Morgen mit Tagesanbruch waren schon die Briefean Lord Mauleverer, an seinen Bruder und anLucie geschrieben. Der Brief an seine Nichte/ganz im Tone der zärtlichsten Besorgtheit undder liebevollen auf Erfahrung sich gründendenWarnung geschrieben, war ganz gemacht, jenes aufBeschämung und Verwundung gemischte Gefühlzu erregen, das, wie der schlaue Advokat ganzrichtig urtheilte, der wirksamste Feind einer auf-keimendcn Leidenschaft seyn mußte.
„Ich habe" schrieb er, „zufällig von einemaus Bath zurückgekommnen Freunde gehört, wel-che in die Augen fallende Aufmerksamkeit dir Ca-pitän Clifford widme; ich will Dich, theuersteNichte, durch die Wiederholung dessen, was ichdann weiter von Deiner Art ihm zu begegnen ge,hört habe, nicht verletzen. Ich kenne die Bösar-tigkeit und den Neid der Welt, und ich kann mirkeinen Augenblick träumen lassen, daß meine Lucie,auf die ich mit so vielem Recht stolz bin, von ei-ner kleinen Coquetterie verleitet, die Bewerbun-gen eines Mannes, den sie nie hcirathen könnte,begünstigen oder gegen einen Anbeter eine Nei-gung blicken lassen sollte, von der ihre Verwand-ten nichts wüßten und deren Gegenstand gewißnie ihren Beifall gewinnen könnte. Ich messe denBerichten der müffigen Menschen keinen Glaubenbei, meine liebe Nichte, aber wenn ich sie nichtglaube/ so darfst Du sie deßhalb nicht verachten.