unmittelbar darstellt, hat dics Gesetz eine bei weitem andere Bedeutung.Er schildert das wirtliche Leben mit allen den Lücken, den Unterbrecht»!gen, den Ueberraschungen, die wir in jeder Begebenheit wahrnehineu, vander wir unmittelbare Augenzeugen sind; die aber der epische Dichter, wieder Geschichtschreiber, nothwcndig ansfüllt und überarbeitet, indem erdas Ganze in Eine Erzählung verknüpft. 'Die Handlung muß also nnunterbrochen fortgehen; kein Umstand darf absichtlich hingcstellt scheinen;unabhängig von dem Zweck, zu dem er gebraucht ist, muß er schon fürsich selbst als eine nothwendigc Folge auS dem Borigen hcrfließcn; derZusammenhang des Planes muß so fest und so innig sein, daß der Leserselbst ihn nicht anders hätte entwickeln, so übereinstimmend mit den phy-sischen und moralischen Gesetzen der Natur, daß die Begebenheit in derThat nicht anders hätte fortlaufen können; nur die erste Anlage, auf diesich das klebrige gründet, ist der Willkür des Dichters unterworfen, allesFolgende bestimmt sich lediglich von selbst durch einander.
Tics ist die sinnliche objective Stetigkeit der Handlung und desPlaues. Aber um die snbjcelive in dem Gemüthe des Lesers hcrvorzu-bringen, welche eigentlich von ihm gefordert wird, muß der epische Dichter noch mehr thun. Ucbcrall nämlich, wo er eine Mannichfaltigkcit vonBestimmungen in den Charakteren, Gesinnungen, Empfindungen anweu-det, muß er sic gerade eben so durch unendlich kleine allinälige Abstufungen von einander trennen, allen grellen Eontrast vermeiden, und in ihrerVerschiedenheit selbst immer nur den Neichthnm und den Umfang derGattung darstellen, zu der sie alle gemeinschaftlich gehören. Denn darinbesteht die wahre Stetigkeit einer Reihe von Gliedern, daß durch die Ver-schiedenheit der einzelnen nur die Einheit noch klarer wird, die sie alle ineine zusammenhängende Kette verbindet.
I.XXXIV.
Gesetz der Einheit.
3. Das Gesetz der Einheit. Die allgemeine Natur der bildendenKunst, von welcher er das höchste Muster aufstellen soll, und sein beson-derer Zweck fordern von dem epischen Dichter mehr, als von irgend einem