anderen, eine vollkommene Einheit in der Behandlung seines Stoffes.Aber wenn ihm diese zur unerläßlichen Pflicht gemacht wird, so ist sicnicht sowohl eine solche, welche die einzelnen Thcilc ans eine schneidendeWeise zu einem einzigen Punkte hinführt, als eine solche, welche sie nurin Ein Ganzes znsnmmcnfaßt. Die crstcrc ist viel mehr ausschließendnur der Tragödie eigen.
Die Empfindung nämlich, deren Erregung der Hauptzweck des tra-gischen Dichters ist, kennt nur Einen Gegenstand, und ans diesen Begriffwahrhaft numerischer Einheit wendet mm der Dichter den milderen undhöheren des Kunstganzen an. Der betrachtende Sinn hingegen, der inder Epopöe dichterisch bearbeitet wird, nimmt vielmehr immer vieles zu-gleich ans, und verknüpft es nur in so fern, als er es ans demselbenStandpunkte ansieht. Ter tragische Dichter strebt also nach einer Einheit,die in der Erfahrung wirklich vorhanden ist; er eilt in der That EinemPunkte zu; dadurch wird sein Gang rasch und heftig, und sein Planzieht sich, indem er alles abschneidcn muß, was ihn ablciten würde, mehrin die Enge zusammen, als er sich in die Breite anSdehnt. Die Ein-heit des epischen Dichters hingegen liegt mehr in seiner Absicht, als inder Sache selbst; er hat daher größere und eine bis ans einen gewissenGrad unbestimmte Freiheit mehr in seinen Plan aufznnchmcn, es hängtwirklich (und auch in so fern ist die Ankündigung kein unwesentlicherPunkt) großenthcils davon ab, was und wie viel er gleich anfangs zu lei-sten verspricht.
Der Schluß seines Gedichtes ist nicht nothwcndig ein wirklichesEnde, über das hinaus sich nun nichts mehr hinznfügen ließe; es ist genug,wenn nur alle einzelnen Thcile des Ganzen darin ans eine befriedigendeWeise zusammenkommen, und eS hängt sehr häufig nur von dem Dichterab, ihn in einen bloßen Nuhepnnkt zu verwandeln, sobald cs ihm nämlichgefällt, den Faden der Erzählung noch weiter fortzuspinncn.
Doch kann er seinen Plan nicht nach Willkür inS Unbestimmtehin auSdchnen. Die Gränzc ist auch hier scharf geschnitten; er darf näm-lich nicht weiter gehen, als bis dahin, wo sein Stoff anfhörcn würdeeine Handlung zn sein, und in eine wirkliche Begebenheit, d. h. in einensolchen Inbegriff von Ereignissen auSartete, in welchem nicht mehr dieWirksamkeit einer Handlung, oder wenigstens nicht mehr die einer einzi-gen, sichtbar bliebe.