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Der eigentliche Grund oder Hauptgrund, von dem ich auchschon oben gesprochen habe, scheint mir die Gewohnheit zu sein.Wir haben das Übel von nnsern Vorfahren überkommen, und esist auf uns übergegangen, ohne daß wir es gemerkt haben. DieGewohnheit hat auch hier Ammendienst versehen, und so ist inunser Blut übergegangen, was doch Gift ist. Nur wer es alssolches erkannt und dazu den rechten Willen gehabt, hat es vonsich gestoßen und der Gewohnheit den Krieg erklärt. Aber nichtsbleibt stehen. Es nimmt ab oder wächst, denn das ist das Gesetzdes Lebens. Und diese Gewohnheit ist gewachsen und wächst ge-rade in unfern Tagen auf eine erschreckende Weise. Die innern An-lässe oder Gründe, die ihr dazu helfen, sind wesentlich dieselben,welche sie ehedem ins Dasein riefen, Dinge sehr unerfreulicher Art.
Zwar führen die Sprachmischer und Wortmenger gern ver-nünftige Gründe für ihre schlechte Gewohnheit an. Sie sagen,der fremde Ausdruck sei treffender und kürzer als ein schwer-fälliger und langer deutscher, und dafür ziehen sie einige Bei-spiele an, die ihnen scheinbar recht geben, ja die ihnen wirklichbisweilen recht geben müßten, wenn die Voraussetzung, die siestillschweigend unterschieben, haltbar und richtig wäre. Denn istKürze das Wesen und der Zweck der Sprache? Und ist denndas Fremdsprachliche für den Deutschen, der mir deutsch versteht,treffender als das Deutsche selbst? Ist Ventriloquist kürzer undtreffender als Bauchredner? Ist Prestidigitatenr treffender undkürzer als Taschenspieler? Ist Toilette machen treffender undkürzer als sich anziehen oder umziehen? Ist Inaugurations-Prozession kürzer und treffender als Festzug? Wenn ich also auchwirklich einzelne Fälle ausnehmen wollte, wo es sich um Wörterhandelt, für die wir keine bestimmten guten deutschen Ausdrückevon derselben Bedeutung haben oder noch nicht gefunden haben,so muß ich doch alle diese sogenannten vernünftigen Gründe füreitel Selbstbetrug und Schwindel halten.