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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
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mm übrigens noch so weit von der Natnr entfernen, in der Erfohrnngnoch so selten gcfnnden werden. Die strengere pragmatische hingegen ver-wirft alles, was nicht innerhalb deS gewöhnlichen Laufes der Natnr liegt,nnd schließt sich genau an die Gesetze derselben, sowohl die physischen alsdie moralischen, in so fern sic mit jenen übercinstimmcn, an. Sie fordertgeradezu das Natürliche, nnd wenn sie auch das Außerordentliche undUngewöhnliche nicht anSschlicßt, so muß cS doch immer vollkommen auchmit dem Natnrgangc im Ganzen, mit dem Gattungsbegriffe der Mensch-heit übcrcinstiimnen, wenn cS sich gleich darüber erhebt; die idealische weistdagegen auch daS nicht zurück, waS diesem letzteren wirklich widerspricht,und schlechterdings nur als Ausnahme in den Individuen angetroffen wird;nnd die bloße Wahrheit der Phantasie, die fast zu dem geraden Gegen-theile von dem wird, was man gemeinhin Wahrheit nennt, Übertritt sogarnoch diese Schranken. Die Gränzcn der idcalischcn und pragmatischenWahrheit müssen natürlich, ans einzelne Fälle angewcndet, sehr oft zn-sammcnzulanfcn scheinen; man wird sie indcß nie verkennen, sobald mansich erinnert, daß alles das bloß idealische Wahrheit haben kann, woraufein Gcmüth stößt, das sich, abgesondert von dem Leben in der äußerenWirklichkeit, in seinen Ideen und seinen Es ' , und der

äußeren Geschäftigkeit nnd der lebendigen Heiterkeit eine innere Thätigkcitnnd einen bloß sentimentalen Genuß unterschiebt, da hingegen in dem,welcher sich überall an die Natnr außer ihm anschließt, in ihr allein lebt,webt nnd genießt, nichts Vorgehen kann, was nicht die höchste nnd in dieAugen fallendste pragmatische Wahrheit besäße.

Dies aber ist daS Gebiet des epischen Dichters. Seine Kunst gehtans der Fülle des Lebens hervor nnd führt eben so auch dahin zurück.Er flicht daher alle gleichsam übermäßige Verfeinerung in Gedanken undEmpfindungen, alle verwickelten nnd schwer zu ergründenden Charakterennd Empfindungen; was damit verwandt ist, kommt ihm unnatürlich nndkleinlich zugleich vor. Er braucht große nnd Helle Massen, und Gegen-stände jener Art vertragen das sonnige Licht nicht, das er über seinenGegenstand auSzugicßen gewohnt ist. Er will außerordentliche Menschenmalen, aber doch nur solche, die cs durch den Grad ihrer Kraft, durchdie Neinhcit ihres Wesens, nicht gleichsam durch eine seltene Organisationsind; im Ganzen sollen sie mit allem, was nur überall das Menschlichstennd Natürlichste ist, in dem vollkommensten Einklänge stehen; was erdarstellt, muß der bloße gesunde und gerade Sinn durchaus zu fassen und