197
wie sie aus dem Herzen hervorströmcn. Mau lese die Rede des Geist-lichen über das Bild des Todes noch einmal nach, und fühle selbst, welchein Leben ans diesen Versen hervorguillt.
0 .
Einfachheit dev Dietio».
So ist die Sprache unseres Dichters durchaus einfach, wahr undkräftig, durchaus in Harmonie mit seinem dichterischen Charakter, wiewir ihn im Vorigen schilderten, und mit den Forderungen der epischenDichtkunst. Kein einzelner Ausdruck, keine Wendung, kein einziger VerSin dem Ganzen ist weder didaktisch, noch lyrisch.
Der Vorwurf aber, dem dies Gedicht schwerlich ganz entgehen wird,ist der einer zu großen Einfachheit der Darstellung, einer solchen, diemanchmal wenigstens matt und prosaisch wird. Bis ans einen gewissenPunkt ist dieser Tadel gegründet; cs hätte in der That hier und da einminder gewöhnlicher Ausdruck gewählt, der Gang der Perioden durch dasHinwegschnciden müßiger Partikeln rascher gemacht; oder ohne auch hierinetwas zu ändern, durch den Ban des Verses dem kleinen llebelstande ab-geholfen werden können.
Größtentheils aber entsteht jener Vorwurf nur aus einer einseitigenAnsicht derer, die ihn erheben. Einmal darf ein Gedicht, wie das gegen-wärtige, nicht stcllcnweis, es muß im Ganzen benrtheilt werden. Nurwenn der Eindruck des Ganzen matt und Prosaisch ist, oder wenn Leser,die mit vollkommener Theilnahme an dem Gegenstände ihre Aufmerksam-keit durchaus auf das Ganze richten, durch einzelne prosaische Stellen ge-stört werden, nur dann ist jener Tadel gegründet. Sonst aber ist es sehrnatürlich, daß, um dem Ganzen das nöthige Gleichgewicht zu erhalten,um nicht überhaupt in einen Schwung zu gerathcn, der dieser Gattungnicht znkommt, einzelne Stellen so gemildert werden müssen, daß sie,allein heransgehobcn, nicht anders als matt erscheinen können.
Dann giebt es auch bei der Bcnrthcilnng dessen, was die einen matt,und die anderen nur einfach und natürlich nennen, offenbar zwei verschie-dene Standpunkte. Die einen nämlich gehen bei dem Dichter mehr von