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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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I.XXXIX.

Echt dichterische Erfindung des Ganz,'».

Bei der Anordnung des Details ist kein Umstand, der ans einemanderen, vorher angegebenen, natürlich hcrflicßt, ausgelassen, und kein an-geführter unbenutzt geblieben, und eben so wenig findet man einen, dessender Dichter bedurft hätte, und der nicht schon durch die einmal vorausge-setzten Verhältnisse mitgcgcbcn gewesen wäre. Wie in einer vollkommenansgearbcitctcn Bildsäule nichts mehr bloßer Stoff ist, wie auch derkleinste Raum, über den der Finger hinwcgglcitct, seine eigene Form undseine eigene Begränznng hat, so ist auch hier alles bestimmt, »nd jede Be-stimmung erzeugt immer von selbst wieder die folgende. Der Leser hättesic hinzufügcn müssen, wenn es der Dichter versäumt hätte.

Gerade nun dadurch zeichnet sich das echte Dichtcrgcnie in der Com-position ans, daß cS seinen Gegenstand gleich dergestalt in die Phantasieanffaßt, daß sich alles davon absondcrt, was keiner poetischen Wirkungfähig ist, alles hingegen, was diese vermehren kann, sich von selbst darinfindet. Ohne nur irgend zu suchen, muß der Dichter in dem Stoffe, denihm die Begeisterung znführtc, selbst verwundert, alles vereint, und nurdas antreffcn, waS er bedarf; er muß bloß entwickeln, was ihm, gleich alswäre es das Geschenk eines glücklichen Ungefährs, sein Genius, ohne seinBemühen, nur durch die Kraft seiner Natur gab. Dies ist hier um soauffallender, da ein so einfacher Stoff und im Grunde nur ein einzigesVerhältnis; ausgestellt wird. Der Dichter kann hier nicht, wie z. B.Homer bei der Schilderung einer Schlacht, mehrere Bilder zugleich an-lcgeu und von dem einen zum anderen übergehen; er muß sein ganzesMaterial sich allein aus sich selbst erzeugen lassen.

X6.

Augenblick, in welchem die Handlung anhclN.

Die Wahl des Augenblickes, in welchem der Dichter die Handlunganfnimmt, gehört zu den vorzüglichsten Beweisen seiner Geschicklichkeit in