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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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dem Begriff des Rhapsoden (des Sängers), die anderen mehr von demdes Poeten ans wenn cs nämlich erlaubt ist, diese beiden Begriffe, inso fern in dem einen mehr das Musikalische des Gesanges, in dem ande-ren mehr das Künstlerische der Form herrschend ist, von einander zu tren-nen. Jene sehen ihn als einen Menschen an, der, durch die Eingebungeines Gottes in einen sinnlichen Schwung, in eine hohe Begeisterung ver-setzt, mm auch eine Sprache annimmt, die sich über alles Gewöhnlichecmporhebt, nicht nur der Größe ihres Gegenstandes mit der Kühnheitihres Ausdruckes folgt, sondern ihm vielmehr da, wo er kleiner erscheint,durch noch größere Kühnheit nachhilft. Sie wollen ganz andere Worte,andere Wendungen, kurz eine durchaus und in jedem Einzelnen andereSprache, als die Prosa verlangt. Diese betrachten ihn als einen, dessenEinbildungskraft einen Gegenstand lebhaft aufgcfaßt hat, und nun, mehrum die Sache, als um den Ton bekümmert, nur daran arbeitet, ihn aus-zubilden, und wieder der Einbildungskraft Anderer Werth zu machen, imEinzelnen der gewöhnlichen Sprache nahe bleibt, aber das Ganze dadurchallein nmändert und cmporhebt, daß er eS, seiner Form nach, zu einemreinen Werke der Phantasie macht.

Diese beiden Ansichten näher zu Prüfen und zu würdigen, die Zeitenund Sprachen zu vergleichen, in welchen die eine oder die andere mehrgegolten hat, würde nnläugbar zu wichtigen Resultaten führen. Es würdeuns lehren, daß erst die vollkommene Scheidung der poetischen und pro-saischen Sprache das Zeichen der vollendeten Bildung des Stils ist, unddaß für diese Bollendung bei uns, wenn nicht die Poesie zu prosaisch, dochdie Prosa noch zu poetisch ist. Allein da dies eigene und weitläufige Un-tersuchungen erforderte, da es uns offenbar uöthigcn würde, tief in dieSprache Homcr's und Plato's (welcher letztere vorzüglich hierüber trefflicheWinke enthält) einzngchen; so müssen wir uns hier dabei begnügen, daßin jeder dieser Ansichten, so wie sie im Vorigen geschildert sind, dennochoffenbar etwas Einseitiges und Uebertriebenes liegt, und daß jede unläug-bar besser zu einer besonderen Art der Dichtkunst paßt. Wenn nun unserDichter ein billigeres Urtheil nach der letzteren erfährt, so verdient er esmit desto größerem Rechte, weil seine Gattung und sein Charakter dersel-ben offenbar mehr angemessen ist.