Par. XXXIV. Cap. XXV, 39.
235
den Psalmen) vor, aber von allen hat blos dieser (der Arme oderKranke) die Urkunde ( anoyjj ) des Sündenerlasses erhalten. WelcheUrkunde hat er erhalten? Ps. 41, 2; „Am Tage des Unglücks rettetihn der Ewige.“ Darum warnt Mose die Israeliten: „Wenn deinBruder verarmt.“
Oder: „Wenn dein Bruder verarmt.“ In Verbindung mit Prov.19, 17: „Dem Ewigen leiht, wer gegen den Armen mildthätig ist.“R. Eleasar sagte: Es heisst Ps. 136, 25: „Er (Gott) giebt Speiseallem Fleische,“ nun kommt dieser (der Mildthätige) ihm damitzuvor (eig. und reisst ihm die Vorschrift weg). Da spricht Gott:Mir liegt es ob, ihm sein Thun zu vergelten. Das steht auchProv. 19, 17: „Und seine Wohlthat wird er ihm vergelten.“ R. Tan-chuma hat im Namen des R. Chija bar Abba gesagt; R. Nachmanhat im Namen des R. Judan bar Simeon gesagt und die Rabbinenim Namen des R. Simeon ben Levi: Wenn diese Schriftstelle (demEwigen leiht u. s. w.) nicht geschrieben stände, zu sagen wäre esunmöglich, als wenn es die Weise des Leihenden wäre, Knecht desGläubigers zu sein? So heisst es das. 22, 7: „Und ein Knecht istder Borgende des Leihenden.“ R.Pinchas sagte im Namen des R. Rüben:Wer einem Armen eine Peruta verabreicht, dem giebt es Gott viel-fältig wieder (eig. dem giebt er viele Peruta wieder); denn ex giebtihm eine Peruta, und giebt er ihm damit nicht seine Seele (ver-längert er ihm damit nicht das Leben)? Wie so? Wir wollen an-nehmen, wenn ein Kikar für zehn Peruta zu haben ist, und einArmer steht auf dem Markt und möchte ihn gern kaufen, er hataber nur neun, da kommt nun einer und giebt ihm die (fehlende)Peruta, der Arme nimmt nun dafür den Kikar, isst ihn under erholt sich wieder (seine Seele kehrt wieder zu ihm zurück), daspricht Gott zu ihm: In der Stunde, wo deine Seele zirpt aus deinemKörper herauszugehen, gebe ich sie dir zurück. Darum warnt Mosedie Israeliten: „Wenn dein Bruder verarmt.“
Oder: „Wenn verarmt.“ Was auch geschrieben steht Prov.11, 17: „Wer sich selber wohlthut, ist gütig.“ Das ist Hillel, derAlte. Wenn er von seinen Schülern sich verabschiedete, begleiteteer sie und ging mit ihnen. Da fragten ihn seine Schüler: Rabbi!wohin gehst du? Er antwortete: Um ein gutes Werk zu verrichten.Sie fragten: Was für eins? Er sprach: Ich will in’s Bad gehen.Sie fragten: Ist denn das ein gutes Werk? Ja wohl, gab er zurAntwort, denn wenn schon der, welcher über das Bild der Könige,was man in Theatern und Circus aufzustellen pflegt, gesetzt ist,weil er es polirt und abspült, Nahrung dafür erhält und nicht nurdas, sondern auch bei den Grossen der Regierung angesehenist, um wie viel mehr ich, der ich in Gottes Ebenbilde geschaffenworden bin, wie es heisst Gen. 9, 6: „Denn im Ebenbilde Gotteshat er den Menschen gemacht.“ Oder: „Wer sich selber wohlthut,ist gütig“ d. i. Hillel, der Alte. Wenn er sich von seinen Schülernverabschiedete, begleitete er sie und ging mit ihnen. Da fragten