IO
Par. II. Cap. I, 2.
Gesichte, nicht aber in Räthseln.“ Die Rabbinen sagen: Alle Pro-pheten sahen durch einen trüben Spiegel, wie es heisst Hos. 12, n:„Ich habe die Gesichte vermehrt und durch die Propheten lege ichGleichnisse vor;“ Mose aber sah durch einen feingeschliffenenSpiegel, wie es heisst Num. 12, 8: „Die Gestalt des Ewigen schauteer.“ R. Pinchas führte im Namen des R. Hosaja dieses Gleichnissan. Ein König offenbarte (zeigte) sich seinem Haussohne in seinemwahren Bilde, denn in dieser Welt erscheint die Schechina den Ein-zelnen, aber einst wird sich die Herrlichkeit des Ewigen zeigen, „und essiehet alles Fleisch zumal, dass des Ewigen Mund geredet“ s. Jes.40, 5.*) Oder: „Er rief Mose und der Ewige redete.“ Daher haben dieAlten gesagt: Jedem Gelehrten ohne Wissen (Kenntniss) ist ein gutesAas vorzuziehen. Du kannst es auch daran erkennen, dass es sichso verhält. Geh und lerne von Mose, dem Vater des Weisheit,dem Vater der Propheten, der die Israeliten aus Aegypten geführthat und durch welchen so viele Wunder in Aegypten geschehensind und Offenbarungen am Schilfmeere, der sich bis zu den I-Iöhendes Himmels geschwungen und das Gesetz vom Himmel herab-gebracht und sich mit dem Bau der Wohnung beschäftigt hat, erging nicht eher in das Innerste hinein, bis er gerufen worden war,wie es hier heisst, „Gott rief Mose und redete,“ und dort Ex. 3, 4heisst es: „Und der Ewige sah, dass er zurückwich, um die Er-scheinung zu sehen.“ Beim Dornenbusch war eine Unterbrechungzwischen dem Rufen und der Rede, im Versammlungszelte abernicht. Beim Dornenbusch, womit ist das zu vergleichen? Gleicheinem Könige von Fleisch und Blut, der über seinen Diener auf-gebracht war und befahl, ihn in’s Gefängniss zu werfen; wenn erdem Boten 'einen Auftrag giebt, geschieht es nicht anders, als vonAussen, aber im Versammlungszelte, wo er sich mit seinen Kindernfreut und seine Hausgenossen fröhlich sind, wenn er da dem Boteneinen Auftrag ertheilt, so geschieht es im Innern (des Hauses), so-wie denjenigen, welche er zwischen seine Kniee setzt und wie dieHand einen Menschen (Vaters) über seinen Sohn, darum heisst eshier: „Gott rief Mose.“
Parascha II.
V. 2. Rede zu den Kindern Israels und sprich zuihnen: Wenn einer von euch dem Ewigen eine Opfergabebringen will u. s. w. Mit Anknüpfung an Jerem. 31, 20: „Eintheurer Sohn ist mir Ephraim.“ Zehn (Dinge) werden Kostbarkeiten
*) Dieses Stück bis zum Schlüsse der Parascha steht in der VenedigerAusgabe am Ende unseres Midrasch und wird als eine andere Textrecen-sion ttnou) bezeichnet.