So
Par. XII. Cap. X, 9.
nicht einschlafen (eig. der Schlaf kam nicht), er stand in der Finster-niss auf, ging zum Krämer und sprach zu ihm: Verkaufe mir eineKiste Wein. Ich kann dir nicht öffnen, denn es ist finster und ichhabe Angst vor den Wächtern. Der Trunkenbold erhob seineAugen und wurde eine Oeffnung am Thore (an der Ladenthür) gewahr.Reiche mir durch dieses Loch die Labung, ich trinke draussen.Der Weinschenk that es, der Käufer trank und schlief vor demThore ein. Die Wächter gingen vorbei (sahen ihn liegen) undhielten ihn für einen Dieb. Sie schlugen und verwundeten ihn undwandten auf ihn an: „Wer erhält Wunden unschuldiger Weise?“d. i. wer erhält ohne Verschulden Wunden? „Wer hat trübe Augen?“d. i. wer hat rothe Augen? Alle diejenigen, „welche beim Wein ver-weilen“ d. i. der, welcher zuerst zum Weinschenk hineingeht undzuletzt wieder herauskommt. „Die kommen, um gewürzten Wein zukosten“ d. i. die da horchen, wo guter Wein zu haben ist. Wasfolgt aber dann? V. 32: „Am Ende sticht er wie eine Schlange“d. i. wie die Otter zwischen Tod und Leben trennt, so hat auchder Wein zwischen Adam und Eva Trennung (Unheil) bewirkt (an-gerichtet); denn R. Jehuda bar Ilai hat gesagt: Jener Baum, vondem Adam gegessen hat, war ein Weinstock (eig. waren Trauben)s. Deut. 32, 32: „Ihre Trauben sind Trauben von Gift“ d. i. diesehaben Bitterkeit in die Welt gebracht. Oder: „Wie eine Otterscheidet er“ d. i. wie die Otter zwischen Leben und Tod scheidet,so hat auch der Wein zwischen Noach und seinen Kindern ge-schieden (Zerwürfniss angerichtet), indem er die Knechtschaft be-wirkte s. Gen. g, 21: „Und er trank von dem Wein und berauschtesich und entblösste sich.“ In Folge dessen sprach er: „Verflucht seiKanaan.“ Oder: „Wie eine Otter scheidet er“ d. i. wie die Otterscheidet, so hat auch der Wein geschieden zwischen Lot und seinenTöchtern, indem er Bastarde bewirkte s. das. 19, 32: „Und siegaben ihrem Vater Wein zu trinken,“ in Folge dessen wurden zweiTöchter Lots von ihrem Vater schwanger. Oder: „Wie eine Otterscheidet er“ d. i. wie die Otter zwischen Leben und Tod scheidet,so schied auch der Wein zwischen Aaron und seinen Söhnen, sodass sie starben; denn R. Simeon hat gelehrt: Die Söhne Aarons sindnur darum gestorben, weil sie vom Wein berauscht waren und in dasVersammlungszelt gegangen sind. Gleich einem König, sagte R. Pin-chas im Namen des R. Levi, der einen treuen Haussohn (Haus-genossen) hatte, den er an der Thür (des Ladens) stehend fand.Er enthauptete ihn in aller Stille und setzte einen anderen an seine-Stelle. Nun wissen wir allerdings nicht, warum er den ersten er-schlagen hat, allein dadurch, dass er dem zweiten befahl, nicht andie Thür des Ladens zu treten, wissen wir, dass er aus diesemGrunde den ersten erschlagen hat. So auch hier Lev. 10, 2: „Esging Feuer aus von dem Ewigen und verzehrte sie.“ Nun wissenwir nicht, warum sie gestorben sind, allein da Aaron das Verbot(den Befehl) erhielt s. 10, 9: „Wein und berauschende Getränke-