Druckschrift 
2 (1834)
Entstehung
Seite
103
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zuvor. Sie hatte di« anmuthigste Art zu lachen,die sich ein Liebhaber der Musik nur denken mag;silberhell, nicht laut, und doch so freudig! alle ihreBewegungen schienen, wie der alte Pfarrer sagte,mit ihrem Lachen Takt zu halten; denn Fröhlichkeitwar ein Hauptzug ihres schuldlosen kindlichen Ge-miiths; und doch war ihre Fröhlichkeit weiblich, nieausgelassen und glich nie der der jungen Damen, welchetu den Higkgatc,Bildungsanstalten die letzte Vollen-dung erhalten haben. Alles Fröhliche sprach sie an,und Alles auf Einmal Gesang, Blumen, Son-nenschein, Schmetterlinge. Unähnlich den gewöhn-lichen Heldiucn, schrie sie sehr selten aus und sah nichtsR-izeudes daran, Grillen zu ha»ni. Aber nie sahsie so schön aus, wie im Schlafe! und wenn derleichte Ath-m aus den gespaltenen Lippen wehte unddie elfenbeinernen Lieder sich über den Augen zu-schloffeu, die nur im Schlummer schwiegen, und ihreganze Gestalt im Schlafe die unaussprechliche An-muth aunahm, die nur der Kindheit oder der ersten fri-schen Jugend eignet, in welche die Kindheit verschmilzt,dann war sie, wie man sich etwa ein schlummerndesGretchen verstellen mag, ehe dieses einfachste edelsteDichtergcbild von Weiblichkeit den Faust gesehen hat-te und ein Traum von Liebe ihren Schlummer störte.

Von Luciens geistiger Ausbildung können wirnicht viel sagen; sie konnte, Dank des PfarrersF-rau, leidlich gut lesen und schrieb eine erträglicheHand, sie machte eingemachte Früclste und biswei-