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Aesthetische Versuche über Goethes Hermann und Dorothea
Entstehung
Seite
158
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dualitüt, daß cr die ganze Eigenthümlichkeit unseres vaterländischen Cha-rakters und unserer Zeit mit anftreten läßt. ES ist ein Deutsches Ge-schlecht, und am Schlüsse unseres Jahrhunderts, das cr nnS schildert.

I.xxx.

Gri'sa- in dl'ii darin aofaefü laten V'karakicrrn und Beaebentmten.

In den Charakteren ist gerade immer dasjenige hcransgehoben, waspoetisch und praktisch die größeste Wirkung thnt; cs herrscht immer darineine doppelte Art der Stärke, einmal die ursprüngliche der Natur, unddann die, welche ans dem Zusammenwirken aller verschiedenen Eigen-thümlichkeiten entspringt. Denn durchaus waltet die menschliche Empfin-dung darin vor, daß nichts gut ist, was nicht natürlich ist, daß allesNatürliche mit einander in durchgängiger Harmonie steht, und daß nurans der reinen Kraft der verschiedenen Individuen die volle der Mensch-heit hervorgcht.

Die Charaktere der Hauptpersonen sind wirklich für sich selbst vonder Art, daß sie sich allem, was nur au sich gut ist, anschlicßen, und mitallem eine wohlthätigc Wechselwirkung unterhalten können: einige andere,denen diese Eigenschaft nicht so eigen ist, helfen dies noch in ein helleresLicht stellen, und wo das Gespräch (das fast immer diese Materie behan-delt) den moralischen Werth und die Gesinnungen der Menschen berührt,da wird immer nur bewiesen, daß wenn sich Leben im Leben vollendensoll, das Natürliche nicht unterdrückt und das Mnnnichfaltige nicht ein-förmig gemacht werden muß. Von scheinbaren Fehlern unserer Naturaus, wird in diesen Gesprächen immer gezeigt, wie sie mir Veranlassungensind, sich znm Besseren und Höheren zu erheben, streitende Neigungenwerden freundlich mit einander ausgeglichen, und die Menschheit wird sosehr in ihrem Ganzen umfaßt, daß eS nur wenig bedeutende Züge inihrem Bilde geben wird, die hier nicht berührt wären. Am einfachsten,allgemeinsten und schönsten ist sie in der Stelle geschildert, wo der thätigeund rastlose Umscglcr des Meeres und der Erde mit dem stillen undruhigen Bürger verglichen wird.

So herrscht also in dem ganzen Gedichte der schöne Geist der Billig-