schatz kommt zum Vorschein. Wer hat denn aber den Kanaanitern gesagt, dass die Israeliten in das Land einziehen würden? Josua hatte drei Schriften (rcaQaÖEiyj.iaxa) an sie gesandt, sagte R. Ismael bar Nachman, worin es hiess: Wer räumen (das Land verlassen) will, der räume es, wer Frieden schliessen will, der thue es, wer Krieg führen (sich widersetzen) will, der thue es. Girgaschi (eine von den Völkerschaften) erhob sich (räumte das Land) und darum wurde ihm auch ein schönes Besitzthum in seinem Lande gegeben, wie es heisst Jes. 36, 17: „Bevor ich komme und euch nehme in ein Land wie das eurige“ d. i. Afrika. Die Gibeonilen Wünsche, Midrasch Wajikra. 8 Par. XVIir. Cap. XV, i. 114 1 schlossen Frieden s. Jos. 10, 1: „Dass die Bewohner von Gibeon Frieden mit den Israeliten gemacht,“ die einunddreissig Könige aber führten Krieg und fielen. Es heisst das. 14, 34: „In das Haus des Landes eures Besitzthums.“ Darunter ist der Tempel zu verstehen vergl. Ezech. 24, 21: „Siehe, ich entweihe mein Heiligthum, den Stolz eurer Macht.“ „So komme der, dem das Haus gehört“ (Lev. 14, 35) d. i. Gott, wie es heisst Hag. 1, 9: „Meines Hauses halber, weil es zerstört ist.“ „Und melde es dem Priester“ d. i. Jeremja, wie es heisst Jer. 1, 1: „Von den Priestern zu Anathoth.“ „Es zeigt sich mir wie ein Ausschlag am Hause.“ Das ist der Schmutz des Götzendienstes. Manche dagegen sagen: Es is das Götzenbild Manasses vergl. Ezech. 8, 5: „Und siehe, nördlich vom Thore des Altars war jenes Bild der Eifersucht am Eingänge.“ Was ist titfnn? R. Acha sagte: N -n 5 , Wehe! Wehe! der Beisass verdrängt den Hausherrn.*) R. Berachja sagte: Es heisst Jes. 28, 20: „Die Decke ist zu kurz, um sich damit zu decken“ d. i. ein Bett kann nicht eine Frau, ihren Mann und ihre Freunde zumal fassen, sondern das.: „die Decke ist zu eng, um sich darein zu hüllen.“ Ihr habt dem eine grosse Sorge gemacht, von dem es heisst Ps. 33, 7: „Er sammelt wie in einen Schlauch die Wasser des Meeres.“ „Und der Priester befehle, dass das Haus geräumt werde“ vergl. 1. Reg. 14, 26: „Und er (Sisak) nahm die Schätze des Hauses des Ewigen.“ „Und reisse das Haus nieder“ vergl. Esra 5, 12: „Und er zerstörte dieses Haus.“ „Und bringe alles zum Lager hinaus“ vergl. das.: „Und das Volk führte er nach Babylon.“ Wirst du vielleicht glauben, auf immer? so heisst es hier: „Und es sollen andere Steine genommen werden“ vergl. Jes.28,16: „Darum spricht also der ewige Gott: Siehe, ich lege in Zion einen bewährten Grundstein, einen Eckstein, kostbar und fest gegründet, wer darauf vertrauet, darf nicht fliehen.“ Parascha XXVIII. Cap. XV, 1. Rede zu den Kindern Israels und sprich zu ihnen: So ein Mann an seinem Fleische flüssig ist. In Verbindung mit Koh. 12, 1: „Gedenke deines Schöpfers in deinen Jugendtagen.“ Es ist gelehrt worden**): Akabia ben MehalaleL sagt: Habe drei Dinge vor den Augen und du geräthst nie in die Gewalt einer Uebertretung: 1) Wisse, woher du gekommen. Von einem stinkenden Tropfen; 2) wohin du gehst. An einen Ort, wo Staub, Gewürm und Moder ist; 3) vor wem du einst wirst Rechenschaft ablegen müssen. Vor dem König der Könige, Gott dem Allerheiligen. Und alle diese drei Sätze, sagte R. Abba ben *) D. i. der Götze wird im Tempel Gottes verehrt. **) Siehe Abot III, 1 vergl. Jer. Sota II, 1. Par. VII. Cap. V, i. 115 Kahana im Namen des R. Papi und R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi, hat R. Akabia aus einem Worte entwickelt, nämlich aus: „Gedenke deines Schöpfers (“nvd)“ d. i. deines Brunnens ( w pto), welcher eine übelriechende Feuchtigkeit ist, deiner Grube ("p-,2), die Gewürm und Moder ist, deines Schöpfers (“|NTD) d. i. des Königs der Könige, Gottes des Allerheiligen, vor dem du einst wirst Rechenschaft ablegen müssen. „In den Tagen deiner Jugend“ d. i. in den Tagen deiner Kindheit, so lange du noch in voller Kraft bist. „Eh’ kommen die bösen Tage“ d. s. die Tage des Alters. „Und die Jahre kommen, von denen du sagen wirst: ich habe kein Wohlgefallen an ihnen“ d. s. die Tage des Messias, wo es weder Verdienst noch Schuld giebt. Das. V. 2: „Ehe finster wird die Sonne“ d. i. der Glanz des Antlitzes, „und das Licht“ d. i. die Stirn, „und der Mond“ d. i. die Nase, „und die Sterne“ d. s. die Spitzen der Wangen. „Und die Wolken nach dem Regen sich wieder sammeln.“ Darüber hat R. Levi zwei Erklärungen gegeben, eine für die Genossen (is' ,| “nnb, Gelehrten) und eine für die Ungebildeten Die für die Gelehrten lautet: Ehe er (der Mensch) noch weinen will, vergiessen seine Augen schon Thränen; die für die Ungebildeten lautet: Ehe er (der Mensch) kommt, um das Wasser abzuschlagen, da gehen ihm die Excremente voran. V. 3: „Am Tage, wenn die Wächter des Hauses wanken“ d. s. seine Kniee, „und dieTapfern sich krümmen“ d. s. seine Rippen. Nach R. Chija bar Nachman sind es die Arme. „Und die Müllerinnen rasten“ d. i. der Darm (Haube), „und minder werden“ nämlich die Zähne, „und die Seher in den Lucken finster werden d. s. die Augen. Nach R. Chija bar Nachman sind es die Lungenflügel, weil von da die Stimme ausgeht. V. 4: „Und verschlossen sind die Thüren zu der Strasse“ d. i. die Oeffnungen am Menschen, weil sie wie eine Thür sind, die sich öffnet und schliesst (auf- und zugeht). „Und die Stimme der Mühlen dumpf wird,“ weil nämlich der Darm nicht mehr mahlt. „Und er aufsteht bei der Stimme des Vogels“ d. i. wenn ein Alter das Vogelgezschwitscher hört, denkt er bei sich, dass Räuber kommen, um mich zu erschlagen. „Und alle Töchter des Gesanges verstummen“ d. s. seine Lippen. Nach R. Chija bar Nachman sind es die Nieren, denn sie denken und das Herz vollendet es (bringt es zu Ende). V. 5: „Vor jeder Höhe fürchten sie sich“ d. i. wenn zu einem Alten gesagt wird: Gehe an den und den Ort, da fragt er wohl erst, giebt es dort Anhöhen, giebt es dort Vertiefungen? „Und Schrecken stossen auf dem Wege auf.“ R. Abba bar Kahana und R. Levi. Nach R. Abba bar Kahana ist der Sinn: Die Angst vor dem Wege überfällt ihn. Der andere (R. Levi) sagte: Er fängt an Zeichen zu machen, indem er sagt: bis an den und den Ort kann ich gehen, bis an den und den Ort aber kann ich nicht gehen. „Und es blüht auf der Mandelbaum“ d. i. die Gelenke. „Und die Heuschrecke rauscht“ d. i. der Knorpel (Knochen) der Wirbelsäule. 8 * n6 Par. XVIII. Cap. XV, i. Hadrian, seine Gebeine mögen zerbrochen werden! fragte den R. Josua ben Chanina. Woher (aus welchem Theile des Körpers) lässt Gott den Menschen in der zukünftigen Welt erblühen? Dieser antwortete: Aus dem Knorpel des Rückgrates. Hadrian sprach zu ihm: Woher willst du mir das beweisen? Bringe mir einen solchen. Man legte ihn ins Wasser und er wurde nicht erweicht, man brachte ihn in die Mühle und er wurde nicht zermahlen, man brachte ihn ins Feuer und er wurde nicht verbrannt, man legte ihn endlich auf den Ambos und fing an mit dem Hammer darauf zu schlagen, der Ambos wurde zertheilt, der Hammer zerschlagen und es half ihm nichts (d. i. der Knorpel blieb unverletzt). „Und jede Lust schwindet“ d. i. die Geschlechtslust, die Frieden stiftet zwischen dem Mann und seinem Weibe. R. Simeon ben Chalaphtha pflegte jeden Monat unsern Rabbi (Jehuda Hannassi) zu besuchen, was er aber, als er alt geworden war, unterliess. Eines Tages kam er zu ihm und er wurde von ihm gefragt: Was hat dich beschäftigt, dass du nicht zu mir gekommen bist, wie du es gewöhnt bist? Er antwortete ihm: Die Fernen sind nahe und die Nahen sind fern geworden, aus zweien sind drei geworden und der Friedensstifter im Hause ist unthätig geworden.*) (DieErklärung ist diese: Die Fernen sind nahe geworden d. s. die Augen, die sonst von fern (weitem) sahen und jetzt selbst nicht einmal in der Nähe sehen. Die Nahen sind fern geworden d. s. die Ohren, die sonst einmal oder zweimal hörten und jetzt selbst nicht einmal bei hundert Malen hören. Aus zwei sind drei geworden d. i. der Stock und die beiden Füsse. Und der Friedensstifter im Hause ist unthätig geworden d. i. die Geschlechtslust, die den Frieden zwischen dem Mann und seinem Weibe herstellt.) „Der Erdensohn geht hin in das Haus seiner Welt.“ Es heisst nicht: aViSTi r>'3, in das Haus der Welt, sondern: n'3, in das Haus seiner Welt. Daraus geht hervor, dass jeder Fromme eine Welt für sich hat. Gleich einem Könige, der nach einer Stadt kommt und mit ihm Feldherrn, Eparchen und Kriegsoberste, obgleich sie durch ein und dasselbe Thor einziehen, so wohnt doch jeder nach seinem Range (seiner Ehre, Würde). So auch der Fromme, obgleich sie alle den Tod schmecken, so hat doch jeder Fromme eine Welt für sich. „Und die Wehklagenden umherziehen auf der Strasse“ das sind die Würmer. V. 6: „Ehe die silberne Schnur reisst“ d. i. der Faden des Rückgrates (das Mark, das sich fadenartig durch die Wirbelsäule zieht). „Und der goldene Oelkrug zerschellt“ d. i. der Schädel. Nach R. Chija bar Nechemja ist es die Gurgel, weil sie das Gold vergeudet und das Silber leert. „Und der Eimer an der Quelle zerbrochen wird“ d. i. der Bauch. R. Chija bar R. Papi und R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagten: Nach drei Tagen thut sich der Bauch des Menschen auf und giebt dem Munde das *) S. Schabbat fol. 152“. Par. XVIII. Cap. XV, i. 117 wieder mit den Worten: Hier hast du, was du geraubt, erpresst und mir gegeben hast. R. Chaggi im Namen des R. Jizchak beweist es aus Mal. 2, 3: „Und ich streue den Mist in euer Angesicht, den Mist eurer Festopfer.“ R. Abba bar R. Papi und R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagten: Drei volle Tage schwebt die Sfeele um (über) den Körper in der Meinung, dass sie wieder zu ihm zurückkehre, wenn sie aber sieht, dass sich der Glanz des Angesichtes verändert hat, geht sie ihres Wegs, wie es heisst Hi. 4, 22: „Nur um ihn selber fühlet Schmerz sein Leib.“ Bar Kapra sagte: In den ersten drei Tagen bedarf der Trauernde keines Trostes. Warum? Weil da die Gesichtszüge noch erkennbar sind; denn es ist gelehrt worden*): Ein Zeugniss darf nur auf das Gesicht in Verbindung mit der Nase (wenn sie noch wohl erhalten ist) abgelegt werden, nach drei Tagen darf ein solches Zeugniss nicht angenommen werden. „Und das Rad am Brunnen zerschmettert ist.“ Zwei Amoräer sind darüber verschiedener Meinung. Der eine sagte: Wie die Räder (an den Brunnen) zu Sepphoris; der andere sagte: Wie die Schollen zu Tiberias (was im Thale lag, wo viele Erdschollen waren), wie es heisst Hi. 21, 33: „Es sind ihm süss des Thaies Schollen.“ V. 7: „Und der Staub zurückkehrt zur Erde wie das, was er gewesen.“ R. Pinchas und R. Chilkia im Namen des R. Simon sagten: Wann kehrt der Geist zu Gott zurück, der ihn gegeben hat? Sowie der Staub zur Erde zurückkehrt wie das, was er gewesen ist, wo nicht (so wird er umhergeschleudert) s. 1. Sam. 25, 29: (Abigail sagte:) „Und die Seele deines Feindes schleudert er fort.“ R. Ismael bar R. Nachman lehrte im Namen des R. Abdimi von Chefa: Es verhält sich wie mit einem gelehrten (unterrichteten) Priester, welcher einem ungebildeten Priester einen Laib Brot von der Hebe übergiebt mit den Worten: Siehe, ich bin rein, mein Haus ist rein und der Laib Brot, den ich dir gebe, ist rein, wenn du mir ihn so wiedergiebst, wie ich ihn dir gebe, so ist’s gut, wo nicht, siehe, so werfe ich ihn vor dich (dir zu Füssen). So spricht auch Gott zu den Menschen: Siehe, ich bin rein, meine Wohnstätte ist rein, meine Diener sind rein und die Seele, die ich dir gegeben habe, ist rein, wenn du mir sie in diesem Zustande wiedergiebst, wie ich sie dir gegeben habe, so ist’s gut, wo nicht, siehe, so zerreisse ich sie vor dir. Alles das ist in den Tagen des Greisenalters, in den Tagen der Jugend aber, wenn da einer gesündigt hat, da wird er mit Samenfluss und mit Aussatz gestraft. Darum warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen Lev. 15, 2: „Wenn ein Mann einen Fluss an seinem Fleische hat.“ Oder: „Wenn ein Mann einen Fluss an seinem Fleische hat.“ In Verbindung mit Hab. 1, 7: „Schrecklich und furchtbar ist er, von ihm geht Urtheil und Richterspruch aus.“ „Schrecklich und furchtbar ist er.“ Wer ist das? Der erste Mensch. Als Gott den ; ) S. Mischna Jebamot XVI, 3. n8 Par. XIII. Cap. XV, I. ersten Menschen erschuf, sagte R. Jehuda bar R. Simon im Namen des R. Josua ben Levi, füllte er die ganze Welt vom Morgen bis Abend s. Ps. 139, 5: „Rückwärts und vorwärts hast du mich gebildet“ d. i. von Abend bis Mittag, wie es heisst Deut. 4, 32: „Und von einem Ende des Himmels bis zum andern Ende des Himmels.“ Und woher lässt sich beweisen, dass er auch den ganzen Zwischenraum der Welt füllte? Aus Ps. 139, 5: „Du legtest an mich deine Hand.“ Von ihm geht sein Richterspruch und sein Urtheil (Vergebung) aus“ d. i. Eva, wie es heisst Gen. 3, 12: „Und Adam sprach: Das Weib, das du mir gegeben hast, es gab mir von dem Baume und ich ass.“ Oder: „Schrecklich und furchtbar ist er“ d. i. Esau, wie es heisst Gen. 27, 15: „Und Rebecca nahm die Kleider Esaus, ihres ältesten Sohnes; „von ihm geht sein Urtheil und sein Richterspruch aus,“ das geht auch auf Obadja, welcher, wie R. Jizchak sagte, ein edomitischer Proselyt war und über Edom geweissagt hat s. Ob. 1, 18: „Es wird kein Ueberrest dem Hause Esaus bleiben.“ Oder: „Furchtbar und schrecklich ist er“ d. i. ist Sancherib, von dem geschrieben steht Jes. 36, 20: „Wer ist unter allen Göttern der Länder, der sein Land aus meiner Gewalt gerettet hätte;“ „ihm geht sein Urtheil und Richterspruch aus,“ das bezieht sich auf seine Söhne, von denen es heisst 2. Reg. 19, 37: „Als er sich niederwarf im Tempel seines Gottes Nisroch, erchlugen ihn seine Söhne Adrammelech und Sarezer mit dem Schwerte.“ Oder: „Furchtbar und schrecklich ist er“ d. i. Chiram, der König von Tyrus, wie es heisst Ezech. 28, 2: „Menschensohn, sprich zum Fürsten von Tyrus: So spricht der Ewige: weil dein Herz so stolz ist;“ „von ihm geht sein Urtheil und Richterspruch aus“ d. i. Nebucadnezar. Es ist eine verbreitete Ueberlieferung (Sage), bemerkte R. Simon, dass Chiram, der Mann von Nebucadnezars Mutter gewesen sei, und er hat sich über ihn gemacht und ihn umgebracht, wie es heisst das. V. 18: „Ich lasse ein Feuer aus deiner Mitte ausgehen, das dich verzehrt.“ Oder: „Furchtbar und schrecklich ist er“ d. i. Nebucadnezar, s. Jes. 14, 13: „Und du sprachst in deinem Herzen: zum Himmel will ich aufsteigen.“ „Und von' ihm geht das Urtheil und der Richterspruch aus“ d. i. Evilmerodach. Es heisst nämlich, dass während der sieben Jahre, in welchen Nebucadnezar im Walde umherirrte (eig. die an Nebucadnezar vorübergingen), sie den Evilmerodach nahmen und ihn an seine Stelle zum Regenten einsetzten, und als er (Nebucadnezar) wieder zurückkehrte, nahmen sie ihn und setzten ihn ins Gefängniss, und jeder, der in das Gefängniss in seinen Tagen gelegt worden war, kam von da nicht wieder heraus, wie es heisst das. V. 17: „Seinen Gefangenen erötlnete er nicht sein Haus.“ Und als Nebucadnezar gestorben war, kam Evilmerodach wieder zur Regierung und dieser sprach: Ich folge euch nicht. Anfangs willfuhr ich euch und ich wurde ins Gefängniss gesetzt Par, XVIII. Cap. XV, i. u 9 und jetzt will er mich umbringen. Er glaubte ihnen aber nicht, bis sie ihn herbeischleppten und vor ihn hinwarfen, wie es heisst das. V. 19: „Du aber liegst hingeworfen ohne Grab.“ Und nicht nur das, sagte R. Abina, sondern jeder Feind, den er hatte, kam und durchbohrte ihn mit dem Schwerte, um zu bestätigen, was gesagt ist das.: „Bedeckt vom Erschlagenen, vom Schwerte Durchbohrten.“ Oder: „Furchtbar und schrecklich ist er“ d. s. die Israeliten, wie es heisst Ps. 82, 6: „Ich sprach: ihr seid Götter;“ '„von ihm geht sein Urtheil und Richterspruch aus“ d. i. ihr werdet (in Folge eurer Sünden) mit Schleimfluss und Aussatz geschlagen werden. Darum warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Wenn ein Mann an seinem Fleische einen Fluss hat.“ Oder: „Wenn ein Mann an seinem Fleische einen Fluss hat.“ In Verbindung mit Jes. 17, 11: „An dem Tage deines Pflanzens zogst du sie gross und am Morgen deines Säens brachtest du es zur Blüthe.“ „Am Tage deines Pflanzens“ d. i. an dem Tage, wo ich euch mir zu einem Volke gepflanzt habe, habt ihr euch zum Auswurf gemacht, wie es heisst Ezech. 22, 18: „Schlackensilber sind sie geworden; “ „da zogst du sie gross“ d. i. ihr habt den Pfad in Verwirrung gebracht. So heisst es Prov. 26, 23: „Wie Schlackensilber über irdenes Geschirr gezogen.“ Oder das Wort: ■'i-uyi ;n bedeutet: ihr habt mich beunruhigt, wie es heisst Ps. 78, 36. 37: „Sie redeten mit ihrem Munde und mit ihrer Zunge logen sie, und ihr Herz war nicht fest bei ihm und sie hielten nicht treu an seinem Bunde.“ „Und am Morgen deines Säens brachtest du es zur Blüthe.“ R. Chama bar Chanina und R. Ismael bar Chanina sagte: Gleich einem, der ein Beet voll mit Gemüse hat, als er am Morgen aufwacht, findet er dasselbe leer. R. Ismael bar Nachman sagte: Gleich einem, der ein Beet voll mit Flachs hat, als er am Morgen aufwacht, findet er Blüthenkelche. Jes. 17, 11: „Die Ernte flieht“ d. i. ihr habt (in Folge eurer Sünden) über euch herbeigeführt die Ernte der Herrschaft (der heidnischen Reiche), die Ernte der Leiden, die Ernte des Todesengels; denn R. Jochman hat im Namen des R. Elieser ben R. Jose des Galiläers gesagt: Als die Israeliten am Berge Sinai standen und die Worte sprachen Ex. 24, 7: „Alles was der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen,“ da rief Gott den Todesengel und sprach zu ihm: Obgleich ich dich zum Weltbeherrscher (Kosmokrator) über die Geschöpfe gesetzt habe, so sollst du doch mit diesem Volke nichts zu schaffen haben. Warum? Weil sie meine Kinder sind. Das steht auch Deut. 14, x: „Ihr seid Kinder des Ewigen, eures Gottes.“ Und ferner das. 5, 23: „Als ihr hörtet die Stimme aus der Finsterniss.“ Giebt es denn oben eine Finsterniss? Es heisst doch das. 2, 22: ,,Licht wohnt bei ihm!“ Allein das ist der Todesengel, welcher Finsterniss genannt wird, wie geschrieben steht Ex. 32, 16: „Und die Tafeln waren ein Werk Gottes“ u. s. w. Lies nicht niTR, ein- 120 Par. XVIII, Cap. XV, I. gegraben, sondern nrvn, frei. R. Jehuda und R. Nachman und die Rabbinen. Nach R. Jehuda waren sie frei vom Todesenge], nach R. Nachman frei von den Reichen, nach den Rabbinen frei von Leiden. Es heisst Jes. 17, n: „Am Tage des Besitzes“ d. i. am Tage, wo ich euch habe das Gesetz erben lassen. „Und menschlichen Schmerzes.“ R. Jochanan und die Rabbinen. R. Jochanan sagte: Ihr habt über euch eine mächtige und eine schwache Plage gebracht. Die Rabbinen dagegen sagen: Ihr habt über euch eine starke und eine schwache Plage gebracht. Und was ist das? Fluss und Aussatz. Deshalb warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „So ein Mann einen Fluss an seinem Fleische hat.“ R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Als die Israeliten am Berge Sinai standen und die Worte gesprochen hatten Ex. 24, 7: „Alles, was der Ewige geredet, wollen wir thun und gehorchen,“ da gab es keine Schleimflüssigen und Aussätzigen und keine Lahmen, Blinden, Stummen, Tauben und Verrückten unter ihnen. Auf diesen Moment spielt Cant. 4, 7 an: „Ganz schön bist du, meine Freundin, kein Fehler ist an dir.“ Als sie aber gesündigt hatten, verstrichen nur wenige Tage und es wurden unter ihnen Schleimflüssige und Aussätige gefunden. Auf diesen Moment heisst es Num. 5, 2: „Es wurden alle Aussätzigen und Flüssigen aus dem Lager gewiesen.“ Und wodurch haben sich die Israeliten Schleimfluss und Aussatz zugezogen? R. Huna im Namen des R. Hosaja sagte: Weil sie hinter ihnen Spott trieben (übel redeten) und sprachen: War nicht die Familie von dem und dem aussätzig? Daraus geht hervor, dass diese Plagen nur auf Verleumdungen erfolgen. R. Tanchum sagt: Weil sie hinter der Bundeslade Spott trieben (übel redeten) und sprachen: Diese Lade tödtet ihre Träger. (Daraus geht hervor,) dass die Plagen nur in Folge von Verleumdung kommen. Darum haben sich die Israeliten Schleimfluss und Aussatz zugezogen. Die Rabbinen sagen: Die Plagen kommen in Folge (der Fertigung) des goldnen Kalbes, wie es heisst Ex. 32, 25: „Und Mose sah, dass das Volk zügellos war“ d. h. es war unter ihnen der Aussatz ausgebrochen vergl. Lev. 13, 40: „Und sein Haupt kahl wird (ms).“*) R. Jehuda bar R. Simon sagte: Die Plagen kommen nur wegen der Missvergnügten (Murrenden) von. denen es heisst Num. 11, 20: „Bis dass es (das Fleisch) euch zur Nase herauskommt und euch zum Ekel wird.“ Was heisst nptV? R. Huna sagte: Es wird euch sein zur Aufdunsung und Geschwulst; Resch Lakisch aber sagte: Zur Bräune; R. Abin sagte: zur Warnung; R. Abithar sagte: zu Würmern; R. Simeon ben Jochai sagte: So dass ihr euch mehr entfernt als ihm naht. R. Jehuda bar R. Simon sagt: Von hier sind sie dem Versammlungszelte fremd (D'lt) geworden. R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Fleisch *) Hier heisst es yns, verwildert und dasselbe Wort steht auch bei dem Ausschlage. t Par. XIX. Cap. XV, 25. 121 und Blut straft mit Verbannung, auch Gott straft mit Verbannung, wie es heisst Num. 5, 2: „Befiehl den Kindern Israels, dass sie aus dem Lager schaffen.“ Fleisch und Blut wirft ins Gefängniss, auch Gott wirft ins Gefängniss, wie es heisst: „Und der Priester soll den Aussätzigen einschliessen.“ Fleisch und Blut befiehlt Vertreibung (des Verbrechers), auch Gott befiehlt Vertreibung; es heisst: „Er soll allein wohnen ausserhalb des Lagers.“ Fleisch und Blut verhängt körperliche Züchtigung, auch Gott verhängt körperliche Züchtigung, wie es heisst Deut. 25, 3: „Vierzig Schläge soll er ihm geben, aber nicht mehr.“ Fleisch und Blut treibt Geldstrafen ein, auch Gott treibt Geldstrafen ein, wie es heisst Deut. 22, 19: „Sie sollen ihn strafen mit einer Strafe von hundert Silberstücken.“ Fleisch und Blut theilt das Donativum aus, auch Gott theilt das Donativum aus, wie es heisst Ex. 16, 4: „Siehe ich lasse euch Brot vom Himmel regnen.“ Fleisch und Blut theilt Würden aus (zeichnet aus), auch Gott theilt Würden aus s. Num. 1, 2: „Nehmet auf die Hauptzahl.“ Fleisch und Blut theilt Portionen aus, auch Gott theilt Portionen aus s. Ex. 16, 16: „Ein Omer für den Kopf nach der Zahl eurer Seelen.“ Fleisch und Blut schlägt den Menschen durch (die Aussage der) Zeugen, auch Gott schlägt den Menschen durch sich selbst, wie es heisst Deut. 32, 39: „Ich schlage und ich heile.“ R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: Fleisch und Blut verwundet mit einem Kneif und heilt durch ein Pflaster, Gott aber heilt nicht mit dem, womit er verwundet hat, wie es heisst Jerem. 30, 17: „Ich -will dir einen Verband anlegen und von deinen Schlägen dich heilen.“ Parascha XIX. Cap. XV, 25. Und so ein Weib ihren Blutfluss viele Tage hat. In Verbindung mit Cant. 5, 11: „Sein Haupt ist köstliches Gold.“ „Sein Haupt“ d. i. die Thora, denn es heisst Prov. 8, 22: „Der Ewige bereitete mich als Anfang seines Weges;“ denn R. Huna hat im Namen des Resch Lakisch gesagt: Zweitausend Jahre ging die Thora der Weltschöpfung voraus, wie es heisst das. V. 30: „Da war ich bei ihm als Vertrauter.“ Und ein Tag Gottes beträgt tausend Jahre, wie es heisst Ps. 90, 4: „Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie ein Tag. „Köstliches Gold“ d. s. die Worte der Thora, von denen es heisst Ps. 19, 11: „Sie sind kostbarer als Gold und viel feines Gold.“ Die Dinge, die vom Anfänge erschaffen wurden, waren gegraben in köstliches Gold. Es heisst Cant. 5, ix: „Seine Locken Hügel“ d. i. das Lineal; „schwarz wie der Rabe“ d. s. die Spitzen (Striche) der Buchstaben. So meint Bar R. Elieser. R. Josua sagt: Sie (die Worte) hängen und befestigen sich an dem, der früh und abends sich damit beschäftigt. R. Samuel bar Ami sagte: Die Worte der Thora sind früh und abends nothwendig, wie es heisst Hi. 38, 41: „Wer bereitet dem 122 Par. XIX. Cap. XV, 25. Raben seinen Fang?“ Das können wir an Elia sehen (eig.: Lerne von Elia), dadurch dass er sich früh und abends mit der Thora beschäftigte, habe ich ihm nicht die Raben eingeladen? wie es heisst 1. Reg. 17, 6: „Die Raben brachten ihm Brot und Fleisch.“ Woher brachten sie es ihm? Von Josaphats Tafel. R. Samuel bar Ami sagte: Die Worte der Thora sind früh und abends nothwendig zur Erhaltung. Woher lässt sich das beweisen? Aus den Worten: „Wer bereitet dem Raben seinen Fang? Wenn der Mensch nicht gegen sich (seinen Körper), gegen seine Kinder und gegen sein Haus so hart wird wie der Rabe, so ist er nicht würdig der Worte der Thora. R. Asi stellte gern Untersuchungen an. Da sah er, wie ein Rabe ein Nest machte und Eier legte (und sich darauf setzte), bis Junge hervorkamen. Er nahm dieselben, that sie in einen neuen Topf und verklebte denselben drei Tage lang. Nach drei Tagen öffnete er ihn, um zu sehen, was sie machten, er fand, dass sie Unrath gemacht hatten, aus dem Fliegen wurden, welche aufflogen und von den Raben verzehrt wurden. Da wandte er auf sie den Vers an: „Wer bereitet dem Raben seinen Fang.“ R. Jochanan und Resch Lakisch. R. Jochanan sagte: Der wahre Jubel über die Thora zeigt sich nur bei Nacht, wie es heisst Threni 2, 19: „Auf! juble in der Nacht.“ Resch Lakisch sagte aber: Er zeigt sich am Tage und in der Nacht, w'ie es heisst Jos. 1, 8: „Denke darüber nach Tag und Nacht.“ Resch Lakisch erklärte verschiedene Schriftstellen (er beschäftigte sich mit verschiedenen Auslegungen von Schriftstellen), und als er kam an Prov. 31, 15: „Sie (das Biederweib) steht auf, wenn es noch Nacht ist,“ und ferner an Thren. 2, 19: „Auf! juble in der Nacht,“ da sprach er: R. Jochanan hat mich trefflich belehrt. Dann sagte er wieder: Seht ihr es meiner Lehre nicht an, wie sie in meinem Gesichte leuchtet? Und warum? Weil es von der Nacht und vom Tage herrührt. R. Chanan von Sepphoris wandte den Vers auf einen Schutthaufen an. Der Unbesonnene (Thor), was sagt er? Wer kann diesen Schutthaufen abtragen (wegräumen)? Was spricht aber der Besonnene? Siehe, ich trage heute zwei Körbe und morgen zwei Körbe davon fort, bis ich endlich alles hinweggeräumt habe. (Ebenso verhält es sich mit der Thora.) Der Unbesonnene spricht: Wer kann die (ganze) Thora erlernen? Nesikin(von den Schäden) hat dreissig Kapitel, Kelim (von den Gefässen) hat dreissig Kapitel (das lässt sich nicht erlernen). Der Besonnene aber, was spricht er? Siehe, ich lerne heute zweiHalachot und morgen zwei, bis ich die ganze Thora gelernt habe. R. Ami sagte: Es heisst Prov. 24,7: „Unübersteigliche Höhen sind dem Thoren die Wissenschaften.“ Das kommt mir vor, sagte R. Jochanan, als wenn ein centnerschwerer Gegenstand im Raume (in der Luft) des Hauses hängt, der Einfältige sagt: Wer kann ihn herunternehmen, der Kluge aber spricht: Hat ihn nicht einer hinaufgehängt? Er bringt Röhren (Stangen), verbindet sie mit einander und nimmt ihn dann herunter. Ebenso verhält es sich mit der Thora. Der Thor spricht: Par. XIX. Cap. XV, 25. 123 Wer kann die Thora erlernen, welche nur im Herzen des Weisen ist? Der Kluge aber, was thut er? Er schiebt das Lernen nicht hinaus, sondern spricht: Ich lerne heute zwei Halachot und morgen zwei, bis ich die ganze Thora gelernt haben werde. R. Levi sagte: Gleich einem durchlöcherten Korb, dessen Besitzer Arbeiter gedungen hat, um ihn zu füllen. Der Thörichte, was spricht er? Was nützt hier'das Füllen, da alles, was ich hineinbringe, wieder herausfällt. Der Kluge aber, was spricht er? Erhalte ich nicht Lohn für das ganze Fass (d. i. bekomme ich nicht meine Arbeit bezahlt)? Ebenso verhält es sich mit dem Gesetzstudium. Der Thörichte, was spricht er? Was hilft es mir, wenn ich die Thora lerne, ich vergesse sie doch wieder; der Kluge aber, was spricht er? Giebt mir nicht Gott Lohn für meine Mühe? R. Sera sagte: Selbst die Dinge, welche du für blosse Strichlein (geringfügig) in der Thora hältst, sind Haufen über Haufen, sie können die ganze Welt zerstören und zu einem Schutthaufen machen, wie es heisst Deut. 13, 16: „Und sie sei ein Steinhaufen ewiglich, nicht soll sie wieder erbaut werden.“ R. Alexandri bar Chaggi sagte: Wenn alle Völker in der Welt Zusammenkommen wollten, um den Flügel eines Raben weiss zu machen, sie vermöchten es nicht, ebenso wenn alle Völker der Welt Zusammenkommen wollten, um ein einziges Wort aus der Thora zu reissen, sie würden es nicht im Stande sein. Von wem kannst du das lernen? Von Salomo. Dadurch, dass er einen Buchstaben aus der Thora reissen wollte, zog er sich schwere Ankläger zu. Und wer klagte ihn an? R. Josua sagte: Der Buchstabe Jod (') in dem Worte klagte ihn an. R. Simeon hat gelehrt, das Deutoronomium (Mischne Thora) stieg hinauf und warf sich vor Gott nieder und sprach vor ihm: Herr der Welt! Salomo hat mich aus meiner Stelle gerissen und hat mich zum Lügner gemacht, derin jede Urkunde, von der zwei oder drei Worte ungiltig werden, wird ganz (völlig) ungiltig. Siehe, der König Salomo will die Jod aus mir entfernen; es steht nämlich geschrieben Deut. 17, 16: „Er soll sich nicht viel Weiber nehmen (raT)“ und er hat sich viele genommen; ferner V. 17: „Er soll sich nicht viele Pferde halten (naT)“ und er hat sich viel Pferde angeschafft, ferner: „Er soll nicht viel Silber und Gold anhäufen“ und er hat viel Silber und Gold angehäuft. Darauf antwortete Gott: Gehe deines Wegs! Sieh, Salomo und hundert seines Gleichen werden vergehen, aber der Buchstabe Jod aus dir wird nimmer entfernt werden. R. Huna sagte im Namen des R. Acha: Die Jod, die Gott aus dem Namen der Sara nahm, theilte er in zwei Theile, die eine Hälfte gab er an Abraham und die andere Hälfte an Sara*). R. Josua ben Karcha sagte: Die Jod von Sara stieg hinauf und warf sich vor Gott nieder und sprach vor ihm: Herr der Welt! du hast mich aus dem Namen dieser Tugendhaften ge- *) Aus D“DN wurde ciViSN und aus wurde mtt\ ' ist zweimal n. 124 Par. XIX. Cap. XV, 25. rissen. Geh! antwortete Gott, früher warst du in einen weiblichen Namen am Ende des Wortes, aber jetzt, siehe, ich setze dich in einen männlichen Namen an die Spitze des Wortes, wie es heisst Num. 13, 16: „Und Mose nannte den Hosea (yiain;) ben Nun Josua (ycn-p). Es heisst Deut. 6, 4: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott ist einig (“ftN, einzig). Machst du aus dem - (des Wortes “ihn) ein 1, da zerstörst du die ganze Welt.*) Ferner heisst es Ex. 34, 4: „Dass du dich nicht bückst zu einem andern Gott.“ Machst du aus dem 1 (des Wortes ~!"Un) ein “1, so zerstörst du die ganze Welt.**) Ferner heisst es Lev. 22, 2: „Sie sollen nicht entweihen meinen heiligen Namen.“ Machst du da aus dem n (des Wortes ■öbrr) ein !i, so zerstörst du die ganze Welt.***) Es heisst Ps. 150, 6: „Jede Seele lobe Jah, Hallelujah!“ Machst du aus dem “ (des Wortes b?~n) ein n, so zerstörst du die ganze Welt.f) Es heisst Jerem. 5, 12: „Sie verleugnen den Ewigen.“ Verwandelst du das 3 (in dem Worte ■'"■'3) in ein 3, so zerstörst du die ganze Welt.ff) Es heisst Hos. 5, 7: „Gegen den Ewigen handelten sie treulos.“ Verwandelst du da das 3 (in dem Worte ■>"■' 3 ) in ein 3 , so zerstörst du die ganze Welt.fff) Ferner heisst es 1. Sam. 2, 3: „Es ist keiner so heilig wie der Ewige.“ Wenn du da das 3 (des Wortes •'" , 3) in ein 3 verwandelst, so zerstörst du die ganze Welt.f*) Es heisst das. 2, 3: „Denn keiner ist ausser dir“ d. i. nach R. Abba bar Kahana: Alles vergeht, du aber vergehst nicht. Oder: „Es ist keiner ausser dir“ d. i. es giebt nichts, was dich hinfällig macht. R. Jehuda bar R. Simon legte die Schrift den Gelehrten aus. Einmal heisst es Cant. 5, 11: „Schwarz wie der Rabe,“ und einmal wieder heisst es das. V. 15: „Sein Ansehen ist wie der Libanon, auserwählt wie die Cedern.“ Und dann heisst es wieder Nach. 2, 5: „Ihr Ansehen wie die Fackeln, wie die Blitze laufen sie.“ Diese Sätze deutete er auf die Jünger der Thora, weil sie hässlich und schwarz in dieser Welt erscheinen, aber in der zukünftigen Welt wird ihr Aussehen den Fackeln gleichen. R. Samuel bar Jizchak legte diese Verse auf die Abschnitte der Thora aus. Obgleich einige hässlich und schwarz erscheinen, um sie öffentlich vorzutragen, wie z. B. die Halachot über den Schleimfluss und die Ausschläge und die Absonderung (Menstruation) und die Wöchnerin, so spricht doch Gott: Siehe, mir sind sie angenehm, wie es heisst Mal. 3, 4: „Gott ist angenehm die Gabe Jehudas und Jerusalems.“ Du kannst es auch daraus erkennen, dass es sich so verhält, denn siehe, die Abschnitte von dem männlichen und weiblichen Flusse stehen nicht *) Der Sinn ist dann: Der Ewige, unser Gott, ist ein anderer. **) Der Sinn ist dann: Dass du dich nicht bückst zu dem einen Gott. ***) Der Sinn ist dann: Sie sollen nicht loben meinen heiligen Namen, t) Es heisst dann: Jede Seele entweihe Jah, Halleluja, tt) Her Sinn ist dann: Sie verleugnen wie der Ewige, ttt) Her Sinn ist dann: Wie der Ewige handelten sie treulos, t*) Her Sinn ist dann: Es ist kein Heiliger (nichts Heiliges) bei Gott. Par. XIX. Cap. XV, 25. 125 zusammen, sondern jeder für sich. „Wenn ein Mann an seinem Fleische einen Fluss hat;“ ferner: „Und so ein Weib ihren Blutfluss lange Zeit hat.“ R. Kohen begann mit Koh. 10, 18: „Durch Nachlässigkeit sinkt das Gebälk.“ Dadurch dass die Israeliten sich träge erwiesen an der Betheiligung bei den Zerwürfnissen vor dem Berge Sinai, sank das Gebälk, wie es heisst Ex. 19, 20: „Und der Ewige stieg herab auf den Berg Sinai,“ und Ps. 18, 10: „Er beugte den Himmel und liess sich herab.“ „Und durch Schlaffheit der Hände träufelt das Haus.“ Dadurch, dass sich die Israeliten erniedrigten, an den Zerwürfnissen Theil zu nehmen, träufelt das Haus, wie es heisst Jud. 5, 9: „Auch die Wolken troffen Wasser.“ Oder: „Durch Nachlässigkeit sinkt das Gebälk.“ Dadurch dass sich die Israeliten träge zeigten in den Tagen Jeremjas Busse zu thun, sank das Gebälk wie es heisst Jes. 22, 8: „Es wird aufgedeckt der Schleier Judas“ d. i. es wird weggezogen die Decke. „Und durch Schlaffheit der Hände“ u. s. w. Dadurch, dass sich die Israeliten schlaff zeigten, um in den Tagen Jeremjas Busse zu thun, träufelte das Haus, wie es heisst Arnos 6, n: „Denn siehe, der Ewige befiehlt und schlägt das grosse Haus in Trümmer und das kleine Haus in Splitter.“ Von IiCpöi gewinnt man eine Art Pflöcke, von nsipi aber gewinnt man keine Pflöcke. Oder: „Durch Nachlässigkeit sinkt das Gebälk.“ Dadurch dass sich der Mensch träge zeigt, sein Haupt zu bedecken, wie es schicklich ist, sinkt das Gebälk d. i. es wird gekrümmt. „Und durch Schlaffheit der Hände“ u. s. w. Dadurch dass der Mensch vernachlässigt, seinen Körper abzutrocknen, wie es sich geziemt, entstehen an ihm Hautausschläge. R. Abuhu legte den Vers auf das Weib aus. Dadurch, dass das Weib verabsäumt, sich zu verhüllen, wie es sich gehört, sinkt das Gebälk, wie es heisst Lev. 20, 18: „Und sie ihre Scham ent- blösst und ihren Brunnen enthüllet und sie die Quelle ihres Blutes aufdeckt.“ „Und durch Schlaffheit der Hände“ u. s. w. Dadurch, dass das Weib vernachlässigt, sich zur bestimmten Zeit zu untersuchen, „träufelt das Haus“ d. i. es häuft sich ihr Blut an. Das steht nun hier: „Wenn eine Frau ihren Blutfluss hat lange Zeit.“ Tabitha, die Magd des Rabban Gamliel untersuchte die Weinfässer, als sie bemerkte, dass ihr Menstruum ein trat, setzte sie sich hin (d. i. sie setzte die Prüfung nicht fort). Der Wein, sagte er, ist gewiss sauer geworden. Nein, gab sie zur Antwort.*) Wehe! rief er aus, da er die wahre Ursache erkannte, der Wein ist nun dahin!**) Darauf sagte die Magd: Ich habe viele Fässer untersucht und merkte es erst bei diesem. Beruhige dich (gieb dich zufrieden), sprach er zu ihr, denn du hast mich beruhigt. *) Daraus konnte er schliessen, dass ein anderer Umstand eingetreten sein musste, dass sie von der Untersuchung Abstand nahm. **) R. Gamliel pflegte die gewöhnlichen Speisen und Getränke in Reinheit zu gemessen. I2Ö Par. XIX. Cap. XV, 25. Oder: „Wenn ein Weib ihren Blutfluss lange Zeit hat.“ In Verbindung mit 2 Chron. 15, 3: „Viele Tage (lange Zeit) war Israel ohne wahren Gott, ohne belehrenden Priester und ohne Thora.“ Wer hat diesen Vers geweissagt? Asarja, Sohn Odad, der Prophet. Er hat gesagt: Es werden für Israel Zeiten kommen, „wo es keinen wahren Gott hat“ d. i. wo die Strafgerechtigkeit (das Strafmass) nicht in der Welt ist, „wo es keinen belehrenden Priester giebt“ d. i. wo einst die Hohepriesterwürde aufhören wird, „wo es keine Thora geben wird“ d. i. wo einst das Synedrium aufhören wird. Als die Zeitgenossen das hörten, Hessen sie die Hände sinken (waren sie entmuthigt). Es erscholl aber eine Himmelsstimme, welche die Worte hören Hess: Stärket die schlaffen Hände. R. Judan und R. Pinchas. R. Judan sagte: Es heisst Jes. 35, 3: „Stärket die schlaffen Hände“ d. i. die Hände, welche gleichsam erschlafft scheinen, „und die wankenden Kniee festiget“ d. i. die Kniee, welche nur zu wanken scheinen. R. Pinchas dagegen erklärte die Worte: „Stärket die schlaffen Hände“ d. i. weil ihr euch durch eure bösen Thaten schlaff gemacht habt, „die wankenden Kniee befestiget“ d. i. weil ihr durch eure bösen Thaten gestrauchelt seid. Das. V. 4: „Sprecht zu den Furchtsamen.“ R. Hosaja der Aeltere sagte: (Sprecht) zu den gebrochenen Pierzen, wie es heisst Nach. 2, 6: „Sie eilen zu ihrer Mauer.“ Wie diejenigen, sagte R. Josua ben Levi, die auf das Ende drängen (es beschleunigen), wie es heisst Gen. 24, 46: „Sie eilte und nahm ihren Eimer herab.“ „Seid stark und fürchtet euch nicht.“ Weil nämlich die Israeliten sprachen Ps. 42, 4: „Thränen sind meine Speise Tag und Nacht, wenn man zu mir spricht: Wo ist dein Gott?“ Da erscholl eine Himmelsstimme und rief ihnen zu Jes. 35, 4: „Siehe, euer rächender Gott kommt,“ derjenige nämlich, der einst den Völkern der Welt vergelten wird s. das.: „Vergeltung Gottes, er kommt und rettet euch.“ „Viele Tage waren in Israel.“ Waren es denn viele Tage? Allein weil es Tage des Kummers waren, so werden sie viele genannt. So heisst es auch 1 Reg. 18, 1: „Es waren viele Tage, da geschah das Wort des Ewigen zu Elia im dritten Jahre also.“ R. Berachja und R. Chelbo im Namen des R. Jochanan sagten: Es waren drei Monate im ersten, drei Monate im letzten (Jahr) und zwölf Monate in der Mitte, siehe, das sind doch blos achtzehn Monate, waren denn das viele Tage? Allein es waren Tage des Kummers, darum heissen sie viele. Ebenso heisst es Ex. 2, 11: „Es war nach vielen Tagen.“ Waren es denn viele? Allein weil es kummervolle Tage waren, so heissen sie viele. Ebenso heisst es Esth. 1, 4: „Hundertundachtzig Tage.“ Waren denn das viele? Allein weil sie u. s. w. Und ebenso heisst es hier in diesem Verse: „Wenn eine Frau den Blutfluss hat viele Tage.“ R. Chija hat gelehrt: Da es Q' i 73"' heisst, so sind das doch wenigstens zwei, und da es viele heisst, so müssen es doch wenigstens drei sein, von hier an und weiter ist die Frau nicht mehr menstruirend, sondern nur siech (matt). Es heisst nicht: rin tu mtm, sondern: rmm Par. XIX. Cap. XV, 25. 127 firnin. R. Simlai sagte: Grosses Leiden hat Gott dem Weibe auferlegt, dass sie, nachdem sie die vorgeschriebenen Tage des Blutflusses beobachtet, noch sieben Tage abgesondert sein muss und die Thora sie ms nennt. Es heisst nicht: nnn-iTn rmm, sondern: nna hnm. R. Jochanan im Namen des R. Elieser des Sohnes des R. Jose, des Galiläers, sagt: Wenn schon das Weib, nachdem es zwei bis drei Tage abgesondert zugebracht hat, die Thora ms nennt, um wie viel mehr wir, die wir von dem Hause unseres Lebens und von unserm heiligen Hause abgesondert sind! Wie viele Tage, wie viele Jahre, wie viele Zeitabschnitte und wie viele Schaltjahre ist unser Schmuck dahin! Oder: „Wenn ein Weib ihren Blutfluss hat.“ Wer hat die Vorschrift des Flusses gehalten? Jechonja, Sohn Jojachims. Es wird nämlich gesagt: Als Nebucadnezar hinaufzog, Jerusalem zu zerstören, liess er sich in Daphne Antiochena nieder, da kam ihm das grosse Synedrium entgegen und sprach zu ihm: Es ist die Zeit gekommen, dass das Haus zerstört werde. Nein, antwortete er ihm, sondern Jojachim hat sich gegen mich empört, liefert mir ihn aus und ich ziehe ab. Sie kamen zu Jojachim und sprachen zu ihm: Nebucadnezar verlangt dich. Er antwortete ihnen: Das Verfahren ist so: Man giebt eine Seele für die andere hin, man giebt meine Seele hin und erhält eure Seelen. So heisst es auch Deut. 23, 15: „Du sollst nicht den Knecht an seinen Herrn ausliefern.“ Da ent- gegneten sie ihm: Dein Alter Scheba ben Bichri hat nicht so gehandelt. Als er ihnen nicht Gehör gab, erhoben sie sich und nahmen ihn und legten ihn in Ketten. Wie haben sie ihn in Ketten gelegt? R. Elieser und R. Simeon. R. Elieser bar R. Nathan sagte: Lebendig legten sie ihn in Ketten s. Ezech. 19, 9: „Und sie legten ihn lebendig in einen Käfig.“ Es heisst: D^rD, im Leben. R. Simeon sagte: Todt legten sie ihn in Ketten s. das.: „Auf dass seine Stimme nicht mehr gehört würde.“ R. Josua ben Levi sagte: Ich kann die Worte von beiden annehmen; sie legten ihn lebendig in Ketten, allein weil er von zarter Natur war, so starb er unter ihrer Hand (in Folge der Fesselung). Was hat Nebucadnezar ihm gethan? R. Jehuda und R. Nechemja. R. Jehuda sagt: Er nahm ihn und liess ihn in allen Städten Judas umherführen und er setzte sich auf ihn im Vorhof und brachte ihn dann um, zerriss den Esel und steckte ihn hinein, wie es heisst Jerem. 22, 19: „Ein Eselsgrab wird ihm werden.“ R. Nechemja sagt: Er nahm ihn und liess ihn in allen Städten Israels umherführen, brachte ihn dann um, schlug ihn in Stücke, die so gross waren wie Oelbeeren und warf sie den Hunden vor, wie es heisst: „Wie ein Esel wird er begraben werden.“ Und wo war das Grab des Esels? Nicht im Innern des Hundes? Deshalb zürnt auch der Prophet über ihn und sagt 2 Reg. 24, 5: „Die übrige Geschichte Jojachims und alles, was er gethan hat“ u. s. w. Worin bestanden diese? Nach R. Jochanan sind drei Amoräer darüber verschiedener Meinung. Einer sagte: Er trug Gemischtes (Kilajim, Wolle und Zwirn untereinander gewebt); der andere sagte: Er zog sich die Vorhaut vor; der dritte sagte: Eingegrabene Schrift wurde an seinem Leibe gefunden. R. Jochanan sagte: Er hat seine Mutter, Schwiegertochter und das Weib seines Vaters beschlafen; denn R. Jochanan hat gesagt: Kurz und gut, er drang in die Thür ein, zu welcher er herausgegangen (bei seiner Mutter). R. Josua ben Levi sagte: Weil er männerlose Frauen in Jerusalem zurückliess. Was sind n'rt'va? Er machte sie männerlos und misshandelte sie (■^i'js: ■‘i'^S), denn er erschlug ihre Männer, nothzüchtigte deren Frauen und confiscirte ihr Vermögen für den königlichen Schatz, wie es heisst Ezech. 19, 7: „Er erkannte ihre Wittwen.“ Als Nebucadnezar ihn hingerichtet hatte, setzte er dessen Sohn Jechonja an seine Stelle, führte ihn hinab nach Babylon, wo die Einwohner ihm entgegenkamen, um ihn zu preisen. Sie sprachen zu ihm: Was hast du gethan? Er antwortete: Jeho- jachim hat sich gegen mich empört, und ich habe ihn hingerichtet und seinen Sohn Jechonja an seine Stelle gesetzt. Darauf sagten sie: Das Sprichwort sagt: Du wirst ein gutes Junges nicht von einem schlechten Hunde erziehen, geschweige ein schlecht geartetes Junges von einem schlechten Hunde. Sofort folgte er ihrem Rathe, zog hinauf und Hess sich nieder in Daphne Antiochena. Da kamen ihm die Mitglieder des grossen Synedriums entgegen und sprachen zu ihm: Es ist die Zeit gekommen, dass dieses Haus zerstört werde.. Er antwortete ihnen: Nein, gebt mir nur den, den ich als König eingesetzt habe und ich ziehe ab. Darauf gingen sie zu Jechonja und sprachen zu ihm: Nebucadnezar verlangt dich. Was that er? Er erhob sich und nahm alle Schlüssel des Heiligthums zusammen und ging auf die Spitze des Daches und sprach: Herr der Welt! da wir nicht so glücklich gewesen sind, Schatzmeister (des Tempels) vor dir zu sein, so sind wir wenigstens bis jetzt vor dir treue Haus- wirthe gewesen. Von hier ab und weiter, siehe deine Schlüssel sind vor dir. Darüber sind zwei Amoräer verschiedener Meinung, der eine sagte: Etwas einer Art feuriger Hand Aehnliches kam herab und nahm sie (die Schlüssel des Tempels) von ihm in Empfang; der , andere sagte: Nachdem er sie in die Luft geworfen, kamen sie nicht wieder herunter. Und was thaten die jungen Israeliten? Sie stiegen auf die Spitze der Dächer und stürzten sich herab, dass sie starben, wie es heisst Jes. 22,1: „Ausspruch über das Gesichtethai.“ Was ist dir nur, dass du allgesammt auf die Dächer steigst?“ Was that Nebucadnezar? Er nahm sie. und warf sie ins Gefängniss, und wer in seinen Tagen dahin geworfen war, kam nicht wieder von da heraus vergl. das. 14, 17: „Seinen Gefesselten öffnete er nicht das Haus.“ Jojachim wurde vertrieben und mit ihm auch das grosse Synedrium. So heisst es Jerem. 22, 28: „Ist denn ein verachtet, zerbrochen Gefäss dieser Mann Chonja?“ R. Abba bar Kahana sagte: Wie das Bein und Gehirn, wenn du es zertrümmerst, so vergeht es in Nichts. u. s. w. bis Schealthiel. Gott fragte den. Par. XX. Cap XVI, i. 129. oberen Gerichtshof und er löste ihm sein Gelübde. Damals beruhigte sich das grosse Synedrium und sprach: In unsern Tagen nimmt die Herrschaft der david’schen Dynastie ein Ende, von der es heisst Ps. 89, 37: „Und sein Thron wie die Sonne vor mir.“ Was wollen wir thun? Wir wollen gehen und die Erzieherin bitten, und diese soll die Königin und die Königin soll den König bitten. Sie gingen und baten die Erzieherin und die Erzieherin bat die Königin und diese den König. Wie hiess denn Nebucadnezars Weib? Nach R. Huna war ihr Name Semirath, nach R. Abin aber Semiramis, nach den Rabbinen Semiram, weil sie nämlich in einer stürmischen (unruhigen) Zeit geboren worden war. Als Nebucad- nezar kam, um sich mit ihr zu begatten, sprach sie zu ihm: Du bist König, ist Jechonja nicht König? Du suchst, was dir gebührt, sucht Jechonja nicht, was ihm gebührt (sc. den Beischlaf)? Darauf befahl er, dass man ihm sein Weib gebe. Wie ist er gefesselt worden? R. Sabthai sagte: Man Hess ihn durch die Fenster herunter. Die Rabbinen sagten: Man machte in dem Anbau des Gebälkes (vom Gefängnisse, worin er eingesperrt war) Lücken und Hess sie (sein Weib zu ihm) hinabsteigen. Als er kam, um sich mit ihr zu begatten, sprach sie: Ich habe wie eine rothe Rose gesehen. Da entfernte er sich von ihr und sie ging sogleich hinweg und reinigte sich und tauchte unter (badete sich). Gott sprach zu ihm: In Jerusalem habt ihr die Vorschrift des Blutflusses nicht beobachtet, jetzt aber beachtet ihr sie, wie es heisst Sach. 9, 11: „Auch dir um des Blutes deines Bundes willen lass ich deine Gefangenen los aus der Grube.“ Ihr habt euch jenes Blutes am Sinai erinnert, darum lasse ich deine Gefangenen los. Er wich nicht von dort, sagte R. Sabthai, bis ihm Gott alle seine Sündenschulden verziehen hatte. Auf diese Stunde heisst es Cant. 4, 7: „Ganz schön bist du, meine Freundin, und kein Fehl ist an dir.“ Und eine Himmelsstimme rief ihnen zu Jerem. 3, 22: „Kehret zurück, ihr abtrünnigen Kinder, ich will euch von eurer Abtrünnigkeit heilen!“ mü ■'“ins “no. Parascha XX. Cap.XVI. V. 1. Nach dem Tode der beiden Söhne Aarons. R. Simeon begann mit Koh. 9, 2: „Alles widerfährt allen, einerlei Zufall trifft den Gerechten wie den Frevler.“ „Den Gerechten“ wie z. B. Noach, von dem es heisst Gen. 6, 9: „Er war ein gerechter Mann.“ Als er aus der Arche ging, sagte R. Jochanan im Namen des R. Elieser, des Sohnes des R. Jose, des Galiläers, stiess ihn der Löwe und beschädigte ihn, so dass er nicht tauglich war, das Opfer darzubringen, und es opferte sein Sohn Schern an seiner Statt. „Wie den Frevler“ d. i. Pharao Necho. Als sich dieser auf Salomos Thron setzen wollte, so kannte er nicht die Eigenthiimlichkeit Wü n s ch e, Midrasch Wajikra. 9 130 Par. XX. Cap. XVI, i. desselben und es stiess ihn ein Löwe und beschädigte ihn. Dieser starb als Hinkender und auch jener. Das soll hier nun gesagt sein mit den Worten: „Einerlei Zufall (Geschick) trifft den Gerechten wie den Frevler, den Guten und Reinen wie den Unreinen.“ „Den Guten“ d. i. Mose, von dem es heisst Ex. 2, 2: „Und sie sah ihn, dass er gut (schön sm) war.“ R. Mei'r versteht darunter, dass er beschnitten geboren war. „Und Reinen,“ wie Aaron, der nur mit den Reinigungen der Israeliten beschäftigt war, wie es heisst Mal. 2, 6: „In Frieden und Gradheit wandelt er mit mir und viele hat er von der Sünde abgehalten.“ „Wie den Unreinen“ d. s. die Kundschafter, von welchen ein Theil zum Lobe des Landes Israel und ein Theil zur Schande berichtet hat, diese sowohl wie jene sind nicht in das Land gekommen. Das soll nun hier gesagt sein: „Den Guten und den Reinen wie den Unreinen.“ „Den Opfernden,“ wie Josia, wie es heisst 2 Chron. 35, 7: „Und Josia spendete dem Volke junge Lämmer und Ziegen,“ „und dem, der kein Opfer bringt,“ wie Achab, welcher die Opfer einstellte, wie es heisst das. 18, 2: „Und Achab schlachtete für sich Schafe und Rinder in Menge“ d. i. er schlachtete für sich, aber nicht Opfer (für den Altar). Dieser sowohl wie jener sind durch Pfeile gefallen. Das wollen die Worte sagen: „Den Opfernden wie den Nichtopfernden.“ „Wie den Guten, so den Sünder.“ „Wie den Guten“ d. i. David, von dem es 1 Sam. 16, 12 heisst: „Er sandte nach ihm und liess ihn kommen.und er war von gutem Aussehen.“ R. Jizchak sagte: Unter ■'Nil mu ist zu verstehen: er war sehr bewandert in der Halacha, so dass jeder, der ihn sah, sich seines Erlernten wieder erinnerte. „So den Sünder“ d. i. Nebucadnezar, wie es heisst Dan. 4, 24: „Löse deine Sünden durch Gerechtigkeit.“ Dieser erbaute den Tempel und regierte vierzig Jahr, und jener zerstörte ihn und regierte auch vierzig Jahr. Das wollen die Worte sagen: Einerlei Schicksal u. s. w. „den, welcher schwört,“ z. B. Zedekia, von dem es heisst 2 Chron. 36, 13: „Auch er ward abtrünnig vom König Nebucadnezar;“ „und den, der den Schwur scheut,“ wie Simson, von dem es heisst Jud. 15, 12: „Simson sprach zu ihnen: schwöret mir, dass ihr mir nichts zu Leide thun wollt.“ Jener starb geblendet s. 2 Reg. 25, 7: „Und Zedekia blendeten sie die Augen,“ und dieser starb geblendet s. Jud. 16, 21: „Und sie (die Philister) ergriffen ihn und stachen ihm die Augen aus.“ Das wollen die Worte sagen: „Einerlei Geschick trifft den, welcher schwört“ u. s. w. Oder: „Einerlei Geschick trifft den Guten“ u. s. w. d. s. die Söhne Aarons, von denen es heisst Mal. 2, 6: „In Frieden und Gradheit wandelt er mit mir;“ „und den Frevler“ d. i. Korachs Anhang, von dem es heisst Num. 16, 26: „Weichet aus den Zelten dieser Frevler.“ Diese gingen hinein, um zu opfern mit aufrührerischen Gedanken (mit Streitigkeiten) und kamen verbrannt heraus, jene (Aarons Söhne) gingen hinein, um zu opfern mit friedlichen Gesinnungen (ohne Streitigkeiten) und kamen verbrannt heraus. Par. XX. Cap. XVI, I.' 131 Oder: „Nach dem Tode.“ R. Levi begann mit Zugrundelegung von Ps. 75,5: „Ich spreche zu den Tobenden: Tobet nicht.“ QibbUib d. i. zu den Verwirrenden (N'Q'D'iPUb), deren Herz voll schlechter Aufregungen ist. R. Levi nannte sie Klagende (torjbix), welche Jammer ("bbtt Weh) in die Welt bringen. „Und zu den Frevlern: Erhebt nicht euer Horn!“ Gott sprach nämlich zu den Frevlern: Die Gerechten freuten sich nicht in meiner Welt und ihr wollt euch freuen? Resch Lakisch sagte im Namen des R. Simeon ben Me- nassia: Der Fussballen des ersten Menschen verdunkelte die Sonnenkugel, um wie viel mehr der Glanz seines Angesichtes! Wundere dich nicht darüber, gewöhnlich wenn ein Mensch Schüsseln macht, eine für sich und eine für sein Haus (seine Hausgenossen), so macht er wohl seine schöner als die andere, so war auch der erste Mensch zum Dienste Gottes erschaffen und die Sonnenkugel zum Dienste der Geschöpfe.*) R. Levi sagte im Namen des R. Chama bar Cha- nina: Dreizehn Baldachine (Thronhimmel) hatte Gott im Garten Eden aufgestellt, wie es heisst Ezech. 28, 13: „In Eden, im Garten Gottes, wohntest du, alle die kostbaren Steine deckten dich, Car- niol, Topas und Diamant, Chrysolith, Onych und Jaspis, Sapphir, Carfunkel und Smaragd und Gold, die Kunstwerke deiner Ringkasten waren an dir, am Tage deiner Schöpfung wurden sie bereitet.“ R. Simeon ben Lakisch nimmt nur elf an, die Rabbinen nehmen nur zehn an, und es herrscht darin keine Meinungsverschiedenheit. Wer dreizehn annimmt, der macht aus den Worten: „Alle kostbaren Steine deckten dich (‘pnaioii mp' -|Ss< ba)“ drei, wer elf annimmt, der hält diese drei nur für einen, und wer zehn annimmt, der zieht alle drei nicht in Betracht. Und nach all diesem Lobe heisst es Gen. 3, 19: „Von Staub bist du und zu Staub sollst du werden.“ Abraham hat sich auch nicht in meiner Welt erfreut und ihr wollt euch freuen? Ihm ward, als er hundert Jahre alt war, ein Sohn geboren, und am Ende sprach Gott zu ihm: „Nimm deinen Sohn und bringe ihn mir zum Opfer.“ Und Abraham ging einen Weg von drei Tagen, nach drei Tagen sah er eine Wolke, auf dem Rücken eines Berges gebunden. Mein Sohn! sprach er zu Jizchak, siehst du das, was ich sehe? Ja! war seine Antwort. Und was siehst du denn? Ich sehe, sprach er, eine Wolke, auf dem Rücken des Berges gebunden. Seht ihr auch etwas? sprach Abraham zu Ismael und Elieser. Nein! gaben sie zur Antwort. Da ihr nichts seht und der Esel auch nichts sieht, so bleibt hier, Volk des Esels (n?2nn ay) d. i. Volk, das dem Esel gleicht.**) Er nahm darauf seinen Sohn Jizchak, ging mit ihm bergaufwärts und thalabwärts, endlich kamen sie auf einen der Berge, und er baute einen Altar, ordnete das Holz, legte es zurecht und griff nach dem Messer, um ihn zu schlachten, und wenn nicht ein Engel vom Himmel ihm zu- *) Sinn: Adams Zweck war ein grössrer als der der Sonne. **) Der Midrasch liest nicht Di;, mit, sondern Dp, Volk. 132 Par. XX. Cap. XVI, i. gerufen hätte, so wäre er sofort geschlachtet worden. Du kannst es daraus erkennen, dass es sich so verhält: Als nämlich Jizchak zu seiner Mutter zurückkehrte, fragte sie ihn: Wo bist du gewesen, mein Sohn? Mein Vater nahm mich, gab er zur Antwort, und führte mich über Berge und Thäler u. s. w. Wehe über meinen einzigen Sohn! rief sie, wenn nicht der Engel erschienen wäre, so wäre er bereits geschlachtet. So wäre es, antwortete Jizchak. Da stiess sie sechs Laute aus gegen die sechs Töne des Schopha (am Neujahr). Sie hatte aber kaum geendet, da starb sie, wie es heisst Gen. 23,2: „Da kam Abraham, Sara zu betrauern und zu beweinen.“ Und woher kam er? Nach R. Jehuda bar R. Simon von dem Berge Moria. Abraham hatte nämlich in seinem Herzen darüber nachgedacht, ob vielleicht irgend ein Makel an ihm gefunden worden sei, dass sein Opfer keine Annahme gefunden habe. Da erscholl eine Himmelsstimme und rief ihm die Worte zu Koh. 9, 7: „Gehe hin, iss mit Freuden dein Brot.“ Auch die Israeliten haben sich nicht in meiner Welt gefreut. Es heisst nicht Ps. 149, 2: Israel freute sich seines Schöpfers, sondern: es wird sich freuen (mcir 1 ) d. i. sie werden in der künftigen Welt dereinst sich an den Werken Gottes erfreuen. Sogar Gott freut sich nicht an seiner Welt. Es heisst Ps. 104, 31 nicht: Der Ewige freute sich an seinen Werken, sondern: er wird sich freuen d. i. er wird sich an den Werken der Gerechten in der künftigen Welt einst erfreuen. Elischeba, die Tochter Amminadabs hatte auch keine Freude in der Welt, obwohl sie fünf Kronen an einem Tage (in ihrer Familie) sah, nämlich ihr Schwager war König, ihr Bruder Fürst, ihr Mann Hoher- priester, ihre beiden Söhne Stellvertreter des Hohenpriesters, ihr Enkel Pinchas war ein zum Kriege Gesalbter. Als ihre Söhne in das Heiligthum gingen, um zu opfern, wurden sie verbrannt und ihre Freude wurde in Trauer verwandelt. Das ist nun hier gesagt: „Nach dem Tode der beiden Söhne Aarons.“ R. Abba bar Kahana begann seinen Vortrag mit Zugrundelegung von Koh. 2, 2: „Zum Scherze sprach ich: du bist toll“ d. i. wenn der Scherz (das Lachen) so gemischt (mit Kummer) ist, was gewährt dann die Freude für einen Genuss? Einer von den Grossen Kabuls feierte die Hochzeit seines Sohnes und am vierten Tage hatte er Gäste zu sich geladen. Nachdem sie gegessen und getrunken hatten und ihr Herz guter Dinge war, sprach er zu seinem Sohne: Gehe hinauf und bringe uns ein Fass Wein vom Boden herab. Als er hinaufkam, biss ihn eine Schlange und er starb. Man wartete auf ihn, und als er nicht wieder herunterkam, sprach der Vater: Ich will doch einmal hinaufgehen und sehen, was mein Sohn macht. Er ging hinauf und fand ihn von einer Schlange gebissen todt zwischen den Fässern liegen. Der Vater wartete, bis die Mahlzeit beendigt war, dann sprach er zu ihnen (den Gästen): Meine Herren! ihr seid nicht gekommen, über meinen Sohn den Segenspruch, den man bei einer Hochzeit spricht, zu sprechen, Par. XX. Cap. XVI, i. 133 sondern den Segenspruch der Trauernden (Leidtragenden), ihr seid nicht gekommen, meinen Sohn unter den Traubaldachin zu führen, sondern ihr seid gekommen, um ihn ins Grab zu bringen. Da hielt R. Saccai von Kabul die Leichenrede: „Zum Scherz sprach ich: du bist gemischt.*)“ R. Judan aus Gallia hielt einen Vortrag mit Anknüpfung an Hi. 39, 27: „Erhebt sich auf dein Geheiss der Adler?“ Gott sprach nämlich zu Aaron: Habe ich denn auf dein Geheiss meine Schechina auf der Bundeslade ruhen oder auf deinen Ausspruch von der Bundeslade aufsteigen lassen? Das. V. 28: „Auf Felsen wohnt er,“ nämlich im ersten Tempel, „und verweilt er (pYrrm)“ d. i. ein Verweilen im zweiten Tempel, „auf Spitzen der Felsen und Burgen“ d. i. ein mehrfaches Verweilen**); denn es ist dort gelehrt worden: Als die Bundeslade fortgenommen worden war, befand sich dort der Stein ir^nia. Warum hiess er so? R. Jose bar R. Chalaphtha sagte: Weil auf ihm die Welt gegründet worden ist. Das steht auch Ps. 50, 2: „Von Zion, der Schönheit und Vollendung.“ Wie war das Gebot des Hohenpriesters am Versöhnungstage? Wenn er aus dem Heiligthum ging, sprach er: Möchte es doch dein Wille sein, dass dieses Jahr reich an Regen und an Wärme und Thau sei, möge es ein gnaden- und segenreiches Jahr sein, ein Jahr der Billigkeit, ein Jahr der Fülle, ein Jahr lebhaften Verkehrs (des Nehmens und Gebens), und nicht möge an ihm Israel, dein Volk, einander benöthigt sein, und nicht mögen sich die Israeliten aus Herrschsucht über einander erheben, und nicht mögest du dich an das Gebet der Wandrer kehren (die schönes Wetter wünschen)! Die Rabbinen von Cäsarea beteten für unsere Brüder in Cäsarea, dass sie sich nicht aus Herrschsucht über einander erheben möchten; die Rabbinen von Daroma beteten für unsere Brüder in Scharon, dass ihre Häuser nicht ihre Gräber werden möchten.***) Das. V. 29: „Von dort her erspäht er Speise“ d. i. von da holt er Speise für alle Tage des Jahres, „seine Augen schweifen in der Ferne“ d. i. der Hohepriester sah schon im Anfänge des Jahres, wie das Ende sein werde. Wie so? Er spähte und beobachtete den Rauch, welcher vom Altar aufstieg, stieg derselbe nach der Südseite, so wusste er, dass die dortige Gegend Ueberfluss haben werde, stieg er nach der Abendseite, so wusste er, dass in dieser Gegend Ueberfluss sein werde, stieg er nach der Morgenseite, so wusste er, dass diese Gegend Ueberfluss haben werde u. s. w., stieg er nach der Mitte des Himmels (himmelan), so wusste er, dass in der ganzen Welt Ueberfluss sein werde. Und nach all’ diesem Lobe heisst es das. V. 30: „Und seine Jungen schlürfen Blut“ d. i. er sah seine Jungen in Blut eingetaucht und er schwieg (und beruhigte sich). „Und wo Erschlagene sind,“ nämlich Nadab und Abihu, „da ist er,“ nämlich die Schechina. R. *) Der Midrasch liest nicht V?ina, sondern (nna. **) Bildlich für den Bestand des ersten und zweiten Tempels. ***) Daselbst war Sand und grosser Sturm, der oft die Häuser verschüttete. 134 Par. XX. Cap. XIV, i. Judan sagte im Namen des R. Josua ben Levi und R. Berachja im Namen des R. Chija bar Abba: Es heisst Lev. io, 4: „Tretet hinzu und traget eure Brüder vom Angesichte des Heiligthums hinweg.“ Es heisst nicht: vom Angesichte der Bundeslade, sondern: vom Angesichte des Heiligthums, sowie ein Mensch zum andern zu sagen pflegt: Schaffe den Todten vom Angesicht des Trauernden hinweg, wie lange soll dieser sich grämen? Das ist auch hier gesagt: „Nach dem Tode der beiden Söhne Aarons.“ R. Acha und R. Sera begannen mit Hi. 37, 1: „Auch darüber zittert mein Herz, und bebet von seiner Stelle.“ Was heisst ‘tr'i? Es springt (hüpft) von seiner Stelle hinweg vergl. Lev. 1 r, 21: „Um mit ihnen zu hüpfen (^rv'h) auf der Erde.“ Gott sprach nämlich: Aarons Söhne sollen nicht seinem Stabe gleichen, der trocken hineinging und feucht herauskam. Titus, der Ruchlose, ging hinein in das Allerheiligste mit gebücktem Schwerte in seiner Hand, durchschnitt den Vorhang, und sein Schwert kam mit Blut wieder heraus. Er ging in Frieden hinein und kam in Frieden auch wieder heraus. Aarons Söhne gingen in das Heiligthum, um zu opfern und kamen verbrannt wieder heraus. Das soll nun gesagt sein mit den Worten: „Nach dem Tode der beiden Söhne Aarons.“ R. Eerachja begann mit Prov. 17, 26: „Auch den Gerechten zu strafen, ist nicht gut.“ Gott sprach nämlich: Obgleich ich Aaron gestraft und ihm seine beiden Söhne genommen habe, so ist es nicht gut, „Edle zu schlagen wegen Rechtsverletzung,“ wie es heisst: „Nach dem Tode“ u. s. w. R. Elieser hat gelehrt: Aarons Söhne sind nur darum gestorben, weil sie eine Halacha in Gegenwart ihres Lehrers Mose gelehrt haben. Ein Schüler hatte vor seinem Lehrer eine Halacha gelehrt, da sagte R. Elieser zu der Mutter: Friede! Wehe über das Weib von diesem, er findet keine Ruhe, und seine Ruhe kommt nicht eher, als bis er stirbt. Die Gelehrten (Weisen) gingen zu ihm und fragten ihn: Bist du ein Prophet? Er antwortete ihnen mit Arnos 7, 14: „Ich bin kein Prophet und auch nicht der Sohn eines Propheten,“ allein es ist mir so überliefert worden: Wer eine Halacha in Gegenwart seines Lehrers lehrt, macht sich des Todes schuldig.*) **) R. Elieser hat gelehrt: Es ist dem Schüler verboten, vor seinem Lehrer nicht eher zu lehren, als bis er zwölf Mil von ihm entfernt ist, soviel wie das Lager Israels betrug. Das steht auch geschrieben Num. 33, 48: „Und sie lagerten am Jordan.“ Wie viel betrug das? Zwölf Mil. R. Tanchum bar R. Jeremja war in Chepher, da wurde ihm eine Frage vorgelegt, die er sofort entschied. Da sagten sie zu ihm: Ist nicht im Lehrhause gelehrt worden, dass der Schüler vor *) Joma, Tanchuma u. Jerusch. Gittin haben für inbtp die LA.: er lebt nicht sein Jahr aus. **) Berach. fol. 31: Wenn jemand in Gegenwart seines Lehrers eine Halacha lehrt, so verdient er den Tod. Par. XX. Cap. XIV, I. x 35 seinem Lehrer nicht eine Halacha lehren darf, es sei denn, dass er zwölf Mil entfernt ist? Siehe, R. Mani, dein Lehrer hat seinen Sitz in Sepphoris (was innerhalb von zwölf Mil ist)? Da sprach er zu ihnen: Es komme dies und das über mich, wenn ich es gewusst habe, und seitdem hat er sich einer solchen Entscheidung enthalten. Bar Kapra sagte im Namen des R. Jeremja ben Eleasar: Wegen vier Dinge (Vergehungen) sind die Söhne Aarons gestorben: i) wegen des Herantretens an den Altar, 2) wegen der Darbringung, 3) wegen des fremden Feuers und 4) weil sie sich untereinander nicht berathen hatten. Wegen des Herantretens, weil sie in das Innerste (des Heiligthums) gegangen waren; wegen der Darbringung, weil sie ein Opfer dargebracht, das nicht geboten war; wegen des fremden Feuers, weil sie Feuer vom Herde genommen hatten; endlich weil sie sich nicht untereinander berathen hatten, wie es heisst Lev. 10, 1: „Sie nahmen ein jeder seine Rauchpfanne“ d. i. jeder handelte für sich, ohne den andern um Rath zu fragen. R. Jeremja ben Eleasar sagte: An vier Orten wird des Todes der Söhne Aarons gedacht und an allen auch ihr Vergehen erwähnt. Und das alles warum? Um kund zu thun, dass in ihrer Hand nicht eine andere Sünde als diese war. R. Eleasar von Modin sagte: Komm und sieh, wie kostbar der Tod der Söhne Aarons vor Gott ist, dass überall, wo ihr Tod erwähnt wird, auch ihr Vergehen erwähnt wird. Und das alles warum? Um kund zu thun, dass die Weltbewohner nicht eine Ausflucht haben sollen, zu sagen: Schändliche Thaten waren in ihrer Hand im Geheimen, weil sie so gestorben sind. R. Mäni von Schaab und R. Josua von Sichnin und R. Johanan im Namen des R. Levi sagten: Wegen vier Dinge (Vergehungen) sind die Söhne Aarons gestorben und auf alle ist Todesstrafe gesetzt: 1) Weil sie von Wein berauscht waren, und darauf ist der Tod gesetzt, wie es heisst Lev. 10, 9: „Wein und berauschendes Getränk sollst du nicht trinken;“ 2) weil sie nicht die erforderlichen Kleider anhatten, und darauf ist Todesstrafe gesetzt, wie es heisst Ex. 28, 43: „Und Aaron und seine Söhne sollen sie anhaben.“ Was fehlte ihnen? Das Obergewand, und darauf ist die Todesstrafe gesetzt, wie es heisst V. 35: „Und Aaron soll es anhaben beim Dienste;“ 3) weil sie, ohne die Hände und Füsse gewaschen zu haben, hineingegangen sind, wie es heisst das. 30,21: „Sie sollen ihre Hände und ihre Füsse waschen, damit sie nicht sterben,“ und ferner das. V. 20: „Wenn sie in das Versammlungszelt kommen, sollen sie sich mit Wasser waschen; 4) weil sie keine Kinder hatten, und ein kinderloser Mann wird so gut wie todt betrachtet. Das steht auch Num. 3, 4: „Nadab und Abihu waren todt.“ R. Chanin sagt: Weil sie keine Weiber hatten (nicht verheirathet waren), und es heisst doch (vom Hohenpriester am Versöhnungstage): „Er versöhne für sich und für sein Haus.“ Unter T’a ist nichts anderes als sein Weib zu verstehen. R. Levi sagte: Sie waren hochmüthig und stolz. Es sassen nämlich viele Weiber eingeschlossen und warteten auf sie. Die Söhne dachten: Unseres 136 Par. XX. Cap. XIV, 1. Vaters Bruder ist König, unserer Mutter Bruder ist Fürst, unser Vater Hoherpriester und wir sind die Stellvertreter, wo finden wir eine Frau, die für uns passt (eine uns ebenbürtige Frau). R. Me- nachma sagte im Namen des R. Josua bar Nechemja: Es heisst Ps. 78, 63: „Seine Jünglinge verzehrte das Feuer.“ Warum verzehrte sie das Feuer.“ „Weil sie mit seinen Jungfrauen nicht den Reigen tanzten“ d. i. weil sie dieselben nicht heiratheten. Und dann lässt es sich auch noch beweisen aus Ex. 24, 1: „Und zu Mose sprach er: Steige herauf zum Ewigen.“ Daraus geht hervor, dass Mose und Aaron vorangingen, Nadab und Abihu ihnen folgten und alle Israeliten nach ihnen. Da sprachen sie (die Söhne): Wann werden diese beiden Alten einmal sterben, dass wir die Herrschaft über die Gesammtheit erlangen? R. Judan im Namen des R. Ibo sagte: Sie sprachen mit ihrem Munde einer zum andern. R. Pinchas sagte: Sie haben es nur in ihrem Herzen gedacht. R. Berachja sagte zu ihnen Prov. 27, 1: „Rühme dich nicht des morgenden Tages,“ es sind schon viele junge Maulesel gefallen und ihre Felle sind über ihre Mütter ausgebreitet worden. Dann lässt es sich auch beweisen aus Ex. 24, ix: „Und an die Edlen der Kinder Israels.“ Daraus schliesst R. Pinchas, dass sie sogar würdig waren, Hand anzulegen; denn R. Josua hat gesagt: Sind denn Kuchen mit ihnen vom Sinai hinaufgestiegen, dass du sagst, sie haben Gott gesehen? Allein es ist so zu verstehen: Sie haben ihre Augen geweidet an der Schechina. Das.: „Und sie schauten Gott,“ wie ein Mensch, der einen anderen beim Essen und Trinken erblickt. Nach R. Jochanan war es ein wirkliches Essen, wie es heisst Prov. 16, 15: „Im Lichte des Angesichts des Königs ist Leben.“ Nach R. Tanchuma geht daraus hervor, dass sie ihre Häupter ent- blössten, ihr Herz erhoben und ihre Augen an der Schechina weideten. R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Obwohl Mose seine Augen nicht an der Schechina geweidet hat, so hat er doch einen Genuss an ihr gehabt. Er hat seine Augen nicht an der Schechina geweidet, wie es heisst Ex. 3, 6: „Und Mose verbarg sein Angesicht,“ er hat aber einen Genuss an der Schechina gehabt, wie es heisst das. 34, 29: „Mose wusste nicht, dass die Haut seines Angesichts Strahlen warf.“ Als Lohn dafür, dass er sein Angesicht verbarg, hatte er das Glück s. das. 33, 11: „Dass der Ewige zu Mose redete von Angesicht zu Angesicht,“ und als Lohn dafür, dass er sich fürchtete, hatte er das Glück, dass die Israeliten auch Furcht hatten, sich ihm zu nahen, und als Lohn dafür, dass er schaute, war er so glücklich Num. 12, 7: „Die Gestalt des Ewigen zu schauen.“ Dagegen Nadab und Abihu haben ihre Augen an der Schechina geweidet, ohne aber einen Genuss davon zu haben, weil es heisst: „Nadab und Abihu starben vor dem Ewigen.“ Sind sie denn vor (in Gegenwart des) dem Ewigen gestorben? Allein daraus ergiebt sich, dass es vor Gott schwer ist (schwer fällt), wenn die Kinder der Gerechten bei deren Lebzeiten sterben. R. Judan Par. XX. Cap. XVI. I. 137 von Joppe fragte den R. Pinchas bar R. Chama im Namen des R. Simon: Die Worte: „vor dem Ewigen“ stehen hier zweimal, und dort heisst es: „vor ihrem Vater Aaron,“ und das steht doch nur einmal? Allein daraus geht hervor, dass es Gott doppelt so schwer fiel, als ihrem Vater. Es heisst Num. 3, 4: „In der Wüste Sinai.“ R. Me'ir fragte:. Sind sie denn in der Wüste gestorben? Allein daraus geht hervor, dass sie schon damals am Berge Sinai ihr Todesurtheil empfangen hatten. Gleich einem Könige, der seine Tochter verheirathete, es wurde aber etwas Unrechtes an ihrem Brautführer gefunden. Da sprach der König: Richte ich ihn jetzt hin, so trübe ich die (Hochzeits-) Freude meiner Tochter, allein morgen kommt meine Freude, es ist besser, wenn es an meiner als an der Freude meiner Tochter geschieht. So sprach auch Gott: Bringe ich ihn jetzt ums Leben, siehe, so trübe ich die Freude meiner Tochter, morgen kommt meine Freude. Meine Tochter d. i. die Thora. Cant. 3, 11: „Am Tage seiner Hochzeit und am Tage der Freude seines Herzens.“ „Am Tage seiner Hochzeit“ d. i. der Berg Sinai, „und am Tage der Freude seines Herzens“ d. i. das Versammlungszelt. Es heisst Num. 3, 4: „Und Kinder hatten sie nicht.“ R. Jacob bar Abin im Namen des R. Abin im Namen des R. Acha sagte: Hätten sie Kinder gehabt, so wären dieselben dem Eleasar und Ithamar vorangegangen. Dort ist gelehrt worden: Wer beim Erben vorangeht (ein Vorrecht hat), geht auch in der Würde voran, jedoch nur dann, wenn er sich so aufführt, wie seine Väter. Es heisst Num. 3, 4: „Eleasar und Ithamar versahen das Priesteramt unter ihrem Vater Aaron.“ Das war nach R. Jizchak noch bei seinen Lebzeiten, nach R. Chija bar Abba aber nach seinem Tode. Nach der Meinung des R. Chija bar Abba, der gesagt hat, dass es nach seinem Tode gewesen sei, ist der Grund, weil es hier heisst: ^53 und dort Gen. 23, 3 heisst es auch: „Und Abraham erhob sich von dem Angesichte (1:3) seines Todten.“ Wie dort das Wort 153 nach dem Tode bedeutet, so bedeutet es auch hier nach dem Tode. Nach der Meinung des R. Jizchak, der gesagt hat: es war bei seinem Leben, ist der Grund, weil es hier heisst: ijD hi', und dort Gen. 11, 28 heisst es auch: „Und es starb Haran vor dem Angesicht (153 bi‘) seines Vaters Therach.“ Sowie dort das Wort bei Lebzeiten bedeutet, so bedeutet es auch hier bei Lebzeiten (und zwar war es so:) Hatte bei Lebzeiten sich Aaron verunreinigt, so versah Eleasar, und hatte sich dieser verunreinigt, so versah Ithamar das Amt. Simon ben Kamchit hatte eine Unterredung mit einem arabischen König, es kam Speichel von ihm beim Sprechen aus seinem Munde auf seine (d. i. Simons) Kleider und verunreinigte ihn. Da ging Jehuda, sein Bruder hinein und versah an seiner Statt das Hohepriesteramt. An diesem Tage sah ihre Mutter zwei ihrer Söhne als Hohepriester. Man erzählt, dass sie dem Kamchit sieben Söhne geboren habe, die alle das Hohepriesteramt be- 138 Par. XXX. Cap. XVI, i. 3. kleideten. Man schickte nach ihr und fragte sie, welche guten Werke sie gethan habe, und sie antwortete ihnen: Nie haben die Balken meines Hauses die Haare meines Hauptes gesehen, oder wie manche sagen: Mein Hemd. Daraus entstand die Redensart: Alles Mehl (Ni -, n 72 p ba, der Kinder der Welt) ist Mehl (m:p), aber das Mehl der Kamchit (rvnHpü tittp) ist das beste Mehl (n?o). Und man wandte auf sie (die Frau) an Ps. 45, 14: „Ganz Pracht ist die Königstochter im Innern.“ Nach der Ansicht des R. Chija bar Abba, welcher gesagt hat: (es geschah) nach seinem (Aarons) Tode, (war es so:) Nach Aarons Tode versah Eleasar und nach Eleasars Tode versah Ithamar das Amt. R. Abba bar Abina hat gesagt: Warum stehen die zwei Abschnitte, der, welcher vom Tode der Mirjam und der, welcher von der rothen Kuh handelt, beisammen? Um zu lehren: Sowie die Asche der Kuh sühnt, so sühnt auch der Tod der Gerechten. R. Judan sagte: Warum folgt auf die Erzählung von Aarons Tode die von den zerbrochenen Bundestafeln? Um zu lehren, dass der Tod Aarons vor Gott so schwer (von Wichtigkeit) ist, wie das Zerbrechen der Bundestafeln. R. Chija bar Abba sagte: Am ersten Tage des Monats Nisan sind Aarons Söhne gestorben. Und warum wird ihr Tod am Versöhnungstage erwähnt? Um zu lehren: Sowie der Versöhnungstag sühnt, so sühnt auch der Tod der Gerechten. Und woher lässt sich beweisen, dass der Versöhnungstag sühnt? Weil es heisst Lev. 16, 30: „Denn an diesem Tage wird er euch versöhnen, euch zu reinigen von allen euren Sünden.“ Und woher lässt sich beweisen, dass der Tod der Gerechten sühnt? Weil es heisst 2 Sam. 21, 14: „Sie begruben die Gebeine Sauls,“ und darauf folgt: „Und Gott liess sich erbitten vom Lande hernachmals.“ Parascha XXI. Cap. XVI, 3. Damit soll Aaron kommen. In Verbindung mit Ps. 27, 1: „Der Ewige ist mein Licht und .mein Heil, vor wem sollt’ ich mich fürchten?“ R. Eleasar deutete diesen Vers auf den Durchgang durch das Meer. „Mein Licht“ d. i. am Meere, wie es heisst Ex. 14, 20: „Er erleuchtete die Nacht.“ „Mein Heil,“ (wie Mose zu den Israeliten gesprochen das. V. 13:) „Steht ruhig und seht die Hilfe des Ewigen.“ „Vor wem sollt’ ich mich fürchten?“ Das. Mose sprach: „Fürchtet euch nicht!“ „Der Ewige ist die Schutzwehr meines Lebens,“ wie es heisst Ex. 15, 2: „Meine Hilfe und mein Gesang ist Jah.“ „Vor wem sollt’ ich mich fürchten?“ wie es heisst: „Es fiel auf sie (die Aegypter) Furcht und Schrecken.“ Ps. 27, 2: „Wenn die Bösen sich mir nahen,“ wie Pharao, als er herannahte, „um mein Fleisch zu essen.“ Ex. 15, 9: „Der Feind sprach: Ich will nachsetzen und erreichen“ u. s. w. R. Samuel bar Nachman hat gesagt: Der Frevler scheidet nicht aus der Welt, als bis er sich sein Verdammungsurtheil mit seinem Munde gesprochen hat. Es Par. XXI. Cap. XVI, 3. ! 39 heisst Ex. 15, 9: „Der Feind sprach: Ich will rachsetzen und erreichen, Beute theilen, vertilgen soll sie meine Hand.“ Es heisst nicht: , sondern: Ycir'-rn d. i. meinen Reichthum will ich in Besitz nehmen ("raiy ■'ttt ’C^Tito) und meine Ehre (falle) ihnen zu. „Meine Widersacher und meine Feinde,“ wie es heisst: „Pharao und sein Heer stürzte er in’s Meer.“ Von hier und weiter sprach Israel Ps. 27, 3: „Mag auch ein Lager sich wider mich lagern,“ nämlich das der Aegypter, „so fürchtet sich nicht mein Herz, und mag sich ein Krieg gegen mich erheben,“ nämlich der Krieg der Aegypter, „dabei bleibe ich ruhig“ d. i. damit hast du mich beruhigt, wie es heisst Ex. 14, 14: „Der Ewige wird für euch streiten.“ R. Samuel bar Nachman deutete den Vers auf die Philister. „Wenn Böse sich mir nahen,“ wie Goliath, von dem es heisst 1 Sam. 17, 16: „Und der Philister trat früh und abends hin;“ „mein Fleisch zu essen“ s. das. V. 44: „Und der Philister sprach zu David: Komm her zu mir, ich will dein Fleisch den Vögeln des Himmels geben.“ R. Abba bar Kahana sagte: Die Erde hielt ihn fest*) (so dass er ihn nicht angreifen konnte). R. Tanchuma sagte: Ich führe einen Grund an. Weil er nicht sprach: Ich komme zu dir, sondern: „Komm her zu mir!“ so geht daraus hervor, dass die Erde ihn festhielt. R. Janai im Namen des R. Simeon bar R. Janai sagt: 248 eiserne Ketten hat Gott an die 248 Glieder des Menschen gegeben (gelegt). In dieser Stunde sprach David Ps. 140, 9: „Gewähre, Ewiger, nicht die Wünsche des Frevlers“ d. i. gewähre ihm nicht seinen Wunsch (sein Verlangen); „ihre Absicht erfülle nicht“ d. i. lass ihn nicht los; „lass sie sich nicht erheben“ d. i. die Stärke oder Schultern (lass sich nicht erheben). R. Judan sagte: Goliath fand Lust an David, denn er war schön von Augen und lieblich von Ansehen. Darauf sprach David: „Gewähre, Ewiger, nicht die Begierde des Frevlers“ d. i. das Verlangen, aber Prov. 10, 24: „Das Verlangen der Gerechten gewähre.“ Die Rabbinen sagten: Er schlug ihn mit Aussatz, wie es heisst 1 Sam. 17, 46: „Der Ewige wird dich in meine Hand liefern.“ Das Wort ‘■pSC 1 bedeutet nur Aussatz, wie es heisst: „Der Priester schliesse ihn ein.“ Es heisst Ps. 27, 2: „Meine Widersacher und meine Feinde.“ Und 1 Sam. 17, 49 heisst es: „Der Stein fuhr in seine Stirne.“ Von hier an und weiter sprach David vor Gott: „Mag auch ein Lager sich wider mich lagern,“ nämlich das Lager der Philister, „so fürchtet sich mein Herz nicht,“ „und mag sich ein Krieg wider mich erheben,“ nämlich der Krieg der Philister, „dabei vertraue ich“ d. i. in diesem. R. Levi sagte: In den Gesetzen, welche uns Mose in der Thora geschrieben hat, spricht er zu den Alten Deut. 33, 7: „Und dieses (nttri) dem Jehuda.“ R. Josua ben Levi deutete den Vers auf die Amalekiter. „Wenn Böse sich mir nahen,“ nämlich die Amalekiter, wie es heisst ‘) Vergl. die Sage vom Riesen Antäus. 140 Par. XXI. Cap. XVI, 3. 1 Sam. 30, 2: „Da waren die Amalekiter eingefallen nach Mittag in Ziklag;“ „mein Fleisch zu essen,“ sie führten Davids zwei Frauen gefangen hinweg; „meine Widersacher und meine Feinde“ s. das. V. 17: „David schlug sie von der Morgendämmerung an bis zum Abend des anderen Tages.“ Was ist nmnnb? Nach R. Josua ben Levi bedeutet es zwei Nächte und einen Tag. Und wer hat ihm geleuchtet? Gott mit Brandpfeilen und Blitzen. Das sagt auch David Ps. 18, 29: „Denn du liessest meine Leuchte scheinen.“ Von hier an und weiter sprach David: „Mag auch ein Lager sich wider mich lagern,“ wie das der Amalekiter, „so fürchtet sich mein Herz nicht,“ „und mag sich auch ein Krieg wider mich erheben,“ wie der Krieg der Amalekiter, „dabei vertraue ich.“ R. Levi sagte: In den Gesetzen, welche Mose den Alten geschrieben hat, heisst es Deut. 18, 7: „Und dieses (nsn) dem Jehuda.“ Die Rabbinen legen den Vers auf den Neujahrstag und Versöhnungstag aus. „Der Ewige ist mein Licht,“ am Neuenjahr, „und mein Helfer,“ am Versöhnungstage, „vor wem sollt’ ich mich fürchten,“ „mein Sieg und Sang ist Jah.“ „Wenn die Bösen sich mir nahen,“ nämlich die Fürsten der Völker der Welt, „um mein Fleisch zu essen,“ weil die Fürsten (Schutzherren) der Völker der Welt kommen und die Israeliten vor Gott anldagen und vor ihm sprechen: Herr der Welt! diese dienen den Götzen und jene dienen den Götzen, diese treiben Unzucht und jene treiben Unzucht, diese üben Blutvergiessen und jene üben Blutvergiessen, warum fahren jene in die Hölle und diese nicht? „Meine Widersacher und meine Feinde,“ in den Tagen des Sonnenjahres, das 365 Tage hat. Das Wort jUUJfi hat 364 in der Zahl, denn alle Tage des Jahres klagt der Satan an, nur am Versöhnungstage nicht. Die Israeliten sprechen vor Gott: „Mag auch ein Lager sich wider mich lagern,“ wie das Lager Samaels, „so fürchtet mein Herz nichts,“ denn du hast mich damit beruhigt (mit hnt), wie es heisst: „Damit soll Aaron in das Heiligthum kommen.“ „Damit soll Aaron in das Heiligthum kommen.“ Das steht auch geschrieben Prov. 24, 6: „Durch kluge Leitung führe Krieg.“ R. Nathan und R. Acha sagten im Namen des R. Simon: Wenn du Bündel von Uebertretungen begangen hast, so thue dagegen Bündel von Geboten. Gegen: „stolze Augen“ (Prov. 6, 17) heisst es Ex. 12, 16 vergl. Deut. 6, 8: „sie seien zum Stirnband zwischen deinen Augen;“ gegen: „lügenhafte Zunge“ (Prov. 16, 17) heisst es Deut. 6, 8: „Ihr sollt sie euern Kindern lehren;“ gegen: „Hände, die unschuldiges Blut vergiessen“ (Prov. 16, 17) heisst es Deut. 6, 8: „Und knüpfe sie zum Zeichen auf deine Hand;“ gegen: „ein Herz, was arge Gedanken hegt,“ heisst es Deut. 6, 5: „Und habe alle diese Worte im Herzen;“ gegen: „Füsse, die zum Bösen laufen,“ laufe du nach der Beschneidung, welche zwischen den Knieen ist; gegen: „wer Lügen ausspricht als falscher Zeuge“ heisst es Jes. 43, rer: „Ihr seid meine Zeugen, spricht der Ewige, auf dass ihr es erkennet Par. XXI. Cap. XVI, 3. 141 und mir glaubet.“ „Und der Zank zwischen Brüdern anstiftet“ s. Ps. 34, 15: „Suche Frieden und strebe ihm nach.“ R. Jochanan legte den Vers auf die Steuerleute aus; denn R. Jochanan hat gesagt: Immer mache sich der Mensch zu einem Steuermann (Lenker), sowie er nur ein gutes Werk vollbringen kann. R. Banai legte den Vers auf die Mischnajot aus; denn R. Banai hat gesagt: Immer versenke sich der Mensch in die Mischnajot, denn wenn ihm etwas verschlossen ist, so wird es ihm aufgethan, wenn zum Talmud, so zum Talmud, wenn zur Haggada, so zur Haggada. R. Eleasar im Namen des R. Josua ben Levi sagte: Eine eiserne Säule ist die Mischna. R. Judan legte den Vers auf den Hohenpriester aus, wenn er in das Allerheiligste trat, ganze Bündel von Geboten waren da in seiner Hand: 1) im Verdienste der Thora, von der es heisst Deut. 4, 44: „Und das ist das Gesetz (Thora);“ 2) im Verdienste der Beschneidung, von der es heisst Jes. 59, 2t: „Das ist mein Bund mit ihnen;“ 3) im Verdienste des Sabbaths, von dem es heisst Jes. 56, 2: „Heil dem Menschen, der dieses thut;“ 4) im Verdienste Jerusalems, von dem es heisst' Ezech. 5, 5: „Das ist Jerusalem;“ 6) im Verdienste der Stämme, von denen es heisst Gen. 49, 28: „Und das ist das, was ihr Vater zu ihnen gesprochen hat;“ 8) im Verdienste Israels, von dem es heisst Cant. 7, 8: „Dieses ist deine Höhe;“ 9) im Verdienste der Hebe, von der es heisst Ex. 25, 3: „Das soll die Hebe sein;“ 10) im Verdienste der Zehnten, von denen es heisst Mal. 3, 10: „Und prüfet mich dadurch;“ 11) im Verdienste der Opfer, von denen es hier heisst: „Damit soll Aaron kommen.“*) Was steht voran? „Der Ewige sprach zu Mose: Sprich zu deinem Bruder Aaron“ d. i. nach R. Abin: Geh’, tröste ihn mit Worten, vergl. Jes. 40, 2: „Rede zum Herzen Jerusalems.“ „Er komme nicht zu jeder Zeit“ (in das Heiligthum). Nach R. Jehuda bar R. Simon war das ein grosser Schmerz für Mose. Wehe mir, dachte er, sollte denn mein Bruder Aaron allein aus seinem Wirkungskreise gestossen werden? Alles hat eine Zeit; die Stunde hat eine Zeit, und er soll nicht zu jeder Zeit kommen? Der Tag hat eine Zeit s. Ezech. 4, 16: „Wasser sollen sie mit Mass trinken;“ das Jahr hat eine Zeit s. 2 Sam. 11, 1: „Und es geschah bei der Rückkehr des Jahres;“ zwölf Jahre haben eine Zeit s. Ps. 105, 19: „Bis zur Zeit, da sein Wort eintraf;“ 70 Jahre haben eine Zeit s. Dan. 9, 2: „Dass über den Trümmern Jerusalems vergehen sollten 70 Jahre,“ und ebenso Jerem. 27, 7: „Bis das die Zeit seines Landes kommt;“ die Welt hat eine Zeit s. Ps. 4, 8: „Freude legst du in mein Herz mehr als zur Zeit ihres Kornes.“ Gott sprach zu Mose: Nicht wie du meinst, es giebt keine Zeit für die Stunde, für den Tag, für das Jahr, für 12 Jahre, für 70 Jahre und für die Welt, allein warum soll er nicht zu jeder Stunde hineingehen, wenn es ihm beliebt, sondern nur nach einer ) In allen oben angeführten Beispielen kommt es auf das Wort 1+2 Par. XXI. Cap. XVI, 3. festgesetzten Zeit (Ordnung)? R. Jehuda bar R. Eleasar sagte: (Er ging hinein) mit 36 Paar Schellen und mit 36 Granatäpfeln (im Saum seines Kleides). Die Rabbinen sagen: Mit 72 Paar Schellen und 72 Granatäpfeln. R. Chanina ben Chachinai und R. Simeon ben Jochai gingen, um Thora zu lernen (Unterricht zu nehmen) zu R, Akiba in B’ne Berak, wo sie dreizehn Jahre verweilten. R. Simeon ben Jochai schickte immer nach Hause, um zu erfahren, aber R. Chanina schickte nicht nach Hause, um zu erfahren, was da vorging. Da liess ihm sein Weib sagen: Deine Tochter ist mannbar (heirathsfähig), komm und verheirathe sie. Als es R. Akiba im heiligen Geiste sah (ahnte), sprach er zu ihnen: Wer eine mannbare (heirathsfähige) Tochter hat, gehe nach Hause und verheirathe sie. R. Simeon ben Jochai merkte es, nahm Erlaubnis und ging fort. Als er in sein Haus eintreten wollte, fand er, dass alles in einen andern Winkel geräumt war. Was that er? Er setzte sich an dem Orte nieder, wo die Frauen Wasser füllten. Da hörte er die Stimmen der Mädchen, wie sie riefen: Tochter Chanina’s, fülle deinen Krug und komm herauf! Was that er? Er ging hinter ihr her, als sie in das Haus eingetreten war, trat auch er nach ihr plötzlich ein, sein Weib aber hatte ihn kaum erblickt, so ging ihr die Seele aus. Da sprach er: Herr der Welt, ist das ihr Lohn, dass sie dreizehn Jahre auf mich gewartet hat? In diesem Augenblick kehrte ihre Seele wieder in ihren Körper zurück. *) R. Simeon ben Jochai hat gesagt: Vier Dinge hasst Gott und auch ich liebe sie nicht: wer das männliche Glied angreift und Wasser abschlägt, wer den Beischlaf auf seinem Lager nackt ausübt, wer Dinge zwischen Eheleuten zur öffentlichen Besprechung bringt und wer plötzlich in sein Haus eintritt, geschweige (eigentlich: ich brauche es nicht zu sagen,) wer in das Haus eines andern eintritt. Rab sagte: Tritt nicht plötzlich in eine Stadt und auch nicht plötzlich in ein Haus ein; ist deine Tochter mannbar (heirathsfähig), entlasse deinen Knecht (gieb ihm die Freiheit) und gieb sie ihm. Als R. Jochanan hinaufging, um R. Chanina zu begrüssen, machte er, bevor er eintrat, ein Geräusch, weil es hier (vom Hohenpriester) heisst: „Seine Stimme werde gehört.“ Oder: „Damit soll Aaron kommen.“ R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: Damit verkündigte ihm die Schrift, dass er 410 Jahre leben werde. Was fällt dir ein, dass Aaron 410 Jahre leben sollte? Allein hier ist das erste Heiligthum gemeint, was 410 Jahr bestehen sollte, weil darin (die Priester ihr Amt) mit Redlichkeit versahen, es haben auch (während dieser Zeit) nur achtzehn Priester gewirkt und zwar immer Vater, Sohn und Enkel. Im zweiten Heiligthum aber, weil da das Priesteramt käuflich war (eig. weil sie es mit Geld nahmen), oder wie Manche sagen, weil sie sich einander durch Zauberkünste getödtet haben, haben achtzig ) Vergl. Ketub. fol. 62b. Par. XXI. Cap. XVI, 3. 143 Priester den Dienst versehen. Manche sagen: einundachtzig, andere: zweiundachtzig und noch andere: vierundachtzig. Unter diesen bekleidete Simeon der Gerechte vierzig Jahr die Priesterwürde. Weil sie aber dieses Amt käuflich gemacht hatten, wurden ihre Jahre (Amtsjahre) abgekürzt. Einst trug es sich zu, dass jemand (der von der Regierung das Hohepriesterthum erlangen wollte) durch seinen Sohn zwei silberne Masse mit silberner Füllung und silbernen Abstreichern schickte, bald darauf aber schickte ein anderer durch seinen Sohn zwei goldene Masse mit goldener Füllung und goldenen Abstreichern. Hierauf wandte man das Sprichwort an: Das Eselsfüllen hat den Leuchter umgestossen. *) Auf jene wandte R. Acha an Prov. 10, 27: „Die Furcht des Ewigen vermehrt die Tage“ d. s. die, welche im ersten Tempel den Dienst versehen haben; „die Jahre der Frevler aber werden abgekürzt“ d. s. die Priester, welche im zweiten Tempel den Dienst versehen haben. R. Chanina und R. Josua ben Levi, Genossen (Schüler) der Rabbinen sagten: Warum amtirt der Hohepriester in acht Kleidern? Gegen die acht Tage der Beschneidung, welche nach acht Tagen erfolgt, wie es heisst Mal. 2, 5: „Mein Bund mit ihm war Leben und Frieden.“ R. Simon fragte im Namen des R. Josua: Warum geht der Hohepriester nicht in goldenen Kleidern hinein? Weil ein Ankläger nicht zugleich ein Vertheidiger werden kann**), damit dem Satan kein Anlass gegeben werde zu sprechen: Gestern haben sie sich Götter von Gold gemacht und heute wollen sie den Altar mit goldenen Kleidern bedienen. R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi gab den Grund an: Um das Geld der Israeliten zu schonen. R. Levi sagt: Um Stolz zu verhindern, wie es heisst Prov. 25, 6: „Brüste dich nicht vor einem Könige.“ „mit einem jungen Stier,“ das erinnert an Abraham, im Verdienste von Gen. 18, 7: „Und Abraham lief zu den Rindern.“ „Und einen Widder zum Brandopfer,“ das erinnert an Jizchak, im Verdienste von das. 22, 13: „Siehe, ein Widder war hinten, verwickelt im Dickicht.“ Eine Ziege im Verdienste Jacobs s. das. 27, 9: „Nimm mir von da zwei gute Ziegenböckchen.“ R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: Was heisst: EPiia, gute? Solche, die gut sind für dich, und gut für deine Kinder; gut für dich, dass du die väterlichen Segnungen erhältst, und gut für deine Kinder, weil sie dadurch am Versöhnungstage versöhnt werden, wie es heisst Lev. 16, 30: „Denn an diesem Tage wird er euch versöhnen.“ Diese Thiere erinnern aber nur an die Väter, woher lässt sich aber beweisen, dass sie auch an die Mutter erinnern? Weil es (viermal in diesem Verse) heisst: na, allein (d. i. ein jeder einzeln mit seinem Weibe). R. Berachja und R. Jeremja im Namen des R. Chija sagten: Sowie *) Vergl. Jerusch. Joraa I, 38 t 1 . **)kDas Gold würde an das goldene Kalb erinnern. 144 17. XVII, 3. Par. XXI. XXII. Cap. XVI, 3. 23. die oberen Reihen sind auch die unteren Reihen. Von den oberen Reihen heisst es Ezech. 9, 2: „Und ein Mann war in ihrer Mitte, gekleidet in Linnen (q-hs);“ ebenso heisst es von den unteren Lev. 16, 4: „Einen heiligen Leibrock von Linnen soll er anziehen.“ V. 23. Und Aaron komme in das Versammlungszelt. R. Chija hat gelehrt: Daraus geht hervor, dass die Kleider verborgen gehalten werden müssen, und nicht tauglich sind für einen andern Versöhnungstag. R. Dosa sagt: Für einen gemeinen Priester sind sie tauglich. V. 17. Und kein Mensch soll in dem Versammlungszelte sein. In dem Jahre, in welchem Simeon der Gerechte starb, sagte er es vorher schon, dass er sterben werde. Man fragte ihn: Woher weisst du es? Er antwortete: In jedem Jahre ging ein weissgekleideter und verhüllter Greis mir mir hinein und wieder mit mir heraus, in diesem Jahre aber ging er wohl mit mir hinein, aber nicht wieder mit mir heraus. Wer sagt mir aber, bemerkte R. Abuhu, dass es ein Mensch war? Ist nicht Gott in seiner Herrlichkeit mit ihm hinein- und wieder herausgegangen? R. Abuhu sagte : War denn der Hohepriester kein Mensch? Allein es ist wie das, was R. Pinchas gesagt hat: In der Stunde, wo der heilige Geist auf ihm ruhte, brannte sein Antlitz wie Fackeln. Das sagt auch Mal. 2, 7: „Denn die Lippen des Priesters sollen Kenntniss bewahren.“ Parascha XXII. Cap. XVII. V. 3. „Ein Jeder vom Hause Israels, der einen Ochsen, ein Schaf oder eine Ziege schlachtet.“ In Verbindung mit Koh. 5, 8: „Das Ueberflüssige eines Landes gehört mit zum Ganzen.“ R. Jehuda und R. Nechemja. R. Jehuda sagte: Selbst die Dinge, die ihr für überflüssig in der Welt haltet, gehören zum Ganzen (zum Nutzen) der Welt, wie Hanf, um Stricke daraus zu machen, bitteres Kraut, um den Wein damit zu würzen. „Ein König ist dem Felde dienstbar“ d. i. selbst ein König, der von einem Ende der Welt bis zum andern herrscht, ist dem Felde dienstbar. Hat das Land Früchte getragen, so hat auch er gewirkt, hat das Land dagegen keine Früchte gebracht, so hat auch er nichts gewirkt. Darum heisst es das. V. 9: „Wer Silber liebt, wird des Silbers nicht satt“ d. i. wer den Mammon liebt, wird des Mammons nicht satt, „und wer Geräusch liebt, hat keinen Nutzen davon“ d. i. wer gierig tobt und lüstern ist nach dem Mammon, hat aber keinen Grundbesitz, was hat er für einen Nutzen davon? R. Ismael bar R. Tanchum und R. Chanin bar Rabbi im Namen des R. Je- remja sagte mit Bezug auf Ezech. 27, 29: „Sie werden aus ihren Schiffen steigen .... werden auf dem Lande stehen.“ Wissen wir Par. XXII. Cap. XVII, 3. M5 denn nicht (wenn sie aus den Schiffen steigen), dass sie auf dem Lande stehen? Allein siehe, wenn das Schiff des einen im Meere untergegangen ist, er hat aber Grundbesitz auf dem Lande, so wird er bestehen (Bestand haben), hat er aber keinen Grundbesitz, so giebt es keine grössere Eitelkeit als diese. R. Nechemja sagte: „Der Ueberfluss eines Landes gehört mit zum Ganzen“ d. i. selbst die Dinge, welche du in der Gesetzgebung für überflüssig findest, wie z. B. die Halachot (Regeln) über die Zizith, Thephillin und Me- susa, auch sie gehören zum Ganzen der Gesetzgebung, wie es heisst Deut. 9, xo: „Der Ewige gab mir die zwei steinernen Tafeln, beschrieben mit dem Finger Gottes und auf ihnen wie alle diese Worte.“ R. fosua ben Levi sagte: „Und auf ihnen wie alle diese Worte“ und V. 8 heisst es: „Jedes Gebot, was ich“ u. s. w. Es heisst nicht b=>, sondern b2D, und nicht sondern trnfnri, nicht mit::, sondern Darunter ist Schrift, Mischna, Halachot, Talmud, Thosaphot (Nachträge) und Haggadot und selbst das, was einst ein alter (tüchtiger) Schüler vor seinem Lehrer sagen (Vorbringen) wird, mit inbegriffen, alle sind dem Mose auf dem Sinai mitgetheilt worden, wie es heisst Köh. 1, 10: „Giebt es auch etwas, von dem man sagen möchte: siehe, das ist etwas Neues?“ und sein Genosse antwortet ihm darauf: Das alles ist schon längst dagewesen. „Der König ist dem Felde dienstbar.“ R. Jehuda und R. Nechemja. Nach R. Jehuda ist unter „König“ der Talmudist, unter „dem Felde dienstbar“ der Mischnakundige zu verstehen, weil er die Halacha vor ihm ordnet. Nach R. Nechemja dagegen ist unter „König“ der Mischnakundige und unter „dem Felde dienstbar“ der Talmudkundige zu verstehen, weil er die Halacha vor ihm annimmt. Darum „wer Silber liebt, wird des Silbers nicht satt“ d. i. wer die Thora liebt, wird der Thora nicht satt, „und wer Geräusch (■p 7 :rki) liebt“ u. s. w., denn wer gierig nach der Thora ist, aber keinen Schüler hat, was hat er für einen Nutzen davon? R. Abba bar R. Abba im Namen des R. Acha sagt: „Wer lernt und nicht lehrt, eine grössere Eitelkeit als die giebt es nicht. Die Rabbinen sagen: „Der Ueberfluss eines Landes“ u. s. w. Selbst die Dinge, welche ihr für überflüssig in der Welt haltet, wie z. B. Fliegen, Flöhe und Mücken, auch sie gehören mit zum Ganzen der Schöpfung, wie es heisst Gen. 2, 1: „Und es wurden vollendet Himmel und Erde und all ihr Heer.“ „Der König ist dem Felde dienstbar“ d. i. Gott, von dem es heisst Ps. 93, 1: „Der Ewige ist König, mit Hoheit angethan.“ „Dem Felde dienstbar“ d. i. Zion, wie es heisst Mich. 3, 12: „Zion wird darum euerthalben als Feld gepflügt.“ Darum „wer Silber liebt, wird des Silbers nicht satt“ d. i. wer das Gebot (die Vorschrift) liebt, wird des Gebotes nicht satt, „und wer Geräusch liebt“ u. s. w., denn wer gierig nach den Geboten ist und ein für Geschlechter feststehendes Gebot nicht hat, was hat er für einen Nutzen davon? Du kannst es auch daraus erkennen, dass es so ist; denn siehe, wie viele Gebote und fromme Wünsche, Midrasch Wajikra. IO Par. XXII. Cap. XVII, 3. 146 Handlungen hat Mose ausgeübt, wie viele gute Werke hat er vollbracht (waren in seiner Hand) und er hatte ein für die Geschlechter feststehendes Gebot, wie es heisst Deut. 4, 41: „Damals sonderte Mose aus.“ Oder: „Der Ueberfluss eines Landes“ u. s. w. Gott sprach zu den Propheten: Wenn ihr nicht meine Sendung ausrichtet, so habe ich noch genug Boten. Das wollen die Worte sagen: „Der Ueberfluss eines Landes“ u. s. w., durch alles kann ich meine Sendung ausrichten. R. Acha sagte: Durch alles verrichtet Gott seine Sendung, selbst durch eine Schlange, selbst durch einen Frosch, selbst durch einen Scorpion, selbst durch eine Mücke. Der ruchlose Titus ging in das Allerheiligste mit gezücktem Schwert in seiner Hand, durchschnitt den Vorhang und nahm zwei Buhlerinnen und breitete eine Gesetzrolle unter ihnen aus und beschlief sie auf dem Altäre und sein Schwert ward voll mit Blut. Manche sagen: vom Blute der Opfer, manche sagen: vom Blute des Farren und des Bockes, welche am Versöhnungstage dargebracht werden. Er fing an sich gegen den Allerhöchsten (nS'b 72 , Gott) in Schmähungen und Lästerungen zu ergehen. 1 Nicht gleicht der, sprach er, welcher mit einem König in der Wüste Krieg führt und ihn besiegt, demjenigen, welcher mit einem König in seinem Palaste Krieg führt und ihn besiegt. Was machte er? Er raffte alle Gefässe im Heiligthum zusammen, legte sie in einen Korb und bestieg ein Schiff. Als er sich eingeschifft hatte (eig. als er hinabgestiegen war), erhob sich ein Sturm auf dem Meere. Er sprach: Es scheint mir, als wenn die Kraft dieses Gottes nur im Wasser läge. Das Geschlecht Enosch hat er nur mit Wasser bestraft, ebenso das Geschlecht der Fluth, ebenso Pharao und sein Heer. Auch ich — als ich in seinem Hause und in seinem Gebiete war, da konnte er nicht gegen mich bestehen und jetzt, da ich hier bin, kommt er mir zuvor. Du Frevler, gab ihm Gott zur Antwort, bei deinem Leben! durch das geringste Geschöpf, was ich in den sechs Tagen der Schöpfung erschaffen habe, werde ich dich bestrafen. Sogleich gab Gott dem Meere einen Wink und es stand ab von seinem Wüthen. Als Titus Rom erreicht hatte, zogen ihm alle Söhne Roms entgegen und priesen ihn als Besieger der Barbaren. Er Hess sich sogleich das Bad heizen, ging hinein und badete. Als er wieder herauskam, reichte man ihm einen Becher Wein. Gott aber fügte ihm eine Mücke hinein, welche ihm in seine Nase drang und sie frass und drang vor, bis sie sein Gehirn erreichte. Sie fing nun an sein Gehirn zu zerstechen. Rufet Aerzte herbei! befahl er, dass sie mein Gehirn spalten (eig. dass sie das Gehirn jenes Mannes spalten) und erkennen, w’omit der Gott dieser Nation mich (den Mann) bestraft habe. Man berief sofort die Aerzte und sie spalteten ihm sein Gehirn und fänden darin etwas (ein Thier), was so gross wie eine junge Taube war und ein Gewicht von zwei Litra hatte. Ich bin dort gewesen, bemerkte R. Elieser bar R. Jose und man legte Par. XXII. Cap. XVII, 3. 147 die Taube von dieser Seite und zwei Litra von der andern Seite (in eine Wagschale) und es war diese leichter als jene. Dann nahmen sie es (das Thier) und legten es in eine Schüssel, was auf dieser Seite zwei (Litra) waren, das waren auch auf der andern zwei. Die Mücke flog davon und (mit ihr) die Seele des ruchlosen Titus. Oder: „Der Ueberfluss eines Landes“ u. s. w. Ein Mann stand an einem Flusse und sah, wie ein Frosch einen Scorpion trug und durch den Fluss brachte. Da dachte er bei sich: Dieser (Scorpion) ist gewiss zu einer Sendung bestimmt, er durchschneidet den Fluss, geht, richtet die Sendung aus und kehrt wieder nach seinem Orte zurück. Bald darauf wurde ein Jammergeschrei in der Stadt vernommen: N. N. hat ein Scorpion gestochen und ist gestorben. R. Pinchas im Namen des R. Chanin von Sepphoris erzählte: Ein Mann mähte im Thale Beth Schophre, da sah er ein Kraut, pflückte es ab und machte sich einen Kranz daraus für sein Haupt. Da kam eine Schlange, er sah sie und tödtete sie. Da kam ein Schlangenbeschwörer und besichtigte die Schlange. Er sprach: Ich wundere mich über den, welcher diese Schlange getödtet hat. Ich habe sie getödtet, sprach jener Mann. Da erhob er sein Gesicht und sah das Kraut, aus welchem er sich einen Kranz für sein Haupt gemacht hatte. Er sprach zu ihm: Es beruht auf Wahrheit, dass ich die Schlange getödtet habe. Er sprach zu ihm: Kannst du wohl dieses Kraut von deinem Haupte nehmen? Ja! Als er es abgenommen hatte, sprach er weiter: Kannst du wohl dieser Schlange mit diesem Stocke nahen? Ja! Als er sich der Schlange nahte, fielen ihm sogleich seine Glieder ab. R. Janai sass mit Lehrvorträgen beschäftigt am Thore der Stadt. Da sah er eine Schlange zischend auf sich zukommen. Verfolgte er sie von dieser Seite, so kam sie von jener Seite wieder herbei. Er sprach: Diese ist gewiss bestimmt, ihre Sendung zu verrichten. Bald darauf hörte man eine Stimme draussen in der Stadt: Den Mann N. N. hat eine Schlange gestochen und er ist gestorben. R. Eleasar sass und wandelte vor einem Abort auf und ab. Da kam ein Römer, hiess ihn aufstehen und setzte sich darauf. Das ist nicht umsonst, dachte R. Eleasar. Bald darauf kam eine Schlange hervor, sah ihn und tödtete ihn. Da wandte er auf ihn an Jes. 43, 4: „Ich gebe einen Edomiter statt deiner.“*) R. Eleasar stand am Hafen des Sees von Cäsarea und sah, wie ein Körbchen sich fortwälzte und auf ihn zukam. Er entzog sich demselben, allein es wälzte sich fort. Da dachte er: Es ist gewiss bestimmt, eine Sendung zu verrichten. Nach einigen Tagen kam ein Tabellarius, da wälzte es sich zwischen seine Füsse, dass er daran strauchelte, hinfiel und starb. Man ging und durchsuchte *) Der Midr. liest c'lK, Edom = '»ins, einen Edomiter (Römer) für: Dix, einen Menschen. io : 148 Par. XXII. Cap. XVII, 3. ihn und fand, dass er sehr schlimme Schreiben (Edicte) gegen die Juden von Cäsarea bei sich trug. R. Simeon pflegte Untersuchungen anzustellen. Einstmals sass er in seinem Lustgarten, worin ein Stamm sich befand, da sah er, wie ein Auerhahn ein Nest sich darin machte. Da dachte er: Was will dieser schmutzige Vogel in diesem Lustgarten? R. Simeon ging und riss das Nest ein, allein der Auerhahn kam und stellte es wieder her. Was machte R. Simeon? Er ging und brachte eine Tafel und legte sie an die Oeffnung jenes Nestes und befestigte es mit einem Nagel. Was machte der Auerhahn? Er ging und holte ein Kraut, legte es auf den Nagel, dass dieser verbrannte. Was machte R. Simeon? Er sprach: Es ist gut, das Kraut zu verbergen, dass die Diebe nicht lernen es so anzuwenden und die Leute berauben. Der Esel des R. Janai frass einmal ein Kraut und wurde davon blind, er frass ein anderes Kraut und wurde davon wieder sehend. Zwei Männer gingen einmal hinauf auf jenen Wegen nach Tiberias, einer war blind, der andere sehend, und der, welcher sehend war, führte den Blinden. Sie setzten sich, um auszuruhen, am Wege nieder. Da ereignete es sich, dass sie von dem Kraute assen. Der, welcher sehend war, wurde blind, und der, welcher blind war, wurde sehend, so dass, als sie sich von da erhoben, der Blinde den Sehenden führte. Ein Mann kam von Babylon herauf und liess sich, um auszuruhen, am Wege nieder. Da sah er, wie zwei Vögel sich miteinander zankten und der eine von ihnen den andern tödtete. Da ging der andere und holte ein Kraut und legte es ihm auf und brachte ihn wieder zum Leben. Da dachte der Wanderer: Es ist gut, wenn ich etwas von dem Kraute mitnehme und damit die Todten im Lande Israel belebe. Als er seinen Weg fortsetzte, sah er einen todten Fuchs auf dem Wege liegen. Da dachte er: Es ist gut, wenn ich an dem Fuchse eine Probe mache. Er legte ihm das Kraut auf und rief ihn wieder in’s Leben zurück. Darauf setzte der Wandrer seinen Weg fort, bis er an die steilen Anhöhen von Tyrus kam. Als er dieselben erreicht hatte, sah er einen todten Löwen auf dem Wege liegen. Da dachte er: Es ist gut, wenn ich an dem Löwen noch einen Versuch mache. Er legte ihm etwas von dem Kraute auf, der Löwe kehrte ins Leben zurück, erhob sich und frass ihn auf. Das ist es, was die Leute sagen: Hast du dem Bösen etwas Gutes gethan, so hast du dir Böses gethan; thue dem Bösen nichts Gutes, so wird dir nichts Böses widerfahren. R. Tanchuma sagte: Selbst mit dem Wasser richtet Gott seine Sendung aus. Ein Aussätziger ging einmal hinab, um sich in Tiberias zu baden (tauchen). Da traf es sich, dass der Brunnen der Mirjam aufstieg und ihn bespülte, und dadurch ward er geheilt. Wo ist der Brunnen der Mirjam? Chija bar Abba sagte: Es heisst Num. 21, 20: „Und die Aussicht geht auf den Jeschimon;“ denn Par. XXII. Cap. XVII, 3. 149 •wer auf die Spitze des Berges Jeschimon steigt, sieht wie eine Art kleines Sieb im Meere von Tiberias, es ist der Brunnen der Mirjam. R. Jochanan ben Nuri sagte: Die Rabbinen haben berechnet, dass er grade gegen das mittlere Thor des alten Versammlungshauses von Tiberias hin gerichtet liegt. R. Chama bar Papa im Namen des R. Jehuda bar R. Simon sagte: Auf verbotenen Höhen opferten die Israeliten in der Wüste, solange als die Wohnung noch nicht aufgestellt war, denn es ist dort*) gelehrt worden: Solange die Wohnung noch nicht aufgestellt war, waren die Höhen gestattet (erlaubt) und der Dienst geschah durch die Erstgebornen, nachdem aber die Wohnung aufgestellt war, wurden die Höhen untersagt und der Dienst geschah durch die Priester. Auf diese Weise aber haben die Israeliten gegen das Verbot der Höhe in der Wüste gehandelt und es kamen Strafen über sie, und die Völker der Welt sprachen: Sie dienen seinem Namen und er bringt sie ums Leben. Darum sprach Gott zu Mose Lev. 17, 3. 4: „Geh, sage den Israeliten: ein jeglicher aus dem Hause Israel, der einen Ochsen oder ein Schaf oder eine Ziege schlachtet im Lager.und es vor die Thür des Versamm- lungszeltes nicht bringt.“ Oder: „Ein jeglicher vom Hause Israel.“ Das sagt auch Jes. 66, 3: „Der den Ochsen schlachtet, erschlägt einen Mann, der ein Schaf opfert, erwürgt einen Hund, der Speisopfer darbringt, bringt Saublut, der Weihrauch anzündet, betet Götzen an.“ R. Jochanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Wer seinen Nächsten auch nur um den Werth einer Peruta beraubt, den erachtet die Schrift so, als wenn er ihn umgebracht hätte. Und hierzu haben wir viele Belege aus der Schrift, denn es heisst: „Der einen Ochsen schlachtet, der erschlägt einen Mann.“ Wer nur zu rauben pflegt, da verzehrt der Raub den Menschen. Ferner heisst es Prov. 1, 19: „Also die Pfade aller, die nach Gewinn geizen, er raubt das Leben seines Besitzers;“ desgleichen Joel 4, 19: „Wegen der Gewaltthätigkeit der Kinder Jehudas, welche unschuldiges Blut in ihrem Lande vergossen haben,“ und 2 Sam. 21, 5: „Sie sprachen zum König: Den Mann, welcher uns aufrieb und welcher wider uns sann, dass wir vertilgt würden und nicht mehr beständen im ganzen Gebiete Israels.“ Hatte er sie denn erschlagen oder nur daran gedacht? Allein weil er Nob, die Priesterstadt, die ihnen Unterhalt gereicht, zerstört hatte, erachtet es die Schrift so, als wenn er sie umgebracht hätte. Resch Lakisch versetzte den Vers in Jes.: Wer einen Menschen erschlägt, schlachtet einen Ochsen, wer einen Hund erwürgt, opfert ein Lamm, wer Saublut darbringt, bringt Speisopfer dar, wer Götzen anbetet, zündet Weihrauch an. Auch sie haben Lust an ihren Wegen. R. Eleasar fragte den R. Cha- nina, manche aber sagen umgekehrt, R. Chanina habe den R. Eleasar *) S. Sebacliim fol. 112 . ■150 Par. XXII. Cap. XVII, 3. gefragt. Sollte denn das möglich sein, dass ein Lehrer einen Schüler gefragt habe? Allein er wollte ihn nur auf die Probe stellen. Er sprach zu ihm: Was heisst das, was Prov. 30, 7 — 9 geschrieben steht: „Zwei Dinge erbitte ich von dir: Falschheit und Lügenrede halte fern von mir; Armuth und Reichthum gieb mir nicht, lass mich verzehren das Brod meines Bedarfs; denn wenn ich übersatt würde, so könnte ich vielleicht verleugnen und sprechen: Wer ist der Ewige? Und würde ich arm, so könnte ich stehlen und mich an dem Namen meines Gottes vergreifen!“ Welches von beiden ist wohl härter, das erste oder das letztere? Darauf antwortete er: Wir finden, dass Gott eher gegen Götzendienst als gegen Gotteslästerung mit Nachsicht verfährt. Und woher lässt sich beweisen, dass Gott eher gegen Götzendienst nachsichtig verfährt? Aus Ezech. 20, 39: „Und ihr, Haus Israel! so spricht der Ewige Gott: Gehet hin und dienet ein jeder seinem Gräuel (Götzen) auch in Zukunft,“ und ferner heisst es das.: „Und meinen heiligen Namen entweiht nicht mehr.“ Und die Israeliten opferten auf den verbotenen Höhen in der Wüste und es kamen Strafen über sie, und die Völker der Welt sahen es und sprachen: Sie opfern ihm und er bringt sie um. Darum sagte Gott zu Mose: Geh und sage den Israeliten: hütet euch! dass ihr nicht mehr auf den verbotenen Höhen opfert. Daher warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Ein jeder aus dem Hause Israel, welcher schlachtet“ u. s. w. R. Ismael und R. Akiba. R. Ismael sagte: Siehe, eine Erlaubniss wird aus einem Verbote gefolgert (von einem Verbote lässt sich auf eine Erlaubniss schliessen): weil die Israeliten nicht Fleisch nach Lust in der Wüste geniessen durften, so erlaubt ihnen die Schrift nur von Geschlachtetem zu geniessen. R. Akiba dagegen sagte: Siehe, das Verbot wird aus der Erlaubniss gefolgert: weil die Israeliten die Thiere (nicht schlachteten, sondern) durchbohrten und in der Wüste assen, so kommt die Schrift nicht und verbietet es ihnen, sondern (erlaubt ihnen nur) das Schlachten. R. Ismael hat gelehrt: Weil die Israeliten nicht Fleisch nach Lust in der Wüste essen durften, so warnt sie die Schrift, dass sie ihre Opfer zum Priester bringen sollen und dieser schlachtet und nimmt es an; obgleich die Herren den ganzen Tag sitzen und rechnen, so geht doch alles nach dem Schlächter. Und was bedeuten die zwei Schlachtungen? (Warum steht:) ünffii TliN zweimal? Es ist gelehrt worden im Namen des R. Judan: Als genaue Schlachtregeln sind meistens zwei bei den vierfüssigen und wenigstens eine beim Geflügel zu beobachten. Hierzu führte R. Pim- chas im Namen des R. Levi ein Beispiel an. Gleich einem Königssohne, welcher sehr übermüthig und gewohnt war, Fleisch von Gefallenem und Zerrissenem (Thieren) zu essen, da befahl der König: er soll stets an meinem Tische essen, so wird er seine Gewohnheit dadurch von selbst ablegen. So brachten auch die Israeliten, weil sie in Aegypten dem Götzendienst ergeben waren, den Waldteufeln ihre Opfer, wie es heisst Lev. 17, 7: „Und sie sollen nicht Par. XXII. Cap. XVII, 3. ferner ihre Opfer den Waldteufeln*) darbringen.“ Unter Waldteufeln (C’-pyijb) sind nur Dämonen (C'Vi) zu verstehen vergl. Num. 32, 17: „Sie opferten den Dämonen (a-'Ti),“ und unter Dämonen (Ci“2;) sind nur Waldteufel (tiT'ra:) zu verstehen vergl. Jes. 13, 21: „Und Waldteufel (e^T'J'ie) tanzen dort.“ Sie brachten auch ihre Opfer auf verbotener Höhe dar und es kamen Strafen über sie. Da sprach Gott: Sie sollen ihre Opfer zu jeder Zeit im ' Versammlungszelt vor mir darbringen; dadurch werden sie vom Götzendienste geschieden und gerettet, wie es heisst: „Ein jeder vom Hause Israel“ u. s. w. R. Jose bar R. Chanina sagte: Das Opfern auf der Höhe war nur durch einen Propheten erlaubt, wie es heisst Deut. 12, 13: „Hüte dich, dass du nicht deine Brandopfer opferst an allen Orten.“ Aber Elia hat doch auf verbotenen Höhen geopfert? R. Simlai sagte: Gott sprach zu ihm 1 Reg. 18, 36: „Auf dein Wort habe ich es gethan“ d. i. auf dein Gebeiss (deinen Ausspruch) hin habe ich es gethan. R. Jochanan bar Mari beweist es aus Jos. 8, 30: „Damals baute Josua einen Altar dem Ewigen.“ Das war aber nur in Gil- gal der Fall, woher lässt sich beweisen, dass es auch in Gi- beon so war? Aus Jud. 6, 25: „Es war in derselben Nacht, da sprach der Ewige zu ihm: nimm den jungen Stier.“ R. Abba bar Kahana sagte: Sieben Sünden wurden durch den Stier des Gideon begangen: 1) er nahm Holz aus einem Haine (der Götzen); 2) der Altar war aus gehauenen Steinen (eig. die Steine waren untauglich); 3) der Stier war zu einem anderen Zwecke bestimmt gewesen; 4) der Stier war als ein göttliches W T esen angebetet worden; 5) Gideon war ein Ungeweihter (Laie, eig. ein Fremder); 6) es war in der Nacht und 7) es fehlte die rechte Zeit. Das war aber alles nur in Gibeon, woher lässt es sich beweisen, dass es auch in Schilo so war? Aus 1 Sam. 7, 9: „Samuel nahm ein Milchlamm“ u. s. w. R. Abba bar Kahana sagte: Drei Sünden wurden beim Brandopfer Samuels begangen: es war festgesetzt, es fehlte an der rechten Zeit und er war ein Levit. Aus diesem Verse, sagte R. Jose, kannst du nichts schliessen, sondern es kommt das hinzu, was R. Samuel bar Nachmani gesagt hat: Sein Sitz war in Rama, denn dort war sein Haus. Oder: „Ein jeder vom Hause Israels.“ Das steht auch Ps. 146, 7: „Er verschafft Recht den Unterdrückten,“ nämlich den Israeliten, von denen es heisst Jerem. 50, 33: „So spricht der Ewige, Zebaoth: Unterdrückt sind die Kinder Israels und Jehudas,“ ferner heisst es Ps. 146, 7: „Er giebt Brod dem Hungrigen,“ nämlich den Israeliten, von denen es heisst Deut. 8, 3: „Er demüthigte dich und liess dich hungern.“ Dann heisst es das. V. 8: „Der Ewige lässt los die Gefesselten“ d. i. was ich dir verboten habe, das habe ich dir auch wieder erlaubt. Ich habe dir verboten Unschlitt von vierfüssigen ) So nimmt der Midr. die Stelle, Par. XXII, Cap. XVII, 3. 152 Thieren und ich habe es dir erlaubt von wilden Thieren (zu ge- niessen); ich habe dir die Spannader der vierfüssigen Thiere verboten und ich habe sie dir erlaubt von den Vögeln; ich habe dir das Schlachten der Vögel verboten und ich habe es dir erlaubt bei den Fischen. R. Abba und R. Jonathan im Namen des R. Levi sagten: Mehr von dem, was ich dir verboten habe, habe ich dir erlaubt. Ich habe dir das Blut der Nidda verboten und ich habe dir das Blut der Jungfrauen erlaubt; ich habe dir den Umgang mit einem Eheweibe verboten und ich habe dir den Umgang mit einer Gefangenen erlaubt, ich habe dir das Weib des Bruders verboten und ich habe dir dafür die Leviratsehe erlaubt; ich habe dir verboten, die Schwester deiner Frau bei Lebzeiten derselben zu nehmen und ich habe sie dir dagegen nach ihrem Tode erlaubt, ich habe dir Vermischtes (Wolle und Zwirn) zu tragen verboten und ich habe dir das leinene Unterkleid bei den Zizith erlaubt; ich habe dir den Genuss des Schweinefleisches verboten und ich habe dir den vom Stör erlaubt; ich habe dir das Unscblitt verboten und ich habe dir das Fett erlaubt; ich habe dir den Blutgenuss verboten und ich habe dir die Milz erlaubt; ich habe dir das Fleisch in der Milch gekocht verboten und ich habe dir das Euter erlaubt. R. Menachma, R. Bibi und R. Acha und R. Jochanan sagten im Namen des R. Jonathan: An Stelle dessen, was ich dir verboten habe, habe ich dir auch etwas erlaubt und zwar an Stelle des Verbots der Fische, den -reinen Fisch Leviathan, an Stelle des Verbots des Geflügels den reinen Vogel Sis, wie es heisst Ps. 50, n: „Ich kenne alle Vögel der Berge und des Gefildes Sis ('Pt) ist mit mir.“ R. Jehuda bar R. Simon sagte: Wenn der Sis seine Flügel ausbreitet, verdunkelt er die Sonnenkugel s. Hi. 39, 26: „Fliegt durch deinen Verstand der Habicht, breitet er seine Flügel nach Süden?“ Und warum heisst er Pt? Weil in ihm vielerlei Geschmack von diesem und jenem ist. An Stelle des Verbots der vierfüssigen Thiere steht der Behemoth mit dem Tausendgebirge. R. Jochanan und Resch Lakisch und die Rabbinen sind darüber verschiedener Meinung. R. Jochanan sagte: Es ist nur ein Thier, gelagert auf tausend Bergen und diese lassen für dasselbe allerlei Kräuter wachsen, welche es verzehrt, wie es heisst das. 40, 15: „Denn Futter tragen ihm die Berge.“ Resch Lakisch sagte: Es ist ein Thier, gelagert auf tausend Bergen, welche Speise für dasselbe hervorbringen, zur Speisung der Frommen, und es verzehrt sie, wie es heisst Jes. 65, 10: „Und der Saron * wird ein Anger für die Heerde.“ Die Rabbinen sagen: Es ist ein Thier, gelagert auf tausend Bergen und sie bringen für dasselbe allerlei Thiere hervor und es verzehrt sie, wie es heisst Hi. 40, 15: „Alles Wild des Feldes spielet daselbst.“ Ist’s denn möglich, dass ein Kleinvieh das andere verzehrt? R. Tanchum sagte: Gross sind die Werke Gottes und wie mannigfach sind die Werke Gottes! Und wovon trinkt er? R. Jochanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Alles, was der Jordan in sechs Monaten sammelt, Par. XXIII. Cap. XVIII, 3. 153 schlürft er auf einmal ein, wie es heisst das. V. 18: „Siehe, der Fluss schwillt an, er flieht nicht.“ R. Simeon ben Lakisch sagte: Alles, was der Jordan in zwölf Monaten sammelt, schlürft er auf einmal ein s. das.: „Er bleibt ruhig, ob ein Jordan losbricht an seinen Mund.“ Es reicht nur zur Anfeuchtung seines Mundes hin. R. Huna sagte im Namen des R. Jose: Es reicht nicht einmal zur Anfeuchtung seines Mundes hin. Und woher trinkt er? R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Es kommt ein Fluss aus Eden hervor, Jubal genannt und davon trinkt er, wie es heisst Jer. 17, 8: „An den Jubal streckt er seine Wurzel hin.“ R. Meir sagte: Es heisst Hi. 12, 7: „Fürwahr, frage nur die Thiere, sie werden es dich lehren“ d. i. der Behemoth, „und die Vögel des Himmels, sie werden dir’s verkünden“ d. i. der Dämon Sis; „oder rede zur Erde, sie wird dich lehren“ d. i. das Paradies, „und es werden es dir erzählen die Fische des Meeres“ d. i. der Leviathan, „wer erkennt nicht in all diesem, dass die Hand des Ewigen das gemacht hat!“ Parascha XXIII. Cap. XVIII. V. 3. Gleich dem Thun des Landes, worin ihr gewohnt, sollt ihr nicht thun. Das steht auch Cant. 2, 2: „Wie die Rose zwischen Dornen“ u. s. w. R. Jizchak legte diesen Vers auf Rebecca aus, von der es heisst Gen. 25, 20: „Als Jizchak vierzig Jahr alt war“ u. s. w., um dir zu lehren: Wenn schon steht, dass sie von Padan Aram (D 155 ■p 373 ) war, wozu braucht noch der Zusatz zu stehen: die Schwester Labans, des Aramäers (i? 3 isn)? Allein es soll damit ausgedrückt werden, dass ihr Vater ein Betrüger (■' 55731 ) war und die Leute des Ortes auch Betrüger waren, und dennoch ging diese Tugendhafte aus ihrer Mitte hervor. Warum gleicht sie einer Rose zwischen Dornen? R. Pinchas sagte im Namen des R. Simon: Es heisst Gen. 28, 5: „Und Jizchak entliess den Jacob und er ging“ u. s. w. (was sagen will:) alle waren Betrüger (ri 557313 ). R. Elieser legte diesen Vers auf die Erlösung aus Aegypten aus. Wie die Rose, wenn sie zwischen den Dornen steckt, für ihren Besitzer (Herrn) schwer zu pflücken ist, ebenso war die Erlösung der Israeliten vor Gott schwer. Das steht auch Deut. 4, 34: „Oder hat ein Gott versucht zu kommen und sich ein Volk aus der Mitte der Völker zu nehmen?“ Diese waren unbeschnitten und jene waren es auch, diese Hessen sich die Tolle auf der Kopfspitze lang wachsen und jene auch, diese trugen Kleider aus gemischten Stoffen und jene auch. So konnte die Strafgerechtigkeit nicht zugeben, dass die Israeliten jemals aus Aegypten erlöst würden. R. Samuel bar Nachmani sagte: Wenn Gott sich nicht selbst durch einen Schwur gebunden hätte, so wären die Israeliten nimmer erlöst worden, denn es heisst Ex. 6, 6: „Darum sage den Kindern Israels: ich der Ewige.“ Das Wort -p"; bezeichnet nichts anderes als Schwur (iwqib) vergl. 154 Par. XXIII. Cap. XVIII, 3. i Sam. 3, 14: „Fürwahr (pbi) ich schwöre dem Hause Elis.“ R. Berachja sagte: Es heisst Ps. 77, 16: „Du hast dein Volk mit starkem Arm erlöst“ d. i. mit Plerrschergewalt (Tyrannei). R. Judan sagte: Die Worte von: -na n^ipu "na ab nnpb tob bis DraTaa piNTitt enthalten zweiundsiebenzig Buchstaben. Wenn dir aber jemand sagen sollte, es sind doch fünfundsiebenzig, so antworte ihm: Nimm das zweite Wort ‘na davon hinweg, denn es gehört nicht mit zu der Zahl. R. Abin sagte: Mit seinem Namen erlöst er sie, denn der Name Gottes enthält 72 Buchstaben. R. Asarja führte im Namen des R. Jehuda bar R. Simon dieses Beispiel an: Ein König hatte einen Lustgarten, bepflanzt mit einer Reihe Feigenbäume, einer Reihe Weinstöcke, einer Reihe Granatbäume, einer Reihe Aepfel- bäume und er übergab ihn einem Gärtner und ging fort. Nach einiger Zeit kam der König wieder, schaute sich in dem Garten um, um zu erfahren, was der Gärtner gemacht habe, und er fand ihn voll mit Dornen und Disteln. Er liess Schnitter kommen, um die Dornen abzuschneiden, er schaute in die Dornen und ward eine schöne Rose gewahr, er nahm sie, roch daran und erquickte sich daran. Da sprach der König: Wegen dieser Rose soll der ganze Garten nun geschont (eig. gerettet) werden. So ist auch die ganze Welt nur wegen der Thora erschaffen worden, nach 26 Geschlechtern (Generationen) jedoch schaute Gott in seiner Welt sich um, um zu erfahren, was vorgegangen sei, und er fand sie voll mit Wasser (eig. Wasser in Wasser). Das Zeitalter Enosch war Wasser in Wasser, das Zeitalter der Fluth war Wasser in Wasser und das Zeitalter der Theilung war Wasser in Wasser. Er brachte Schnitter herbei, dass sie abschneiden sollten, wie es heisst Ps. 29, 10: „Der Ewige thronet bei der Wasserfluth,“ da sah er eine schöne Rose darin, nämlich Israel. Er nahm sie, roch daran in der Stunde, als er ihnen die zehn Gebote (Worte) gab und seine Seele erquickte sich daran; als sie sprachen: „Wir wollen thun und gehorchen,“ da sprach Gott: Wegen dieser Rose soll der Garten im Verdienste der Thora gerettet werden und wegen Israel soll die Welt gerettet werden. R. Chanan von Sepphoris deutete jenen Vers auf die Werke der Menschenliebe. Gewöhnlich besuchen zehn Personen ein Trauerhaus und nicht ein einziger von ihnen kann seinen Mund auf thun, um den Segen (die Benediction) der Trauernden zu sprechen, endlich thut einer von ihnen den Mund auf und spricht ihn, er gleicht der Rose zwischen Dornen. Gewöhnlich gehen zehn Personen in das Versammlungshaus und nicht einer von ihnen ist im Stande, vor die Lade hinzutreten und die Benedictionen über das Schema zu sagen (eig. die Hände zu den Segenssprüchen über das Schema auszubreiten), endlich kommt einer und thut es, es gleicht der Rose zwischen Dornen. R. Eleasar ging einmal nach einem Orte, wo er aufgefordert wurde, die Benedictionen über das Schema vorzutragen. Er sprach Par. XXIII. Cap. XVIII, 3. 155 aber zu ihnen: Ich bin kein Gelehrter. Tritt vor die Lade. Er entgegnete: Ich bin kein Gelehrter. Was? sprachen sie, ist das der R. Eleasar, von dem man so viel Rühmliches erzählt? Nennt man ihn denn umsonst Rabbi? Er erblasste (eig. sein Gesicht wurde gelb) und ging zu seinem Lehrer R. Akiba. Warum siehst du so kränklich aus? fragte ihn dieser. Er erzählte ihm den Vorfall und sprach zu ihm: Möchte mein Herr mich es wohl lehren? Ja wohl? erhielt er zur Antwort. Er lehrte es ihn. Nach einigen Tagen ging R. Eleasar wieder nach jenem Orte und wurde wieder aufgefordert, die Benedictionen über das Schema in gekürzter Gestalt vorzutragen. Tritt vor die Lade! Er that es. Da sprachen die Leute: R. Eleasar ist gelöst (befreit, eig. von seiner früheren Un- kenntniss der Gesetzlehre entbunden) worden, und man gab ihm den Namen Rabbi Eleasar Chisma. R. Jona lehrte seinen Schülern die Trauersegnungen mit dem Wunsche: Sie mögen in allen Dingen Männer sein. R. Chanina bar R. Abba legte jenen Vers auf die Reiche aus. Wie diese Rose, welche zwischen Dornen sich befindet, der Nordwind nach Süden wendet, von welcher Seite die Dornen sie stechen, und der Südwind sie wieder nach Norden wendet, wo sie wieder die Dornen stechen, dennoch sie ihr Herz (Inneres) aber nach der Höhe richtet, so auch die Israeliten, obgleich sie mit Beköstigungsbeiträgen und Frohndiensten belastet sind, so ist doch ihr Herz zu ihrem Vater im Himmel gerichtet, wie es heisst Ps. 25, 16: „Meine Augen sind immer auf den Ewigen gerichtet, denn er zieht meinen Fuss aus dem Netze.“ R. Ibo legte jenen Vers auf die einstige Erlösung aus. Sowie die Rose, die zwischen Dornen ist, für ihren Besitzer schwer zu pflücken ist, was thut man? Man bringt das Licht und verbrennt alles um sie herum und dann pflückt man sie, so heisst es auch Thren. 1, 17: „Der Ewige hat gegen Jacob seine Feinde entboten ringsum, wie Chalmisch bei Nawa und Jericho bei Noadan, Susitha bei Tiberias, Gastra bei Che'ipha, Lud bei Ono, wie es heisst Ezech. 5, 5: „So spricht der Ewige: das ist Jerusalem, das ich mitten unter die Völker gesetzt habe;“ wenn aber der bestimmte Zeitpunkt eintritt, was thut Gott? Er bringt das Licht herbei und verbrennt die Dornen um dasselbe ringsum, wie es heisst Jes. 33, 12: „Und die Völker werden wie Kalk verbrannt werden,“ und Deut. 33, 12: heisst es über dasselbe: „Der Ewige allein leitet es.“ R. Abin sagte: Wie die Rose, wenn die Sonnengluth über sie kommt, verwelkt, wenn aber Thau auf sie kommt, wieder aufblüht, so auch die Israeliten, so lange Esaus Schatten (die Macht Roms) besteht, erscheinen sie wie verwelkt in dieser Welt, aber einst wird Esaus Schatten hinschwinden und sie werden saftreich werden (an Kraft zunehmen), wie es Hos. 14, 6 heisst: „Ich werde Israel wie Thau sein.“ Wie die Rose nur mit ihrem Gerüche aufhört, so werden auch die Israeliten nur mit der Ausübung der religiösen i 5 6 Par. XXIir. Cap. XVIII, 3. Vorschriften und guten Werke aufhören. Wie die Rose nur wegen ihres Geruches beliebt ist, so sind auch die Gerechten (Frommen) nur zur Erlösung Israels erschaffen. Wie die Rose auf die Tafel -der Könige am Anfang und am Ende (wenn sie aufblüht und verblüht) kommt, so sind auch die Israeliten in dieser und in jener Welt. Wie die Rose unter den Kräutern erkannt wird, so werden auch die Israeliten unter den Völkern erkannt s. Jes. 61, 9: „Alle, die sie sehen, werden erkennen, dass sie von Gott gesegneter Same sind.“ Wie die Rose zum Schmucke der Sabbathe und Festtage bestimmt ist, so sind auch die Israeliten für die einstige Erlösung bestimmt. R. Berachja sagte: Gott sprach zu Mose: Geh und sage den Israeliten: als ihr in Aegypten wäret, glicht ihr der Rose zwischen Dornen, jetzt aber, wo ihr in das Land Kanaan eingezogen seid, gleicht ihr auch der Rose zwischen Dornen; seht euch vor, dass ihr das nicht thut nach dem Thun (der Weise) dieser und nicht nach dem Thun (der Weise) jener, wie es heisst Lev. 18, 13: „Nach dem Thun (der Weise) des Landes Aegypten.“ R. Jizchak legte den Vers auf einen Menschen aus, der zwei Töchter von einer Mutter und zwei von einem Vater und zwei von einer Haut (des Embryos) hat, wie es heisst Gen. io, 6: „Und die Kinder Chams waren Cusch, Mizraim, Phut und Kanaan.“ Gleich einem Könige, sagte R. Chanina, welcher eine einzige Tochter hatte, die er in einem Gehöfte (einer Durchgangshalle) wohnen liess, wo sich allerlei Inhaber von Buhlerei und Zauberei befanden. Meine Tochter, sprach er zu ihr, achte darauf, dass du dich nicht so beträgst nach Weise dieser und nach Weise jener. So auch, als die Israeliten in Aegypten waren, da hingen die Aegypter der Buhlerei nach, wie es heisst Ezech. 23, 20: „wie Eselsfleisch ist ihr Fleisch.“ Als sie in das Land Kanaan einzogen, trieben auch die Kananiter Buhlerei und Zauberei, wie es heisst Nah. 3, 4: „Ob der vielen Buhlerei der Buhlerin, der anmuthigen, der zauberkundigen.“ Darum sprach Gott zu ihnen: Meine Kinder! seht euch vor, dass ihr nicht thut nach Weise dieser und nicht nach Weise jener. Das soll nun hier mit den Worten gesagt sein: „Nach der Weise des Landes Aegypten.“ Es heisst Hi. 37, 21: „Und jetzt sehen sie kein Licht.“ Es ist gelehrt worden: Wer die Sonne in ihrem Kreisläufe, den Mond wie ein Ball, die Sterne in ihren Bahnen und die Plagen nach ihrer Ordnung sieht, spreche: Gepriesen sei der, welcher das Werk der Schöpfung macht! Das soll aber nur geschehen, wie R. Huna bemerkte, an Regentagen, und auch dann nur nach drei Tagen. „Und jetzt sehen sie kein Licht.“ R. Berachja und R. Je- remja bar R. Chija bar Abba sagten: R. Levi bar Sisi in Nehardea predigte über Ex. 24, 10: „Und sie sahen den Gott Israels,“ nämlich so lange als sie nicht erlöst waren; nachdem sie aber erlöst waren, blieb der Weg des Mondes da, wo er hingesetzt war. R. Berachja bemerkte: Es heisst hier nicht: sie sahen das Werk (niüS 72 ) Par. XXIII. Cap. XVIII, 3. *57 eines glänzenden Sapphirs, sondern: wie das Werk (nisyra) d. L das Werk und das ganze Werkzeug dazu. Sowie man sagt: Der Korb und die Schaufel dazu. Bar Kapra sagte: Solange als die Israeliten nicht aus Aegypten erlöst waren, war er an der Veste verzeichnet (wurde er am Himmel gesehen), weil es heisst das.: „Wie der Himmel selbst Klarheit,“ daher war der Himmel rein (frei) von Wolken. R. Ismael hat gelehrt: Es heisst hier: „Wie das Werk im Lande Aegypten und wie das Werk im Lande Kanaan sollt ihr nicht thun“ u. s. w., wenn ihr es aber thut, so wisset: Ich bin der Ewige, euer Gott (der strafen wird). R. Chija hat gelehrt: Warum steht: Ich der Ewige zweimal? Es soll damit angedeutet werden: Ich bin es, der das Geschlecht der Fluth, Sodoms und Aegyptens gestraft hat, ich werde auch in Zukunft denjenigen bestrafen, der nach ihren Werken thut. Das Geschlecht der Fluth wurde von der Welt vertilgt, weil es in Buhlerei ausgeartet war. R. Simlai sagte: Ueberall, wo du Buhlerei antriffst, kommt die Pest in die Welt und tödtet Gute und Böse (rafft Gute und Böse hinweg). R. Huna sagte im Namen des R. Jose: Das Geschlecht der Fluth ist nur darum von der Welt vertilgt worden, weil sie für Männer und für Weiber Ehepacten geschrieben hatten. R. Asarja sagte im Namen des R. Jehuda bar R. Simon und R. Josua ben Levi sagte im Namen des Bar Kapra: Wir finden, dass Gott gegen alles Nachsicht zeigt, nur nicht gegen Buhlerei. Das lässt sich aus vielen Stellen beweisen z. B. aus Gen. 6, 1. 2: „Es geschah, als das Menschengeschlecht sich zu vermehren anfing, da sahen die Söhne Gottes die Töchter der Menschen, V. 5: und der Ewige sah, dass gross war die Bosheit des Menschen, V. 7: da sprach der Ewige: ich will die Menschen vertilgen,“ nämlich die Sodomiter. In jener ganzen Nacht, sagte R. Josua ben Levi im Namen des Bar Kapra, machte Lot für die Sodomiter den Anwalt (eig. sprach für sie), als man aber zu ihm kam und ihm sagte Gen. 19, 5: „Wo sind die Männer, dass wir sie erkennen“ durch den Beischlaf? V. 12: „Da sprachen die Männer zu Lot: Wen hast du noch hier?“ d. i. bis jetzt hattest du noch einen Vorwand, für sie den Anwalt zu machen (zu ihrem Gunsten zu sprechen). „Eidam und deine Söhne und deine Töchter u. s. w., denn wir wollen den Ort verderben.“ „Ich, der Ewige“ d. i. ich bin es, der Simson und Amnon und Simri bestraft hat, ich werde einst auch den bestrafen, welcher ihrem Beispiel folgen wird; ich bin es, der den Joseph, Jael und Palti ben Laisch belohnt hat, ich werde auch in Zukunft jeden belohnen, der ihrem Beispiele folgt. Woher lässt es sich bei Joseph beweisen? R. Simon ben Gamliel sagte: Joseph ist mit Gleichem belohnt worden (eig. es wurde ihm von dem Seinigen gegeben). Sein Mund, der keinen sündigen Kuss gab, von dem heisst es das. 41, 40: „Auf deinen Mund soll mein Volk dich küssen,“ von seinem Halse, den er nicht zu einem sündigen Gebrauche ausstreckte, heisst es das. V. 42: „Er Par. XXIII. Cap. XVIII, 3. 158 hing ihm eine goldene Kette um den Hals;“ von seinen Händen, die sich nicht zur Sünde gebrauchen Hessen, heisst es das. V. 42: „Und Pharao zog seinen Ring ab;“ von seinem Körper, welcher sich nicht der Sünde hingab, heisst es das.: „Er bekleidete ihn mit Kleidern von Byssus;“ von seinen Füssen, die nicht zu einem sündhaften Zwecke gingen, heisst es das. V. 43: „Er liess ihn im zweiten Wagen fahren;“ der Gedanke, der nichts (Schändliches) dachte, komme und werde Weisheit genannt, wie es heisst das.: „Man rief vor ihm aus: Abrech (beuget euch)!“ Drei entflohen der Sünde, und Gott verband seinen Namen mit ihnen, es sind Joseph, Jael und Palti. Von Joseph heisst es Ps. 81, 6: „Zum Zeugniss in Joseph macht er’s.“ Was heisst tpiis? Damit zeugt Jah (rp) für ihn, dass er das Weib des Potiphar nicht berührt hatte. Von Jael heisst es Rieht. 4, 18: „Und Jael ging heraus dem Sisera entgegen.und sie deckte ihn mit einem Teppich zu.“ Was heisst fDNiiaii? Die Rabbinen von hier sagen: aPTiöS, mit einem Tuche; die Rabbinen von dort sagen: Nbar^s, mit einem Korbe. Resch Lakisch sagte: Wir haben in der ganzen Schrift nachgesucht und kein Geräth gefunden, dessen Name ist. Was ist also PDN 312 ? Antwort: ns ■'721a mein Name hier d. i. mein Name zeugt für sie, dass jener Böse sie nicht berührt hat. Woher lässt es sich von Palti beweisen? Einmal heisst es 1 Sam. 25, 44: „Saul gab seine Tochter Michal, das Weib Davids an Palti,“ und einmal heisst es wieder: Paltiel; bald heisst es Palti, bald Pal- tiel d. i. wer hat Palti genommen und wer hat Paltiel gegeben? Allein ich zeuge für ihn, dass er Davids Weib nicht berührt hat. R. Jose sagte: Drei giebt es, deren sich die Leidenschaft bemächtigt hatte und sie haben sie beschworen (ihr den Gehorsam eidlich gekündigt), nämlich: Joseph, David und Boas. Von Joseph heisst es Gen. 39, 9: „Wie kann ich so ein grosses Unrecht thun?“ R. Huna im Namen des R. Idi sagte: Die Schrift lässt nichts ausser Acht, es heisst nicht: "'"■'b, gegen den Ewigen sündigen, sondern: CPfibNb, gegen Gott d. i. er schwur bei seiner Leidenschaft und sprach: Gegen Gott (D'itbfctb d.i. gegen eine gewaltige Macht) sündige ich nicht und ich thue dieses grosse Uebel nicht.*) Von David heisst es 1 Sam. 26, 10: „David sprach: So wahr der Ewige lebt, dass der Ewige ihn schlagen wird.“ Bei wem schwur er? R. Jochanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Er schwur bei seiner Leidenschaft, Resch Lakisch sagte: Bei Abischai. Er sprach nämlich zu ihm: So wahr der Ewige lebt, wenn du ihn berührst, so menge ich dein Blut mit dem seinigen, wie es heisst das. V. 9: „Und es sprach David zu Abischai: bringe ihn nicht um!“ Von Boas heisst es Ruth 3, 13: „So wahr der Ewige lebt, liege bis zum Morgen!“ R. Judan und R. Chama. R. Judan sagt: Jene ganze Nacht noch überredete ihn sein Trieb und sprach zu ihm: Du bist ledig *) Für '3X1 ist '3'X1 zu lesen, wie auch die Ed. Yen. hat. Par. XXIII. Cap. XVIII, 3. 159 und sie ist ledig, du suchst ein Weib und sie sucht einen Mann, er aber beschwur seinen bösen Trieb: „So wahr der Ewige lebt!“ Und zum Weibe sprach er: „Liege bis zum Morgen!“ Auf ihn wandte R. Chanina Prov. 24, 5 an: „Der Weise hat Kraft“ d. i. Boas „und ein Mann des Wissens befestigt seine Kraft,“ weil er über seine Leidenschaft durch einen Schwur Herr wurde. Oder: „Nach der Weise des Landes Aegypten.“ Das steht auch Hi. 24, 15: „Das Auge des Ehebrechers wartet auf die Dämmerung, denkend, mich soll kein Auge erblicken und eine Hülle legt er auf sein Antlitz.“ Resch Lakisch sagte: Damit du nicht sprichst: Nur der, welcher mit seinem Leibe die Ehe bricht, heisst ein Ehebrecher, sondern auch der, der mit seinen Augen die Ehe bricht, heisst ein Ehebrecher, wie es hier heisst: „Und das Auge des Ehebrechers.“ Dieser Ehebrecher sitzt und wartet, wenn die Dämmerung kommt, wenn der Abend kommt, wie es heisst Prov. 7, 9: „In der Dämmerung, am Abend des Tages,“ er weiss aber nicht, dass einer im Verborgenen der Welt sitzt d. i. Gott, welcher alle Linien (Züge) von ihm in seiner Aehnlichkeit (an dem Kinde) zeichnet, um ihn der Welt bekannt zu geben, was auch Hi. 10, 3 sagt: „Ist es dir gut, wenn du unterdrückst?“ Dieser Ehemann ernährt und unterhält sie und er zeichnet die Linien (Züge) von ihm in der Aehnlichkeit ■eines anderen (Mannes); jedoch „wenn du verachtest das Werk deiner Hände,“ nachdem du dich bemüht hast volle vierzig Tage (d. i. die Zeit der Bildung des Kindes), kehrst du um und verdirbst es wieder, allein das.: „auf den Rath der Frevler strahlst du,“ so ist es deine Ehre, zu stehen zwischen dem Ehebrecher und der Ehebrecherin. Darauf antwortete ihm Gott: Hiob, du bist würdig, mich zu besänftigen, allein es sei, wie du gesprochen hast, das. V. 4: „Du hast nur Augen von Fleisch.“ Gott sprach nämlich: Siehe, ich zeichne alle Linien (Züge) von ihm in der Aehnlichkeit seines Vaters (des Vaters des Kindes), um ihn der Welt bekannt zu machen. Gleich dem Schüler •eines Töpfers (Bildners), sagte R. Levi, welcher Töpfermassen stahl und sein Meister kam auf seinen Diebstahl. Was that er? Er machte ein Gefäss daraus (aus dem entwendeten Thon) und hing es an sein Antlitz. Und das alles warum? Um kund zu thun, dass sein Meister auf seinen Diebstahl gekommen sei. So sprach Gott: Siehe, ich bilde alle Züge von ihm in seiner Aehnlichkeit, um ihn der Welt bekannt zu machen. R. Jehuda bar Simon im Namen des R. Levi ben Parta sagte: Es steht geschrieben Deut. 32,18: „Den Bildner, der dich gezeugt, verliessest du“ d. i. du hast die Kraft des Bildners geschwächt (ausser Acht gelassen). Gleich einem Maler, welcher sass und das Bildniss des Königs zeichnete, als er es vollendet hatte, kam man und meldete ihm: Der König hat gewechselt (d. i. der alte ist gestorben und ein anderer hat die Regierung erhalten); sofort wurden die Hände des Malers schwach und er sprach: Wen soll ich nun malen, den ersten oder den zweiten? (So verhält es sich auch hier). Während. der 40 Tage ist Gott mit. der Bildung iöo Par. XXIV. Cap. XIX, 3. des Kindes beschäftigt, am Ende der 40 Tage geht sie aber und besudelt sich mit einem anderen, da sinken (werden schlaff) die Hände des Bildners und er spricht: Wessen Bildniss soll ich nun machen, das des ersten oder das des zweiten? Das soll nun hier gesagt sein: „Den Bildner, der dich gezeugt hat, hast du ermattet“ d. i. du hast die Kraft des Bildners ermattet und auf einen andern gelenkt. Die Jod (■') in dem Worte -min ist klein und es giebt in der Schrift nicht seines Gleichen. R. Jizchak sagte: Wir finden: alle, die Sträfliches begehen (haben Gewinn), der Dieb hat Gewinn und der Bestohlene erleidet Schaden, der Räuber hat Gewinn und der Beraubte erleidet Schaden, aber hier (bei der Wollust) haben beide den Genuss und wer hat den Schaden? Gott vernichtet seine Zeichen (nämlich die des Kindes). R. Menasja, der Enkel des R. Josua ben Levi, sagte: Wir finden, dass derjenige, welcher etwas Schändliches sieht und sein Auge nicht daran weidet, so glücklich ist, das Antlitz der Schechina zu empfangen, wie es heisst Jes. 33, 15: „Wer seine Augen verschliesst, um das Böse nicht zu sehen.“ Was folgt darauf? V. 17: „Den König in seiner Schönheit schauen deine Augen, sie sehen fernes Land.“ .mn trizinp “no Parascha XXIV. Cap. XIX. V. 2. „Ihr sollt heilig sein.“ Das steht auch Jes. 5, 6: „Erhaben zeigt sich der Ewige Zebaoth im Gerichte.“ R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Wann erscheint der Name Gottes gross in seiner Welt? Wenn er Strafgerechtigkeit an den Frevlern übt. Dafür giebt es viele Schriftstellen, 1) Ezech. 38, 23: „Ich werde gross, ich werde heilig und bekannt werden vor den Augen vieler Völker, dass sie erkennen, dass ich der Ewige bin;“ 2) Ps. 9, 17: „Bekannt ist der Ewige, wenn er Gericht übt;“ 3) Ex. 8, 1: (Gott sagte zu Pharao:) „Diesmal werde ich meine Macht und meine Stärke ihnen kund thun;“ Mich. 6, 5: „Auf dass du erkennest des Ewigen Gerechtigkeit.“ Und das Gericht, (das erhellt aus den Worten:) „Und erhaben zeigt sich der Ewige Zebaoth im Gericht.“ R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: Es heisst Ps. 92, 9: „Du bist immer erhaben, Ewiger“ d. i. deine Hand bleibt immer in der Höhe. Gewöhnlich wenn ein König von Fleisch und Blut zu Gericht sitzt, so preist ihn das ganze Volk, wenn er Freisprechung ertheilt, wenn er aber verurtheilt (Strafe verhängt), so preist ihn kein Geschöpf.*) Warum nicht? Weil man annimmt, es walte Uebereilung in seinem Gerichte; aber bei Gott ist es nicht so, er mag belohnen oder bestrafen, „so bist du immer erhaben, Ewiger“ d. i. deine Hand ist immer in der Höhe. R. Huna im Namen des *) Vergl. Jerusch. Berach. IX, fol. 14h. ' jr Par. XXIV. Cap. XIX, 2 . x 6i R. Acha sagte: Es heisst Ps. ioi, i: „Ein Psalm von David, Gnade und Gerechtigkeit will ich singen, dir, Ewiger, will ich spielen.“ David sprach vor Gott: Wenn du mir, Herr der Welt, Güte erzeigst, so will ich singen d. i. es mag so oder so sein, (unter allen Umständen) will ich dir, Ewiger, spielen. Tanchum bar R. Judan sagte: Es heisst Ps. 56, n: „Gottes rühm’ ich mich, des Wortes des Ewigen rühm’ ich mich, des Wortes“ d. i. es mag so oder so sein, so rühm’ ich sein Wort. Die Rabbinen sagten: Es heisst Ps. 116, 3. 4: „Noth und Kummer ich traf, doch des Ewigen Namen will ich anrufen;“ V. 13: „den Kelch des Heils will ich emporheben“ d. i. es mag so oder so sein, so will ich den Namen Gottes anrufen. R. Judan bar Pilai verweist auf das, was Hiob sagt Hi. 1, 21: „Der Ewige hat gegeben, der Ewige hat genommen, der Name des Ewigen sei gepriesen!“ d. i. er mag gegeben d. i. mit Barmherzigkeit gegeben, oder genommen d. i. mit Barmherzigkeit genommen haben, so preise ich ihn; und nicht nur das, sondern als er gab, hatte er sich mit keinem Geschöpfe berathen, wohl aber als er nahm, da berieth er sich mit seinem Gerichtshöfe. R. Eleasar sagte: Ueberall, wo du findest: und der Ewige, da ist er und sein Gerichtshof zu verstehen. Der Hauptbeweis von allen ist I Reg. 22, 23: „Und der Ewige hat Böses über dich verhängt.“ R. Judan sagte: Es heisst: „Und du bist erhaben“ d. i. erhaben zeigst du dich in deiner Welt. Du hast die Priesterwürde an Aaron auf ewige Zeiten verliehen, ein Salzbund ist es, und du hast die Herrschaft an David gegeben auf immer, wie es heisst 2 Chron. 13, 5: „Ist euch nicht zu wissen, dass der Ewige, der Gott Israels, das Königthum über Israel David gegeben ewiglich, ihm und seinen Söhnen, durch einen Salzbund?“ Du hast die Heiligkeit an Israel gegeben für immer, wie es hier heisst: „Ihr sollt heilig sein.“ Oder: „Ihr sollt heilig sein.“ In Verbindung mit Ps. 20, 3: „Er sendet deine Hilfe aus dem Heiligthum.“ R. Berachja erzählt im Namen des R. Simeon: Ein Landmann (ein Dörfler), Abba Josse, ein Mann von Zithor, sass und lernte am Rande einer Quelle. Da erschien ihm der Geist (der Dämon des Ortes), der dort hauste und sprach zu ihm: Ihr wisst, wie viele Jahre ich hier bereits hause, und ihr kommt und eure Weiber Abends und Mittags heraus und ihr seid nicht beschädigt worden. Nun wisst aber, dass ein böser Geist hier an meiner Stelle seinen Wohnsitz aufschlagen und den Leuten Schaden zufügen will. Da sprach der Mann: Was sollen wir thun (dass er nicht komme)? Da antwortete er: Geh und warne die Einwohner und sage ihnen: Wer einen Schlägel (Hammer), wer ein Grabscheit oder wer eine Schaufel hat, soll morgen herauskommen bei Anbruch des Tages und die Oberfläche des Wassers betrachten, und wenn sie einen Wasserstrudel sehen, so sollen sie darauf mit den eisernen Werkzeugen schlagen und ausrufen: Der Unsrige hat gesiegt! der Unsrige hat gesiegt! und sie sollen nicht eher fortgehen, bis sie geronnenes Blut auf dem Wasser erblicken. Wünsche, Midrasch Wajikra. II IÖ2 Par. XXIV. Cap. XIX, 2. Der Mann ging und warnte die Leute der Stadt und sprach zu ihnen: Wer einen Schlägel, wer ein Grabscheit, wer eine Schaufel hat u. s. w. Sie gingen am Morgen bei Tagesanbruch heraus und beobachteten die Oberfläche des Wassers, und als sie einen Wasserstrudel sahen, schlugen sie mit den eisernen Werkzeugen darauf und riefen: Der Unsrige hat gesiegt! der Unsrige hat gesiegt! Sie gingen nicht eher von dort hinweg, bis sie geronnenes Blut auf dem Wasser sahen. Wenn nun schon die Geister, die doch nicht des Beistandes wegen erschaffen sind, des Beistandes bedürfen, um wie viel mehr wir, die wir zum Beistände erschaffen sind! Das sagt nun der heilige Sänger: ,,Er sendet deine Hilfe vom Heiligthume.“ Oder: „Er sendet deine Hilfe vom Heiligthume.“ R. Levi sagte: Alles Gute, alle Segnungen, alle Tröstungen, die Gott einst wird den Israeliten zu Theil werden lassen, gehen nur von Zion aus. Das Heil kommt von Zion, wie es heisst Ps. 14, 7: „O käm’ aus Zion Heil über Israel,“ die Macht kommt von Zion, wie es heisst das. 110, 2: „Den Stab deiner Macht sendet der Ewige aus von Zion,“ der Segen kommt von Zion, wie es heisst das. 134, 3: „Der Ewige wird dich segnen von Zion,“ der Posaunenschall (Schophar) geht von Zion aus, wie es heisst Joel 2, 1: „Stosst in die Posaune zu Zion,“ der Thau, der Segen und das Leben gehen von Zion aus, wie es heisst Ps. 133, 3: „Wie der Thau Hermons, der von Zions Bergen herabkommt;“ die Lehre (Thora) geht von Zion aus, wie es heisst Jes. 2, 3: „Denn von Zion geht die Lehre (Thora) aus;“ die Hilfe und der Beistand gehen von Zion aus, wie es heisst: „Er sendet deine Hilfe vom Heiligthume“ d. i. durch deine heiligen Werke kommt dir Hilfe; „und von Zion unterstützt er dich“ d. i. von Zion gehen deine heiligen Werke aus. Gott sprach zu Mose: Geh und sage den Israeliten: Meine Kinder! wie ich enthaltsam bin, so sollt auch ihr enthaltsam sein, wie ich heilig bin, so sollt auch ihr heilig sein. Das wollen die Worte sagen: „Ihr sollt heilig sein.“ R. Chija hat gelehrt: Dieser Abschnitt wird darum in der Versammlung vorgetragen, weil davon die meisten wesentlichen Lehren abhängen. R. Levi sagte: Weil die zehn Gebote darin enthalten sind. „Ich bin der Ewige, dein Gott“ und hier heisst es: „Ich der Ewige, euer Gott,“ „du sollst keine fremden Götter haben,“ hier heisst es: „Götter aus Gegossenem sollt ihr euch nicht machen,“ „du sollst meinen Namen nicht vergeblich aussprechen,“ hier heisst es: „Ihr sollt bei meinem Namen nicht falsch schwören,“ „gedenke des Sabbaths, ihn zu heiligen,“ hier heisst es: „Meine Sabbathe sollt ihr beobachten,“ „ehre deinen Vater und deine Mutter,“ hier heisst es: „Ein jeder ehrfürchte seine Mutter und seinen Vater,“ „Du sollst nicht morden,“ hier heisst es: „Stehe nicht nach dem Blute deines Nächsten,“ „du sollst nicht ehebrechen,“ hier heisst es: „Getödtet soll werden der Ehebrecher und die Ehebrecherin,“ „du sollst nicht stehlen,“ hier heisst es: „Ihr sollt nicht stehlen,“ „du sollst nicht falsches Zeugniss reden,“ hier heisst es: „Du sollst Par. XXIV. Cap. XIX, 2. 163 nicht umhergehen als Verläumder,“ „lass dich nicht gelüsten,“ hier heisst es: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ R. Judan sagte im Namen des Simeon ben Jochai: Unser Lehrer Mose hat uns drei Abschnitte (Kapitel) in der Thora geschrieben, von welchen jeder sechzig Gebote enthält, es sind: Der Abschnitt vom Pesachopfer, der Abschnitt von den Schäden und der Abschnitt von der Heilighaltung. R. Levi sagte im Namen des R. Schila vom Datteldorfe: Jeder dieser Abschnitte enthält siebzig Vorschriften. R. Tanchuma sagte: Es besteht keine Meinungsverschiedenheit, denn wer in dem Abschnitte vom Pesachopfer siebzig findet, zählt hinzu den Abschnitt, welcher von den Thephillin handelt, und wer in dem Abschnitte von den Schäden siebzig findet, zählt hinzu den Abschnitt von der Schemita (vom Erlassjahr), und wer in dem Abschnitte über die Heilighaltung siebzig Vorschriften findet, nimmt dazu den Abschnitt über Unzucht. R. Jehuda ben Pasi sagte: Warum ist der Abschnitt über die Unzucht angeschlossen an den Abschnitt über die Heilighaltung? Um dir zu lehren, dass überall, wo du Enthaltung von der Unzucht findest, du auch Heiligkeit findest. Das ist das, was R. Jehuda ben Pasi anderweit gesagt hat: Wer sich selbst von der Unzucht scheidet (fernhält), heisst ein Heiliger. R. Josua ben Levi beweist es von der Sunemitin. So heisst es z Reg. 4, 9: „Und sie sprach zu ihrem Manne: Siehe, ich weiss, dass er ein Mann Gottes, ein Heiliger ist“ d. i. wie R. Jona bemerkt, er ist wohl ein Heiliger, aber nicht seine Diener sind heilig, wie es heisst das. V. 27: „Gechasi trat hin, um sie wegzustossen.“ R. Jose bar Chanina sagte: Er stiess an den Glanz ihrer Schönheit, an ihre Brüste. R. Ibun sagte: Daraus geht hervor, dass er (Elisa) sie sein Lebtag nie angeblickt hatte, (weil sie sagte: er ist ein Heiliger). Die Rabbinen sagten: Weil sie keine Spuren von Samenerguss jemals an seinem Unterkleid gesehen. Die Magd des R. Ismael bar Rab Jizchak sagte: Ich habe das Bett meines Herrn bedient {überzogen) und nie etwas Garstiges am Bette meines Herrn gesehen. R. Josua ben Levi sagte: Warum ist der Abschnitt von der Unzucht an den Abschnitt von der Heilighaltung angelehnt worden? Um dir zu lehren, dass überall, wo du Enthaltung von Unzucht findest, du auch Heiligkeit findest. Dafür giebt es viele Schriftstellen. Der Hohepriester soll nicht nehmen eine Buhlerin und eine Geschändete, denn er soll sich heilig halten, weil er das Brot deines Gottes darbringt. Er eheliche nicht eine Wittwe, eine Geschiedene, eine Geschändete, eine Buhlerin u. s. w., damit er seinen Samen (seine Nachkommen) nicht schände. Und endlich hier: „Rede zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israels“ u. s. w. R. Judan im Namen des R. Samuel bar Nachman führte dieses Beispiel an. Gleich einem König, der eine Hülle hatte und seinem Diener befahl: Schüttle sie aus (klopfe den Staub aus ihr) und lege sie sorgfältig in Falten, habe überhaupt Acht auf sie. Sein Diener sprach: In Betreff aller deiner übrigen Hüllen ertheilst du mir nicht 11* 164 Par. XXIV. Cap. XIX, 2. solche Befehle wie über diese. Der König erwiederte: Weil diese fest an meinem Körper sitzt.*) R. Samuel bar Nachman sagte: Gleich einem Hohenpriester, welcher einmal unterwegs war und es traf ihn ein Ungeweihter. Ich will mit dir gehen, sprach er zu dem Hohenpriester. Mein Sohn, antwortete derselbe, ich bin ein Priester und muss auf reinem Wege gehen, ich darf nicht zwischen Gräbern gehen, willst du mit mir gehen, gut, wenn nicht, so werde ich dich endlich doch verlassen und einen andern Weg nehmen müssen. Ebenso sprach Mose zu den Israeliten Deut. 23, 14: „Denn der Ewige, dein Gott, wandelt in der Mitte deines Lagers, um dich zu retten.“ Was heisst Zwei Amoräer sind darüber verschiedener Meinung. Der eine sagte, um dich zu beschatten (zu beschützen, eig. um zu sein ein Schatten auf seinem Haupte); der andere sagte: um alle Güter der Völker zu leeren (nehmen) und dir zu geben vergl. Ex. 3, 22: „Und ihr sollt die Aegypter entleeren.“ Um so mehr soll dein Lager heilig sein und nicht etwas Schändliches (eine schändliche Sache) an dir gesehen werden. R. Ismael bar Nachman sagte: Es ist ein schändlicher Mund. R. Abun sagte zweierlei: 1) Gleich einem König, welcher einen Keller mit Wein hatte, wohin er Wächter setzte, welche theils Nasiräer, theils Trunkenbolde waren. Zur Abendzeit, als er kam, um ihnen den Lohn zu zahlen, gab er den Trunkenbolden den doppelten (eig. zwei Theile), den Nasiräern dagegen nur den einfachen Lohn (einen Theil). Da sprachen sie: Unser Herr König! haben wir nicht alle zumal den Wachdienst versehen, warum giebst du jenen den doppelten Lohn (zwei Theile) und uns nur den einfachen (einen Theil)? Der König antwortete ihnen: Weil die Trunkenbolde (eig. diese sind Trunkenbolde und es ist ihre Weise} Wein zu trinken pflegen, darum gebe ich ihnen den doppelten Lohn (zwei Theile) und euch nur den einfachen Lohn (einen Theil). So verhält es sich auch bei den oberen Geistern, weil bei ihnen kein böser Trieb (keine Leidenschaft) gefunden wird, so steht das Wort „Heiligkeit“ nur einmal, wie es heisst Dan. 4, 14: „Und das Gebot der Heiligen ist dieses (diese Sache),“ bei den unteren Geistern (Menschen) dagegen, weil der böse Trieb in ihnen schaltet (herrscht), steht das Wort heilig (mffinp) zweimal, wie es heisst: „Rede zu der ganzen Gemeinde der Kinder Israels;“ es heisst: „dass ihr euch heilig haltet und ihr sollt heilig sein.“ R. Abin führte noch ein Gleichniss an. Gleich den Bewohnern einer Stadt, welche drei Kronen dem König gespendet hatten. Was that der König? Er setzte sich die eine auf sein eigenes Haupt und die zwei andern auf das Haupt seiner Kinder. So verleihen auch die Oberen (Geister) an jedem Tage Gott drei Heiligkeiten (Keduschoth s. Jes. 6, 3). Was thut Gott? Er setzt eine Heiligkeit auf sein Haupt, die zwei andern aber auf das Haupt Israels. Darum heisst es hier: „Rede *) Vergl. Pesilr. Schekal. 15 t (Buber), Par. XXIV. XXV. Cap. XIX, 2. 23. 165 zu der ganzen Gemeinde, zu den Kindern Israels, ihr sollt heilig sein, ihr sollt euch heilig halten, so werdet ihr heilig sein.“*) R. Simeon ben Lakisch sagte: Mose hat uns zwei Abschnitte in der Thora geschrieben, welche wir aus dem Abschnitte erst lernen, der von dem ruchlosen Pharao handelt. In einem Abschnitte heisst es Deut. 28, 13: „Und du bist nur oben.“ Nun könnte man glauben, sowie ich? Darum steht das Wort 'p'-i, was exclusive Bedeutung hat: Meine Grösse überragt eure Grösse. Und das lernen wir auch von dem ruchlosen Pharao, welcher zu Joseph sagte Gen. 41, 40: „Du sollst über mein Haus sein.“ Da könnte man glauben, sowie ich? Darum folgt: „Nur was den Thron betrifft p^i) will ich grösser sein als du. Meine Grösse überragt deine Grösse. (Und so auch hier.) Es heisst: „Ihr sollt heilig sein.“ Da könnte man glauben sowie ich? Darum folgen darauf die Worte: Denn ich bin heilig. Meine Heiligkeit überragt eure Heiligkeit. Ferner lernen wir noch von dem ruchlosen Pharao, wie es heisst das. V. 44: „Und Pharao sprach zu Joseph: ich bin Pharao.“ Nun könnte man glauben, dass er soviel wie ich sein sollte? Darum heisst es: Ich bin Pharao, meine Grösse übersteigt deine Grösse. Von dem ich“ von Fleisch und Blut (des Menschen), sagte R. Josua im Namen des R. Levi, kannst du lernen die Bedeutung des 'DN Gottes. Wie das iJN von Fleisch und Blut dadurch, dass Pharao zu Joseph sagte: „ich bin Pharao,“ zu all der Ehre gelangte, um wieviel mehr, wenn das itN Gottes kommt und sagt: Bis zum Alter bin ich es! Es heisst Jes. 44, 6: „So spricht der Ewige, der König von Israel und sein Erlöser: ich bin der Erste und ich bin der Letzte und ausser mir ist kein Gott“ (eine um wie viel grössere Ehre haben die Heiligen zu erwarten)! Parascha XXV. Cap. XIX. V. 23. „Und so ihr in das Land kommt und allerlei essbare Bäume pflanzet. In Verbindung mit Prov. 3, 18: „Ein Baum des Lebens ist sie denen, die daran halten.“ R. Huna im Namen des R. Acha sagte: Die Worte der Thora sollen nicht in deinen Augen sein, wie ein Mensch, der eine mannbare Tochter hat, die er gern verheirathen möchte, sondern s. das. 2, 1: „Mein Sohn, wenn du meine Rede annimmst und meine Gebote bei dir bewahrest“ d. i. wenn du Tugend besitzest, so nimm meine Lehren an. Gleich einem König, führte R. Huna im Namen des R. Benjamin ben Levi als Beispiel an, welcher zu seinem Sohn sprach: Geh zu Geschäften aus! Vater! antwortete er, ich fürchte mich vor Räubern auf dem Landwege und auf der See vor Piraten *) Gott will also, dass Israel zweimal heilig sein soll, er aber ist «inmal heilig. i66 Par. XXV. Cap. XIX, 23. (Seeräubern). Was that sein Vater? Er nahm einen Stock, höhlte ihn aus und legte darein ein Amulett und gab ihn seinem Sohne mit den Worten: Es sei dieser Stab in deiner Hand, vor wem brauchst du dich zu fürchten? Ebenso sprach Gott zu Mose: Sage den Israeliten: Meine Kinder! beschäftigt euch mit der Thora, so braucht ihr euch vor keiner Nation zu fürchten. Wenn es oben hiesse: Sie ist ein Lebensbaum denen, die sich mit ihr bemühen, so würde es für die Feinde Israels keinen Bestand geben, allein es steht: Die an ihr halten. Ebenso: Wenn es hiesse, sie ist ein Lebensbaum für die, die sie lernen, so würde es für die Feinde Israels keinen Bestand geben, allein es heisst Deut. 27, 26: „Wer alle diese Worte der Thora nicht hält.“ Darum heisst es auch hier: „Sie ist ein Lebensbaum für die, die an ihr halten.“ R. Huna sagte: Wenn ein Mensch gestrauchelt ist in einer Sünde, so hat er sich des Todes durch den Himmel schuldig gemacht, was soll er thun, damit er das Leben erhalte? Wenn er gewöhnt war, (täglich) nur ein Blatt (eine Columne) zu lesen, so soll er fortan zwei Blätter (Columnen) lesen; oder wenn er gewöhnt war, nur einen Abschnitt in der Mischna zu lernen, so soll er fortan zwei Abschnitte lernen; oder wenn er aber weder die Bibel zu lesen, noch die Mischna zu lernen gewöhnt war, was soll er nun thun, damit er das Leben erhalte? Er gehe und werde ein Gemeindevorsteher, oder ein Almoseneinnehmer und er wird leben. Wenn es hiesse: Verflucht sei der, welcher nicht lernt, so gäbe es keinen Bestand, allein es heisst: Verflucht sei der, welcher nicht hält. Wenn es hiesse: Ein Lebensbaum ist sie für diejenigen, welche sich mit ihr bemühen, so wäre kein Bestand, allein es heisst: „Ein Lebensbaum ist sie für diejenigen, welche an ihr halten.“ Es heisst Koh. 7, 12: „Im Schatten der Weisheit ist im Schatten des Silbers.“ R. Acha sagte im Namen des R. Tanchum bar R. Chija: Hat ein Mensch gelernt, gelehrt, beobachtet und geübt und es ist noch zweifelhaft, ob er (dem Bösen), wo es galt, ihm zu wehren, nicht gewehrt hat, und ob er (das Gute), wo es galt, es zu unterstützen, nicht unterstützt hat, siehe, so gehört er in die Allgemeinheit (Kategorie) des Fluches, wie es heisst: „Verflucht sei der, welcher nicht hält.“ R. Jeremja sagte im Namen des R. Chija: Hat der Mensch nicht gelernt, nicht ausgeübt, nicht beobachtet, nicht andern gelehrt, es ist aber zweifellos, dass er das Gute, wo es galt, es zu unterstützen, unterstützt hat und dass er das Böse, wo es galt, ihm nicht zu wehren, gewehrt hat, siehe auch der gehört in die Kategorie des Fluches. R. Huna und R.. Jeremja sagten im Namen des R. Chija bar Abba: Einst wird Gott Schatten und Hütten bereiten für die Pflichtübenden neben den Gottesgelehrten im Gan Eden, was sich aus drei Schriftstellen erweisen lässt: 1) aqs Koh. 7, 12: „Im Schatten der Weisheit ist im Schatten des Silbers;“ 2) aus Jes. 56, 2: „Heil dem Manne, der dieses thut;“ 3) aus Prov. 3, 18: „Sie ist ein Lebensbaum für diejenigen, die an ihr halten.“ Simeon, der Bruder Par. XXV. Cap. XIX, 23. 167 Asarjas, sagte in dessen Namen: War nicht Simeon grösser als Asarja? Allein weil Asarja Handelsgeschäfte trieb und den Ertrag mit seinem Bruder Simeon theilte (eig. und in den Mund des Simeon legte), deshalb wird die Halacha nach seinem Namen genannt vergl. Deut. 33, 18: „Und zu Sebulon sprach er (Mose): Freue dich, Se- bulon, bei deinem Ausgange, Issaschar in deinen Zelten.“ War nicht Issaschar grösser als Sebulon? Allein weil Sebulon Seereisen machte (eig. sich vom bewohnten Lande trennte), Handelsgeschäfte trieb und Issaschar den Gewinn brachte, so giebt er ihm den Lohn für seine Mühe. Deshalb wird der Vers nach seinem Namen benannt, wie es heisst: „Freue dich, Sebulon, bei deinem Ausgange und Issaschar in deinen Zelten.“ R. Tanchuma sagte: Wer eine Reise antritt und sich nicht auf Krieg gefasst macht (eig. sein Herz nicht auf den Krieg richtet), geräth zuletzt hinein. Aber die vom Stamme Sebulon zogen unter allen Umständen (eig. sie mochten ihr Herz darauf richten oder nicht darauf richten) in den Krieg und siegten, wie es heisst 1 Chron. 12, 33: „Von Sebulon, die auszogen im Heere, gerüstet zum Streite mit allen Kriegswaffen, einmüthigen Herzens.“ Was heisst: cibi ab Nbn? Sie zogen unter allen Umständen aus (eig. sie mochten ihr Herz darauf richten oder nicht) und siegten. R. Jehuda ben Pasi trug vor: Wer wälzt den Staub von deinen Augen (d. i. bist du blind)? Der erste Mensch konnte nicht einmal eine Stunde in deinem Gebote bestehen, und siehe, deine Kinder warten drei Jahre auf die Orla. R. Huna sagte: Als Bar Kapra das hörte, sagte er: R. Jehuda, meiner Schwester Sohn, hat gut vorgetragen. Das soll nun hier mit den Worten gesagt sein Lev. 19, 23: „So ihr in das Land kommt und allerlei essbare Bäume pflanzet.“ R. Jehuda bar R. Simon begann seinen Vortrag mit Deut. 13, 4: „Nach dem Ewigen, eurem Gotte, sollt ihr wandeln.“ Kann denn Fleisch und Blut (der Mensch) hinter (nach) Gott gehen, von dem es heisst Ps. 77, 20: „Im Meere ist dein Weg, dein Pfad in grossen Gewässern“ und es heisst: „Nach dem Ewigen, eurem Gott, sollt ihr wandeln und ihm anhängen?“ Ist es denn Fleisch und Blut möglich, in den Himmel zu steigen und an die Schechina sich an- zuschliessen, von der es doch heisst Deut. 4, 24: „Denn der Ewige, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer?“ Ferner heisst es Dan. 7, 9: „Und sein Thron Feuerflammen,“ ebenso Dan. 7, 10: „Ein Feuerstrom floss und ging von ihm aus,“ und es heisst: „ihm sollt ihr anhängen?“ Allein vom Anfänge der Schöpfung der Welt war Gott nur mit Pflanzen beschäftigt, wie es heisst Gen. 2, 8: „Der Ewige, Gott, pflanzte einen Garten in Eden.“ So sollt auch ihr, wenn ihr in das (verheissene) Land kommt, euch zuerst mit nichts anderem als mit Pflanzen beschäftigen, wie es heisst: „So ihr in das Land kommt“ u. s. w. R. Josua von Sichnin begann im Namen des R. Levi mit Koh. 2, 4. 5: „Ich habe meine Werke gross gemacht, habe mir i68 Par. XXV. Cap. XIX, 23. Häuser gebaut und Weinberge gepflanzt.“ Da sprach Gott zu Mose: Gehe und sage den Altvätern: Ich habe Grosses mit euren Kindern gethan, alles, was ich mit euch vereinbart habe, ich habe mir Häuser gebaut, wie es heisst Deut. 6, n: „Häuser, voll mit allem Guten;“ ich habe mir Weinberge gepflanzt, wie es heisst das.: „Wein- und Oelberge, die du nicht gepflanzt.“ Koh. 2, 6: „Ich habe mir Teiche gemacht,“ wie es heisst Nech. g, 25: „Ausgehauene Brunnen.“ Es heisst Koh. 2, 7: „Quellen und Tiefen, um damit den Wald zu tränken, der aufwuchs in Bäumen.“ R. Levi sagte: Selbst an Rohr zu Pfeilen fehlte es im israelitischen Lande nicht. „Ich habe mir Gärten und Parkanlagen gemacht“ s. Deut. 8, 8: „Ein Land voll Weizen und Gerste.“ „Ich habe dahin gepflanzt allerlei Fruchtbäume,“ wie es hier heisst: „Wenn ihr in das Land kommt und pflanzet.“ Es heisst Hiob 38, 36: „Wer hat in dies Geheime Weisheit gelegt?“ Was heisst mmtas? tmuin, im Geheimen (Innern). Das.: „Oder wer gab dem Hahn (■'■Dtob) den Verstand?“ Das ist der Hahn. R. Levi sagte: Im Arabischen wird der Hahn to-üö genannt.*) Die Henne nämlich, wenn ihre Jungen klein sind, sammelt dieselben, nimmt sie unter ihre Flügel und wärmt sie und wühlt für sie im Schmutze, wenn sie aber gross geworden sind, und eins von ihnen sich ihr nahen will, so pickt sie ihm auf den Kopf und spricht zu ihm: Geh und suche in deinem Mist. So auch, als die Israeliten in der Wüste vierzig Jahre lang wanderten, da fiel das Manna herab, der Brunnen stieg für sie auf, es fanden sich für sie Wachteln, das Gewölk der Herrlichkeit umgab sie und die Wolkensäule zog vor ihnen her; als sie aber in das verheissene Land gekommen waren, sprach Mose zu ihnen: Jeder von euch nehme eine Hacke auf die Schulter, gehe hinaus und pflanze sich verschiedene Pflanzungen. Das ist nun hier gesagt: „So ihr in das Land kommt, so pflanzet.“ Hadrian, dessen Gebeine zermalmt werden mögen! lustwandelte einst auf den Pfaden von Tiberias und sah da einen alten Mann, welcher dastand und Gräben aushaute, um Pflanzen einzusetzen. Alter, Alter! sprach er zu ihm, wenn du früh gearbeitet hast, arbeite nicht noch abends. Ich arbeite früh und ich arbeite abends und was dem Herrn des Himmels gut dünkt, das mag geschehen. Bei deinem Leben, Alter! fragte Hadrian, wie viele Jahre bist du heute alt? Hundert Jahr, war die Antwort. Du bist schon hundert Jahr alt, fuhr Hadrian fort, und stehst noch da und haust Gräben aus, um Pflanzen einzusetzen, glaubst du denn, dass du davon noch essen wirst? Wenn ich es würdig bin, so werde ich davon essen, wo nicht, wie meine Eltern für mich gearbeitet haben, so *) S. Jer. Beracli IX, 1 g. E.: «'11D HbvJJlftb J'miä *nm, in Rom nennt man den Hahn «'HDD (eig. wohl Seher), weil er den Tag ankündigt vergl. Rosch. hasch, fol. 26 a . Oben Par. 1 dieses Midrasch dagegen heisst es: In Arabien heisst man den Propheten Sachja (Seher). Par. XXV. Cap. XIX. 23. 169 arbeite ich für meine Kinder. Bei deinem Leben! versetzte Hadrian, solltest du noch das Glück haben, davon zu essen, so lass es mich wissen. Nach einiger Zeit trugen die Bäume Feigen. Da dachte er, jetzt ist es Zeit, dass ich es dem Könige kund thue. Was that er? Er füllte einen Korb mit Feigen, ging hinauf und stellte sich an das Thor des Palastes. Was ist dein Anliegen? fragten ihn die Wächter. Er sprach zu ihnen: Führt mich vor den König! Als er eingetreten war, fragte ihn der König: Was ist dein Anliegen? Ich bin der Alte, gab er zur Antwort, an dem du vorbeigegangen bist, als ich Gräben aushaute, um Pflanzen einzusetzen. Du sagtest mir damals: Wenn du so glücklich bist und noch davon issest, so lass mich es wissen. Siehe, ich bin so glücklich gewesen und habe davon gegessen, hier diese Feigen sind von ihren Früchten. Hadrian gab sogleich den Befehl, dass man ihm einen mit Gold gezierten Stuhl reiche und er sich darauf setze, ausserdem befahl er, dass man seinen Korb mit Denaren fülle. Wie, sprachen seine Diener, all diese Ehre soll dem alten Juden geschehen? Sein Schöpfer ehrt ihn, antwortete Hadrian, soll ich ihn nicht ehren? Die Nachbarin des alten Mannes war ein niedriges (zerlumptes) Weib. Sie sprach zu ihrem .Manne: Du Narr (eig. du Sohn der Finsterniss)! sieh nur, wie sehr der König die Feigen liebt, er bezahlt (vertauscht) sie mit Denaren. Was that er? Er füllte einen Korb mit Feigen, ging und stellte sich vor den Palast. Man fragte ihn: Was ist dein Anliegen? Ich habe gehört, gab er zur Antwort, dass der König die Feigen sehr liebt und mit Denaren eintauscht. Sie gingen hinein und meldeten dem König: Ein Alter steht am Thore des Palastes und trägt einen Korb voll Feigen. Er sprach zu ihm: Was ist dein Anliegen? Ich habe gehört, versetzte er, dass der König die Feigen liebt und sie mit Denaren ein tauscht. Der König befahl, dass man ihn vor das Thor des Palastes setze und jeder Aus- und Eingehende ihn mit seinen Feigen in’s Gesicht werfen solle. Am Abend wandte er sich von da weg und ging nach Hause und erzählte seinem Weibe: Alles, was mir begegnet ist, habe ich dir zu danken. Geh, sprach sie zu ihm, schwatze es deiner Mutter vor, (gut) dass es nur Feigen und nicht Ethroge und dass sie reif und nicht unreif waren. R. Huna bar Kapra sagte: Unser Vater Abraham sass und lehrte (trug vor): Vom Baume wird hier Orla (Auswuchs) gesagt und ebenso auch vom Menschen? Sowie Orla bei dem Baume einen Ort bezeichnet, der Früchte bringt, so muss Orla auch beim Menschen ein Ort sein, welcher Früchte bringt. Hat denn aber unser Vater Abraham, fragte R. Chanin ben Pasi, schon solche Schlüsse vom Leichten auf das Schwere*) und von Wort- *) *iaim Sp, Kal Wachomer, eig. Leichtes und Schweres (de majore ad minus und de minore ad majus) ist eine von den dreizehn logischen Normen, wonach in gesetzlicher Beziehung der Schluss vom Leichteren auf das Schwerere und ebenso umgekehrt gezogen wird. Vgl. Levy, Neuhebr. und Chald. WB II, S. 76. 170 Par. XXV. Cap. XIX, 23. analogien*) gemacht? Allein es ist ihm angedeutet worden Gen. 17, 2: „Ich will meinen Bund machen zwischen mir und dir und dich mehren gar sehr,“ folglich an einem Orte, welcher furchtbar sich zeigt. R. Ismael hat gelehrt: Gott wollte das Priesterthum von Sehern ausgehen lassen, wie es heisst das. 14, 18: „Melchizedek, König von Schalem.“ Weil er aber den Segen (das Lob) Abrahams dem Segen Gottes voranstellte, so sprach Abraham zu ihm: Lässt man denn den Segen (das Lob) des Knechtes dem Segen des Herrn vorangehen? Darum entzog ihm Gott das Priesterthum und gab es dem Abraham, wie es heisst Ps. 110, 1: „Ausspruch des Ewigen zu meinem Plerrn,“ und darauf folgt: „Der Ewige hat geschworen und bereut es nicht, du bist Priester auf ewig nach Weise Melchi- zedeks“ d. i. auf Grund des Ausspruchs von Melchizedek. Das steht auch Gen. 14, 19: „Gesegnet sei Abraham dem höchsten Gott, dem Urheber des Himmels und der Erde.“ R. Ismael und R. Akiba. R. Ismael sagt: Abraham war Hoherpriester, er beruft sich auf den Vers: „Der Ewige schwur und bereut es nicht: Du bist Priester auf ewig,“ und es heisst das. 17, n: „Ihr sollt beschnitten werden am Fleische eurer Vorhaut.“ An welchem Orte soll er beschnitten werden? Wird er am Ohre beschnitten, so taucht er nicht mehr zum Altardienste, wird er am Herzen beschnitten, so taucht er nicht mehr zum Altardienste und wenn er am Munde beschnitten wird, so taucht er auch nicht mehr zum Altardienste, wo soll er nun beschnitten werden, dass er für den Altardienst tauglich ist? Folglich betrifft die Vorschrift den Körper. R. Akiba sagt: Es giebt Ora- loth (d. i. das Wort Orla wird von vier verschiedenen Dingen gebraucht), 1) vom Ohre s. Jerem. 6, 10: „Siehe, unbeschnitten ist ihr Ohr;“ 2) vom AJunde s. Ex. 6, 30: (Mose sagte): „ich bin unbeschnitten an Lippen;“ 3) vom Herzen s. Jerem. 9, 30: „Und das ganze Haus Israels ist unbeschnittenen Herzens.“ Und es heisst Gen. 17, 1: „Wandle vor mir und werde vollkommen (a'?3n).“ An welchem Orte soll nun die Beschneidung vollzogen werden? Wird er am Ohre beschnitten, so ist er nicht mehr vollkommen (t'72n), wird er am Munde beschnitten, so ist er auch nicht mehr vollkommen, wo soll er also beschnitten werden, dass er vollkommen bleibt? Folglich betrifft die Orla den Körper. Nagda sagte: Es steht geschrieben Gen. 17, 12: „Im Alter von acht Tagen soll von euch alles Fleisch beschnitten werden.“ Wo soll der Mensch beschnitten werden? Wird er am Ohre beschnitten, so hört er nicht mehr, wird er am Munde beschnitten, so spricht er nicht mehr, wird er am Herzen beschnitten, so kann er nicht mehr denken, wo soll er also beschnitten werden, dass er hörend, sprechend und denkend bleibt? Folglich kann die Orla nur am Leibe geschehen. *) mts> m>U, Gesera schawa ist ein Schluss aus zwei Gesetzstellen mit einem und demselben Worte, indem man die gesetzliche Bestimmung der einen auch auf die andere anwendet. Par. XXV. Cap. XIX, 23. 171 R. Tanchuma sagt: Der Ausspruch Nagdas erhellt daraus, dass es heisst das. 17, 14: „Und ein unbeschnittenes Männliches, das nicht beschnitten worden ist am Fleische seiner Vorhaut“ u. s. w. R. Judan im Namen des R. Jizchak und R. Berachja im Namen des R. Jizchak erklärten, dass R. Jose bar Chalaphtha in Bezug auf diesen Satz: „Ein unbeschnittenes Männliches“ gelehrt habe: Giebt es denn ein unbeschnittenes Weibliches? Allein es handelt sich um die Stelle, woran man sieht und erkennt, ob es ein Männliches oder ob es ein Weibliches ist, da soll die Beschneidung an ihm vollzogen werden. R. Levi bar Sisi erklärte Ezech. 16, 26: „Du buhltest mit den Kindern Aegyptens, deiner Nachbarin, mit grossen Gliedern und häuftest deine Buhlerei mich zu erzürnen.“ Was heisst: lias ■'S“ 3 ? Hat denn einer nur einen Fuss und ein anderer drei? Allein es soll damit angedeutet werden, dass sie alle unbeschnitten waren und zwar in dem Sinne des erwähnten Verses: „Und ein unbeschnittenes Männliches, das nicht am Fleische seiner Vorhaut beschnitten ist.“ Rabbi sagt: Sie waren grosse starke Männer. R. Berachja und R. Samuel bar Nachmani sagten: Es heisst Jos. 5, 3: „Er beschnitt die Israeliten an dem Hügel Araloth (der Vorhäute).“ R. Levi sagte: Das war ein Ort, welcher durch Vorhäute zu einem Hügel angewachsen war s. Cant. 5, 15: „Seine Schenkel sind Marmorsäulen.“ Unter: vpiuj „seine Schenkel“ ist die Welt und unter: ■'TIM" „Marmorsäulen“ ist die Gründung auf die sechs Schöpfungstage zu verstehen, wie es heisst Ex. 20, 11: „Denn in sechs Tagen hat der Ewige gemacht.“ „Gegründet auf Gestellen von Gold“ d. s. die Worte der Thora, von denen es heisst Ps. 19, 11: „Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold.“ Oder unter den Worten: „Gegründet auf Gestellen von Gold“ sind die Abschnitte der Thora zu verstehen, die nach den vorhergehenden und darauffolgenden ausgelegt werden können. Womit sind sie zu vergleichen? R. Huna sagte im Namen des Bar Kapra: Wie eine Säule nach unten eine Basis und ein Capitäl nach oben hat, so können auch die verschiedenen Abschnitte der Thora mit den vorhergehenden oder nachfolgenden ausgelegt werden. Mit den vorhergehenden — es heisst: „Wenn ihr in das Land kommt und allerlei essbare Bäume pflanzet“ und vorher heisst es V. 20: „So ein Mann bei einem Weibe lieget im Beischlaf“ u. s. w. Wie passt eins zum andern? Allein wenn er um ihn gräbt, so ist es ihm um Vermehrung (um Fruchtbarkeit) zu thun, und dadurch, dass er in seinem Hause aus- und eingeht, macht er sich bei seiner Magd verdächtig, er spricht dann: Bin ich nicht ein Sühn- und Schuldopfer zu bringen schuldig? Ich bringe ein Sühn- und ich bringe ein Schujdopfer; denn R. Judan hat im Namen des R. Levi gesagt: Diejenigen, die im Umgänge mit Mägden in dieser Welt sich mehr Freiheit nehmen, als sie sollen, werden einst an den Scheiteln ihrer Häupter aufgehängt werden, wie es heisst Ps. 68, 22: „Ja, er zerschmettert das Haupt seiner Feinde, den Haarscheitel desjenigen, der in seiner Schuld wandelt.“ Was heisst: 172 Par. XXVI. Cap. XXI, I. ViM'i!N2 Alle Leute sagen: Da geht der Mann in seiner Schuld! da geht der Mann in seiner Schuld! Mit dem nachfolgenden, wie es heisst Lev. 19, 23: „Drei Jahre sollen sie euch unbeschnitten bleiben“ und dann folgt V. 26: „Ihr sollt nichts mit Blut essen.“ Wie passt eins zum andern? Gott spricht zu den Israeliten: Du wartest auf die Orla drei Jahre lang, und auf dein Weib kannst du nicht so lange warten, dass sie ihre Menstruation beobachte? Auf die Orla wartest du drei Jahre und bei deinem Vieh kannst du nicht so lange warten, bis das Blut ausgeflossen ist? Wer hat denn die Vorschrift betreffs des Blutes gehalten? Saul s. 1 Sam. 14, 33: „Man berichtete dem Saul: Siehe, das Volk sündigt gegen den Ewigen, indem sie mit Blut essen, und Saul sprach darauf: Zerstreut euch unter das Volk und schlachtet mit diesem.“ Was heisst IrrtS? Die Rabbinen sagen: Er zeigte ihnen ein vierzehn Finger langes Messer; denn 5 ist zwei, T ist sieben und ist fünf. Er sprach zu ihnen: Nach dieser Ordnung sollt ihr schlachten und essen. Wann hat es ihm Gott vergolten? An dem Tage der Schlacht mit den Philistern. Da heisst es das. 13, 22: „Und es war an dem Tage der Schlacht, da ward kein Schwert gefunden.“ Es wurde keins gefunden. Und es heisst: „Bei Saul und Jonathan wurden sie gefunden?“ Wer hat es ihn finden lassen? R. Chaggi sagte im Namen des R. Jizchak: Ein Engel liess es ihn finden. Die Rabbinen sagen: Gott liess es ihn finden. Es heisst ferner das. 14, 35: „Saul baute einen Altar dem Ewigen.“ Fing er erst an, einen Altar zu bauen, wie viele Altäre waren nicht schon vor ihm gebaut worden? Noach hat einen gebaut, Abraham einen, Jizchak einen, Jacob einen, Mose einen, Josua einen und hier heisst es: Er fing an zu bauen? Allein er war der erste unter den Königen, der einen Altar gebaut hat. Rabbi sagte: Weil er für diese Sache sein Leben einsetzte, so erachtet es ihm die Schrift so, als hätte er angefangen, einen Altar dem Ewigen zu bauen. R. Simeon ben Lakunja sagte: In dieser Welt ist es so, einer baut und ein andrer reisst nieder, einer pflanzt und ein andrer isst, aber einst wird es anders sein, wie es heisst Jes. 65, 22. 23: „Sie werden nicht bauen und ein anderer wird bewohnen, nicht pflanzen und ein anderer wird essen und sie werden sich nicht vergeblich bemühen.“ Ferner heisst es das. 61, 9: „Ihr Same wird unter den Völkern bekannt (berühmt) sein.“ Parascha XXVI. Cap. XXI. V. 1. Sprich zu den Priestern, den Söhnen Aarons. R. Tanchuma bar R. Chanilai eröffnete seinen Vortrag mit Ps. 12, 7: „Die Worte des Ewigen sind reine Worte.“ Die Worte des Ewigen sind reine Worte, die Worte eines menschlichen Wesens aber sind nicht reine Worte. Gewöhnlich wenn ein König von Fleisch und Blut in eine Stadt einzieht, so preisen ihn die Par. XXVI. Cap. XXI, i. 173 Bewohner und ihr Lobpreis ist ihm angenehm. Da spricht er zu ihnen: Morgen werde ich öffentliche Thermen und Bäder für euch bauen und morgen werde ich eine Wasserleitung für euch anlegen. Er schläft darüber ein und steht nicht mehr auf (d. i. er schläft ein und stirbt), wo ist er und wo sind seine Reden (d. i. wie steht es da mit ihm und mit seinen Versprechungen)? Aber Gott ist nicht so, sondern es heisst Jerem. 10, 10: „Und der Ewige ist ein Gott der Wahrheit.“ Warum heisst er D 72 N, Wahrheit? R. Abin sagte: Weil Gott lebt und König der Welt ist, darum sind auch seine Worte rein. R. Judan im Namen des R. Jochanan und R. Berachja im Namen des R. Eleasar und R. Jacob von Kephar Chanin sagen im Namen des R. Josua ben Levi: Wir finden, dass Gott eine Umschreibung von fünf Buchstaben gemacht hat, um nicht einen hässlichen Ausdruck aus seinem Munde auszusprechen, wie es heisst Gen. 7, 2: „Von den reinen Thieren und von den nicht reinen Thieren.“ *) An einer andern Stelle umschreibt er zwei bis drei Wörter, um nicht etwas Unreines (einen unpassenden Ausdruck) aus seinem Munde auszusprechen, sowie es heisst das. V. 2: „Von allen Thieren, die nicht rein sind.“ Es heisst nicht: Ti'N, welche unrein sind, sondern: trn JTYiFiü nV T£N, welche nicht rein sind. R. Judan ben Menasse machte die Bemerkung: Als er ihnen die Zeichen (Merkmale) der unreinen Thiere eröffnen wollte, eröffnete er ihnen zuvor die der reihen Thiere. Lev. n, 4 heisst es nicht: Das Kamel, denn es hat nicht gespaltene Klauen, sondern: „obgleich es wiederkäuet.“ Und so heisst es nicht: „Der Klippdachs, denn er hat nicht gespaltene Klauen, sondern: obgleich er wiederkäuet.“ Ebenso ist es beim Hasen und beim Schwein. R. Jose von Malchya und R. Josua von Sichnin sagten im Namen des R. Levi: Wir finden, dass die Kinder zur Zeit Davids, solange sie noch nicht die Sünde gekostet hatten, schon die Thora auf neunundvierzig Arten der Unreinheit und auf neunundvierzig Arten der Reinheit auszulegen wussten. David betete für sie, wie es heisst Ps. 12, 8: „Du, Ewiger, wirst sie behüten“ d. i. der Ewige wird ihre Lehren in ihren Herzen bewahren; „sie bewahren auf immer vor diesem Geschlechte“ d. i. vor dem Geschlechte, was eigentlich den Untergang verdient hätte. Nach all diesem Lobe zogen sie in den Krieg und fielen, und zwar nur darum, weil es Verräther unter ihnen gab, was auch David sagt Ps. 57, 5: „Meine Seele ist unter Löwen.“ cns’?, Löwen d. i. Abner und Amasa, welche Löwen in der Thora waren; „unter Flammensprühenden lieg ich“ d. i. Doeg und Achi- tophel, welche der Verläumdung ergeben waren; „unter Menschen, deren Zähne Lanzen und Pfeile sind“ d. s. die Bewohner von Kei'Ia, von denen es heisst 1 Sam. 23, 11: „(David sagte:) Werden mich die *) Er hätte doch nur riNSü zu sagen brauchen. Um dieses Wort nicht auszusprechen, sagt er: Von den Thieren, die nicht rein sind nsrnn pi mints nJJ'N). Vergl. Pesach. fol. 3 a . i74 Par. XXVI. Cap. XXI, i. Bewohner von Keila ausliefern in seine Hand;“ „deren Zunge ein scharfes Schwert ist,“ nämlich die Siphiter, von denen es heisst Ps. 54, 2: „Als die Siphiter kamen und zu Saul sprachen: Siehe, David ist verborgen bei uns.“ In dieser Stunde sprach David: Was macht die Schechina auf der Erde s. das. 57, 6: „Erhebe dich über die Himmel, Gott“ d. i. nimm deine Schechina von ihnen. Aber das Geschlecht Achabs — obgleich sie alle dem Götzendienste ergeben waren, da es aber keine Verräther unter ihnen gab, so zogen sie aus in den Krieg und siegten. Das sagte auch Obadja zu Elia s. 1 Reg. 18, 13: „Ist nicht meinem Herrn berichtet worden, dass ich sie (die Propheten) mit Brod und Wasser versorgte? Wenn „Brod“ (cnb) steht, wozu noch „Wasser“ (Qi?o)? Allein daraus geht hervor, dass das Wasser ihm schwerer zu bringen war, als das Brot. Und Elia rief auf dem Berge Carmel aus und sprach s. das. V. 22: „Ich allein bin als Prophet des Ewigen noch übrig geblieben,“ das ganze Volk weiss es und macht es dem König nicht bekannt. R. Samuel bar Nachmani sagte: Man fragt die Schlange: Warum hältst du dich zwischen Zäunen auf (eig. warum wirst du zwischen Zäunen gefunden)? Sie antwortete: Weil ich den Zaun der Welt niedergerissen habe. R. Simeon ben Jochai hat gelehrt: Die Schlange hat zuerst den Zaun der Welt niedergerissen, darum ist sie auch zum Schergen (Scharfrichter) für alle Zaunniederreisser geworden. Man fragte sie (die Schlange) ferner: Warum beissest du? Was nützt es dir? Der Löwe zertritt und verzehrt (das Zertretene), der Wolf zerreisst und verzehrt (seinen Raub), du beissest und tödtest (und hast keinen Genuss davon)? Sie antwortete mit Koh. 10, 11: „Wenn die Schlange beisst ohne Zauberspruch.“ Ist es möglich, dass ich etwas thue, wenn es mir nicht von oben geheissen wird? Man fragte die Schlange ferner: Warum beissest du in ein Glied und dein Gift verbreitet sich in alle Glieder? Sie antwortete: Was fragt ihr mich? Hat der Verläumder einen Vorzug (etwas voraus), welcher z. B. in Rom sitzt und in Syrien tödtet, oder umgekehrt in Syrien sitzt und in Rom tödtet? Und warum wird die Verläumdung dritte (■'ffiiblö) genannt? Weil sie drei Menschen tödtet, nämlich den, der sie spricht (von dem sie ausgeht), den, der sie annimmt und den, auf den sie sich bezieht (den sie betrifft). Es war einmal ein Mann, welcher eine böse Schwiegertochter batte, die die Gewohnheit besass, übel (Böses) zu sprechen (zu ver- läumden). Er machte ihr zweimal täglich Vorstellungen, einmal des Abends und einmal des Morgens (dieses Laster abzulegen), er sprach zu ihr: Ich bitte dich, sprich doch nichts Uebles (verläumde nicht). Was that sie? Sie ging und sagte ihrem Mann: Dein Vater will mich (zur Befriedigung der Sinnenlust) brauchen (mich bedienen). Wenn du es mir nicht glaubst, so komm abends zu mir und du wirst ihn finden, wie er mich beredet. Er folgte diesem Winke, ging und lauerte auf ihn und sah ihn, wie er (sein Vater) dastand, sich bückte und sie beredete (dass sie sich doch der üblen Rede Par. XXVI. Cap. XXI, I. 175 enthalten möchte). Der Sohn sprach: Bereits ist das Wort Wahrheit (bereits ist die Sache richtig). Was that er? Er schlug seinen Vater und tödtete ihn. Man brachte ihn darauf vor das Gericht und er wurde zum Tode verurtheilt. Auch das Weib, das den Vater ver- läumdet hatte, wurde zum Tode verurtheilt. So ergiebt sich, dass die Zunge (Verläumdung) drei Menschen getödtet (um’s Leben gebracht) hat. Und in den Tagen Sauls sogar vier, nämlich Doeg, der gesprochen, Saul, der es angenommen und Achimelech, über den es gesagt worden war. Warum wurde Abner getödtet? R. Josua ben Levi sagte: Abner wurde darum getödtet, weil er das Blut der Kinder als Scherz (für so leicht) genommen hatte. Das steht auch 2 Sam. 2, 14: „Und Abner sprach zu Joab: Möchten doch die Knaben auftreten und vor uns scherzen.“ R. Simeon ben Levi sagte: Weil er seinen Namen Davids Namen hatte vorausgehen lassen, wie es heisst das. 3, 12: „Und Abner schickte Boten an David statt seiner und sprach: Wem gehört das Land?“ Siehe, so steht auch geschrieben: „Von Abner an David.“*) Die Rabbinen sagen: Weil Saul sich mit David versöhnen wollte, und Abner liess es nicht zu. David sprach nämlich zu ihm s. 1 Sam. 24, 12: „Mein Vater, siehe, ja siehe!“ Was willst du mit deinem Geschwätz (d. i. was hörst du auf Davids Prahlereien, er hätte dir selbst den Zipfel des Mantels abgeschnitten), durch einen Dorn ist er (von deinem Obergewande) abgerissen worden. Wenn ihr kommt nach der Wagenburg (s. 1 Sam. 26, 5. 7: und nehmet Krug und Lanze über seinem Haupte), so sage ihm: Antwortest du nicht, Abner? Beim Zipfel sagtest du: Durch einen Dorn ist er abgerissen worden, sind Lanze und Krug auch durch einen Dorn abgerissen worden? Manche sagen: Weil er im Stande war, Saul gegen Nob zu wehren (d. i. von der That gegen Nob abzuhalten) und er hat ihm nicht gewehrt (abgehalten). R. Tan- chum bar R. Chanilai sagte: Mose hat uns zwei Abschnitte in der Thora geschrieben, die rein sind und -wem sind sie übergeben worden? Dem Stamm Levi, von dem es heisst Ps. 12, 7: „Silber, geläutert in der Werkstatt der Erde“ und Mal. 3, 3: „Er sitzet schmelzend und läuternd das Silber und reinigt die Kinder Levis und läutert sie.“ Und welche sind es? Der Abschnitt von der rothen Kuh und der Abschnitt von der Berührung eines Todten. Und der Ewige sprach zu Mose: Sprich zu den Priestern. Das steht auch Ps. 19, 3: „Ein Tag strömt dem andern die Rede zu.“ Es ist gelehrt worden: Am ersten der Sonnenwende im Nisan und am ersten der Sonnenwende im Tischri sind Tag und Nacht gleich, von da ab und weiter leiht der Tag von der Nacht und die Nacht vom Tage und sie bezahlen sich einander alles mit freundlichen Worten, ohne eine Urkunde und ohne einen Richterspruch. Das wollen die Worte sagen: „Ein Tag strömt dem andern zu.“ Aber hier unten auf Erden, wie viele Urkunden, wie viele Richtersprüche *) D. i. der Name Abners geht dem Namen Davids voran. ij6 Par. XXVI. Cap. XXI, i. sind da nöthig! Das. V. 5: „Durch alle Lande geht ihre Kunde.“ R. Schalom im Namen des R. Acha bar R. Se'ira sagte: Gleich einem, der die Hegemonie (das Verwaltungsamt) vom Könige übernahm, so lange er noch nicht sein Amt angetreten hatte, ging er wie ein Gemeiner umher, als er aber sein Amt angetreten hatte, ging er wie ein Vornehmer einher. Solange sie nicht in die Welt hinausgingen, heisst es nicht: „es sind keine Worte,“ als sie aber in die Welt hinausgegangen waren, wie viele Urkunden und wie viele Richtersprüche giebt es da! „Durch alle Lande geht ihre Kunde.“ R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: Gleich einem Israeliten und einem Priester, welche epileptisch waren. Da kam aber ein erprobter Arzt zu ihnen und er verordnete dem Israeliten und liess den Priester ausser Acht! Da sprach zu ihm der Priester: Warum verordnest du dem Israeliten und mich lassest du ausser Acht? Der Arzt antwortete: Weil der Israelit zwischen den Gräbern zu gehen pflegt, du aber bist ein Priester und pflegst nicht zwischen den Gräbern zu gehen, deshalb verordne ich dem Israeliten und lasse dich ausser Acht. So auch die höheren Geister. Weil bei ihnen kein böser Trieb (keine Leidenschaft) vorhanden ist, so bedarf es nur eines Wortes bei ihnen, wie es heisst Dan. 4, 14: „Beschluss der Wächter ist solches und Ausspruch der Heiligen dieses;“ bei den Unteren aber, in denen der böse Trieb (die Leidenschaft) vorhanden ist, da bedarf es eindringlicher Reden (eig. zweier Worte) und möchten sie immer von Erfolg sein! Daher heisst es: „Und der Ewige sprach zu Mose: Sprich zu den Priestern, den Söhnen Aarons.“ Oder: „Sprich zu den Priestern,“ wie es heisst Ps. 19, 10: „Die Furcht des Ewigen ist rein und besteht ewig.“ R. Levi sagte: Wegen der Furcht, die Aaron vor Gott hatte, war er so glücklich, dass dieser Abschnitt ihm übergeben wurde, damit er weder von ihm, noch von seinen Söhnen, noch von seinen Enkeln weiche bis an’s Ende aller Geschlechter. Welcher Abschnitt ist es? Der Abschnitt betreffs eines Todten, wie es heisst: „Und der Ewige sprach zu Mose: Sprich zu den Priestern, den Söhnen Aarons.“ Was steht vorher? Cap. 20, 27: „Ein Mann oder eine Frau, wenn unter ihnen ein Zauberer oder Todtenbeschwörer ist.“ R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: „Der Mann“ d. i. Saul, und „das Weib“ d. i. die Zauberin (von Endor). R. Levi sagte im Namen des R. Chama bar R. Chanina: Was heisst Deut. 28, 13: „Du wirst nur oben sein?“ Es wäre besser für Saul gewesen, wenn er sich an die Urim und Thummim oben und nicht an die Zauberin und Wahrsagerin hier unten gewendet hätte. Das ist es auch, was er zu seinen Dienern sagt 1 Sam. 28, 7: „Suchet mir ein Weib, das eine Zauberin ist, dass ich zu ihr gehe und sie befrage.“ Wem glich Saul in dieser Stunde? Resch Lakisch sagte: Er glich einem König, der in ein Land einzog und den Befehl gab, dass alle Hühner daselbst in einer Nacht geschlachtet werden sollten. Als er wieder Par. XXVI. Cap. XXI, I. 177 abziehen wollte, fragte er: Giebt es hier keinen Hahn, welcher kräht? Bist du es nicht, antwortete man ihm, der befohlen und gesagt hat, alle Hühner hier sollen geschlachtet werden? So hatte auch Saul alle Zauberer und Wahrsager aus dem Lande verwiesen, und jetzt spricht er: „Suchet mir ein Weib, das eine Zauberin ist.“ Trotzdem antworteten ihm seine Diener: Hier ist eine Todtenbe- schwörerin. Das. V. 8: „Saul entstellte sich (durch Kleider)“ d. i. er wurde ledig der Herrschaft.*) Dann heisst es das.: „Und er zog andere Kleider an“ d. i. gemeine (schlechte) Kleider. „Und er ging, er und zwei Männer mit ihm,“ nämlich Abner und Amasa. R. Ibo sagte: Die Schrift will dir hiermit eine Verhaltungsregel geben, dass der Mensch nicht mit weniger als zwei Personen sich auf die Reise begebe, weil, wenn er allein ausgeht, am Ende ein Diener für seinen Diener gehalten wird; denn R. Ibo hat gesagt: Zwei Menschen haben sich anständig auf der Reise betragen, nämlich Abraham und Saul. Abraham, wie heisst es da Gen. 22, 3? „Und es machte sich Abraham frühmorgens auf und nahm zwei seiner Knaben (Knechte) mit sich.“ Und wer waren sie? Ismael und Elieser. Und Saul, wie heisst es da 1 Sam. 28, 8? „Und er ging, er und zwei Männer mit ihm.“ Wer waren sie? Abner und Amasa. „Und sie kamen zu der Frau des Nachts.“ War es denn in der Nacht? Allein daraus geht hervor, dass ihnen die Stunde so finster war wie die Nacht. Und er sprach: Wahrsage mir durch Todtenbeschwörung? Und das Weib antwortete ihm: Siehe, du weisst, was Saul gethan hat. „Und Saul schwur ihr beim Ewigen.“ Wem glich Saul in dieser Stunde? Er glich einem Weibe, sagte Resch Lakisch, welche bei ihrem Liebhaber ist und beim Leben ihres Mannes schwört. So verlangt auch Saul einen Zauberer und Todtenbeschwörer und er spricht: „So wahr der Ewige lebt! es soll dich keine Schuld treffen bei dieser Sache. Und das Weib sprach: Wen soll ich dir heraufbringen“ d. i. soll es von denen einer sein, welche gesprochen haben: „Wer ist der Ewige“ (wie Pharao), oder von denen, welche gesprochen haben: Wer ist gleichwie du? (s. Ex. 15, 11). „Und er sprach: Bringe mir Samuel herauf.“ Thue, was du gethan und sprich, was du gesprochen hast und bringe ihn herauf. Und als sie ihn sah, gerieth sie in Furcht, wie es heisst: „Als das Weib den Samuel sah, schrie sie mit lauter Stimme.“ Woher wusste sie, dass es Saul war? Weil man für den Gemeinen nicht so wie für einen König aufsteigt, für den Gemeinen steigt man herauf mit dem Gesichte nach unten (zur Erde gekehrt), für einen König aber mit dem Gesichte nach oben. „Und er sprach zu ihr: Fürchte dich nicht.“ Als er hörte: „einen Gott,“ fürchtete er sich. Manche sagen: Gerechte stiegen mit ihm in dieser Stunde auf. „Und er sprach zu ihr: Wie ist denn seine Gestalt?“ Kannte er ihn denn nicht? Allein drei Dinge werden in Bezug auf denjenigen gesagt, welcher *) Der Midr. liest tt’Enn’l. Wünsche, Midrasch Wajikra. 12 178 Par. XXVI. Cap. XXI, i. einen Todten mit Nennung seines Namens herauffordert, i) wer ihn herauffordert, der sieht ihn, hört aber seine Stimme nicht; 2) wer seiner bedarf, hört seine Stimme, sieht ihn aber nicht; und 3) wer seiner nicht bedarf, hört ihn nicht und sieht ihn nicht. So auch das Weib, welche den Samuel heraufsteigen liess, sie sah ihn, hörte aber seine Stimme nicht; Saul dagegen, welcher seiner bedurfte, hörte seine Stimme, sah ihn aber nicht, Abner und Amasa, welche seiner nicht bedurften, sahen ihn nicht und hörten ihn nicht. „Sie sprach: Ein alter Mann steigt herauf und ist in ein Oberkleid (b'SM) gehüllt.“ Vergl. 1 Sam. 2, 19: „Seine Mutter machte ihm ein kleines Oberkleid (Vstt).“ „Samuel sprach zu Saul: Warum beunruhigst du mich, dass du mich lassest heraufkommen?“ R. Chiwa erklärte die Schrift dem Wortsinne nach. Als er an folgende Verse kam, weinte er, nämlich bei Am. 4, 13: „Denn siehe, er bildet die Berge und schafft den Wind und kündet dem Menschen, was seine Gedanken.“ Was heisst das: „Er kündet dem Menschen, was seine Gedanken?“ R. Huna sagte im Namen des R. Jabez: Er bildet die Berge und schafft den Wind. R. Huna im Namen des R. Jabez sagte ferner: imn ist Finsterniss und Nebel d. i. selbst solche Dinge, in denen nichts Wesentliches ist, selbst das leiseste Gespräch, was ein Mann mit seinem Weibe führt, wird auf die Tafel des Menschen aufgezeichnet und ihm dann in der Sterbestunde vorgelesen. Und wer schreibt es? „Der, welcher das Morgenroth und die Finsterniss schafft“ (Amos 4, 13). Ferner heisst es Zeph. 2, 3: „Suchet den Ewigen all ihr Demüthigen im Lande;“ ferner Am. 5, 15: „Hasset das Böse und liebet das Gute;“ ferner Thren. 3, 29: „Er giebt in den Staub seinen Mund;“ ferner Koh. 8, 17: „Da ich sah das ganze Werk Gottes“ u. s. w. Ferner: „Und Samuel sprach zu Saul: Warum beunruhigst du mich, dass du mich lassest herauf kommen?“ Er sprach nämlich zu ihm: Du hättest nicht deinen Schöpfer erzürnen (beunruhigen) sollen, allein du hast mich zu einer Gottheit (einem Götzen) gemacht, weisst du nicht, dass ebenso die Anbeter wie die Angebeteten bestraft werden? Manche sagen: Samuel war in dem Glauben, dass es der Tag des Gerichts sei und er fürchtete sich und brachte Mose mit sich herauf, denn unter tf’TibN ist nur Mose zu verstehen, wie es heisst Ex. 7, 1: (Gott sprach zu Mose:) „Siehe, ich habe dich dem Pharao zum Gotte gesetzt.“ Wenn schon Samuel, von dem es heisst 1 Sam. 3, 20: „Und ganz Israel von Dan bis Berseba erkannte, dass Samuel zum Propheten des Ewigen beglaubigt sei,“ dadurch, weil er der Meinung war, dass es der Gerichtstag sei, in Furcht versetzt wurde, um wie viel mehr müssen wir es sein. „Und Saul sprach: Mir ist sehr bange.“ Warum hat er ihm durch die Urim und Thummim nichts gesagt? Darauf antwortete R. Jizchak bar R. Chija: Es heisst Prov. 14, 10: „Das Herz weiss am besten seinen geheimen Gram.“ Wenn er durch die Urim und Thummim zu ihm gesprochen hätte, so hätte er ihm entgegnen können: Du hast es dir selbst zugezogen, Par. XXVI. Cap. XXI, i. 179 bist du es nicht, der die Priesterstadt Nob geschlagen hat, und ich rief dich, um mir kund zu thun, was ich thun soll? Darauf antwortete Samuel: Warum fragst du mich?“ Er sprach nämlich zu ihm: Gehe zu deinem Feinde, gehe zu deinem Widersacher (d. i. zu David) s. i Sam. 28, 16: „Und der Ewige wird ihm thun, wie er durch mich geredet, und der Ewige wird das Königthum deiner Hand entreissen und es deinem Freunde geben, David.“ Darauf sagte er zu ihm: Das sind nicht die früheren Worte, die er zu mir gesprochen hat. Früher hatte er gesagt: Es (das Reich) werde deinem Freunde gegeben, der besser als du ist, und jetzt sagst du mir: Gehe zu deinem Feinde und gehe zu deinem Widersacher? Darauf antwortete er: Als wir beisammen waren, befanden wir uns in der Welt der Lüge, da hast du auch Lügenworte gehört, denn ich habe mich vor dir gefürchtet, du möchtest mich tödten, aber jetzt bin ich in der Welt der Wahrheit, da hörst du von mir nur Worte der Wahrheit. Nicht umsonst hat Gott dir dieses gethan, sondern darum, „weil du der Stimme des Ewigen (deines Gottes) nicht gehorcht und den Grimm seines Zorns nicht an Amalek ausgeübt hast, und der Ewige wird auch Israel mit dir in die Hand der Philister geben.“ Darauf fragte Saul: Kann ich nicht fliehen (kann ich nicht durch Flucht mich retten)? Samuel antwortete: Allerdings kannst du fliehen und dich retten, aber auch dann musst du dich auf das Strafgericht gefasst machen (eig. auch wenn du es thust, nimmst du das Strafgericht auf dich); „morgen wirst du und deine Söhne bei mir sein.“ Was heisst: ■'loy, bei mir? R. Jochanan sagte: Mit mir in meinem Kreise. Als Saul die Worte Samuels vernahm, gerieth er in Furcht, wie es heisst das. V. 20: „Da fiel Saul plötzlich zur Erde die Länge lang und fürchtete sich sehr vor den Worten Samuels.“ Da fragten ihn Abner und Amasa: Was hat dir Samuel gesagt? Er antwortete ihnen: Er hat mir gesagt: Morgen ziehst du in den Krieg und siegst, und nicht nur das, sondern deine Söhne werden als grosse Männer angesehen werden.*) Er nahm seine drei Söhne und zog in den Krieg. Resch Lakisch sagte: In dieser Stunde rief Gott die Dienstengel und sprach zu ihnen: Kommt und seht, was für ein Geschöpf ich in meiner Welt erschaffen habe! Gewöhnlich nimmt ein Mensch (Vater), wenn er zu einem Gastgelage geht, seine Söhne nicht mit, um kein Aufsehen zu erregen, dieser (Saul) aber zieht in den Krieg und weiss, dass er umgebracht werden wird, und er nimmt seine Söhne mit sich und freut sich über das Strafgericht, was ihm bevorsteht. R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Hieraus ergiebt sich, dass Gott dem Mose die kommenden Geschlechter mit ihren Richtern, Königen, Weisen (Gelehrten), Führern, Lehrern, Vögten, Vorstehern, Bedrückern, Räubern und Propheten und ebenso auch Saul und seine Söhne in das Schwert fallend gezeigt hat. Da sprach *) Das hat er gesagt, um das Volk nicht zu entmuthigen. 12* i8o Par. XXVI. Cap. XXI, i. Mose vor ihm: Soll denn der erste König, der über deine Kinder gesetzt ist, mit dem Schwerte erstochen werden? Gott sprach zu ihm: Das sagst du mir? Sprich mit den Priestern, die er erschlagen hat, die klagen mich an. Daher heisst es: „Und der Ewige sprach zu Mose: Sprich mit den Priestern, den Söhnen Aarons.“ Die Rabbinen haben gelehrt: Wegen fünf Sünden (Vergehungen) ist jener Gerechte erschlagen worden, wie es heisst i Chron. io, 13: „Saul starb wegen der Untreue, die er gegen den Ewigen begangen,“ nämlich 1) weil er die Priesterstadt Nob zu Grunde gerichtet, 2) weil er Agag geschont hat, 3) weil er auf Samuel nicht gehört hat, wie es heisst 1 Sam. 10, 8: „Sieben Tage sollst du warten, bis ich zu dir komme,“ er hat aber nicht so gethan, 4) weil er Todtenbe- schwörer und Wahrsager befragt und nicht den Ewigen gesucht hat, so tödtet er ihn. Das sagt auch Hi. 34, n: „Ja des Menschen Thun vergilt er ihm und nach jegliches Wandel lässt er ihn finden.“ Und es heisst auch Lev. 20, 27: „Ein Mann oder ein Weib, wenn unter ihnen ein Todtenbeschwörer oder ein Wahrsager ist, soll des Todes sterben.“ „Und der Ewige sprach zu Mose: Sprich zu den Priestern, den Söhnen Aarons“ u. s. w. Ueberall, wo das Wort ‘i’knii, und er sprach wiederholt wird, da muss es ausgelegt werden. So Esth. 7, 5: „Und der König Achaschverosch sprach und er sprach zu Esther, der Königin.“ Wozu das Wort lÜiS'V zweimal? Er sprach zu ihr: Wenn Haman derjenige ist, (von dem du gesagt hast, dass er dein Volk zum Hinrichten verkauft hat,) gut, wo nicht, so sage, dass- er es Willens ist. Rab sagt: Bis jetzt kannte Achaschverosch noch nicht, dass Esther eine Jüdin war, und er sprach daher mit ihr durch einen Dolmetscher, nachdem er sie aber als solche erkannt hatte, fing er an mit ihr zu sprechen. Desgleichen heisst es auch 1 Reg. 2: „Es trat hin der Gottesmann und sprach zum König Israels und sprach: So hat der Ewige gesprochen.“ Da steht auch das Wort doppelt, nämlich zuerst sprach er: Wenn Benhadad in deine Hand fällt, so schone ihn nicht, und dann sprach er zu ihm: Wisse, wie viele Schlingen und Netze ich für ihn ausgebreitet habe, bis er in deine Hand gerathen ist, und jetzt, wenn er verfehlt wird (davon kommen sollte), da ist deine Seele an Stelle seiner Seele und dein Volk an Stelle seines Volkes (d. i. da musst du mit deinem Leben und mit deinem Volke für ihn haften). Desgleichen heisst es Ezech. 10, 2: „Und der Ewige sprach zu dem Manne, der in Linnen gekleidet war, und er sprach.“ Gott sagte es nämlich dem Engel und der Engel dem Cherub. Er sprach zu ihm: Gott hat es über mich verhängt und es liegt nicht in meiner Gewalt, in deinen Kreis (dein Gebiet) zu gehen, sondern erweise an mir die Güte und gieb mir zwei Kohlen von dir, damit ich nicht verbrenne. Sogleich erhob er sich und gab sie dem Manne in Linnen gekleidet. R. Pinchas sagte: Er liess sie (die Kohlen) erst verkühlen und dann gab er sie * ihm. R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Sechs Par. XXVI. Cap. XXI, I. 181 Jahre lang glühten die Kohlen in der Hand Gabriels, weil er glaubte, dass die Israeliten Busse thun würden, als das nicht geschah, wollte er sie verstreuen und die Eier ausmerzen. Da sprach aber Gott zu ihm: Gabriel, Gabriel! es giebt Menschen unter ihnen, die wohl- thätig gegen einander sind, wie es heisst das.: „Er zeigte den Cherubim die Gestalt einer Menschenhand.“*) R. Abba sagte im Namen des R. Berachja: Wer stellt (erhält) die Oberen und wer die Unteren? Die Wohlthätigkeit, die sie mit der Hand üben. Das steht auch Ps. 71, 19: „Und deine Wohlthätigkeit, Gott, bis zur Höhe.“ Und auch hier heisst es: Sprich zu den Priestern und sprich zu ihnen. Das erste (eig. das erste Sprechen, i-itnatn rwsN) deutet an, dass er sich an einer pflichtmässigen Leiche verunreinigen darf, und das zweite ‘T-ixv deutet an, dass er sich an anderen Leichen nicht verunreinigen darf. Deshalb also heisst es: Trati, sprich und m'O.v, du sollst sprechen. Und was steht nachher? V. 10: „Und der Hohepriester unter seinen Brüdern“ u. s. w. Warum heisst er Hoherpriester ? Weil er in fünf Dingen (Beziehungen) gross ist (die andern überragt), nämlich an Weisheit, an Kraft, an Schönheit, an Reichthum und an Jahren. Was die Schönheit anlangt, so muss er an Schönheit seine Brüder (Collegen) übertreffen; was die Kraft anlangt, so muss er stark sein. Komm und siehe! Aaron machte eine Webe mit 22,000 Leviten an einem Tage. Worin bestand die Webe? Er führte sie hin und her, herauf und herunter. Daran kannst du erkennen, dass er sehr gross an Kraft war. An Reichthum, woher lässt sich das beweisen? Wenn er nicht reich war, so mussten seine Brüder, die Priester, ihn reich machen. Pin- chas, der Steinmetz, ward zum Hohenpriester erhoben, da ihm aber seine Brüder, die Priester, Steine behauen sahen, füllten sie vor ihm einen behauenen Stein mit Golddenaren. Und woher lässt sich beweisen, dass seine Mitbrüder ihn gross machen (erheben) müssen, wenn er es nicht ist? Weil es heisst: „Der Priester soll der grösste unter seinen Brüdern sein.“ Und das betrifft nicht nur den Hohenpriester allein, sondern auch den König, der seinesgleichen ist. So findest du nämlich beim Könige David, als er ging, um mit Goliath zu kämpfen, da sprach Saul zu ihm 1 Sam. 17, 33: „Du kannst nicht gegen diesen Philister gehen, um mit ihm zu kämpfen, denn du bist ein Knabe.“ Da antwortete ihm David: „Dein Knecht war Hirt der Schafe seines Vaters, da kam der Löwe und der Bär und trug ein Lamm von der Heerde hinweg, ich setzte ihm nach, schlug ihn und riss es aus seinem Rachen, und da er sich wieder mich erhob, erfasste ich ihn an seinem Barte und erschlug ihn und tödtete ihn. Sowohl den Löweu als den Bären hat dein Knecht erschlagen, und diesem unbeschnittenen Philister wird wie einem von ihnen geschehen.“ Da sprach Saul zu ihm: Wer hat dir gesagt: Dass du ihn umbringen wirst? Darauf antwortete David: Der Ewige, der *) Das Symbol der Wohlthätigkeit. 182 Par. XXVII. Cap. XXII, 27. mich aus der Hand des Löwen und aus der Hand des Bären errettet hat, wird mich auch aus der Hand dies Philisters erretten. Darauf zog Saul dem David einen Panzer an. Von Saul heisst es: „Er ragte mit seiner Schulter über alles Volk; als er ihm daher seine Kleider angezogen hatte und sah, dass sie ihm passten (eig. für ihn gemacht waren), da warf er ein böses Auge auf ihn. Als David sah, dass Sauls Gesicht erbleichte, sprach er zu ihm: „Ich kann in diesen nicht gehen, denn ich habe es noch nicht versucht (ich bin nicht daran gewöhnt) und David legte sie von sich.“ Siehe, hieraus kannst du lernen, wenn ein Mensch auch klein (kurz) ist, so wird er, wenn er zum König erhoben ist, gross (lang). Und alles warum? In der Stunde, wo David mit dem Salböl bestrichen ward, wurde er vor allen seinen Brüdern gepriesen (übertraf er alle seine Brüder). Und darum sagt er auch: Ueber das Oel, womit ich gesalbt worden bin, bin ich erfreut, wie es heisst Ps. 16, 9: „Darum freut sich mein Herz und meine Ehre frohlockt, auch mein Fleisch wird sicher ruhen.“ Parascha XXVII. Cap. XXII. V. 27. Ein Ochs oder Schaf oder Ziege, wenn es geboren ist. Das steht auch geschrieben Ps. 36, 7: „Deine Gerechtigkeit ist wie Gottes Berge.“ (Warum wird die Gerechtigkeit mit den Bergen verglichen?) Wie die Berge Kräuter erzeugen, so stiften auch die Gerechten gute Werke. Oder: „Deine Gerechtigkeit wie Berge Gottes.“ Wie die Berge besät werden können und Früchte tragen, so tragen auch die Gerechten Früchte und thun sich und andern wohl. Womit ist das zu vergleichen? Mit einer goldenen Schelle, deren Klöppel eine Perle ist. So thun auch die Gerechten sich und andern wohl, wie es heisst Jes. 3, 10: „Saget dem Gerechten, dass es ihm gut geht, denn die Frucht ihrer Werke sollen sie geniessen. „Und deine Gerichte ein grosser Abgrund.“ (Für wen sind die Strafgerichte?) Für die Frevler. Wie der Abgrund nicht besät werden kann und auch keine Früchte erzeugt, so bringen auch die Frevler keine guten Werke und tragen keine Früchte, sondern sie bereiten sich und andern viel Leid, wie es heisst Jes. 3, 11: „Wehe dem Frevler, Böses“ d. i. er bereitet Böses (Unglück) sich und andern. Oder: „Deine Gerechtigkeit wie Berge Gottes.“ Versetze die Worte des Verses und lege aus: Deine Gerechtigkeit ragt über deine Strafgerichte wie die Gottesberge über den grossen Abgrund. Wie die Berge auf den Abgrund drücken, dass er die Welt nicht überschwemmt, ebenso überwältigt die Gerechtigkeit (Frömmigkeit, Tugend) die Strafgerichte, dass sie nicht in die Welt kommen. „Deine Gerechtigkeit wie Berge Gottes.“ Wie diese Berge unendlich sind, so ist auch der einstige Lohn der Gerechten (Frommen) unendlich. „Deine Strafgerichte ein grosser Abgrund.“ Wie der Abgrund unerforschlich ist, so sind es auch die einstigen Strafen der Frevler. Par. XXVII. Cap. XXII, 27. . 183 Oder: „Deine Gerechtigkeit wie Berge Gottes.“ R. Ismael sagt: Die Gerechten (Frommen), welche das Gesetz, was von den Bergen Gottes gegeben worden ist, üben, — mit ihnen übt Gott Gerechtigkeit wie die Berge Gottes; dagegen die Frevler, die das Gesetz, was auf den Bergen Gottes gegeben worden ist, nicht üben, — mit ihnen nimmt es Gott so genau (streng) bis zur äussersten Tiefe (i-iia^ u'iin "i"). R. Akiba sagt: Mit den einen wie mit den andern nimmt es Gott genau, nur mit dem Unterschiede: Er bestraft die Gerechten für die wenigen schlechten Thaten, die sie in dieser Welt geübt haben, damit er ihnen einst guten Lohn zu Theil werden lassen kann, und ebenso lässt er es den Frevlern für die wenigen guten Thaten, die sie in dieser Welt geübt haben, wohl ergehen, damit er sie einst (mit vollem Mass) bestrafen kann. R. Me'ir sagt: Die Gerechten werden nach ihrer Wohnstätte (Sphäre) belohnt, wie es heisst Ezech. 34, 14: „Auf guter Weide werde ich sie weiden und auf den hohen Bergen Israels soll ihre Trift sein.“ Ebenso werden auch die Frevler nach ihrer Wohnung belohnt, wie es heisst das. 31, 15: „Am Tage, wo er in den Scheol hinabfuhr, liess ich trauern, verhüllte um ihn den Abgrund.“ R. Jehuda bar Rabbi sagte ein Gleichniss: Sowie man für einen Kessel nicht einen Deckel von Silber und Gold und andern Metallen macht, sondern aus Irdenem, weil er von seiner Art (von gleichem Stoffe) ist, so nennt auch Gott das Gehinnom Finsterniss, wie es heisst Ps. 35, 6: „Ihr Weg ist Finsterniss und Schlüpfrigkeit.“ Und der Abgrund ist auch Finsterniss, wie es heisst Gen. 1, 2: „Und Finsterniss auf der Oberfläche des Abgrundes.“ Die Frevler sind auch Finsterniss, wie es heisst Jes. 29, 15: „In Finsterniss sind ihre Werke.“ So komme (eine) Finsterniss und bedecke (die andere) Finsterniss, wie es heisst Koh. 6, 4: „Denn in Eitelkeit kommt sie und in Finsterniss wandelt sie dahin und mit Finsterniss ist ihr Name bedeckt.“ Oder: „Deine Gerechtigkeit wie die Berge Gottes.“ R. Juda bar R. Simon sagte: Die Gerechtigkeit, welche du dem Noach und der Arche erwiesen, ist wie die Berge Gottes, wie es heisst Gen. 8, 4: „Und die Arche ruhte auf dem Berge Ararat,“ „und deine Strafgerichte,“ welche du an seinem Geschlechte (Zeitalter) geübt, haben es so genau mit ihnen genommen bis zum „tiefen Abgrunde,“ wie es heisst das. 7, 11: „An diesem Tage öffneten sich alle Quellen des grossen Abgrundes,“ und als du seiner gedachtest, da gedachtest du seiner nicht allein, sondern (es heisst): „Gott gedachte an Noach und alle Thiere“ (die mit ihm in der Arche waren). R. Josua ben Levi sah, als er nach Rom kam, dort marmorne Säulen mit Tapeten bedeckt in der Hitze (Sommer), damit sie sich nicht spalten und in der Kälte, damit sie sich nicht verdichten (zusammenziehen) sollten. Er sah auch dort einen Armen, welcher eine Schilfmatte unter sich und eine auf seinem Rücken hatte. Auf die Säulen wandte er an: „Deine Gerechtigkeit wie die Berge Gottes,“ denn wenn du giebst, giebst du in Fülle, und auf den Armen wandte 184 Par. XXVII. Cap. XXII, 27. er an: „Deine Strafgerichte wie grosse Tiefe,“ denn wem du nicht wohl willst, mit dem nimmst du es genau.*) Alexander von Macedonien zog gegen den König Kazia hinter den Bergen der Finsterniss, er kam daselbst in eine Stadt, Namens Karthagena, welche nur von Weibern bewohnt war. Sie kamen heraus ihm entgegen und sprachen zu ihm: Wenn du mit uns Krieg führst und uns besiegst, so wird der Ruf von dir ausgehen in die Welt, dass du eine Frauenstadt zerstört hast; führen wir dagegen mit dir Krieg und besiegen dich, so wird der Ruf vor dir ausgehen in die Welt, dass Weiber dich besiegt haben, und dann ist deine Ehre dahin. Als er von da wegzog, schrieb er an das Thor: Ich, Alexander von Macedonien, bin ein Narr gewesen, bis ich in die Stadt Carthagena kam und Rath von Weibern lernte. — Er zog dann in ein anderes Land, was Afrika hiess, da kamen ihm die Bewohner mit goldenen Aepfeln, goldenen Granaten und goldenem Brote entgegen. Da sprach er: Was ist das? Wird denn in eurem Lande Gold gegessen? Man antwortete: Nun ist es nicht in deinem Lande auch so? Er sagte: Uebrigens bin ich nicht gekommen, um eure Sitten, sondern um eure Rechtspflege kennen zu lernen. Als sie so da sassen, erschienen zwei Männer vor Gericht vor dem König. Mein Herr König! sagte der eine, ich habe von diesem Manne eine Ruine gekauft und als ich grub, fand ich einen Schatz darin. Ich sprach nun zu ihm: Nimm deinen Schatz, denn du hast mir nur die Ruine, nicht aber den Schatz verkauft. Der andere sagte: Sowie du dich vor der auf Raub gesetzten Strafe fürchtest, so fürchte ich auch mich davor. Als ich dir die Ruine verkaufte, so verkaufte ich dir auch alles, was sich darin befand. Der König rief einen von ihnen und sprach zu ihm: Hast du einen Sohn? Ja, war seine Antwort. Dann rief er den andern und sprach zu ihm: Hast du eine Tochter? Ja! So mögen diese sich einander heirathen und beide den Schatz in Empfang nehmen. Alexander von Macedonien verwunderte sich (über diese Entscheidung). Worüber verwunderst du dich? fragte ihn der König. Habe ich nicht gut entschieden? Ja. Wenn dieser Rechtsfall in eurem Lande vorgekommen wäre, was würdet ihr gethan haben? Man würde sowohl den einen wie den andern enthauptet haben, und der Schatz würde an den König gekommen sein. Scheint in eurem Lande denn die Sonne? Ja. Regnet es auch in eurem Lande? Ja. Giebt es vielleicht in eurem Lande auch Kleinvieh? Ja! Es möge diesem Manne der Geist ausfahren! nur wegen (im Verdienste) des Kleinviehs scheint über euch die Sonne und fällt auf euch Regen herab, wegen des jungen Viehs werdet ihr gerettet, wie es heisst Ps. 36, 7: „Menschen und Vieh hilfst du, Ewiger“ d. i. dem Menschen hilft der Ewige wegen (im Verdienste) des Viehs.**) *) S. Midr. Beresch. r. Par. 33. **) Vergl. Jerusch. Baba mezia II, 5. Par. XXVII. Cap. XXII, 27. 185 Die Israeliten sprachen vor Gott: Herr der Welt! hilf uns Menschen, als wenn wir Thiere wären, weil wir hinter dir wie das Vieh gezogen werden, wie es heisst Cant. 1, 4: „Ziehe mich dir nach und wir wollen laufen.“ Und wohin werden wir dir nachgezogen? In das Paradies (Gan Eden). Das steht auch Ps. 36, 9 : „Sie laben sich an der Fülle deines Hauses und mit dem Strom deiner Wonne tränkst du sie.“ R. Eleasar bar R. Menachem sagte: Es heisst hier nicht: l -pT 5 >, deine Wonne (Sing.), sondern l -p:“D', deine Wonnen (Plur.), daraus geht hervor, dass jeder Gerechte eine besondere Wonne (ein besonderes Eden) für sich hat. „Menschen und Vieh hilfst du, Ewiger.“ R. Jizchak sagte: Das Recht des Menschen und das Recht des Thieres sind sich gleich. In Betreff des Rechts des Menschen heisst es Lev. 12, 3: „Am achten Tage soll das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten werden“ und betreffs des Rechts der Thiere heisst es Lev. 22, 27: „Vom achten Tage und weiterhin ist es wohlgefällig als Opfergabe.“ R. Tanchuma begann seinen Vortrag mit Hi. 41, 3: „Wer kam mir zuvor, dass ich ihm vergelten müsste? Unter dem ganzen Himmel ist alles mein“ d. i. ein Lediger (Kinderloser), der in einer Stadt wohnt und die Lehrer und die Mischnalehrer bezahlt. Gott sprach: Mir liegt es ob, einem solchen sein Thun zu vergelten und ihn zu belohnen und ihm einen Sohn zu geben. R. Jeremja bar R. Eleasar sagte: Einst wird eine Himmelsstimme ertönen (wimmern) auf den Spitzen der Berge und rufen: Wer mit Gott gewirkt hat, komme und empfange seinen Lohn, wie es heisst Num. 23, 23: „Zu der Zeit wird es Jacob gesagt und Israel, was Gott thut,“ und der heilige Geist ruft: „Wer kam mir zuvor, dass ich es ihm vergelten müsste“ d. i. wer kam mir zuvor, bevor ich ihm nicht eine Seele gegeben, wer nahm zur Ehre meines Namens die Beschneidung vor, bevor ich ihm nicht einen Sohn gegeben, wer hat mir ein Geländer*) gemacht, bevor ich ihm ein Dach gegeben, wer hat mir eine Mesusa gemacht, bevor ich ihm ein Haus gegeben, wer hat mir eine Laubhütte gemacht, bevor ich ihm einen Ort gegeben, wer hat mir einen Lulab gemacht, bevor ich ihm Geld gegeben, wer hat sich Schaufäden (Zizith) gemacht, bevor ich ihm einen Tallith dazu gegeben, wer theilte für den Armen die Eckstücke (auf dem Feld) ab, bevor ich ihm ein Feld gegeben, wer hat mir die Hebe entrichtet, bevor ich ihm eine Tenne gegeben, wer hat die Challa vor mir abgesondert, bevor ich ihm einen Teig gegeben, wer hat ein Opfer abgeschieden, bevor ich ihm ein Thier gegeben, wie es hier heisst Lev. 22, 27: „Ein Ochs, ein Schaf oder eine Ziege .... vom achten Tage und weiterhin ist es wohlgefällig zur Opfergabe.“ R. Jacob bar Sabdai begann mit Anknüpfung an Ezech. 29, 16: „Und es soll nicht mehr für das Haus Israels eine Stütze sein, die *) npyo ist die Einfassung um das platte Dach der morgenländischen Häuser. i86 Par. XXVII. Cap. XXII, 27. ihre Sünde in Erinnerung bringt.“ Und ferner heisst es Jes. 6, 2: „Seraphim standen über ihn, sechs Flügel hatte ein jeder, mit zweien bedeckte er sein Gesicht, mit zweien bedeckte er seine Ftisse und mit zweien flog er.“ „Mit zweien flog er“ zum Lobpreis (Gottes), „mit zweien bedeckte er sein Gesicht,“ um nicht auf die Schechina zu schauen, „und mit zweien bedeckte er seine Füsse,“ dass sie das Antlitz der Schechina nicht sehen sollten, denn es heisst: „Der Ball ihrer Füsse war wie der eines Kalbfusses,“ und es heisst auch Ex. 32, 8: „Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht.“ Darum soll dieses nun nicht mehr dem Hause Israels zur Stütze gereichen, ihre Sünde in Erinnerung zu bringen. Es ist dort gelehrt worden: Alle Hörner (Schopharoth) sind zu gebrauchen (tauglich), nur das Horn der Kuh nicht. Und warum ist das Horn der Kuh ausgenommen? Weil es das Horn des Kalbes ist, und es heisst: „Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht.“ Darum heisst es Ezech. 29, 16: „Es soll nicht mehr dem Hause Israels zur Stütze dienen, die ihre Sünde in Erinnerung bringt.“ Es ist gelehrt worden: Warum darf nicht ein ungetreues Weib aus dem Becher trinken, aus welchem eine andere (eig. ihre Genossin) schon getrunken hat? Damit nicht gesagt werde: Aus diesem Becher hat die und die getrunken und ist daran gestorben. Darum soll es ferner nicht mehr dem Hause Israels als Stütze dienen, die ihre Sünde in Erinnerung bringt. Es ist ferner gelehrt worden: Es heisst Lev. 20, 16: „Du sollst das Weib und das Vieh umbringen.“ Wenn der Mensch gesündigt hat, was hat dann das Thier gesündigt (verschuldet)? Weil eben dem Menschen durch dasselbe (^as Thier) ein Schimpf widerfahren ist, so bestimmt das Gesetz, dass es gesteinigt werde, damit es nicht heisse, wenn das Thier auf der Strasse geht: Das ist das Thier, durch welches der und der gesteinigt worden ist. „Darum soll es dem Hause Israels nicht ferner zur Stütze dienen, um die Sünde in Erinnerung zu bringen.“ „Ein Ochs oder Schaf.“ Wird denn ein Ochs geboren, wird nicht ein Kalb geboren? Allein weil die Israeliten ein gegossenes Kalb gefertigt haben, darum nennt hier die Schrift (das Junge) einen Ochsen und nicht ein Kalb. Das wollen die Worte sagen: Ein Ochs, oder ein Schaf, oder eine Ziege. Oder: „Ein Ochs, oder ein Schaf, oder eine Ziege.“ In Verbindung mit Koh. 3, 15: „Was war, war schon längst.“ R. Jehuda und R. Nechemja. R. Jehuda sagt: Wenn ein Mensch zu dir sagen sollte: Hätte der erste Mensch nicht gesündigt und von jenem Baume gegessen, so hätte er ewig gelebt und fortbestanden, so antworte ihm: Das ist schon der Fall gewesen, Elia, der sich keine Sünde hat zu Schulden kommen lassen, lebt und besteht ewig. „Und was werden soll, ist längst gewesen.“ Wenn dir ein Mensch sagen sollte, dass Gott einst uns als Todte neu beleben werde, so Par. XXVII. Cap. XXII, 27. 187 sprich zu ihm: Das ist schon der Fall gewesen, es ist durch Elia, Elisa und Ezechiel geschehen. R. Acha sagte im Namen des R. Chalaphta: Alles, was Gott einst thun und in seiner Welt neu machen wird, hat er schon vorangehen lassen und hat es zum Theil schon durch seine Propheten, seine Gerechten (Frommen) in dieser Welt gethan. Gott sprach: Ich bin es, der einst das Meer zu Trockenem (zu bewohntem Lande) machen wird, und ich habe es nicht schon durch Mose gethan, wie es heisst Ex. 24, 16: „Du erhebe deinen Stab und recke deine Hand aus über das Meer.“ Ich bin es, der einst die Unfruchtbaren (Kinderlosen) bedenken wird, und ich habe es bereits schon gethan, wie es heisst Gen.21,1: „Und der Ewige bedachte die Sara.“ Ich bin es, der einst bewirken wird, dass sich Könige vor euch bücken, wie es heisst Jes. 49,23: „Könige werden deine Wärter und ihre Fürstinnen deine Ammen sein.“ Ich habe das schon durch Daniel gethan, vor dem Nebucadnezar sich gebückt hat, wie es heisst Dan. 2, 46: „Zu der Zeit fiel der König Nebucadnezar auf sein Angesicht und bückte sich vor Daniel.“ Ich werde einst die Blinden sehend machen, und ich habe es schon gethan, wie es heisst 2 Reg. 6, 17: „Der Ewige öffnete die Augen des Knappen (des Elisa).“ Es heisst Koh. 3,15: „Und Gott sucht den Verfolgten.“ R. Huna sagte im Namen des R. Joseph: Immer sucht Gott den Verfolgten. Du findest: Ein Gerechter verfolgt einen Gerechten und Gott sucht den Verfolgten; ein Frevler verfolgt einen Gerechten und Gott sucht den Verfolgten; ein Frevler verfolgt einen Frevler und Gott sucht den Verfolgten, selbst wenn ein Gerechter einen Frevler verfolgt, so sucht Gott den Verfolgten; überall (jedenfalls) sucht Gott den Verfolgten. R. Jehuda bar R. Simon sagte im Namen des R. Jose ben Nehorai: Immer fordert Gott das Blut der Verfolgten von den Verfolgern. Du kannst es auch daraus erkennen, dass es so ist, Abel wurde von Kain verfolgt und Gott erwählte Abel, wie es heisst Gen. 4, 4: „Der Ewige blickte auf Abel und auf seine Opfergabe.“ Noach wurde von seinen Zeitgenossen verfolgt und Gott erwählte nur Noach, wie es heisst das. 7, 1: „Denn ich habe dich als Gerechten vor mir gesehen in diesem Geschlechte.“ Abraham wurde von Nimrod verfolgt und Gott erwählte den Abraham, wie es heisst Nechem. 9, 7: „Du bist es, Ewiger, Gott, der du Abram erwähltest;“ Jizchak wurde von den Philistern verfolgt und Gott erwählte Jizchak, wie es heisst Gen. 26, 28: „Wir haben gesehen, dass der Ewige mit dir ist;“ Jacob wurde von Esau verfolgt und Gott erwählte Jacob, wie es heisst Ps. 135, 4: „Den Jacob erwählte sich Jah;“ Joseph wurde von seinen Brüdern verfolgt und Gott erwählte Joseph, wie es heisst Ps. 81, 6: „Zeugniss hat er in Joseph gethan;“ Mose wurde von Pharao verfolgt und Gott erwählte Mose, wie es heisst Ps. 106,23: „Wenn Mose sein Erwählter nicht gewesen wäre;“ David wurde von Saul verfolgt und Gott erwählte David, wie es heisst Ps. 78, 70: „Er erwählte seinen Knecht David;“ Saul wurde i88 Par. XXVII. Cap. XXH, 27. von den Philistern verfolgt und Gott erwählte Saul, wie es heisst 1 Sam. 10, 24: „Habt ihr gesehen, welchen der Ewige erwählt hat?“ Israel wird von den Völkern verfolgt und Gott hat Israel erwählt, wie es heisst Deut. 14, 2: „Dich hat der Ewige erwählet zu seinem eigenthümlichen Volke.“ R. Elieser bar R. Jose ben Simra sagte: So verhält es sich auch mit den Opfern. Gott sprach: Der Ochs wird vom Löwen verfolgt, die Ziege wird vom Tiger verfolgt, das Schaf wird vom Wolf verfolgt, opfert vor mir nicht von den Verfolgern, sondern von den Verfolgten. Das steht nun auch hier: „Ein Ochs oder ein Schaf oder eine Ziege, so es geboren worden.“ Oder: „Ein Ochs oder ein Schaf oder eine Ziege.“ Das steht auch Micha 6, 3: „Mein Volk, was habe ich dir gethan und womit habe ich dich belästigt? Zeuge wider mich!“ R. Acha sagte: Zeuge so gegen mich, dass du Lohn dafür bekommst, aber tritt nicht gegen deinen Freund als falscher Zeuge hin, worüber du einst zu Gericht und Rechenschaft gezogen werden wirst. R. Samuel bar Nachman sagte: An drei Stellen hatte Gott einen Rechtsstreit mit Israel und die Völker der Welt freuten sich schon und sprachen: Sie werden nichts vermögen, um mit ihrem Schöpfer zu rechten, jetzt wird er sie aus der Welt vertilgen. In dieser Stunde sprach Gott zu ihnen Jes. I, 18: „Kommt denn, wir wollen miteinander rechten, spricht der Ewige.“ Als Gott sah, dass sich die Völker der Welt freuten, wandelte er es ihnen zum Guten (zu ihrem Besten), wie es heisst das.: „Wenn gleich eure Sünden wie Scharlach sind, wie Schnee sollen sie weiss werden.“ Da wunderten sich die Völker der Welt und sprachen: Ist das eine Antwort, eine Züchtigung (Zurechtweisung)? Er hat nur mit seinen Kindern scherzen wollen. Als er ferner zu ihnen sprach Micha 6, 2: „Hört, ihr Berge, den Streit des Ewigen,“ da freuten sich die Völker der Welt und sprachen: Wie werden diese (Israeliten) mit ihrem Schöpfer rechten können? Jetzt vertilgt er sie aus der Welt. Als Gott die Freude der Völker sah, wandelte er es ihnen zum Guten, wie es heisst das. V. 3: „Mein Volk, was habe ich dir gethan?“ V. 5: „Mein Volk bedenke doch, was Balak, der König von Moab, rathschlagte.“ Darüber wunderten sich alle und sprachen: Ist das eine Antwort, ist das eine Züchtigung? Dieses nach jenem? Er ist nur gekommen, um mit seinen Kindern zu scherzen. Als Gott sprach Hos. 12, 3: „Der Ewige hat einen Streit mit Jehuda, um zu ahnden an Jacob seinen Wandel,“ da freuten sich die Völker der Welt und sprachen: Wie werden diese mit ihrem Schöpfer rechten können, jetzt vertilgt er sie aus der Welt. Allein in Folge dieser Freude wandelte Gott es ihnen zum Guten, wie es das. V. 4 heisst: „Im Mutterleibe fasste Jacob seinen Bruder an der Ferse.“ Gleich einer Wittwe, sagte R. Judan bar R. Simeon, welche ihren Sohn beim Richter verklagen wollte; als sie den Richter sitzen sah, verurtheilend zu Feuer und Pech und Peitschen, sprach sie: Ich mag das Vergehen meines Sohnes bei diesem Richter nicht anbringen, denn er tödtet ihn, ich Par. XXVII. Cap. XXII, 27. 189 will warten, bis das Gericht zu Ende ist. Als das der Fall war, fragte sie der Richter: Was hat denn dein Sohn sich gegen dich zu Schulden kommen lassen? Sie antwortete: Mein Herr! als er in meinem Leibe war, da stiess er mich. Der Richter fragte: Hat er dir weiter nichts gethan? Nein, antwortete sie. Geh, sprach der Richter zur Frau, darin (in dieser Sache) liegt nichts Sträfliches. Ebenso, als Gott sah, dass die Völker der Welt sich freuten, wandelte er es ihnen zum Guten, wie es heisst: „Im Mutterleibe fasste Jacob seinen Bruder an der Ferse.“ Da wunderten sich die Völker der Welt und sprachen: Ist das eine Antwort? ist das eine Züchtigung (Zurechtweisung)? Dieses nach jenem? Er kam nur, um mit seinen Kindern zu scherzen. „Und womit habe ich dich belästigt? Zeuge gegen mich!“ Gleich einem König, führte R. Berachja als Beispiel an, welcher seine Gesandten ins Land schickte und die Ein- w’ohner traten vor sie hin und bedienten sie mit Schrecken und Furcht und Zittern und Beben. So sprach auch Gott zu den Israeliten: Ich habe drei Boten an euch gesandt, Mose, Aaron und Mirjam. Haben diese vielleicht von euch gegessen, oder haben sie vielleicht von euch getrunken, oder haben sie vielleicht auf euch etwas gewälzt? Seid ihr nicht in ihrem Verdienste erhalten ■worden? Kam nicht das Manna im Verdienste Moses, der Brunnen im Verdienste Mirjams, das Herrlichkeitsgewölk im Verdienste Aarons? Gleich einem König, sagte R. Jizchak, der sein Edict (nooarayi-ia) ins Land abschickte. Was machten die Bewohner? Sie erhoben sich (eig. sie stellten sich auf ihre Füsse), entblössten ihre Häupter und lasen es mit Schrecken und Furcht, mit Zittern und Beben. Ebenso sprach Gott zu den Israeliten: Ich habe euch betreffs meines Edictes nicht belästigt, denn ich habe euch nicht befohlen, dass ihr das Sch’ma stehend und mit entblössten Häuptern lesen sollt, sondern Deut. 6, 6: „Wenn du sitzest in deinem Hause und gehest auf deinem Wege und dich niederlegst und aufstehest.“ R. Jehuda bar R. Simon sagte: Gott sprach: Zehn Thiergattungen habe ich dir übergeben, drei sind in deiner Gewalt und sieben sind nicht in deiner Gewalt. Die drei, welche in deiner Gewalt sind, sind Ochs, Schaflamm und junge Ziege, und die sieben, die nicht in deiner Gewalt sind, sind: Widder, Hirsch, Esel, Reh, Bergziege, Waldbock und Semer. Ich habe euch nicht belästigt und ich habe euch nicht geheissen, auf den Bergen euch abzumühen, um mir ein Opfer von jenen Thieren zu bringen, die nicht in deiner Gewalt sind, sondern von denen, die in deiner Gewalt sind d. i. von solchen, die an deiner Krippe aufwachsen. Das wollen die Worte sagen: „Ochs oder Schaf oder Ziege.“ R. Levi begann mit Jes. 41, 24: „Sieh, ihr seid von Nichts und euer Thun ist von Nichtigkeit.“ „■par v ° n Nichts“ d. i. Gib5 is'bn von nicht irgend etwas und von einer übelriechenden Feuchtigkeit; von Nichtigkeit“ d. i. von hundertmalen, wo die Frau auf dem Gebärstuhl sitzt, ist sie neunundneunzigmal für den Tod und 190 Par, XXYil. Cap. XXII, 27. nur einmal für das Leben bestimmt. „Abscheu, wer euch erwählet.“ Obgleich dieses Kind aus dem Leibe seiner Mutter beschmutzt, besudelt und voller Schleim und Blut auf die Welt kommt, so herzen und küssen es dennoch alle, zumal wenn es ein Knäblein ist. Oder: „Ihr seid von Nichts.“ R. Berachja sagte: ist ein griechisches Wort und bedeutet Eins (ev). Gott sprach: Ihr seid mir eine Nation unter den Völkern der Welt, die von Nichts sind, von denen geschrieben steht: „Alle Völker sind wie Nichts vor ihm (■Hä5 “pto).“ „Und euer Thun ist von Nichtigkeit.“ R. Levi sagt: Alle Wohlthaten und Tröstungen, die Gott einst Israel wird zu Theil werden lassen, erfolgten nur wegen ihres gethanen Ausspruches am Sinai, da sie sprachen Ex. 24, 7: „Alles, was der Ewige gesprochen, wollen wir thun und befolgen.“ „Ein Gräuel, wer euch erwählet“ d. i. jener Gräuel, von dem die Schrift sagt: „Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht.“ Von jenem Gräuel bringet mir ein Opfer, wie es heisst: „Ein Ochs oder Schaf.“ Es heisst Hos. 7, 3: „Durch ihre Bosheit erfreuen sie den König?“ Warum wird aber unter den Opferthieren der Ochs zuerst genannt? R. Levi sagte: Es verhält sich damit wie mit einer Matrone, über die man üble Nachreden verbreitet hatte, dass sie es mit einem der Grossen der Regierung (am Hofe) halte. Der König stellte eine Untersuchung der Dinge an, und fand, dass an ihnen nichts Wesentliches war (er fand das Gerücht für nicht gegründet). Was machte der König? Er veranstaltete ein Gastmahl und setzte jenen Mann (der die Matrone sollte verführt haben) an die Spitze der Tischgenossen. Und das alles warum? Um kund zu thun, dass der König die Dinge untersucht und daran nichts Wesentliches gefunden habe. Ebenso höhnen die Völker der Welt die Israeliten und sprechen zu ihnen: Ihr habt das Kalb gemacht, aber Gott hat die Sache untersucht und daran nichts Wesentliches gefunden. Darum wird der Ochs an die Spitze aller Opfer gestellt, wie es heisst: „Ein Ochs oder ein Schaf oder eine Ziege.“ R. Huna und R. Ibo sagten im Namen des R. Samuel bar Nachman: Die Israeliten sind von jener That frei zu sprechen, denn wenn sie wirklich das goldene Kalb gefertigt hätten, so hätten sie doch sagen müssen: Dieses ist unser Gott, allein die Fremden, die mit ihnen aus Aegypten gezogen waren, haben es gefertigt und sie höhnen die Israeliten und sagen: „Dieses ist dein Gott, Israel!“ R. Jehuda bar R. Simon sagte: Es heisst Jes. 1, 3: „Der Ochs kennt seinen Eigenthümer.“ Haben sie (die Israeliten) ihn nicht gekannt? Allein sie haben ihn mit der Ferse getreten (nicht beachtet) vgl. Jerem. 4, 22: „Denn mein Volk ist thöricht, nicht kennt es mich.“ Haben sie ihn nicht gekannt? Allein sie haben ihn mit der Ferse getreten. So heisst es Hos. 2, 8: „Und sie weiss es nicht, dass ich ihr gegeben habe“ u. s. w. Sollte sie es denn nicht gewusst haben? Allein sie hat ihn mit der Ferse getreten. Oder: „Ein Ochs oder ein Schaf oder eine Ziege.“ Der Ochs Par. XXVII. Cap. XXII, 27. igi (wird als Opfer gebracht) mit Rücksicht auf Abraham (eig. im Verdienste Abrahams), von dem es heisst Gen. 18, 7: „Zu den Rindern lief Abraham,“ das Schaf mit Rücksicht auf Jizchak, denn es heisst: „Er sah und siehe, ein Widder,“ die Ziege mit Rücksicht auf Jacob, denn es heisst (die Mutter sprach zu ihm): „Geh doch zu den Schafen und nimm mir von da zwei gute Ziegenböcklein.“ Was heisst trans gute? R. Berachja sagte im Namen des R. Chelbo: (Sie sind) gut für dich und gut für deine Kinder; gut für dich, weil du durch sie alle Arten von Segnungen empfangen wirst und gut für deine Kinder, weil ihnen durch sie Vergebung am Versöhnungstage wird zu Theil werden, wie es heisst Lev. 16, 30: „Denn an diesem Tage wird er euch versöhnen.“ „Und es soll sieben Tage unter seiner Mutter sein.“ Warum sieben Tage? Damit untersucht werde, ob es von seiner Mutter gestossen, oder ob sonst ein Fehler an ihm befunden worden, siehe, dann ist es unbrauchbar und nicht mehr tauglich zum Opfer (um es als Opfer darzubringen). Denn es ist dort gelehrt worden: Auf einer Geburt, die durch Operation aus der Seite genommen wird (■jsn N2£v), lasten (sitzen) nicht die vorgeschriebenen Tage der Unreinheit und Reinheit und man ist auch nicht schuldig, dafür ein Opfer darzubringen. R. Simeon jedoch betrachtet eine solche Geburt wie ein (natürlich) Gebornes. Oder: „Es soll sieben Tage unter seiner Mutter sein.“ R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Levi: Gleich einem Könige, der in ein Land zog und anordnete: Alle Fremden, welche da sind, sollen mein Angesicht nicht eher sehen, als bis sie zuvor das Angesicht der Matrone (Königin) gesehen haben. So spricht auch Gott: Bringet vor mir das Opfer nicht eher, als bis an ihm ein Sabbath vorübergegangen ist, denn es giebt nicht sieben Tage ohne einen Sabbath (ohne dass nicht ein Sabbath in sie fiele), es giebt keine Beschneidung, ohne einen Sabbath (ohne dass in die Zeit nicht ein Sabbath fällt), wie es heisst: „Vom achten Tage an und weiterhin ist es als Opfergabe wohlgefällig.“ R. Jizchak sagte: Das Recht eines Menschen und das Recht eines Thieres sind sich gleich. Betreffs des Rechtes des Menschen heisst es: „Am achten Tage soll das Fleisch seiner Vorhaut beschnitten werden“ und betreffs des Rechts des Thieres heisst es: „Vom achten Tage an und weiterhin ist es als Opfergabe wohlgefällig“ d. i. wenn ihr es vor mir freiwillig als Opfergabe mit einer guten Gesinnung darbringt, so ist es mein Opfer, wenn du es aber aus Zwang wider deinen Willen darbringst, so betrachte ich es dir so, als wenn du es mir nicht dargebracht hättest, sondern es ist nur „ein Feuer für den Ewigen.“ So auch heisst es Num. 28, 2: „Befiel den Kindern Israels und sage ihnen: Meine Opfer, meine Speise, meine Feuer.“ Was heisst ■urs;? Gott sprach zu ihnen: Wenn ihr das Opfer aus freiem Willen und mit lauterer Gesinnung darbringt, so ist es mein Opfer, wenn ihr es aber aus Zwang darbringt, so gehört es nur zu meinen Par. XXVII. Cap. XXII, 27. 29. 192 Feuern, aber es gereicht nicht zu meiner Ehre (es dient nicht dem göttlichen Zwecke). Ferner heisst es das. V. 29: Ochs oder Schaf, es selbst und sein Junges, sollt ihr nicht an einem Tage schlachten. R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: Es steht geschrieben Prov. 12, 10: „Der Gerechte kennt, wie es seinem Vieh zu Muthe ist.“ „Der Gerechte“ d. i. Gott, welcher in seinem Gesetze geschrieben hat Deut. 22, 6: „Du sollst nicht die Mutter mit den Jungen nehmen.“ „Aber der Frevler ist grausam“ d. i. Sancherib, von dem es heisst Hos. 10, 14: „Da eine Mutter auf den Kindern zertreten ward.“ Oder: „Der Gerechte weiss“ u. s. w. d. i. ist Gott, der in seinem Gesetze geschrieben hat: „Ochs oder Schaf oder Ziege;“ „aber das Herz der Frevler ist grausam“ d. i. der ruchlose Haman, von dem geschrieben steht Esth. 3, 13: „Zu vertilgen, umzubringen und zu vernichten.“ R. Levi sagte: Wehe den Frevlern, die sich mit Rathschlägen (bösen Plänen) beschäftigen, ein jeder spricht: Mein Rath (Vorschlag) ist besser als dein Rath. Esau sprach: Kain war ein Thor, dass er seinen Bruder bei Lebzeiten seines Vaters umbrachte und nicht wusste, dass sein Vater noch mehr Kinder bekommen konnte, ich mache es nicht so, sondern Gen. 27, 41: „Es werden sich die Tage der Trauer um meinen Vater nahen.“ Pharao sprach: Esau war ein Thor, dass er sagte: „Es werden sich die Tage der Trauer um meinen Vater nahen“ und nicht wusste, dass sein Bruder bei Lebzeiten seines Vaters nicht noch Kinder bekommen konnte, ich mache es nicht so, sondern ich erwürge sie, wenn sie noch klein auf dem Schosse ihrer Mütter sind, wie es heisst Ex. 1,16: „Sehet auf den Gebärstuhl .... jeden neugebornen Knaben sollt ihr in den Fluss werfen.“ Haman sagte: Pharao war ein Thor, als er befahl: Jeden neugebornen Knaben sollt ihr in den Fluss werfen und nicht wusste, dass die Töchter sich Männer nehmen und sich so vermehren könnten, ich mache es nicht so, sondern: „Zu vertilgen, umzubringen und zu verderben.“ Auch Gog und Magog werden einst so sprechen: Thoren waren die Alten, welche sich mit Rathschlägen über Israel beschäftigten (um sie zu vernichten) und nicht wussten, dass sie einen Patron (Schutzgott) im Himmel hatten; ich mache es nicht so, sondern ich mache mich zuerst an ihren Patron und darauf an sie, wie es heisst Ps. 2, 2: „Es stehen auf die Könige der Erde.“ Du Frevler! sprach Gott zu ihm, an mich willst du dich machen? Bei deinem Leben! ich werde dich bekriegen, wie es heisst Jes. 42, 13: „Der Ewige zieht aus wie ein Held, wie ein Kriegsmann weckt er seinen Eifer“ und Sach. 14, 3: „Der Ewige zieht aus und streitet mit diesen Völkern.“ Und was steht noch daselbst? V. 9: „Und der Ewige wird König über die ganze Erde sein.“ V. 29. Wenn ihr ein Dankopfer dem Ewigen darbringt. R. Pinchas und R. Levi und R. Jochanan sagten im Namen des Par. XXVIII. Cap. XXIII, io. r 93 R. Menachem von Gallia: Alle Opfer werden einst in Wegfall kommen, das Dankopfer aber wird nimmer in Wegfall kommen; Danksagungen werden auf hören, aber die Danksagungen des Dankopfers werden niemals auf hören, wie es heisst Jerem. 33, 11: „Stimme der Wonne und Stimme der Freude, Stimme des Bräutigams und Stimme der Braut, die Stimme derer, welche rufen: Danket dem Ewigen Zebaoth, denn er ist gütig.“ Das sind die Danksagungen. „Und die da Dankopfer darbringen zum Hause des Ewigen“ d. i. das Dankopfer. So hat auch David gesagt Ps. 56, 13: „Deine Gelübde, Gott, liegen mir ob, ich muss dir Dankopfer bezahlen.“ Es heisst nicht !TTin, sondern nmn d. i. die Danksagung (rpi'Tiiiti) und das Dankopfer (“nn p^p). Parascha XXVIII. Cap. XXIII. V. 10. Rede zu den Kindern Israels. Bringet eine Erstlingsgarbe (Omer) eurer Ernte zum Priester. Das steht auch geschrieben Koh. 1, 3: „Welchen Gewinn hat der Mensch von all seiner Mühe, womit er sich mühet unter der Sonne.“ R. Benjamin ben Levi sagte: Man wollte das Buch Kohelet verbergen (dem allgemeinen Gebrauche entziehen), weil man nämlich Dinge darin fand, welche zur Irrlehre (Ketzerei) hinneigen. Man sagte: Geziemt es sich wohl für Salomo, zu sagen das. 11, 9: „Freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in den Tagen deiner Jugend?“ Mose hat doch gesagt Num. 15, 39: „Wandelt nicht nach eurem Herzen und nicht nach euren Augen.“ Salomo dagegen hat gesagt Koh. 11, 9: „Wandle in den Wegen deines Herzens und dem Scheine deiner Augen nach.“ Wird einmal der Zügel losgelassen, dann giebt es kein Recht und keinen Richter mehr. Als er aber nachher gesagt hatte das.: „Wisse, dass dich Gott über das alles wird vor Gericht ziehen,“ da sagte man: Salomo hat gut gesprochen. R. Samuel bar Nachmani sagte: Man wollte das Buch Kohelet verbergen, weil man Dinge darin fand, welche zur Irrlehre hinneigen. Man sagte: Hätte denn Salomo so sagen sollen: „Was hat der Mensch für einen Gewinn von all seiner Mühe?“ Da könnte man glauben, auch von der Mühe um die Thora (hat er keinen Gewinn)? Sie kehrten aber um (lenkten ein) und sagten: Wenn er gesagt hätte: von aller Mühe, und dabei geschwiegen hätte, so hätten wir sagen können: Auch für die Mühe um die Thora (da wäre diese auch mit eingeschlossen). Siehe, er sagt aber nicht so, sondern: für alle seine Mühe d. i. für seine Mühe, welche nichts hilft, aber die Mühe um die Thora hilft.*) Und dann ist noch zu erwägen, bemerkte R. Judan, dass Salomo sagt: unter der Sonne *) Von seiner eigenen Mühe hat der Mensch keinen Nutzen, wohl aber von der Mühe, die er auf die Thora verwendet. Wünsche, Midrasch Wajikra. 13 194 Par. XXVIII. Cap. XXIII, io. hat er keinen Vortheil, wohl aber über der Sonne. R. Levi und die Rabbinen. R. Levi sagt: Für alles das, was die Geschöpfe Grosses thun in religiösen Pflichtgeboten und guten Werken in dieser Welt, ist’s genug (sie müssen sich schon belohnt fühlen), dass Gott ihnen die Sonne scheinen lässt, wie es heisst das. i, 5: „Die Sonne geht auf und die Sonne geht unter.“ Die Rabbinen sagen: Für alle religiösen Pflichtgebote und guten Werke, welche die Frommen in dieser Welt üben, ist’s genug, dass Gott ihr Antlitz wie die Sonnenkugel erneuert, wie es heisst Jud. 5, 31: „Die ihn lieben, gleichen dem Aufgange der Sonne in ihrer Kraft.“ R. Janai sagt: Gewöhnlich wenn ein Mensch eine Litra Fleisch auf dem Markte kauft, wie viele Mühe kostet es ihm und wie viel Qual macht es ihm, bis es gar kocht, und die Menschen schlafen auf ihren Lagern, und Gott lässt Winde wehen, Wolken aufsteigen, Gewächse sprossen, Früchte gedeihen (saftig werden), und man giebt ihm nichts weiter als Lohn dafür als ein Omer. Das ist hier gesagt: „Bringet eine Erstlingsgabe (Omer) von eurer Ernte zum Priester.“ R. Pinchas sagte: Gewöhnlich wenn ein Mensch sein Kleid in Regentagen wäscht, wie viel Mühe hat er, bis er es trocknet, und die Menschen schlafen auf ihren Lagern, und Gott lässt ein wenig Wind wehen und macht die Erde trocken. R. Abin sagte: Komm und sieh, wie viel Sorge und Qual kostet den Israeliten die Erfüllung der Vorschrift betreffs des Omers, denn es ist dort*) gelehrt worden: (Die Sendboten des Gerichtshofes gingen am Vorabend des Festes hinaus) und schnitten erst die Gerste, thaten sie dann in eine Kufe und brachten sie in die Vorhalle, rösteten (sengten) sie dann im Feuer, um die Vorschrift betreffs der gesengten Sange zu erfüllen. So hat R. Meir gesagt. Die andern Weisen dagegen sagten: Die Gerste wurde in Röhren und Kesseln geschlagen, damit sie nicht gedrückt werde, dann wurde sie in ein durchlöchertes Rohr gethan, damit das Feuer seine Macht an ihr ausübe, dann breitete man sie in der Halle aus, und der Wind blies sie an, dann schaffte man sie in die Mühle der Gräupner. Und warum das alles? Um davon einen Issaron (’/, 0 ) abzuziehen, welcher in dreizehn Sieben gesiebt worden ist. R. Levi sagte: Siehe, wenn du gepflügt, gesät, gegätet, abgeschnitten, geerntet, gebunden (Garben gemacht), gedroschen und den Ertrag auf die Tenne gebracht hast, wenn Gott dir nicht ein wenig Wind wehen lässt, dass du windschaufeln kannst, woher wirst du leben können? Siehe, ihr gebt mir nur den Lohn für den Wind. Das wollen die Worte sagen: „Welchen Nutzen hat er, dass er sich für den Wind bemüht?“ R. Simeon Beribbi lud zu seiner Hochzeit alle Rabbinen ein, nur den Bar Kapra nicht. Dieser schrieb nun an die Thür seines Hauses:**) Nach all deiner Freude stirbst du, was für Vortheil hast du von deiner Freude? Als Rabbi *) S. Mischna Menachot X, 2. **) Ein memento mori. Par. XXVIII. Cap. XXIII, io. 195 herausging und diese Schrift sah, fragte er: Wer ist wohl dieser d. i. wer hat das wohl gethan? Weil wir ihn nicht eingeladen haben, hat er diese Worte geschrieben. Man sagte ihm: Bar Kapra ist es. Er sprach: Morgen veranstalte ich seinetwegen (eig. wegen seiner Person) noch eine Mahlzeit mit den Personen. Er veranstaltete wirklich noch eine Mahlzeit und er lud Bar Kapra ein. Als die herbeigekommenen Gäste sich zum Essen niederliessen, trug Bar Kapra, so oft eine Speise aufgetragen wurde, dreihundert Fuchsfabeln vor, in Folge dessen wurden die Speisen kalt und die Gäste kosteten nichts davon. Rabbi sagte zu seinen Dienern: Warum kommen die Speisen heraus, ohne dass man davon gekostet hat? Sie antworteten ihm: Es ist da ein alter Mann, der, so oft eine Speise aufgetragen wird, dreihundert Fuchsfabeln erzählt, in Folge dessen wird die Speise kalt. Rabbi trat nun an ihn heran und sprach zu ihm: Warum lässest du die Gäste nichts gemessen? Er antwortete ihm: Damit du nicht glauben sollst, ich sei um zu speisen gekommen, sondern weil du mich nicht mit meinen Genossen eingeladen hattest.*) R. Eleasar sagte: Es steht Jerem. 5, 25 geschrieben: „Sie sprachen nicht in ihrem Herzen: Wir wollen den Ewigen, unsern Gott, ehr fürchten.“ Er giebt euch alles, und ihr glaubt seiner nicht zu bedürfen. Es heisst das.: „Die bestimmten Wochen der Ernte wird er uns bewahren“ d. i. er wird uns vor den bösen (schädlichen) Winden und bösen (schädlichen) Thauen bewahren. Wann? ln den sieben Wochen zwischen Pesach und Pfingsten. R. Chija hat gelehrt: Sieben volle Wochen sollen es sein. Wann ist das der Fall? Zur Zeit, wenn die Israeliten den Willen Gottes thun. R. Josua sagte: (Gott spricht:) Ich bin dein Wächter (Hüter, Censor), und du giebst mir nichts für meine Wachsamkeit. R. Berachja sagte: Ich bin dein Koch, und du lässt mich nicht von deinen Gerichten kosten. Denn wir wissen nicht, was sie bedürfen, ob Thau, ob Regen. Das sagt auch David Ps. 68, 10: „Reichlichen Regen lässest du, Gott, fallen.“ David sprach nämlich vor Gott: Herr der Welt! wenn es Regen ist, so ist Reichlichkeit erforderlich**), wenn es Thau ist, so musst du, Gott, ihn herabsenden. R. Berachja sagte: Gott sprach zu Mose: Geh und sage den Israeliten: Als ich euch das Manna gab, gab ich einem jeden von euch ein Omer, wie es heisst Ex. 16, 16: „Ein Omer für jeden Kopf,“ und jetzt, wo ihr mir das Omer gebt, verlange ich von euch allen nur ein Omer, und nicht einmal eins von Weizen, sondern von Gerste. *) In Midr. Kok. zu 1, 3 heisst es: Damit du nicht etwa meinst, ich sei deiner Schüsseln halber gekommen. **) Denn der Regen ist ein freiwilliger Segen, der von Gott kommt, sowie unsere Alten im Gebete zu sagen verordnet haben: Er ernährt die Lebenden mit Gnade; aber der Thau wird mit Recht gefordert und er darf der Welt nicht fehlen. M. K. I3 : Par. XXVIII. Cap. XXIII, IO. 196 darum warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Und bringt das Omer.“ Oder: „Und bringt das Omer,“ wie es heisst Hi. 5, 5: „Seine Ernte isst der Hungrige.“ „Seine Ernte“ d. i. Nimrod, „isst der Hungrige“ d. i. unser Vater Abraham, über den Friede sei! „Und nicht mit Schilden nimmt er sie weg“ d. i. nicht mit Waffen und nicht mit Schild, sondern durch Gebet und Flehen. Das steht auch Gen. 14, 14: „Als Abraham hörte, dass sein Bruder gefangen weggeführt worden war, da liess er ausziehen seine Knechte, seine Hausgebornen, dreihundert und achtzehn.“ Resch Lakisch hat im Namen des Bar Kapra gesagt: Es war Elieser allein, denn sein Name hat dreihundert und achtzehn in der Zahl. „Und die Durstigen schlürfen sein Gut.“ Wer hat nach Nimrods Vermögen gedrängt? Abraham und alle seine Anhänger (Genossen). Oder: „Seine Ernte“ d. i. Pharao, „isst der Hungrige“ d. i. Mose, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg“ d. i. nicht durch Waffen und nicht durch Schild, sondern durch Gebet und Flehen, wie es heisst Ex. 14, 15: „Und der Ewige sprach zu Mose: Was schreist du zu mir?“ „Und Durstige schlürfen sein Gut.“ Wer hat nach Pharaos Gut gedrängt? Mose und seine Anhänger. Oder: „Seine Ernte“ d. i. Sichon und Og, „isst der Hungrige“ d. i. Mose, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg“ d. i. „und der Ewige sprach zu Mose: Fürchte ihn nicht,“ und „Durstige schlürfen sein Gut“ d. i. wer hat nach Sichoh’s und Og’s Gut gedrängt? Mose und Aaron und alle seine Anhänger. Oder: „Seine Ernte“ d. i. Sisera, „isst der Hungrige“ d. i. Debora und Barak, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg“ d. i. für sie wurde am Himmel gestritten, „und Durstige schlürfen sein Gut“ d. i. wer hat nach Siseras Gut gedrängt? Debora, Barak und alle ihre Anhänger. Oder: „Seine Ernte“ d. i. Sancherib, „isst der Hungrige“ d. i. Jesaia und Chiskia, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg“ d. i. „und der König Chiskia betete und der Prophet Jesaia, Sohn Amoz“ u. s. w., „und Durstige schlürfen sein Gut“ d. i. wer hat nach Sancheribs Gut gedrängt? Jesaia, Chiskia und alle ihre Anhänger. Oder: „Seine Ernte“ d. i. Mardachai und Esther, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg“ d. i. Sack und Asche bereitete er vielen, „und Durstige schlürfen sein Gut.“ Wer drängte nach dem Gute des ruchlosen Haman? Mardachai, Esther und alle ihre Anhänger. Oder: „Seine Ernte“ d. s. die einunddreissig Könige, „isst der Hungrige“ d. i. Josua, „und nicht mit Schilden nimmt er sie weg“ d. i. nicht mit Waffen und nicht mit Schild, sondern durch Gebet und Flehen, wie es heisst Jos. 7, 10: „Und der Ewige sprach zu Josua: Mache dich auf!“ „Und Durstige schlürfen sein Gut.“ Wer *) So nimmt der Midr. die Stelle. Par. XXVIII. .Cap. XXIII, io. 197 drängte nach dem Gut der einunddreissig Könige? Josua und alle seine Anhänger. Und durch welches Verdienst waren die Israeliten so glücklich, das Land in Besitz zu nehmen? Im Verdienste der Vorschrift betreffs des Omer, denn es heisst: „Wenn ihr in das Land kommt“ u. s. w. Deshalb warnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: Wenn ihr in das Land kommt und die Ernte haltet, so bringt das Omer, und er webe das Omer vor dem Ewigen. Wie geschah die Webe desselben? R. Chama bar R. Ukba im Namen des R. Jose bar R. Chanina sagte: Er bewegte sie hin und her, hinauf und herunter; hin und her, um damit anzudeuten, dass es für den geschehe, dem die ganze Welt gehört, hinauf und herunter, um damit anzudeuten, dass es für den geschehe, dem die Oberen und Unteren gehören. R. Simon bar R. Josua sagte: Hin und her, um die schweren Geister zu vertreiben, und hinauf und herunter, um die schädlichen Thaue zu entfernen. R. Abun und R. Nechemja und R. Jacob bar Abba im Namen des R. Jehuda bar R. Simon, R. Jochanan und R. Simeon ben Lakisch. R. Jochanan sagte: Nie erscheine das Gebot, das Omer zu bringen, gering (leicht) in deinen Augen, denn durch die Befolgung dieser Vorschrift war Abraham so glücklich, das Land Kanaan in Besitz zu nehmen, wie es heisst Gen. 17, 8: „Und ich gebe dir und deinem Samen nach dir das Land deines Aufenthaltes,“ unter der Bedingung, dass du meinen Bund hältst. Welcher ist das? Die Vorschrift betreffs des Omer. Resch Lakisch sagte: Nie erscheine die Vorschrift in deinen Augen gering, denn durch die Befolgung derselben stiftet Gott Frieden zwischen dem Mann und seinem Weibe. Antworte: Im Verdienste (in Folge) von Gerstenmehl.*) R. Abuhu und R. Simon und R. Josua ben Levi sagten: Diese Verordnung hat ihnen in den Tagen Gideons beigestanden, wie es heisst Jud. 7, 13: „Gideon kam und siehe, da erzählte einer dem andern einen Traum und sprach: Siehe, mir hat geträumt: siehe, ein geröstetes Gerstenbrot.“ Was ist aristo brrtt? Die Rabbinen sagen: Deshalb, weil jenes Geschlecht der Gerechten über sie versank (b^bSiZi).**) In wessen Verdienste wurden sie gerettet? Im Verdienste des Gerstenbrotes. Welches ist das? Die Vorschrift betreffs des Omer. R. Samuel bar Nachman sagte: Diese Verordnung hat ihnen auch in den Tagen Chiskias beigestanden, wie es heisst Jes. 30, 32: „Und so oft die verhängte Ruthe trifft, die der Ewige auf sie senket, da tönen Pauken und Harfen, und in Kriegen der Wende kämpft er gegen sie.“ Gab es denn in jenem Zeitalter Kriege der Wende? Antworte: Es ist die Vorschrift betreffs des Omer gemeint. Die Rabbinen sagen: Diese Vorschrift hat ihnen auch in den Tagen Ezechiels beigestanden. So heisst es Ezech. 4, 9: „Und nimm dir Weizen und Gerste.“ R. Chama bar *) Wenn die Probe mit der des Ehebruchs verdächtigen Frau vorgenommen wurde s. Num. 5, 25 . **) S. Ex. 15, 10. Par. XXVIII. Cap. XXIII, io. 198 R. Chalaphtha sagte: Das Meiste darunter war Gerste. Samuel sagte: Das Meiste darunter waren Dinge, welche den Unterleib in Fluss bringen. Samuel sagte: Es geht die Sage, man legte es dem Hunde vor und dieser kostete es nicht. Eine Matrone fragte den R. Jose: Wie viel Kummer und Sorge hat es jenem Gerechten (Ezechiel) verursacht, wie viele Knechte und Mägde hatte er, und sie verschmähten seine Speisen und Getränke. Darauf antwortete er ihr: Und das alles warum? Um dir kund zu thun, dass, wenn die Israeliten in Noth sind, auch die Gerechten mit ihnen in Noth sind. R. Levi sagte: Die erwähnte Verordnung hat auch den Israeliten zu Hamans Zeit beigestanden; denn R. Levi hat gesagt: Als Mardachai den Haman auf sich zukommen sah, mit dem königlichen Ross an der Hand, da dachte er: Es scheint mir, dass der Ruchlose nur kommt, um mich umzubringen. Seine Schüler sassen lernend vor ihm, da sprach er zu ihnen: Stehet auf und fliehet, ihr könntet sonst von meiner Kohle verbrannt werden (durch meine Schuld in Gefahr kommen). Nein, sprachen sie, er mag uns tödten oder am Leben lassen, wir bleiben bei dir und verlassen dich nicht. Was that Mardachai? Er hüllte sich in seinen Tallith (Gebetmantel) und betete vor Gott (und stand im Gebete vor Gott), und seine Schüler. sassen und lernten. Womit seid ihr beschäftigt? fragte sie Haman. Mit der Vorschrift betreffs des Omer, gaben sie zur Antwort, was die Israeliten im Tempel an diesem Tage darbringen. Wovon ist das Omer, fragte er sie, von Gold oder von Silber? Sie antworteten: Von Gerste. Er fragte ferner: Wie viel war es werth? Zehn Centenarien? Sie sprachen: Nicht mehr als zehn Minen. Da sprach er zu ihnen: Auf! eure zehn Minen haben meine zehntausend Centenarien Silber besiegt (überwunden). Als Esther das hörte, liess sie in der ganzen Stadt bekannt machen, dass niemand seinen Laden auf dem Markte öffne, damit alle hinausgehen sollten, um zu sehen, wie man den Beherrscher der Juden kreuzigen werde. Als Mardachai sein Gebet beendet hatte, sprach Haman zu ihm: Ziehe diesen Purpur an, setze diese Krone auf dein Haupt und besteige dieses Ross. Bist du verrückt? entgegnete Mardachai, weisst du nicht, dass ich in Sack und Asche stecke? Zieht wohl ein Mensch den Purpurmantel des Königs an, ohne sich vorher zu waschen? Du willst damit die königliche Würde verächtlich machen. Er ging nach einem Bademeister und fand keinen. Was that er? Er löste seinen Gurt, mischte das Badewasser, wusch ihn und trocknete ihn ab. Als er damit fertig war, zog er ihm den Purpur an. Dann sprach er: Setze dir nun diese Krone auf dein Haupt. Mardachai sagte: Setzt ein Mensch sich die Königskrone auf sein Haupt, ohne sich das Haar geschoren zu haben? Du willst die königliche Würde verächtlich machen. Haman lief nun nach einem Haarscheerer, fand aber keinen. Was that er? Er holte die Geräthschaften zum Haarschneiden, setzte sich und verschnitt ihm das Haar. Als er so da sass und ihm das Haar Par. XXIX. Cap. XXIII, IO. 24. 199 verschnitt, fing er an zu seufzen. Was fehlt dir? fragte Mardachai. Haman sprach: Wehe dem Manne, welchem so etwas widerfährt; derjenige, der einst der Oberste aller (x Of.irjg TtavTiov), derjenige, der einst Weltbeherrscher (xoojaaxpaTwp), derjenige, der einst Schlosshauptmann (mägister palatii) war, ist jetzt Bademeister und Haar- scheerer geworden.*) Ich kannte den Vater des Mannes, seine Gebeine mögen zerbrochen werden! versetzte Mardachai, er war im Dorfe Krijanos Bademeister und Haarscheerer und das sind seine Ge- räthschaften zum Haarschneiden. Als er mit dem Haarschneiden fertig war, sprach er zu Mardachai: Auf! besteige nun dieses Ross! Mardachai entgegnete: Ich habe nicht die Kraft, denn ich bin ein alter Mann. Da sagte Haman: Bin ich nicht ein alter Mann? Da sagte Mardachai: Nein, du hast es dir selbst zugezogen. Haman sprach: Auf! ich will dir meinen Nacken beugen, tritt auf mich und besteige dieses Ross, um für euch zu erfüllen, was geschrieben steht Deut. 33, 29: „Deine Feinde werden dir schmeicheln und du wirst auf ihren Höhen schreiten.“ Als Mardachai auf dem Pferde sass, fing er an Gott zu preisen mit Ps. 30, 2—4: „Ich erhebe dich, Ewiger, dass du mich entrissest, Ewiger, mein Gott, ich schrie zu dir und du heiltest mich, Ewiger, du Messest aus der Unterwelt meine Seele aufsteigen.“ Und seine Schüler sprachen das. V. 5 und 6: „Singet dem Ewigen, ihr seine Frommen, preiset seinen heiligen Ruhm, denn einen Augenblick währt sein Zorn, lebenslang seine Gnade.“ Und der ruchlose Haman sprach das. V. 7 und 8: „Ich sprach in meinem Glücksstande: ich werde nie wanken, Ewiger, mit deinem Willen stelltest du meinen Berg fest.“ Und was sprach Esther das. V. 9: „Zu dir, Ewiger, rief ich, was frommt dir mein Blut, wenn ich hinab in die Grube fahre? Dankt dir der Staub, verkündet er deine Wahrheit?“ Und was sprachen die Israeliten? Das. V. 11 u. 12: „Höre, Ewiger, und sei mir gnädig! Du wandeltest meine Klage in Reigen.“ R. Pinchas sagte: Mardachai war mit dem Lesen des Schema beschäftigt, und er liess sich nich't darin (von Haman) unterbrechen, denn es heisst das. V. 13: „Damit dir singe die Ehre.“ Parascha XXIX. Cap. XXIII. V. 24. Im siebenten Monat, am ersten des Monats. Das steht auch Ps. 119, 89: „Ewig steht fest dein Wort, Ewiger, am Himmel.“ Im Namen des R. Elieser ist gelehrt worden: Am fünfundzwanzigsten Tage im Monat Elul ist die Welt erschaffen worden, was übereinstimmt mit dem, was R. Elieser gelehrt hat, denn es ist gelehrt worden: In dem auf den Posaunenschall bezug- *) Vgl. Midr. Esther r. s. v. iplö, wo es heisst: Derjenige, der früher der Herr aller ( ööfnvOQ ndvzwv), der Schlosshauptmann war, soll nun ein Bademeister und Haarschneider werden. 200 Par. XXIX. Cap. XXIII, 24. habenden Gebete Rabs heisst es: Dieser Tag ist der Anfang deiner Werke; Erinnerung an den ersten Tag. „Denn es ist eine Satzung für Israel“ u. s. w. An diesem Tage wird über die Länder beschlossen, welche dem Schwerte anheimfallen und welche sich des Friedens erfreuen, welche der Hungersnoth zur Beute werden und welche sich der Fülle erfreuen sollen, und die Menschen werden an demselben Tage bedacht, um sie aufzuzeichnen zum Leben oder zum Tode, folglich ersiehst du daraus, am ersten Tage des Jahres in der ersten Stunde stieg in Gott die Idee (der Gedanke) zur Schöpfung auf und in der zweiten berieth er sich mit den Dienstengeln, in der dritten sammelte er den Staub, in der vierten knetete er ihn, in der fünften bildete er ihn, in der sechsten machte er ihn zu einer ungeformten Masse und in der siebenten blies er ihm Odem ein, in der achten führte er ihn in den Garten Eden, in der neunten gab er ihm das Verbot, in der zehnten hat er es übertreten, in der elften wurde er gerichtet, in der zwölften ging er mit einem Freispruch aus. Da sprach Gott zu Adam: Das sei ein Vorzeichen für deine Kinder, wie du heute (an diesem Tage) vor Gericht vor mir gestanden und mit einem Freispruch ausgegangen bist, so werden auch deine Kinder einst vor mir im Gerichte stehen an diesem Tage und vor mir mit einem Freispruch ausgehen. Wann? „Im siebenten Monat, am ersten des Monats.“ R. Nachman begann mit Jerem. 30, 10: „Und du fürchte dich nicht, mein Knecht Jacob.“ Der Prophet redet von Jacob, von dem es heisst Gen. 28, 12: „Da träumte ihm, und siehe, eine Leiter stand auf der Erde.“ Diese Leiter, sagte R. Samuel bar Nachman, stellte die Fürsten (Schutzpatrone) der Völker der Welt vor, denn R. Samuel bar Nachman hat gesagt: Daraus geht hervor, dass Gott unserm Vater Jacob den Fürsten von Babylon zeigte, aufsteigend siebzig Staffeln, den von Medien zweiundfünfzig, den von Griechenland hundertundachtzig, den von Edom zwar steigend, aber es ist nicht bekannt, wie viel. In dieser Stunde gerieth unser Vater Jacob in Furcht, er dachte bei sich: Vielleicht kommt dieses (Edom) gar nicht zum Sinken. Da sprach Gott zu ihm: „Fürchte dich nicht, mein Knecht Jacob,“ wenn es auch steigt und bei mir sitzt, so werde ich es von da hinabstürzen. Das steht auch Obadja V. 4: „Wenn du dich wie ein Adler aufschwingst, zwischen die Sterne dein Nest setzest, von da werde ich dich herabstürzen.“ R. Berachja und R. Chelbo und R. Simeon ben Jochai im Namen des R. Me'ir sagten: Daraus geht hervor, dass Gott dem Jacob den Fürsten von Babylon steigend und fallend, den von Medien steigend und fallend, den von Griechenland steigend und fallend und den von Edom steigend und fallend gezeigt hat. Er sprach zu Jacob: Auch du wirst steigen. In dieser Stunde fürchtete sich unser Vater Jacob, er dachte: Vielleicht werde auch ich sowie jene fallen? Da sprach Gott zu ihm: Fürchte dich nicht, denn wenn du steigst, so sinkst du nicht auf ewig. Er glaubte es nicht und darum stieg er nicht. R. Berachja und R. Chelbo Par. XXIX. Cap. XXIII, 24. 201 sagten im Namen des R. Simeon ben Jochai: R. Me'ir hat die Worte ausgelegt Ps. 78, 32: „Bei all dem sündigten sie fürder und glaubten nicht an seine Wunder“ d. i. unser Vater Jacob, der nicht geglaubt hat und darum auch nicht gestiegen ist. Gott sprach zu ihm: Wenn du geglaubt hättest, so würdest du gestiegen und dann nicht mehr gefallen sein; nun aber, da du nicht geglaubt hast und nicht gestiegen bist, werden deine Kinder dereinst von vier Reichen in dieser Welt mit Tributen (Frohnen), Beisteuern, Strafgeldern und Kopfgeldern geknechtet (belastet) werden. In dieser Stunde fürchtete sich Jacob und sprach vor Gott: Herr der Welt! soll dieser Zustand ewig dauern? Da wurde ihm die Antwort Jerem. 30, 10: „Aengstige dich nicht, Israel, denn siehe, ich bin dein Helfer von Ferne,“ so wie es heisst Jes. 39, 3: „Aus fernem Lande sind sie zu mir gekommen, von Babel.“ Es heisst ferner Jerem. 30, 10: „Und deinen Samen aus dem Lande seiner Gefangenschaft,“ von Gallia, Apamea und ihren Genossinnen. „Und Jacob kehrt zurück“ von Babel (babylonische Gefangenschaft), „rastet“ von Medien, „und ist ruhig“ von Griechenland, „und niemand setzt ihn in Schrecken“ von Edom, „und ich mache allen Völkern, wohin ich dich zerstreut habe, den Garaus“ d. i. ich reibe die Völker der Welt auf, die ihre Felder aufzehren (und nicht das Eckstück für die Armen übrig lassen); „dich aber werde ich nicht aufreiben“ d. i. die Israeliten aber, welche ihre Felder nicht aufzehren, wie es heisst: „Schneide nicht völlig die Ecke deines Feldes ab,“ werde ich nicht aufreiben. „Ich züchtige dich durch Gericht“ d. i. ich züchtige dich durch Leiden in dieser Welt, um dich frei von deinen Sünden zu machen für jene Welt. Wann? „Im siebenten Monat.“ Jehuda bar R. Nachman begann mit Ps. 47, 6: „Gott steigt auf in Jubelschall, der Ewige mit Posaunenschall.“ In der Stunde, wo Gott sitzt und auf den Thron des Rechts steigt, besteigt er ihn mit Gerechtigkeit (Recht). Was heisst das: „Gott steigt auf mit Jubelschall?“ In der Stunde, wo die Israeliten die Posaunen (Schophar) nehmen und vor dem Heiligen, gebenedeit sei er, blasen, erhebt er sich vom Throne des Rechts und begiebt sich (setzt sich) auf den Thron der Barmherzigkeit, wie es heisst: „Der Ewige mit Posaunenschall,“ und wird mit Erbarmen über sie erfüllt und er erbarmt sich ihrer und wandelt das Strafmass (die Eigenschaft des Rechts) in Barmherzigkeit (in die Eigenschaft der Barmherzigkeit). Wann? Im siebenten Monat. R. Josua begann mit Ps. 89, 16: „Heil dem Volke, das den Posaunenschall kennt, Ewiger, sie wandeln im Lichte deines Antlitzes.“ Diesen Vers legte R. Abuhu auf die fünf Alten aus, welche das Schaltjahr festsetzten.*) Was thut Gott? Er verlässt seine Räthe ( avy/Ckutrfi ) oben, steigt herab, beschränkt seine Schechina *) Es waren nicht fünf, sondern drei; es ist eine Meinungsverschiedenheit darüber in beiden Talmuden. 202 Par. XXIX. Cap. XXIII, 24. unter sie hier unten' 11 ), und die Dienstengel rufen: Hier ist der Allmächtige (Starke), hier ist der Allmächtige, hier ist Gott, von dem es heisst das. V. 8: „Gott ist erhaben im Rathe der Heiligen, mehr als alle,“ er verlässt seine Räthe und beschränkt seine Sche- china hier unten. Und das alles warum? Wenn sie (die Männer) sich in der Sache der Halacha (Regel) geirrt haben, erleuchtet Gott ihr Antlitz. Das ist hier gesagt: „Im Lichte deines Antlitzes wandeln sie.“ R. Josia sagte: Es heisst hier: „Heil dem Volke, das den Posaunenschall kennt.“ Kennen denn die Völker der Welt den Posaunenschall nicht? Wie viele Hörner haben sie, wie viele Trompeten und wie viele Posaunen, und es heisst: Heil dem Volke, das den Posaunenschall kennt? Allein sie verstehen (kennen) es, ihren Schöpfer mit dem Posaunenschall gnädig zu stimmen und erhebt sich vom Throne des Rechts auf den Thron der Barmherzigkeit und wird mit Erbarmen über sie erfüllt und er wandelt ihnen das Strafgericht (die Eigenschaft des Rechts) in Barmherzigkeit (in die Eigenschaft der Barmherzigkeit). Wann? „Im siebenten Monat.“ R. Berachja begann im Namen des R. Jeremja mit Prov. 15, 24: „Der Pfad des Lebens geht aufwärts für den Einsichtsvollen.“ Unter D^n nTiN, dem Pfade des Lebens ist nichts anderes als die Thora zu verstehen, wie es heisst das. 3, 18: „Ein Baum des Lebens ist sie für die, welche an ihr halten.“ Oder unter EPT! n“HN, dem Pfade des Lebens sind die Leiden zu verstehen, wie es heisst das. 6, 23: „Weg des Lebens ist Unterweisung der Zucht,“ wie es oben heisst: „Für den Einsichtsvollen“ d. i. für denjenigen, welcher über die Vorschriften der Thora nachdenkt. Was steht oben? „Du sollst nicht das Eckstück deines Feldes ganz abschneiden.“ R. Berachja begann mit Ps. 81, 4: „Stosset am Neumond in die Posaune.“ Ist denn nicht an allen andern Neumonden auch eine Mondverjüngung (d. i. woher ist erwiesen, dass das Stossen in die Posaune am ersten Tage des Tischri stattfinden soll, vielleicht meint die Schrift auch an andern Neumonden)? Daher steht: „an der Verhüllung“ (des Mondes !"iDSE). Ist denn aber an allen anderen Neumonden nicht auch der Mond verhüllt? Daher stehU „Am Tage unseres Festes.“ Aber Nissan ist ja auch „ein Neumond,“ an welchem der Mond verhüllt ist und an welchem „ein Fest“ (Pesach) gefeiert wird (d. i. vielleicht soll das Stossen in die Posaune am ersten Tage des Nissan stattfinden)? Allein (die Schrift meint nur einen solchen Neumond) der ein Fest für sich bildet, und es giebt keinen andern Monat, an welchem der Mond verhüllt ist, an dem ein Fest (in der Mitte des Monats, nämlich Succoth) gefeiert wird und überdies an dem eignen Tage (Neumond, Neujahr) ebenfalls ein Fest gefeiert wird, als den Monat Tischri. An diesem *) Um dieselbe unter den Männern, die das Schaltjahr festsetzten, ruhen zu lassen. Par. XXIX Cap. XXIH, 24 . 203 Neumond sollt ihr eure Werke erneuern* **) ) d. i. mit der Posaune an diesem Neumond sollt ihr eure Werke schmücken. Gott sprach zu den Israeliten: Wenn ihr eure Werke schmückt, siehe, so werde ich euch sein wie die Posaune. Wie die Posaune, wenn man hineinbläst, einen Laut herausgehen lässt, so stehe auch ich vom Throne der Gerechtigkeit auf und lasse mich auf den Thron der Barmherzigkeit nieder und wandle euch das Strafmass (die Eigenschaft des Rechts) in das Mass der Barmherzigkeit (in die Eigenschaft der Barmherzigkeit). Wann? „Im siebenten Monat.“ R. Levi begann im Namen des R. Chama bar R. Chanina mit Jes. 48, 17: „So spricht der Ewige, dein Erlöser, der Heilige Israels, ich der Ewige, dein Gott, lehre dich, was dir frommt“ d. i. ich weise dich zurecht, wie dieser Ochsenstachel die Kuh zurechtweist. Drei Namen hat der Ochsenstachel, nämlich: nab 72 , 5 >“n 73 , er heisst “i 72 b 72 , weil er der Kuh das Pflügen lehrt, damit sie ihrem Herrn Leben gebe, y-TTO, weil er der Kuh Kenntniss (Wissen) lehrt, und ■p-n, weil er der Kuh Einsicht beibringt (Folgsamkeit p—n). Gott sprach: Wie für die Kuh der Mensch einen Stachel macht, um wieviel mehr sollte er einen für seinen bösen Trieb machen, welcher ihn um das Leben dieser und jener Welt bringt! Das will der Prophet mit den Worten sagen: „Er führt dich auf den Weg, den du gehen sollst.“ Gleich einem Königssohne, führte R. Levi im Namen des R. Chama bar R. Chanina als Beispiel an, welcher eine Rechtssache vor seinem Vater hatte. Da sprach sein Vater zu ihm: Willst du dich vor mir heute (an diesem Tage) im Gericht frei von der Schuld machen, so nimm den und den Rechtsanwalt (Advocat) an, und du wirst schuldfrei vor mir im Gericht sein. So sprach auch Gott zu den Israeliten: Meine Kinder! wenn ihr im Gerichte an diesem Tage vor mir schuldlos sein wollt, so erwähnet die Tugenden der Väter und ihr werdet schuldlos vor mir im Gericht sein, „";nNS am ersten“ d. i. Abraham, der iriN genannt wird, wie es heisst: Abraham war einzig (“ihn); „W'i'in pHSi“, Gedächtnis des Posaunenschalls“ d. i. Jizchak, von dem es heisst Gen. 22,13: „Er sah, und siehe ein Widder;“ „iB“np N"ip 72 , heilige Zusammenberufung“ d. i. Jacob, von dem es heisst Jes. 48, 12: „Höre auf mich, Jacob und Israel, den ich berief (^N'npio).“ Und wann sollen die Tugenden der Väter erwähnt werden, dass ihr schuldlos vor mir im Gerichte seid? „Am siebenten Monat.“ R. Chija bar Abba begann im Namen des R. Levi mit Ps. 62, 10: „In Nichts (vergänglich) sind die Menschenkinder, Täuschung die Kinder des Mannes, auf der Wagschale steigen sie mit Nichts (Eitlem) empor zumal.“ Die Menschen pflegen wohl zu sagen: Der und der heirathet die und die, „aber eitel sind die Menschenkinder,“ die und die sollte an den und den verheirathet werden, „nur *) Vergl. Pesik. Bachodesch fol. 153 a (Buber). **) Darum wird auch auf einem Widderhorn am Neujahrstage geblasen. 204 Par. XXIX, Cap. XXIII, 24. Täuschung sind die Menschenkinder, sie sind von Nichts zumal.“ R. Chija sagte: Selbst wenn die Menschen noch Nichts im Leibe ihrer Mutter sind, sind sie schon für einander bestimmt. R. Nach- man sagte: Alle Eitelkeiten und Täuschungen (Lügen), welche die Kinder unseres Vaters Abraham in dieser Welt vollbringen, vermag er für alle zu sühnen. Das steht auch Jos. 14, 15: „Der grosse Mensch unter den Enakitern.“ „Auf der Wagschaale steigen sie empor“ d. i. mit der Wage bewirkt er ihre Sühne, in dem Monate, dessen Gestirn die Wage ist. Welcher ist das? Der Monat Tischri d. i. es wird erlassen und gesühnt die Schuld deines Volkes. Wann? „Im siebenten Monat.“ Oder: „Im siebenten (•'»‘O'Ui-i) Monat“ d. i. in dem Monat, der mit allem gesättigt ist (swsb), in welchem das Keltern, die Segnungen, die Versöhnung, die Laubhütte, der Lulab und die Bachweide stattfinden. Oder: „Im siebenten Monat.“ R. Berachja nannte ihn den Monat des Schwures (NfiStatin NnT), weil Gott in ihm unsern Vater Abraham den Schwur gethan hat, wie es heisst Gen. 22, 16: „Er sprach: ich schwöre bei mir, spricht der Ewige.“ Wozu brauchte er zu schwören? Darauf antwortet R. Bibi bar Abba im Namen des R. Jochanan: Unser Vater Abraham stand in Gebet und Flehen vor Gott und sprach vor ihm: Herr der Welt! offenbar und bekannt ist es vor dir, als du mir sagtest das. 22, 2: „Nimm doch deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebest und bringe mir ihn daselbst zum Brandopfer,“ da war in meinem Herzen, was ich dir hätte antworten können, es war in meinem Herzen, was ich hätte sagen können: Gestern (ehedem) sagtest du zu mir: „Mit Jizchak soll dein Same genannt werden,“ und jetzt befiehlst du mir: „Bringe ihn daselbst zum Brandopfer?“ Allein wiewohl ich dir hätte diese Antwort geben können, so habe ich meinen Trieb unterdrückt (bewältigt) und dir es nicht geantwortet, „gleich wie ein Tauber, der nicht hört und wie ein Stummer, der seinen Mund nicht aufthut“ (s. Ps. 38, 14). Wenn nun Jizchaks Kinder in Uebertretungen und böse Werke verfallen, so sei ihnen der Opferwilligkeit Jizchaks, ihres Vaters, eingedenk und erhebe dich dann vom Thron der Gerechtigkeit auf den Thron der Barmherzigkeit und werde mit Erbarmen über sie erfüllt und erbarme dich ihrer und wandle ihnen das Strafmass (die Eigenschaft des Rechts) in das Mass der Barmherzigkeit (die Eigenschaft der Gerechtigkeit). Wann? „Im siebenten Monat.“ Es heisst das. V. 13: „Und Abraham hob seine Augen auf und siehe, ein Widder hinten, verwickelt im Dickicht mit seinen Hörnern.“ Daraus geht hervor, dass Gott unsern Vater Abraham diesen Widder gezeigt hat, wie er von dem einen Dickicht sich losmachte und in ein anderes (“)f;N) Dickicht sich verwickelte. Gott sprach zu Abraham: Ebenso werden einst deine Kinder verfangen in Sünden und in Widerwärtigkeiten verstrickt sein, am Ende aber werden sie mit den Hörnern des Widders erlöst werden, wie es Par. XXIX, Cap. XXIII, 24. 205 heisst Sach, g, 14: „Und der Ewige, Gott, wird in die Posaune stossen.“ R. Huna bar R. Jizchak sagte: Daraus geht hervor, dass Gott dem Abraham den Widder gezeigt hat, wie dieser sich von dem einen Dickicht losmachte und in ein anderes sich verwickelte. Gott sprach zu Abraham: Ebenso werden einst deine Kinder in den Völkern verfangen und in Widerwärtigkeit verstrickt sein und gezogen werden von einer Herrschaft zur anderen, von Babylon nach Medien, von Medien nach Griechenland, von Griechenland nach Edom, am Ende aber werden sie mit den Hörnern des Widders erlöst werden, wie es heisst Sach. das. V. 14: „Und der Ewige wird über ihnen erscheinen, und wie ein Blitz führet aus sein Pfeil.“ R. Abba bar R. Papi und R. Josua von Sichnin sagten im Namen des R. Levi: Alle Tage des Jahres liegen die Israeliten ihrem Geschäfte (Werke) ob, am Neujahrstage aber nehmen sie ihre Posaunen und blasen vor dem Heiligen und er erhebt sich vom Throne des Rechts auf den Thron der Barmherzigkeit und wird über sie mit Erbarmen erfüllt. Wann? „Im siebenten Monat.“ Alle Sieben (■pyiUSJFi) sind beliebt bei der Welt, für oben aber ist der siebente beliebt, (der Himmel hat sieben Namen). QiMöl Himmel, üvaia ‘' 73 'ü Himmel der Himmel, 5 >ip“i Veste, trpmü Gewölk, blBT Wohnung, jisn Wohnung, rrD^il' Wüste, und von letzterem heisst es Ps. 68, 5: „Machet Bahn dem, der in der Wüste einherfährt, Jah ist sein Name.“ Bei der Erde ist der siebente irv'S^htfj) beliebt (die Erde hat sieben Namen), yiN Erde, rrciN Fruchtland, NplN Land, Nrt Thal, rpi£ Steppe, tmB 5 Vergessenheit, bin Erdkreis, und von letzterem heisst es Ps. 96, 13: „Und er richtet den Erdkreis mit Gerechtigkeit und die Völker mit Grad- heit.“ Auch bei den Geschlechtern ist der siebente beliebt: Adam, Scheth, Enosch, Kenan, Mahallalel, Jared und Chanoch und von letzterem heisst es Gen. 5, 22: „Chanoch wandelte mit Gott.“ Auch bei den Vätern ist der siebente beliebt (bevorzugt): Abraham, Jizchak, Jacob, Levi, Kehat, Amram, Mose und von letzterem heisst es wieder Ex. 19, 3: „Und Mose stieg zu Gott hinauf.“ Auch bei den Kindern ist der siebente beliebt, denn es heisst: David war der siebente Sohn Isais. Auch bei den Königen ist der siebente beliebt: Saul, Ischboseth, David, Salomo, Rechabeam, Abia und Assa und von letzterem heisst es 2 Chron. 14, 11: „Assa rief zum Ewigen.“ Auch unter den Jahren ist das siebente beliebt, wie es heisst Ex. 23, 11: „Im siebenten (Jahre) sollst du es (das Feld) brach liegen und ruhen lassen.“ Bei der Schemita ist das siebente beliebt, wie es heisst Lev. 25, 10: „Und heiliget so das fünfzigste Jahr.“ So ist bei den Tagen der siebente beliebt, wie es heisst Gen. 2, 3: „Gott segnete den siebenten Tag.“ Unter den Monaten ist der siebente beliebt, wie es hier heisst Lev. 23, 24: „Im siebenten Monat, am ersten des Monats.“*) R. Jochanan und Resch Lakisch sassen *) Vgl. Talm. Jerusch. Rosch. liaschana IV. 20Ö Par. XXX. Cap. XXIII, 40. beisammen und warfen die Frage auf: Es ist gelehrt worden: Fällt der Neujahrstag auf den Sabbath, so wird nur im Tempel, aber nicht auf dem Lande geblasen; wenn nun das Blasen von der Thora gesetzlich angeordnet ist, warum wird es auf dem Lande beseitigt? wenn es dagegen von der Thora nicht angeordnet ist, warum wird es dann selbst nicht im Heiligthum beseitigt? Als sie so da sassen und diese Frage erörterten, ging ein Priester vorüber. Sie sprachen: Da kommt der Herr der Ueberlieferung, wir wollen gehen und ihn befragen. Sie gingen und fragten ihn. Er sprach zu ihnen: Einmal heisst es Lev. 23, 24: „Gedächtniss des Posaunenschalls,“ und dann heisst es wieder Num. 29, 1: „Ein Tag des Posaunenschalls soll er euch sein.“ Wie so (wie ist das auszugleichen)? Wenn er (der Neujahrstag) auf den Sabbath fällt, so ist es ein Gedächtniss des Posaunenschalls d. i. das Blasen soll nur erwähnt, aber es soll nicht ausgeführt (geblasen) werden. R. Simeon ben Jochai sagte: Man beseitigt es im Heiligthum, weil man da bestimmt die Zeit des Neumondes weiss, man beseitigt es aber nicht auf dem Lande, weil man da die Zeit des Neumondes nicht bestimmt weiss; denn R. Simeon ben Jochai hat gesagt: „Ein Tag des Posaunenschalls soll er euch sein, und ihr sollt Feuer an dem Orte machen, wo Opfer dargebracht werden.“ R. Tachlipha von Cäsarea hat gesagt: Bei allen Mussaphopfern heisst es: „Ihr sollt darbringen,“ hier aber heisst es: „ihr sollt Feuer machen.“ Wie verhält sich das? Gott sprach zu den Israeliten: Meine Kinder! mir gilt es so, als wäret ihr heute von mir gemacht worden, als hätte ich euch heute neu (als neue Creatur) erschaffen. Das steht auch Jes. 66, 22: „Denn sowie der neue Himmel und die neue Erde, die ich schaffe, vor mir bestehen, spricht der Ewige, also besteht auch euer Same und euer Name.“ Parascha XXX. Cap. XXIII. V.-40. Und nehmt euch am ersten Tage. R. Abba bar Kahana begann mit Anknüpfung an Prov. 8, 10: „Nehmet ah meine Zurechtweisung und nicht Silber“ d. i. nehmet an die Zurechtweisung der Thora und nicht Silber. Es heisst Jes. 55, 2: „Warum wäget ihr Silber dar für Nichtbrod?“ d. i. warum wäget ihr Silber an die Kinder Esaus? „für Nichtbrot,“ weil ihr euch nicht sättigt vom Brote der Thora; „und eure Mühe ist nicht zum Sattwerden?“ d. i. warum müht ihr euch, während die Völker gesättigt sind? „Für Nichtsättigung“ d. i. w’eil ihr euch nicht sättigt am Weine der Thora, wie es heisst Prov. 9, 5: „Trinket den Wein, den ich gemischt habe.“ R. Berachja und R. Chija Abui sagten im Namen des R. Jose ben Nehorai: Es steht geschrieben Jerem. 30, 20: „Ich werde ahnden alle seine Bedränger“ d. i. sogar die Almosenpfleger (Einsammler der milden Gaben), ausgenommen ist der Lohn der Par. XXX. Cap. XXIII, 40. 207 Schrift- und Mischnalehrer, welche keinen Lohn für ihre Zeit nehmen, was aber den Lohn eines Wortes von der Thora anlangt, so kann ihnen kein Mensch diesen Lohn geben. Es ist gelehrt worden: Am Neujahr wird dem Menschen seine Nahrung festgesetzt (ob und wieviel er in dem Jahre haben soll), ausgenommen ist das, was er für die Sabbathe und Festtage und Neumonde ausgiebt, und das, was die Schulkinder nach der Schule (eig. nach dem Hause ihres Lehrers) führen; vermehrt er es, so vermehrt man es ihm, mindert er es, so vermindert man es ihm. R. Jochanan lustwandelte von Tiberias nach Sepphoris in Begleitung von R. Chija bar Abba. Sie kamen an ein Feld (bpn svo). Dieses Feld, sagte R. Jochanan, war mein und ich habe es verkauft, um die Lehre (das Gesetzstudium) zu erwerben. Dann kamen sie an einen Weinberg (n'O^d rri“), da sagte derselbe wieder: Dieser Weinberg war mein und ich habe ihn verkauft, um die Lehre (das Gesetzstudium) zu erwerben. Endlich kamen sie an einen Olivenplatz (ttrPT mtn). Dieser Olivenplatz war mein, sprach R. Jochanan, und ich habe ihn verkauft, um die Lehre (das Gesetzstudium) zu erwerben. R. Chija weinte. Warum weinst du? fragte ihn R. Jochanan. Weil dir für dein Alter nichts verblieben ist. Kommt dir denn das so gering vor (ist es denn so leicht in deinen Augen), was ich gethan habe, dass ich etwas (eine Sache) verkauft habe, was in den sechs Tagen erschaffen worden ist und dafür etwas erworben habe, was in vierzig Tagen gegeben worden ist, wie es heisst Ex. 34, 28: „Er war dort beim Ewigen vierzig Tage und vierzig Nächte?“ Und Mose selbst sagt Deut. 9, 9: „Ich blieb auf dem Berge vierzig Tage und vierzig Nächte.“ Als R. Jochanan entschlummert war, wandte seine Zeit auf ihn an den Spruch Cant. 8, 7: „Wenn ein Mann den ganzen Reichthum seines Hauses hingäbe für die Liebe,“ mit der R. Jochanan die Thora geliebt hat, „verachten würde man ihn.“ Als R. Hosaja, ein Mann von Tirja, entschlummert war, sah man sein Lager in die Luft fliegen (schweben) und seine Zeitgenossen wandten auf ihn denselben Spruch an: „Wenn ein Mann den ganzen Reichthum seines Hauses hingäbe für die Liebe,“ mit der Gott Abba Hosaja, den Mann von Tirja, geliebt hat, „verachten würde man ihn.“ Als R. Eleasar bar R. Simeon entschlummert war, wandten seine Zeitgenossen auf ihn an Cant. 3, 6: „Wer steigt auf dort von der Wüste, wie Rauchsäulen, gewürzt von Myrrhen und Weihrauch, von allerlei Gewürzstaub des Krämers?“ Was heisst: bni“! rvptas b 570 ? Er (der Verschiedene) war ein Schrift- und Mischnakundiger, Dichter und Prediger. R. Abba bar Kahana sagte: Von dem Lohn des einen Nehmens kannst du schliessen auf den Lohn des andern Nehmens. Als die Israeliten in Aegypten waren, erhielten sie die Verordnung: „Nehmt euch ein Bündel Ysop,“ wie viel war dieses wohl werth? Vier Minen. Und dieses brachte den Israeliten den Besitz der Beute am Meere und 208 Par. XXX. Cap. XXXII, 40. der von Sichon und Og und der von den einunddreissig Königen, nun erst der Lulab, welcher den Menschen hoch zu stehen kommt und was sonst noch für Vorschriften damit verbunden sind, um wieviel mehr wird er lohnen! Darum ermahnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Nehmt euch am ersten Tage“ u. s. w. Oder: „Nehmt euch.“ Das steht auch Ps. 16, 11: „Mache mir kund den Lebenspfad, eine Fülle von Freuden.“ David sprach vor Gott: Mache mir kund, durch welches Thor man zu dem Leben der zukünftigen Welt gelangt. R. Judan sagte: Gott sprach zu David: Willst du leben, so mache dich auf Leiden gefasst, wie es heisst Prov. 6, 23: „Der Lebenspfad ist mit Züchtigung verbunden.“ „Eine Fülle von Freuden.“ Er sättigt uns mit fünf Freuden, mit Schrift, Mischna, Talmud, Thosaphot und Haggadot. Oder: „Eine Fülle von Freuden ist bei deinem Antlitz“ d. s. die sieben Classen von Gerechten, die einst das Antlitz der Schechina aufnehmen werden, und ihre Antlitze gleichen der Sonne und dem Monde, dem Firmament, den Sternen, den Blitzen, den Lilien, dem reinen Leuchter, der im Heiligthume war. Der Sonne, wie es heisst Cant. 6, 10: „Lauter wie die Sonne;“ dem Monde, wie es heisst das.: „Schön wie der Mond;“ dem Firmament, wie es heisst Dan. 12, 3: „Die Klugen werden glänzen wie der Glanz des Firmamentes;“ den Sternen, wie es heisst das.: „Und die, welche viele zur Gerechtigkeit geführt, wie die Sterne ewiglich und immerdar;“ den Blitzen, wie es heisst Nach. 2, 5: „Ihr Aussehen wie die Fackeln, wie die Blitze laufen sie;“ den Lilien, wie es heisst Ps. 69, 1: „Dem Musikmeister, nach Lilien;“ dem reinen Leuchter, wie es heisst Sach. 4, 2: „Und er sprach zu mir: Ich sehe und siehe, ein Leuchter ganz von Gold.“ Es heisst Ps. 16, 11: „Annehmlichkeiten in deiner Rechten für und für.“ Wer thut mir kund, welche Classe die beliebteste und angenehmste unter ihnen ist? Darüber sind zwei Amoräer verschiedener Meinung, der eine sagte: Es ist die Classe, welche von der Kraft der Thora und von der Kraft der religiösen Pflichtgebote kommt (welcher sich durch Gelehrsamkeit und Wohlthätig- keit auszeichnet), der andere sagte: Es sind die Schriftgelehrten und Mischnalehrer, welche den Kindern die Wahrheit lehren; diese werden einst zur Rechten Gottes stehen, wie ,es heisst: „Annehmlichkeiten zu deiner Rechten für und für.“ Oder: „Sättigung mit Freuden.“ Lies nicht: mnato sondern: mrato sieben Freuden. Das sind die sieben Vorschriften am Laubhüttenfest, nämlich die vier Gattungen des Lulab, die Laubhütte, das Festopfer und die Festfreude. Nun wenn schon Freude ist, wozu noch ein Festopfer? Und wenn ein Festopfer, wozu noch Freude? Es verhält sich hiermit, sagte R. Abin, wie mit zwei Männern, welche vor dem Richter erscheinen, wir wissen aber nicht, wer von den beiden den Sieg davon tragen wird, allein wer den Speer in seine Hand genommen hat, von dem wissen wir, dass er den Sieg davon getragen hat. So kommen auch die Israeliten und die Völker der Welt und führen Klage vor Par. XXX. Cap. XXIII, 40. 209 Gott am Neujahrstage, und wir wissen nicht, wer den Sieg davontragen wird. Allein daraus, dass die Israeliten daherziehen vor Gott mit ihren Lulab und Ethrog in ihrer Hand, wissen wir, dass sie den Sieg davongetragen haben. Deshalb mahnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Nehmt euch am ersten Tage.“ Oder: „Nehmt euch am ersten Tage.“ In Verbindung mit Ps. 102, 18: „Er wandte sich zu dem Gebet des Armen (des Vereinsamten).“ Weil die Israeliten im Gericht den Sieg davongetragen haben, und ihre Sünden ihnen vergeben worden sind und sie (die Volker) sprechen: Die Israeliten haben gesiegt (niSSi), wie es heisst 1 Sam. 15, 29: „Auch lügt der Sieger (nitu) Israels nicht und bereuet nicht.“ Das sagt auch David zu den Israeliten: Wenn ihr das Gebot betreffs des Lulab, welcher lieblich genannt wird, haltet, wie es heisst: „Lieblichkeiten in deiner Rechten ewig,“ siehe, so kannst du die Zuversicht haben, dass du über die Volker der Welt gesiegt hast, wie es heisst: „Auch der Sieger Israels.“ Deshalb ermahnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Nehmt euch.“ R. Abin erklärte den Vers: „Er wendet sich zu dem Gebet des Armen (Vereinsamten)“ so: Wir können die Art und Weise Davids nicht begreifen; bald nennt er sich einen Armen, bald wieder einen König, wie lässt sich das ausgleichen? In der Stunde, wo er in die Zukunft schaute und sah, welche Gerechten einst von ihm erstehen würden, wie Assa, Josaphat, Chiskia, Josia, da nannte er sich König, wie es heisst Ps. 72, 1: „Gott, deine Gerichte gieb dem König;“ in der Stunde aber, wo er sah, welche Ruchlosen von ihm hervorgehen würden, wie Achas, Manasse, Ammon, da nannte er sich einen Armen, wie es heisst Ps. 102, 1: „Ein Gebet für den Armen, wenn er in Gram sich hüllt.“ R. Alexandri legte den Vers auf den Arbeiter aus. Wie der Arbeiter, wenn er merkt, dass sich seine Arbeit in die Länge zieht, auf spätere Zeit hinausschiebt, ebenso hofft der Betende, dass seine Strafe auf später hinaus geschoben werden möchte vergl. Gen. 30, 42: „Die Spätlinge wurden dem Laban.“ Was heisst üisiüyin? R. Jizchak bar R. Chilkia sagte: Die spät geworfenen Schafe. Oder: „Er wandte sich zu dem Gebet des Armen.“ Es hätte eigentlich heissen sollen: er hat sein Gebet nicht verachtet (verworfen), und wenn er ihr Gebet nicht verachtet, so hätte es heissen müssen: „Er hat sich gewandt zu dem Gebet der Armen?“ Allein: „Er wendet sich zu dem Gebet des Armen“ d. i. das Gebet Ma- nasses, des Königs von Juda (d. i. es ist hier unter dem Gebete des Armen das Gebet Manasses, des Königs von Jehuda zu verstehen), der aller guten Werke ledig war, „und er hat ihr Gebet nicht verachtet“ d. i. sein Gebet und das Gebet seiner Väter, wie es heisst 2 Chron. 33, 13: „Er betete zu ihm und er liess sich von ihm erflehen.“ Was bedeutet das Wort ib ‘ins^T? R. Elieser bar R. Simeon sagte: In Arabien nennt man das: durchbohren, NnTnS". „Und er führte ihn nach Jerusalem zu seiner königlichen Würde Wünsche, Midrasch Wajikra r. 210 Par. XXX. Cap. XXIII, 40. zurück.“ Womit führte er ihn zurück? R. Samuel bar Jona sagt im Namen des R. Acha: Mit dem Winde führte er ihn zurück, wie es heisst: „Er lässt den Wind wehen.“ In dieser Stunde erkannte Manasse, dass der Ewige Gott ist, und in dieser Stunde sprach Ma- nasse: Es giebt ein Recht und einen Richter. R. Jizchak legte den Vers auf die Geschlechter (Zeiten) aus, wo das Volk der Israeliten keinen König und keine Propheten, keine Priester und keine Urim und Thummim hatte, sondern nur das Gebet allein. Daher sprach David vor Gott: Herr der Welt! verachte nicht ihr Gebet s. Ps. 102, 19: „Das werde geschrieben dem künftigen Geschlecht.“ Woher lässt sich beweisen, dass Gott die Reuigen aufnimmt? „Und das neugeschaffene Volk lobpreise Jah“ d. i. das Volk, was Gott zu einer neuen Creatur umschafft. Oder: „Das werde geschrieben dem künftigen Geschlecht“ d. i. das Geschlecht Chiskias, welches hinfällig war (zum Tode hingeneigt, dem Tode preisgegeben war), „und das neugeschaffene Volk lobpreise Jah“ d. i. das Volk, was Gott zu einer neuen Creatur erschaffen hat. Oder: „Das werde geschrieben dem künftigen Geschlecht“ d. i. das Geschlecht Mardachais, welches schon dem Tode preisgegeben war, „und das neugeschaffene Volk lobpreise Jah“ d. i. das Volk, was Gott zu einer neuen Creatur erschaffen hat. Oder: „Das werde geschrieben dem künftigen Geschlecht“ d. s. die Geschlechter, welche dem Tode nahe sind, „und das neugeschaffene Volk lobpreise Jah“ d. i. das Volk, was Gott einst zu einer neuen Creatur erschaffen wird. Und was haben wir dafür zu thun? Den Lulab und den Ethrog zu nehmen und Gott zu preisen. Deshalb ermahnt Mose die Israeliten und spricht zu ihnen: „Und nehmt euch am ersten Tage.“ Oder: „Und nehmt euch am ersten Tage.“ Das steht auch geschrieben Ps. 96, 12: „Es juble das Feld und alles, was darauf ist.“ „Es juble das Feld“ d. i. die Welt, wie es heisst Gen. 4, 8: „Es geschah, als sie (Kain und Abel) auf dem Felde (in der Welt) waren;“ „und alles, was darauf ist“ d. s. die Geschöpfe, wie es heisst Ps. 24, 1: „Dem Ewigen ist die Erde und was sie füllt.“ Es heisst 1 Chron. 16, 33: „Dann werden jubeln die Bäume des Waldes.“ R. Acha sagte: Unter „Wald“ sind Bäume zu verstehen, welche Früchte tragen, und „unter allen Bäumen des Waldes“ sind die Bäume zu verstehen, welche keine Früchte tragen. Vor wem? „Vor dem Ewigen.“ Warum? „Denn er kommt,“ nämlich der Neujahrs- und Versöhnungstag. Was wird er thun? S. Ps. 98, 9: „Er wird richten den Erdkreis mit Gerechtigkeit und die Völker mit Gradheit.“ Oder: „Ihr sollt euch nehmen am ersten.“ Das steht auch Ps. 26, 6: „Ich wasche in Unschuld meine Hände.“ Was heisst das? Der Lulab muss gekauft und nicht geraubt sein, denn es ist dort gelehrt worden*): Ein geraubter und ein vertrockneter Lulab ist *) S. Succa fol. 29; Jerusch. Succa III. Par. XXX. Cap. XXIII, 40. 211 unbrauchbar, ebenso der, welcher aus einem Haine (wo Götzendienst) und einer verirrten Stadt ist. „Und umziehe deinen Altar, Ewiger,“ wie dort gelehrt worden ist:*) An jedem Tage (des Laubhüttenfestes) hielt man einen Umzug um den Altar und sprach dabei: Ach, Ewiger, Hosianna! ach, Ewiger, Hosianna! R. Jizchak sagte: Man sagte, dass es klang: n: W'tailri im ijn. Aber an diesem Tage (am Schlussfeste) geschah der Umzug um den Altar siebenmal. „Um laut erschallen zu lassen den Dank“ d. s. die Opfer, „und zu erzählen alle deine Wunder.“ R. Abin sagte: Das ist das Hallei (Danklied), in welchem für vergangene und für künftige Grossthaten gedankt wird. Es sind darin Beziehungen auf diese Geschlechter und auch auf die Tage des Messias und Gogs und Magogs. Es heisst Ps. 114, 1: „Als Israel aus Aegypten zog.“ Das gehört der Vergangenheit an, Ps. 115, 1: „Nicht uns, Ewiger,“ geht auf die gegenwärtigen Geschlechter, Ps. 116, 1: „Ich liebe es, wenn der Ewige meine Stimme hört,“ das geht auf die Tage des Messias, „wenn alle Völker mich umgeben,“ das geht auf die Tage Gogs und Magogs. „Du bist mein Gott, dir danke ich, mein Gott, dich preise ich,“ das bezieht sich auf die Zukunft. Oder: „Nehmt euch.“ R. Chija hat gelehrt: Aber er (der Lulab) muss gekauft und nicht geraubt sein. Das Wort onb will sagen: Jeder einzelne von euch. Oder das Wort 03 b will sagen, er muss von dem Eurigen (dibiBlo) sein und er darf nicht geraubt sein. R. Levi sagte: Wer einen geraubten Lulab nimmt, womit ist das zu vergleichen? Mit einem Räuber, welcher am Scheidewege sitzt und die Vorübergehenden und Kommenden anfällt. Einmal ging ein Feldherr an ihm vorüber, um die Steuern von jener Stadt zu erheben. Da richtete sich der Räuber auf, knebelte ihn und nahm ihm alles, was er bei sich hatte. Mehrere Tage darauf wurde der Räuber gefangen genommen und in der Wache ( cpvlccmj) eingesperrt. Der Feldherr, der hiervon Kenntniss erhalten hatte, kam herbei und sagte zu ihm: Gieb mir das, was du mir geraubt hast, zurück, so will ich für dich vor dem Könige deine Vertheidigung führen (ich will vor dem Könige zu deinen Gunsten sprechen). Der Räuber antwortete: Von dem allen, was ich geraubt und mit Gewalt genommen habe, ist mir nichts weiter geblieben (eig. besitzt dieser Mann nichts weiter), als dieser Teppich, den ich unter mir habe (auf welchem ich sitze) und er ist von dir. Gieb ihn mir und ich will dich vor dem König vertheidigen. Nun so nimm ihn. Wisse, morgen wirst du vor den König zu Gericht geladen, und er wird dich fragen und dir sagen: Hast du jemand, der dich vertheidigen (etwas zu deinen Gunsten Vorbringen) könnte. Da sprich: Der und der Feldherr wird mich vertheidigen (etwas zu meinen Gunsten aus- sagen). Es wird dann nach mir geschickt und man wird mich rufen und ich werde vor ihm deine Vertheidigung führen (günstig *) Mischna Succa fol. 45. I4 : 212 Par. XXX. Cap. XXIII, 40. für dich sprechen). Am andern Tage wurde der Angeschuldigte vor den König zu Gericht gebracht. Der König fragte ihn: Hast du wohl jemand, der dich vertheidigen könnte? Jawohl, es giebt einen gewissen Feldherrn, der mich vertheidigen (zu meinen Gunsten aussagen) wird. Der König schickte nach ihm und liess ihn rufen. Er fragte ihn: Weisst du wohl etwas über diesen Mann zu seinen Gunsten vorzubringen? Ja wohl, ich kenne ihn, als du mich nämlich zur Erhebung der Steuern von jener Stadt absandtest, da erhob er sich, knebelte mich und nahm mir alles, was ich bei mir hatte, und dieser Teppich ist von mir und giebt Zeugniss über ihn. Da schrie das ganze Volk und sprach: Wehe ihm! denn sein Vertheidiger ist sein Ankläger geworden. So auch, wenn der Mensch einen Lulab nimmt, um damit schuldfrei erklärt zu werden, wenn er geraubt (auf unredliche Weise erlangt) worden ist, da schreit er vor Gott und spricht: Ich bin geraubt, ich bin mit Gewalt genommen worden! Und die Dienstengel sprechen: Wehe diesem (dem Menschen)! sein Vertheidiger ist sein Ankläger geworden. „Am ersten Tage.“ Es ist doch der fünfzehnte Tag des Monats und es heisst: „am ersten?“ R. Mana von Scheab und R. Josua von Sichnin im Namen des R. Levi sagten: Es verhält sich hiermit wie mit einer Stadt, die dem König Steuerreste schuldig war und er ging, um sie einzutreiben im Umkreise von zehn Mil. Da kamen die Grossen der Stadt und priesen ihn, und er erliess ihnen den dritten Theil ihrer Steuerreste, dann ging er innerhalb von fünf Mil, da kamen die Mittleren der Stadt und priesen ihn, und er erliess ihnen noch ein Drittel. Als er in die Stadt einzog, da kamen ihm alle Einwohner, Männer, Weiber und Kinder entgegen und priesen ihn, und er erliess ihnen nun alles. Da sagte der König zu ihnen: Was geschehen ist, das ist geschehen, von jetzt an wird eine neue Rechnung angefangen. So fasten auch am Vorabend des Neujahrstages die Grossen des Zeitalters, und Gott erlässt ihnen den dritten Theil ihrer Sünden; von Neujahr an bis zum Versöhnungstage fasten die Einzelnen, und Gott erlässt ihnen den dritten Theil von ihren Sünden, am Versöhnungstage fasten alle, Männer, Weiber und Kinder. Da spricht Gott zu den Israeliten: Was geschehen ist, das ist geschehen, von jetzt ab und weiter wird eine neue Rechnung begonnen. Und am Versöhnungstage bis zum Laubhütten feste sind alle Israeliten mit religiösen Gebräuchen beschäftigt, der eine beschäftigt sich mit seiner Laubhütte, der andere mit seinem Lulab, und am ersten Tage des Festes erscheinen (stehen) alle Israeliten mit ihren Lulab und Ethrog vor Gott und er spricht zu ihnen: Was geschehen ist, ist geschehen, von jetzt ab wird eine neue Rechnung begonnen. Deshalb warnt Mose die Israeliten: „Nehmt euch am ersten Tage.“ R. Acha sagte: Es heisst Ps. 130, 4: „Bei dir ist Vergebung“ d. i. vom Neujahrstage an wartet die Vergebung bei dir. Und das alles warum? „Damit du gefürchtet werdest“ d. i. um Furcht über deine Par. XXX. Cap. XXIII, 40. 213 Geschöpfe zu bringen. „Am ersten Tage“ d. i. am Tage und nicht in der Nacht, am Tage und selbst am Sabbath. „Am ersten Tage,“ d. i. es verdrängt den Sabbath nur der erste Tag allein. Früchte von schönen Bäumen. R. Chija hat gelehrt: Ein Baum, dessen Holz und Frucht denselben Geschmack hat, ist der Ethrog. „Tin, Schmuck.“ Ben Asai sagte: Der sich erhält von Jahr zu Jahr. Aquilas, der Proselyt, erklärt: Tntn ist ein Baum, der am Wasser steht. Palmzweige. R. Tarphon sagte: Wenn die Blätter des Fest- strausses auseinander gehen, so binde man sie zusammen.*) Und Zweige von dickbelaubten Bäumen d. i. von einem Baume, dessen Zweige sein Holz bedecken, und das ist die Myrthe. und von Bachweiden. Wie ist es denn aber, wenn es Weiden nicht vom Bache, sondern von Thal und Bergen sind? Es heisst hier ausdrücklich: „von Bachweiden.“ R. Abba Saul sagt: Es heisst hier: Bachweiden (plur.), da müssen es wenigstens zwei sein, nämlich eine Bachweide für den Lulab und eine für das Heiligthum. R. Simeon sagt: Frucht von Prachtbäumen d. i. eins, „und Palmzweige“ d. i. eins, „und Zweige von dickbelaubten Bäumen“ d. s. drei, „und Bachweiden“ d. s. zwei abgebrochene Zweige und einer, welcher nicht abgebrochen ist. R. Tarphon sagt: Es können sogar auch drei abgebrochene sein. Oder: „Frucht des Prachtbaumes“ d. i. Gott, von dem es heisst Ps. 104, 1: „Mit Pracht und Majestät bist du bekleidet,“ „Palmzweige“ d. i. Gott, von dem es heisst das. 92, 13: „Der Gerechte wird wie die Palme blühen,“ „und Zweige von dickbelaubten Bäumen,“ denn es heisst Sach. 1, 11: „Er steht zwischen Myrthen,“ „und Bachweiden“ d. i. Gott, denn es heisst Ps. 68, 5: „Machet ihm Bahn, der einherfährt durch Bachweiden (rvDTTä), Jah ist sein Name.“ Oder: „Frucht des Prachtbaumes“ d. i. Abraham, den Gott mit einem glücklichen Greisenalter geschmückt hat, wie es heisst Gen. 24, 1: „Abraham war alt und in die Tage gekommen,“ und es heisst doch Lev. 19, 32: „Du sollst das Antlitz des Alten ehren (nTlin);“ „Palmzweige“ d. i. Jizchak, welcher gebunden auf dem Altar lag, „und Zweige von dickbelaubten Bäumen“ d. i. Jacob. Wie die Myrthe von Blättern wimmelt, so wimmelte auch Jacob von Kindern (so war auch er mit Kindern gesegnet); „Bachweiden“ d. i. Joseph. Wie diese Bachweide vor jenen drei Arten eher verwelkt, so starb auch Joseph vor seinen Brüdern. Oder: „Frucht des Prachtbaumes“ d. i. Sara, die Gott mit einem glücklichen Alter geziert hat (nTT'irij), wie es heisst Gen. 18, 11: „Abraham und Sara waren alt.“ „Palmzweige“ d. i. Rebecca. Wie die Dattel geniessbar ist, aber auch Dornen hat, so hat auch Rebecca einen Gerechten und einen Frevler gestellt. „Und Zweige *) S. Succa fol. 32 a . 214 Par. XXX. Cap. XXXII, 40. von dickbelaubten Bäumen“ d. i. Lea. Wie die Myrthe von ihren Blättern wimmelt, so wimmelte auch Lea von Kindern. „Bachweiden“ d. i. Rachel. Wie die Bachweide vor jenen drei Arten eher dahinwelkt, so starb auch Rachel vor ihrer Schwester. Oder: „Frucht des Prachtbaumes“ d. i. das grosse Synedrium Israels, welches Gott mit einem glücklichen Alter geschmückt hatte (ii'TPinb), wie es heisst Lev. 19, 32: „Vor einem grauen Haupte sollst du dich erheben.“ „Palmblätter“ d. s. die Gelehrten, die sich beugen, um von einander die Thora zu erlernen, „und Zweige von dickbelaubten Bäumen“ d. s. die drei Reihen Schüler, welche vor dem Synedrium sitzen. „Bachweiden“ d. s. die zwei Gerichtsschreiber, die vor ihnen stehen und die Worte der Freisprechenden und die Worte der Schuldigsprechenden aufzeichnen. Oder: „Frucht des Prachtbaumes“ d. s. die Israeliten. Wie der Ethrog Geschmack und Geruch hat, so giebt es auch unter den Israeliten solche, die Thorakenntniss mit guten Werken verbinden. „Palmzweige“ d. s. die Israeliten. Wie die Dattel Geschmack und keinen Geruch hat, so giebt es auch unter den Israeliten solche, welche Thorakenntniss, nicht aber gute Werke besitzen. „Und Zweige von dickbelaubten Bäumen“ d. s. die Israeliten. Wie die Myrthe Geruch, aber keinen Geschmack hat, so giebt es auch unter den Israeliten solche, die gute Werke üben, aber keine Thorakenntniss besitzen. „Bachweiden“ d. s. die Israeliten. Wie die Bachweide weder Geschmack noch Geruch hat, so giebt es auch unter den Israeliten solche, welche weder Thorakenntniss, noch gute Werke aufzuweisen haben. Was thut nun Gott mit ihnen? Bringt er sie vielleicht um? Nein! Gott sprach: Knüpfet alle in ein Bündel zusammen, so werden die einen die andern sühnen (eins wird das andere ausgleichen). Wenn ihr so thut, so lasse ich es euch zu Gute kommen (rechne ich es euch an). Das steht auch Am. 9, 6: „Der im Himmel baut seinen Söller.“ Wann wird Gott erhoben? Wenn sie alle zu einem Bündel gemacht sind, wie es heisst das.: „Und sein Bündel (Gewölbe mYijNi) hat er auf der Erde gegründet.“ Darum ermahnt Mose die Israeliten: „Nehmt euch am ersten Tage.“ R. Jehuda begann im Namen des R. Simon ben Päsi mit Anknüpfung an Prov. 4, 10: „Höre, mein Sohn, und nimm meine Lehre an.“ Viele Nehmungen (mrpp) habe ich euch befohlen (ich habe vielerlei zu nehmen befohlen) und zwar wegen eurer Läuterung (Freisprechung); ich habe euch geheissen Num. 19,1: „Und nehmen sollen sie dir eine fehlerlose rothe Kuh.“ Glaubt ihr etwa meinetwegen? Nein, um euch zu reinigen, wie es heisst das. V. 19: „Der Reine sprenge den Unreinen.“ Ich habe euch geheissen: „Und sie sollen mir nehmen eine Hebe,“ deswegen, damit ich unter euch wohne, wie es heisst Ex. 25, 8: „Machet mir ein Heiligthum,“ gleichsam als ob Gott befohlen hätte: Nehmt mich, dass ich unter euch wohne. Es steht nicht: firnen irip v i, sie sollen eine Hebe nehmen, sondern: ■’b urp" 1 '), sie sollen mir eine Hebe nehmen“ d. h. mich sollt ihr Par. XXX. Cap. XXIII, 40. 215 nehmen. Ich habe euch geheissen: „Und sie sollen dir lautres Olivenöl nehmen.“ Bedarf ich etwa eures Lichtes? Heisst es nicht Dan. 2, 22: „Licht wohnet bei ihm?“ Allein um euch zu läutern und um eure Seelen zu versöhnen, die mit einer Leuchte verglichen wird, wie es heisst Prov. 20, 27: „Eine Leuchte des Ewigen ist die Seele des Menschen, durchforschend alle Gemächer des Innern.“ Und jetzt heisse ich euch: „Nehmt euch am ersten Tage,“ um euch zu läutern, dass ich euch Regen herabströmen lasse. Darum ermahnt Mose die Israeliten: „Und nehmt euch am ersten Tage.“ R. Mani begann mit Anknüpfung an Ps. 35, 10: „Alle meine Gebeine sprechen: Ewiger, wer ist wie du?“ Dieser Vers bezieht sich nur auf den Lulab. Das Rückgrat des Lulab gleicht dem Rückgrat des Menschen, die Myrthe gleicht dem Auge, die Weide gleicht dem Munde, der Ethrog gleicht dem Herzen. David sprach: Unter allen menschlichen Gliedern giebt es kein grösseres Glied als die, welche dem ganzen Körper gleichwiegend sind. Das wollen die Worte sagen: „Alle meine Gebeine sprechen“ u. s. w. Oder: „Nehmt euch am ersten Tage.“ Nach all jener Weisheit, welche von Salomo geschrieben steht 2 Chron. 1, 12: „Weisheit und Kenntniss sei dir gegeben,“ „und die Weisheit Salomos war sehr gross und er war weiser als alle Menschen,“ sass er und wunderte sich über diese vier Arten (Fruchtarten), wie es heisst Prov. 30, 18: „Drei kann ich nicht begreifen.“ Die drei Dinge sind das Pesachopfer, Mazza und das bittere Kraut, „und das vierte versteh’ ich nicht,“ das sind die vier Arten Lulab, die er erfassen wollte (eig. auf denen er stehen wollte). Wenn es heisst: „Frucht des Prachtbaumes,“ wer sagt mir, dass darunter der Ethrog gemeint ist, alle Bäume tragen doch prächtige Früchte? Ferner „Palmzweige.“ Das Gesetz befiehlt: Nimm zwei Palmzweige, um mit ihnen Gott zu loben, und er nimmt nur den Lulab, das Herz von der Dattel. „Und Zweige von dickbelaubten Bäumen,“ wer sagt mir, dass darunter die Myrthe zu verstehen ist? Weil es anderswo heisst Nech. 9, 15: „Geht hinaus auf den Berg und bringet Olivenblätter, Bachweiden.“ Alle Bäume wachsen am Wasser. „Das vierte verstehe ich nicht.“ Ein andermal sagt er Prov. 30, 29: „Drei haben einen vortrefflichen Schritt, das vierte einen vortrefflichen Gang.“ Das sind die vier Arten, nach denen jeder Israelit geht, läuft, davon nimmt, um Gott damit zu loben. Sie scheinen in den Augen des Menschen klein, vor Gott aber sind sie gross. Und wer hat den Israeliten erklärt, dass unter den vier Arten der Ethrog, der Lulab, die Myrthe und die Weide zu verstehen ist? Die Weisen, wie es das. heisst: „Und sie sind sehr weise.“*) R. Berachja sagte im Namen des R. Levi: Wenn ihr euch nehmt am ersten Tage, siehe, so erscheine ich euch als erster und strafe euch von dem ersten d. i. der ruchlose Esau, von dem es heisst Gen. 25, 25: „Der *) Dort geht es auf die Thiere. 2IÖ Par. XXXI. Cap. XXIV, 2 . erste kam roth heraus und behaart, l< und ich baue euch den ersten, nämlich den Tempel vgl. Jerem. 17, 12: „Der Thron der Herrlichkeit, der Erhabenheit von Anbeginn ist der Ort unseres Heiligthums,“ und bringe euch den ersten d. i. den König Messias, von dem es heisst Jes. 41, 27: „Er ist der erste zu Zion, siehe, siehe, und zu Jerusalem geb’ ich einen Heilsverkünder.“ Parascha XXXI. Cap. XXIV. V. 2. Befiehl den Kindern Israels, dass sie dir nehmen lauteres Oel. Das steht auch Ps. 71, 19: „Deine Gerechtigkeit, Gott, bis zur Höhe.“ R. Ami fragte den R. Samuel bar Nachman: Da ich von dir gehört habe, dass du ein Haggadist bist, was ist wohl der Sinn von den Worten: „Deine Gerechtigkeit, Gott, bis zur Höhe?“ Er antwortete ihm: Sowie die Unteren müssen auch die Oberen sich einander Gerechtigkeit widerfahren lassen. Das steht auch Ezech. 10, 2: „Und er sprach zu dem Mann in Linnen gekleidet.“*) „Was du Grosses gethan!“ Das sind die zwei grossen Lichter s. Gen. 1,16: „Und die beiden grossen Lichter.“ „Gott! wer ist dir gleich?“ d. i. wer ist unter den Oberen dir gleich und wer unter den Unteren? Wer bezwingt wie du das Strafmass (lässt Gnade für Recht ergehen)? Du erleuchtest die Oberen und Unteren, du erleuchtest alle Weltbewohner und findest Lust an dem Lichte Israels. Das ist hier nun gesagt: „Befiehl den Kindern Israels.“ R. Jizchak begann mit Anknüpfung an Ps. 119, 140: „Rein geläutert ist dein Wort und dein Knecht liebt es.“ Wie dieser Schmelzer (Goldschmied) das Gold zwei- oder dreimal in den Schmelzofen bringt, bis es ganz geläutert ist, so ist auch dieser Abschnitt zwei- und dreimal wiederholt worden. Siehe, wenn schon ein so kleiner Abschnitt in der Thora zwei-, dreimal wiederholt wird, um wieviel mehr die übrigen Abschnitte der Thora! „Befiehl den Kindern Israels.“ Das steht auch Hi. 14, 15: „Rufe und ich will dir antworten,“ sowie es heisst Jes. 58, 9: „Dann rufst du und der Ewige antwortet.“ Wozu? „Nach deinem Händewerk sehnst du dich“ d. i. deine Seele hat Verlangen nach ihm vgl. Gen. 31, 30: „Du sehntest dich nach dem Hause deines Vaters.“ Hiob sprach vor Gott: Herr der Welt! die Oberen und die Unteren sind in deiner Gewalt, „und du sehnst dich nach deinem Händewerk“ d. i. du schaust auf dein Händewerk. Das wollen die Worte sagen. „Befiehl den Kindern Israels.“ Oder: „Befiehl den Kindern Israels.“ Bar Kapra begann mit Bezugnahme auf Ps. 18, 29: „Ja du liessest meine Leuchte scheinen.“ Gott sprach nämlich zu dem Menschen: Deine Leuchte ist in meiner *) S. Anfang der Parascha n'3n3 bn yiON. Par. XXXI. Cap. XXIV, 2. 217 Hand und meine Leuchte ist in deiner Hand. Deine Leuchte ist in meiner Hand, wie es heisst Prov. 20, 27: „Eine Leuchte Gottes ist die Seele des Menschen,“ und meine Leuchte ist in deiner Hand. Um eine Leuchte stets brennen (aufsteigen) zu lassen. Nein, Gott spricht: Wenn du meine Leuchte brennen lässt, so lasse ich deine Leuchte brennen. Das wollen die Worte sagen: „Befiehl den Kindern Israels.“ Oder: „Befiehl den Kindern Israels.“ In Verbindung mit Cant. 7, 6: „Dein Haupt auf dir ist wie der Carmel und die Locke deines Hauptes wie Purpur.“ Gott sprach zu den Israeliten: Die Häupter unter euch sind mir so lieb wie Elia, der den Carmel erstieg, wie es heisst 1 Reg. 18, 42: „Und Elia stieg auf die Spitze des Carmeis und bückte sich zur Erde und that sein Gesicht zwischen seine Kniee.“ Warum that er sein Gesicht zwischen seine Kniee? Er sprach vor Gott: Herr der Welt! wenn uns kein Verdienst anhaftet, so blicke auf den Bund der Beschneidung. „Und die Locke deines Hauptes wie Purpur.“ Gott sprach: Die Aermsten unter euch sind mir so lieb wie David, wie es heisst Sach. 12, 8: „Und der Schwache unter ihnen ist an diesem Tage wie David.“ Oder sie sind mir so lieb wie Daniel, von dem es heisst Dan. 5, 29: „Er liess den Daniel in Purpur kleiden.“ „Der König gebunden in Locken,“ weil Gott sich eigentlich durch einen Schwur gebunden hatte, dass er seine Schechina an dem Gebälk (Tafelwerk) unseres Vaters Jacob ruhen lassen wolle, und in wessen Verdienste? R. Abba bar Kahana sagte: Im Verdienste unseres Vaters Abraham, denn es heisst Gen. 18, 7: „Zu den Rindern lief Abraham.“ R. Levi sagte: In Jacobs Verdienste, von dem geschrieben steht Gen. 30, 38: „Er legte die Stäbe, welche er geschält, in die Wasserrinnen (Tränken).“ R. Berachja versteht unter „dem König, gebunden in Locken“ Mose, von dem es heisst Deut. 33, 5: „Er war König in Jeschurun (= Israel).“ „Gebunden in Locken,“ weil Gott über ihn beschlossen hatte, dass er nicht in das Land Israel kommen sollte. Warum nicht? Wegen der Wasserrinnen (d^Uffi) bei dem Haderwasser, wie es heisst Num. 20, 13: „Das sind die Haderwasser, wie die Kinder Israels haderten mit dem Ewigen.“ R. Jehuda sagte: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem König, welcher angeordnet und gesagt hatte: Wer von den Früchten im siebenten Jahre auf liest und isst, soll auf den Campus*) versetzt werden. Eine Frau, die Tochter vornehmer Eltern (a^diu na), hatte von den Früchten des siebenten Jahres gesammelt und gegessen und man führte sie auf den Campus. Ich bitte von dir, mein Herr König, schrie und sprach sie, hänge diese Feigen mir an meinen Hals, damit die Leute nicht sprechen: Es kommt uns vor, dass man etwas Schändliches oder etwas von Zauberei an mir gefunden habe; wenn sie aber die Feigen an meinem Halse sehen, so wissen sie, weshalb *) Ein freier Platz, wo Schauspiele für die Könige veranstaltet werden. 218 Par. XXXI. Cap. XXIV, 2. ich hierher gebracht worden bin. So sprach auch Mose vor Gott: Herr der Welt! schreibe in deine Thora, warum ich nicht in das Land kommen soll, damit die Israeliten nicht sprechen: Es kommt uns vor, als hätte Mose das Gesetz gefälscht, oder etwas gesagt, was ihm nicht befohlen war. Gott sprach zu ihm: Bei deinem Leben! ich werde schreiben, dass du nur wegen des Haderwassers nicht in das Land kommen sollst, wie es heisst Num. 27, 14: „Weil ihr gehadert habt gegen mein Wort in der Wüste Zin.“ R. Simeon sagte: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem König, der mit seinem Sohne auf dem Wege in einem Wagen fuhr, als sie an einen engen Ort kamen, stürzte der Wagen über seinen Sohn; sein Auge wurde blind und er hatte auch seine Hand und seinen Fuss gebrochen. So oft der König an jenen Ort kam, erinnerte er sich des Vorfalles und sprach: Weh mir! hier hat mein Sohn Schaden genommen; hier ist sein Auge blind geworden, hier ist seine Hand und sein Fuss zerbrochen worden. Ebenso erwähnt Gott in seiner Thora dreimal die Haderwasser, um damit zu sagen: Hier habe ich den Mose, hier den Aaron und hier die Mirjam um das Leben gebracht. Das steht auch Ps. 141, 6: „Es stürzten am Felsen ihre Richter, und man hörte Reden, die lieblich waren.“ R. Nachman sagte: Unter dem König ist Mose zu verstehen, wie es heisst: „Und er war in Jeschurun König.“ Gott sprach zu Mose: Ich habe dich zum König über Israel gesetzt, und der König pflegt Befehle zu geben, die von andern gehalten werden müssen, so gieb auch du Befehle, Israel muss sie halten. Das ist hier nun gesagt: „Befiehl den Kindern Israels.“ R. Josua von Sichnin sagte im Namen des R. Acha: Es heisst Prov. 21, 22: „Eine Stadt der Helden erstieg ein Weiser.“ „Helden“ heisst es, weil sie alle Helden waren, und es war kein Weib darunter. „Ein Weiser erstieg sie,“ das ist Mose, von dem es heisst: „Mose stieg hinauf zu Gott,“ „und er stürzte die Macht, worauf sie vertraut.“ R. Jehuda, R. Nechemja und die Rabbinen. R. Jehuda sagt: Unter tis Macht ist die Thora zu verstehen, unter tinüSTa, Vertrauen, weil die Engel darauf vertrauten, da sie glaubten, die Thora sei ihnen gegeben worden, bis Gott zu ihnen sprach: „Sie wird nicht im Lande des Lebens gefunden.“ R. Nechemja sagt: Unter nt' Macht ist die Thora zu verstehen und will sagen, dass sie ihr Vertrauen auf sie gesetzt haben, und ihr Lohn ist an ihrer Seite. Die Rabbinen sagen: Unter ri» ist die Thora und unter rtntiSTa, Vertrauen ist zu verstehen: jeder, welcher sich mit ihr ernstlich bemüht, ist versichert, dass er befiehlt und andere es beobachten. So sprach auch Gott zu Mose: Du hast dich mit der Thora bemüht, so magst du jetzt befehlen und die Israeliten sollen es halten. Das steht auch: „Befiehl den Kindern Israels.“ Oder: „Befiehl den Kindern Israels.“ Rabbi und die Rabbinen. Rabbi sagt: Einmal heisst es Hi. 25, 3: „Haben seine Schaaren eine Zahl?“ und ein andermal heisst es Dan. 7, 10: „Tausend mal Par. XXXI. Cap. XXIV, 2. 219 Tausend dienen ihm,“ und dann heisst es wieder Ps. 68, 18: „Die Wagen Gottes sind Myriaden, Tausend mal Tausend, unter ihnen der Herr, der Sinai im Heiligthum.“ Siehe, daraus erhellt, dass eine Schaar eine Zahl hat; aber seine Schaaren sind zahllos. Die Rabbinen sagen: Einmal heisst es: „Giebt es für seine Schaaren eine Zahl?“ und ein anderesmal heisst es: Tausend mal Tausend dienen ihm?“ Allein so lange der Tempel nicht zerstört war, stieg Gottes Lob von ihnen allein empor, nachdem der Tempel aber zerstört war, sollte Gott seine Familie vermindert haben? Gott sprach: Es ist nicht Recht, dass mein Lob so emporsteigt, wie es (sonst) emporgestiegen ist. Hi. 25, 3 heisst es: „Ueber wen erhebt sich nicht sein Licht?“ d. i. wer von allen Weltbewohnern kommt und sagt wohl: mir leuchtet nicht die Sonne am Tage und der Mond des Nachts? Du leuchtest den Oberen wie den Unteren und allen Weltbewohnern und findest Lust an dem Lichte Israels, wie es hier heisst: „Befiehl den Kindern Israels.“ R. Chanina sagte: Der salomonische Tempel hatte Fenster, von welchen Licht in die Welt ausging, wie es heisst 1 Reg. 16, 4: „Er machte für das Haus Fenster mit verschlossenem Gitter.“ Die verschlossenen Gitter waren von innen klein (eng) und von aussen weit, damit das Licht hinausgehe in die Welt. R. Levi sagte: Gleich einem Könige, der ein Triklinium (Hauptzimmer) sich machen liess und die Fenster davon von aussen klein und von innen weit machte, damit das Licht hineindränge, aber die Fenster am Tempel waren nicht so, sondern sie waren von innen klein und von aussen weit, damit ein grosses Licht hinausgehe. R. Simeon ben Jehozadok fragte den R. Samuel bar Nachman: Da ich von dir gehört habe, dass du ein Haggadist bist, so frage ich dich, woher ist das Licht in die Welt gekommen? Er antwortete: Gott hüllte sich in ein Gewand und es leuchtete seine ganze Welt vom vom Glanze seines Schmuckes.*) Das sagte er zu ihm heimlich (leise). Er entgegnete ihm: Es steht doch deutlich in einem ganzen (vollen) Vers, wie es heisst Ps. 104, 2: „Er hüllt das Licht wie ein Gewand, spannt den Himmel wie einen Teppich,“ und du sagst es mir heimlich (leise)? Wie es mir ist leise gesagt worden, lautete seine Antwort, so habe ich es dir leise gesagt. R. Berachja sagte: Wenn R. Jizchak es nicht öffentlich vorgetragen hätte, so hätte man es zu sagen nicht für möglich gehalten. Nun wie ist es vorher gesagt (gelehrt, beantwortet) worden? R. Berachja im Namen des R. Jizchak sagte: Das Licht ging vom Orte des Tempels in die Welt aus, wie es heisst Ezech. 43, 2: „Und siehe, die Herrlichkeit des Gottes Israels kam von Osten her und ihr Brausen war wie das Brausen grosser Gewässer und die Erde ward erleuchtet von seiner Herrlichkeit.“ Unter TOS, Herrlichkeit ist nichts anderes als *) Vgl. Midr. Berescb. r. P^r. 3, Schemot r. Par. 50 Anf. und Deba- rim r. Par. 10. 220 Par. XXXI. Cap. XXIV, 2. der Tempel zu verstehen vgl. Jerem. 17, 12: „Der Thron der Herrlichkeit, der Erhabenheit von Anbeginn ist der Ort unseres Heiligthums.“ R. Abina sagte zweierlei, ebenso sagte R. Berachja zweierlei und die Rabbinen sagten auch zweierlei. R. Abina sagte: Die Sonnenkugel ist eine von meinen Dienern, und in der Stunde, wo sie in die Welt hinausgeht, kann kein Geschöpf seine Augen an ihrem Glanze weiden, wie es heisst Dan. 7, 10: „Ein Feuerstrom floss und ging von ihm aus, “bedarf ich daher deines Lichtes? R. Acha sagte: (Es heisst) Jes. 42, 21: „Dem Ewigen gefiel es, um seiner Gerechtigkeit willen, dass er die Thora gross und mächtig werden liess“ d. i. ich habe nur dich geschaffen, um dich zu läutern. R. Abina sagte ferner: Der Blitz stammt vom oberen Feuer (ist eine Folge des oberen Feuers), und von einem Ende der Welt bis zum andern erglänzt sein Licht, bedarf ich daher deines Lichtes? R. Acha sagte: „Der Ewige hat Wohlgefallen wegen seiner Gerechtigkeit.“ (Wie vorher.) R. Berachja sagte: Aus dem Augapfel sieht der Mensch nicht aus dem Weissen darin, sondern aus dem Schwarzen. Wenn ich nun, sprach Gott, aus der Finsterniss dir Licht erschaffen habe, bedarf ich deines Lichtes? R. Acha sagte: „Der Ewige hat Wohlgefallen wegen seiner Gerechtigkeit.“ Ferner sagte noch R. Berachja: Es heisst Gen. 1, 2: „Und die Erde war öde und leer.“ Was folgt darauf? „Und Gott sprach: es werde Licht und es ward Licht.“ Wenn ich, sprach Gott, aus der Finsterniss Licht erschaffen habe, bedarf ich deines Lichtes? R. Acha sagte: „Der Ewige hat Wohlgefallen wegen seiner Gerechtigkeit.“ Die Rabbinen sagen: Gott spricht zum Kinde: Während der neun Monate, wo du im Leibe deiner Mutter warst, habe ich dir geleuchtet, bedarf ich deines Lichtes? Ferner sagten die Rabbinen: Es heisst Dan. 2, 22: „Er offenbart das Tiefe und das Verborgene, er weiss, was im Finstern ist, und Licht wohnet bei ihm.“ Gott sprach: Das Licht wohnt bei mir ; bedarf ich deines Lichtes? Rab sagte: In der Stunde, wo die Sonnenkugel und der Mond hineintreten, um von Gott die Erlaubnis zu erhalten, da werden ihre Augen von dem Glanze der Schechina dunkel, und wenn sie herausgehen wollen, um die Welt zu erleuchten, sehen sie nichts. Was macht Gott mit ihnen? Er schiesst Pfeile vor ihnen ab und sie wandeln ihrem Lichte nach. Das steht auch Hab. 3, 11: „Sonne und Mond stehen in ihrer Wohnung; als Licht fliegen deine Pfeile, als Schein deines Speeres Blitz,“ und Joel 3, 20 heisst es: „Sonne und Mond verdunkeln sich und die Sterne ziehen ihren Glanz ein.“ R. Hosaja bar R. Simlai von Cäsarea sagte im Namen des R. Jizchak bar Sera: Die Sonnenkugel geht nicht eher unter, als bis sie wie Blut in der Grösse eines Senfkorns geworden ist. Was ist der Sinn von Ps. 19, 6: „Sie geht wie ein Bräutigam aus seinem Gemache, freut sich, wie ein Held zu laufen den Pfad (mix)?“ Es giebt nur einen Pfad HTiN (Weise) der Weiber, wie es heisst Gen. 18, 11: „Es hatte aufgehört Sara zu gehen nach Weise (mx) der W’eiber.“ R. Levi sagte: 221 Par. XXXI. Cap. XXIV, 2. 3. Alle Tage sitzt Gott zu Gericht mit der Sonnenkugel und dem Monde, die nicht ausgehen wollen, die Welt zu erleuchten. Was sprechen sie? Die Menschen klagen uns an, die Geschöpfe bücken sich vor uns. R. Justa bar Schunem sagte: Was macht Gott mit ihnen? Er sitzt über sie zu Gericht und sie ziehen heraus und erleuchten die Welt wider ihren Willen. Das steht auch Zeph. 3, 5: ,,An jedem Morgen ergeht sein Richterspruch ans Licht, nie fehlend.“ Was heisst itb? Ohne Unterlass (ohne Unterbrechung). „Doch der Ungerechte kennet keine Scham“ d. i. sie schämen sich nicht, sondern die Götzendiener sehen, dass sie (Sonne und Mond, die von ihnen angebetet werden, durch Verfinsterung) geschlagen werden und sie schämen sich dennoch nicht, sie anzubeten. So heisst es Lev. 24, 2: „Und sie sollen dir nehmen reines Olivenöl;“ aber nicht Sesamöl, nicht Nussöl, nicht Rettigöl und nicht Mandelöl, sondern Olivenöl von deinen Oliven. Gleich einem König, sagte R. Abin, gegen welchen sich seine Legionen empört hatten, nur eine Legion hatte sich nicht gegen ihn empört. Da sprach der König: Von dieser Legion, welche sich nicht gegen mich empört hat, sollen nun Duces, Eparchen und Obersten genommen werden. So sprach auch Gott: Die Olive brachte in Noachs Tagen Licht in die Welt, wie es heisst Gen. 8, 11: „Die Taube kam zu ihm zur Abendzeit und siehe, sie hatte ein abgepflücktes Oelblatt in ihrem Munde.“ Was heisst b'üp f|riü? Es hat den Sinn wie das. 37, 33: „EpU E|TH2, zerrissen ist Joseph.“ R. Berachja sagte: Noach sprach zu ihr: Wenn du ihn nicht abgerissen hättest, so wäre er (der Zweig) ein grosser Baum geworden. Woher brachte sie das Blatt? Nach Abba bar Kahana vom Oelberge, nach R. Levi von den Ranken des Landes Israel. Daher kommt die Sage, dass das Land Israel von den Wassern der Fluth nicht geschlagen worden sei. Das sagt auch Gott durch Ezech. 22, 24: „Menschensohn! sprich zu ihr (der Stadt): Du bist ein Land, nicht gereinigt.“ R. Jochanan sagt: Sogar die Mühlsteine wurden in den Wassern zerrieben. R. Berachja sagte: Die Thore des Paradieses wurden ihr (der Taube) geöffnet und von daher brachte sie das Blatt. R. Ibo sagte: Wenn sie es aus dem Paradiese gebracht hätte, hätte sie nicht etwas Besseres bringen können, wie Zimmt, Balsam? Allein sie gab ihm damit einen Wink (sie deutete ihm damit an) und sprach zu ihm: Mein Herr Noach! das Bittere aus Gottes Hand und nicht das Süsse aus deiner Hand. V. 3. Ausserhalb des Vorhanges der Zeugnisse. R. Eleasar ben Schamua sagte: In Folge dieser Bereitung werdet ihr gerettet werden (verschont bleiben) von einer andern Bereitung s. Jes. 30, 33: „Denn seit gestern ist die Brandstätte bereitet.“ R. Cha- nin sagte: Dadurch, dass ihr eine Leuchte beständig unterhaltet, werdet ihr das Glück haben, das Licht des Messias zu empfangen, wie es heisst Ps. 132, 17: „Dort lasse ich blühen das Horn Davids, 222 Par. XXXII. Cap. XXIV, 3 . 10 . eine Leuchte zu richten meinem Gesalbten,“ ferner das. 122, 1: „Ich freue mich, wenn man zu mir spricht: Wir wollen zum Hause des Ewigen gehen.“ Parascha XXXII. Cap. XXIV. V. 10. Es ging hinaus der Sohn eines israelitischen Weibes. R. Jehuda und R. Nechemja. R. Jehuda sagt: Das steht auch Ps. 12, 9: „Ringsum wandeln Frevler“ d. i. rings um die Frevler wandeln die Gerechten. Wie ist das zu verstehen? In der Stunde, wo die Gerechten herausgehen aus dem Paradiese und die Frevler zur Hölle verurtheilt sehen, freuen sie sich darüber, wie es heisst Jes. 66, 24: „Sie gehen heraus und sehen die Leichname der Menschen, die von mir abgefallen sind.“ In der Stunde loben und danken sie Gott für die Leiden, die er in dieser Welt über sie gebracht hat, wie es heisst Jes. 12, 1: „Und du wirst sprechen an diesem Tage: ich danke dir, Ewiger! dass du über mich gezürnt hast; es wandte sich dein Zorn“ gegen die Völker der Welt, „und du verschontest mich“ vor ihnen. „Wann erhebt sich Schmach (mbt Dn^io)?“ Wenn Gott erhaben erscheint, und der Weinberg (n^D) in seiner Welt verachtet ist. Unter dem Weinberg Gottes ist nichts anderes als Israel zu verstehen, wie es heisst Jes. 5, 7: „Denn der Weinberg des Ewigen ist das Haus Israel und die Männer Jehudas sind die Pflanzung seiner Freude.“ R. Nechemja sagte: Wie lange wirst du uns den Vers verdrehen? Der Sinn ist doch: Um die Gerechten wandeln die Frevler, wie es heisst: „Ringsum wandeln Frevler.“ Wie so? In der Stunde, wo die Frevler aus der Hölle aufsteigen und die Gerechten sitzen sehen in Ruhe im Paradiese, wird ihre Seele gequält ihretwegen, wie es heisst Ps. 112, 10: „Der Frevler sieht es und kränket sich.“ Wann erhebt sich Schmach?*) Wenn Gott die Gebote, die in der Welt verachtet werden, erhebt z. B. warum wirst du gesteingt? Weil ich meinen Sohn beschnitten habe. Warum wirst du herausgeführt, um verbrannt zu werden? Weil ich den Sabbath gehalten habe. Warum wirst du zur Hinrichtung hinausgeführt? Weil ich Mazza gegessen habe. Warum wirst du gegeisselt? Weil ich eine Laubhütte gebaut, weil ich den Lulab in die Hand genommen, Tephillin gelegt, weil ich Purpur angelegt, kurz, weil ich den Willen des himmlischen *) Berach. fol. 6 b werden unter den Worten fii^t 2113 Ps. 12 ,, 9 theils Dinge verstanden, welche auf der Spitze der Welt stehen (nbljt Str 10112) und welche die Menschen geringschätzen ()n3 2 'btbtO), theils wird das Wort als Eigenname eines Vogels Kerum erklärt, über den Lewysohn, Zoologie des Talmuds S. 183 zu vergleichen ist. Die Stelle im Talmud lautet: Wenn jemand eines Menschen bedürftig ist, so entstellt sich sein Gesicht wie der Kerum (2113), denn es heisst: nibt 213. Was bedeutet 2113? Es giebt einen Vogel in den Seestädten, dessen Name Kerum ist, wenn die Sonne aufgeht, nimmt er viele Farben an. Par. XXXII. Cap. XXIV, io. 223 Vaters gethan habe, wie es heisst Sach. 13, 6: „Er spricht zu ihm: Was bedeuten diese Wunden? Diese Wunden haben mir es verursacht (ihnen habe ich es zu danken), dass ich von meinem himmlischen Vater geliebt werde. Oder: „Wann erhebt sich Schmach?“ Wenn Gott die Farbe der Bastarde öffentlich bekannt macht, was bereits schon durch Mose geschehen ist, wie es hier heisst V. 14: „Führe den Flucher hinaus vor das Lager.“ Es heisst Koh. 10, 20: „Auch in deinem Gedanken (heimlich) sollst du dem König nicht fluchen.“ R. Abin sagt: Du sollst nicht mit der Kenntniss, die ich dir mehr als den Thieren, dem Gewilde und Vögeln gegeben, vor mir schmähen und lästern. Ich habe dir zwei Augen erschaffen und den Thieren zwei Augen, dir zwei Ohren und ihnen zwei Ohren, so habe ich dich doch ihnen gleich gestellt, wie es heisst Ps. 49, 13: „Er gleicht den Thieren, die da schweigen.“ Unter 17313 ist nichts anderes als Schweigen (“pnm) zu verstehen, ich habe vor deiner Herrlichkeit geschwiegen. Wie viele Wohlthaten habe ich dir erwiesen und du siehst es nicht ein, wie es heisst das.: „Der Mensch in seiner Herrlichkeit sieht es nicht ein.“ Oder: „Auch in deinem Gedanken sollst du dem König,“ welcher vor dir ist, „nicht fluchen und in den Gemächern deines Lagers sollst du dem Reichen,“ der vor dir ist, „nicht fluchen, denn der Vogel des Himmels führt (trägt) die Stimme fort.“ R. Jeremja ben Eleasar sagt: Darunter ist der Rabe und die Kenntniss der Wahrsagervögel zu verstehen. „Und der Geflügelte (der Herr der Flügel) meldet das Wort.“ R. Levi sagte: Der Weg hat Ohren und so auch die Wand. Oder: „Auch in deinem Gedanken sollst du dem König“ d. i. dem König zu deiner. Zeit „nicht fluchen und in den Gemächern deines Lagers sollst du dem Reichen“ zu deiner Zeit „nicht fluchen, denn der Vogel des Himmels trägt die Stimme fort. R. Jehuda bar R. Simon sagte: Gott sprach zu David: Du hättest sagen müssen Ps. 6, 11: „Beschämt werden und dahin schwinden sehr alle meine Feinde.“ Wer war denn dein Feind? Nicht Saul? Heisst es nicht Ps. 18, 1: „Am Tage, da ihn der Ewige gerettet aus der Gewalt aller seiner Feinde, aus der Hand Sauls?“ In dieser Stunde sprach David vor Gott: Herr der Welt! rechne mir dieses nicht als Frevel, sondern als ein Versehen an. Darum führt Ps. 7 die Ueberschrift: „Versehen Davids.“ Oder: „Auch in deinem Gedanken sollst du dem König nicht fluchen“ d. i. dem König der Welt, „und in den Gemächern deines Lagers sollst du dem Reichen“ d. i. dem Reichen der Welt „nicht fluchen, denn der Vogel des Himmels führt die Stimme fort.“ R. Levi sagte: Manche Stimme geht zum Guten und manche zum Bösen aus; zum Guten, wie es heisst Deut. 5, 28: „Der Ewige hört die Stimme eurer Worte, als ihr zu mir spracht.“ War denn alles gut, was sie geredet haben? R. Chija bar Ada und Bar Kapra, der eine nimmt das Wort 3123311 gut, wie das 3123331 gut, was von 22 4 Par. XXXII. Cap. XXIV, io. den Leuchtern gebraucht wird (schön machen), der andere sagte: iiäüfi gut hat den Sinn wie das gut, was vom Räucherwerk steht (schön aufsteigen). Und eine Stimme zum Bösen s. Deut. I, 34: „Der Ewige hörte die Stimme eurer Worte und ward zornig und schwur.“ R. Tachlipha sagte: Gott sprach: Ihnen erscheint es als Zorn, aber nicht mir, weil ich schwur in meinem Zorn. Ich schwur in meinem Zorn und widerrief es (wurde rückgängig) bei mir: „dass sie nicht kommen sollten zu meiner Ruhe“ d. i. zu dieser Ruhe sollen sie nicht kommen, wohl aber zu einer andern Ruhe. R. Levi sagte im Namen bar Kapras: Gleich einem Könige, welcher über seinen Sohn zürnte und über ihn verhängte, dass er nicht bei ihm in seinem Palaste erscheinen sollte. Was machte aber der König? Er liess seinen Palast einreissen, einen andern bauen und führte seinen Sohn nun mit sich hinein. Da hat er doch seinen Schwur gehalten und seinen Sohn wieder aufgenommen. So sprach auch Gott: Weil ich schwur in meinem Zorn, dass sie nicht kommen sollen zu meiner Ruhe d. i. zu dieser Ruhe sollen sie nicht kommen, wohl aber zu einer andern Ruhe. „Und der Geflügelte verkündet das Wort.“ Wenn nämlich der Mensch schläft, sagte R. Abin, spricht der Körper zur Neschama und die Neschama zum Nephesch und der Nephesch zum Engel und der Engel zum Cherub und der Cherub zu dem Herrn der Flügel und der Herr der Flügel bringt das Wort vor dem, welcher sprach und es ward. Oder: „Auch in deinem Gedanken sollst du dem König nicht fluchen.“ Das ist Mose, von dem es heisst Deut. 33, 5: „Er war König über Jeschurun,“ „und in den Gemächern deines Lagers fluche nicht dem Reichen“ d. i. Mose. Woher war Mose reich? R. Chanin sagt: Von dem Behauen der Edelsteine (bei den Bundestafeln) hat Gott ihm in seinem Zelte mitgetheilt und davon ist er reich geworden, wie es heisst: „Haue dir (^b bD2) d. i. die Abfälle (mbiDSFi) seien dein. In dieser Stunde sprach Mose Prov. 6, 22: „Der Segen des Ewigen macht reich.“ „Denn der Vogel des Himmels“ d. i. er (Mose) flog wie ein Vogel und stieg auf zum Himmel. „Und der Geflügelte meldet das Wort“ d. i. dem Mose wurde vom Sinai verkündet: „Führe den Flucher hinaus.“ „Und es ging aus der Sohn einer Israelitin.“ Woher? R. Levi sagte: Er trat aus seiner Welt*), wie es heisst 1 Sam. 17, 4: „Da trat ein Zweikämpfer hervor aus dem Lager.“**) R. Berachja sagte: Er trat aus einem höheren Abschnitte heraus, wie es heisst: „Du sollst feines Mehl nehmen und es backen (zu Schaubroten).“ Pflegt denn ein König warmes Brot zu essen? Es muss doch wohl erst abgekühlt sein, sowie dort gelehrt worden ist:***) Das Schaubrot *) Er hatte geflucht und dadurch ist er um das selige Leben gekommen. **) So hier: Er trat aus seinem Kreise heraus dort und hier. ***) Menachot fol. IOO. Par. XXXII. Cap. XXIV, io. 225 wurde nicht unter neun Tagen und nicht über elf Tage hinaus gegessen. Wie so? Es wurde am Vorabende des Sabbaths gebacken und am Sabbath darauf (der andern Woche) von den Priestern gegessen. Fiel aber ein Festtag auf den Vorabend des Sabbaths, so wurde es am zehnten Tage gegessen, fielen aber die zwei Festtage des Neujahrs auf Donnerstag und Freitag, so wurde es nach elf Tagen gegessen (sowie in Tanchuma ausgeführt ist). R. Chija hat gelehrt: Er war aus dem Abschnitte über die Geschlechtsfolge (Juchasin) herausgetreten und kam, um sein Zelt im Lager Dans aufzuschlagen. Man fragte ihn: Was fällt dir ein, dein Zelt im Lager Dans aufzuschlagen? Er antwortete: Weil ich von den Töchtern Dans abstamme. Sie stellten ihm vor: Es steht aber doch geschrieben Num. 2, 1: „Ein jeder bei seinem Paniere, nach dem Zeichen des Hauses ihrer Väter,“ nicht: des Hauses ihrer Mütter. Er ging darauf in den Gerichtshof Moses und kam da verurtheilt heraus, in Folge dessen erhob er sich und liess sich in Schmähungen aus. Und er war der Sohn eines Aegypters. Die Rabbinen und R. Levi. Die Rabbinen sagen: Obgleich es damals keine Bastarde gab, so war er in dieser Stunde doch ein Bastard. R. Levi sagte: Er war ein entschiedener (ausgemachter) Bastard. Wie so? Die Frohnvögte waren Aegypter und die Aufseher Israeliten, ein Frohnvogt war über zehn Aufseher und ein Aufseher über zehn Arbeiter (Menschen) gesetzt, folglich war ein Frohnvogt über hundert Arbeiter gesetzt. Einmal war der Frohnvogt bei dem Aufseher und sprach zu ihm: Sammle mir deine Genossenschaft (Arbeiter). Als er eintrat, scherzte mit ihm sein Weib, sie dachte, dass es ihr Mann sei. Er ging hinaus und verbarg sich hinter der Stiege. Als ihr Mann hinausgegangen war, ging er hinein und trieb Unzucht mit ihr. Ihr Mann kehrte um und sah den Frohnvogt aus seinem Hause kommen. Da er merkte, dass er ihn gesehen hatte, und die Sache verrathen war, schlug er ihn den ganzen Tag und sprach zu ihm: Willst du gut thun? willst du gut thun? Seine Absicht war, ihn um’s Leben zu bringen. In dieser Stunde schimmerte der heilige Geist durch Mose, wie es heisst Ex. 2, 12: „Er wandte sich dahin und dorthin.“ Was heisst: nin i"D? Er sah, was der Aegypter ihm im Hause und auf dem Felde gethan hatte. Da dachte er bei sich: Nicht genug, dass er sein Weib geschändet hat, er will ihn jetzt noch um’s Leben bringen. „Und da er sah, dass kein Mann da war.“ R. Jehuda, R. Nechemja und die Rabbinen. R. Jehuda sagt: Er sah, dass niemand aufstand, da gerieth Mose in Eifer für den Namen Gottes „und er erschlug den Aegypter.“ R. Nechemja sagt: Er sah, dass niemand aufstand, so erwähnte er den göttlichen Namen über ihn und brachte ihn um’s Leben. Die Rabbinen sagen: Er sah, dass nichts besondres Gutes weder von ihm (Oberaufseher), noch von seinen Kindern und Enkeln bis zum Ende aller Geschlechter erstand, „so erschlug er den Aegypter.“ R. Jizchak sagte: Er Wünsche, Midrasch Wajikra, 15 22Ö Par. XXXII. Cap. XXIV, IO. erschlug ihn mit der Faust vgl. Jes. 58, 4: „Um zu schlagen mit der Faust den Frevler.“ R. Levi sagte: Er erschlug ihn mit den Geheimnissen der Israeliten *) vgl. Hos. 2, 1: „Einst wird sein die Zahl der Israeliten wie der Sand am Meere.“ Oder: „Und der Sohn einer Israelitin ging hinaus.“ Das steht auch Cant. 4, 12: „Ein verschlossener Garten ist meine Schwester Braut, eine verschlossene Quelle (Haufen) und eine versiegelte Quelle.“ R. Pinchas sagt: Unter hü, verschlossene Quelle“ sind die Jungfrauen zu verstehen, unter „biS ’3 ‘ 5 , verschlossener Garten“ die Ehefrauen und unter „Sinn versiegelte Quelle“ die (keuschen) Männer. Es ist gelehrt worden im Namen des R. Nathan: „Ein verschlossener Garten“ und „eine verschlossene Quelle“ bezeichnen die beiden Arten des Beischlafes, den natürlichen und den widernatürlichen. Oder R. Pinchas hat im Namen des R. Chija bar Abba gesagt: Unter „verschlossener Garten“ sind die Israeliten zu verstehen, welche in Aegypten sich der Unzucht enthielten, weshalb sie auch aus Aegypten erlöst wurden. Darum haben dich deine Gesandten geschickt, wie es heisst Ex. 13, 17: „Und es geschah, als Pharao das Volk entliess (nViaa).“ R- Huna sagte im Namen des R. Chija bar Abba: Unsere Mutter Sara zog hinab nach Aegypten und enthielt sich der Unzucht (des verbotenen Umgangs mit Weibern), und durch diese ihre verdienstliche Handlung enthielten sich auch alle anderen Frauen der Unzucht. Joseph kam nach Aegypten hinab und enthielt sich der Unzucht (des verbotenen Umgangs) und in Folge seines Verdienstes hielten sich auch die Israeliten davon fern. R. Chija bar Abba sagte: Weil er sich der Unzucht (des verbotenen Umganges) enthielt, deshalb wurden die Israeliten durch ihn erlöst. R. Huna sagte im Namen des Bar Kapra: In Folge von vier Dingen sind die Israeliten aus Aegypten erlöst worden, weil sie nicht ihre Namen und ihre Sprache verändert hatten, weil sie nicht verläumdet hatten und weil unter ihnen kein Ausschweifender gefunden wurde. Sie haben ihre Namen nicht verändert. Als Rüben und Simeon zogen sie hinab und als Rüben und Simeon zogen sie wieder herauf, sie nannten Jehuda nicht Rufus und Rüben nicht Luliani und Joseph nicht Lestis und Benjamin nicht Alexandri. Sie haben ferner ihre Sprache nicht verändert. Anderswo Gen. 14, 13 heisst es: „Es kam ein Entronnener und meldete es dem Hebräer Abraham,“ und hier Ex. 5, 3 heisst es: „Und sie (Mose und Aaron) sprachen: Der Gott der Hebräer hat sich zu uns verfügt.“ Es heisst auch Gen. 45, 12: „Dass mein Mund mit euch spricht,“ nämlich in der heiligen Sprache. Sie haben nicht verläumdet, wie es heisst Ex. 11, 2: „Sprich doch vor den Ohren des Volkes.“ Du findest, dass dieses Wort zwölf Monate bei ihnen aufbewahrt war, und einer *) E>. i. er erschlug ihn in Gegenwart der Israeliten in dem Vertrauen, dass sie ihn nicht verrathen würden, mit Anspielung auf Ex. 2, 12: „Und er verscharrte ihn in den Sand“ d. i. in Israel. Par. XXXII. Cap. XXIV, io. 227 hatte den andern nicht angegeben. Endlich wurde auch kein Ausschweifender unter ihnen gefunden. Du kannst das daraus ersehen, dass es so war, da es die Schrift öffentlich bekannt macht, wie es heisst Lev. 24, n: „Der Name seiner Mutter war Schelomith, Tochter Dibris vom Stamme Dan.“ Sie hiess darum Schelomith, sagte R. Levi, weil sie immer freundlich grösste: Friede dir! Friede euch! und sie hiess Bath Dibri, weil sie nach R. Jizchak Etwas (Schimpfliches) über ihren Sohn Dan gebracht hatte. „Vom Stamme Dan,“ Es war schimpflich für seine Mutter, schimpflich für ihn (ihren Sohn), schimpflich für seine Familie und schimpflich für seinen Stamm,' aus dem er hervorgegangen. Rab sagte: Ein Bastard lebt nicht länger als dreissig Tage. R. Chinai sagte: Immer nach siebzig Jahren bringt Gott eine grosse Pest in die Welt und rafft die Bastarde hin und nimmt mit ihnen auch eheliche Kinder hinweg s. Jes. 31, 2: „Auch er ist weise und lässtBöses kommen.“ DieSchrift brauchte nicht so zu sagen, sondern: er lässt Gutes kommen? Allein es soll dir lehren, dass Gott selbst das Uebel, welches er in die Welt bringt, mit Weisheit bringt. Es heisst das.: „Und seine Worte (vnm) entfernt er nicht“ d. i. seine Pest (n2n) entfernt er nicht. Und das alles warum? „Er erhebt sich wider das Haus der Frevler.“ Das stimmt mit dem überein, was Resch Lakisch gesagt hat: An der Stelle, wo das Brandopfer geschlachtet wird, werde auch das Sündopfer geschlachtet.“ Das alles warum? Damit die Sünder nicht vor der ganzen Welt bekannt werden. Resch Lakisch sagt: Erinnert man sich mancher Hingeschiedenen (nämlich der Frommen), so wünscht man ihnen Seelenruhe, erinnert man sich anderer (nämlich der Frevler), so wünscht man ihnen Zermalmen der Gebeine s. Jos. 7, 18: „Achan, Sohn Charmis, Sohn Sabdis, Sohn Serachs.“ Erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Seelenruhe s. Num. 3, 15: „Mustere die Kinder Levis,“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. Deut. 25, 17: „Gedenke, was dir Amalek ge- than hat.“ Erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Seelenruhe s. Esth. 2, 5: „Es war ein jüdischer Mann in der Burg Susa,“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. das. 7, 6: „Der Widersacher und Feind ist dieser böse Haraan;“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Seelenruhe s. das. 10, 3: „Und Mardachai der Jude;“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. Das. 9, 10: „Haman, Sohn Medathas;“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Seelenruhe s. 1 Sam. 17, 12: „David, der Sohn eines Ephratiters;“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. 1 Reg. 11, 26: „Jerobeam, Sohn Nebats, ein Ephratiter;“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Seelenruhe s. 1 Sam. 1, 1: „Und es war ein Mann von Ramathajim-Zophim;“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. Jud. 17, 1: „Und es war ein Mann vom Gebirge Ephraim und sein Name war Micha;“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Seelen- 15* 228 Par. XXXII. Cap. XXIV, 10. ruhe s. Ex. 31, 6: „Und ich habe ihm zugegeben Oholiab;“ erinnert man sich mancher, so wünscht man ihnen Zermalmung s. Lev. 24, n r „Der Name seiner Mutter war Schelomith, Tochter Dibris, vom Stamme Dan.“ Als R. Sera nach hier hinaufzog (von Jerusalem), hörte er rufen: Bastard, Bastardin? Da sagte er: Siehe, es ist vorbei; denn R. Huna hat gesagt: Ein Bastard lebt nicht länger als dreissig Tage. Da sagte R. Jacob bar Acha: Denn Rabba und R. Huna im Namen Rabs haben gesagt: Ein Bastard lebt nicht länger als dreissig Tage. Wann? Wenn er nicht öffentlich als solcher bekannt ist; ist er aber öffentlich bekannt, so bleibt er am Leben.*) In den Tagen des R. Berachja kam ein Babylonier hier herauf, und R. Berachja wusste, dass er ein Bastard war. Dieser kam zu ihm mit der Bitte: Erzeige mir etwas Gutes. Geh! antwortete R. Berachja, und komme morgen Wieder, so wollen wir dir aus dem Gemeindewesen (aus der öffentlichen Kasse) etwas festsetzen. Am andern Morgen kam der Babylonier und fand den R. Berachja in der Versammlung, als er eben einen Vortrag hielt. Er wartete, bis er geendet hatte. Als er geendet hatte, ging er zu ihm. Da sprach R. Berachja (zu den Versammelten): Erweiset diesem Manne etwas Gutes, er ist ein Bastard. Sie bestimmten ihm einen gewissen Betrag (Gabe). Als er von da von ihnen hinwegging, sprach er zu ihm: Rabbi, um das Leben von einer Stunde bin ich zu dir gekommen**), und du hast mit deiner Eröffnung mir (eig. dieses Mannes) das Leben abgeschnitten. Bei deinem Leben! betheuerte R. Berachja, ich habe dir es (das Leben) gegeben; denn Rabba und R. Huna haben gesagt im Namen Rabs: Ein Bastard lebt nicht länger als dreissig Tage, wenn er nicht öffentlich bekannt ist, wenn er aber öffentlich bekannt ist, bleibt er am Leben. Oder: „Es ging der Sohn einer Israelitin heraus.“ Das ist auch gesagt Koh. 4, 1: „Ich wandte mich und sah alle die Unterdrückten.“ Daniel, der Schneider, legte diesen Vers auf die Bastarde aus. „Und siehe die Thränen der Unterdrückten“ d. i. die Väter dieser Uebertreter und diese Beschimpften, an welchen ihnen nichts gelegen ist. So ist auch der Vater dieses Menschen wegen unerlaubten Umgangs zu einer Frau gekommen, was hat dieser (der Sohn) denn verschuldet (gesündigt) und was geht es ihn an. „Und sie haben keinen Tröster, und von der Hand ihrer Unterdrücker Gewalt“ d. i. von der Hand des grossen Synedriums Israels, welches über sie kommt in der Kraft der Thora und sie entfernt (aus der Gemeinde), weil es heisst: „Es soll kein Bastard in die Versammlung des Ewigen kommen.“ „Sie haben keinen Tröster.“ Gott sprach: Mir liegt es ob, sie zu trösten, denn in dieser Welt haftet allerdings ein Makel an ihnen, aber einst, sagt Sacharja, seh’ ich *) S. Midr. Bemidbar r. Par. 9. **) Ich wollte nur eine lileine Unterstützung auf kurze Zeit haben. Par. XXXIII. Cap. XXV, i. 229 ihn auf einem Throne von reinem Golde sitzen, wie es heisst Sach. 4, 2: „Ich sah, und siehe, ein Leuchter ganz von Gold und sein Oelkrug obenan.“ Zwei Amoräer, der eine las: nbia und der andere las: nblNX Jener, der rfsu las, verstand darunter das Exil, weil sie nach Babel auswanderten (ib.V£j) und die Schechina mit ihnen auswanderte, wie es heisst: „Euertwegen sandte ich nach Babel;“ und dieser, der tibii« las, verstand darunter die Erlösung (xpiis, Befreiung), wie es heisst Jes. 47, 4: „Unser Erlöser, der Ewige, Zebaoth ist sein Name,“ und Micha 2, 13 heisst es: „Vor ihnen her geht der einbrechende Sieger; sie brechen ein und ziehen vorüber ins Thor, und ihr König ziehet vorüber vor ihnen und der Ewige an ihrer Spitze.“ .■’j-'O ‘ho Parascha XXXIII. Cap. XXV. V. 1. Und der Ewige redete zu Mose. V. 14: Wenn du etwas verkaufest an deinen Nächsten. Das steht auch Prov. 18, 21: „Tod und Leben ist in der Gewalt der Zunge.“ Aquilas übersetzt: Löffel und Schwert (t ivotqlov /.laysqiv) d. i. der Tod (Schwert) auf der einen Seite und Leben (Löffel zur Aufnahme der Nahrung) auf der andern Seite. Bar Sira sagte: Wenn du eine Kohle vor dir hast und blässt in sie hinein, so brennt sie, speiest du in sie hinein, so verlöscht sie. R. Janai sagte: Wenn es schon eingetaucht war, und er hat es gegessen, bevor er es noch ver- zehntet hat, da ist Tod in der Gewalt der Zunge, hat er es aber verzehntet und hat es dann erst gegessen, da ist Leben in der Gewalt der Zunge. R. Chija bar Abba hatte vor sich einen Korb mit Feigen, er ass davon, ohne dass sie verzehntet waren, da war Tod in der Gewalt der Zunge, wären sie verzehntet gewesen und er hätte davon gegessen, da wäre Leben in der Gewalt der Zunge gewesen. R. Simeon ben Gamliel sprach zu seinem Knechte Tabi: Geh hinaus und kaufe mir eine gute Speise vom Markte. Dieser ging und kaufte ihm eine Zunge. Ein andermal sprach er zu ihm: Geh und kaufe mir eine schlechte Speise vom Markte. Er ging und kaufte ihm wieder eine Zunge. Sein Herr sprach zu ihm: Was ist das? Als ich dir sagte: Kaufe mir eine gute Speise, da hast du mir eine Zunge gekauft und als ich dir sagte: Kaufe mir eine schlechte Speise, da hast du mir auch eine Zunge gekauft? Der Knecht antwortete: Von ihr kommt das Gute und von ihr kommt das Schlechte. Wenn sie gut ist, so giebt es nichts Besseres als sie, und wenn sie schlecht ist, so giebt es nichts Schlechteres als sie.*) Rabbi veranstaltete einmal ein Gastmahl für seine Schüler und er brachte vor sie weiche und harte Zungen. Sie fingen an, die weichen auszuwählen und ) S. Chullin fol. 142 <*. 230 Par. XXXIir. Cap. XXV, i. Hessen die harten liegen. Er sprach zu ihnen: Wisset, was ihr thut: Sowie ihr die weichen auswählet und die harten liegen lasset, so soll auch eure Zunge gegen einander weich sein (d. i. so sollt ihr einer gegen den andern eine sanfte Sprache führen). Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn du verkaufest.“ Oder: „Wenn du verkaufest.“ Das steht auch Am. 7, 7: „Siehe, der Ewige stand auf der senkrechten Mauer“ d. i. auf der Mauer des Kaufbriefes, „und in seiner Hand war ein Senkblei,“ wie ein Gläubiger, welcher dasteht mit der Schuldverschreibung in seiner Hand vgl. Ex. 1, 8: „Da stand ein neuer König auf,“ wie ein Gläubiger mit der Schuldverschreibung in der Hand. Und so auch hier Amos 7, 8: „Und der Ewige sprach zu mir: Was siehst du, Amos? und ich sprach: Ein Senkblei“ d. i. das grosse Synedrium von Israel, welches den Zahlenwerth von Y':n (= 7 1 ) hat.*) „Und der Ewige sprach: Siehe, ich lege das Senkblei an mein Volk Israel.“ R. Jehuda bar R. Simon sagte: Der Kessel (der vor dem Feuer steht) behält nicht seine Masse, sondern verliert den Stoff (nimmt nach und nach ab). So sprach auch Gott: Ich werde euch mit Leiden in dieser Welt verringern, aber in der Zukunft „da will ich es ihm nicht länger übersehen.“ R. Jizchak ben Eleasar und R. Tab- jumi sagten im Namen des R. Jeremja: Ueberall, wo das Wort Sünde (mtn‘) vorkommt, da vergiebt er die Sünde, hier aber steht: „Nicht länger will ich es ihm übersehen.“ Es heisst Am. 9, 1: „Ich sah den Ewigen stehend auf dem Altar“ d. i. stehend, um das Geschlecht zu opfern, „und er sprach: Schlage den Knauf, dass die Säulen wanken.“ „Schlage den Knauf“ d. i. Josia, „dass die Schwellen wanken“ d. s. seine Rathgeber. „Und zerbrich sie auf ihrer aller Häupter.“ R. Simeon bar Abba führte im Namen des R. Jochanan als Beispiel an: Ein Sea (Mass) voll Sünden, was klagt wohl daran an? Der Raub. R. Judan führt im Namen des R. Jochanan dieses Beispiel an. Menschen, die Götzendienst und Unzucht treiben, Blut vergiessen und Raub üben, so ist letzteres gleichwiegend gegen alle (vorhergenannten). R. Jacob bar Idi im Namen des R. Acha sagte: Vierundzwanzig Sünden hat Ezechiel der Reihe nach aufgeführt, und unter allen schloss er (nannte er das Schlimmste) nur mit Raub, wie es heisst Ezech. 22, 13: „Siehe, ich schlage meine Hände zusammen über deine Habsucht.“ Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn du verkaufest.“ Oder in Verbindung mit Num, 2, 34: „Die Israeliten thaten ganz so, wie der Ewige dem Mose befohlen und lagerten nach ihren Fahnen.“ Wo war denn Aaron? R. Josua bar Nechemja und R. Levi bar Chaitha und R. Abba im Namen des R. Chija bar Abba sagte: Als er seine Herkunft angab, übervortheilten sie ihn (lohnten sie ihm mit den Worten): Du rühmst dich mit deiner Abstammung, bevor du deine Herkunft rühmst, verherrliche erst die deiner Kinder. *) Es bestand aus einundsiebzig Mitgliedern. Par. XXXIII. Cap. XXV, I. 231 Eleasar dein Sohn, an wem ist er verheirathet? Nicht an die Tochter Putiels, wie es heisst Ex. 6, 25: „Eleasar, der Sohn Aarons, nahm sich eine von den Töchtern Putiels. Als Gott sah, dass sie ihn verächtlich behandelten, fing er an ihn zu rühmen, wie es heisst Num. 25, 11: „Pinchas, der Sohn Eleasars, des Sohnes Aarons, des Priesters.“ Ein Priester und der Sohn eines Priesters, ein Eiferer und Sohn eines Eiferers, ein Besänftiger des Zornes und Sohn eines Besänftigen des Zornes, wie es heisst das.: „Er Wandte meinen Zorn, darum siehe, ich mache mit ihm meinen Bund des Friedens.“ Darum lässt Gott die Ehre Aarons der Ehre Moses vorangehen, wie es heisst das. 3, 1: „Das ist die Geschlechtsfolge Aarons und Moses.“ Es heisst nicht: Moses und Aarons, sondern: Aarons und Moses. Darum warnt Mose die Kinder Israels: „Wenn du verkaufest. “ Oder: „Wenn du verkaufest.“ Das steht auch 2 Chron. 13, 17: „Abia und sein Volk machte unter ihnen (dem Heere seines Gegenkönigs) eine grosse Niederlage.“ Was heisst: MD 72 , eine grosse Niederlage? R. Abba bar Kahana sagte: Weil er die Gesichtszüge der Israeliten entstellte vgl. Jes. 3, 9: „Was ihr Gesicht zu erkennen giebt, zeugte gegen sie.“ Samuel bar Ami sagte: Er stellte Wächter drei Tage lang über sie, bis ihre Gestalt ganz verunstaltet war; denn es ist dort gelehrt worden: Es wird nur ein Zeugniss auf ein Gesicht angenommen, solange noch die Nase erhalten ist, selbst wenn noch sonstige Zeichen und Geräthe daran sind und zwar auch dann nur bis zu drei Tagen. Das steht auch 2 Chron. 13, 20: „Und Jerobeam kam nicht mehr zu Kräften in den Tagen Abias, und der Ewige schlug ihn, dass er starb.“ R. Samuel bar Nachmani sagte: Du meinst, Jerobeam sei geschlagen worden, wurde nicht Abia geschlagen? Und warum? R. Jochanan, Resch Lakisch und die Rabbinern R. Jochanan sagte: Weil er es am Oeffentlichen fehlen Hess, wie es heisst das. V. 8: „Ihr seid eine grosse Menge und habt bei euch die goldenen Kälber, welche Jerobeam für euch zu Göttern gemacht hat.“ Resch Lakisch sagte: Weil er Achia, den Siloniten, verachtet und ihn einen Nichtswürdigen genannt hatte, wie es heisst das. V. 7: „Es sammelten sich zu ihm schlechte und nichtswürdige Männer.“ Die Rabbinen sagten: Dadurch, dass er die Götzenbilder, die in seine Hand gerathen waren, nicht verbrannt hatte. Das steht auch das. V. 19: „Abia verfolgte den Jerobeam und eroberte von ihm Städte, nämlich Bethel,“ und 1 Reg. 12, 29 heisst es: „Und er (Jerobeam) setzte eins (von den Kälbern) nach Bethel.“ Wenn nun schon der König, welcher einen König seinesgleichen übervortheilt, bestraft wird, um wie viel mehr derjenige, welcher seinen Nächsten übervortheilt! Darum warnt Mose die Israeliten: Wenn du verkaufest etwas an deinen Nächsten oder etwas kaufest von deinem Nächsten“ u. s. w. Oder: „Wenn du verkaufest.“ R. Chija bar R. Ada von Jappo sagte: Wenn ihr einst werdet an die Völker der Welt verkauft 232 Par. XXXIII. Cap. XXV, i. werden, so schliesst euch an euren Schöpfer an nach Weise, wie Chananja, Mischael und Asarja gethan haben, welche zu Nebucad- nezar sagten s. Dan. 3, 16—18: „Wir halten es nicht für nöthig, dir auf deinen Befehl zu antworten. Siehe, unser Gott, den wir anbeten, wird uns retten, und wenn er es nicht thun will, so sollst du wissen, o König, dass wir deine Götter nicht anbeten, noch das goldene Bild, dass du hast setzen lassen.“ Darauf antwortete Ne- bucadnezar und sprach zu ihnen (s. das. 13, 14): „War es Vorsatz, Schadrach und Abednego?“ Was ist snstt? R. Abba bar Kahana sagte: Wirklich (in Wahrheit, ovTcag) d. i. ist es euer Ernst? R. Jose bar Chanina erklärte das Wort dahin: Was macht ihr mein Götzenbild zu einer Verheerung (Zerstörung, eitel, "!“!£)? Das Targum übersetzt: Ein eitles, nichtiges Bild. R. Jochanan sagte zweierlei, ebenso R. Jehuda bar R. Simon und R. Samuel bar Nachman. Die Rabbinen sagten dies. R. Jochanan sagte zweierlei. Nebucadnezar sprach zu ihnen: Hat nicht das Götzenwesen bei euch seine Wurzel (kommt es nicht von euch)? Steht nicht also geschrieben: Und ihre Bilder aus Jerusalem und Samaria? und jetzt kommt ihr, um meinen Gott zu einer Verheerung zu machen? R. Jochanan sagte ferner: Nebucadnezar sprach zu ihnen: Als ihr in eurem Lande wäret, schicktet ihr zu uns und liesset von uns Klauen, Haare und Knochen von Götzen holen und zeichnetet sie, um zu erfüllen, was geschrieben steht Ezech. 23, 14: „Bilder der Chaldäer, gemalt mit Bergroth“ und jetzt kommt ihr, um mein Götzenbild zu einer Zerstörung (eitel und nichtig) zu machen? R. Jehuda bar R. Simon sagte zweierlei. Nebucadnezar sprach zu ihnen: Als ihr in eurem Lande wäret, habt ihr in Vereinen gemeinschaftlich Götzen angebetet, wie es heisst Ezech. 16, 25: „Und du schändetest deine Schönheit, recktest deine Füsse entgegen jedem, der vorüberzog,“ und jetzt kommt ihr, meinen Gott zu einer Zerstörung (eitel und nichtig) zu machen? R. Jehuda bar R. Simon sagte ferner: Nebucadnezar sprach zu ihnen: Als ihr noch in eurem Lande wäret, da habt ihr einträchtige Gesellschaften für den Götzendienst gebildet. So heisst es Ezech. 23, 42: „Und die Stimme einer wohlgemutheten Menge ihr.“ tj’ | Nai73, es wurden herbeigebracht d. i. ■po'^Np, trfcOO, Säufer d. i. ■pm*), und jetzt verbindet ihr euch gegen sie? R. Jehuda bar R. Simon sagte: Oeffentliche Dirnen (-pOTp), wie es heisst Ezech. 23, 43: „Da sprach ich von der abgenutzten Ehebrecherin.“ Was ist iibab? Das Targum übersetzt: Die alte Buhlerin (rtakcaa TtOQvrj), welche die Buhler hinfällig machte (schwächte). R. Jehuda bar R. Simon sagte ferner: Unter fl?ab ist nichts anderes als der Götze zu verstehen, wie es heisst Jerem. 51, 44: „Und ich habe geahndet an Bel zu Babel.“ Und jetzt kommt ihr, um meinen Götzen zur Zerstörung (nichtig) zu machen? R. Samuel bar Nachmani sagte zweierlei: Nebucadnezar *) Nach M. K. sind J’D'i.s'p und ]«m Namen von Ländern. Par. XXXIII. Cap. XXV, I. 233 sprach zu ihnen: Euer Götzenbild war von Silber und Gold, wie es heisst Hos. 8, 4: „Aus ihrem Silber und Gold haben sie sich Götzen gemacht,“ aber mein Götzenbild ist ganz vom reinsten Golde (xgvaov), wie es heisst Dan. 3, 1: „Der König Nebucadnezar machte ein Bild von Gold,“ und nun kommt ihr, um meinen Götzen zur Zerstörung (nichtig) zu machen? R. Samuel bar Nachmani sagte ferner: Nebucadnezar sprach zu ihnen: Hat euch nicht Mose im Gesetze geschrieben Deut. 4, 28: „Daselbst werdet ihr Göttern dienen, welche das Werk von Menschenhänden sind?“ Sie antworteten: Mein Herr König! unter “uD 7 :b ist nicht zu verstehen: anzubeten, sondern: ihnen dienstbar zu sein durch Frohnen, Beisteuern, Strafgelder und Kopfgelder. Denn R. Samuel bar Nachmani hat gesagt: Dort (in Rom) heissen Könige Götter (N'obisb N-^iibtt). *) Die Rabbinen sagten Folgendes. Nebucadnezar sprach zu ihnen: Hat euch Jeremja nicht so cap. 27, 8 geschrieben: „Das Volk und das Reich, das ihm nicht unterthan sein will, Nebucadnezar, dem Könige von Babel?“ Er sprach nämlich zu ihnen: Entweder ihr haltet das, was im Anfänge dieses Verses gesagt ist, oder ich halte, was am Schlüsse desselben gesagt ist. Darauf antworteten Schadrach, Mesach und Abednego und sprachen zum König Nebucadnezar: Wenn „tobin König“ steht, wozu noch der Zusatz „Nebucadnezar“ und wenn „Nebucadnezar,“ wozu^noch der Zusatz „König?“ Allein sie sprachen zu ihm: In Betreff der Frohnen, Beisteuern, Strafgelder und Kopfgelder bist du König über uns (da schulden wir dir Gehorsam), was aber das anlangt, was du uns befiehlst (dass wir Götzen dienen sollen), so bist du ‘liti-'is-nas, und Nebucadnezar ist dein Name, du und der Hund, ihr seid beide für uns gleich: „belle“ (fDS — "Dt) wie ein Hund, blähe dich auf wie ein Wasserkrug (“73) und zirpe wie eine Grille (“iit^nii). Alsbald bellte er wie ein Hund, blähte sich auf wie ein Wasserkrug und zirpte wie eine Grille, wie es heisst Koh. 8, 2: „Ich: Den Ausspruch des Königs beobachte“ d. i. (den Ausspruch) des Königs der Könige, jenes Gottes werde ich beobachten. Der Mund, der zu uns auf dem Sinai gesprochen hat: „Ich bin der Ewige, dein Gott,“ „und zwar wegen des Eides Gottes“ d. i. weil es heisst: „Gott redete alle diese Worte.“ „Eid Gottes,“ weil es heisst: „Du sollst nicht schwören.“ Denn in dieser Welt sind die Israeliten den Völkern unterworfen, aber was steht von ihrer Zukunft? S. Jes. 49, 43: „Könige werden deine Erzieher und Fürstinnen deine Säugammen sein;“ denn in der Welt bedrängen (übervortheilen) die Völker der Welt die Israeliten, aber in der Zukunft, spricht Gott, werde ich ihnen ihr Fleisch zu essen und ihr Blut zu trinken geben, wie es heisst das. V. 27: „Und deine Bedränger lass ich ihr eigenes Fleisch essen und wie vom Most sollen sie von ihrem Blute trunken werden.“ *) Nämlich Divus, wie Jul. Caesar Divus u. s. w. 234 Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. Parascha XXXIV. Cap. XXV. V. 39. Und wenn dein Bruder verarmt. Das sagt auch Ps. 41, 1: „Heil dem, der sich des Armen annimmt! Am Tag des Unglücks rettet ihn der Ewige.“ Abba bar Jeremja im Namen des R. Me'ir sagte: Das ist derjenige, welcher den guten Trieb über den bösen Trieb herrschen lässt. R. Isi sagte: Es ist derjenige, der dem Armen eine Peruta verabreicht. R. Jochanan sagte: Es ist derjenige, welcher die Leichenbestattung bewirkt. Die Rabbinen sagen: Es ist derjenige, welcher sich der Regierung entzieht (vor der Regierung flieht). R. Pluna sagte: Es ist derjenige, welcher den Kranken verpflegt; denn R. Huna hat gesagt: Wer den Kranken besucht, nimmt ihm den sechzigsten Theil seiner Krankheit (vermindert ihm einen von den sechzig Theilen seiner Krankheit). Da fragte man den R. Pluna: Wenn dem so ist, so sollten gleich sechzig Personen ihn besuchen, und er würde mit ihnen auf die Strasse hinabgehen. Er antwortete ihnen: Sechzig allerdings, aber sie müssen ihn so wie sich selbst lieben, trotzdem verschaffen sie ihm Erleichterung. Nach der Ansicht des R. Abba bar Jeremja, welcher im Namen des R. Me'ir gesagt hat: Es ist derjenige, welcher den guten Trieb über den bösen herrschen lässt, ist anzuführen, dass es heisst das. V. 3: „Der Ewige wird ihn behüten,“ nämlich vor dem bösen Triebe. Nach R. Isis Meinung, welcher gesagt hat, dass derjenige gemeint sei, welcher dem Armen eine Peruta verabreicht, ist anzuführen, dass es das. heisst: „Er erhält ihn am Leben.“ Nach der Meinung des R. Jochanan, welcher gesagt hat, es sei derjenige, welcher die Leichenbestattung bewirkt hat, ist anzuführen, dass es heisst das.: ,,Er ist glücklich in der Erde.“ Nach der Meinung der Rabbinen, welche sagen, es sei derjenige, welcher sich der Regierung entzieht, ist anzuführen, dass es heisst das.: „Du giebst ihn nicht dem Uebermuthe seiner Feinde preis.“ Nach der Meinung R. Hunas, welcher gesagt hat, es sei der, welcher den Kranken besucht, ist anzuführen, dass es heisst das. V. 4: „Der Ewige stützt ihn auf dem Schmerzenslager.“ R. Jona sagte: Es heisst nicht: „Heil dem, welcher dem Armen (bnb ]m:) giebt,“ sondern: „Heil dem, der über den Armen nachdenkt (bn btt b^OT),“ nämlich der darüber nachsinnt, wie er ihm Linderung verschaffen kann. Wenn R. Jona einen Sohn von Grossen sah, welcher von seinen Gütern (Vermögen) herabgekommen und verschämt war entgegenzunehmen, so ging er zu ihm und sprach zu ihm: Da ich gehört habe, dass dir eine Erbschaft in einer Seestadt zugefallen ist, so hast du das Gewünschte, wenn du dich wirst erholt haben, kannst du mir es wieder geben. Wenn er es ihm später wiedererstatten wollte, da sagte er zu ihm: Ich gebe es dir hiermit als Geschenk. Resch Lakisch machte im Namen des R. Chama bar R. Chanina diese Bemerkung: Zweiundzwanzigmal kommt das Wort i'tün (in Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. 235 den Psalmen) vor, aber von allen hat blos dieser (der Arme oder Kranke) die Urkunde ( anoyjj ) des Sündenerlasses erhalten. Welche Urkunde hat er erhalten? Ps. 41, 2; „Am Tage des Unglücks rettet ihn der Ewige.“ Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn dein Bruder verarmt.“ Oder: „Wenn dein Bruder verarmt.“ In Verbindung mit Prov. 19, 17: „Dem Ewigen leiht, wer gegen den Armen mildthätig ist.“ R. Eleasar sagte: Es heisst Ps. 136, 25: „Er (Gott) giebt Speise allem Fleische,“ nun kommt dieser (der Mildthätige) ihm damit zuvor (eig. und reisst ihm die Vorschrift weg). Da spricht Gott: Mir liegt es ob, ihm sein Thun zu vergelten. Das steht auch Prov. 19, 17: „Und seine Wohlthat wird er ihm vergelten.“ R. Tan- chuma hat im Namen des R. Chija bar Abba gesagt; R. Nachman hat im Namen des R. Judan bar Simeon gesagt und die Rabbinen im Namen des R. Simeon ben Levi: Wenn diese Schriftstelle (dem Ewigen leiht u. s. w.) nicht geschrieben stände, zu sagen wäre es unmöglich, als wenn es die Weise des Leihenden wäre, Knecht des Gläubigers zu sein? So heisst es das. 22, 7: „Und ein Knecht ist der Borgende des Leihenden.“ R.Pinchas sagte im Namen des R. Rüben: Wer einem Armen eine Peruta verabreicht, dem giebt es Gott vielfältig wieder (eig. dem giebt er viele Peruta wieder); denn ex giebt ihm eine Peruta, und giebt er ihm damit nicht seine Seele (verlängert er ihm damit nicht das Leben)? Wie so? Wir wollen annehmen, wenn ein Kikar für zehn Peruta zu haben ist, und ein Armer steht auf dem Markt und möchte ihn gern kaufen, er hat aber nur neun, da kommt nun einer und giebt ihm die (fehlende) Peruta, der Arme nimmt nun dafür den Kikar, isst ihn und er erholt sich wieder (seine Seele kehrt wieder zu ihm zurück), da spricht Gott zu ihm: In der Stunde, wo deine Seele zirpt aus deinem Körper herauszugehen, gebe ich sie dir zurück. Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn dein Bruder verarmt.“ Oder: „Wenn verarmt.“ Was auch geschrieben steht Prov. 11, 17: „Wer sich selber wohlthut, ist gütig.“ Das ist Hillel, der Alte. Wenn er von seinen Schülern sich verabschiedete, begleitete er sie und ging mit ihnen. Da fragten ihn seine Schüler: Rabbi! wohin gehst du? Er antwortete: Um ein gutes Werk zu verrichten. Sie fragten: Was für eins? Er sprach: Ich will in’s Bad gehen. Sie fragten: Ist denn das ein gutes Werk? Ja wohl, gab er zur Antwort, denn wenn schon der, welcher über das Bild der Könige, was man in Theatern und Circus aufzustellen pflegt, gesetzt ist, weil er es polirt und abspült, Nahrung dafür erhält und nicht nur das, sondern auch bei den Grossen der Regierung angesehen ist, um wie viel mehr ich, der ich in Gottes Ebenbilde geschaffen worden bin, wie es heisst Gen. 9, 6: „Denn im Ebenbilde Gottes hat er den Menschen gemacht.“ Oder: „Wer sich selber wohlthut, ist gütig“ d. i. Hillel, der Alte. Wenn er sich von seinen Schülern verabschiedete, begleitete er sie und ging mit ihnen. Da fragten 236 Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. ihn seine Schüler: Wohin gehst du? Um einen Gast im Hause zu bewirthen (etwas Gutes zu thun). Sie sprachen: Hast du denn alle Tage einen Gast? Er antwortete: Ja, es ist die bekümmerte Seele im Körper. Heute ist sie hier, morgen dort. Oder: „Wer sich selbst wohlthut, ist gütig, und wer sich selbst in’s Unglück bringt, ist grausam.“ R. Alexandri sagte: Das ist derjenige, welchem eine Freude zu Theil geworden ist, und er zieht seine Verwandten nicht hinzu, weil sie arm sind. R. Nachman sagte: Es heisst Deut. 15, 10: „Denn um dieser Sache willen (bVta "O nih Das ist das Rad (robit), welches in der Welt herumgeht. Daher warnt Mose die Israeliten: „Wenn dein Bruder verarmt.“ Oder: „Wenn dein Bruder verarmt.“ In Verbindung mit Prov. 29, 13: „Der Dürftige und der Wucherer begegnen sich.“ Das. 22, 2: „Der Reiche und der Arme begegnen sich, der Ewige hat sie alle gemacht.“ Unter dem Armen ist der Arme an Gesetzkenntniss (Thora) und unter dem Wucherer ist derjenige zu verstehen, der eine oder zwei Ordnungen (Seder) lernt. Der Arme kommt nun zu dem Wucherer und spricht zu ihm: Lehre mich einen Abschnitt (Perek) und er lehrt ihn denselben. (Von diesem wird gesagt:) „Der Ewige erleuchtet die Augen beider“ d. i. sie werden diese und die künftige Welt erwerben. Das. 22, 2: „Der Reiche und der Arme begegnen sich.“ Der Reiche ist der, welcher reich an Gesetzkenntniss (Thora) ist und der Arme ist der, welcher arm an Gesetzkenntniss ist. Nun spricht jener Arme zu dem Reichen: Lehre mich einen Abschnitt und er lehrt ihn denselben nicht, sondern spricht zu ihm: Was soll ich dir lehren, den Tractat, der von den Getränken handelt,*) oder den, welcher mit dem Worte anfängt:**) Wann liest man das Schema? Lerne mit deinesgleichen. „Der Ewige hat sie alle gemacht.“ Wer nun diesen zu einem Gelehrten gemacht hat, der kann ihn auch zu einem Unwissenden machen, und wer jenen zu einem Unwissenden gemacht hat, der kann ihn auch zu einem Gelehrten machen. Oder unter „dem Armen“ ist derjenige zu verstehen, welcher arm an Gütern ist, und unter dem Wucherer ist derjenige zu verstehen, welcher für Lohn arbeitet.***) Nun kommt der Arme zu dem Wucherer und spricht zu ihm: Erzeige mir etwas Gutes, und er erzeigt es ihm. (Von diesem wird gesagt:) „Der Ewige erleuchtet die Augen beider“ d. i. der Arme hat das Leben einer Stunde, und der Arbeiter das Leben der künftigen Welt erworben. Oder: „Der Reiche und der Arme.“ Unter dem Reichen ist der zu verstehen, welcher reich an Gütern ist, und unter dem Armen *) Der letzte in der Mischna. **) Das ist Berachot. ***) Dadurch ist er weder reich noch arm, sondern er hat nur sein Auskommen. Par. XXXIV. Cap. XXV, 3g. 237 ist derjenige zu verstehen, welcher arm an Gütern ist. Der Arme kommt nun zu dem Reichen und spricht zu ihm: Erweise mir eine Wohlthat und er versagt sie ihm. (Von diesem wird nun gesagt:) „Der Ewige hat sie alle gemacht“ d. i. wer diesen arm gemacht hat, kann ihn auch reich machen, und wer diesen reich gemacht hat, kann ihn auch arm machen. Spricht aber der Reiche zu dem Armen: Warum gehst du nicht, um zu arbeiten, du issest, sieh, deine Schenkel, sieh, deine Beine, sieh, deinen Bauch, sieh, dein Fleisch! Da spricht Gott zu ihm (dem Reichen): Nicht genug, dass du ihm nichts von dem Deinigen gegeben, du gönnst ihm sogar nicht einmal das, was ich ihm gegeben habe. Darum heisst es Koh. 5, 13: „Er (der Reiche) zeugt einen Sohn, so hat dieser nicht irgend etwas (firnen) in seiner Hand“ d. i. von alledem, was er hatte, hinterlässt er seinem Sohne nichts, und er zieht sich selbst noch dazu einen Makel (N72"i7o) zu. Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn dein Bruder verarmt.“ R. Tanchum bar R. Chija begann mit Koh. 7, 14: „Am guten Tage sei fröhlich, und am bösen Tage magst du traurig sein, denn auch diesen gleich jenen hat Gott gemacht.“ Wenn deinem Nächsten ein Unglück zugestossen ist, sieh, wie du ihn glücklich machen und ihn verpflegen kannst, damit du einst Lohn dafür erhältst. So that R. Tanchuma bar R. Chija. Wenn seine Mutter eine Litra Fleisch vom Markte holte, nahm sie zwei Litra, eine für ihn und eine für die Armen, weil „auch dieser gleich jenem ist“ d. i. Gott hat Arme und Reiche gemacht, damit sie durch einander glücklich werden sollen. Darum schärft Mose den Israeliten ein: „Wenn dein Bruder verarmt.“ Oder: „Wenn dein Bruder verarmt.“ In Verbindung mit Ps. 106, 43: „Viele Male rettete er sie, aber sie waren widerspenstig in ihrem Rath und wurden in Folge ihrer Sünde geschlagen.“ In den Tagen, da die Richter richteten, dienten die Israeliten den Götzen, und sie wurden den Reichen unterworfen, als sie aber Busse thaten, wurden sie erlöst, sie wurden aber rückgängig und dienten wieder den Götzen, daher geriethen sie wieder in Unterwürfigkeit der Reiche, als sie aber wieder Busse thaten, so wurden sie wieder erlöst. Bis wie lange? Darüber sind zwei Amoräer verschiedener Meinung. Der eine sagte: Bis sie aller guten Werke baar waren, der andere sagte: Bis sie derart an Gütern geschwächt waren, dass niemand von ihnen so viel in seiner Hand noch hatte, um das Opfer eines Armen zu bringen, wie es heisst Lev. 14, 21: „Wenn er aber arm ist und sein Vermögen nicht hinreicht.“ Acht Namen giebt es für den Armen, nämlich: vj», RpaN, pDTa, «Pi, b"i, "p, “p, "fbii. i» ist der Arme nach seinem Wortsinne, "pintt heisst er, weil er nach allem sich sehnt (iNn73ttj), pö73, weil er bei allen verachtet (iitta) ist vgl. Koh. 9, 16: „Des Armen Weisheit wird verachtet,“ 7271 heisst er, d. i. weil er arm an Gütern ist, bl, weil er geschwächt (herabgekommen b'ibnTa) an Gütern ist, “p, weil er zerstossen (zerknickt ‘plan«) ist, er sieht etwas und kann es nicht essen, er sieht etwas 238 Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. und kann es nicht schmecken und nicht trinken, 1 -p2, weil er vor allen gebeugt (gedrückt) ist, er ist gleichsam wie die unterste Thürschwelle (auf die alle treten). Darum warnt Mose die Israliten: „Wenn dein Bruder verarmt.“ R. Sera sagt: Selbst die Gespräche der Bewohner des israelitischen Landes sind belehrend (Thora). Wie so? Es sagt einer zum andern: Erweise mir etwas Gutes, oder sei gegen mich mild, zeige dich gerecht gegen mich.*) R. Chaggi hat gesagt: Sieh auf mich, was ich war, und schau auf mich, was ich bin. Denn R. Chaggi hat im Namen des R. Jehuda gesagt: Es heisst Koh. 5, 13: „Der Reiche geht unter auf eine üble Weise“ d. i. der Reiche, der dem Armen in bösem Sinne die Antwort gegeben hat: Warum gehst du nicht, um zu arbeiten, sieh deine Schenkel, sieh deine Beine, sieh deinen Bauch, sieh dein Fleisch! Da spricht Gott zu ihm: Nicht nur, dass du ihm von dem Deinigen nichts gegeben hast, du missgönnst ihm sogar noch das, was ich ihm gegeben habe. Darum, zeugt er (ein solcher Reicher) einen Sohn, so hat dieser nicht irgend etwas von alledem, was er gehabt hat. R. Simon sagte im Namen des R. Eleasar viererlei. Wer ist der, welcher eine Wohlthat erwiesen hat denen, die es nicht bedurften? Abraham den Dienstengeln, wie es heisst Gen. 18, 8: „Er stand bei ihnen unter dem Baume und sie assen.“ Haben sie denn gegessen? R. Judan sagte: Es schien nur so, als wenn sie ässen und tränken. Und einer nach dem andern erhob sich (verschwand). Und wie hat es Gott seinen Kindern vergolten? Er liess ihnen das Manna fallen, den Brunnen aufsteigen, es fanden sich für sie Wachteln. Das Gewölk der Herrlichkeit umgab sie, und eine Wolkensäule zog vor ihnen her. Siehe, wenn nun schon demjenigen, welcher eine Wohlthat einem erwiesen hat, der ihrer nicht bedurfte, Gott es seinen Kindern vergolten hat, um wie viel mehr wird er es dem vergelten, der eine Wohlthat demjenigen erweist, der ihrer bedürftig ist! R. Simon sagte im Namen des R. Eleasar ferner: Wer sind die, welche keine Wohlthaten denen erwiesen haben, die ihrer nicht bedurften? Die Ammoniter und Moabiter den Israeliten, wie es heisst Deut. 23, 4: „Darum dass sie euch nicht mit Brot und Wasser zuvorkamen.“ Bedurften denn die Israeliten derselben? Fiel nicht in den ganzen vierzig Jahren, welche die Israeliten in der Wüste waren, ihnen das Manna herab, stieg nicht der Brunnen auf, fanden sich nicht für sie Wachteln, umgab sie nicht das Gewölk der Herrlichkeit und zog nicht die Wolkensäule vor ihnen her? Allein es ist eine Verhaltungsregel: Wer von der Reise kommt, dem kommt man mit Speise und Trank zuvor. Wie vergalt es ihnen Gott? Dadurch, dass kein Ammoniter und Moabiter *) Das klingt ganz so, als wenn es hiesse: Zeige dich gross d. i. du gewinnst mehr an dem, was du an mir tliust, und dann: denke darüber nach, wie reich ich ehemals war und betrachte, was jetzt aus mir geworden ist, um damit anzudeuten, dass der Reiche sich nicht auf seinen Reichthum stütze und der Arme nicht verzweifle. M. K. Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. 239 in die Versammlung kommen sollte. Siehe, wenn schon derjenige, welcher eine Wohlthat dem nicht erwiesen hat, der ihrer nicht bedurfte, bestraft worden ist, um wie viel mehr wird der bestraft werden, welcher demjenigen eine Wohlthat versagt, welcher ihrer bedarf! R. Simon ben Eleasar sagte weiter: Wer war derjenige, welcher sich wohlthätig gegen den zeigte, dem er verpflichtet war? Jethro gegen Mose s. Ex. 2, 20: „Und er sprach zu ihnen: Rufet ihn, dass er Brot esse.“ R. Simon sagt: Er (Jethro) hat ihn mit seinem Lohne gespeist s. das.: „Er hat auch für uns geschöpft“ (da steht das Wort rsb“i zweimal). R. Jehuda, R. Nechemja und die Rabbinen. R. Jehuda sagte: (Sie haben damit gesagt): Er hat für uns und für unsre Vorfahren (Väter) geschöpft.*) R. Nechemja sagte: Er hat für uns und für die Hirten geschöpft. Die Rabbinen sagten: Er hat für uns im Verdienste unserer Väter geschöpft und für die Hirten, um Frieden zwischen ihnen zu stiften. Wann hat Gott ihm (dem Jethro) seine Gastfreundlichkeit belohnt? R. Jochanan sagte im Namen des R. Jose des Galiläers: In den Tagen Sauls, wie es heisst 1 Sam. 15, 6: „Saul sprach zu den Kenitern: Geht, weichet, steiget hinab.“ Hat sich denn Jethro gegen ganz Israel wohlthätig bewiesen? war er nicht nur gegen Mose wohlthätig? Allein daraus kannst du schliessen: Dass jeder, welcher sich nur gegen einen von den Grossen Israels wohlthätig beweist, so angesehen wird, als hätte er sich selbst gegen ganz Israel liebreich gezeigt. Siehe, wenn schon derjenige, welcher sich gegen einen wohlthätig bewies, dem er verpflichtet war, von Gott so belohnt wurde, um wie viel mehr derjenige, welcher sich gegen einen wohlthätig beweist, dem er nicht verpflichtet ist! R. Simon sagte im Namen des R. Eleasar endlich: Wer war der, welcher sich liebevoll (freundlich) gegen den zeigte, welcher der Liebe bedurfte? Das war Boas gegen Ruth, wie es heisst Ruth 2, 14: „Es sprach zu ihr Boas zur Essenszeit: Tritt her“ d. i. tritt hierher, „und iss von dem Brote“ d. i. von dem Brote der Schnitter, „und tunke deinen Bissen in den Essig,“ denn die Schnitter pflegen zur Erntezeit in der Hitze ihren Bissen in Essig zu tunken. Daraus schliesst R. Jonathan, dass man gewöhnlich Saures aller Art nach der Tenne trägt. „Da setzte sie sich an die Seite der Schnitter“ in Wahrheit, „und man reichte ihr Geröstetes“ d. i. etwas Leichtes, Geringes, soviel wie man mit den Fingern fasst. Heisst es denn aber nicht (das kann doch darum nicht sein, da es heisst): „Sie ass, wurde satt und liess übrig?“ R. Jizchak sagte: Wir können zweierlei daraus schliessen: Entweder ruhte ein besonderer Segen in der Hand jenes Gerechten (Frommen), oder es ruhte ein besonderer Segen in dem Innern jener Gerechten (Frommen). Allein weil es heisst: „Sie ass, wurde satt und liess übrig,“ so wissen wir, dass ein besonderer Segen im Innern jener Gerechten (Frommen) ruhte. R. Jizchak sagte: Damit will dir die Thora eine Verhaltungsregel geben: *) D. i. er hat uns zur reinen Gotteserkenntniss geführt. 240 Par. XXXIV. Cap. XXIII, 40. Wenn ein Mensch ein gutes Werk ausübt, so soll er es mit frohem Herzen (Gemüthe) ausüben; denn wenn Rüben gewusst hätte, dass Gott über ihn schreiben würde Gen. 37, 21: „Rüben hörte es und rettete ihn aus ihrer Hand,“ so hätte er den Joseph auf seiner Schulter getragen und zu seinem Vater gebracht, und wenn Boas gewusst hätte, dass Gott über ihn schreiben würde: „er reichte ihr Geröstetes,“ so hätte er ihr gemästete Kälber zu essen vorgesetzt. R. Cohen und R. Josua bar R. Simon im Namen des R. Levi sagten: In früherer Zeit, wenn ein Mensch ein gutes Werk geübt hatte, schrieb es der Prophet nieder, wenn jetzt aber ein Mensch ein gutes Werk übt, wer schreibt es denn jetzt nieder? Elia und der König Messias, und Gott siegelt auf ihre Hände, wie es heisst Mal. 3, 16: „Dann werden sich die Gottefsfürchtigen zusammengesellen, einer zu dem andern, und der Ewige merkt auf und höret und schreibt es nieder.“ R. Josua hat gelehrt: Mehr als der Herr des Hauses (der Wirth) an den Armen thut, thut dieser an dem Herrn des Hauses. So sprach auch Ruth zu Noomi: „Der Name des Mannes, an dem ich heute gethan habe, ist Boas.“ Es heisst hier nicht: „Der an mir gethan hat,“ sondern: „an dem ich gethan habe.“ Sie sprach nämlich zu ihr: Ich habe viele Thaten und viel Gutes an ihm gethan für das Stück (Brot), was er mir gegeben hat. R. Cohen sagte: Es heisst Lev. 26, 43: ]i'\ Das Wort ■■, weil (darum) ist (per inversionem) ity, der Arme. R. Schila von Nuha erklärte der Dürftige als Notarikon*) im Sinne von: ircn sn, gieb heraus dein Vermögen, das du von ihm (dem Armen) hast.**) R. Abin sagte: Dieser Arme steht an deiner Thür, und Gott steht zu seiner Rechten, wie es heisst Ps. 109, 31: „Denn er steht dem Armen zu seiner Rechten.“ Giebst du ihm, so wisse, dass der, welcher zu seiner Rechten steht, dir dafür deinen Lohn geben wird, giebst du ihm aber nicht, so wisse, dass der, welcher zu seiner Rechten steht, dich bestrafen wird, wie es heisst das.: „Zu helfen von denen, die sein Leben verurtheilen.“ R. Ibo sagte: Es heisst Deut. 15, 10: „Geben sollst du ihm.“ R. Nachman sagte: „Denn wegen (bbto) dieser Sache“ d. i. die Welt gleicht dem Räderwerk, woran Schöpfgefässe angebracht sind, das volle wird ausgeleert und das leere wird gefüllt.***) Im Namen des R. Elieser ist gelehrt worden: Israels Strafe liegt in der Hand der Armen, wie es heisst das.: „Er (der Arme) könnte über dich zum Ewigen rufen und es wäre dann an dir eine Sünde“ (die zu bestrafen wäre). Edoms Rache liegt in der Hand Israels, wie es heisst Ezech. 25, 14: „Ich übergebe meine Rache an Edom, in die Hand meines Volkes *) Es ist eine Transposition von '3JJ. Der Sinn der Leviticusstelle wäre demnach dieser: Deshalb (weil sie das Gesetz übertreten haben) trifft sie die Strafe der Armuth. **) D. i. du besitzest Vermögen, um damit Wohlthaten auszuüben. ***) Vgl. Midr. Ruth s. v. nman rh Par. XXXIV. Cap. XXV, 3g. 241 Israel. R. Abuhu sagte im Namen des R. Elieser:*) Wir sind den Betrügern unter ihnen (den Armen) zu Dank verpflichtet, denn gäbe es solche Betrüger unter ihnen nicht, so würde, wenn einer von ihnen einen angesprochen und er ihm die Gabe versagt hätte, dieser sofort in Todesstrafe verfallen, wie es heisst: „Er könnte über dich zum Ewigen rufen“ u. s. w. und ferner heisst es das. 18,20: „Die sündigende Seele soll des Todes sterben.“ R. Jochanan und Resch Lakisch gingen einmal hinab nach den Bädern von Tiberias. Da trafen sie auf dem Wege einen 'Armen, welcher zu ihnen sprach: Erweiset mir etwas Gutes. Sie antworteten: Wenn wir wieder (aus dem Bade) herauskommen, so wollen wir dir etwas Gutes erweisen. Als sie aus dem Bade kamen, fanden sie ihn todt. Da sprachen sie: Da wir uns nicht mit ihm bei seinem Leben befasst haben, so wollen wir uns mit ihm nach seinem Tode befassen. Als sie ihn wuschen, da fanden sie einen Beutel mit sechshundert Denaren hängend an seinem Halse. Da sprachen sie: Gelobt sei der, welcher an den Weisen und an ihren Worten Wohlgefallen findet! Hat nicht R. Abuhu im Namen des R. Elieser gesagt: Wir sind den Betrügern unter ihnen (den Armen) zu Dank verpflichtet u. s. w. (s. oben). R. Simon sagte im Namen des R. Josua ben Levi: Nie sei die Pflicht der Wohlthätigkeit gegen den Armen gering in deinen Augen, denn ihr Schaden ist in vierundzwanzig Flüchen bezeichnet und ihr Lohn in vierundzwanzig Segnungen. Ihr Schaden in vierundzwanzig Flüchen steht geschrieben Ps. 109, 6 ff.: „Setz über ihn einen Frevler, aus dem Gericht gehe als Frevler hinweg, seine Tage seien wenig, seine Kinder seien Waisen, umherschweifen sollen seine Kinder und betteln, der Wucherer pfände alles, was er hat, niemand erzeige ihm eine Wohl- that, seine Nachkommenschaft falle der Ausrottung anheim, gedacht werde der Schuld seiner Väter beim Ewigen, vor dem Ewigen seien sie immerdar, er liebte den Fluch, er ziehe Fluch an als sein Gewand“ und so der ganze Inhalt des Psalms. Das sind aber doch erst zweiundzwanzig. Warum? Weil nicht erwähnt ist das. V. 16: „Darum, dass er nicht daran dachte, Liebe zu üben.“ Ihr Lohn in vierundzwanzig Segnungen steht geschrieben Jes. 58, 7 ff.: „Siehe, sollst du nicht brechen dem Hungrigen dein Brot.“ R. Simon sagte: Es heisst nicht: tö’rtDn Nb“, sollst du nicht brechen? sondern: ttbn DYid, ist es nicht gebrochen (bestimmt, zugetheilt)? Weil am Neujahrstage über den Menschen beschlossen wird, was er verdienen und was er verlieren wird. Als R. Simeon ben Jochai in der Nacht des Neujahrs eingeschlummert war, sah er im Traume, dass den Söhnen seiner Schwester von der Regierung sechshundert Denare abgenommen werden würden. Er veranlasste sie zur Uebernahme des Armenvorsteheramtes. Sie fragten ihn, was können wir ausgeben (für die Armen) ? Er sprach zu ihnen: Schreibt mir alles auf, was ihr ausgebt, am Ende *) S. Kethubot fol. 66 und Jerusch. Tr. Pea c. VIII. Wünsche, Midrasch Wajikra. l6 242 Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. des Jahres werde ich euch das, was ihr verloren habt (daran fehlt) ersetzen. Am Ende des Jahres wurden sie (bei der Regierung) ver- läumdet, dass sie mit grober Seide gehandelt hätten. Da kam ein Beamter von der Regierung und sprach zu ihnen: Entweder ihr macht einen Purpurmantel für den König, oder ihr müsst sechs- hundert Denare bezahlen, und sie wurden in’s Gefängniss gethan. Als R. Simeon ben Jochai das erfuhr, ging er zu ihnen und fragte sie: Was habt ihr ausgegeben? Sie antworteten ihm: Hier liegt die Aufzeichnung (Schrift), lies sie, und du wirst finden, dass wir sechshundert Denare weniger sechs ausgegeben haben. Da sprach er zu ihnen: Gebt mir die sechs Denare, ich bringe euch heraus (aus der Haft). Sie sprachen: Du hast gesehen, dass jener Alte sechshundert Denare verlangt, und du sprichst: (Gebt mir) sechs Denare und ich bringe euch heraus (aus dem Gefängniss)? Er sprach: Gebt mir nur sechs Denare und kümmert euch weiter nicht darum. Sie gaben ihm sechs Denare im Geheimen (versteckt); er ging und gab sie als Bestechung jenem Alten, damit er vor dem König weiter nichts erwähne, und sie kamen aus dem Gefängniss. Sie fragten ihn: Hast du vielleicht gewusst, dass wir bestraft werden sollten? Bei eurem Leben! antwortete er ihnen, seit der Nacht des Neujahrstages wusste ich schon, dass man euch sechshundert Denare abverlangen werde. Sie sprachen zu ihm: Wenn du es uns gesagt hättest, würden wir nicht auch diese sechs Denare zu wohlthätigen Zwecken ausgegeben haben? Darauf antwortete er ihnen: Wenn ich es euch gesagt hätte, so würdet ihr es nicht geglaubt haben, allein ich habe es so berechnet, dass ihr das gute Werk aus lauterer Absicht üben möchtet. Jes. 58, 10: „Wenn du dem Hungrigen deinen Bissen reichst“ d. i. wenn ihr euch um den Hungrigen Jacobs verdient gemacht habt, wo nicht, so kommt er zur Sättigung (Befriedigung) Esaus. Jes. 58, 7: „Und die verfolgten Armen führe in dein Haus.“ Das sind die, welche arm von ihrer Jugend an sind. R. Jizchak sagte: (Das ist so,) wie die Blinden Hellsehende genannt werden; darum heisst es: „Die verfolgten Armen führe in dein Haus.“ Oder: „Die herabgekommenen Armen führe in dein Haus“ d. s. die Hausbesitzer, welche von ihrer Würde und von ihren Gütern herabgekommen sind (n^rna)*). Und was hat es ihnen zugezogen, dass sie verarmt sind? Weil sie nach den Armen nicht ihre Hände ausgestreckt, und weil sie nicht den Willen ihres himmlischen Vaters gethan haben. Darum heisst es: „Und die herabgekommenen Armen führe in dein Haus.“ Oder: „Unter den verfolgten Armen sind die Trauernden und Herzbekümmerten zu verstehen, deren Seelen bekümmert sind, und wer erfreut dieselben? Der Wein, wie es heisst Prov. 31, 6: „Gebet starkes Getränk dem Unglücklichen und Wein dem Herzbeküm- *) Der Midrasch leitet in diesem Falle n'intJ von vi' ab. Par. XXXIV. Cap. XXV, 39. 243 merten.“ Darum heisst es: „Die gedrückten Armen führe in dein Haus.“ Oder: „Die gedrückten Armen führe in dein Haus“ d. s. die Gelehrten, welche in die Häuser der Unwissenden gehen, um sie durch die Worte der Thora zu erquicken. Darum heisst es: „Die gedrückten Armen führe in dein Haus.“ Oder: „Die gedrückten Armen führe in dein Haus“ d. s. die Gelehrten und ihre Schüler, welche die Israeliten unterweisen über das Unreine und Reine, über das Verbotene und Erlaubte und sie lehren, den Willen ihres himmlischen Vaters zu thun. Darum heisst es: „Die gedrückten Armen führe in dein Haus.“ R. Abin sagte: Wer einen Gelehrten in sein Haus aufnimmt, dem rechnet es die Schrift so an, als hätte er die Erstlinge dargebracht, denn hier heisst es: N-On und dort heisst es auch Ex. 23, 19: „Das Erste von den Erstlingen sollst du bringen (iTir) in das Haus des Ewigen, deines Gottes.“ Wie dort, so sind auch hier die Erstlinge zu verstehen. „Wenn du einen Nackten siehst, so kleide ihn.“ R. Adda bar Ahaba und Rab und R. Jochanan. Der eine sagte: Man nehme mehr Rücksicht auf die Kleidung als auf die Erhaltung des Lebens (des Armen). Die Weisen sagen: Auch auf die Kleidung haben wir nicht Rücksicht zu nehmen wegen des Bundeszeichens unseres Vaters Abrahams. „Entziehe dich nicht von deinem Fleische.“ Bar Kapra sagte: Siehe sein Fleisch so an, als wäre es dein Fleisch. Bar Kapra hat gelehrt: Es giebt keinen Menschen, welcher nicht in diese Lage kommen könnte, wenn er es nicht ist, so doch sein Sohn, sein Enkel. Oder: „Entziehe dich nicht von deinem Fleische.“ R. Jacob im Namen des R. Eleasar versteht darunter das geschiedene Weib. R. Jose der Galiläer hatte ein böses Weib, die ihn in Gegenwart seiner Schüler schlecht behandelte (verachtete). Rabbi, sprachen seine Schüler zu ihm, entlass doch das Weib, denn sie thut nichts zu deiner Ehre. Er antwortete: Ihre Aussteuer (ihr Eingebrachtes) ist für mich zu gross, ich kann sie nicht entlassen. Eines Tages sassen R. Jose und R. Eleasar ben Asarja und erklärten die Schrift, als sie geendigt hatten, sagten sie: Nun wollen wir Rabbi verlassen und nach Hause gehen? Ja! antwortete er*). Als sie hinaufgingen, senkte sie ihr Gesicht (nahm eine verdriessliche Miene an) und ging hinaus. Er sah in den Topf auf dem Feuerherd und fragte sie: „Ist in dem Topfe etwas? Ja, gab sie zur Antwort, es sind Gemüse darin. Er ging und machte den Deckel auf und fand darin gemästete Hühner. Nun wusste R. Eleasar ben Asarja, dass sie mit ihrem Manne nicht übereinstimmte (dass sie sich ihm [R. Eleasar] nicht fügte). Als sie sich niedersetzten, um zu essen, sprach er zu ihm: Sie sagte doch, es wären Gemüse darin, siehe, ich finde ja gemästete Hühner darin? Der Rabbi sagte: Das ist ein Wunder. Als sie gegessen hatten, sprach er (R. Eleasar): Rabbi, 16* *) S. Midr. Beresch. r. Par. 17. 244 Par. XXXIV. Cap. XXIV, 39. entlass doch das Weib von dir, denn sie thut nichts zu deiner Ehre. Ihre Aussteuer ist für mich gross, antwortete er, ich kann sie nicht entlassen. Er sprach: Wir wollen die Aussteuer auf bringen und dann entlässt du sie. Sie thaten es, brachten die Aussteuer auf und er entliess sie von sich und nahm sich eine andere Frau, die besser war als jene. Das üble Betragen verursachte es, dass das Weib an den Senator der Stadt verheirathet wurde. Nach einigen Tagen aber kamen Leiden über ihn und der Mann w'urde blind. Das Weib führte ihn nun durch die ganze Stadt und sie ging in der ganzen Nachbarschaft umher, aber in die Nachbarschaft von R. Jose des Galiläers ging sie nicht. Da ihr Mann aber die Stadt kannte, so fragte er sie: Warum führst du mich nicht in die Nachbarschaft des R. Jose des Galiläers, denn ich habe von ihm gehört, dass er wohl- thätig ist? Sie antwortete: Ich bin seine Entlassene und ich kann ihm nicht ins Gesicht sehen. Eines Tages kamen sie wieder und riefen in der Nähe des R. Jose des Galiläers, er sah auf sie herab und ihre Stimme war verächtlich geworden in der ganzen Stadt. R. Jose der Galiläer achtete genau auf ihre Stimme und sah sie verächtlich gemacht (beschimpft) auf der Strasse. Er nahm sie und gab ihnen Wohnung in einem Hause von sich und er ernährte sie alle Tage ihres Lebens. Deshalb heisst es: „Entziehe dich nicht von deinem Fleische.“ Zur Zeit des R. Tanchuma brauchten die Israeliten Regen. Sie kamen zu ihm und sprachen: Rabbi, ordne ein Fasten an, damit Regen komme. Er ordnete ein Fasten an, einmal, zweimal, aber es kam kein Regen. Beim drittenmal trat er auf und predigte und sprach zu ihnen (der Versammlung), dass jeder von ihnen ein gutes Werk üben sollte. Da erhob sich ein Mann und nahm alles, was er im Hause hatte und ging hinaus, um es zu vertheilen. Da begegnete ihm seine Entlassene (Geschiedene). Thue mir (diesem Weibe) etwas Gutes (erweise mir eine Wohlthat), sprach sie zu ihm, denn seitdem ich (sie) aus deinem Hause bin (ist), habe ich (hat sie) noch nichts Gutes gesehen. Da der Mann sie nackt und in grosser Be- drängniss sah, fühlte er Erbarmen mit ihr und gab ihr auch, weil es heisst: „Entziehe dich nicht von deinem Fleische.“ Ein Mann sah ihn und ging zu R. Tanchuma hinauf und sagte: Rabbi, du sitzest hier, und dort geschieht eine grosse Sünde? Er fragte: Was hast du denn gesehen? Er sprach: Ich habe einen Mann mit seiner Entlassenen (Geschiedenen) sprechen sehen, und nicht nur das, er gab ihr auch Geld (Perutas), wenn er nicht verdächtigt wäre (arge Gedanken hätte), so hätte er ihr nichts gegeben. Da schickte R. Tanchuma nach ihm und liess ihn kommen und stellte ihm vor: Mein Sohn, du weisst, die ganze Welt ist in Bedrängniss und die Leute sind bekümmert, und du gehst und unterhältst dich mit deiner Entlassenen (Geschiedenen). Und nicht nur das, du hast ihr sogar Geld (Perutas) gegeben, wenn du nicht verdächtigt wärest (arge Gedanken hättest), so hättest du ihr nicht Geld gegeben. Der Mann entgegnete: Par. XXXIV. Cap. XXIV, 39. 245 Hast du denn nicht gepredigt: „Entziehe dich nicht von deinem Fleische,“ und hast du nicht gesagt, dass jeder von uns ein gutes Werk üben sollte? Als ich mich aufmachte, ein gutes Werk zu üben, da begegnete mir meine Entlassene (Geschiedene) und sprach zu mir: Erweise mir (diesem Weibe) etwas Gutes, denn seitdem ich (sie) aus deinem Hause bin (ist), habe ich (hat sie) nichts Gutes gesehen. Da ich sie nackt und in grosser Bedrängniss sah, fühlte ich Mitleid mit ihr und ich gab ihr, weil es heisst: „Entziehe dich nicht von deinem Fleische.“ Da hob R. Tanchuma sein Gesicht gegen den Himmel und sprach vor Gott: Herr der Welt! wenn schon dieser, der doch Fleisch und Blut ist und hart ist und dem es nicht oblag, sie (seine Geschiedene) zu unterhalten, von Mitleid gegen sie erfüllt wurde und ihr gab, um wie viel mehr liegt dir ob, uns, die wir die Kinder deiner Kinder, die Kinder Abrahams, Jizchaks und Jacobs sind, zu erhalten und dich unserer zu erbarmen! In diesem Augenblick kam Regen herab und die Welt erholte sich. Das. V. 8: „Dann bricht wie das Morgenroth dein Licht hervor.“ R. Jeremja ben Eleasar hat gesagt: Selbst jenes Gebot, worin es heisst: „Du sollst lange leben, wird bald blühen.“ „Deine Gerechtigkeit geht vor dir her“ d. i. alles, um das du dich für deine Seele bemüht hast, darum „wird die Herrlichkeit des Ewigen dich aufnehmen.“ V. 9: „Dann rufst du, und der Ewige antwortet: Wenn du entfernst von dir Unterjochung“ d. s. bezahlte Schuldverschreibungen, „Fingerzeigen und arglistige Rede“ d. i. wenn du deinen Nächsten auf der Flucht vor der Regierung siehst (so sage): er ist nicht dahin gegangen, siehe, er ist dorthin gegangen, und er ist nicht dorthin gegangen, siehe, er ist dahin gegangen. Das. V. 10: „Wenn du dem Hungrigen deinen Bissen reichst.“ Resch Lakisch sagte: Wenn du ihn nichts zu geben hast, so tröste ihn mit Worten. Sprich zu ihm: Ich betheure dir (eig. meine Seele soll über dir ausgehen), dass ich nicht im Stande bin, dir etwas zu geben! „Und du die gequälte Seele sättigst.“ Hast du so gethan, „dann geht in der Finsterniss dein Licht auf und wie der helle Mittag wird sein dein Dunkel.“ V. n: „Der Ewige leitet dich stets und labt in der Dürre deine Seele und kräftigt deine Gebeine.“ R. Tabjomi sagt: Wenn du handelst, siehe, so gleichst du deinem Schöpfer, von dem geschrieben steht Cant 5, 10: „Mein Freund ist weiss und roth.“ „Und deine Gebeine kräftigt er.“ Das Wort yfbrp heisst soviel wie: uittiü"', er wird dich entreissen, ■■'•'■p, er wird dich waffnen, 3 t;p, er wird dich retten, rrPl, und er wird dir Ruhe verschaffen. Er wird dich entreissen, wie es heisst Deut. 25, 9: „Und sie soll ihm seinen Schuh ausziehen von seinem Fusse;“ waffnen (rüsten), wie es heisst das. 3, 18: „Gewaffnet sollt ihr vorangehen;“ retten, wie es heisst Ps. 140, 2: „Rette mich, Ewiger, von bösen Menschen,“■ und Ruhe verschaffen. Von hier haben die Weisen angeordnet zu sagen (im Sabbathgebet): „Wolle, Ewiger, uns am Sabbath ruhen lassen.“ Jes. 58, 11: „Und du wirst wie ein getränkter Garten“ d. i. der Garten, „und wie eine Wasserquelle, deren Wasser 246 Par. XXXIV. Cap. XXIV, 39. niemals täuschen“ d. i. Eden, „und man erbaut von dir die alten Trümmer, und die Grundvesten von Geschlecht zu Geschlecht richtest du auf.“ R. Tarphon gab dem R. Akiba sechshundert Centenarien Silber und sprach zu ihm: Geh und kaufe dafür ein Feld, wo wir die Gesetzlehre studieren und von dem wir uns ernähren können. Er nahm sie und vertheilte sie an Schullehrer, an Mischnalehrer und an alle, die sich mit der Gesetzlehre beschäftigen. Nach einigen Tagen kam er wieder mit ihm zusammen und er fragte ihn: Hast du uns das Feld gekauft, von dem ich dir gesagt habe? Er sprach: Ja! Kannst du mir es zeigen? Ja! Er nahm ihn und zeigte ihm die Schullehrer, Mischnalehrer und alle, die sich mit der Gesetzlehre beschäftigen. Giebt es wohl einen Menschen, sprach er zu ihm, der etwas ohne Quittung von dem Seinigen giebt? Ja! David, der König von Israel, von dem es heisst Ps. 112, 9: „Er streute aus, gab den Armen, seine Gerechtigkeit besteht ewig.“ Jes. 58, 12: „Man nennt dich dann einen Verzäuner des Bruches.“ R. Abin im Namen des R. Berachja sagte: Gott sprach: Es lag mir ob, diesen Bruch (den nämlich der Arme erlitten) zu umzäunen (wiederherzustellen), und nun bist du aufgestanden und hast ihn umzäunt, bei deinem Leben! du giltst mir so viel (ich betrachte dich so) wie jener, von dem es heisst Ps. 106, 23: „Wenn nicht Mose, sein Erwählter, vor den Bruch getreten wäre.“ Jes. 58,12: „Einen Hersteller der gebahnten Wege im bewohnten Lande.“ R. Jehuda bar R. Simon sagte: Dieser Arme sitzt und klagt: Was habe ich von dem und dem, und jener schläft auf seinem Lager und ich schlafe hier; jener schläft in seinem Hause und ich schlafe hier; und du hast dich aufgemacht und ihm gegeben, bei deinem Leben! du giltst mir soviel, als hättest du Frieden zwischen ihm und mir geschlossen. Das steht auch Jes. 27, 5: „Hält er fest an meiner Macht, gewährt er mir Frieden, Frieden gewährt er mir.“ Das. 58, 13: „Wenn am Sabbath dein Fuss rastet.“ Die Rabbinen haben gelehrt: Nicht lustwandle ein Mensch in der Stadt am Sabbath auf die Bedingung hin, dass er, wenn es finster wird, gleich in’s Bad gehen werde. „Dass du nicht dein Geschäft verrichtest an meinem heiligen Tage.“ Von hier ist es dem Menschen verhoten, auf sein Feld hinauszugehen, um zu erfahren, was dasselbe am Sabbath brauche. Ein Frommer ging einst auf seinen Weinberg, um zu erfahren, was derselbe nothwendig habe. Er fand daselbst den Zaun eingerissen und er dachte darüber nach, um ihn am Sabbath wiederherzustellen. Nein, sprach er, nun thue ich es gar nicht, weil ich am Sabbath darüber nachgedacht habe. Was that Gott? Es wuchs daselbst ein Kaperbaum, der den Weinberg umzäunte, und er ernährte sich davon sein Lebelang. „Und du nennst den Sabbath eine Seelenlust“ d. i. der Sabbath Bereschit (d. i. der Sabbath nach der Schemita); „des Ewigen heiligen Tag geweiht“ d. i. der Versöhnungstag, „und du ehrst ihn“ d. i. den Festtag, „dass du nicht thust deine Wege“ d. i. an den halben Feiertagen, „um auszuführen dein Geschäft.“ Von hier ist es dem Menschen verboten, Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. 247 am Sabbath seinen Bedürfnissen nachzugehen; denn R. Sera fragte vor R. Chija bar Abba und sprach zu ihm: Wie sagt man (am Sabbath im Tischgebete): „Unser Hirt, unser Ernährer, erhalte uns! Darauf antwortete jener: Die Benediction ist nun einmal so abgefasst. *) „Und unnütze Worte sprichst.“ Wenn die Mutter des R. Simeon ben Jochai mehr Worte (als nothwendig war) in ihrer Unterhaltung am Sabbath gebrauchte, sprach er zu ihr: Es ist Sabbath, und sie schwieg. „Dann findest du Lust am Ewigen und ich lasse dich einherfahren auf den Höhen der Erde.“ Siehe das sind vierzehn (Segensverheissungen) und die zehn andern (die noch fehlen) sind von Jacob geschrieben, denn es heisst das.: „Ich lasse dich geniessen das Erbtheil deines Vaters Jacob,“ und es sind nach Gen. 27, 38 ff.: „Der Ewige gebe dir von Thau des Himmels“ u. s. w. ■'mprD cn t-jö. Parascha XXXV. Cap. XXVI. V. 3. Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt.. In Verbindung mit Ps. 119, 59: „Wenn ich über deine Wege nachdenke und meine Füsse deinen Gesetzen zuwende.“ David sprach nämlich: Herr der Welt! an jedem Tage dachte ich und sprach: Zu dem und dem Orte, zu der und der Wohnung will ich gehen, und meine Füsse führten mich in die Versammlungs- und Lehrhäuser, wie es heisst: „Und ich meine Füsse deinen Gesetzen zuwende.“ R. Chanina sagte im Namen des R. Acha: Ich erwog den Lohn der Pflichterfüllung und den Schaden der Uebertretung, „und ich wende mich zu deinen Zeugnissen.“ R. Menachem, der Schwiegersohn des R. Eleasar bar R. Abina sagte: Ich habe über das nachgedacht, was du uns in dem Gesetze geschrieben hast, nämlich: „Wenn ihr in meinen Satzungen -wandelt.“ Was folgt darauf? V. 6: „Dann schaffe ich Frieden im Lande.“ „Wenn ihr mir aber nicht gehorcht,“ was folgt darauf? „So werde ich euch noch mehr züchtigen.“ R. Abba bar R. Chija sagte im Namen des R. Jonathan: Ich habe die Segnungen und auch die Flüche berechnet; die Segnungen bilden (gleichsam) ein volles Alphabet von N an bis n, die Flüche dagegen beginnen mit i**) und schliessen mit n, und nicht nur das (nämlich dass sie mehr sind), sie sind auch wandelbar.***) R. Abin sagt: Wenn ihr es verdient, siehe, so verwandle ich auch die Flüche in Segnungen. Wann? „Wenn ihr mein Gesetz beobachtet,“ wie es heisst: „Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt.“ , Oder: „Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt.“ In Verbindung mit Prov. 8, 32: „Und nun, Kinder, hört mir zu, und Heil denen, *) Es lautet nun einmal so das Formular. **) Das erste Wort dieses Abschnittes ist DX (also x) und das letzte fll'öip (also n). ***) Sie können in Segenverheissungen verwandelt werden. 248 Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. die meine Wege beobachten.“ Der Spruch redet von Jacob, von dem es heisst Gen. 28, 20: „Jacob that ein Gelübde und sprach“ u. s. w. Die Rabbinen und R. Asi. Die Rabbinen sagen: Auf alles (d. i. auf alle seine Wünsche) hat ihm Gott geantwortet, aber auf das betreffs der Nahrung hat er ihm nicht geantwortet. (Jacob sagte): „Wenn Gott mit mir sein wird,“ und Gott antwortete ihm: „Siehe ich werde mit dir sein;“ (Jacob sagte): „und er mich behütet,“ und Gott er- wiederte ihm: „ich werde dich behüten;“ (Jacob sagte): „Auf dem Wege, den ich gehe,“ und Gott sprach: Auf jedem Wege, den du gehst;“ (Jacob sagte): „und ich in Frieden wieder zum Hause meines Vaters zurückkehre,“ und Gott erwiederte ihm: „Ich bringe dich in dieses Land zurück.“ Aber wegen der Ernährung (Unterhaltung) hat er ihm keine Antwort gegeben. R. Asi sagte aber: Auch wegen der Ernährung hat er ihm eine Antwort gegeben, wie es heisst: „Ich werde dich nicht verlassen.“ Unter ^in , 'Ty, Verlassen ist nichts anderes als MD 5 “id, Ernährung zu verstehen, wie es heisst Ps. 37, 25: „Ich bin jung gewesen und bin auch alt geworden, ich sah aber nie den Gerechten STi'i, verlassen und seinen Samen nach Brot heischen.“ Oder der Sinn des letzten Verses ist dieser: Obgleich sein Same und seine Kinder Brot heischen, so habe ich nicht gesehen jenen Gerechten (Frommen), ihren Vater, verlassen (STS 5 ) von Gottesfurcht. Heil dem vom Weibe Geborenen, sagte R. Hosaja, der so etwas aus dem Munde seines Schöpfers hört. R. Chanina bar Papa sagte: Heil mir und Heil euch, wenn alle die Bedingungen erfüllt werden, die ich mit euch vereinbart habe. R. Acha sagte: Auch zu seinen Kindern sprach er so, wie es heisst: „Und nun, Kinder, hört mir zu.“ Heil mir und Heil euch, wenn alle die Bedingungen erfüllt werden, die ich mit euch vereinbart habe. Wann? Wenn ihr meine Gesetze beobachtet, wie es heisst: „Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt.“ R. Eleasar sagte: Gewöhnlich giebt ein König von Fleisch und Blut Befehle, wenn er Lust hat, sie zu halten, siehe, so hält er sie, wo nicht, so müssen sie von den andern gehalten werden, aber Gott macht es nicht so, sondern er beschliesst und hält zuerst, wie es heisst Lev. 19, 32: „Vor einem grauen Haupte sollst du dich erheben und das Angesicht des Greises ehren, und fürchte dich vor deinem Gott, ich der Ewige“ d. i. ich bin es, der das Gebot des Stehens vor einem Alten zuerst beobachtet hat.*) „Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt“ d. i. in den Satzungen, mit welchen ich Himmel und Erde gegründet habe, wie es heisst Jerem. 33, 25: „Wenn ich nicht meinen Bund mit Tag und Nacht, die Satzungen des Himmels und der Erde festgesetzt habe,“ das sind die Satzungen, mit welchen ich die Sonne und den Mond gegründet habe, wie es heisst das. 31, 55: „So spricht der Ewige, der die Sonne gemacht zur Erleuchtung des Tages und die Satzungen des Mondes und der Sterne zur Erleuchtung der Nacht.“ Ferner die *) Als Gott vor Abraham stand. Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. 249 Satzungen, die ich dem Meere vorgeschrieben habe, wie es heisst Prov. 8, 29: „Als er dem Meere seine Satzung setzte.“ Ferner die Satzungen, welche ich dem Sande gesetzt habe, wie es heisst Jerem. 5, 22: „Der ich Sand dem Meere zur Grenze setzte.“ Auch die Satzungen, die ich dem Abgrunde (der Tiefe) gesetzt habe, wie es heisst das. 8, 27: „Als er dem Sand eine Satzung (Bogen am) setzte über die Tiefe.“ pm und am hat eine und dieselbe Bedeutung (eig. es findet ein Schluss nach der Wortanalogie statt). R. Levi im Namen des R. Chama bar Chanina fügt noch hinzu die Satzungen, die dem bösen Triebe gegeben sind, wie es heisst Jes. 10, 1: „Wehe denen, die eitle Satzungen geben.“ Gleich einem einsamen ( £Qrjj.iov ) Orte,*) sagte R. Levi, welcher von Kriegstruppen besetzt war, was that der König? Er legte Grenzsoldaten hin, um ihn zu bewachen. Ebenso sprach auch Gott: Die Thora wird ein Stein genannt, und der böse Trieb wird auch ein Stein genannt. Die Thora wird ein Stein genannt, wie es heisst Ex. 24, 12: „So will ich dir Tafeln von Stein geben und Thora und Gebot,“ und der böse Trieb wird ein Stein genannt, wie es heisst Ezecb. 36, 26: „Ich entferne das Herz von Stein aus eurem Fleische.“ Da nun das Gesetz ein Stein und der böse Trieb ein Stein genannt wird, so soll ein Stein den andern hüten (bewachen). R. Acha ben Elischab zählte zu den Gesetzen auch die hinzu, welche den Menschen zum Leben der künftigen Welt führen, wie es heisst Jes. 4, 3: „Und der Uebriggebliebene in Zion und der Gerettete in Jerusalem wird heilig genannt werden“ d. i. jeder, welcher für das Leben in Jerusalem aufgezeichnet ist. Er ist es, welcher mit der Thora sich beschäftigt, die ein Lebensbaum ist, wie es heisst Prov. 3, 18: „Ein Baum des Lebens ist sie denen, die an ihn halten.“ Im Namen des R. Eleasar ist gelehrt worden: Das Schwert und das Buch wurden zusammengebunden (umwickelt) vom Himmel gegeben, wobei Gott sprach: Beobachtet ihr das, was in diesem Gesetzbuche verzeichnet ist, so werdet ihr von dem Schwerte verschont bleiben, wo nicht, so wird das Schwert euch schliesslich tödten. Und woher lässt sich das beweisen? Aus Gen. 3, 24: „Er vertrieb den Menschen, um zu bewahren den Weg zum Baume des Lebens.“ Unter Tvu Weg ist nichts anderes als Sitte, Lebensregel zu verstehen, und unter tPTiln der Baum des Lebens ist die Thora zu verstehen.**) Im Namen des R. Simeon ben Jochai ist gelehrt worden: Das Laib Brot und der Stock wurden zusammengebunden vom Himmel gegeben, und Gott sprach zu ihnen (den Israeliten): Wenn ihr das Gesetz beobachtet, so ist hier Brot zu essen, wo nicht, so ist der Stock da, um euch zu schlagen.***) Und woher lässt sich das beweisen? Aus Jes. 1, *) Vergl. Midr. Schir haschir. zu c. 6, 11. **) Vergl. oben Par. 3: Sechsundzwanzig Geschlechter ist die Sitte vor der Offenbarung dagewesen. ***) Vergl. Sifra Ekeb PisU. 40. 250 Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. 19, 20: „Wenn ihr wollt und gehorchet, sollt ihr das Beste des Landes geniessen, weigert ihr euch aber und widersetzt euch, so werdet ihr vom Schwerte (i'nn) gefressen werden“ d. i. so werdet ihr Johannisbrot essen. R. Acha sagte: Die Israeliten müssen erst Johannisbrot essen, wenn sie Busse thun sollen. R. Akiba sagte: Die Armuth steht Jacobs Tochter so schön, wie ein rother Riemen am Kopfe eines weissen Pferdes.*) „Und ihr meine Satzungen beobachtet und sie thut.“ R. Chama bar R. Chanina hat gesagt: Wenn ihr das Gesetz beobachtet, siehe, so gilt mir das soviel, als wenn ihr es ausgeübt hättet (wie es heisst): „Und sie thut.“ R. Chanina bar Papi sagte: Gott sprach zu ihnen: Wenn ihr das Gesetz beobachtet, so gilt mir das soviel, als wenn ihr es selbst gemacht hättet (wie es heisst): „Und ihr sie macht.“ R. Chija hat gelehrt: (Es ist von demjenigen die Rede, der die Thora lernt, um sie auszuüben, und nicht von demjenigen, welcher sie lernt, um sie nicht auszuüben. Für den, welcher lernt und nicht ausübt, wäre es besser gewesen, er wäre nicht erschaffen worden. R. Jochanan sagt: Wer lernt und nicht darnach handelt, für den wäre es besser gewesen, seine Nachgeburt wäre um sein Gesicht gewickelt worden, und er wäre nicht an die Luft der Welt herausgetreten. R. Acha sagte: Wer lernt, um darnach zu handeln, ist würdig, den heiligen Geist zu empfangen, wie es heisst Josua 1, 8: „Damit du beobachtest, nach allem zu thun, was darin geschrieben ist, denn dann wird dein Weg glücklich sein, und dann wirst du auch an Einsicht gewinnen.“ Unter b-obn ist nichts anderes als der heilige Geist zu verstehen vgl. Ps. 89, 1: „Eingebung (b-obr) Ethans, des Esrachiters.“ So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit. R. Jonathan sagte: Drei Geschenke (Gaben) sind der Welt gegeben worden: Das Gesetz, die Lichter und die Regen. Das Gesetz s. Ex. 31, 18: „Und er gab dem Mose, als er sein Reden vollendet hatte;“ die Lichter s. Gen. 1, 17: „Und Gott gab sie an die Veste des Himmels;“ die Regen, wie es heisst: „So gebe ich euch eure Regen zu ihrer Zeit.“ R. Asarja im Namen des R. Simeon ben Levi zählt noch den Frieden hinzu, von dem es heisst das. V. 6: „Ich schaffe Frieden im Lande.“ R. Josua ben Nechemja zählt noch das Heil hinzu, wie es heisst Ps. 18, 36: „Und du gabst mir den Schild deines Heils.“ R. Jizchak bar R. Marjon zählt noch die Reise auf dem grossen Meere hinzu, wie es heisst Jes. 43, 16: „So spricht der Ewige, der dem Meere einen Pfad giebt;“ denn wenn das nicht wäre, so würde der Mensch sofort in dasselbe (seine Tiefe) versinken und sterben. R. Tanchuma zählt noch das israelitische Land hinzu, von dem es heisst Ps. 105, 44: „Er gab ihnen die Länder der Völker.“ Die Rabbinen zählen noch die Barmherzigkeit hinzu, von der es heisst Ps. 106, 15: „Er gab ihnen Erbarmen.“ Und manche zählen noch die Rache ) Vergl. oben Par. 13 und Midr. Schir haschir. s. v. fjstt'O. Par. XXXV. Cap. XXVI, 3. 251 an Edom hinzu, von welcher es heisst Ezech. 25, 14: „Ich gebe meine Rache an Edom durch die Hand meines Volkes Israel.“ Oder: „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit“ d. i. an den vierten. Du sagst an den vierten? Oder ist es nicht an den Vorabenden der Sabbathe? Dagegen wurde eingewendet: Selbst die Jahre, wie die zu Elias Zeit, wo die Regen an den Vorabenden der Sabbathe erfolgten, sind nur ein Zeichen des Fluches. Was ist nun hier unter den Worten: „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit“ zu verstehen? Nichts anderes als an den vierten (Tagen). Oder: „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit“ d. i. in den Nächten.“ In den Tagen des Königs Herodes pflegte es in den Nächten zu regnen und am Morgen wehte der Wind, die Wolken wurden zerstreut, die Sonne ging auf und die Erde wurde wieder trocken, so dass die Arbeiter ausgehen und sich mit ihrer Arbeit beschäftigen konnten und einsahen, dass ihr himmlischer Vater an ihren Werken Wohlgefallen hatte. Oder: „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit“ d. i. in den Sabbathnächten. Es wird erzählt: Zur Zeit des Simeon ben Schetach und der Königin Schalmaza regnete es in den Sabbathnächten, bis der Weizen so gross wie Nieren und die Gerste wie Oelkörner und die Linsen wie Golddenare wurden, die Weisen sammelten davon und hinterliessen sie den kommenden Geschlechtern, um zu zeigen, was die Sünde verursacht (zu Wege bringt) und zu bestätigen, was gesagt ist Jerem. 5, 25: „Eure Sünden verhindern solches, und eure Vergehungen halten das Gute von euch zurück.“ Oder: „So gebe ich eure Regen zu ihrer Zeit“ d. i. nicht Regen allen Ländern (sondern nur eurem Lande)? Es heisst doch Gen. 12, 3: „Mit dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde?“ Allein es ist so zu verstehen: Wenn im Lande Israels Ueberfluss, in allen Ländern aber Hungersnoth sein wird, so werden diese kommen und Früchte von euch kaufen und euch mit ihrem Gelde reich machen, sowie es heisst Gen. 47, 14: „Joseph sammelte alles Geld,“ und Deut. 33,25: „Wie deine Tage, so dein Reichthum“ d. i. alle Länder werden das Silber ausschütten und nach dem Lande Israel bringen. Wie lange muss es regnen, dass die Erde (der Boden) Früchte erzeugt? Nach R. Me'ir bis zwei, nach R. Jose bis drei Viertel. Nach R. Me'irs Ansicht, welcher sagte: bis zwei Viertel, ist der Früh- und Spätregen gemeint, der Frühregen im Monat Marcheschwan und der Spätregen im Monat Nisan. Nach der Meinung des R. Jose, welcher sagte: bis drei Viertel, ist der Frühregen im Monat Kislev und der Spätregen im Monat Nisan und der gewöhnliche Regen in der Mitte gemeint. Das sind nun drei Regen. R. Dusthai bar R. Janai sagte: Es heisst doch Hi. 37, 6: „Denn zum Schnee spricht er: Falle zur Erde, und zum Regenguss und Gussregen seiner Macht.“ Siehe das sind drei (verschiedene Benennungen für den Regen). d. s. zwei, das giebt fünf. Die Rabbinen nehmen sieben an: Diese fünf und der Frühregen und der Spätregen, c. 252 Par. X.VI. Cap. XXVI, 42. der Friihregen im Kislev und der Spätregen im Nisan, siehe, das sind sieben. R. Abuhu sagte: Ich ging einmal vor der Synagoge der Bergleute von Lud (Lydda) vorüber, da hörte ich die Stimme des R. Samuel bar Nachmani, welcher sass und vortrug: Die Rab- binen sagen im Namen des R. Chiskia: Wenn die Israeliten den Willen Gottes thun, bedarf es nur einer Bedachtnahme, er bedenkt die Erde und sie bringt Früchte, wie es heisst Ps. 65, 10: „Du bedenkst die Erde und tränkst sie reichlich, dass sie das zehnfache bietet“ d. i. sie bringt eins zu zehn. R. Berachja und R. Chelbo und R. Papi im Namen des R. Eleasar sagten: Manchmal ist die Fruchtbarkeit dem Verdienste eines Mannes, dem Verdienste eines Krautes, dem Verdienste eines Feldes zu verdanken, und alle drei sind enthalten in einem Verse, wie es heisst Sach. 10, 1: „Verlanget vom Ewigen Regen zur Zeit des Spätregens, der Ewige macht Blitze, und Regenguss wird er euch geben, dem Manne Kraut auf dem Felde.“ Es heisst: U5' | N~, dem Manne, und nicht: üniiXNb, den Männern, atayb dem Kraut und nicht: c^aisy? den Kräutern, ynisb dem Felde, und nicht: miüb, den Feldern. So auch Mal. 3,10: „Bringet den Zehnten in das Schatzhaus.ein Segen bis nicht genug (unermesslich).“ Was heisst: ^bä n*? R. Jona bar Abba sagte im Namen des R. Jochanan: Eine Sache, von der man nicht sagen kann: Genug! ist ein Segen. R. Berachja und R. Chelbo und R. Abba bar Kahana sagten im Namen Rabs: Bis eure Lippen überdrüssig werden (ermüden, ibtr© “y) zu sagen: Wir haben genug! Denn in dieser Welt sind die Regen manchesmal eine Last, die Wanderer grämen sich ihretwegen, ebenso die Seereisenden und diejenigen, welche die Keltern treten und die Dächer bestreichen, aber einst wird Gott sie nur zum Segen machen, wie es heisst Ezech. 34, 26: „Ich mache sie und die Umgebung meines Hügels zum Segen und lasse Regen fallen zu seiner Zeit und segensvolle Regen sollen es sein.“ Parascha XXXVI. Cap. XXVI. V. 42. Ich gedenke meines Bundes mit Jacob. In Verbindung mit Ps. 102, 26: „Vor Zeiten hast du die Erde gegründet und deiner Hände Werk sind die Himmel.“ Darüber sind Schammai’s und Hillel’s Schule verschiedener Meinung. Die von der Schule Schammai’s sagen: Zuerst sind die Himmel geschaffen worden und dann die Erde, wie es heisst Gen. 1, 1: „Im Anfänge schuf Gott Himmel und Erde.“ Die von Hillel’s Schule dagegen sagen: Zuerst ist die Erde geschaffen worden und dann der Himmel. Diese wie jene bringen einen Grund für ihre Meinung. Der Grund derer von Schammai’s Schule, welche behaupten, zuerst sind die Himmel geschaffen worden und hernach die Erde, ist dieser: Gleich einem König, welcher sich einen Thron gemacht hat und nachdem das geschehen, macht er sich erst seinen Fussschemel Ci Par. XXXVI. Cap. XXVI, 42. 2 53 (vn tOTtodiov). So sagt auch Jes. 66, 1: „So spricht der Ewige: Der Himmel ist mein Thron und die Erde meiner Füsse Schemel.“ Der Grund derer von der Schule Hillel’s, welche sagen: Die Erde ist zuerst geschaffen worden und hernach die Himmel, ist dieser. Gleich einem König, der einen Palast baute, nachdem er die Unteren erbaut hatte, führte er die Oberen auf. So steht auch geschrieben Gen. 2, 4: „Am Tage, da Gott der Ewige machte Erde und Himmel.“ R. Tanchuma sagte: Ich führe als Grund den erwähnten Psalmvers an: „Bevor du die Erde gegründet, war dein Händewerk der Himmel.“ R. Chanina sagte: Von der Schriftstelle, welche als Stütze der Schule Schammai’s dient, kann man die Schule Hillel’s widerlegen. Nach der Meinung der Schule Schammai’s, welche sagt, dass zuerst die Himmel und dann die Erde geschaffen worden sei, denn es heisst: „Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde;“ nach der Meinung der Schule Hillel’s, welche sagt, dass zuerst die Erde geschaffen wurde und hernach die Himmel, denn es heisst das. 1, 2: „Die Erde war öde und leer,“ da muss doch die Erde schon erschaffen gewesen sein. R. Jochanan sagte im Namen der Gelehrten: Hinsichtlich der Erschaffung gingen die Himmel voran und hinsichtlich der Vollendung ging die Erde voran. „Am Tage, da der Ewige, Gott, Erde und Himmel machte.“ R. Simeon ben Jochai sagte: Ich muss mich wundern, wie die Väter der Welt wegen der Erschaffung von Himmel und Erde verschiedener Meinung sein konnten, ich sage: Himmel und Erde wurden nicht anders erschaffen, als wie die Pfanne und ihr Deckel.*) So heisst es Jes. 48, 13: „Und meine Hand hat die Erde gegründet und meine Rechte den Himmel ausgespannt.“ R. Eleasar bar R. Simeon sagt: Wenn es nach der Meinung dessen ist, was Abba gesagt hat: Ueberall gehen die Himmel der Erde voran (d. i. überall steht erst „Himmel“ und dann „Erde“), an einer Stelle es aber heisst: „An dem Tage, da der Ewige, Gott, Erde und Himmel machte,“ so geht daraus hervor, dass beide einander gleich wiegen, das eine ist wie das andere. So gehen auch überall die Turteltauben den jungen Tauben voran, an einer Stelle aber heisst es: „Eine junge Taube oder Turteltaube,“ um zu lehren, dass beide einander gleich sind. Ueberall geht der Name Mose (dem Namen) Aarons voran, an einer Stelle aber wird erst Aaron und dann Mose genannt, um zu lehren, dass beide einander gleich sind. Ueberall geht Josua dem Caleb voran, an einer Stelle aber heisst es Num. 32, 12: „Ausgenommen Caleb, Sohn Jephunnes, des Kenisiters und Josua, Sohn Nuns,“ um zu lehren, dass beide einander gleich sind. Ueberall geht die Ehre des Vaters der Ehre der Mutter voran, an einer Stelle aber heisst es Lev. 19, 3: „Ein jeder ehrfürchte seine Mutter und seinen Vater,“ um zu lehren, dass beide einander gleich sind. Allein die Gelehrten (Weisen) haben gesagt: Der Vater geht über- *) Midr. Beresch. r. Par. I. 254 Par. XXXVI. Cap. XXVI, 42. all der Mutter voran, denn er (der Sohn) und seine Mutter sind dem Vater Ehre schuldig. Ueberall geht Abraham den Vätern voran, aber hier heisst es: „Und ich gedenke meines Bundes mit Jacob,“ um zu zeigen, dass alle drei einander gleich sind. Oder: „Und ich gedenke meines Bundes mit Jacob.“ In Verbindung mit Ps. 80, 9: „Einen Weinstock hobst du aus Aegypten aus.“ Wie man den Weinstock nicht an einen Ort pflanzt, wo grosse Steine (Felsen) sind, sondern ihn (den Boden) von unten untersucht und hernach ihn (den Weinstock) pflanzt, so „vertriebst auch du (zuerst) Volker und (dann) pflanztest du ihn“ (das israelitische Volk). Wie der Weinstock, wenn du alles unter ihm wegräumst, desto vorzüglicher wird, so auch Israel, vor dem du jeden König wegräumtest, und hernach „schlug er (es) Wurzeln und füllte das Land.“ Wie man den Weinstock nicht in Verwirrung (in Unordnung), sondern in Reihen pflanzt, so sind auch die Israeliten nach Panieren geordnet worden, wie es heisst Num. 2, 2: „Ein jeder bei seinem Paniere, bei den Zeichen ihrer Stammhäuser.“ Wie der Weinstock der niedrigste unter allen Bäumen ist und dennoch alle Bäume überwältigt (beherrscht), so scheinen auch die Israeliten niedrig in dieser Welt, aber einst werden sie Besitz nehmen von einem Ende der Welt bis zum andern. Wie aus dem Weinstock ein Zweig hervorgeht, welcher alle Bäume bezwingt, so geht auch von Israel ein Gerechter aus und herrscht von einem Ende der Welt bis zum andern, wie es heisst Gen. 42, 6: „Und Joseph war Herrscher,“ Jos. 6, 27: „Der Ewige war mit Josua,“ 1 Chron. 14, 17: „Und es ging Davids Ruhm aus in alle Länder,“ 1 Reg. 5, 1: „Salomo herrschte über alle Reiche,“ Esth. 2, 4: „Mardachai war gross (angesehen) im Hause des Königs.“ Wie an dem Weinstock die Blätter die Reben decken, so decken auch die Ungebildeten unter Israel die Gelehrten. Wie der Weinstock grosse und kleine Reben hat, und die grosse von der kleinen gedrückt zu werden scheint, so auch Israel, wenn einer von ihnen sich mit der Thora bemüht und grösser (überlegener) in der Thora ist als der andere, so scheint er von demselben gedrückt zu werden. Wie der Weinstock drei Segnungen (Benedictionen) erfordert*), so erfreuen sich auch die Israeliten täglich dreier Segnungen: nämlich: „Der Ewige segne dich, der Ewige erleuchte dich, der Ewige erhebe über dich.“ Wie der Weinstock vertrocknete (saure) Beeren hat, so giebt es auch unter den Israeliten Schrift-, Mischna-, Talmud-, und Haggadagelehrte. Wie an dem Weinstock Wein und auch Essig ist, und man über ein jedes derselben einen besonderen Segen spricht, so sind auch die Israeliten verpflichtet, für das Gute *) Nämlich über die ganz kleinen Beeren spricht man: Gelobt sei der Schöpfer der Erdfrucht, über die reifen spricht man: Dank sei dir, Schöpfer der Baumfrucht, und über den “Wein spricht man: Dank sei dir, Schöpfer der Weinfrucht. Par. XXXVI. Cap. XXVI, 42. 255 Gott ebenso zu preisen wie für das Böse; für das Gute spricht man: Der Gütige und der Wohlthätige! und über das Uebel: Preis dem wahren Richter! Wie der Wein das Gesicht eines jeden, der ihn trinkt, erleuchtet, und wer nicht davon (vom sauren) trinkt, stumpfe Zähne bekommt, so auch die Israeliten, jeder, der da kommt und sich an sie macht, nimmt am Ende (zuletzt) das Seinige aus ihren Händen. Wie die Weintraube erst mit dem Russe zertreten wird und dann auf die königliche Tafel kommt, so erscheinen auch die Israeliten wie verachtet in dieser Welt, wie es heisst Thren. 3, 14: „Zum Spotte bin ich meinem ganzen Volke, ihr Spottlied alle Tage,“ aber einst wird dich der Ewige über alle erheben, wie es heisst Jes. 49, 23: „Und Könige werden deine Erzieher sein und ihre Fürstinnen deine Ammen.“ Wie der Weinstock durch Versetzen von einer Stelle zur andern steigt (gewinnt), ebenso übersteigen die Israeliten an Zahl alle Reiche. Wie man den Weinstock über grosse Cedern hinwegzieht, so auch die Israeliten, wie es heisst Ps. 80, n: „Bedeckt waren die Berge von seinem Schatten.“ Wie der Weinstock an ein Rohr gestützt wird, so werden auch die Israeliten auf das Verdienst der Thora gestützt, die mit einem Rohre geschrieben ist. Wie bei dem Weinstocke sein Hüter oben steht, so ist auch Israels Hüter oben, wie es heisst Ps. 121, 4: „Siehe, es schlummert, es schläft nicht der Hüter Israels.“ Wie der Weinstock auf trockene Hölzer gestützt ist, er selbst aber saftig ist, so stützen sich auch die Israeliten auf das Verdienst ihrer Väter (Altvordern), obgleich diese schlafen. Das soll nun mit den Worten gesagt sein: „Ich gedenke meines Bundes mit Jacob.“ In Verbindung mit Prov. n, 21: „Von Hand zu Hand bleibt der Böse nicht ungestraft.“ Bar Kapra sagte: „Achas und alle die ruchlosen Könige Israels haben keinen Antheil an der zukünftigen Welt, wie es heisst Hos. 7, 7: „Alle ihre Könige fallen, keiner unter ihnen ruft zu mir.“ Er wird aber doch unter der Aera (vrtaxeid) der Könige gezählt, wie es heisst Jes. 1, 1: „In den Tagen Usias, Jothams, Achas, Chiskias, der Könige von Jehuda?“ R. Acha im Namen des R. Eleasar und R. Josua im Namen des R. Josua ben Levi sagte: (dies geschieht), weil er Scham besass. Wie so? Als der Prophet kam, um ihn hart anzulassen (ihm eine harte Strafrede zu halten), ging er mit ihm an einen unreinen Ort, in der Meinung, dass die Schechina an einem unreinen Ort nicht wohne, wie es heisst Jes. 7, 3: „Der Ewige sprach zu Jesaia: Geh dem Achas entgegen, du und dein Sohn Schear-Jaschub, ans Ende des oberen Teiches, auf dem Wege zum Walkerfelde.“ Lies nicht: Dbia, Walker, sondern: uibio, Unterdrücker.*) Wie so? Als der Prophet ihn hart anlassen wollte, drückte er sein Gesicht (verschämt) nieder.**) Rabbi sagte: Weil er wegen *) Vgl. Jerusch. Sanhedrin. fol. 272 C 332 Nin NXöJl, es traf sich (es fügte sich), als er hineinging, dass er das ganze Vermögen seines Bruders erbte. Par. XXXVII. Cap. XXVII, 2. 2ÖI Oder: „Nach dem Thun des Menschen vergilt er ihm“ d. i. Mose, wie es heisst Ex. 2, 11: „Und es geschah in denselben Tagen, als Mose herangewachsen war, da ging er hinaus zu seinen Brüdern und sah ihre Lasten.“ Was sah er da? Er sah die Last eines Mannes auf einer Frau und die Last eines Grossen auf einem Kleinen und die Last eines Jünglings auf einem Greise; er ordnete nun ihre Lasten zwischen dem Mann und dem Weibe, zwischen dem Grossen und dem Kleinen, zwischen dem Jüngling und dem Greise. Da sprach Gott zu ihm: Du hast einst die Lasten meiner Kinder geordnet (ntyci), bei deinem Leben! du wirst einst ihre Gelübde zwischen Mann und Weib, zwischen Gross und Klein, zwischen Jung und Alt ordnen und entscheiden! Das steht nun auch hier: „Und der Ewige redete zu Mose also: Sprich zu den Kindern Israels: Wenn ein Mann ein Gelübde thut, so sollen nach deiner Schätzung die Seelen dem Ewigen gelten.“ Rabban Gamliel lustwandelte einmal von Akko nach Kesib*) und sein Knecht Tabi ging vor ihm her und R. Hai hinter ihm. Da sah er einen Laib Brot auf dem Wege liegen und er sah einen Heiden und sprach zu ihm: Mabgai, hebe den Leib Brot auf! Er hob ihn auf und gesellte sich zu ihm (liess sich mit ihm in einen Disput ein). R. Ilai fragte ihn: Wie ist dein Name? Er sprach: Mabgai. Der Rabbi sprach: Hast du jemals den Gamliel gegrüsst? Nein! lautete die Antwort. Der Rabbi: Aus welchem Orte bist du? M.: Ich bin aus jenen Städten, die aus Einliegerhütten bestehen. Da haben wir drei Dinge gelernt: 1) Dass das Gesäuerte eines Heiden nach dem Pesachfeste erlaubt ist (genossen werden darf), 2) dass er (Gamliel) im heiligen Geiste erschaut hatte, dass sein Name Mabgai war, 3) dass man an Speisen nicht vorübergehen soll. Das ist aber nur, sagte R. Jacob bar Sabdi im Namen des R. Abuhu, damals gesagt werden, jetzt aber geht man an Speisen vorüber (hebt sie nicht auf) wegen Zaubereien. Sie kamen nun nach Kesib und assen und tranken. Da kam ein Mann, um sich sein Gelübde losen zu lassen. Da sagte Rabban Gamliel zu R. Ilai: Berechne einmal, ob wir w r ohl ein Viertel Mass italienischen Wein getrunken haben?**) Er sagte: Jawohl! Komm hinter uns her, sagte er zu dem Bittenden, bis sich mein Rausch verloren hat. Der Mann folgte ihnen, bis sie die Anhöhen von Tyrus erreicht hatten. Dort angekommen, stieg R. Gamliel vom Esel, hüllte sich in seinen Tallith (seinen Gebetmantel) und liess sich da nieder. Da haben wir viele Dinge (an diesem Tage) gelernt: 1) dass ein Viertel Mass Wein berauscht, 2) dass der Weg den Wein verrauschen macht, 3) dass Weinberauschte nicht lehren sollen. Und von ihm haben wir drei Dinge gelernt: 1) dass Gelübde weder im Rausche, noch *) S. Tr. Erubin fol. 64b. **) Da wären sie betrunken gewiesen und er hätte das Gelübde nicht lösen können. 2Ö2 Par. XXIX. Cap XXIII, 24. beim Reiten und Stehen, sondern nur im Sitzen verhüllt gelöst werden können. Womit hat R. Gamliel wohl seinen Vortrag begonnen? R. Jochanan sagte: Mit Prov. 12, 18: ,,Es giebt, die mit Reden herausfahren wie Schwertstiche, die Zunge der Weisen aber ist Heilung.“ Mit Recht sollte jeder, der unbesonnen Gelübde ge- than, mit dem Schwerte erstochen werden.*) Worin besteht seine Heilung? „Die Zunge der Weisen ist Heilung.“ Er gehe zu Weisen und sie lösen ihm sein Gelübde. Darum warnt Mose die Kinder Israel und spricht zu ihnen: „Wenn jemand ein Gelübde dem Ewigen weihet.“ Vier (Männer) haben Gelübde gethan, drei (von ihnen) haben auf eine ungeziemende (unpassende) Weise verlangt und Gott hat ihnen geziemend (passend) geantwortet und einer hat ungeziemend verlangt und Gott hat ihm ungeziemend geantwortet. Es sind diese: Elieser, der Knecht Abrahams, Saul, Jephta und Caleb. Elieser verlangte ungeziemend, wie es heisst Gen. 24, 14: „Das Mädchen, zu dem ich sagen werde: Neige doch deinen Krug!“ Gott sprach zu ihm: Wie ist es denn aber, wenn eine Magd (Scla- vin), oder eine Heidin, oder eine Buhlerin herauskommt, wirst du sagen: Sie ist deinem Knechte Jizchak bestimmt? Allein Gott bewirkte es und bestimmte ihm die Rebecca. Caleb verlangte ungeziemend, wie es heisst Jos. 15, 16: „Und er sprach: Wer Kirjath- Sepher schlägt und erobert, dem will ich meine Tochter Achsa zum Weibe geben.“ Gott antwortete ihm: Wenn es aber ein Heide, oder ein Bastard, oder ein Sclave erobert, wirst du ihm deine Tochter geben? Allein was that Gott? Er bestimmte ihm seinen Bruder (er fügte es, dass es sein Bruder war), der es eroberte, wie es heisst das. V. 17: „Und es eroberte sie Othniel ben Kenas.“ Saul verlangte ungeziemend, wie es heisst 1 Sam. 17, 25: „Wer ihn (Goliath) erschlägt, den will der König bereichern mit grossem Reichthum und seine Tochter will er ihm geben.“ Gott sprach: Wie ist es denn aber, wenn ein Heide, oder ein Bastard, oder ein Sclave ihn erschlägt, würdest du ihm deine Tochter geben? Allein Gott bestimmte ihm. den David (fügte es, dass es David war), und der König gab ihm seine Tochter Michal. Jephtach verlangte ungeziemend, wie es heisst Jud. 11, 31: „Es soll, was aus der Thüre meines Hauses herauskommt, dem Ewigen geweiht sein.“ Wenn ein Kamel, oder ein Esel, oder ein Hund herauskommt, wirst du ihn als Opfer darbringen? Allein Gott antwortete ihm nicht geziemend, sondern bestimmte ihm seine Tochter. Als er diese sah, zerriss er seine Kleider. Da hätte er sich aber sein Gelübde doch lösen lassen und zum Priester Pinchas gehen können? Allein er dachte: Ich bin König und soll zu Pinchas gehen? und Pinchas dachte wieder: Ich bin Hoherpriester und der Sohn eines Hohenpriesters und ich soll zu diesem Ungebildeten (y“iN“ öS") gehen? Unterdessen ging die Arme zu Grunde und beide haben ihr Blut verschuldet; dem ! ) S. Erubin fol. 64t. Par. XXXVII. Cap. XXVII, 2. 263 Pinchas wurde der heilige Geist entzogen, wie es heisst 1 Chron. 9, 20: „Und Pinchas, der Sohn Eleasars, war Fürst über sie vor Zeiten,“ und Jephtach fiel ein Glied nach dem andern ab, und sie wurden begraben, wie es heisst Jud. 12, 7: „Er wurde begraben in den Städten Gileads.“ Es heisst nicht: “i'bs in der Stadt Gileads, sondern: -nfn, in den Städten, woraus hervorgeht, dass ein Glied nach dem andern ihm abfiel, und sie wurden an vielen Orten begraben. R. Simeon ben Levi und R. Jochanan. R. Simeon ben Levi sagte: Er wäre wenigstens verpflichtet gewesen, Geld zu geben und auf dem Altäre darzubringen. R. Jochanan aber sagte: Auch Geld war er nicht schuldig, denn es ist gelehrt worden: Nur etwas, was würdig ist, um dargebracht zu werden, darf auf dem Altar dargebracht werden, etwas aber, was nicht würdig ist, um dargebracht zu werden, darf nicht auf dem Altar dargebracht werden. Und nicht nur das, sondern jeder, der gelobt und sein Gelübde bezahlt (erfüllt), verdient, dass er einst sein Gelübde in Jerusalem bezahle. Das ist es, was geschrieben steht Ps. 116, 18: „Meine Gelübde will ich dem Ewigen bezahlen.“ Wo? V. 19: „In den Vorhöfen des Hauses des Ewigen in deiner Mitte, Jerusalem, Halleluja!“ Und ferner heisst es Ps. 106, 1: „Danket dem Ewigen! denn er ist gütig, denn ewig währt seine Gnade.“ Nachweis der Quellen und Parallelen zu Midrasch Wajikra rabba. Par. I. Zu: nns nnatt "Oa s. Gittin fol. 56. Zu: rrp'-iüDpi nvbnN ims ■ps-'p 72 rin s. Schir hasch, r. zu 2, 11. Par. II. Zu: nbna nannn ns Qiip anaatt s. Joma fol. 28. Par. IV. Zu: ntab rNaar nbiB 722 s. Mechilta Jithro zu dem Verse: ■6 rinn nnsn. Par. V. Zu: nrntBN 7T s. Schabb. fol. 118; Gittin fol. 32. Zu: 'an nm «ata NO">aiS 72 in s. Sanhedr. fol. 107. Par. VI. Zu: abny ^btin a-n n ^nbN ionia y>BN a"N s. Pesikta Pes. 14. Par. VIII. Zu dem ersten Proöm über Ps. 75, 8 s. Pesikta de Rab Kahana Piska II (Ed. Buber p. nb) u. Beresch. r. Par. 68. Zu: m k röi -oa s. Sanhedr. fol. 22; Sota fol. 9. Par. IX. Zu: Nan Bbnaa raaa^ ntn abnya s. Sanhedr. fol. 43b. Zu: bui ‘inanar na"pn bta nmyvana nni«ap 72 fi ■jü arnx nt bttaiai s. Jer. Succa c. IV. Zu: nanna mxaa "naa a-onnan naaao anbta bnaa s. Jebam. fol. 65; Bemidbar r. Par. 11. Zu: nannn nraa nrab a^nnnan nanaia anbia bna.n s. Tebam. fol. 65. Par. X. Zu: nnnTtann rbl' na»» inb laaia Nbta ■paa s. Bemidbar r. Par. 16; Sanhedr. fol. 108. Zu: aiaaata a^aaan aa a^aca?: nraapno ataa s. Sebach. fol. 88. Zu: 'an ananan nnana nteyta nnnanan p2ta s. Horijot fol. 11. Zu: nn7:npwn p 2 anx nt Nbx irrby panany bisaur ban s. Joma . fol. 21; Bemidb. r. Par. 19. Nachweis der Quellen und Parallelen. 365 Zu: dit 5 a 3 n 72 d^tmin bao s. Pesikta de Rab Kahana Piska i 72 n:. Zu: niy 72 H 3 tnn ttnb53 ttnv b'tt s. Pesikta de Rab Kahana Piska nana. Zu der Auslegung zu d'Hian ntn s. jer. Joma VI, fol. 44bc. Zu der Auslegung zu iirrMM ■pid ntn bis mnb73 amdb73d3 di 72 biy s. jer. Schekalim VI, fol. 49 c . Zu: ayi 72 bnt? nns btt bnpü tnsn ba ntti bis Schluss des Kapitels s. Beresch. r. Par. 5. Par. XI. Zu: niinna lUTSfflbTa iTiJ73 yt733 ttb nanisa btnia - ’ rna nbl“U s. Pesikta r. Pes. 14. Zu: bi nson nydia ba pant “na btti 72 in an n73tt s. Be- midb. r. Par. 21. Zu: bi T' l -i73tt tmn bi N73irt2n b s. Bemidb. r. Par. 20. Zu: ‘piatntt dTd !na"pn ttnaid nt? s. Chag. fol. 12; Beresch. r. Par. 11 u. 12; Bemidb. r. Par. 13. Zu: nbliy ■pia liina ■pnnnad s. Sanhedr. fol. 36b. Par. XIII. Zu: nabn 137373 üb733>n3i tTC 72 OSa s. Pesach. fol. 66. Zu: n73“ü rrn mna nt s. Chag. fol. 10. Par. XIV. Zu: bi inoai tnai -psims -n s. Erubin fol. 18. Zu: rrn MT bta mi73n "1S£ trt y'T’ - ' 2 £ S. Berach. fol. 60a. Par. XV. Zu: bi ttia^ti NTsn ba ‘■jb VN s - Baba batra fol. 16. Zu: bi mnb nttitb U3pd73 nntt inrayi s. Bemidb. r. Par. 13. Zu: ■p-'baa mbbp73 mbbpi s. Ruth r. Par. 1. Zu: bi amsn ntt nttin amp ptt s. Negaim c. II. Par. XVI. Zu: pb !map in C3 73 in H3^72U5n d^Tsan 11731* jbiai s. Beresch. r. Par. 47. Zu: mbsn ns^taaiz: nat:i73 ttnp s. Berach. fol. 34b. Par. XVII. Zu: inia^tt THIS s - J oma n - zu: d-nnttb matT'b nitib I 3 \si ibin^a -irpiffl 173 s. Joma fol. 11; Erubin fol. 16. Zu: diT’by d^Nd d^ysaia s. Horijot fol. 10. Par. XVIII. Zu: diatt by ttasndi Irin I 72 ntt ns s. Sanhedr. fol. 39. Par. XIX. Zu: dbii> ntonab min map inüü disbtt 'iiu s. Bemidb. r. Par. 5 u. 14. Zu: i-tbibdi tivo n73N bb s. Erubin fol. 65a. Par. XX. Zu: nidi» an l -i73tt b"d “|ia> 73 \a b s. Baba batra fol. 78. Zu: nin73p jd “Iiyaiaa tnidSTS s. Joma fol. 47; Horijot c. 3; Moed katan fol. 28. Par. XXI. Zu: 3dt3p73 jdidin inaian mis -1 baia s. Nedarim fol. 32b. Par. XXII. Zu: bi tna-o mas id-ob at3 b73tt ttnmaa s. Beresch. r. Par. 22. Par. XXIII. Zu: bi ttfV'dlö ‘pysb imn 1 ' mtb U 3 ^ 72 bn -]i 3 d s. Kiddusch. fol. 72. Zu: bi m 3 ‘ Nidi 73 nnttc dip?2 bd s. Beresch. r. Par. 26. 266 Nachweis der Quellen und Parallelen. Zu: '21 Efrbf "("nif r)p*E2 ‘Et Et2b2 s. Ruth r. Par. 6; San- hedr. fol. 20. Par. XXIV. Zu: E73N nein 'e 222 N31ET 2E s. Berach. fol. 6o b . Par. XXVI. Zu: 2n:b ib na» 'lan: E2 bNi?32 e"n s. Beresch. r. Par. 85. Zu: bi3'i73 Eien n73 p2is ft ns trab ib 1E73N s. Thaanit fol. 8; Kohel. r. Par. 10. Zu: bi nsi den Nfr Nb2 fEN pEE EtEin pnElsb s. Beresch. r. Par. 55. Zu: '21 ■'12“ rN 37222 -piD 103310722 1723 “:oii s. Berachot fol. 12; Erubin fol. 53. Zu: TJ3B121 im EIE Ei272b Ei2"pft lEtNEE;2 E72b72 s. Sanhedr. fol. 38; Aboda sara fol. 5; Mechilta, Ende nb22; Sifre, Ende EtDE2. Zu: 2 EE 1 ? p'E32 E72Nii E721N Nifi2 uip72 bD s. Megilla fol. 16. Zu: D'3221 E2132 11:2 H22 fi722n2 DiEDE 'f.2 s. Joma fol. 18. Par. XXVII. Zu: lEioNb Ni33p NDb72 12 . 1 b biN -pEp72 dieeioden s. Tamid fol. 30. Zu: 172322* 1:22 "ff ib 12 1 piE32l piE33 3212 272273 S. Schabb. fol. 154; Kohel. r. s. v. denei pbifi 13 . Zu: ib DON EON fi731N fl2"pfl E73N EON Nif! i31i 3112b S. Schabb. fol. 31; Beresch. r. Par. 99. Par. XXVIII. Zu: 122 b Eii-ibN NE2p 22 2122 E72N 2 -pb 2'E '21 fiif! s. Nedarim fol. 32; Beresch. r. Par. 43. Par. XXIX. Zu: 'di fi 2 i 2 n 722 fibs> EI 212 NE fii '22 “"2 dt -2 s. Sanhedr. fol. 38. Zu: 22112273 122"2 fitfl 22)22 22122 DD 12373 1221237 S. Rosch hasch, fol. 8. Par. XXX. Zu: EIE2N b2 biD 2 22 ifn bi‘3fi 2blb s. Succa fol. 29. Zu: nON 23-2 n2i73fi ns -p2ip72 Diii Dii bD2 s. Succa fol. 45. Zu: 'di H222 ibi2Ni Dii2 fibib2 Nbl Dii2 s. Succa fol. 43. Zu: 'di E731N -|12El3 'E Q1E73E EI 1 DD S. Succa fol. 32. Zu: "iiCNEEt D112 DDb Dnnpbi EiiDTD s. Schemot r. Par. 15. Par. XXXI. Zu: 'di 173 bD E73N1 E“32 2b73b 2"fiBb ib273 s. Torna fol. 86. Zn: 'di 2inD EON 2 iod E731N *2E s. Chagiga fol. 12 . Zu: bi£ 3 p 3|El3 if!73 s. Beresch. r. Par. 33. Par. XXXII. Zu: \eoi 272 b« ^NiDi DN 12 i;n Elim 12 N 2 s. Sanhedr. fol. no. Zu: 'di Ei2"pft ib NE2 3131E123D b2 233073 s. Nedarim fol. 38. Zu: Ern E1E2 E 17373 s. Schemot r. Par. 1. Par. XXXIII. Zu: ionn 73 binrft s. Sanhedr. fol. 82b; Bemidbar r. Par. 21. Zu: ED7373 1ED73P iDl s. Beresch. r. Par. 65 u. 73. Zu: Dt 3 inft Di* Q152 tqiBE2 bf NbN -|iEi 373 “in s. Jebamot, letzte Mischna. Nachweis der Quellen und Parallelen. 267 Par. XXXIV. 'di ‘vnnis tofi biba ii-f. -oifi bbia id s. Schabb. fol. III. Zu: 'di "piabb NbN nab Irma ay NbN msy Nb Nbrn s. Be- rach. fol. 63. Zu: apais pNiapb inDita pnnnb us ■■'i’is s. Kethub. fol. 66. Zu: 'di N 7 afi Nms tsn ih-ba rpb "plan dd ■'"disp s. Baba batra fol. 10 a. Zu: 11s y bis lysisb in? bni spy bis nasnb s. Baba batra fol. IO a . Zu: 773PD ‘pinb Nifis nriN mana msyia s. Schabb. fol.. 150. Zu: BmDDn DT 1 fTJ aaiD7j lanpttbi s. Schabb. fol. 119. Par. XXXV. Zu: NpPi'D Dpyn fpnpsb NmiDD73 firn s. Chagiga fol. 9b; Schir hasch, r. Par. 2. Zu: 'di Main“ abii'b füma lini 'a s. Schemot r. Par. 41. Zu: 'di nays •jn'H' 1 DTaisairi ambN tisd stid 'nN s. Thaa- nit fol. 8. Zu: 'di mbna ynpv' a^aisa nn ^baan onmn Tan s. Thaa- nit fol. 23. Zu: 'a “y P 731 N ■'DT' 'n 'a ny P 7 aaN "pNia S s. Thaanit fol. 5. Par. XXXVI. Zu dem Proöm über niD' 1 pPNlri DTab s. Beresch. r. Par. 1. Zu dem Proöm in mp -1 Nb “pb T' s. jer. Sanh. X, fol. 27 d . Zu: 'lai NPD missns ■'NTais ms s. Chagiga fol. 12. Zu: (bNPiE 1 ’) [apy-'] ms bs* 'r, Ins s. Sanhedr. fol. ig b . Zu: 'ai jiDDD 73 bspa Nb Si-iTDN s. Beresch. r. Par. 63. Zu: 'di manriN mDN TraNi maba s. Sifra z. St. (Ed. Weiss p. 112 c ). Zu: ma^p mDN mal \T73 py s. jer. Sanhedr. X, fol. 27 d . Par. XXXVII. Zu: miSN dn PDip Tn; in ms 73 1 m:is Ta bi s. Schabb. fol. 32. Zu: DTDb iDi pa b^taia Wi a"“i s. Erubin fol. 64b. Zu: “DDPr pnNb im 7 a na bis i 2 £ 7 atrs s. Pesachim fol. 28. Zu: pbDlNM bi* pmDi'73 pNia s. Baba mezia fol. 23. Zu: "n 7 am bi'73 bmbiaa ‘Dp ab m s. Nedarim fol. 76. Zu: ib nns !-nPi ynsba s. Nedarim fol. 23. Zu: pmD NbiS ibNis tiisbis s. Thaanit fol. 4; Bereschit r. Par. 60. Noten zu Midrasch Wajikra rabba von RABBINER Dr. J. FÜRST. S. i, Z. 8 u. io muss es heissen: „weil sie bei den Geboten Gottes bestehen können.“ Z. io: „unter den Geboten Gottes nicht bestehen können.“ l'psn ist überall das Targum zu niüö. Auch giebt der Satz: „Die Unteren können nicht unter der Aufsicht Gottes stehen“ keinen richtigen Sinn. Das. Z. 18, Ende ff. muss es heissen: „Weil in der Zeit, da der heilige Geist auf ihm ruhte, sein Antlitz wie Fackeln leuchtete (brannte).“ Es ist hier Bezug genommen auf Taanit fol. 4 a , dass von Pinchas der heilige Geist gewichen, zur Strafe, weil er nicht zu Jephta gegangen, um ihm sein Gelübde zu lösen - , denn nach i Chron. 9, 20: „war vormals der Ewige mit ihm.“ Das. Z. 6 v. u. muss es heissen: „von Hause aus (vermöge ihres Berufes) werden die Propheten Engel genannt, wie es Hagg. 1, 13 heisst: „Und . . . Daraus siehst du, dass die Propheten von Hause aus (vermöge ihres Berufes) Engel genannt werden.“ S. 2, Z. 3 muss es heissen: „wird er es vielleicht auch in den übrigen Tagen des Jahres thun?“ Das. Z. 5 v. u. muss es heissen: „warum heisst er (der Altar) aber Libanon?“ S. 5, Z. 13 v. u. muss es heissen: „und warte (atPl), bis man dir sagt: steige herauf, und steige nicht herauf, damit man nicht zu dir sage: gehe hinab.“ S. 6, Z. 15 muss es heissen: „Im Laufe der Welt ist es, wenn einer Gold, Silber.und alle herrliche Kostbarkeit in der Welt besitzt, aber es fehlt ihm an Einsicht: was hat er für Genuss (Nutzen) davon?“ Es ist statt njni miBl: man 'S3 ^31 mit Jalkut zu lesen njni: miB man ‘Ol zu lesen; und statt rp'jp ist mit Jalkut n'Dri zu lesen. S. 8, Z. 19 ff. muss es heissen: „wie wohlthätig für sie das Veisammlungs- zelt gewesen, sie würden es mit Redouten und Castellen (nicht: Zelten und Lagern) umgeben haben (um es zu schützen).“ Das. Z. 22 muss es heissen: „in ihren Wohnhäusern“ (navoixla). S. 10, Z. 11 ff. muss es heissen: „Dem Gelehrten, der keine Einsicht hat, ist ein Aas vorzuziehen (eig. ein Aas ist besser als er).“ Aus der Begründung ist zu sehen, dass njn hier nicht „Wissen“ heissen kann, sondern: Einsicht, Takt, gute Sitte. Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 269 S. 10, Z. 8 v. u. Ende: „"Wie einen, den er auf seinen Schoss (zwischen seine Knieen) setzt. S. 11, Z. 8 v. u. muss es heissen: „Hätte ich es ihm nicht gegeben?“ Das. Z. 7 v. u. ff. muss es heissen: „Hat er sie denn nicht um Geldeswerth genommen ? Sind die Schwärme von Mücken und Gewild nicht Geldes werth?“ R. Jizchak sagt nämlich gegen R. Abba: Auch schon dadurch, dass Gott Mücken und Gewild über Pharao brachte, die ja einen grossen Geldwerth darstellen, hat Gott gezeigt, dass Israel ihm theuer ist, dass also das "Wort: „Ist Ephraim mir ein theurer Sohn?“ hier anwendbar ist. S. 13, Z. 4 muss es heissen: „sprich zu den Kindern Israels“ (es wird ein weiterer Vers angeführt, nämlich der Vers: „sprich zu den Kindern Israels.“ Und Gott antwortet: Desshalb befehle ich dir: „befiehl den Kindern Israels, rede zu den Kindern Israels, sprich zu den Kindern Israels“), „weil sie mit mir Zusammenhängen, fest an mich gefügt sind.“ S. 14, Z. 15 v. u. muss es heissen: „und Nichts opferte, was geraubt oder erpresst war“ (denn es war ja Alles sein Eigenthum; er war ja der einzige Mensch auf Erden, also Herr über Alles). Das. Z. 13 v. u. muss es heissen: „Und wenn du so tliust (nichts Geraubtes opferst —“ es ist kein Gegensatz, sondern Bestätigung des Vorhergehenden). S. 15, Z. 9 ff. muss es heissen: „Das ist meine Herrlichkeit, dass ich euch über die Völker der Welt erhöhet habe. Hat meine Herrlichkeit und das Haus meiner Residenz dadurch eingebüsst (durch eure Gräuel)?“ Das. Z. 21 muss es heissen: „ungerechnet die siebzig Völker, die auf Erden sind“ (welche alle mich loben). Das. Z 22: Statt: „Weil ihr garstige und ungehörige Dinge thut, erzürnen sie euch durch Leiden, die sie über euch bringen,“ muss es heissen: „Weil ihr (zu lesen: DfiNtt* 'JEö) . . . thut, erzürne ich euch (zu lesen: 'JD'Jtsa) durch Leiden, die über euch kommen.“ S. 16, Z. I muss es heissen: „und ungetheilt (wird es dargebracht). (Ferner beschlossen sie) über das Salz und die Holzopfer u. s. w. (dass die Priester sie benützen dürfen. Siehe Schekalim VI, 7. 8) “ Das. Z. 6 muss es heissen: „und warnten sie (T "3 heisst hier: warnen). Weil sie, obwohl durch die sieben Propheten gewarnt, doch nicht folgten, sind sie straffällig. Ebenso Das. Z. 10 muss es heissen: „und man hat uns seitdem nicht gewarnt.“ Das. Z. 15. 16: „von da an und weiter sind es die Proselyten des Zeitalters, welche ihre Zeitgenossen warnen.“ (vyn, vorher zum Zeugen aufrufen gegen Jemand, Jemand warnen (s. 1 B. M. 43, 3; 5 B. M. 31, 28). Das. Z. 22 muss es heissen: „Wein dem Götzen opfert, oder: erlaubten Wein mit Götzenwein mischt.“ S. 18, Z. 11: Statt: „und sie nicht übt,“ besser: „und nicht geläufig darin ist.“ Kenner vonMidda und Mechiltha ist hier Kenner von Traditionen. Das. Z. 23 muss es heissen: „um Zins entleiht.“ Das. Z. 5 v. u. muss es heissen: „und ausgätet.“ S. 19, Z. 11 muss es heissen: „werden.“ Denn es steht nicht sondern l'StUJ, Praesens. Das. Z. 16. 17 muss es heissen: „Damit sie dafür gestraft werden;“ eig. soviel Böses in dieser Welt zu thun, „hinreichend zur Bestrafung dafür in der künftigen Welt “ Das. Z. 20 v. u. muss es heissen: „haben wir nicht selbst es uns gewählt?“ Als sie nämlich unter Josua das Land, Kanaan erobern halfen, rühmten 270 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. sie dessen Trefflichkeit gegenüber dem Ostjordanland; sie sagten sich aber dann; wir können es nicht ändern, da wir unter Mose uns selber das Ostjordanland gewählt haben. S. auch Midr. Kolielet zu dem V. S. 19, Z. 17 v. u. muss es heissen: „es war ihr eigener Wille.“ Das. Z. 15. 14 v. u. muss es heissen: „das fein zerstossene Räucherwerk der Gemeine“ (am Versöhnungstag dargebracht). S. 20, Z. 6 v. u. muss es heissen: „Gott hat auch von dem Seinigen eine Sühne mehr gegeben.“ m’ll entspricht dem (mW) na“.. Das. Z. 3 v. u. und S. 21, Z. 4 muss es heissen: „Er soll absondern den Magen und Kropf mit dem Unrath,“ wie auch aus dem Midrasch sich ergiebt. Das. Z. 4: „Aber das Vieh, das an der Krippe seines Herrn (nSjp, nicht: mit Blätterwerk). S. 22, Z. 5. v. u. muss es heissen: „Das sind die Opfer des Tempels“ (l^x tfipö ’üpp), statt: Die heiligen Grenzen: „die Heiligthümer ausserhalb des Tempels“ (wie: Zehnten, Erstlinge u. s. w., Situ Gegensatz von enpB). S. 23, Z. I. 2: „Aaron verdiente (erwarb) es für seine Söhne, sowohl für die würdigen, als für die bescholtenen“ (z. B. ntyVVt p). S. 24, Z. 28 muss es heissen: „und in dessen Hand sie bewahrt sind,“ Das. Z. 2 v. u.: „Denn da entschied man . . . .“ Weil in der Aussprache n mit n oft verwechselt ward, deutet der Midrasch Tp.fin ----Tpfin, Entscheidung. S. 27, Z. 1 r v. u. muss es heissen: „und er (der Schriftvers) nennt es eine Sünde (eig. behandelt es als eine Sünde).“ S. 29, Z. 23 muss es heissen: „Es steht in eurem Gesetze: ihr sollt euch nach der Mehrheit richten.“ Das. Z. 25: „warum macht ihr euch nicht uns gleich in der Götzenverehrung?“ S. 32, Z. 20 muss es heissen: „Und wie gross ist sie (seine Nahrung)? — Ein Stückchen. R. Meir sagt: ein Stücken von zwei Handbreiten gross.“ Das. Z. 18 v. u.: Das Wortspiel ist in UHtt'': „wer will ihn auf den geraden V r eg weisen? und sagen, du hast nicht gethan nach der geraden Linie (des Rechtes)? Das. Z. 8 v. u. muss es heissen: „Die Heiden, wenn sie im Wohlstand sitzen, essen und trinken u. s. w.“ S. 33, Z. 23 muss es heissen: „David hat ja nur zur Harfe gespielt.“ S. 34, Z. 3: „Als Gott sein Antlitz vor ihnen verbarg, wer durfte zu ihm sagen: Du hast nicht nach der geraden Linie (des Rechtes) gehandelt? Und wodurch verbarg er sein Antlitz vor ihnen? Er liess den San- herib über sie kommen.“ Das. Z. 15 v. u.: Nicht: „sein Mitleid wurde erregt,“ sondern: „sein Angesicht ward gelb.“ Das. Z. 2 v. u.: Wörtlich: „Zu meinem Wohle hat meine Kuh das. Bein gebrochen.“ S. 35, Z. 15. 16 muss es heissen: „Wenn Alle ihre milden Gaben gegeben hatten, gab er so viel, als Alle zusammen.“ Das. Z. 11 v. u.: „Er war Hoherpriester:“ — er war Vorgesetzter (näml. Schebna). Das. Z. 3 v. u. muss es heissen: „er war von jenem (Orte, Stadt) Sichnin. S. 37 muss es heissen: „lass sie nur, sie essen ja das Ihrige, das ihnen Gebührende (da er sie beraubt hatte).“ Das. Z. 11 v. u.: „Die Völker der Welt haben keine Stützen.“ Noten zu Midrasch AVajilcra rabba. 271 S. 40, Z. 6 y. u. muss es heissen: „Dass Alles nur von den Hehlern komme.“ S. 41, Z. 11 v. u. muss es heissen: „Der den Stock in seiner Hand gehalten, nahm ihn und sfiess ihn auf den Boden.“ Das, Z. 5 v. u. muss es heissen: „AVenn Jemand einen falschen Eid veranlasst, so geht es zuletzt an ihm aus; und ebenso, wer einen Meineid schwört, an ihm geht es aus.“ S. 42, Z. 7. 8 muss es heissen: „ihre Sünden verursachten.“ Das. Z. 13: Statt: „Sie verschuldete sich abermals“ muss es heissen: „Da verursachten ihre Sünden,“ und ebenso Z. 17. Anm.: Die Stelle ist nicht verstümmelt. S. 43, Z. 3 muss es heissen: „ihr hattet gesündigt.“ S. 44, Z. 5 v. u.; „Dessen Name angegeben ist, dessen Vaters Name aber nicht angegeben ist.“ S. 45, Z. 8 u. 9 ist beidemal „spricht“ zu streichen. Ein Vers sagt: „Jesaja, Sohn Amoz, des Propheten“ und ein andrer Vers sagt: „Jesaja, der Prophet, Sohn des Amoz.“ Das. Z. 13 muss es heissen: „Die da lispeln.“ Es ist nämlich statt: mit Jallcut II, 281 zu lesen: J'X'’Xi 2 n, s. auch Levy s. v. J'X im cliald. Wörterbuch zu den Targumim. Das. Z. 21: „Die Todten sucht man bei den Lebenden, nicht aber die Lebenden bei den Todten.“ S. 46, Parascha 7, Z. 7: „Beinahe neunhundert Jahre war bezwungen der Hass.bis zu dem Jahre, wo er in Ezechiels Zeit gegen sie wieder erweckt ward.“ Das. Z. 13 v. u. muss es heissen: „ihnen zerdrückt hat.“ S. 47, Z. 6: „Kann die Grube (Cisterne) verhasst sein, wenn das Wasser derselben erwünscht ist?“ Das. Z. 10: „und dem Aaron willst du keine Ehre erzeigen um seiner Söhne willen?“ Das. Z. 32: „unser Gott, der in Zion thront, dass deine Kinder dir dort dienen. Einige wollen es dem Schriftverse entnehmen Ps. 51, 19.“ S. 47, Z. 11 v. u.: „Am Thiere hat er das Geblendete“ (nicht: Die Felle). S. 48, Z. 19. 20: „weil sie sich Gattinnen antrauten.“ Das. Z. 11 v. u. muss es heissen: „sollen wir uns mit ihnen doch beschäftigen?“ S. 50, Z. 1: „so ist es auch damit, dass er wiederholt lehrt das Gesetz vom Ganzopfer.“ Statt nsnü ist, wie Buber zu Pesikta Rosch cliodesch Note 100 gezeigt, nana zu lesen. S. 50. Z. 13 v. u.: Statt: „im Süden,“ „in siedendem AVasser.“ Das.: „Jeden Tropfen, den Gott über das Geschlecht der Sündfluth brachte, hat er erst in der Hölle siedend gemacht.“ Das. Z. 9 v. u. muss es heissen: „wir wollen die Gastfreundschaft aus unsrer Mitte vergessen machen.“ S. 51, Z. 6 v. u. muss es heissen: „Dem Einen war das Hirn verwundet.“ S. 52, Z. 16 v. u.: Nicht: „zwei Bündel,“ sondern: „zwei Steine;“ *11AX ist hier nicht: Bündel, sondern: Stein. Das. Z. 6 v. u.: „Das Aas des Löwen.“ • S. 53, Z. 18. 19 v. u.: „AVer schuldig geworden ist, ein Opfer zu bringen.“ S. 54, Z. 5 v. u.: „Das sind die Schrift- und Mischnalehrer, welche gewissenhaft die Kinder unterrichten.“ S. 55, Z. 4 Ende: „sein Grossvater (Ner).“ S. 56, Z. 12 v. u. muss es heissen: „welcher nicht für eine Sünde ein Opfer dargebracht. Bei dem Verse, wenn er es als Dankopfer darbringt, sind R. Elieser und R. Jose b. Chanina verschiedener Meinung.“ Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 272 S. 56, Z. 3 v. u. muss es heissen: „Etwas, davon nur die Fettstücke dargebracht werden (also: Friedensopfer).“ S. 57, Z. 17 v. u. muss es heissen: „So wie man aber zu den Friedensopfern kommt, da heisst es: dies die Lehre der Friedensopfer, da steht nicht: „welche sie dem Ewigen dargebracht haben,“ sondern: „welche sie dem Ewigen darbringen sollen,“ von jetzt an und für die Zukunft.“ S. 58, Z. 4: „Den Agrestes,“ der Westnordwestwind, der vom Japygischen Vorgebirge, von der Stadt Leulca her nach Griechenland hinüber wehte. Daher heisst er auch Japyx. Der Japygische Wind oder Agrestes, der von dem weissen Vorgebirge (Leuke) her wehende. Die Lesung Agrestes des Midrasch ist die richtige, nicht, wie Levy behauptet, Argestes; denn im Griech. heisst er Agrestes. Die Controverse, ob die Noachiden nur Ganzopfer geopfert hätten, oder auch Friedensopfer, hängt mit der Controverse zusammen, ob man vor der ausdrücklichen Erlaubniss in 5 B. M. 12, 20 ff. Fleisch essen durfte, welches nicht feierlich geopfert war. Die Israeliten der zehn Stämme und die Juden bis gegen Ende des ersten Tempels waren der Meinung, man dürfe kein Fleisch essen, das nicht geopfert, sondern nur profan geschlachtet worden; sie opferten auch an jeder Opferstätte, auch wohl im Hause. Erst das Streben nach Einheit des Gottesdienstes erzeugte die Vorschrift, dass nur in dem erwählten Ort, im Jerusalemer Tempel, geopfert werden dürfe. Aber dies Streben drang erst nach der Rückkehr aus dem Exil bei den Juden vollkommen durch. Dahei musste, um den Fleischgenuss nicht, mit Ausnahme der drei Feste, zur Unmöglichkeit zu machen, die Erlaubniss gegeben werden, profan zu schlachten und das Fleisch zu essen. In der Erinnerung der alten Schule erhielt sich diese Thatsache. Daher sagten sie, dass vor der Gesetzgebung man überall opfern durfte und der Fleischgenuss verboten war, wenn das Thier nicht als Opfer geheiligt war; daher sind vor der Gesetzgebung nicht nur Ganzopfer geopfert worden, sondern auch Friedensopfer. Die neue Schule, welche die gewordenen Zustände als uralt erklärte, sagte: man durfte keine Friedensopfer anderswo als in der Stiftshütte oder im Tempel opfern; der Fleischgenuss war auch ohne Opfer erlaubt. Daher wurden vor der Gesetzgebung nur Ganzopfer, nicht Friedensopfer gebracht. Vgl. auch Bemid. r. Par. 22: „R. Ismael sagte, den Israeliten war ungeopfertes Fleisch (bisher) verboten, (nur Fleisch von geopferten Thieren durften sie essen); nun aber ward jenes ihnen erlaubt durch das vorschriftmässige Schlachten. R. Akiba sagte: Ungeopfertes Fleisch war nie verboten zu essen, man durfte sogar, wenn das Thier nicht vorschriftsmässig geschlachtet war, essen; nun aber verbot ihnen die Schrift ungeopfertes Fleisch zu essen, wenn es nicht vorschriftmässig geschlachtet war.“ Und ausführlicher im Midr. Tanchuma Achre moth. Vgl. meine Abhandlung in der ZDM. G. 1881. S. 59, Z. 1 muss es heissen: „Denn bei allen (anderen) Geboten: wenn du siehst, wenn du begegnest, wenn dir vorkommt. S. 60, Z. 17: Statt: „mag es so oder so sein,“ soll es heissen: „So und so (thue mir Gott; das biblische t)'DV nsi 'n ne»Jb ns); du darfst nicht wieder hierher kommen.“ Das. Z. 20 muss es heissen: „zürnt ihr noch immer miteinander?“ Das. Z. 22: Als R. Meir dieselben gesehen, schaute er (die Sache) mit Hilfe des heiligen Geistes und fragte. S. 61, Z. 22 ist falsch und zu streichen: „Weil bei ihnen immer das Wort min angewendet ist.“ Der Grund ist, weil es schliesst mit dem Friedensopfer. S. 62, Z. 8: „Wenn du so handelst, hast du deinen Schwur nicht erfüllt“ (eig. bist du nicht aus der Gewalt deines Eides gekommen, hast du dich deiner daraus sich ergebenden Pflicht nicht entledigt). Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 273 S. 63, Z. 20 fehlt: „weil sie gemacht hatten das (Kalb, zu dem sie gesprochen:) Das sind deine Götter, Israel.“ Das. Z. 13 v. u.: nix ist hier ein Steinchen, nicht: Bündel. S. 65, Z. 17: „wie einer, der den Allwissenden täuschen will.“ Das. Z. 19: „wie einer, der seinen Schöpfer täuscht und betrügt.“ Das. Z. 24 muss es heissen: „Was können wir thun in deiner Rechtsache?“ Das. Z. 29: Das Beweisende ist der zweite Vers dieses Psalms: „Gut ist es, dem Ewigen zu bekennen.“ Das. Z. 3 v. u.: „berühmt zu werden“ —: „hervorragende Geschlechter zu erzeugen.“ S. 66, Z. 11 v. u.: „unter Vernichtung ist in der Schrift Hinraffen der Kinder verstanden;“ statt: es giebt keine Vernichtung, als u. s. w. S. 69,. Z. 10 v. u.: „(Wie ist das möglich?)“ ist zu streichen. „R. Samuel bar Ibo sagte im Namen des R. Acha: Zwischen jedem Einzelnen war noch ein Raum von vier Ellen nach jeder Seite.“ S. 70, Z. 8 v. u. muss es heissen: „verbrennt man.“ Das. Z. 3 v. u.: „Und jene sieben Jahre sind das Hochzeitsmahl der Frommen in der Zukunft und das Zeichen ist: Wer die Hochzeitsfeier begeht, der geniesst auch das Gaslmalil.“ In der Note ist Schebuot in Schebiit zu corrigiren. S. 72, Z. 8: „(es sollte eigentlich heissen:)“ ist zu streichen. Denn es ist eine Thatsache berichtet. Wenn man es erklären will, müsste man sagen: „es hiess ursprünglich: Und der Ewige blieb noch vor Abraham stehen.“ Das. Z. 15 v. u.: „Da sagte Gott zu ihm: Für den Augenblick ist dies mein Name: ich werde sein, der ich sein werde. Wann erhielt er Gewissheit über seine Angelegenheiten?“ S. 73, Z. 3 muss es heissen: „Das ist uns klar.“ Das. Z. 18: „An den ersten sieben Tagen (nicht: Weihetagen) des Adar.“ Das. Z. 31: Nicht: „Esau führte Krieg,“ sondern: „Sie führten Krieg“ (1 B. M. 14, 2). Das. Z. 33 u. 39: besser: „griffen ihn feindlich an.“ S. 75 letzte Zeile muss es heissen: „kann es Noth bedeuten oder Freude. Bedeutet es Noth, so bedeutet es eine Noth ohne Gleichen; bedeutet es Freude, so bedeutet es eine Freude ohne Gleichen.“ S. 76, Z. 3. 4: „Wo steht: und es war ('ri'il, da bedeutet es keine Freude; wo steht: und es wird sein (fi'm), da bedeutet es keine Noth.“ Das. Z. 12 v. u. muss es heissen: „weil an dem nämlichen Tage (Di'3 la), da das Gebäude des Tempels errichtet worden, es (das Versammlungszelt) verborgen ward.“ S. 78, Z. 5: „Sassen sie denn in einer Tenne? Nein, sondern nach dem, was wir gelernt haben: Das Sanhedrin bildete einen Halbkreis.“ Das Z. 12 ff.: Die Stelle ist nach Midr. Schochar tob Ps. 48 zu berichtigen: pxsa 1*7 )'niö pi pan na"m o’pnx 1 ? nSin m tt* j?S n"an vnn> „einst wird Gott den Rechtschaffenen einen Reigentanz bereiten, Gott selbst tanzt im Reigen mit ihnen, und sie weisen auf ihn mit dem Finger.“ Aus nSin mtanS ist corrumpirt worden nSui CXI ITl’nS. Das Wort tt'Nl hat gar keine Berechtigung. durch den Vers. Aus pan Sn aa"m ist corrumpirt worden laSiP 1 l'Sn 7 ’Sin* Daher wissen 3"a und B"’ den Midrasch dieser corrumpirten Lesart gar nicht zu erklären. Das. Z. 7 v. u.: Statt: „weil er wirklich roth macht,“ muss es heissen: „er macht ihn erröthen, beschämt ihn.“ S. 79, Z. S muss es heissen: „Sie gaben ihm zu trinken.“ Wünsche, Midrasch Wajikra. 18 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 274 S. 79, Z. 8 muss es heissen: „sie hörten, dass kaiserliche Curiere (Angarii) in der Stadt seien“ (welche nämlich Nachrichten aus fernen Provinzen oder Feindes Land zu bringen hatten; es sind die Angarii oder Curiosi gemeint). Das. Z. 14 v. u.: „Wenn er fünf Xestes (Sextarien) Wein getrunken, sagt man zu ihm: Du hast zehn Sextarien getrunken. Das. Z. 3 v. u. muss es heissen: „umsonst, für Nichts.“ S. 80, Z. 15: „Nachdem er gehört, wo guter Wein ist, läuft er ihm nach.“ S. 81, Z. 11: „es wurde aber ihm erst bekannt. S. 82, Z. 4: „Von der Rebe kann die Mutter (der Stamm) nicht für sich bestehen, und du willst bei ihm bestehen?“ Wir müssen nach Jalkut II, § 960 lesen: n '3 D’Xp nS n'B'.N tosu tnn. Das. Z. 12 muss es heissen: „dir aber willst du kein Mass setzen?“ So liest Jalkut II, § 960 O’Dip'D )nu Ji’ft "|Sl (statt wie hier: 'J't<), Aruch hat pro nnx |’N. Das allein passt auch in den Zusammenhang. Das. Z. 2 v. u.: „nämlich einer zur Freude über den Tempelbau, und einer zur Freude über die Tochter Pharaos.“ Das. Z. 9 v. u. muss es heissen: „Das ist es, was wir gelesen haben (Edu- joth 6, I: R. Juda ben Baba hat fünf Dinge bezeugt, dass ....), und dass das tägliche Morgenopfer (einmal) um die vierte Tagesstunde dargebracht worden (nämlich in Salomo’s Zeit). Da ging seine Mutter hinein. S. 83, Z. 7 muss es heissen: „und schlug ihn.“ S. 84 ist: „Obschon sie dem Tode anheimgefallen waren,“ ist zu streichen und die Klammer zu entfernen. Es sind die zwei am Leben gebliebenen Söhne Aarons gemeint, die nahe dem Tode waren, die ebenso hätten sterben sollen, wenn nicht Mose für sie gebetet hätte. Das. Z. 11 v. u. muss es heissen: „die übrig gebliebenen (Söhne Aarons) also.“ Es ist das zu erklärende Schlagwort. Das. Z. 3. 2 v. u. muss es heissen: „und heute soll ich Opferfleisch essen?“ Es ist eine Frage. S. 85, Z. 16 v. u.: „welcher herausging in die Scheune“ (nicht: aus der Scheune). S. 86, Z. 12 v. u.: „Das Leben von den) Zerrissenen,“ soll heissen: „Das, was von seinem Schaden leben bleibt (innerhalb 12 Monate), dürft ihr essen, was aber (12 Monate davon leben bleibt) dürft ihr nicht essen.“ S. 87, Z. 3: „haben die Reiche in ihrem Verfahren geschaut.“ Das. Z. 19 v. u. muss es heissen: „scharf und schnell.“ Das. Z. 15 v. u.: „weil sie durch Israel reich geworden.“ nilB’J.Tia l'iltt' ist mit Ber. r. Par. 16 und Jalkut das. zu lesen. S. 88, Z. 4; „weil es 171 Statthalter und 127 Feldherren aufgestellt hat.“ Das. Z. 6 v. u.: „Jener Löwe wurde ganz bestraft, aber sein Herz ward nicht bestraft. R. S. b. Nachm, sagte: auch sein Herz ward bestraft.“ Das. letzte Zeile: „gleicht einem Bären (anS),“ geschrieben ist: 21 einem Wolfe, worunter Medien gemeint ist. S. 90, Z. 6: „seinen Senatoren.“ Das. Z. 11 muss es heissen: „hat jener Frevler in einem einzigen Vers zusammengefasst.“ Das. Z. 8 v. u.: „fragten ihn die Sektirer“ ('X 3 'D), nämlich die Samaritaner. S. 96, Z. 19 v. u. muss es heissen: „Der Mutterschoss (nx) des Weibes ist voll stehenden Blutes, und davon fliesst aus nach dem Quell ihres Menstruums.“ Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 2 75 S. 96, Z. 3. 2 v. u. muss es heissen: „Kein Bader barbiert sich selbst,“ S. 97, Z. 4, 5: „würde es beim Austritt (an’s Licht der Welt) ihren Leib zerspalten.“ S. 98, Z. 14 muss es heissen: „und der folgende Vers.“ „Er bestimmte d'as Wasser nach dem Masse (Hiob 28, 25), das heisst nach R. Judan bar Samuel: selbst die Worte der Thora (des lebendigen Wassers), die von oben gegeben wurden u. s. w.“ S. 100, Z. 21. 22: „R. Abin wandte darauf an den Vers: „Die Eltern haben Heerlinge gegessen u. s. w.“ S. 101, Z. 9 v. u.: „Alle Ausschläge darf der Mensch besichtigen, nur seine eigenen nicht, nach R. Meir auch nicht die seiner Verwandten .... Meinst du, etwa Moses? Ein Fremder (d. h. ein Nichtpriester) darf doch die Ausschläge nicht besichtigen, oder etwa Aaron? Aber der Verwandte darf doch die Ausschläge nicht besichtigen.“ S. 104, Z. 3. 4: „Mägde, welche dienstbar sind.“ Das. Z. 15 ist die Erklärung, die Sachs, Beiträge I, S. 25 giebt: „Sirenen“ passender; „unreine Sirenen.“ ’ Von Schleppen ist ja hier keine Rede. S. 107, Z. 21 v. u.: „Simon, sein (des R. Gamaliels) Sohn sagte.“ S. 108, Z. 13 u. 15. 18. 21: „missgünstiges Auge.“ Es ist der böse Blick gemeint, welchem man im Alterthum im Orient, wie bei Griechen und Römern, zauberhaft schädliche, selbst tödtliche Kraft zuschrieb. Das. Z. 18 v. u. muss es heissen: „Ja-, dafür bete für mich.“ Das. Z. 8 v. u.: „so ist es auch nicht möglich, dass der Aussatz wieder kommt.“ S. 110, Z. 20 ff. v. u.: „Selbst mit denen, von denen Ezech. 34, 31 spricht: „Ihr aber, meine Heerde, die Heerde meiner Weide, ihr seid Menschen,“ selbst mit denen werden sie nicht geschlagen“ d. i. sie bleiben frei von den Leiden des gesammten Israels, sondern ihre Strafe folgt im ewigen Leben, darum warnt Mose Israel.“ Das. Z. 15 v. u. ist die Stelle Hiob 20, 28 so zu übersetzen: „Es wird offenkundig der Ertrag seines Hauses hingeschleppt am Tage seines Zornes“ d. h. man schleppt es weg und führt es hinaus; wann? . . . .“ S. III, Z. 21 ff.: „Und es sprach Gechasi, der Diener Elischa’s, des Mannes Gottes: siehe, mein Herr hat sich zurückgehalten, von diesem Ara- mäer Naeman anzunehmen, was er gebracht hat; so wahr Gott lebt, ich eile ihm nach, und nehme von ihm Etwas (!K3l(2).“ „Was heisst naiB ? Von dem Leibesfehler (ttaia ja), der an ihm ist.“ Siehe auch Midr. Tanch. P. Mezora: npS lata ’NTO naia lfl.sa 'nnp'n, und siehe Bemidb. r. Par. 7: „Ich nehme von ihm Etwas, gewiss, dessen Leibesfehler hat er sich zugezogen (genommen).“ S. 112, Z. 1: „wich vom Zelte, und siehe, Mirjam war aussätzig wie Schnee.“ Hier, wie im oben citirten Verse, ist das Ende des Verses das Beweisende; man muss also das Ende des Schriftverses hinzuschreiben. Was eingeklammert ist, ist auszustreichen. Das. Z. 18 ist ausgelassen: „R. Judan sagte: überall, wo das Wort „(p-|) nur“ steht, bedeutet es eine Einschränkung: auch er war zerbrochen und zerschlagen.“ Die Note ist unrichtig und zu streichen. Das. Z. 2 v. u.: Statt: „und wenn das nicht hilft“ muss es heissen: „stellen sich zuerst in seinem Hause ein; kehrte er zurück von seinem Fehl, so musste man die Steine herausnehmen, wo nicht, musste das Haus eingerissen werden.“ S. 113, Z. i: „seine Kleider; kehrte er zurück von seinem Fehl, so mussten sie nur gewaschen werden; kehrte er nicht zurück davon, so mussten sie verbrannt werden.“ 18* 2^6 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. S. 113, Z. 3: „und wenn (er) nicht (in sich geht), so muss er abgesondert wohnen.“ Das. Z. 16: „Elieser, sagt R. Dosa, war der Kenaan.“ Das. Z. 2 v. u.: Nicht: „in seinem Lande,“ sondern: imso „wie sein (früheres) Land.“ S. 114, Z. 30: „Wer daran glaubt, wird es nicht beschleunigen wollen.“ S. 113, Z. 19 u. 21: Statt: „(Der Mensch)“ deutlicher: „(Der Greis).“ Das. Z. 5 v. u. muss es heissen: „Grenzen zu bezeichnen.“ S. 116, Z. 15: „Da er aber alt geworden, blieb er zu Hause, da er nicht hinauf gehen konnte.“ S. 117, Z. 10: „In den ersten drei Tagen bleibt die Gewalt des Schmerzes (der Trauer),“ (und daher nimmt in den ersten drei Tagen der Trauernde- keinen Trost an). Das. Z. 24: Nicht: „sowie der Staub . . .,“ sondern: „wenn der Staub zur Erde zurückkehrt, wie er gewesen ist, (nämlich rein von Sünden); s. M. K., wenn aber nicht (er sündenfrei zurückkehrt), so schleudert er die Seele der Feinde mit dem Wurfgefässe fort.“ Das. Z. 9 v. u. muss es heissen: „so werfe ich sie dir vor dein Angesicht.“ S. 118, Z. 4 v. u.: „Seine Gefangnen löste er nicht, um sie in die Heimath zu entlassen.“ Das. Z. 3 v. u.: „kamen sie wieder zu Evil-Merodach, um ihn zum König einzusetzen, dieser sagte aber.“ S. 119, Z. 1: „und jetzt wird er mich umbringen (wenn sich wieder Leben in ihm zeigt); und er traute ihnen nicht.“ Das. Z. 19 v. u.: Nicht: „findet er dasselbe leer,“ sondern: „findet er, dass es grün geworden.“ S. 120 muss es heissen: „und schwächenden Schmerzes. R. Jochanan sagt: ihr habt eine gewaltige und schwächende Plage gebracht.“ Das. Z. 24: „weil sie hinter ihren Grossen Spott trieben.“ S. 122, Z. 3 deutlicher: „die Raben vorbereitet, bestimmt.“ Das. Z. 7: „zur Erhaltung. Woher lässt sich das beweisen? Aus den Worten“ ist falsch, es muss heissen: „Woher soll aber denn die Nahrung kommen? — (Antw.) „Wer bereitet dem Raben seinen Fang?“ Ebenso gelangt der Mensch nicht zur Kenntniss der Thora, wenn er nicht gegen sich, seine Kinder und sein Haus hart ist wie ein Rabe.“ Das. Z. 19 ff. muss es heissen: „Das Lernen der Thora soll nur bei Nacht stattfinden“ .... „Resch Lakisch aber sagte: sowohl bei Tag, wie bei Nacht.“ S. 123, Z. 2: Statt: „Der Kluge aber, was thut er? Er schiebt das Lernen nicht hinaus, sondern er spricht“ muss es heissen: „Was spricht aber der Kluge? Hat es dieser nicht auch von einem Anderen gelernt?“ Das. Z. 9: „Bekomme ich nicht meinen Lohn für jedes einzelne Fass (das ich hineinfülle) bezahlt?“ S. 125, Z. 9 muss es heissen: „Dadurch, dass die Israeliten sich demüthigten, nicht in Zwietracht zu lagern.“ Ebenso vorher Z. 5: „sich träge erwiesen, sodass sie nicht in Zwietracht lagerten.“ Das. Z. 21 : „Von Bruchstücken erhält man Pflöcke, kann man Pflöcke machen; von Splittern erhält man keine Pflöcke, kann man keine Pflöcke machen, die Bruchstücken sind nicht wie die Splitter.“ Das. Z. 24 muss es heissen: „bekommt der Kopf rheumatisches Leiden“ (oip’uaito, ysvfiaTixoi;). Das. Z. 3 v. u.: „Ich habe bei jedem Fass mich untersucht.“ Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 277 S. 125, Z. 2 v. u.: „Mögest du beruhigt sein, wie du mich beruhigt hast.“ S. 126, Z. 21. R. Hoschaja erklärt 27 'IHmS: „Den zerschlagenen Herzen“, und beruft sich auf diese Bedeutung von "ins auf Nachum 2 , 6, wo er nntiin nrm’ übersetzt; sie erstürmen seine Mauer.“ Und wirklich übersetzt Jonathan die Stelle Jes. 35, 3: jimSa imrctS W 3 X: „sprechet zu denen, die geschlagenen Herzens sind;“ und ebenso Nachum 2, 6 übersetzt: nnain rna' mit xnu' pt:*22’ pnv. S. 127, Z. 16: „Ist die Zeit gekommen, dass dies Haus zerstört werden soll?“ Z. 20 ff. muss es heissen: „Ist dies das rechte Verfahren? Verstösst man eine Seele wegen einer anderen? ihr verstösst mein Leben, um eures zu erhalten?“ Z. 24: „Dein Ahnherr hat ja geradeso an Scheba ben Bichri gehandelt?“ Z. 12 ff. v. u. ist zu übersetzen: „und setzte sich zu ihm in die öffentlichen Spaziergänge.“ eiö'tib oder vielmehr D’OnYiB ist naQaÖQO/XLt;, dasselbe, was Xystos. S. 128, Z. 18: „Das Junge eines bösen Hundes ziehe nicht auf, selbst wenn es gutartig wäre, um wie viel weniger, wenn es ebenfalls bösartig ist.“ Z. 23: „Ist die Zeit gekommen, dass dieses Haus zerstört werden soll?“ Z. 8 v. u.: „Er nahm ihn und setzte ihn in’s Gefängniss“ (den Jechonia). Z. 2 v. u.: „"Wie der Knochen des Hirnschädels.“ S. 129, Z. 15 ff. muss es heissen: „Wie liess man sie (die Gattin Jechonia’s) hinab zu ihm?“ Nach R. Schabthai liess man sie durch ein Gitter zu ihm hinabkommen. Z. 21: „sie ging sogleich hinweg, zählte (sieben reine Tage), bis sie rein ward und tauchte unter.“ Z. 26: „Darum ist euch gedacht worden jenes Blut am Sinai.“ S. 130, Z. 11: „Wie den Unreinen, das sind die Kundschafter. Jene (Mose und Aaron) sprachen zum Lobe des Landes Israel. Diese (die Kundschafter) sprachen nachtheilig über dasselbe, und Jene (Mose und Aaron) gelangten nicht in das Land, wie diese ebenfalls.“ S. 132, Z. 6: „Wehe über den Sohn der Unglücklichen. Kn'l“n ma Sl’ ist nach Pesikta Achre moth zu berichtigen in nroiSjn ma. S. 133, Z. 18. Nicht: „Die Rabbinen von Cäsarea beteten für“, sondern: „Die Rabbinen in Cäsarea sagten: er (der Hohepriester) betete am Versöhnungstage für unsre Brüder in Cäsarea, das sie nicht stolze Herrschaft über einander ausüben sollten (sich nicht den römischen Statthaltern in Cäsarea preisgeben sollten als römische Beamte, um das Volk zu drücken): die Rabbinen von Daroma (Südjudäa) sagen, er habe für die Bewohner von Saron gebetet, das nicht ihre Häuser ihnen zu Gräbern würden.“ Das ward veranlasst, wie Grätz, jüd. Geschichte III, S. 541 bemerkt, durch das von Josephus erzählte Erdbeben, welches im J.31 v. Chr. die Saronebene heimgesucht hatte. S. 134, Z. 13 v. u. ist zu übersetzen: „er lebt diese Woche nicht zu Ende (nac , wie nS’Cn mr.ac >au'); und wirklich lebte er seine Woche nicht aus.“ In Jerusch. Schebiit VI, I und Gittin I, 2 steht mats' nV, und so ist auch hier zu lesen, statt tnac' nsa xbl. In Erubin 63 a steht lny", er lebte sein Jahr nicht aus; so auch Tanchuma und Pesikta. Das ist auch wahrscheinlich die ursprüngliche Lesart. S. 136, Z. 18: „Viele Füllen sind gestorben und ihre Felle sind als Saumsättel auf ihren Müttern ausgebreitet worden.“ Z. 20 ff.: „Daraus scliliesst R. Pinchas, dass sie (schon damals) verdient hätten, dass Hand an sie gelegt würde.“ Siehe Targ. Jeruschalmi zu 2. B. M. 24, 11, und wie weiter unten ] ist zu streichen. Siehe Buber zu Pesikta Achre moth. Z. 25 ist zu übersetzen: „seinen Zaum lass nicht heraus, d. h. lasse den Zaum nicht los.“ BET wird hier genommen im Sinne von Zaum; seine Zäume mögen sich erheben, stark sein, binde ihn.“ Es ist nach Midr. Schemuel zu berichtigen. Siehe Buber a. a. O. Z. 6 v. u. ist zu übersetzen: „auf dies vertraue ich.“ R. Levi sagte auf den Abschiedsegen, den uns Mose in der Thora geschrieben: „Und dies für Juda, erhöre die Stimme.und sei ihm Hilfe vor seinen Feinden.“ Es ist, wie Buber nachgewiesen, statt BVianpa zu lesen ist jliSBpx nach Schochar tob Ps. 84 Ende und Ps. 86 “? jl'lta'BJX ’lS 1 "X min'S nxti tcxjtr oSiyn p ibsj nw nyca rrnn'S nc» )fi3. i^ixrigiov ist, wie es auch der Midrasch erklärt, der Abschiedsegen. Die Worte U'jptS c~b •' 12 X 1 sind mit Buber zu streichen, da es in den angeführten Stellen nicht steht, und hier den Sinn stört. Dieselbe Berichtigung auf S. 140, Z. 13 ff.: „auf dies vertraue ich, d. i. sagt R. Levy, auf den Abschiedsgruss, den uns Mose geschrieben.“ S. 140, Z. 11 v. u. ff.: Gegen stolze Augen (übe das Gebot): sie seien zum Stirnband zwischen deinen Augen; gegen lügnerische Zunge (übe das Gebot): lehret sie eure Kinder; gegen Hände, die Blut vergiessen — binde sie zum Zeichen an deine Hand; gegen die Sünde: ein Herz, das frevelhafte Pläne ersinnt, übe das Gebot: diese Worte sollen auf deinem Herzen sein; gegen die Sünde der Füsse, die zum Bösen eilen, eile zum Gebot der Beschneidung, die zwischen den Knieen vollzogen wird u. s. w. S. 141, Z. 4, 5: „Der Mensch mache sich zum Steuermann, sinne nach, wie und wo er nur ein gutes Werk verrichten kann“, (dahin steure er seinen Sinn). Z. 13 v. u. nicht: „Alles hat seine Zeit, die Stunde hat eine Zeit etc.“ sondern: „zu jeder Zeit“ (das ist das zu erklärende Schlagwort). „Zeit kann bedeuten Stunde, wie hier: er komme nicht zu jeder Zeit; Zeit kann bedeuten Tag in dem Verse (Ezech. 4, 11): „Und Wasser nach dem Masse, ein Sechstel Hin sollst du trinken von Zeit zu Zeit;“ Zeit kann Jahr bedeuten, wie in 2. Sam. 11, 1: „Und es geschah bei der Wiederkehr, zur Zeit des Aufbruchs der Könige“; Zeit kann zwölf Jahre bedeuten, wie Ps. 105, 19: „bis zur Zeit da sein Wort eintral“ (M. K. denn Josef war 30 Jahre alt, als er vor Pharao stand I. B. M. 41, 46; ein Jahr war er bei Potiphar, und 17 Jahre war er, als er verkauft ward); Zeit kann 70 Jahre bedeuten, wie Dan. 9, 2 und Jerem. 17, 7; Zeit kann auch bedeuten für immer, wie in Ps. 4, 8. Nicht, wie du . meinst, sprach Gott zu Mose, bedeutet hier Zeit, Stunde, auch nicht Tag und nicht Jahr und nicht zwölf und nicht siebzig Jahre, und nicht immer, sondern er darf jede Stunde eintreten, wenn er will, nur wenn er hineingeht, soll er nach dieser Ordnung hineingehen. Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 279 S. 142, Z. 7 v. u.: „Das ist der erste Tempel, weil da die Priester gewissenhaft ihres Amtes walteten, walteten in demselben achtzehn Hohepriester, und zwar immer . . . Z. 3, 4 v. u. ist zu setzen: Hieraus ist nun bewiesen, dass es um des Verdienstes der Väter Willen geschah. Woher ist zu ersehen, dass es auch wegen der Tugenden der Mütter war? S. 144, Z. 1 muss übersetzt werden: „Wie der Gottesdienst (r.fi'l!') im Himmel verrichtet wird, ebenso wird er hienieden verrichtet. Vom himmlischen Gottesdienst heisst es . . . Z. 14: „ging ein Greis, weiss gekleidet mit weissem Obermantel. Z. 14 v. u. muss es heissen: -„gehören zum Bestände der Welt, wie der Keuschbaum . . . .“ Die Lesung lrv'i“ ist unrichtig und muss nach Midrasch ICohelet zu C. 5, 8 berichtigt werden in 1min. Ebenso ist xa'E, welches „Moos“ bedeutet nach jener Stelle in SO'E' zu berichtigen; in Schabbat IX, 1 wird tl’bS erklärt mit ssntn Nb't: - , dem wolligen Baste der Ceder; trab oder E\jS ist nach Levy s. v. Xvyoq und dieses ist Vitex agnus castus bei Linnö. Der Keuschbaum Plinius 24, 38 ward zum Flechten und Binden gebraucht. Z. 13 v. u. ist zu übersetzen mit Levy s. v. s’J’J: „Bast, um Seile daraus zu drehen.“ S. 145 p'M heisst nicht: alt, sondern: witzig, scharfsinnig, s. Levy, welcher es von siihxoq ableitet; es ist aber wohl ein Druckfehler für sv&ixioq. S. 147, Z. 2 ist zu übersetzen: „und es wog die eine so viel wie die andre“, (bpn = Spti 1 , das n ist nicht Praefixum, sondern gehört zum Stamm). S. 146, Z. 10 v.: „reiche man ihnen einen Becher Wein.“ Aruch liest hier (s. v. p'ias) Ji'lBlE ):S”E. Es muss daher ji'miE ibDH gelesen werden, und so steht auch Ber. r. Par. 10 und Midrasch Koheleth: „man mischte ihm einen Doppelbecher). An ’2); Juda, von dem es heisst: er erkannte sie und sprach: sie ist schuldlos: von mir ist es.“ S. auch Sota fol. 7 b und io b . Das. Z. 27 besser: „sondern der Zügel ist gelöst, es gibt kein Gericht und keinen Richter,“ Gott kümmert sich nicht, ob der Mensch gut oder schlecht handelt. 284 Noten zu Midrasch Wajikra raba. Das. Z. 7 v. u.: besser: „später aber sagten sie.“ Das. Z. 3 v. u. ist zu setzen: „von der Mühe um sich (um seine irdischen Angelegenheiten), da zieht er keinen Nutzen, aber von der Mühe um die Thora zieht er Nutzen. S. 194, Z. 22: „Wie viel Mühe und Anstrengung verwendeten die Israeliten, um das Gebot des Omer zu erfüllen.“ Das. Z. 33 ist zu setzen: „in die Graupenmühle.“ Levy liest hier n'mS D'Dna hü' (im Text: D'Dn3 Sty D'm 1 :), aber in der Mischna Menachot IO, 4, Gemara Menach. 6, 4 und so Pesikta Omer steht man; hv c’m*:. Das. Z. 34 muss es heissen: „herauszubekommen.“ S. 195, Z. 1. 2: „Wer ist es, den wir nicht eingeladen haben (wen haben wir nicht eingeladen), dass er diese Worte geschrieben?“ Das. Z. 5: „mit den Personen“ steht nicht im Text, und widerspricht auch dem Folgenden: „weil du mich nicht mit meinen Genossen geladen hattest.“ Z. 17. Das. Z. 26: „Zur Zeit, wenn die Israeliten den Willen Gottes erfüllen.“ Die Lesart ist corrumpirt, und siehe hierzu M. K. zu Midr. Kohelet Schlagwort: lSaj? ^33 DlitS ]im' nc, und Buber zu Pesikta Omer. Die wahrscheinlich richtige Lesung ist: DO’ 3'3 n' 33 tt'l JJ'C’ p.xtf pt 3 , aus welcher die Abschreiber in Waj. r. nichts zu machen wussten, und dafür willkürlich, wie Buber richtig bemerkt, setzten □ pt 3 St!‘ 13 V 3 ~i J'E'li? JBta. Es ist mit Geiger (Jüd. Zeitschr. VII, 192) anzunehmen, dass die Stelle sich auf den Streit über den Anfang der Zählung nntt'n mnoa bezieht, indem, wenn die Zadukim und Boethusim, wie die Familie Jojarib seit Alexander Jannai und die Hohepriesterfamilien, die von Herodes eingesetzt wurden, erst vom Sonntag an zählten; dann waren es meist (d. h. wenn nicht Pesach auf Sabbatli fiel) nicht volle 7 Wochen. Und wenn also nach den Pharisäern entschieden ward, dann waren es immer 7 volle Wochen bis zu Schebuoth. Es heisst also: „wann sind es sieben volle Wochen? wenn (die Priesterabtheilungen) Jesc-hua und Schechanja nicht während ' dieser Zeit fungiren“ (die sich nach den Pharisäern richteten). Das. Z. 29 ist eine Frage, ebenso Zeile 31: „du willst mir nicht meinen Wächterlohn geben?“ „Wächter (Hüter, Censor“); 1MD ist nicht Censor; sondern: avvxrjQtic, von ovvTtjtpew, bewachen. Siehe auch Buber zu Pesikta Omer. Das. ZJ29: heisst nicht: „für meine Wachsamkeit,“ sondern: „und du giebst mir nicht meinen Wächterlohn?“ Das. Z. 31: „und du lässt mich nicht von deinen Gerichten versuchen, damit ich wisse, was sie bedürfen, ob Thau ob Regen?“ Das. Z. 7 v. u. ff. muss es heissen: „wenn es (das Land) Regen bedarf, so (gieb es) reichlich; bedarf es des Thaues, dann erhebe dein Erbtheil, o Gott, und das Ermattete mögest du stärken.“ In den Stellen hier und in Koh. rabba ist nach Pesikta, Pesikta rabb. und Jalkut zu Ps. 68, 10 das Ende des Verses auch noch hinzusetzen, nämlich: jnSru D'nSf* ep:n naji3 nns nxS3i. S. 197, Z. 12 v. u.: „weil bei ihnen jenes Geschlecht leer war an Rechtschaffenen.“ S. Buber zu Pesikta Omer, Note 49. S. 198, Z. 3 ist zu setzen: „Dort (in Babylonien) sagte man: man machte daraus einen Laib für den Hund, und er versuchte es nicht einmal.“ (mm ist hier ausgelassen: NaSaS nnn il’3'13 ]'33JJ.) Das. Z. 17 v. u. ist zu setzen: „jenem Juden entgegen, der gekreuzigt werden soll. Statt 'E 3 E, welches M. K. ohne Grund mit „Beherrscher“ erklärt, ist mit Buber ( 1 . 1 , Note 63) und Levy S. 145 '>'2~ ’.sun' ]'im 'B 3 EX xa^sa 1 ? zu lesen. Noten zu Midrasch Wajikra raba. -’ 8 5 S. 198, Z. 9 v. u. muss es heissen: „er band (l~s) seinen Gurt um.“ Das.: „mischte das Badewasser“ ist zu streichen, denn n’njpi fMTS ^“1 ist nach Midr. Ester, Pesikta und Pesikta r. zu streichen. S. 199, Z. 3 muss es heissen: „derjenige, der magister palatii (Oberhofmarschall ist, der wird nun Bader.“ S. meine Note zu Midr. Ester S. 102. Alles Andere als isjBDja sind erklärende Glossen, und dann cor- rumpirt. ööfuvog Ttctvrwv ist eine Corruptel. Das. Z. 13: „Hast du es dir nicht selbst zugezogen?“ Das. Z. 15: „um zu erfüllen an euch, was in eurer Schrift (der Thora) steht.“ Das. Z. 19: „dass du mich erhöhet hast“ ist hier dem Sinne des Midrasch gemäss; so auch Raschi 'anroJP. S. 200, Z. 8: „am ersten Tage des Jahres (am Neujahr',“ dabei ist nach Pesikta Bachodesch hinzuzufügen: „war der erste Mensch erschaffen: wie so?“ Das. Z. 17 Ende: Statt: nt steht in Pesikta: nnx, „du bist ein Vorbild für deine Nachkommen.“ S. 201, Z. 5: „Wenn du geglaubt hättest und gestiegen wärest, würdest du nie mehr gesunken sein.“ Das. zur Note: Genauer: „mit Dreien ward die Verhandlung begonnen, mit Fünf discutirt, und der Beschluss gefasst mit sieben Gelehrten.“ Siehe Sanh. r, I. Aber dies galt nur bei Hat? 1137 . Das. letzte Zeile und S. 202, Z. 4 ist zu setzen: „seinen Senat,“ axyxXrjxov (Accus, v. ovyxXijxog), avyxllzyjq ist aber „Tischgenosse“ (v. avyxltvw), passt also hier nicht. S. 203, Z. 1: „Am Neumond, an der Erneuerung,“ das bedeutet: erneuert eure Werke; mit dem Schophar (lEtt', schön sein) bedeutet: schmücket machet schön eure Werke.“ Das. Z. 2 v. u.: „Der und der soll Jene oder Diese heiraten; aber ein Nichts sind die Menschen.“ Das. letzte Zeile: „Diese oder Jene soll Jenen heiraten; aber dei Täuschung sind die Kinder des Mannes unterworfen.“ Statt Nti’ia muss es entsprechend dem xtt'an heissen: So auch Pesikta. S. 204, Z. 10: „du erlässest, übergehest und sühnest die Verschuldungen deines Volkes.“ S. 204, Z. 12 ff.: Hier sind in Wajikra r. zwei verschiedene Sätze unter einandergeworfen, worauf Buber aufmerksam gemacht. Es muss heissen: „Im siebenten (’ 7 ' 3 ti'“) Monat, d. h. im Monate, in welchem sieben besondere Gebote zu erfüllen sind; die des Schophar, des Versöhnungstages, der Laubhütte und der vier Pflanzen des Feststrausses. Oder es lässt sich ’Jl’aBTi enns erklären: der Monat, in welchem Alles in Ueberfluss ist, die Keltern, die Scheunen (ni33.1 hier zu lesen nach Pesikta und Jalkut statt ni212), alle Arten süsser Früchte.“ S. 205, Z. 6 v. u.: „Unter den Schemitta-Jahren ist das siebente Schemitta- Jallr bevorzugt.“ S. 206, Z. 3: „Wenn das Blasen nach Bestimmung der Thora das Sabbath- verbot verdrängt, so sollte es auch auf dem Lande (ausserhalb des Tempels) dasselbe verdrängen; wenn diese Bestimmung aber nicht von der Thora ist, so sollte es auch im Tempel das Arbeitverbot am Sabbath nicht verdrängen. Während sie da sassen und diese Schwierigkeit erörterten, ging Kahana vorüber.“ (Nicht: ein Priester, sondern toro ist hier Eigenname, Rab Kahana). Das. Z. 19. 20: „R. Simeon b. Jochai sagte: Die Schrift sagt: es soll euch ein Tag des Posaunenblasens sein, und ihr sollt ein Feueropfer darbringen. Das will sagen: an dem Orte, wo die Opfer (am Sabbath trotz der sonst verbotenen Arbeit) dargebracht werden, da soll (am Sabbath, wenn er auf Rosch Haschana fällt) euch ein Tag des Posaunenblasens sein.“ 286 Noten zu Midrasch Wajikra raba. S. 207, Z. 1: „welche nur den Lohn für ihre Zeitversäumniss nehmen.“ Das. Z. 16 v. u.: „sein Lager,“ d. i. seinen Sarg. S. 208, Z. 12. 13: Hier ist die Lesung in Pesikta vorzuziehen: „die Fülle der Freuden vor deinem Angesichte d. i. die Schrift, die Mischna, der Talmud und die Agada.“ So ist statt: „fünf Freuden“ zu übersetzen. Das. Z. 13 v. u.: „welche die Kinder mitGewissenhaftigkeit unterrichten.“ Das. Z. 3 v. u. ist zu setzen: „den Palmzweig“ ( ßa'Cov ). Siehe Aruch s. v. Buber und Levy s. v. j"N2. S. 20g, Z. 3 v. u. ff.: Siehe meine Note zu Debarim r. (S. 125). S. 210, Z. 6: „R. Jizchak legte den Vers auf die jetzigen Geschlechter aus.“ Das. Z. II muss es heissen: „daraus geht hervor“ (|io:;). Das. Z. 23: „das sind die gegenwärtigen Geschlechter.“ Das. Z. 7 v. u.: „Denn er kommt, am Neujahrs- und Versöhnungstag.“ S. 211, Z. 2: „einer (zum Götzendienst) verleiteten Stadt.“ Das. Z. 7: „an diesem Tage,“ am Hoschanafeste. S. 211, Z. 17: „Mehrere Tage darauf,“ besser: „nach einiger Zeit.“ ’pS’S und < pvXaxt'j heisst auch Gefängniss; und ist hier „Gefängniss“ zu übersetzen. S. 212, Z. 24: „Als er innerhalb zehn Meilen von der Stadt war, gingen ihm.“ Das. Z. 18. II und 5 v. u. überall: „wollen wir eine neue Rechnung anfangen.“ S. 213, Z. 7. 8: Nämlich er vergleicht Yin mit vSuiq. Das. Z. 9: „R. Tarphon sagte: msb (m 33 ) bedeutet: gebunden; wenn seine Blätter des Palmzweiges (Lulabs) auseinandergehen, muss man ihn zusammenbinden.“ Das. Z, 13: „und Bachweiden: daraus sehen wir nur, dass es Weiden vom Bache sein sollen; woher weiss man, dass auch Weiden der Ebene und der Berge gebraucht werden dürfen? Weil steht: „und Weiden.“ Auffallender Weise haben aus Nachlässigkeit der Abschreiber sowol Pesikta, wie Wajikra r. und Jalkut, Gemara babli in Succa und Sifra S"i: ’tnvi V'n. Nur in Jeruschalmi Succa III, 3 steht richtig: taijji V'n (ohne tu), und Raschi zu Babli Succa 33 b Ende scheint blos > 2 %'' vor sich gehabt zu haben. Es wundert mich, dass dies dem Scharfblick Bubers entgangen ist. Raschi erklärt, aus der Mehrzahl folge, dass mehrere Arten von Weiden gemeint seien; denn rpy und ’•’£ sind in der Einzahl, und auch nD3 wird, weil defectiv, als Einzahl gedeutet. Gemara babli hat t 3 "S 3 Sn: ’ 31 J ?1 S"n. Das f:"u folgt nur aus ’33>, also ist Sn: hier in der Anführung überflüssig. Abba Saul sagt: Bach weiden (der Plural bedeutet nicht, dass man auch Weiden von Thälern und Bergen nehmen darf, sondern) bedeutet: zweierlei Bachweiden, eine, um sie an den Lulab zu binden, und eine für den Tempel (um den Altar damit zu umziehen). R. Simon sagt: Frucht vom Prachtbaum — einen: Palmzweig — einen; einen Zweig vom dichtbelaubten Baume, das müssen drei sein.“ S. 214, Z. 27: „Gott sprach: sie mögen Alle zu einer einzigen Verbindung sich vereinen, und so werden sie einander sühnen“ (wenn sie einig sind). Und wenn ihr so thut, so ist das mein Ruhm und Preis (nicht: „ich rechne es euch an,“ nSiTl '3 ist Hithpael mit passiver Bedeutung). S. 215, Z. 15: „keine Glieder wichtiger, als diese, denn sie sind so wichtig als der ganze Körper.“ Das. Z. 30. 31: „Das Herz der Dattelpalme.“ Das. Z. 2 v. u.: „und nehme für euch Vergeltung an dem Ersten, d. i. an dem ruchlosen Esau.“ S. 216, Z. 20: „Du erleuchtest alle Weltbewohner, und dennoch verlangst dii (sehnst du dich nach dem) Licht von Israel.“ Das. Z. 4 v. u.: „du blickst als Vorsehung auf deiner Hände Werk.“ Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 287 S. 217, Z. ii: Nicht:'„die Häupter unter euch,“ sondern: „die Aermsten unter euch“ (0222' o’ti’in). S. 218, Z. 20 v. u. Ende muss es heissen: „es steht (nicht c'Y.2*, plene, son- ( dern) D'12.1 (defectiv, kann also auch d '“13 2 gelesen werden, und hiesse dann), Männer, weil sie sämmtlich Männer sind (die Engel), und kein Weib unter ihnen.“ Das. Z. 17 v. u.: „und brachte herab die Stärke ihrer Zuversicht.“ Das. Z. 10 v. u. ist zu setzen: „und ihre Zusicherung ist in ihr selbst enthalten.“ S. 219, Z. 8 muss es heissen: „vollkommen“ (nW’p); nachdem aber der Tempel zerstört war, hat Gott gewissermassen (wenn man es sagen könnte) seine Dienerschaft vermindert, und Gott sprach. Z. 6 v. u. muss es heissen: „hättest du es auch nicht sagen können“ (eig. hätte es kein Anderer sagen können). „Was haben denn aber die Früheren gesagt (woher das Licht komme?“) S. 220, Z. II: „Ich bin nur gekommen, um dich zu beglücken;“ mit dem Gebot, mir zu Ehren ein Licht anzuzünden, wollte ich nur dein Heil. Siehe M. K. Es ist zu lesen 'nx2 xS. Z. 3 v. u.: „Unter nix Periode, ist die Periode der Frauen gemeint.“ S. 221, Z. 10: „sondern bückten sich vor ihnen; sie sehen, wie dieselben (durch Verhnsterung) geschlagen werden. Z. 13: „Was heisst rpu (gepflückt)? »pa ist so viel als S’ap getödtet, wie aus I. B. M. 37, 33 zu ersehen: Josef ist von wilden Thieren epa getödtet worden. R. Beracliia sagte: „Noah sprach zu ihr, wenn du es (das Blatt durch das Abreissen) nicht getödtet hättest, wäre es (dieses Blatt) zu einem grossen Baume erwachsen.“ S. 222, Z. 16 ff. ist zu setzen: Wann (ist dies der Fall)? „Wenn die Niedrigkeit sich erhebt den Menschen, d. h. wenn der niedrige, in der Welt verachtete Weinberg sich erhebt.“ Z. 9 v. u. muss es heissen: „Wann“ (ist dies der Fall)? „Wenn die Niedrigkeit sich erhebt, wenn u. s. w.“ S. 223, Z. 4. Oder: „Wann“ (ist dies Fall)? „Wenn sich die Niedrigkeit erhebt. Wenn Gott die Pflanzung der Bastarde bekannt macht.“ Z. 17 v. u. muss es heissen: „hast du so sprechen dürfen? (geziemte es sich dir, so zu sprechen, auf den König Saul zu sagen: meine Feinde alle mögen beschämt werden?“) S. 224. Also: „Was sie geredet haben, ist mir so lieb, als das Anzünden der Lichter, und Bar Kapara sagte: was sie t geredet, ist mir so lieb, als das Bereiten des Räucherwerks.“ Z. 4 v. 11.: „Er kam von dem (Lernen des) vorhergehenden Bibel-Abschnittes.“ Er sprach: Da steht: du sollst feines Mehl nehmen, und es backen.“ S. 225, Z. 15 v. u. Statt: „Willst du gut thun?“ muss es heissen: „Schaffe tüchtig, arbeite tüchtig.“ Z. 7 v. u.: „Dass Niemand aufstand und für den Namen Gottes eiferte.“ Z. 5 v. u.: „Dass Niemand aufstand und über ihn den Gottesnamen ausdrücklich sprach, und ihn dadurch tödtete.“ S. 226, Z. 3: „mit (der Bedingung) der Geheimhaltung durch die Israeliten.“ Z. 18: „Darum erfolgte deine Entlassung.“ Das erste Wort ist das zu erklärende Textwort in Cant. 4, 12, und es wird erklärt mit l);niv>t2 „deine Entlassung“ aus Aegyptens Sclaverei. Also nicht: „Darum haben dich deine Gesandten geschickt.“ Z. 27 muss es heissen: „Die Einhaltung der Keuschheit genügte schon für sich, dass dadurch die Israeliten erlöst wurden.“ R. Chija b. Abba sagt: Es bedurfte zur Erlösung nicht des Verdienstes Josephs. Die Ein- 288 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. haltung der Keuschheit der Israeliten genügte schon (lSi'V;) für sich allein, dass sie dadurch (durch die Einhaltung der Keuschheit) die Erlösung verdienten. R. Pinchas im Namen des R. Chija (so ist nach Midr. Scliir. zu berichtigen) widerspricht dem R. Abba b. Kaliana (ebenfalls nach Midr. Scliir berichtigt'. Dieser sagt: Das Verdienst des Josef habe ihnen die Erlösung gebracht. Dagegen sagt R. Pinchas: Das bedurfte es nicht, es genügte schon ihre eigne Keuschheit, um ihnen die Erlösung zu verdienen. S. 227, Z. 2, 3: „Du kannst es davon ersehen, dass es so war; eine Ein-_ zige war es (unzüchtig), und diese nennt die Schrift öffentlich.“ Z. 7 statt: „weil sie ... . etwas (Schimpfliches) über ihren Sohn gebracht hat“ ist zu setzen: „weil sie ... . Verderben (Tod, eig. Pest *133) über ihren Sohn gebracht hat.“ Z. 24 muss es heissen: „Man (d. h. die Schrift) erwähnt lobend und erwähnt tadelnd.“ Die Schrift erwähnt lobend 2. B. M. 35, 30: „Sehet, Gott hat mit Namen berufen den Bezalel, Sohn Uri’s, Sohnes Churs, aus dem Stamme Juda.“ Die Schrift erwähnt tadelnd Josua 7, 1: „Und es nahm Achan, Sohn Karmi’s, Sohnes Sabdi’s, Sohnes Serachs aus dem Stamme Juda von dem Banngut.“ Die Schrift erwähnt lobend 4. B. M. 4, 15 t „Mustere die Söhne Levi’s nach ihren Familien, nach ihren Geschlechtern.“ Die Schrift erwähnt tadelnd 5 - B* hl. 25, 17- „Gedenke, was dir Amalek gethan .... der dir auf dem Wege begegnete, und alle Schwachen unter dir angriff, während du müde und matt warst.“ Die Schrift erwähnt lobend Ester 2, 5: Ein jüdischer Mann war in der Residenz Susa, und sein Name Mardachai, Sohn des Jair, Sohnes des Simei, Sohnes des Kisch, ein Benjaminite. Die Schrift erwähnt tadelnd das. 7, 6: Der feindselige, gehässige Mann ist dieser ruchlose Haman. Die Schrift erwähnt lobend das. 10, 3: Denn der Jude Mardachai war der zweite nach dem König Achaschweroscli gross bei den Juden, beliebt bei der Menge seiner Freunde, Gutes fördernd seinem Volke, und zum Heile redend für all dessen Nachkommen.“ Die Schrift erwähnt tadelnd das. 9, 24: „Denn Haman, Sohn Hamdatas, der Agagi, der Feind aller Juden, ersann den Untergang gegen die Juden.“ Die Schrift erwähnt lobend I. Sam. 17, 12: „David aber war der Sohn dieses Ephrathiten aus Bethlehem Juda, und sein Name war Isai.“ Die Schrift erwähnt tadelnd I. Kön. II, 26: Und Jerobeam, Sohn Nebats, des Ephrathiten aus Zereda, der Name seiner Mutter war Zerua, eine Wittwe, er war Knecht (Beamter) Salomos, und hob die Hand gegen den König.“ Die Schrift erwähnt lobend 1. Sam. 1, 1: „Und es war ein Mann von Ramathaim Zophim aus dem Gebirge Ephraim, und sein Name war Elkana, Sohn Jerochams, des Sohnes Elihus, des Sohnes ToChus, des Sohnes Zuphs, ein Ephrathiter.“ Die Schrift erwähnt tadelnd Richter 17, I: Und es war ein Mann vom Gebirge Ephraim, und sein Name war Michajehu.“ Die Schrift erwähnt rühmend 2. B. M. 38, 23: „Und mit ihm den Oholiab, Sohn Achisamachs, vom Stamme Dan als Künstler, Kunstweber und Buntwirker.“ Die Schrift erwähnt tadelnd 3. B. M. 24, 11: „Und der Name seiner Mutter war Salome, Tochter der Dibri vom Stamme Dan.“ Wie schon zu Schemoth r. S. 331 in meiner Note S. 388 angemerkt, ist j’n'"2 eine Corruptel aus protrc, welches Midr. Tanchuma und Midr. Schemuel hat. n' 2 S 3 kann nie heissen: man wünscht ewige Seelenruhe, und ebensowenig ppntt’E: man wünscht Zermalmung der Gebeine. Ueberhaupt ist kein Fall, wo das Piel die Bedeutung hätte von: wünschen, das etwas geschehe. Auch kann doch Resch Lakisch den Moses nicht zu seinen Zeitgenossen sagen lassen: „Seht, Gott hat den Bezalel berufen, wünscht ihm eine ewige Seelenruhe“, während Bezalel unter ihnen lebt und wirksam ist. Ebenso kann man auch bei Achan und Michajehu nicht sagen: „Die Schrift erwähne sie desshalb ausführlich, dass man ihnen Zermalmung der Gebeine Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 28 g (d. h. Verdammung nach dem Tode) wünschen soll.“ Denn Sanh. 43b sagt von Achan: „Und Josua sprach, wie hast du uns Unheil gebracht, Unheil möge dir bringen der Ewige an diesem Tage; und ganz Israel steinigte ihn.“ — „an diesem Tage widerfährt dir Unheil, nicht aber widerfährt dir Unheil in der Ewigkeit.“ Dasselbe gilt von Michajehu. Denn Sanh. 103 heisst es: Gott machte den Michajehu trotz seines Götzendienstes der künftigen Welt theilhaftig, weil er den Wanderern Nahrung gereicht. So heisst es auch in Sifra: „Der Name seiner Mutter war Salome, Tochter Dibri’s aus dem Stamme Dan (desshalb die Nennung des Namens seiner Mutter, seines Geschlechtes und seines Stammes) bedeutet einen Tadel für ihn, einen Tadel für seine Mutter, einen Tadel für sein Geschlecht, einen Tadel für seinen Stamm. Dementsprechend ist zu erklären: Und mit ihm Oholiab, Sohn Achisamachs vom Stamme Dan, ein Künstler und Kunstweber, das ist ein Lob für ihn, für seinen Vater, für sein Geschlecht und für seinen Stamm, dem er entsprossen. Dem j'natl'öl )’l 3 ia (die Schrift erwähnt lobend) entspricht: nac iS nar 'l 31 l'2sS wie dem l’pntS’öl ]’ 13 H 3 (die Schrift erwähnt tadelnd) die Worte entsprechen: vaxS ’N3J iS 'N 3 . 1 . So fasst auch Raschi unsern Midrasch und die Sifrastelle auf, wenn er zum 3. B. M. 24, 11 sagt: „Das lehrt (die Nennung des Namens seiner Mutter und seines Stammes), dass der Böse sich Unehre macht, seinem Vater und seinem Stamm. Aehnlich: Oholiab ben Achisamach vom Stamme Dan: „ein Lob für ihn, für seinen Vater, für seinen Stamm.“ Ich habe deshalb die im Midrasch (im Vertrauen, das der denkende Leser sich die entscheidenden beweisenden Worte des Verses von selbst ergänzen werde) nur mit den Anfangsworten citirten Verse vollständig hingesetzt. Denn das Missverständnis kommt und kam hauptsächlich daher, das man die citirten Verse nicht bis zum Ende las und liest, und daher den Zusammenhang verkennt. Die aber von mir deshalb vollständig übersetzten Bibelstellen zeigen, wie einfach der Zusammenhang derselben ist, mit den Worten: „Die Schrift erwähnt tadelnd oder rühmend“ und wie gezwungen (abgesehen von dem Unrichtigen) die Erklärung von und wünscht Seelenruhe, und von ppnüB „und wünscht Zermalmung der Gebeine“ sich zeigt. Auch hat der Herr Herausgeber und Uebersetzer übersehen, dass paiö nicht heissen kann: „man erinnert sich“, sondern als Hipliil: „man erwähnt“, und unter „man erwähnt“ ist gemeint: „Die heilige Schrift erwähnt“, wie man l’Sy j’SjtB „man rechnet es ihm an“ auch sagt für airan l'bv nSjJB „die Schrift rechnet es ihm an,“ oder min 12 t 3 ' iS ]’3JT)3, Gott giebt ihm reichen Lohn, oder inte 1 ? ttar, iS Gott unterstützte ihn. S. 228, Z. 7: „Da sagte R. Jacob b. Acha zu ihm: Das ist nach dem Worte, welches Rabba und Rab Huna im Namen von Rab gesagt haben.“ Das. Z. 20: „Da sprach R. Berachja: unsre Brüder, erweiset diesem Manne etwas Gutes.“ Das. Z. 23: „Um augenblicklichen Lebensunterhalt zu bitten bin ich zu dir gekommen. (>Jta, bitten.) S. 229, Z. 1 muss es heissen: „ich sah ihn (den Leuchter) von massivem Gold. |"DH3 lS’tt muss heissen: JiD’ISlSn = dlöxQVGOi ;, ganz von Gold“ ('p 3 3 ,n 1^13 ist eine erklärende Glosse zu 'tat n'fi'Bn N 3 N ist Uebersetzung ant mi3!3 F 3 ni ’Fl'N“!. Siehe u. S. 33. Auch dort ist amt 1^13 'p 3 eine Glosse. Das. Z. 18. 19 muss es heissen: „wenn ein zehntpflichtiger Laib vor ihm liegt und man verzehrt ihn, ehe er verzehntet ist, da . . . .“ Das. Z. 24 muss es heissen: „R, Chija bar Abba sagte: hat Jemand vor sich einen Korb Feigen, und er isst sie, ehe sie verzehntet sind, da ist Tod in der Gewalt der Zunge; hat er sie nach dem Verzehnten gegessen, da ist Leben in der Gewalt der Zunge.“ "Wünsche, Midrasch "VVajikra r. 19 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 290 S. 230, Z. 3 v. u. ist zu setzen: „kränkten sie ihn, (es ist Q'iaT nXJ'X gemeint) indem sie zu ihm sprachen: Du willst unsre Stammbäume aufzeichnen? Ehe du unsre Stammbäume aufzeichnest, gehe und verzeichne das Geschlecht deines Sohnes Eleasar.“ 'S. 231, Z. 4: „fing er an, sein Geschlecht rühmend hervorzuheben.“ Das. Z. 24: „selbst wenn daran und an seinen Kleidern (i'Sbbi) Zeichen sind.“ Das. Z. 30 muss stehen: „weil er sie öffentlich beschimpfte.“ Es steht nicht monty, sondern mDntf. Das Targ. Jonath. zu I Sam. 17, IO ’nsin ’JX ^xnts”' noipB nx lautet: 'yid ri' nncn x:x. Targ. Jer. zu 4 M. 25, 13 steht: xin nxuna ’ttis ia xSn 1 B’B 1 ? 'rmom und es ist da unser Midrasch wiedergegeben und auch das Zeitwort IDH als: „beschimpfen, höhnen“ gebraucht. Das. Z. 7 v. u.: Statt: „übervortheilt“ muss es heissen: „schimpft.“ ,“Oin wird hier einerseits als „schimpfen,“ dann als „Übervortheilen“ genommen. S. 232, Z. 13 muss es heissen: „Das Targum von iroi infi (I B. M. 1. 2): „Die Erde war wüste und öde“ ist X’li'.“ Siehe Targ. Onkelos, Targ. Jer. I u. II. Das. Z. 19: „und hier wollt ihr meinen Götzen für nichtig erklären?“ Das. Z. 19 v. u.: So übers. Targ. Jon. 12JJ W nx 'pe>sni mit mannxi xmijiaS n^soS. Das. Z. 10 v. u.: „und jetzt verbindet ihr euch gegen sie“ ist unrichtig. Es ist die Fortsetzung des Verses Ezecli. 16, 42: „und sie legten (n’t’BS) Ringe an ihre Hände.“ Targ. Jer. I u. II giebt D'TBä mit X'BHp wieder: „Ringe.“ Das Wortspiel des aram. Wortes mit dem hebr. cnp und nttHp benutzt R. Juda b. Simon. Das. Z. 7ff. v. u. muss es heissen: „Alcylas übersetzt es: naXcua nb(>vr\\ es ist dies aber die Uebersetzung von Symmachus nnd von Theodotion, während Aquila übersetzt: zoli xaxazQtxpai /xoixslaq; und die beigefügte aram. Uebersetzung X"|XU X'SaB xm passt auch nicht zu TtuXaiä nÖQvrj, sondern zu zov xazuxQlxpcu ßoiysiaq. Siehe Geiger nachgel. Sehr. IV, 85. Es ist also die Citirung 'JilB '^)’3 falsch. S. 233, Z. IO: „Mein Herr und König!“ Unter: „ihr werdet dort fremden Göttern dienen“ ist nicht gemeint ("UDBS), sie anzubeten. S. 234, Z. 7: „welcher eine Leiche beerdigt, wo sonst Niemand zum Bestatten da ist.“ Das. Z. 16: Siehe dagegen Nedarim fol. 39 h. Das. Z. 3 v. u.: Statt: „ich gebe es dir hiermit als Geschenk“ muss es heissen: „ich hatte es dir geschenkt.“ S. 235, Z. 1: „Dieser (d. li. der, der sich des Armen annimmt).“ Das. Z. 10: „(eig. und nimmt ihm weg das gute Werk).“ Das. Z. 17. 18: „gewissermassen wird gewöhnlich der Borgende dem Darleiher verpflichtet (dienstbar).“ Das. Z. 21: „Denn giebt er ihm etwa eine Peruta? Nein! sein Leben giebt er ihm.“ Das. Z. 23 u. 26 ist zu setzen: „ein Laib Brod.“ S. 236, Z. 3: „Ist denn diese arme Seele nicht ein Gast im Körper?“ Das. Z. 14. 17. 19. 35: Der Midrasch nimmt D'BBD nicht für: Mann der Bedrückung (~|in), sondern wie Targ. Jon. X'JBf’B X 12.1 „der Mittelmann,“ der gerade nicht arm ist, aber auch nicht zu viel hat; so auch Ger- sonides; (Aben Esra erklärt es: „Der Bedrückte“). Also: Der Arme und der Mittelmann begegnen sich. Der Arme ist, der arm an Gesetz- kenntniss ist, der Mittelmann, der eine Mischnaordnung oder zwei versteht. Der Arme kommt zum Mittelmann (zu dem Manne mit mittel- Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 2gi massigen Kenntnissen . . . Die 70 übersetzen D’22n ty’N, der Gläubiger, der Geldverleiher, äavstar^Q, Vulg. creditor. S. 237, Z. 25: Nicht: „Damit sie durch einander glücklich werden,“ sondern: „Damit sie einander beglücken.“ S. 238, Z. 6: „oder werde gross durch mich ('2 '22), beglücke dich durch mich ('2 ”|öHl ' 34 ). Das. Z. 12: „um zu arbeiten, dass du essen kannst.“ Das. Z. 23 muss es heissen: „und es verschwand nach und nach.“ (Das Vorgesetzte Essen verschwand nach und nach). Das. Z. 3 v. u.: „Allein der Anstand erfordert es, dass, wenn Jemand von der Reise kommt, man ihm mit Speise und Trank entgegen geht.“ S. 240, Z. 12: „und Gott besiegelt (drückt mit dem Siegelring seinen Namenszug unter das), was ihre Hände geschrieben haben.“ Das. Z. 15: „und es wird niedergeschrieben.“ S. 241, Z. 8: „gingen einmal hinab, sich zu baden in den Bädern von Tiberias.“ S. 242, Z. 9: „Hier ist die Aufzeichnung: er begann zu lesen und fand, dass sie sechshundert weniger sechs Denare ausgegeben hatten.“ S. 243, Z. 18 muss es heissen: „Man nimmt es genau (bei der Nachforschung), wenn es sich um Kleidung (zu geben) handelt, (nämlich ob es dringend nöthig sei, und nimmt es nicht genau, wenn es sich um den Lebensunterhalt (Nahrung) handelt.“ Die Weisen aber sagen: Auch wo es sich um Kleidung handelt, nimmt man es nicht genau (ob das Klei- dungsbedürfniss dringend sei). Siehe Baba batra fol. 9a; niDD^ )'pH 2 tYOIta 1 ? ]'p 712 j'Xl. Das. Z. 12 v. u. muss es heissen: „es achte der Meister auf uns (d. h. er beachte unseren Rath) und wir wollen nach Hause gehen.“ S. 244, Z. 7 muss es heissen: „an den Wächter.“ Siehe Jer. Chag. I, 7. Das. muss es heissen: „Nach einiger Zeit.“ Das. Z. 16 ist zu setzen: „fing er an, sie zu schlagen, und ihre Stimmen wurden weit gehört, so dass sie sich in der ganzen Stadt verächtlich machten.“ Es steht nicht 0212 , sondern Ü 2 H 'Itfi (wofür Ber. r. 17 hat (nS, soll es heissen) n'S 'HD ’WI, „er fing an, sie zu schlagen.“ Statt l'T 2 na ]in^p nnni muss nach Ber. r. 17 berichtigt werden in: pim pSp S'TNl pi2no es drangen ihre Stimmen weit, so dass sie etc.). Das. Z. 18: Nicht: „R. Jos. d. Gal. achtete genau auf ihre Stimme,“ sondern: „R. Jose d. Galiläer schaute hinaus, und sah beide auf der Strasse verächtlich gemacht.“ p'HN ist in Targ. Jer. I 15, 24 die Uebersetzung von rptt”l, und zu 5 B. M. 26, 15 übersetzt Targ. Jer. I ebenfalls ns’pti’n mit p'UN. S. 245, Z. 18: Nicht: „jenes Gebot,“ sondern: „selbst jene Verheissung, und dass du lange lebest (nämlich im Messiasreiche), wird bald hervorsprossen, wird beschleunigt werden (durch Wohlthätigkeit).“ Siehe M. K. Das. Z. 11: „Alles, warum du dich mühest, mühest du für dich (kommt dir selbst zu Gute).“ S. 246, Z. 13 muss es heissen: „(Ist Jemand), der Etwas umsonst hergiebt? Wo ist dann der Vortheil davon? Bei David, König von Israel, von welchem geschrieben ist.“ trn )(l m’l 121 EN heisst: „der Genuss von diesem, wo ist er?“ ano%jj ist hier nicht: Quittung, sondern: Vortheil, Genuss, von cme%w, etwas daran haben, gemessen, wie xagnöv, fua&öv. Das. Z. 24 muss es heissen: „Was bin ich weniger, als der da . . . .“ Siehe M. K. Das. Z. 10 v. u.: „um“ ist zu streichen. I9 ! ! 2g2 Noten zu Midrasch Wajikra rabba. S. 246, Z. 7 v. u. muss es heissen: „Gott bescheerte ihm einen Kapernstrauch, und dieser reichte um den Garten herum und umzäunte ihn, und von ihm ernährte er sich sein Lebenlang.“ Es ist nach Jer. Schabbat 15 Ende zu berichtigen nsi'J hvf toi:? statt new jS’tt. Dann ist ebenso statt lüj’l darnach zu berichtigen in ntJinS nS)?l (und er ging hinein, reichte um den Garten) piVi:n und umzäunte ihn,“ so dass der Eigenthümer ihn nicht zu umzäunen brauchte, wie er erklärt hatte: er werde ihn nie umzäunen. Das. vorletzte Zeile: Statt: „an denselben Feiertagen muss es heissen: an : , den Halbfesttagen (des Pessach und Succoth)“ Str iSn. S. 247, Z. 1: „am Sabbath für seine Bedürfnisse zu Gott zu flehen.“ Das. Z. 17. 18: „und sprach: zu der und der Wohnung gehe ich, aber meine Füsse führten mich (statt dahin) in die Synagogen und Lehrhäuser.“ iSin gehört zu dem Vorhergehenden. Das. Z. 6 v. u.: „und nicht nur das (dass sie nicht von N bis n gehen, sondern mit 1 unfangen und mit n schliessen); sie sind auch in umgekehrter Folge,“ nämlich V. 14 beginnt mit 1 und V. 46 schliesst mit n. Das. Z. 9 v. u. Note: Siehe Tanchuma zum Verse J'Bp DVlfl, wonach der Schluss von I B. M. 18, 22 ursprünglich gelautet: „und Gott stand noch vor Abraham,“ aber dies ist eine von den Aenderungen der Schreiber, vorgenommen in der Absicht, das Volk vor falschen Vorstellungen von Gott fernzuhalten. Das. Z. 5 v. u. muss es heissen: „oder unter „meinen Satzungen“ sind zu verstehen die Satzungen, durch die ich Sonne und Mond.“ S. 249, Z. 12 ist zu setzen: „Durch feindliche Schaaren unsicher gemacht.“ S. 250, Z. 6, 5 v. u.: „Denn wenn das nicht wäre, so würde der, welcher sich zur See begiebt (lDin 1 : Tll’), sofort sterben.“ S. 251, Z. 3. 4 muss es heissen: „in der gewöhnlichen Regenzeit“ (vom Marcheschwan an). Siehe Taanit 6 a : T2tn ypipn nn yailtt* 13T nj?'3T NJiltn KSli 3 N1BÖ njl’Tl heisst: Das, was den Boden befruchtet, wie Rab Jehuda gesagt: Der Regen ist der Gatte des Erdbodens. Du sagst: in der gewöhnlichen Regenzeit; oder ist es nicht vielmehr gemeint an den Vorabenden der Sabbathe? Darauf ward erwiedert: Selbst in den Jahren, wo so viel Regen käme, wie in den Jahren Elias (nach der Versammlung auf dem Karmel), wäre der Regen, wenn er an Vorabenden der Sabbathe fiele, ein Zeichen des Fluches. j Wie erfüllt sich also der Vers: „Ich werde nur Regen geben zu ihrer | Zeit“ d. i. in der gewöhnlichen Regenzeit (vom Marcheschwan an).“ Das. Z. 19: „Schelmaza;“ es ist Salomzion gemeint, die Gattin des Königs Alexander Jannai. Das. Z. 26 ff.: „Ich werde eure Regen geben zur Zeit, nicht aber die Regen aller anderen Länder zu ihrer Zeit. Wie kann aber dabei erfüllt sein (eig. wie kann ich erfüllen) das Wort (I B. M. 12, 3): „Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde gesegnet werden und durch deine Nachkommen?“ — Dadurch, dass Ueberfluss im Lande Israel ist, und Misswachs in allen anderen Ländern, wird man von allen andern Ländern kommen und Früchte von euch kaufen . . . .“ Das. Z. 36. 37. 40: „Mindestens zwei Regenzeiten nach R. Meir, und nach R. Jose mindestens drei Regenzeiten. S. 253, Z. 9 muss es heissen: „In der Vorzeit hast du die Erde gegründet | und deiner Hände Werk ist der Himmel.“ j Z. 28 ff. muss es heissen: „Wenn es nach der Meinung, die mein Vater ; (N2N) geäussert hat, richtig ist, so steht deswegen überall zuerst Himmel, j und dann Erde, und heisst es an einer einzigen Stelle desshalb: „am Tage, da der Ewige, Gott, Erde und Himmel geschaffen“, um zu lehren, ! dass keines dem anderen voranging,“ ; Noten zu Midrasch Wajikra rabba. 293 S. 254, Z. 12 muss es heissen: „Die grössere niedriger zu sein scheint, als die andere, in Israel scheint Jeder von ihnen, der sich in der Thora bemüht und den Andern in der Thora übertrifft, niedriger (bescheidener), als er.“ Z. 5 v. u.: „Wie man vom Weinstock frische und getrocknete Reben hat.“ S. 355, Z. 4 Statt: („vom sauren“) muss es heissen: („sondern ehe er noch ausgegohren“). Siehe Jalkut II, 829. S. 256, Z. 7: „D. i. Bitteres vor mir, nämlich Achas, und Bitteres nach mir, nämlich Manasse.“ Z. 11 : „Der Same der Gerechten wird gerettet. Es heisst nicht: der Same des Gerechten, sondern: der Gerechten, er war zwischen zwei Gerechten (zwischen seinem Vater Jotham und seinem Sohne Hiskia) hervorgezogen, und deshalb ward er gerettet.“ Z. 30. Statt: „Die Thiere“ muss es heissen: „Der Behemot (Nilpferd) . . .“ S. 257, Z. 11 v. u. Das Wort rjtt bedeutet nämlich auch: Zorn. Weil Jakobs Lagerstätte fehlerlos war, und er keine unwürdigen Kinder erzeugt hatte, darum ist bei ihm tjst, der Zorn Gottes nicht anwendbar. S. 260, Z. s u. 10: „zehn Obolen“ (j'oVis) S. Sachs, Beitr. I, 149. Noten und Bemerkungen von D. O. STRASCHUN. S. i, Z. 16 v. u. ist wörtlich so zu übersetzen: „War es denn ein Engel des Ewigen, war es nicht Mose?“ Das. Z. 15 v. u. ist statt „vergl.“ zu lesen: Ebenso. Das. Z. 10 v. u.: Das Weib des Manoach, wie sagt dieses? S. das. S. 2, Z. 4 v. o.: Tanchuma hat hier: DVd'Dni B'lpBlö l'lTiJlS’Nl mpBlB lint!> •ma u'm ns' ntt caisi d'Sbiu l'mvB rutm d'siibö. Das. Z. 10 v. o.: Dies ist das Bewandtniss ("Dl). Das. Z. 19 v. o. ist zu lesen: Da ist Mose gemeint. Gewöhnlich.... Auch im Text ist BtPB fit einzuschalten. Das. letzte Zeile ist auf das Wortspiel )' 3 bS, Libanon und p^>, weiss aufmerksam zu machen. S. 3, Z. 2 u. 6 ist zu „Herz“ zu bemerken, dass der Midrasch ]iä 3 b als 3^, Herz deutet. Das. Z. 20 v. o.: ebenso I Reg. 5, 4: „Denn er herrschte (mit). Das. Z. 22 v. o. zu „Verzäuner.“ Der Midrasch liest nämlich T“U 3 K so: ' 3 N TU = >2N, Vater, 313 , Zaun. Das. Z. 26 v. o.: T 3 )?ntP. Die Litterae )t"n"n"K wechseln. S. 4, Z. 16 v. u.: Die Schrift redet hier von Abraham (DIT12X3 333B). Das. Z. 12 v. u. ist auf das Wortspiel TDn, Frommer und 3 DH, Gnade aufmerksam zu machen. Das. Z. 8 v. u.: da es das. heisst .... S. 5, Z. 11 v. o. ist „13 für die Bedürfnisse Israels“ zu streichen, oder so zu übersetzen: Und derjenige, welcher 18 annimmt, zählt so: 5, welche er für sein eigenes Bedürfniss, und 13, welche er für die Bedürfnisse Israels geführt hat. Das. Z. 18 v. o. ist T 31 ! 1 falsch mit: Recht und Licht übersetzt, es sind darunter die D'Bim D'TN gemeint s. Ex. 29, 30. Das. Z. 15 v. u. ist dicht ein Druckfehler für: „dich.“ Das. letzte Zeile: des Wortes n 3 ^, gehe. S. 7, Z. 13 v. u.: Allein es ist keine .... S. 9, Z. 2 v. o.: verfügte (*ip»i), dagegen bei Mose.Er rief (Nip'1, mit Mose. S. 11, Z. 8 v. u. ist zu lesen: R. Jizchak dagegen sagte: Hat er die Israeliten nicht gegen Zahlung (n'B 13 ) genommen? Gab es nicht.? Ist dieses nicht eine Zahlung? Noten und Bemerkungen. 295 S. 12, Z. 15 v. o.: Mit dem Vers Jerem. 31, 20 beginnt nämlich der Absatz, worauf die Controverse der beiden R. Josua sich bezieht. S. 13, Z. 2 v. o.: .ertheilst, da es so Num. 28, 2 heisst: Befiehl den Kindern Israels .... Rede mit den Kindern Israels u. s. w. Gott antwortete (iS *10N): Weil sie mir angeheftet sind ('^ J'piai ptf). Das. Z. 8 v. u. ist zu lesen: an jedem Tage befahl (fragte) er seinen Hausleuten: Hat mein Sohn gegessen, hat mein Sohn getrunken? Ist er schon in die Schule gegangen ? Ist er aus der Schule gekommen ? S. 14, Z. 13 v. o. lies: So ein Mensch („von euch“ fehlt) an der Haut.... S. 17, Z. 5 v. u. ist zu bemerken: Dieses Stück ist aus Tana debe Elijahu Cap. 6 entnommen, und unter „er“ ist Elijahu gemeint. S. 18, Z. 2 v. o. ist zu lesen: ich will dann einen. S. 18, Z. 28 v. u. ist statt: „leeren Wind“ zu lesen: Wohlgefallen. Ebenso später, mm wird nämlich von- dem Chaldäischen xijfp abgeleitet. S. 19, Z. 15 v. u. ist zu lesen: ihr Wille war es. S. 22, Z. S v. u.: d. i. die Opfer (n'tnp) des Heiligthums.d. s. die Opfer der Grenze (^lafin ’BHp). S. 26, Z. 5 v. o. ist einzuschalten (linken) vor „Hand;“ unter 1.' ist nämlich in der rabbinischen Literatur die Linke zu verstehen, zumal es hier im Gegensatz von „rechte (pa')‘‘ steht. S. 29, Z. 23 v. o.: „Du sollst nach der Mehrheit entscheiden.“ S. 30, Z. 15 v. o. ist zu lesen: und eins (das 5. Mal) ist auf die Zukunft anzuwenden, s. das. V. 35. Das. Z. 19 v. o. ist zu lesen: hundertundvier, statt: hundertundzwanzig.“ Vergl. Berachot fol. 9 h. Der Redacteur des Midrasch hat 3 — zwanzig statt 7 — vier gesetzt. S. die Erläuterungen Sam. Straschun, Midraschausgabe, Wilna 1878, 3. Aufl. S. 32, Z. 20 v. o. ist so zu übersetzen: Und wie gross muss das Stück sein? (Scheiltot de Rab Achai Gaon hat ausdrücklich: nSaxa S-tin na 3 l 17 D 17 D.) Nach R. Me'ir ein Stück wie zwei Handbreiten .... S. 33, Z. 14 v. o. wäre gut vor „wie es heisst“ einzuschalten: „(Dass das Wort D'irilD, sie strecken sich, auch Vorhang, Ueberhang bedeutet) vergl. Ex. 26, 12: „Und das Ueberliangende (nipi). Das. Z. 22 v. o. ist zu bemerken, dass der Midrasch D'üllBn, sie faseln (Amos 6, 5) von aia, öffnen und (o:, Harfe (das.) von n^aj, Schändliches ableitet. S. 34, Z. 3 v. o. ist zu lesen: wer kann zu ihm sprechen (S"X ’S). Das. Ende: Zu dieser Erzählung vergl. Debarim r. Par. V. S. meine Noten Noten das., wo ich einige Varianten aus Jer. Horajot III gebracht habe. S. 36, Z. 9 v. u.: D'^tPnS ist nicht richtig „mit dir Frieden schliessen“ übersetzt, es kann schon deshalb nicht vom hebr. D'Ai?, Friede abgeleitet werden, da es mit dem Dativ -]^ steht. DlStf, Friede kommt stets mit DJ? oder nfc vor. Dieses D'StfnS ist vom syrischen aStijn abzuleiten und zu übersetzen: „dir (die Stadt) zu übergeben.“ Tr. Täanit fol. 29a hat auch nB'^BW. S. meine Uebersetzung (Max Niemeyer, Halle a. S. 1883) S. 170 u. 171, wo das Wort ausführlich erklärt und mit 24 Belegstellen nachgewiesen ist, dass es mit „Uhergeben“ übersetzt werden muss. S. 37, Z. 10 v. o. ist zu bemerken, dass der Midrasch das Wort natpxS so • liest: na - S. 38, Z. ix v. u.' ist statt: „Nein,“ zu lesen: Ja (px). S. 39, Z. 20 v. o.: „Feste“ wohl ein Druckfehler, es muss „Veste“ heissen. Das. Z. 30 v. o. ist zu „starken“ zu bemerken, dass der Midrasch Dn’X, als pl'X deutet. S. 41, Z. 11 v. u.: Jalkut hat ausdrücklich: in 313 ) 3 . Ebenso Pesikta Cap. 22. S. 46, Z. 28 v. u. ist für „Jahre“ zu lesen: Stunde. Im Text ist nach V“nn zu lesen nyt!> statt: natf. 296 Noten und Bemerkungen. S. 47, Z. 10 v. o. ist für „nur“ zu lesen: nicht. S. 50, Z. 22 v. u. ist zu „Ganzopfer zu bemerken, dass der Midrasch das "Wort nSlJin, stolz, hochmüthig deutet. S. 55, Z. 17 y. 0.: Rabbi, würdige mich der Aufmerksamkeit, bei uns zu speisen. R. Janai dachte nämlich, dass der Mann, da er so rein und schön gekleidet war, ein Gelehrter sei, und daher forderte er ihn zum Speisen auf. S. 57, Z. 18 v. u. ist zu lesen: .betreffs des Ganzopfers; das ist das Ganzopfer“ d. i. das die Kinder Noachs. Das. Z. 17 v. u.: lilNI 1131 ist eig. zu übersetzen: Und als die Friedensopfer an die Reihe kommen. S. 60, Z. 10 v. o. ist zu bemerken: beim untreuen Weibe nämlich s. Num. 5, 23. Das. Z. 17 v. o. ist der Ausdruck pi p ein Schwur, so und so mag geschehen, wenn .... S. 61, Z. 23 v. o.: Weil es heisst: Das ist die Thora für das Ganz-. und Friedensopfer.“ S. 64, Z. 10 v. o: Ebenso hier bei Aaron: Aus meinem Palaste sollst du nicht weichen d. i. „aus dem Heiligthum soll er nicht herausgehen“ (s. Lev. 21, 12); „und das Uebrige sollst du von meinem Tische essen“ d. i. „Und die Ueberreste der Speisopfer sollen Aaron und seine Söhne essen“ (s. Lev. 2, 3). Das. Z. 24 v. o. ist „unserm“ zu streichen; unter 13'31 auch '31 ist R. Juda der Fürst gemeint. S. 65, Z. 15 v. o. ist für: „Wohin ging er“ zu lesen: Woher kam er? Das. Z. 24 v. o. ist zu lesen: Was ist mit deinem Urtheile geworden? S. 66, Z. 4 v. o. ist zu bemerken, dass die Litterae t|"D"i "3 wechseln. S. 68, Z. 21 v. 0. ist zu lesen: nur der König, der auch Sohn eines Königs ist, wurde nicht gesalbt. S. 6g, Z. 12 v. u. ist für „erkenne ich“ zu lesen: sollt ihr erkennen. S. 73, Z. 7 v. o. ist hier zu ergänzen: „Als aber Aaron die Priestergewänder anzog und am achten Tage den Dienst verrichtete, da ruhte die Sche- china auf ihm, wie es Lev. 9, 24 heisst:_So nach Sifra. Das. Z. 17 v. u.: Was gab es da für eine Noth? S. V. 2: „Sie führten (wj? nicht it!?J>) Krieg.“ Das. Z. 2 v. u.: Es heisst Niii (obgleich gelesen ton wird, zu deuten): dass er den Namen .... S. 77, Z. 8—13 v. 0.: In allen Versen steht nämlich n'ill. S. 78, Ende der Parascha: Taanit am Ende hat auch dieses Stück und ich habe in meiner Uebersetzung (Max Niemeyer, Halle a. S.) S. 185, dazu Varianten aus Jer. Megilla II, Hai. 4; Schir r. zu 7, 1; Schir r. zu 1, 3: Kohelet r. zu 1, 12 und Midr. Tillim zu Ps. 48 gegeben. S. 79, Z. 1 v. o.: im Namen des R. Ami sagte: .... S. 80, Z. 17 v. u.: für „zwei“ zu lesen: beide. S. 84, Z. 4 v. u.: Heute sind meine Söhne gestorben und heute soll ich Opfer bringen? heute sind sie gestorben, heute soll ich die heiligen Opferspeisen geniessen ? S. 85, Z. 14 v. o. ist nach Jalkut zu Chabakuk 3, 6 hier so zu berichtigen: Gott mass alle Nationen und fand keine würdig, das Gesetz zu empfangen; Gott mass ferner alle Geschlechter und fand kein Geschlecht so würdig, das Gesetz zu empfangen, als das Geschlecht in der Wüste. So nach den Erläuterungen meines Grossvaters S. Straschun (Midraschausgabe, Wilna 1878). Das. Z. 22 v. o.: sah u. s. w. S. 88, Z. 4 v. o.: Bereschit r. giebt andere Zahlen an. Das. Z. 10 v. o.: wie der Scorpion sechzig auf einmal zur Welt bringt. Noten und Bemerkungen. 297 S. 88, Z. 13 v. o. ist zu lesen: Manche legen den Vers so aus: „Schrecken“ d. i. Edom vergl. Dan. 7, 7; „Finsterniss“ d. i. Griechenland .... Das. Z. 26 v. o. ist zu lesen: Der Buchstabe JJ im "Worte iJf'O, vom Walde, Ps. 80, 14, ist nach der Massora schwebend, das bedeutet: verdient ihr es, so kommt es aus dem Flusse (statt des schwebenden Buchstaben JJ wird nämlich N gesetzt und biK'a, aus dem Flusse gelesen, wenn nicht, so kommt es vom Walde (bjj'S). Das. Z. 18 v. u.: „Eines verschieden von dem Andern“ (Dan. 7, 3). Lies nicht )’ 3 t!>, verschieden, sondern j'jo, gehasst. Daraus geht hervor_ S. 93, Z. 4 v. 0.: das will Hi. 36, 3 sagen:’.... S. 95, Z. 13 v. o. ist für „Lakiscli“ zu lesen: Levi. S. 96, Z. 3 v. u. ist zu lesen: Kein Rasirer rasirt sich selbst (ISO, Rasirer). S. 97, Z. 17 f. v. u.: besser ist das Stück in Berescliit r. Par. 24, Bibi. Rabb. S. in, Z. 6 f. v. o. wiedergegeben, siehe das. und die Noten des Dr. Fürst das. Das Stück muss hier so lauten: Jener Wind zur Zeit Hiobs war derselbe, wie der zur Zeit Jonas und der zur Zeit Elias, nur während der Wind zur Zeit Hiobs sich nur auf sein Haus, und der zur Zeit Jonas, sich nur auf das Schiff beschränkte (nn'H ntfjfan nniN lH'Stt bü? nfiW ist zu streichen), verbreitete sich der Wind zur Zeit Elijahus auf die ganze Welt. (Jeruschalmi Berachot IX hat sogar: oSiyn bs 3 'inr 6 ). R. Tanchuma bar R. Chija, nach manchen im Namen der Rabbinen sagte: Der König Messias kommt nicht eher, als bis alle Seelen erschaffen sind, welche im göttlichen Schöpfungsplane aufstiegen. S. 98, Z. 4 v. u.: Tanchuma hat die Erzählung ausführlich s. das. S. 101, Z. 9 v. u: Alle Ausschläge darf der Mensch besichtigen, nur seine eigenen nicht. R. Me'ir sagte: Auch die seiner Verwandten darf er nicht besichtigen. Wer besichtigte denn den Aussatz der Mirjam? Meinst du etwa Mose, ein Fremder (der nicht Priester ist) darf doch die Ausschläge nicht besichtigen? Oder meinst du etwa Aaron, ein Verwandter darf doch die Ausschläge nicht besichtigen? S. 102, Z. 7 v. o.: „Eine erhabene Stelle (riNt?)“ d. i. Babel, vergl. Jes. 14, 4: „So erhebe (nttswi)_ Das. Z. 18 v. o.: .... zischte (t]B> ~ nnBD). S. 103, Z. 21 v. u. ist zu lesen: Was treiben diese da? Sie sollen nun dafür vertrieben werden (in’s Exil wandern)! S. 105, Z. 8 v. o.: )' 23 J ist nicht gekrümmt, sondern Epilepsie. S. 106, Z. 15 v. u. muss es heissen: Standen sie — das Weib und ihr Kind — hinter der Thür (dass, wie er anfing von dem Wunder Elisa’s dem König zu erzählen, das Weib mit dem Kind erschien)? Die Rabbinen sagen aber: Würde das Weib sich selbst am Ende der Welt befunden haben, so hätte sie Gott hierher gebracht, damit (sie selbst und) nicht der Ruchlose das Lob Gottes erzähle. S. 108, Z. 9 v. u.: Das Wörtchen „nicht“ ist zu streichen. S. 109, Z. 10 v. o.: Warum? Weil es heisst: Wer das Regen der Lippen schafft (betet, dem ist) Friede, Friede! Das. Z. 2 v. u.: Der eine sagt: Der Psalmist Assaph (der diesen Psalm sang), war der Assaph, Sohn Korachs; der. andere sagt: Es war ein anderer Assaph. Jener, welcher sagte, dass es der Assaph, der Sohn Korachs war, hat als Grund, weil dieser sagen konnte: ich hätte schon längst beim Vater in der Hölle verweilen können.ich hätte schon längst mit den Ruchlosen in der Hölle sein können. S. 112, Z. 1 v. o. ist die Parenthese zu streichen, da es im Verse ausdrücklich heisst:.Und das Gewölk wich vom Zelte, und siehe, Mirjam ist aussätzig .... Das. Z. 8 v. u.: dann erst s. das. V. 36. Noten und Bemerkungen. S. 113, Z. 14 v. 0. ist zu „Kaufleute“ zu bemerken': dass JJ?J 3 auch die Bedeutung Kaufmann hat. S. II6, Z. 2 v. o. ist zu lesen: Chananja. Josua ben Chananja wird immer bezeichnet (in n'NIlQNl D’NSn YiD) „der zur Zeit des Kaisers lebte,“ ohne den Namen des Kaisers. Daraus ist zu entnehmen, dass er zurZeit des Kaisers Hadrian lebte. Ebenso findet^ sich Taanit 7 0 , dass eine Kaisertochter den Josua ben Chananja neckte, auch da ist zu ergänzen: die Tochter des Hadrian. S. 117, Z. 9 v. u.: nSHlü wäre besser zu übersetzen: „in die Flucht schlagen,“ dann wird es mit dem Gleichniss des Priesters, der den Laib Brot zu werfen drohte (Z. 14 v. u.), übereinstimmend. S. ncj, Z. 25 v. o. ist zu lesen: ihr habt mich belogen. S. Aruch s. v. ttW. S. 121, Z. 19 o. o. ist besser mit V'Tltl zu lesen: Der Mensch schlägt durch, den Henker und heilt durch den Arzt, Gott aber schlägt und heilt durch sich selbst, vergl. Deut. 32, 39: „Ich schlage und ich heile.“ Das. Z. 25 v. o.: Der Midrasch deutet nämlich den Vers so: „und von deinen Schlägen wird das Heilmittel.“ Das. Z. 12 v. u.: Im Vers steht nämlich zweimal CI’, El* (Tag), und ein Tag ist tausend Jahre. Das. Z. 4 v. u.: „Bar“ ist zu streichen. S. 122, Z. I v. 0.: „Raben.“ dlj? wird als 33 JJ, Abend gedeutet. Das. Z. 5 v. u. ist für „Centnerschwerer Gegenständ“ zu lesen: ein Brot (“ 03 ). S. 127, Z. 20 v. o. ist zu lesen: Darf man so verfahren? Giebt man eine Seele. Heisst es nicht Deut. 23, 15: „Du sollst nicht.“ Da entgegneten sie ihm: Hat nicht deine Grossmama so mit Scheba ben Bichri gehandelt? S. 134, Z. 14 v. u. ist zu lesen: sagte R. Elieser zu Ima-Schalom. — So hiess nämlich die Frau des R. Elieser. — S. 136, Z. 16 v. o. ist zu lesen: R. Berachja sagt: Gott sagte .... Das. Z. 23 v. o. ist zu ergänzen: Gott gesehen und gegessen und getrunken? Das. Z. 7 v. u.: er nicht schaute (E’ 3 fi 0 ). S. 138, Z. 3 v. o.: die Haare meines Hauptes und den Saum (max) meines Hemdes. Das. Z. 5 v. u.: Ex. 14, 10: „Und Pharao nahte.“ S. 139, Z. 22 v. o. ist nach den Erläuterungen meines Grossvaters Sam. Straschun so zu lesen: 248 eiserne Ketten hat Gott in jener Stunde an die 248 Glieder des Goliath gelegt. Das. Z. 6 v. u.: „Auf dies (fixte) vertraue ich.“ Was bedeutet nxt 3 ? S. 141, Z. 2 v. u.: er kann wohl zu jeder ihm beliebigen Stunde hineingehn, allein es muss nach dieser vorgeschriebenen Ordnung geschehen. Druckfehlerberichtigung. S. 50, Z. 13 v. u. lies: im Sieden. S. 62, Z. 6 v. u. lies: den Schlagenden, den Raufenden. S. 98, Z. 4 v. o. lies: hat er eingeschlürft. Das. Z. S v. o. lies: „Und es werde eingeschlürft“ u. s. w. •H- Druck von Bär & Hermann in Leipzig. •ri-M ro g gSv 3 ® ZT 3 CD * ifti O as&s